Einführende Proklamation
In violett gekleidet ist unsere Mutter, die Heilige Kirche. In wenigen
Augenblicken beginnt der Passionssonntag.
Ach
Herr, in dieser Nacht, in der die Geißelung unseres Herrn Jesus Christus, das
zweite schmerzhafte Geheimnis des heiligen Rosenkranzes, im Mittelpunkt steht,
lass uns vor dem König der Könige niederknien und die Kraft dieser göttlichen,
gefesselten Hände betrachten.
Lied:
Anima Christi, sanctifica me
Aus
den glorreichen Seiten von „Katholizismus“ im April 1952:
Warum wurde der gute Jesus von seinen Peinigern gefesselt? Warum behinderten sie die Bewegung seiner Hände, indem sie sie mit harten Stricken banden? Nur Hass oder Furcht können erklären, wie jemand derart zur Unbeweglichkeit oder Ohnmacht gezwungen wird. Warum werden diese Hände so gehasst? Warum werden sie so gefürchtet?
Die
Hand ist einer der ausdrucksstärksten und edelsten Teile des menschlichen
Körpers. Wenn Päpste und Väter segnen, tun sie dies mit einer Handbewegung.
Wenn der unschuldige und verfolgte Mensch von Schmerz überwältigt wird und an
die göttliche Gerechtigkeit appelliert, verflucht er dennoch mit seinen Händen.
Und aus diesem Grund küssen die Menschen die Hände, die Gutes tun, und (...)
die Hände, die Böses tun. Deine Hände, Herr Jesus, die Herrlichkeit, die diese
Hände – nun blutig und entstellt und doch so schön und so würdig – von den
frühesten Tagen deiner Kindheit an, wer kann, Herr, die Ehre, die diese Hände Gotte
gegeben haben, als die ersten Küsse der Muttergottes und des heiligen Josef auf
ihnen ruhten?
Wer
kann sagen, mit wie viel Zärtlichkeit und Sanftmut sie der Jungfrau Maria beim
ersten Streicheln verursachten? Mit wie viel Frömmigkeit sie sich zum ersten
Mal im Gebet vereinten? Und mit wie viel Kraft, wie viel Edelmut, wie viel
Demut sie in der Werkstatt des heiligen Josef wirkten? Hände eines vollkommenen
Sohnes, was taten sie sonst im Haus, wenn nicht Gutes?
Warum,
Herr, so viel Hass? Warum so viel Furcht, dass es nötig schien, Deine Hände zu
fesseln, Deine Stimme zum Schweigen zu bringen, Dein Leben auszulöschen?
Fürchtete sich etwa jemand vor einer Heilung oder einer Liebkosung
O
Gott, um solche Ungeheuerlichkeit zu verstehen, muss man an das Böse denken,
muss man zugeben, dass es diese Menschen sind, die von ihrer Natur sehr leicht
sich gegen das Opfer auflehnen. Und wenn sie den Weg der Auflehnung beschreiten,
es keine Schande und keine Unordnung gibt, der sie nicht anheimfällt. Und wenn
jemand „Nein“ sagt, beginnt er alles Gute zu hassen, alle Wahrheit, alle
Vollkommenheit zu hassen, deren Verkörperung er ist.
Und
wenn er Deine Hand nicht sichtbar vor sich hat, um seinen satanischen Hass zu
entfesseln, greift er die Kirche an, entweiht die Eucharistie, lästert,
verbreitet Unmoral, predigt die Revolution! Deine Feinde lieben das Böse so
sehr, dass sie selbst unter den Demütigungen der Stricke, die Dich fesseln, die
ganze Kraft Deiner Macht erkennen und zittern!
O
guter Jesus, Deine Widersacher zittern vor der Kirche, während ich, Elender,
sie gefesselt sehe und alles für verloren halte …
Deine
Kirche aber hat Anteil an Deiner inneren Kraft und kann jeden Augenblick alle
Hindernisse zerstören, mit denen sie dich umgeben!
Unsere
Hoffnung ruht nicht auf Zugeständnissen, noch auf der Anpassung an die Irrtümer
der Welt. Unsere Hoffnung ruht auf Dir, Herr!
Erhöre
die Bitten der Gerechten, die Dich durch die Allerheiligste Maria anflehen: „Sende,
o Jesus, deinen Geist aus, und du wirst das Angesicht der Erde erneuern!“
(Ende
der Proklamation) Kommentare von Dr. Plinio:
Meine
lieben, es ist gerade jetzt, da die Heilige Kirche, wie bereits erwähnt, auf
den Passionssonntag, den Palmsonntag und die heiligen und, sozusagen, ernsten
Schmerzen der Karwoche zusteuert, besonders angebracht, über die Geißelung
unseres Herrn Jesus Christus nachzudenken. So können wir beginnen, dieses
Geheimnis der Passion unseres Herrn Jesus Christus zu betrachten, das erste
Geheimnis, in dem wir im Rosenkranz seinen heiligsten Leib wahrhaft leiden
sehen.
In
der Todesangst, dem ersten schmerzhaften Geheimnis, litt seine heiligste Seele
unbeschreiblich. Die Auswirkungen dieses Seelenleidens auf den Leib führten zum
Blutschweiß, den wir in der letzten Zusammenkunft besprochen haben. Und mit
diesem Blutschweiß geht natürlich die Erkenntnis einher, dass die Qualen der
Seele sich in Qualen des Leibes auswirken.
Doch
der heilige Leib unseres Herrn selbst war noch nicht betroffen. Es war eine
Folgeerscheinung; er war nicht unmittelbar betroffen. Das erste Geheimnis, in
dem wir die Auswirkungen auf seinen Leib betrachten, ist die Geißelung. Auf die
Geißelung folgt die Dornenkrönung, das Tragen des Kreuzes und die Kreuzigung.
So kommt in diesen vier aufeinanderfolgenden Ereignissen das gesamte Leiden
unseres Herrn, von Seele und Leib, zum Ausdruck.
Tatsächlich
zeigte sich aber, dass das Leiden der Seele keineswegs aufhörte, als das Leiden
des Leibes begann. Im Gegenteil, es steigerte sich immer weiter. Die Passion
seiner Seele entfaltete sich parallel zur Passion des Leibes. Und sie erreichte
ihren Höhepunkt mit seinem Tod, als er sprach: „Consummatum est“. Dort
hatte der Schmerz seiner Seele seinen Höhepunkt erreicht.
