Morgen, am 29. Juli, ist der Gedenktag des seligen Papstes Urban II. Seine biografischen Daten stammen aus Spasa: Urban II.
Papst Urban II leitet das Konzil von Clermont
Urban II. war von
1088 bis 1099 Papst; ein Verteidiger der kirchlichen Freiheit und Fortsetzer
des Werkes des heiligen Gregor VII. Er förderte den Ersten Kreuzzug. Das Konzil
von Clermont befasste sich hauptsächlich mit dem Kreuzzug. Das Volk erwartete
gespannt den Tag des angekündigten Feldzugs. Schließlich stillte der Papst ihre
Ungeduld. Er nahm auf dem eigens für diesen Anlass errichteten Thron Platz, mit
Petrus, dem Einsiedler, an seiner Seite. Zu seinen Füßen versammelte sich eine
große Menge: Kardinäle, Äbte, Priester, Mönche, Ritter und das Volk. Nach
Petrus’ Bericht über seine Eindrücke in Jerusalem wandte sich Urban II. an
alle:
„Geht,
Brüder, geht voller Hoffnung gegen die Feinde Gottes, die seit Langem Syrien,
Armenien und die Länder Kleinasiens beherrschen. Sie haben bereits großen
Schaden angerichtet: Sie haben das Grab Christi, die wunderbaren Denkmäler
unseres Glaubens, an sich gerissen; sie haben Pilgern den Zutritt zu einer
Stadt verwehrt, deren wahren Wert nur Christen kennen. Genügt dies nicht, um die
Heiterkeit unsere Gesichter zu verdunkeln? Geht und beweist euren Wert! Geht,
ihr Soldaten, und euer Ruhm wird sich in der ganzen Welt verbreiten! Fürchtet
euch nicht, das Reich Gottes durch große Bedrängnis zu verlieren. Wenn ihr
gefangen genommen werdet, ertragt die schlimmsten Qualen um eures Glaubens
willen, und ihr werdet eure Seelen retten, indem ihr eure Leiber verliert.
Zögert nicht, ihr liebsten Brüder, euer Leben für das Wohl eurer Brüder zu
opfern. Lasst euch nicht von der Liebe zu eurer Familie, eurem Vaterland oder
eurem Reichtum abhalten, denn der Mensch schuldet seine Liebe in erster Linie
Gott, und die ganze Erde gehört euch. Und welches größere Glück gibt es für
einen Christen, als zu seinen Lebzeiten die Orte zu sehen, wo der Herr die
Sprache der Menschen sprach?“
Auf die Worte des
Papstes antworteten die Gläubigen einstimmig: Gott will es. Und Urban
fügte hinzu:
„Euer
Ruf wäre nicht einstimmig, wäre er nicht vom Heiligen Geist inspiriert. Lasst
dieses Wort euer Schlachtruf sein, der die Macht des Gottes der Heerscharen
verkündet. Und wer diesen Weg beschreitet, muss das Bild des Kreuzes tragen.
Das Kreuz soll an eurem Schwert und an eurer Brust, an euren Armen und
Feldzeichen sein. Es soll euch der Lorbeerkranz des Sieges oder der Palmzweig
des Martyriums und das Symbol sein, das die zerstreuten Kinder des Hauses
Israel vereint. Es soll euch stets daran erinnern, dass Jesus Christus für euch
gestorben ist und dass ihr für ihn sterben müsst.“
Der Aufbruch zum
Kreuzzug war für den 15. August, das Fest Mariä Himmelfahrt, geplant.
Wir sehen hier, wie
viel Schönheit diese Szene bietet. Wie viel Schönheit, vergleichbar mit der Traurigkeit
unserer Tage.
Zuallererst das
Konzil von Clermont. Ein Konzil unter dem Vorsitz des Papstes und – welch ein
Wunder! – ein Heiliger auf dem Stuhl Petri: Das Licht im Leuchter, um alle
Völker zu erleuchten. Er, der Mittelpunkt der Tugendausstrahlung, sitzt auf
dem Stuhl, wo Wahrheit und Güte gelehrt werden, und führt die Scharen unseres
Herrn und unserer Lieben Frau im Kampf gegen den Widersacher an. Dieser Mann, wie
ein neuer Engel, sitzt auf dem Stuhl Petri und ist erfüllt von Eifer für
das Unglück der Heiligen Stätten. Er kann es nicht ertragen, dass die
Heiligen Stätten im Besitz der Ungläubigen sind. Er kann es nicht ertragen,
dass es so schwer ist, die Heiligen Stätten zu erreichen und so viele
Hindernisse zu überwinden, um dort unseren Herrn Jesus Christus anzubeten.
