Donnerstag, 3. September 2026

Der selige Papst Urban II. ruft in Clermont zu einem Kreuzzug auf

Plinio Correa de Oliveira 
Heiliger des Tages – 28. Juli 1967

Morgen, am 29. Juli, ist der Gedenktag des seligen Papstes Urban II. Seine biografischen Daten stammen aus Spasa: Urban II.

 

Papst Urban II leitet das Konzil von Clermont

Urban II. war von 1088 bis 1099 Papst; ein Verteidiger der kirchlichen Freiheit und Fortsetzer des Werkes des heiligen Gregor VII. Er förderte den Ersten Kreuzzug. Das Konzil von Clermont befasste sich hauptsächlich mit dem Kreuzzug. Das Volk erwartete gespannt den Tag des angekündigten Feldzugs. Schließlich stillte der Papst ihre Ungeduld. Er nahm auf dem eigens für diesen Anlass errichteten Thron Platz, mit Petrus, dem Einsiedler, an seiner Seite. Zu seinen Füßen versammelte sich eine große Menge: Kardinäle, Äbte, Priester, Mönche, Ritter und das Volk. Nach Petrus’ Bericht über seine Eindrücke in Jerusalem wandte sich Urban II. an alle:

„Geht, Brüder, geht voller Hoffnung gegen die Feinde Gottes, die seit Langem Syrien, Armenien und die Länder Kleinasiens beherrschen. Sie haben bereits großen Schaden angerichtet: Sie haben das Grab Christi, die wunderbaren Denkmäler unseres Glaubens, an sich gerissen; sie haben Pilgern den Zutritt zu einer Stadt verwehrt, deren wahren Wert nur Christen kennen. Genügt dies nicht, um die Heiterkeit unsere Gesichter zu verdunkeln? Geht und beweist euren Wert! Geht, ihr Soldaten, und euer Ruhm wird sich in der ganzen Welt verbreiten! Fürchtet euch nicht, das Reich Gottes durch große Bedrängnis zu verlieren. Wenn ihr gefangen genommen werdet, ertragt die schlimmsten Qualen um eures Glaubens willen, und ihr werdet eure Seelen retten, indem ihr eure Leiber verliert. Zögert nicht, ihr liebsten Brüder, euer Leben für das Wohl eurer Brüder zu opfern. Lasst euch nicht von der Liebe zu eurer Familie, eurem Vaterland oder eurem Reichtum abhalten, denn der Mensch schuldet seine Liebe in erster Linie Gott, und die ganze Erde gehört euch. Und welches größere Glück gibt es für einen Christen, als zu seinen Lebzeiten die Orte zu sehen, wo der Herr die Sprache der Menschen sprach?“

Auf die Worte des Papstes antworteten die Gläubigen einstimmig: Gott will es. Und Urban fügte hinzu:

„Euer Ruf wäre nicht einstimmig, wäre er nicht vom Heiligen Geist inspiriert. Lasst dieses Wort euer Schlachtruf sein, der die Macht des Gottes der Heerscharen verkündet. Und wer diesen Weg beschreitet, muss das Bild des Kreuzes tragen. Das Kreuz soll an eurem Schwert und an eurer Brust, an euren Armen und Feldzeichen sein. Es soll euch der Lorbeerkranz des Sieges oder der Palmzweig des Martyriums und das Symbol sein, das die zerstreuten Kinder des Hauses Israel vereint. Es soll euch stets daran erinnern, dass Jesus Christus für euch gestorben ist und dass ihr für ihn sterben müsst.“

Der Aufbruch zum Kreuzzug war für den 15. August, das Fest Mariä Himmelfahrt, geplant.

Wir sehen hier, wie viel Schönheit diese Szene bietet. Wie viel Schönheit, vergleichbar mit der Traurigkeit unserer Tage.

Zuallererst das Konzil von Clermont. Ein Konzil unter dem Vorsitz des Papstes und – welch ein Wunder! – ein Heiliger auf dem Stuhl Petri: Das Licht im Leuchter, um alle Völker zu erleuchten. Er, der Mittelpunkt der Tugendausstrahlung, sitzt auf dem Stuhl, wo Wahrheit und Güte gelehrt werden, und führt die Scharen unseres Herrn und unserer Lieben Frau im Kampf gegen den Widersacher an. Dieser Mann, wie ein neuer Engel, sitzt auf dem Stuhl Petri und ist erfüllt von Eifer für das Unglück der Heiligen Stätten. Er kann es nicht ertragen, dass die Heiligen Stätten im Besitz der Ungläubigen sind. Er kann es nicht ertragen, dass es so schwer ist, die Heiligen Stätten zu erreichen und so viele Hindernisse zu überwinden, um dort unseren Herrn Jesus Christus anzubeten.