Wie
sollen wir dieses Geheimnis der Geißelung unseres Herrn Jesus Christus aus
dieser Perspektive betrachten? Es ist die Passion, die beginnt, es ist der
Schmerz, der im Leib, vor allem aber in der Seele spürbar wird. Warum in der
Seele? Was geschah? Warum im Leib? Was geschah? Was ließ unseren Herrn Jesus
Christus im Grunde leiden?
Es
würde unendlich viel Zeit in Anspruch nehmen, alles Notwendige für diese
umfassende Betrachtung zu erfassen. Doch einige Punkte lassen sich mehr oder
weniger zusammenfassend darstellen. Und ich komme nun direkt zum Thema.
Unseren
Herrn Jesus Christus müssen wir als eine Person mit zwei Naturen betrachten:
der göttlichen und der menschlichen. Die Kirche definierte diese Wahrheit in
den ersten Jahrhunderten nach ihrer Befreiung aus den Katakomben gegen viele
Irrlehren, die diese Wirklichkeit zu verzerren suchten. Manche behaupteten,
unser Herr Jesus Christus sei ein Mensch, ausschließlich ein Mensch, den Gott
sozusagen nur oberflächlich berührt habe; andere wiederum behaupteten, unser
Herr Jesus Christus sei ein Trugbild, existiere nicht als Mensch, sondern sei
eine von Gott geschaffene Gestalt, um den Eindruck der Inkarnation zu erwecken.
Denn sie wollten sich nicht mit dem Gedanken an diesen erhabenen, wechselvollen
Weg zwischen dem allmächtigen Gott und Schöpfer und dem so elenden Menschen
trösten.
In
der Lehre der Kirche ist die Wirklichkeit folgende: Er ist eine Person, diese
Person hat zwei Naturen. Zum Vergleich: Der Mensch hat eine tierische und eine
geistige Seite. Diese tierische und diese geistige Seite bilden in jedem von
uns eine Person. Diese beiden Aspekte, der tierische und der spirituelle, der
engelhafte Aspekt, wenn man so will, existieren in vollkommener Harmonie in
uns. So sehr, dass es vielen von uns nie in den Sinn käme, zu fragen, wie wir
beschaffen sind. Es ist so selbstverständlich, dass wir einfach durchs Leben
gehen. In unserem Herrn Jesus Christus existieren die göttliche und die
menschliche Natur in vollkommener Harmonie und sind hypostatisch vereint, um
eine einzige Person zu bilden. Diese Person ist die zweite Person der Heiligen
Dreifaltigkeit, das fleischgewordene Wort Gottes, das heißt, das im reinsten
Leib Mariens aufgenommen wurde, sich mit der Frucht dieses Leibes vereinte, die
aus der Vereinigung Mariens mit dem Heiligen Geist hervorging; und aus ihr
erblühte unser Herr Jesus Christus.
Um
aber im Lichte der Passion Jesu Christi das Geschehene richtig zu verstehen,
müssen wir eine weitere Wahrheit berücksichtigen – die ich, glaube ich, in
dieser Reihe von Betrachtungen bereits erwähnt habe, aber um sicherzugehen,
möchte ich sie noch einmal kurz ansprechen: Nach Ansicht der meisten Theologen
hätte es die Inkarnation des Wortes gegeben, selbst wenn es keine Erbsünde
gegeben hätte und unser Herr nicht auf die Erde gekommen wäre, um die Menschen
von der Erbsünde zu erlösen, selbst wenn dies nicht geschehen wäre.
Gott
hat die gesamte Schöpfung wunderbar geordnet. Die Engel mit ihren dreizehn
Hierarchien, innerhalb dieser dreizehn Hierarchien jeweils in drei Kategorien
unterteilt, bilden neun Engelschöre, die unaufhörlich die Herrlichkeit Gottes
besingen. Unter den Engeln, in gewisser Hinsicht etwas darunter, in anderer
Hinsicht aber weit unter ihnen, stehen die Menschen.
Adam
kam, der Ersterschaffene der Menschheit. Gott schuf ihn mit großer Intelligenz,
gutem Willen, einer vollkommenen Persönlichkeit, einem reichen Charakter, Kraft
und einem vollkommenen Aussehen. Dies machte ihn würdig, der erste Mensch zu
sein, der erste Strahl jener Flut, die die Menschheit über die Jahrhunderte
hinweg prägen sollte.
Adam
war in jeder Hinsicht schön und großartig. Er war großartig, weil Gott ihn mit
einer Seele und einer strahlenden Seele ausgestattet hatte. Gott erhob ihn in
die übernatürliche Ordnung; er empfing Gottes Gnade, sie lebten zusammen usw.
Er war schön, weil sein Körper, in seiner vollkommenen Gestalt, und
insbesondere sein Gesicht das vollkommene Symbol seiner Seele waren. So besaß
er auch eine körperliche Schönheit, die den materiellen Aspekt seiner
moralischen Schönheit darstellte; beide ergänzten sich in einer Harmonie, die
den Ausdruck der Harmonie von göttlicher und menschlicher Natur in ein und
derselben Person bildete. Wer also Adam ansah, sah darin die Vollkommenheit der
Menschheit in angemessener und prachtvoller Weise zum Ausdruck kommen.
All
dies verfiel durch die Erbsünde. Und die Menschen, die von Adam und Eva
abstammten, also die ebenfalls in die Erbsünde fielen, trugen das Mal der
Sünde, der Erbsünde und der Sünden, die sie alle begingen, die sie nacheinander
kennzeichneten und die zu den bekannten Folgen führten.
Wären
aber alle Menschen im Paradies geblieben, hätten die ersten Menschen nicht die
Erbsünde begangen und wären Menschen im Paradies geboren worden, so hätten
diejenigen, die geblieben wären – denn im Paradies könnten sie sündiger werden,
viele hätten sündigen können, wären aber aus dem Paradies verbannt worden, die
anderen wären geblieben –, eine Art vollkommenes, großartiges Geschlecht
gebildet, das in gewisser Weise die Größe und Pracht Adams widerspiegelte.
Adam
jedoch, obwohl er das zukünftige Menschengeschlecht vollkommen repräsentierte,
war nicht dessen Krönung. Die Vollkommenheit hat Abstufungen, und Adam besaß
nicht die Vollkommenheit in dem Sinne, also nicht den höchsten Grad, den die
menschliche Natur erreichen kann.