Doch vor allem
wiegt der erste Punkt schwer: die Ehre Gottes, die durch den Besitz
eines Ortes durch Ungläubige beleidigt wird, den im Besitz der Christenheit sein
sollte und an dem der wahre Gott angebetet werden sollte.
So beruft er ein
Konzil ein. Dieses Konzil tagt in Clermont, Frankreich, und eine riesige
Menschenmenge verfolgt die Beratungen und erwartet deren Ergebnis. Der Papst
trifft ein und nimmt auf einem Thron Platz, der vor dieser gläubigen Menge
errichtet wurde. Selbstverständlich umgeben ihn die Konzilsväter und andere
Gläubige.
Dort bietet sich ein
wunderbares Abbild der katholischen Kirche in ihrer ganzen Pracht. Es ist eine
Versammlung, in der der Stellvertreter Christi, ein Heiliger, anwesend ist; in
der die Konzilsväter, Priester, die von echtem Eifer für die Ehre Gottes erfüllt
sind, sich um seinen Thron versammeln, ähnlich wie Engel um Gott; und dann die
Schar glühender, begeisterter Gläubiger, in deren Augen man den Geist des
Kampfes und der Opferbereitschaft derer sieht, die auf den Kreuzzug gehen. und
der Familien, die diese Entschlossenheit unterstützen und bereit sind, alle
Nachteile in Kauf zu nehmen, die die Teilnahme ihres Anführers am Kreuzzug mit
sich bringen mag, damit das Grab Christi befreit werde. Voller Beredsamkeit,
nahe dem Papst, ein einfacher Mönch, in ärmlichster Kleidung, aber mit feuriger
Beredsamkeit: Es ist Petrus der Einsiedler.
Welch ein schönes
Erlebnis! Ein Einsiedler, der seine Einsiedelei verlässt, um in die Welt
hinauszugehen und Dinge zu sagen, die nur Seelen aussprechen können, die die
Stille schätzen. Worte des Feuers, Worte, die bewegen, die die Gnade Gottes
vermitteln, die Menschen, die vor der Stille zurückschrecken, nicht
auszusprechen wissen. Er spricht, und dann spricht der Papst.
Und der Papst, vor
dieser beeindruckten Menge, hat einige Worte, die uns tief beeindruckt haben.
Ich will keinen
Vergleich anstellen. Ich will nicht – nur um dies zu erwähnen – über den
Unterschied zwischen jenen und jenen Menschenmengen sprechen: den heutigen und
den damaligen. Die heutigen Menschenmengen, die vom Mittelalter als einer Zeit
der Gottlosigkeit und Rückständigkeit sprechen: die demochristlichen
Menschenmengen unserer Zeit. Ich will diesen Vergleich nicht anstellen, noch
andere, die uns zu bitter erscheinen.
Aber ich übernehme
diesen Gedanken des Papstes. Der Papst sagt: „Das Heilige Grab ist in der
Gewalt von Ketzern, von Ungläubigen – es gehört nicht einmal den Ketzern – und
man kann nicht dorthin gehen, um es gebührend zu verehren! Man sieht es im
Besitz der Widersacher der Kirche.“ Und er fragt: „Welches Gesicht kann
angesichts dessen, was hier geschieht, seine Ruhe bewahren?“
Wie viele gelassene
Gesichter sehen wir auf der Straße. Währenddessen geschehen heute Dinge, die
unvergleichlich schlimmer sind als das Heilige Grab, das von Ungläubigen
beherrscht wird. Wenn wir nur von dem sprechen, was gesagt werden kann, und
nicht von dem sprechen, was nicht gesagt werden kann – was unvergleichlich
bitterer ist –, denken wir nur an die kommunistischen Nationen, die von einer
atheistischen Tyrannei unterdrückt werden. Ist das nicht viel schlimmer als das
Grab Christi, das von Ungläubigen beherrscht wird? Es gibt keinen Vergleich.
Und wie viele gelassene Gesichter! Gesichter, die neben dem Tempel, neben dem
Altar im Inneren des Tempels weinen sollten. Wie fröhlich sie sind! Scherzend,
unbeschwert. Wir selbst. Wie sehen unsere Gesichter aus? Wie oft verziehen
sie sich vor Sorge um unsere eigenen Interessen, und wie oft vor Eifer für die
Heilige Katholische Kirche?
Diese Männer
bewahrten keine gelassene Miene. Doch sie waren wahre Nachfolger unseres Herrn
Jesus Christus. Die katholische Kirche war in ihren Seelen lebendig. Sie
standen unter dem Vorsitz eines Heiligen. Angesichts eines Übels, das geringer
ist als das, was wir mit solcher Schwäche, mit solcher Nachlässigkeit erleiden,
handelten sie wie ein Mann und befestigten das Kreuz an den Griffen ihrer
Schwerter, an ihren Bannern, an ihren Schilden, an ihren Brustkörben; und diese
gewaltige Schar setzte sich in Bewegung, um das Grab unseres Herrn Jesus
Christus zurückzuerobern.
