Plinio Correa de Oliveira
Man fragt mich oft, warum die TFP in ihrem Wahlspruch nicht
„Freiheit“ oder „Arbeit“ anstelle von „Privateigentum“ aufgenommen hat. Ich
werde dieses Thema nun behandeln.
Für Leo XIII. bildet das Privateigentum zusammen mit der Freiheit und der Arbeit ein harmonisches und untrennbares Ganzes, so sehr, dass derjenige, der nur einen dieser drei Werte leugnet, zugleich alle drei leugnet. Und wer einen von ihnen bejaht, bejaht implizit alle drei.
Denn jedes lebende Wesen – von der bescheidensten Zelle bis
zum Spatzen oder zum Löwen – hat Bedürfnisse und ist mit natürlichen
Fähigkeiten ausgestattet, die auf die Befriedigung dieser Bedürfnisse
ausgerichtet sind. So haben der Spatz und der Löwe Hunger, und deshalb lässt
der Instinkt sie die geeignete Nahrung erkennen und begehren. Und ihr Körper
besitzt die notwendigen Mittel, sich dieser Nahrung zu bemächtigen und sie
aufzunehmen. Es besteht also eine natürliche Entsprechung zwischen den
Bedürfnissen und den Fähigkeiten jedes lebenden Wesens.
Dieses allgemeine Prinzip gilt auch für den Menschen. Daraus
ergeben sich für jeden Menschen drei Rechte: frei zu sein, zu arbeiten und
Privateigentum zu erwerben.
Denn um seine Bedürfnisse zu befriedigen, besitzt der Mensch
eine intelligente Seele mit Willen, um zu erkennen und zu wollen, was er
benötigt. Sein Körper ist für ihn Quelle zahlreicher Bedürfnisse, aber auch
Werkzeug, um das zu tun, was notwendig ist, um ihnen zu entsprechen. Aus dieser
Lage ergibt sich für den Menschen, dass er gleichzeitig besitzt:
- Das
Recht auf Freiheit, gemäß seiner rechten Vernunft zu handeln,
um sein Ziel zu erreichen;
- Das
Recht, eine Arbeit auszuüben, als Mittel zur Befriedigung
seiner Bedürfnisse;
- Das Recht
auf Privateigentum.
Ja, das Recht auf Privateigentum. Ich beanspruche nicht,
hier alle legitimen Quellen des Privateigentums kurz darzulegen. Sehen wir
lediglich, wie es aus Freiheit und Arbeit entsteht.
Da der Mensch Herr seiner selbst ist, ist er Herr seiner
Fähigkeiten und der Arbeit, durch die er diese Fähigkeiten ausübt. Und da der
Mensch Herr seiner Arbeit ist, ist er Herr der Frucht seiner Arbeit. Das heißt,
der Mensch ist Eigentümer seines Lohnes. Das Eigentum entsteht
also aus Freiheit und Arbeit.
Sehen wir nun, wie der Besitz des Lohns das Privateigentum
an jeder Art von beweglichen und unbeweglichen Gütern hervorbringt. Da der
Mensch Herr seiner Arbeit und seines Lohnes ist, kann er mehr oder weniger
arbeiten und mehr oder weniger sparen. Durch intensives Arbeiten und Sparen
kann er ein Vermögen bilden, um sich keine Sorgen um den morgigen Tag zu
machen. Oder um Arbeitsmittel zu kaufen, mit denen er eine Tätigkeit beginnt.
Oder um eine Immobilie zu erwerben, die er an Dritte vermietet. Oder um ein Kapital
anzusammeln, mit dem er sich an einem Geschäft beteiligt. Eigentum – der
Ausdruck stammt, wenn ich mich nicht irre, von Leo XIII. – ist verdichtete und
angesammelte Arbeit.
So entsteht aus der Freiheit und der Arbeit jedes
Einzelnen das Privateigentum.
Abschließend beantworte ich nur einige mögliche Einwände.
- Ist
es nicht ungerecht, dass einige Eigentümer werden, während andere aus
Krankheit, Unglück oder Faulheit ein solches Ergebnis nicht erreichen?
Das wäre, als fragte man, ob es ungerecht sei, dass es
Menschen gibt, die guter Gesundheit erfreuen, spazieren gehen oder reisen,
während andere aus Krankheit, Unglück oder Faulheit dazu nicht in der Lage
sind. Diejenigen, die sich in einer unterlegenen Lage befinden, müssen
unterstützt werden. Doch man hält den normalen Lauf der Dinge nicht wegen
abnormaler Situationen auf, ob verschuldet oder nicht.
- Aber
ist Privateigentum nicht anfällig für Missbrauch?
Ja. Dieser muss verhindert werden. Doch deshalb ist es nicht
angebracht, das Privateigentum zu verfolgen oder zu verstümmeln. Auch im
Bereich der Freiheit und der Arbeit sind Missbräuche möglich. Alle sind sich
einig, sie zu verhindern. Niemand wäre jedoch damit einverstanden, Freiheit
oder Arbeit aus diesem Grund zu verstümmeln oder zu verfolgen.
- Wenn
Freiheit, Arbeit und Privateigentum so eng verbunden sind, warum hat sich
die TFP in ihrem Wahlspruch für das Wort „Privateigentum“ entschieden?
Unser Name lautet: Gesellschaft zur Verteidigung von
Tradition, Familie und Privateigentum. Was bedarf heute auf doktrinärer Ebene
am meisten der Verteidigung? Freiheit und Arbeit, die alle mit
einer Stimme verherrlichen? Nein. Sondern das Privateigentum, das die Demagogen
und die Narren – beide in unserem Jahrhundert sehr einflussreich – mit aller
Kraft angreifen.
Ja, wir verteidigen das Privateigentum und in ihm und mit
ihm implizit auch die Arbeit und die Freiheit.
Aus dem Portugiesischen in Folha de São Paulo, Februar-März
1968
Deutsch übernommen von TFP Deutschland.de
Bilder: Eigentum der TFP

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