Denn
Gott, in seiner unendlichen Weisheit, erschafft die Dinge nicht wie jemand, der
eine Handvoll Konfetti aus einem Sack nimmt und sie auf die Straße wirft; das
heißt, er weiß weder, wie viel es ist, noch wohin er es wirft. Viele Menschen
haben den Eindruck, die Schöpfung sei so: Gott habe aus dem Nichts – dem Sack
Konfetti – Gruppen von Menschen geschaffen, die begannen, untereinander zu
leben, etwas erstaunt darüber, zusammen zu sein, ohne genau zu wissen, warum
sie überhaupt miteinander zu tun haben, und ohne dass es eine höhere Ordnung
gäbe, die sie alle zu einem bestimmten Zweck zusammengeführt hätte.
Doch
wenn Gott Dinge erschafft, tut er dies auf besondere Weise. Besonders in dem
Sinne, dass er sie mit einer Vollkommenheit vollendet – einer Vollkommenheit,
die nur er den Dingen verleihen kann. Und von all den Menschen, die er
erschaffen hat, die er in diesem Augenblick erschafft und bis zum Ende der Welt
erschaffen wird – das heißt, er erschuf Adam, indem er aus dem Nichts Lehm
formte, aus Lehm Adam –, dann die Menschen, ließ sie sich fortpflanzen, wie wir
sie kennen, und gab jedem Menschen eine Seele. Aus all dem entsteht in Seinem
Plan eine Sammlung. Eine geordnete Sammlung, wie eine Sammlung von Fächern,
Uhren, Revolvern, Waffen oder irgendetwas anderem, in der jedes Stück seine
Individualität und seinen Daseinsgrund hat und mit den anderen Stücken
harmoniert.
Um
diese Idee der Harmonie besser zu verdeutlichen, stellen wir uns vor, die
gesamte Menschheit sei wie eine Klaviatur, ein riesiges Klavier oder eine
kolossale Harfe mit Millionen und Abermillionen von Saiten, die im Angesicht
Gottes erklingen. Und wenn jede Saite so erklingt, wie Gott es will, entsteht
eine Harmonie, die den Engeln, ja Gott selbst würdig ist. Es ist klar, dass
Gott in dieser Sammlung, dem Prinzip der Einheit folgend, Dinge mit
unterschiedlichem Grad an Vollkommenheit erschaffen musste. Denn das Prinzip
der Einheit bedingt Vielfalt. Und das Prinzip der Einheit in der Vielfalt oder
der Vielfalt in der Einheit bedingt eine höchste Stufe. Und in dieser von der
Vorsehung geplanten Sammlung musste es eine höchste Stufe geben. Dieser Höchste,
der die Menschheit zu einer für uns unvorstellbaren Vollkommenheit führen
sollte, war unser Herr Jesus Christus, unser Herr Jesus Christus in seiner
heiligsten Menschheit.
Doch
wenn Sie dies nicht bedenken, wenn Sie sich den vollkommensten Menschen
vorstellen – moralisch, körperlich und intellektuell, den vollkommensten, ja
mit Abstand vollkommensten, ohne Vergleich mit irgendeinem anderen Menschen –,
dann haben Sie nicht einmal annähernd eine Vorstellung davon, was unser Herr
Jesus Christus war, was unser Herr Jesus Christus im Himmel ist, wo er mit
seinem verherrlichten Leib weilt, dessen Herrlichkeit auf wahrhaft wunderbare
Weise zugenommen hat, wie ich Ihnen gleich noch schildern werde.
Tatsächlich
müssen Sie bedenken, dass dieser Mensch nicht nur ein Heiliger war, nicht nur
ein Heiliger, der die höchste Stufe der Heiligkeit erreicht hatte, die ein
Mensch erreichen kann. Er war der Gottmensch! Er war durch die hypostatische
Union mit der Heiligen Dreifaltigkeit verbunden. Dieser Leib, diese menschliche
Seele bildeten mit Gott eine einzige Person. Nicht nur heilig, so heilig, wie
man nur sein kann; Nicht nur heilig, sondern hypostatisch verbunden – Er, der
nicht nur heilig ist, sondern die Heiligkeit selbst!
Sie
stehen vor einer Vorstellung von Größe, von Vollkommenheit, die sich jeder
Erfassung entzieht. Sie übersteigt alles Begreifliche. Hinzu kommt ein weiterer
Gedanke, eine weitere Überlegung: Da unser Herr Jesus Christus vollkommen war,
weil der Leib die Seele treffend widerspiegeln soll, hatte er in seinem Leib
den vollkommenen Ausdruck dessen, was er in seiner Seele hatte; das heißt, er
brachte seine menschliche Seele vollkommen zum Ausdruck, er brachte sie so gut
wie möglich zum Ausdruck, er brachte die Göttlichkeit selbst zum Ausdruck.
Sie
verstehen also, wer unser Herr Jesus Christus ist und welche Haltung der
Anbetung, Verehrung, des Respekts, der Treue usw. er daher in jedem Menschen
geweckt haben muss.
Diese
Wirkung, die er in anderen hervorrief, war ein Auftrag, den er erbringen musste.
Er kam auf die Erde, um Seelen zu retten, ihnen Gutes zu tun, und deshalb
wollte er diese so heilsbringende Wirkung für die Seelen erzielen. Und in
diesem Sinne liebte er seine eigene Gestalt, seine eigene Intelligenz, seine
eigene Heiligkeit, nicht nur, weil er Gott war und Gott sich selbst unendlich
lieben muss, sondern weil das Menschliche in ihm das beste Abbild dessen war,
was er selbst geschaffen hatte.
Sie
lesen in der Genesis, dass Gott, nachdem er das gesamte Universum erschaffen
hatte, zufrieden ruhte und die von ihm geschaffene Harmonie betrachtete. Denn,
so die Genesis, jedes einzelne Ding war gut, und das Ganze war noch besser.
Nun,
alles im Universum war weniger wert als unser Herr Jesus Christus. Könnt ihr
euch die Freude unseres Herrn Jesus Christus vorstellen – diese heiligste
Freude, die in keiner Weise dem gleicht, was wir Selbstsucht nennen, diese so
niederträchtige und unreine Leidenschaft in uns? Die Freude unseres Herrn Jesus
Christus, als er sich selbst erkannte, wie er war, sich selbst so annahm, wie
er war, und seine menschliche Natur zur göttlichen Natur, zu den drei Personen
der Heiligen Dreifaltigkeit sprach: „Ich bin dein Spiegelbild in der ganzen
Schöpfung, Ehre sei dir!“
Doch
weil unser Herr Jesus Christus der Gottmensch war, weil Gott sich selbst
unendlich liebt, weil der Gottmensch in dem, was er Menschliches besaß, das
Göttliche unendlich liebte, gerade deshalb, freute er sich darüber, dass die
Menschen – nicht aus Eitelkeit, das ist völlig fern der Wahrheit – aus Liebe zu
Gott dieses Abbild Gottes betrachteten und ihn anbeteten. Und es war ihm ein
Grund zur Freude, als er vor den Menschenmengen erschien und diese ihm folgten.