Heutzutage gibt es so
wenige solcher Dinge! Doch der Papst sagt hier etwas, das uns begeistern und
inbrünstig erfüllen sollte. Er sagt, dass die Einmütigkeit, mit der die
Massen beschlossen, das Kreuz auf sich zu nehmen, bewies, dass es der
Heilige Geist war, der dort sprach. Und es zeigte deutlich, dass die großen
Erschütterungen der christlichen Seele nicht ohne das Wirken des Heiligen
Geistes geschehen.
Wir können bitten,
wir müssen hoffen, dass in dieser Notlage ein Hauch des Heiligen Geistes über
die Erde fegt und viele Menschen aus ihrer Lethargie erwachen und gegen den
Feind kämpfen können, der bereit ist, den Todesstoß zu versetzen.
Und unsere Mission
ist es, genau dieser Zündpunkt, diese Lunte dieser gewaltigen Explosion zu
sein. Wir müssen die Worte sprechen, wir müssen die Gesten vollbringen, wir
müssen das Banner hissen, das diese Wirkung in einer Zeit der Bedrängnis,
vielleicht für viele außerhalb unserer Mitte, in einer Zeit drohender
Verzweiflung erzielt.
Deshalb müssen wir
die Muttergottes um Folgendes bitten:
„Meine
Mutter, sieh auf den Zustand meiner Seele. Sieh, dass ich mich in keiner Weise
angemessen auf diese große Aufgabe vorbereiten kann, die Du nicht nur meiner
Schwäche, sondern auch meinem Mangel an Treue zuschreibst. Und deshalb, meine
Mutter, erbarme Dich meiner und lass Dein Unbeflecktes Herz, Dein Weises Herz, in
meine sündige Brust sozusagen eingepflanzt wird; dass mein laues, schwaches
Herz – Du würdest noch vieles darüber sagen, was ich nicht weiß, was
ich nicht sehen will – dass mein Herz nicht länger nur ein Teil
Deines Herzens sei; und dass man sagen könne, dass nicht länger mein
Herz schlägt, sondern das Unbefleckte Herz Mariens schlägt in mir.“
Möge mein
einziger Wunsch sein, das zu wollen, was Du willst, zu denken, was Du denkst,
mich Dir in vollkommener Weise hinzugeben, damit die Tugenden, die von Dir
ausgehen und die in meinem Elend und meiner Unfähigkeit, Deinen Tugenden zu
entsprechen, nicht zu finden sind, meine Seele beleben und mich zu Dingen
bewegen, zu denen ich mich selbst nicht bewegen kann. Damit dieses Unglück
nicht geschieht, meine Mutter, welches das größte aller Unglücke wäre: dass am
Tag der Schlacht ich nicht vorbereitet bin. Und das Mittel, um dieses
Unglück zu verhindern, ist, Dich zu bitten, mich zu einem Teil Deiner Person
zu machen; dass Du mir Deine Tugenden mitteilst und meine Seele
vorbereitest. Ich, wie der Gelähmte am Ufer des Teiches Siloah, brauche
jemanden, der mich trägt und mich in die Wasser Deiner Barmherzigkeit
wirft, um dies zu erreichen. Ich bitte Dich: Sende meinen Schutzengel, um
dies zu tun; dass er im gegenwärtigen Augenblick zu mir spreche und mich
zu einem wahren Apostel der Endzeit mache, im vollen und authentischen
Sinne des Wortes, in seiner ganzen Fülle, wie es der heilige Ludwig Maria
Grignion von Montfort in seinem Flammengebet beschreibt.
Und unser Gebet würde mit den
Worten enden: Unbeflecktes Herz Mariens, du brennender Ofen der
Nächstenliebe wie das Heiligste Herz deines göttlichen Sohnes, teile mir alle
Flammen deines Eifers mit, damit du, dessen Gebet das fade, kalte und
banale Wasser in einen wohlschmeckenden, gehaltvollen und kräftigen Wein
verwandelt hat, mich, einen Sünder, zu einem Apostel der Endzeit machst.
Dies sollten
wir die Muttergottes in der Schwere der kommenden Stunden und Tage erbitten.
Aus dem portugiesischen von „Papa Urbano II convoca a primeira Cruzada“.
Die deutsche Fassung dieses Artikels „Papst Urban II.
ruft in Clermont zum ersten Kreuzzug auf“ ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com
© Veröffentlichung dieser deutschen
Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.
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