Doch vor allem wiegt der erste Punkt schwer: die Ehre Gottes, die durch den Besitz eines Ortes durch Ungläubige beleidigt wird, den im Besitz der Christenheit sein sollte und an dem der wahre Gott angebetet werden sollte.

So beruft er ein Konzil ein. Dieses Konzil tagt in Clermont, Frankreich, und eine riesige Menschenmenge verfolgt die Beratungen und erwartet deren Ergebnis. Der Papst trifft ein und nimmt auf einem Thron Platz, der vor dieser gläubigen Menge errichtet wurde. Selbstverständlich umgeben ihn die Konzilsväter und andere Gläubige.

Dort bietet sich ein wunderbares Abbild der katholischen Kirche in ihrer ganzen Pracht. Es ist eine Versammlung, in der der Stellvertreter Christi, ein Heiliger, anwesend ist; in der die Konzilsväter, Priester, die von echtem Eifer für die Ehre Gottes erfüllt sind, sich um seinen Thron versammeln, ähnlich wie Engel um Gott; und dann die Schar glühender, begeisterter Gläubiger, in deren Augen man den Geist des Kampfes und der Opferbereitschaft derer sieht, die auf den Kreuzzug gehen. und der Familien, die diese Entschlossenheit unterstützen und bereit sind, alle Nachteile in Kauf zu nehmen, die die Teilnahme ihres Anführers am Kreuzzug mit sich bringen mag, damit das Grab Christi befreit werde. Voller Beredsamkeit, nahe dem Papst, ein einfacher Mönch, in ärmlichster Kleidung, aber mit feuriger Beredsamkeit: Es ist Petrus der Einsiedler.

Welch ein schönes Erlebnis! Ein Einsiedler, der seine Einsiedelei verlässt, um in die Welt hinauszugehen und Dinge zu sagen, die nur Seelen aussprechen können, die die Stille schätzen. Worte des Feuers, Worte, die bewegen, die die Gnade Gottes vermitteln, die Menschen, die vor der Stille zurückschrecken, nicht auszusprechen wissen. Er spricht, und dann spricht der Papst.

Und der Papst, vor dieser beeindruckten Menge, hat einige Worte, die uns tief beeindruckt haben.

Ich will keinen Vergleich anstellen. Ich will nicht – nur um dies zu erwähnen – über den Unterschied zwischen jenen und jenen Menschenmengen sprechen: den heutigen und den damaligen. Die heutigen Menschenmengen, die vom Mittelalter als einer Zeit der Gottlosigkeit und Rückständigkeit sprechen: die demochristlichen Menschenmengen unserer Zeit. Ich will diesen Vergleich nicht anstellen, noch andere, die uns zu bitter erscheinen.

Aber ich übernehme diesen Gedanken des Papstes. Der Papst sagt: „Das Heilige Grab ist in der Gewalt von Ketzern, von Ungläubigen – es gehört nicht einmal den Ketzern – und man kann nicht dorthin gehen, um es gebührend zu verehren! Man sieht es im Besitz der Widersacher der Kirche.“ Und er fragt: „Welches Gesicht kann angesichts dessen, was hier geschieht, seine Ruhe bewahren?“

Wie viele gelassene Gesichter sehen wir auf der Straße. Währenddessen geschehen heute Dinge, die unvergleichlich schlimmer sind als das Heilige Grab, das von Ungläubigen beherrscht wird. Wenn wir nur von dem sprechen, was gesagt werden kann, und nicht von dem sprechen, was nicht gesagt werden kann – was unvergleichlich bitterer ist –, denken wir nur an die kommunistischen Nationen, die von einer atheistischen Tyrannei unterdrückt werden. Ist das nicht viel schlimmer als das Grab Christi, das von Ungläubigen beherrscht wird? Es gibt keinen Vergleich. Und wie viele gelassene Gesichter! Gesichter, die neben dem Tempel, neben dem Altar im Inneren des Tempels weinen sollten. Wie fröhlich sie sind! Scherzend, unbeschwert. Wir selbst. Wie sehen unsere Gesichter aus? Wie oft verziehen sie sich vor Sorge um unsere eigenen Interessen, und wie oft vor Eifer für die Heilige Katholische Kirche?