So sehr, dass die Apostel ihn beschützen mussten, damit sie ihm nicht zu nahekamen.
Wir
kennen die Szene aus dem Evangelium, in der er vom Boot aus zu den Menschen
predigte, damit sie ihm nicht zu nahekamen und er ungestört sprechen konnte.
Und weil er eine vollkommene Stimme hatte – welch eine Süße, welch eine Kraft,
welch eine Erhabenheit, welch ein Reichtum an Nuancen und welch eine Fähigkeit,
jede Entfernung zu überbrücken! –, konnte er vom Boot aus die strahlendsten und
schönsten Worte sprechen, die in jeder Entfernung zu hören waren.
Er
sah die Menschenmengen, die ihm folgten, oder er kam an einem Ort vorbei und
sah einen Leidenden, einen Einsamen auf einer Straße oder einem Pfad. Dann
hielt er an und sagte: „Komm her, ich werde ein Wunder für dich vollbringen“
usw. So sah er die Seelen, die sich ihm öffneten. Und darin fand er die Freude,
die Gott in seiner eigenen Herrlichkeit hat. Die Freude Gottes, zu sehen, wie
sich das Geschöpf, das er erschaffen und zur Liebe berufen hat, ihm, von Gnade
berührt, öffnet und spricht: „Mein Herr und mein Gott!“
Um
den Menschen zu beweisen, dass er Gottmensch ist und ihnen eine Vorstellung von
seinem Wesen zu vermitteln – denn es war seine Mission in der Predigt, zu
lehren, wer er ist –, hatte er zunächst ein Werkzeug – und welch ein
unvergleichliches! – sich selbst. Dann hatte er das, was er sagte: eine
unvergleichliche Lehre, die einfachste, feinste, kraftvollste, unumstößliche
Logik, eine unantastbare, makellose und vollkommene Wahrheit. Die Menschen
werden bis ans Ende der Welt das Evangelium seiner Predigten studieren und doch
nie den Kern erfassen.
Darüber
hinaus hatte er die Wohltaten, die er gewährte, all die Wunder, die er
vollbrachte, um zu heilen, zu beraten, zu helfen usw., die es verdienten, dass
der heilige Petrus ihm dieses einfache und erhabene Lob aussprach: „pertransiit
benefaciendo“– Er ging durch die Welt und tat Gutes. Genau das tat Er. Auf
allen Seiten, in jeder Hinsicht, Gutes, Gutes, Gutes, überall Gutes, selbst als
Er strafte.
Und
als Er die Peitsche in die Hand nahm und die Geldwechsler aus dem Tempel
vertrieb, muss Er Freude empfunden haben, aber auch Trauer darüber, dass die
Geldwechsler so waren; mehr noch, aufgrund Seiner Güte gegenüber den
Geldwechslern muss Er sie erschreckt haben, ihnen aber die Gnade der Ehrfurcht
geschenkt haben, um zu sehen, ob sie sich bekehren würden. Sein mächtiger Arm,
Sein göttlicher Arm, schlug zu und trieb sie in die Flucht, aber Seine Gnade
suchte gleichzeitig die Seelen zu erheben, um sie durch die Ehrfurcht vor Gott
mit Ihm zu vereinen. Das war Sein Werk! Wunder, und welch eine Fülle! Körperliche
Wunder, Menschen, die Er heilte; moralische Wunder, schreckliche Menschen,
verlorene Menschen, Menschen, die in den Winkeln des Lebens völlig vom rechten
Weg abgekommen waren und die, da sie Ihn kannten, sich Ihm zuwandten und von
einem Augenblick auf den anderen gereinigt wurden.
Noch
schlimmer, vielleicht sogar noch schrecklicher: Menschen, die vom Bösen so
abgestumpft waren, die ihn kannten, sich für kurze Zeit bekehrten und wieder in
Sünde verfielen. Er ging ihnen nach, ergriff sie und führte sie zurück zum
Guten. Reich wie Lazarus, arm wie die Scharen, die ihn begleiteten, mächtig wie
Nikodemus, Josef von Arimathäa – alle anderen, alle folgten ihm, von ihm begeistert.
Dies
war die Seite der Freude, die ihm das Leben schenkte. Es war nicht die
Hauptseite, die Hauptseite war eine andere. Es war nicht die Sonne dieser
allgemeinen Verherrlichung, die Hauptseite war eine Lampe, eine Lampe, die im
Hause von Nazareth brannte: das Weise und Unbefleckte Herz Mariens, dessen
Liebe die Liebe aller Menschen übertraf, die waren, sind und sein werden bis
zum Ende der Welt, die ihm unermessliche Zufriedenheit schenkte: „Meine
Mutter!“
Man
könnte meinen, dass angesichts des Kommens des Gottmenschen auf Erden,
angesichts solch eindeutiger Beweise, angesichts der Offenbarungen göttlicher
Überlegenheit in jedem Augenblick und zu jeder Stunde, angesichts all dessen,
das auserwählte Volk, das jüdische Volk – das auf den Erlöser wartete,
insbesondere weil es wusste, dass dieser Erlöser aus ihnen geboren werden würde
– den Messias erkannt und ihn mit Ehre gepriesen und ihn an die Spitze der
Menschheit gestellt hätte. Denn wenn das jüdische Volk den Messias erkannt
hätte, wären Römer, Griechen, Perser und Ägypter mit der Kraft unseres Herrn
Jesus Christus bedeutungslos geworden! Es wäre zu einem außergewöhnlichen
Gipfel erhoben worden! Doch hier beginnt das Geheimnis, die menschliche
Bosheit. Dieses Volk, das für ihn existierte, das seufzte, weil der Messias
nicht kam, begann ihn, als er kam, sofort zu verfolgen. Und sie spalteten sich:
Ein kleiner Teil des Volkes begann ihn anzubeten, angefangen bei den Hirten in
Bethlehem, die die Botschaft seiner Geburt erhalten hatten. Doch andererseits
begann eine andere, größere Gruppe, ihn zu verfolgen. Und bald darauf folgte
Herodes' berüchtigte Berechnung: „Der Messias muss geboren sein, denn die
Weisen sagen es. Der wird mich überschatten – ihn ohne Schuldgefühl zu töten,
ohne ihn je gesehen zu haben, ihn einfach nur zu töten, weil er auf der Welt
ist! Er ist der von den Propheten verheißene Erlöser. Ich glaube es, ich halte
es zumindest für so wahrscheinlich, dass ich mich sogar fürchte. Und damit ich
mein Leben genießen kann, damit ich das Vergnügen habe, König zu sein, werde
ich befehlen, diese Leute zu töten!“ Er befiehlt die Tötung aller Unschuldigen,
um den Unschuldigsten schlechthin am Leben zu hindern.
Geheimnisvolle
Pläne Gottes, Wege, die wir erst später verstehen werden: Der heilige Josef,
gezwungen durch die Unfreundlichkeit der Bevölkerung in Bethlehem, die weder
ihn noch die Gottesmutter aufnehmen wollte, brachte die Gottesmutter in eine
Grotte außerhalb der Stadt. Er ahnte wohl nicht, dass er die Gottesmutter in eine
Zuflucht brachte; dass all die Kinder, die ein Zuhause hatten, sterben würden;
Dass das Kind, das in der Höhle geboren wurde, nicht sterben würde. Daran
dachte er nicht. Niemand dachte daran, außer Gott …
Doch
andererseits beginnt er, Wunder zu vollbringen, das Volk zu begeistern usw.
Herodes’ Kalkül wiederholt sich genau in den Kreisen, die ihn am meisten
preisen sollten. Als in der Priesterschaft, in der hohen politischen Schicht,
die Angst aufkommt: „Was ist dieser Mann, der solche Massen hinter sich
herführt? Was bleibt uns plötzlich noch an Macht? Wir sind nichts vor ihm, es
ist gefährlich für uns!“, dann beginnt die Verfolgung. Die Verfolgung beginnt,
ganz modern, mit einer Art Krieg, einem „psychologischen Krieg“ der Mafias,
Verleumdung und peinlichen Fragen.
Die
Pharisäer, die Sadduzäer schicken Boten zu ihm und stellen ihm Fragen, die ihn
in Verlegenheit bringen sollen.
Arme
Gestalten! Wenn eine Ameise gegen ein Fabelwesen antreten wollte, so schwer wie
ein Elefant und so stark wie ein Löwe, wäre sie dem Sieg näher als jeder
Mensch, der gegen unseren Herrn Jesus Christus antritt!
Fragen,
die in den Laboren der Bosheit und Heuchelei geschmiedet wurden, sind verdreht
und voller Fallen. Sobald die Frage gestellt ist, ist die Antwort meist
einfach, direkt, vernichtend und erhellend! „Wessen Münze ist das, Gottes oder
des Kaisers?“ – „Sie gehört dem Kaiser.“ „Gebt also Gott, was Gottes ist, und
dem Kaiser, was des Kaisers ist.“ Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
Eine
Spaltung entsteht, ein Druck – das Evangelium berichtet von Gerüchten über ihn;
ein Gerücht besagte, er sei gierig, ein anderes, er sei weltlich oder ehrgeizig
… ehrgeizig, er, der alles war! Es ist ungefähr so, als wolle ein Löwe Karriere
machen, indem er sich in die Bienenkönigin verwandelt. Das heißt, ein Löwe!
Nichts Besonderes, mach dir keine Gedanken. Nun, man sagte, er sei ehrgeizig
gewesen, und deshalb habe er in den Häusern von Pharisäern und Reichen
gegessen, um ihnen zu schmeicheln… Man behauptete sogar – die schlimmste
Verleumdung, die schlimmste Beleidigung, die gegen alle Beweise verstößt –, er
sei mit dem Teufel im Bunde. Dabei war er das genaue Gegenteil des Teufels; so
sehr, dass es nicht einmal richtig ist zu sagen, er sei das Gegenteil des
Teufels gewesen: Der Teufel war sein Gegenteil!
Nun,
aus dieser Perspektive betrachtet, beginnt sich eine Welle gegen ihn
aufzubauen. Und diese Welle schreitet unaufhaltsam voran und reißt zunächst die
Bösen mit sich. Als es dann soweit war, nur noch die wirklich Bösen zu
ergreifen, waren diese zwar in der Minderheit – einflussreich, einflussreich
und einflussreich, das stimmt –, aber eben in der Minderheit.
Doch
dann, ausgehend von der Urkraft dieser vermeintlichen Bosheit einer Minderheit,
begann die Welle zu wachsen und sich von Nachbarschaft zu Nachbarschaft
auszubreiten. Sie erfasste die Ehrgeizigen, die sich selbst verkauften, jene,
die das Böse nicht um des Bösen willen liebten, sondern sich selbst so sehr
liebten, dass sie vor unserem Herrn Jesus Christus sagen konnten: „Schon gut,
er ist all das, aber ich werde beliebt, angesehen und wichtig, wenn ich der
Mafia helfe. Deshalb werde ich, damit die Bösen mich loben und verherrlichen,
auch schlecht über ihn reden. Und ich werde etwas Schlechtes über ihn sagen,
dessen ich mir nicht sicher bin.“
Nach
diesen Verfehlungen zweiten Grades wurde eine weitere moralische Schicht der
Menschen erfasst, die der Schwachen. Viele denken so gegen ihn. Wenn ich meine
Meinung sage, werde ich verfolgt; ich will nicht verfolgt werden. Obwohl ihm
ein abscheuliches Unrecht angetan wird, obwohl ich sehe, dass es eine Schande
und eine Schmach ist, so über ihn zu reden, wie sie es tun, betrifft es ihn,
nicht mich! Mich betrifft es, ein leichtes, angenehmes Leben zu führen, damit
ich mich in diesem Land gut einleben kann. Ich gefährde meine Karriere, indem
ich mich auf seine Seite stelle. Deshalb werde auch ich schlecht über ihn
reden.