Diese Männer bewahrten keine gelassene Miene. Doch sie waren wahre Nachfolger unseres Herrn Jesus Christus. Die katholische Kirche war in ihren Seelen lebendig. Sie standen unter dem Vorsitz eines Heiligen. Angesichts eines Übels, das geringer ist als das, was wir mit solcher Schwäche, mit solcher Nachlässigkeit erleiden, handelten sie wie ein Mann und befestigten das Kreuz an den Griffen ihrer Schwerter, an ihren Bannern, an ihren Schilden, an ihren Brustkörben; und diese gewaltige Schar setzte sich in Bewegung, um das Grab unseres Herrn Jesus Christus zurückzuerobern.

Heutzutage gibt es so wenige solcher Dinge! Doch der Papst sagt hier etwas, das uns begeistern und inbrünstig erfüllen sollte. Er sagt, dass die Einmütigkeit, mit der die Massen beschlossen, das Kreuz auf sich zu nehmen, bewies, dass es der Heilige Geist war, der dort sprach. Und es zeigte deutlich, dass die großen Erschütterungen der christlichen Seele nicht ohne das Wirken des Heiligen Geistes geschehen.

Wir können bitten, wir müssen hoffen, dass in dieser Notlage ein Hauch des Heiligen Geistes über die Erde fegt und viele Menschen aus ihrer Lethargie erwachen und gegen den Feind kämpfen können, der bereit ist, den Todesstoß zu versetzen.

Und unsere Mission ist es, genau dieser Zündpunkt, diese Lunte dieser gewaltigen Explosion zu sein. Wir müssen die Worte sprechen, wir müssen die Gesten vollbringen, wir müssen das Banner hissen, das diese Wirkung in einer Zeit der Bedrängnis, vielleicht für viele außerhalb unserer Mitte, in einer Zeit drohender Verzweiflung erzielt.

Deshalb müssen wir die Muttergottes um Folgendes bitten:

„Meine Mutter, sieh auf den Zustand meiner Seele. Sieh, dass ich mich in keiner Weise angemessen auf diese große Aufgabe vorbereiten kann, die Du nicht nur meiner Schwäche, sondern auch meinem Mangel an Treue zuschreibst. Und deshalb, meine Mutter, erbarme Dich meiner und lass Dein Unbeflecktes Herz, Dein Weises Herz, in meine sündige Brust sozusagen eingepflanzt wird; dass mein laues, schwaches HerzDu würdest noch vieles darüber sagen, was ich nicht weiß, was ich nicht sehen will – dass mein Herz nicht länger nur ein Teil Deines Herzens sei; und dass man sagen könne, dass nicht länger mein Herz schlägt, sondern das Unbefleckte Herz Mariens schlägt in mir.“

Möge mein einziger Wunsch sein, das zu wollen, was Du willst, zu denken, was Du denkst, mich Dir in vollkommener Weise hinzugeben, damit die Tugenden, die von Dir ausgehen und die in meinem Elend und meiner Unfähigkeit, Deinen Tugenden zu entsprechen, nicht zu finden sind, meine Seele beleben und mich zu Dingen bewegen, zu denen ich mich selbst nicht bewegen kann. Damit dieses Unglück nicht geschieht, meine Mutter, welches das größte aller Unglücke wäre: dass am Tag der Schlacht ich nicht vorbereitet bin. Und das Mittel, um dieses Unglück zu verhindern, ist, Dich zu bitten, mich zu einem Teil Deiner Person zu machen; dass Du mir Deine Tugenden mitteilst und meine Seele vorbereitest. Ich, wie der Gelähmte am Ufer des Teiches Siloah, brauche jemanden, der mich trägt und mich in die Wasser Deiner Barmherzigkeit wirft, um dies zu erreichen. Ich bitte Dich: Sende meinen Schutzengel, um dies zu tun; dass er im gegenwärtigen Augenblick zu mir spreche und mich zu einem wahren Apostel der Endzeit mache, im vollen und authentischen Sinne des Wortes, in seiner ganzen Fülle, wie es der heilige Ludwig Maria Grignion von Montfort in seinem Flammengebet beschreibt.

Und unser Gebet würde mit den Worten enden: Unbeflecktes Herz Mariens, du brennender Ofen der Nächstenliebe wie das Heiligste Herz deines göttlichen Sohnes, teile mir alle Flammen deines Eifers mit, damit du, dessen Gebet das fade, kalte und banale Wasser in einen wohlschmeckenden, gehaltvollen und kräftigen Wein verwandelt hat, mich, einen Sünder, zu einem Apostel der Endzeit machst.

Dies sollten wir die Muttergottes in der Schwere der kommenden Stunden und Tage erbitten.

 

 

 

Aus dem portugiesischen von „Papa Urbano II convoca a primeira Cruzada“.

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Papst Urban II. ruft in Clermont zum ersten Kreuzzug auf“ ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

 

 

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