Schlecht
über ihn reden? Es ist schrecklich, schlecht über ihn zu reden. Ich sehe, wie
jemand, ein Feigling wie ich, der nicht den Mut hat, sich anderen zu stellen,
um nicht verfolgt zu werden, schlecht über ihn redet. Aber ich bin ein
aufrechter Mann, ich werde nicht schlecht über ihn reden. Ich werde einfach
nicht gut über ihn reden. Und wenn sie vor mir die unglaublichsten Dinge über
ihn sagen, werde ich schweigen, ich werde nichts sagen. Ich spreche nicht gegen
ihn, ich bin nicht sein Feind. Tief in meinem Herzen mag ich ihn sogar, ganz
tief im Inneren, gut verborgen, mag ich ihn. Manchmal bete ich zu ihm, und er
antwortet mir. Er ist so gut, dass er mir antwortet. Umso mehr Grund für mich,
nicht Partei für ihn zu ergreifen. Wenn er mir nicht antworten würde, hätte ich
vielleicht einen Vorteil, wenn ich Partei für ihn ergreifen würde, denn dann
würde er mir antworten... Aber da er mir auch dann antwortet, wenn ich nicht
Partei für ihn ergreife, bin ich mit einigen von ihnen einverstanden, und ich
bin mit ihm einverstanden. Ich finde dort den richtigen Weg für mich, das ist
mein Standpunkt.
Und
dann kommt die unermessliche Schar der Dummköpfe, der freiwilligen Dummköpfe.
Sie sagten: „Nein, dieses Problem – ich bin nicht intelligent genug, um mich
dazu zu äußern. Wenn ich es klar erkennen könnte, würde ich Stellung beziehen.
Aber wissen Sie, Gott hat mir wenig Verstand gegeben, ich habe kein Talent, so
etwas zu lösen.“ „Also verschließe ich die Augen davor und lasse die Dinge
ihren Lauf nehmen.“
Diese
verschiedenen Bereiche des Volkes waren betroffen. Und eine Leere breitete sich
um ihn aus.
Es
gibt ein Fest, seinen Einzug in Jerusalem am Palmsonntag. Es ist ein großes
Fest, ein Ausdruck dessen, wie sehr das Volk ihn trotz allem sah und schätzte,
aber nicht in dem Maße, wie es nötig gewesen wäre, nicht in dem Maße, wie es
gerechtfertigt gewesen wäre. Sie jubelten ihm zu, das stimmt, aber er verdiente
weit größeren Beifall, weit größere Verehrung! Und das brachten sie ihm nicht
entgegen.
Sie
feiern ihn nur halbherzig, und er zieht traurig ein. Und deshalb zeigen die
Gemälde und Stiche, die seinen Einzug in Jerusalem darstellen, ihn im
Allgemeinen traurig und betrübt, mit einem fast strengen Blick auf die jubelnde
Menge gerichtet. Ihm waren die innersten Seelen nicht verborgen, und er
erkannte die Unzulänglichkeit, die Zerbrechlichkeit des ihm zuteilgewordenen
Beifalls. Demütig ritt er auf einem Esel durch die Stadt. Immer wieder rief er
die Menschen zu sich, rief sie auf, Gott und ihn, den Gottmenschen, zu lieben.
Doch gleichzeitig erkannte er die Ablehnung, die Zurückweisung, die Kälte, die
Heuchelei dieser und jener Bewunderung, all dies, klagte und litt. Wenn wir das
Leiden unseres Herrn Jesus Christus in seiner Gesamtheit und nicht nur die
Passion betrachten würden, könnten wir sagen, dass er von der ersten
Undankbarkeit an zu leiden begann. Wann diese erste Undankbarkeit war? Das ist
nicht bekannt. Es kam in Scharen, es kam in großer Menge am Palmsonntag. Wenn
es doch nur das wäre... wenn es doch nur das wäre.
Die
jüdischen Passchafeierlichkeiten stehen bevor. Unser Herr, dem jüdischen Gesetz
vollkommen treu – er war als Gott der Gesetzgeber des jüdischen Gesetzes –,
feiert am Donnerstag das Letzte Abendmahl und ist mit seinen Aposteln bei
Tisch. Er wusste, dass ihn einer verraten hatte. Es war ein Apostel, also einer
seiner engsten Vertrauten; es gab nur zwölf Apostel. Dieser Apostel befand sich
in einer Krise; er war ein Mann, der ihn geliebt und den er berufen hatte. Das
heißt, aus Gnade zog er Judas Iskariot zu sich, doch dieser Apostel reagierte
wohl von Anfang an schlecht. Er war ein schwacher Apostel, der später zu einem
berüchtigten Apostel wurde. Krise über Krise… Diesem Mann war die Verwaltung
der Almosen anvertraut, und, wie das Evangelium berichtet, war er ein Dieb.
Deshalb stahl er das Geld, das für die Armen bestimmt war, für seine eigenen
Ausgaben, um sich ein finanzielles Polster anzulegen, das er möglicherweise mit
den dreißig Silberlingen aus dem berüchtigtsten Verrat der Geschichte
aufstocken wollte.
Diese
Krise … wenn es nur die war, doch alle eifrigen Apostel. Sie versammeln sich,
es ist das Festmahl. Er wäscht ihnen zuerst die Füße, vergibt ihnen ihre
Sünden, sie gehen zu Tisch … Judas sitzt dort. Sie gehen zu Tisch, und Er gibt
Judas jenen geheimnisvollen Befehl: „Was du tun musst, tu es schnell.“ Judas
ging in der Nacht hinaus und beging seine Sünde.
Er
befahl Judas nicht zu sündigen. Er hatte Judas einen Befehl gegeben, den er ihm
zu erfüllen gebot. Doch Judas riss sich in diesem Moment los und ging fort. Man
kann ihn sich vorstellen, mit seinen ängstlichen, eiligen Schritten: „Dreißig
Silberlinge! Dreißig Silberlinge! Ich will dreißig Silberlinge!“ Und es ist
besser, sich nicht vorzustellen, wie der Pakt zustande kam und wie er sich
fühlte, als er die dreißig Silberlinge in seinem Beutel spürte.
Sie
kennen diese Geschichte, die so unrühmlich an einem Feigenbaum endete … Ich
will meine Zeit nicht damit verschwenden, ich will Ihre Zeit nicht damit
verschwenden. Ich mache weiter.
Die
guten Apostel waren da. Einer von ihnen stellte ihm in einem Moment der
Vertrautheit die Frage. Unser Herr sagte: „Einer von euch wird mich verraten“,
mit einer Traurigkeit, die seine Seele erfüllte: Jemand würde ihn verraten. Er
war so gütig, dass er nichts weiter sagte: „Und ihr werdet mich alle
verlassen.“
Wie
er Verrat kannte, wie er Verlassenheit kannte. Was würde geschehen, wenn er sie
ansah? Einer legte sein Ohr an seine Brust, in einer Geste der Freundschaft und
Vertrautheit; es war der heilige Johannes; und er fragte, wer es sei. Er sagte:
„Dieser, dem ich das in Wein getauchte Brot geben werde.“ Er wollte Judas’
Namen nicht nennen, damit sie es nicht bemerkten, und gab eine schnelle
Antwort. Wir können sehen, dass er leise antwortete. Er nahm das Brot und
reichte es Judas freundlich. Dies geschah offenbar, bevor Judas ging. Zärtliche
Gesten wurden Judas bis zum letzten Augenblick zuteil.
Als
Judas ihn küsste, stellte er ihm immer noch liebevoll die Frage: „Judas, mit
einem Kuss verrätst du den Menschensohn?“ Judas kümmerte das nicht. Dreißig
Silberlinge, der Rest war ihm egal! Er hatte dreißig Silberlinge.
Nun,
auch unser Herr spürte die Trauer der Apostel, die ihn nicht mehr sahen. Im
Garten Gethsemane, während sie schliefen, bedeutete ihnen die ganze
Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus nichts. Sie wollten schlafen. Sie
waren müde und wollten es sich gemütlich machen. Und in der Stunde der Gefahr
flohen sie alle. Sogar derjenige, der sein Ohr an seine Brust gelegt und den
Herzschlag Jesu vernommen hatte!
Da
spürte Jesus in seinem Leiden die Herrlichkeit, die er Gott erwiesen hatte,
jenes Abbild Gottes, das er war. Er fühlte sich von den Menschen völlig
verworfen, vom auserwählten Volk völlig zurückgewiesen. Doch er war so
göttlich, so unvergleichlich! Warum hatten sie das getan? Welch ungeheure
Ungerechtigkeit, welch unzählige Gottlosigkeit, welch grausame Rebellion gegen
Gott! Seine Trauer, seine Empörung, sein Seelenleid.
An
diesem Punkt setzt die Geißelung ein. Sie nehmen ihn, den Gottmenschen – dies
ist das erste Geheimnis der körperlichen Gewalt im Rosenkranz – und fesseln ihm
die Hände. Dann binden sie ihn an eine Säule und übergeben ihn der Geißelung.
Und die Geißelung beginnt, die ihn vor diesem unvergleichlichen Symbol Gottes
mit Hass, aus Hass gegen Gott, geißelt!
Man
wird sagen: „Aber sie wussten nicht, dass er der Gottmensch war, sie leugneten,
dass er der Gottmensch war. Wie kann man da sagen, es sei aus Hass gegen Gott
geschehen?“ Sie sahen jene Vollkommenheit, die Gott symbolisierte, der eins mit
Gott ist, und diese Vollkommenheit hassten sie. Hassten sie Gott oder nicht?
Unser
Herr wird gefesselt, seine Hände sind gebunden. Man kann sich vorstellen, wie
sie ihn brutal auffordern: „Die Hände her“ Sie wussten, dass er nicht
mit einer Hand, sondern mit einem einzigen Finger all diese Menschen vertreiben
könnte. Ihr habt es im Garten Gethsemane gesehen. Hätte er gesagt: „Ich will
meine Hand nicht hergeben!“ und die himmlischen Heerscharen herbeigerufen,
um ihn zu verteidigen, wären sie sofort gekommen, denn er rief nicht, er
befahl!
Er
gibt seine Hände her. Sie fesseln sie. Sie fesseln sie brutal mit groben,
groben Seilen, die kratzen und kratzen, auf eine Weise, die ihn quält, die
Durchblutung beeinträchtigt und seine Bewegungsfreiheit einschränkt. Und sie
fesseln sie mit der törichten Illusion, dass er durch das Fesseln gebunden sei.
Er hätte nur sagen müssen: „Seil, reiß!“, und es wäre zu Boden gefallen; und
wenn er gewollt hätte, hätte er sich in eine Schlange verwandeln können, und
diese Schlange hätte die bösen Menschen angegriffen.
Aber
er wollte leiden. Das Außergewöhnliche ist, dass einige ihn geißeln wollten,
und der Andere, der Er war, der Andere mit großem A, wollte gegeißelt werden.
Er wusste, dass er gegeißelt würde, und er wollte gegeißelt werden; er ergab
sich der Geißelung.
Unmittelbar
danach hatten befahlen sie ihm gewiss, seine Tunika, sein heiliges Gewand,
abzulegen, und warfen es in eine Ecke. Doch es war die nahtlose Tunika – die
die Muttergottes für ihn gewebt hatte, eine Tunika, die keinerlei Schmutz
aufwies; der göttliche Leib konnte nur reinste Weiße ausstrahlen! Mit einem Akt
seines Willens konnte nichts diese Tunika beflecken; sie hoben sie auf und
warfen sie wütend zu Boden. Er dachte an die Hände der Muttergottes, die diese
Tunika gewebt hatten. Er sagte nichts: Es war nur ein weiteres Leiden, dieses
Leiden, das er erleiden wollte.
Dennoch
führten sie ihn zur Säule, und gewiss unter Schlägen, Stößen und Gelächter
banden sie das Seil, das er in den Händen hielt, an einen Ring an der Säule –
so wurden Geißelungen vollzogen. Und Männer begannen – welche Männer … man kann
sich dies und jenes vorstellen –, Männer begannen, ihn mit gewaltigen
Peitschenhieben und aller Kraft zu geißeln, und er stöhnte.
Man
kann sich die Süße dieses Stöhnens vorstellen, die harmonische Schönheit dieses
Stöhnens, diesen heiligen Leib, der sich vor Schmerz wand, vor der Brutalität
der Qualen, die er erlitt, Fleischfetzen, die zu Boden fielen, und es war das
Fleisch des Gottmenschen! Sein rettendes Blut floss in Strömen. Er stand da,
würdevoll, höchst würdevoll, demütig, vollkommen demütig, ohne Protest, ohne
Schmerzensschrei, nur im Gespräch mit dem Ewigen Vater. Er war seine Zuflucht
in diesem Augenblick. Sein Körper, vom Scheitel bis zu den Fußsohlen, war von
schweren Wunden bedeckt. Sein Blut floss, das Martyrium begann, aus dem die
Erlösung der Menschheit hervorgehen sollte.
Nach
der Geißelung befahlen sie ihm sein Gewand anzulegen. Er nahm es, und mit den
Schmerzen, die man sich vorstellen kann, legte er es an. Er wusste, dass er
bereit war, den Kreuzweg zu beginnen. Er trat in eine weitere, unermessliche
Reihe von Qualen jeder Art ein. Dies geschah mit ihm.
Hinter Ihnen sehen Sie ein sehr ausdrucksstarkes, wunderschönes Bild. Besonders schön ist es, wenn man es von unten betrachtet, wo ihr Blick vollkommen ausdrückt, was – nach Ansicht des Künstlers und meiner Meinung nach völlig richtig – sein Gemütszustand während der Geißelung war: Sorge, der Schmerz der kommenden Qualen, die Qualen, die er am ganzen Körper erlitt. Doch beachten Sie seine vollkommene Entspannung, seine vollkommene Sanftmut und seine königliche Würde. Kein König hatte je ein Purpur wie das Seine … das Purpur seines unendlich kostbaren Blutes. Sein Blut begann zu fließen.
Was
soll man von all dem halten? Was soll man insgesamt dazu sagen? Dies war der
Vorhof seines blutigen Leidens, es war erst der Anfang. Denn danach folgte die
Dornenkrönung, der Kreuzweg, eine ganze Reihe von Leiden bis hinauf nach
Golgatha.
Er
trug das Kreuz und stürzte dreimal unter dessen Gewicht. Dann nagelten sie ihn
ans Kreuz, und sein Leib hing schmerzhaft an seinen Händen, sodass die Nägel
seine Hände zu zerreißen drohten, und seine Füße versuchten, sich abzustützen,
um nicht zu fallen, und sie trafen die Nägel, die in seinen Füßen steckten, was
den Schmerz noch verstärkte … Und der Durst in ihm wuchs aufgrund des vielen
Blutes, das er verloren hatte. Und die Qualen des Todes, die Schatten des
Todes, begannen ihn zu überfallen, bis zu dem Augenblick, als er sprach: „Mein
Vater, mein Vater, warum hast du mich verlassen?“
Und
dann sprach er: „Es ist vollbracht“, und dachte dabei die ganze Zeit an
die Menschheit, die er erlösen würde, als er sein Leiden vollendet hatte und
sprach: „Es ist vollbracht.“ Damit erlöste
er die Menschheit.
Doch
bis zum letzten Augenblick sorgte er sich um andere, mit göttlicher Klarheit
des Geistes, ordnete Er alles. Zum heiligen Johannes: „Sohn, sieh da deine
Mutter!“; „Mutter, sieh da deinen Sohn!“ Zum guten Schächer, dem heiligen
Dismas: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Die erste Heiligsprechung
vollzogen; welch ein Ruhm, welch eine Freude!
Er
dachte an alle, er dachte an uns im Augenblick der Geißelung. Und in diesem
Augenblick, wie in allen Akten der Passion, zogen wir alle an ihm vorbei. Diese
traurige Schar von Menschen zog an ihm vorbei, und er litt für diesen, litt für
jenen, litt für jenen. Er litt für jeden von euch, den ich hier sehe, um für
jeden von euch, für mich, die Gnaden zu erlangen, für die wir hier sind.
Und
wenn jeder von euch von seiner Berufung erzählt, wie er berufen wurde, wie er
darauf reagierte, wie er strauchelte, wie er wieder aufstand und wie er seinen
Weg einschlug, dann denkt daran, dass unser Herr Jesus Christus im Augenblick
der Geißelung an all das dachte!
Er
erinnerte sich an all das, und vielleicht fiel in dem Moment, als er an jeden
von uns dachte, an mich, der ich zu euch spreche, für mich oder für jeden von
euch, ein Stück seines göttlichen Fleisches zu Boden. Und inmitten des
Schmerzes dachte er: „Es ist für jenen Sohn, der im 20. Jahrhundert leben wird,
den ich liebe, den ich ganz besonders liebe und den ich anderen zu mir bringen
möchte. Es ist furchtbar, aber es ist gut gelitten!“
Und
denkt daran: Wenn einer von uns gegen ihn sündigt, besonders in einer schweren
Sünde, ist es dasselbe, als würde er das Stück Fleisch, das er aus Liebe zu uns
zu Boden fallen ließ, nehmen und es ihm ins Gesicht werfen. Was würden Sie,
meine Herren, zu einem so grausamen Geißler sagen, zu dem unser Herr sprach:
„Mein Sohn, für dich habe ich dies vergossen, dieses Stück Fleisch fiel mir zu
Boden“, und der Geißler erwiderte: „Ach, so? Nimm dies: Peng! Ins Gesicht!“? Es
ist schlimmer als jede Geißel, jede Peitsche! So handeln wir Katholiken, wir
Katholiken, die wir besonders berufen sind, wenn wir ihm nicht treu sind.
All
dies muss vor unserem Herrn Jesus Christus an der Säule bedacht werden, mit
gefesselten Händen, Er leidet, und Er leidet, und Er leidet.
Das
brasilianische Volk – ich glaube, dies geschieht auch in Portugal – hat es sich
zur Gewohnheit gemacht, unseren Herrn Jesus Christus so gefesselt und mit
Dornen gekrönt den Guten Jesus, „o bone Jesu“, den Guten Jesus zu
nennen. Warum?
Weil
er so gut, so friedvoll, so barmherzig ist, dass er sich für uns fesseln und
geißeln ließ. Es ist der gütige Jesus, an den unsere Sünden binden, der uns
aber mit Güte ansieht. Und selbst wenn wir seine Arme von uns fernhalten,
können wir seinen Blick nicht von uns fernhalten. Es ist der gütige Jesus, der
uns ansieht.
Daher
wurde hier so treffend, so treffend das „Anima Christi, sanctifica me“
gesungen, das großartige Gebet des heiligen Ignatius von Loyola, das es
verdient, in jeder seiner Bitten kommentiert zu werden. Diese Bitten sind so
reichhaltig, dass es unmöglich ist, sie in nur einer Nacht zu besprechen.
Ich
möchte auf die erste eingehen. Jede Seele ist anders. Und der heilige Paulus
sagt: „Stella differt a stella“, jeder Stern ist anders als der andere.
Mich persönlich – nicht unbedingt Sie – berührt von diesen Anrufungen die erste
am meisten: „Anima Christi, sanctifica me.“ Was bedeutet das?
Es
bedeutet: Seele Christi, heilige mich mit einer Heiligkeit, die an
Deiner teilhat. Reinige mich von meinen Sünden, erfülle mich mit Tugenden und
mache mich zu einem Spiegelbild Deiner selbst, wie ein Wassertropfen die Sonne
widerspiegelt. Wie sehr wünsche ich mir das! Mehr als alles andere, da die
heiligste Seele unseres Herrn Jesus Christus mich heiligt, was könnte ich mir
mehr vom Leben wünschen?
Diese
Gebete des heiligen Ignatius bilden eine Gruppe namens „Anima Christi“.
Diese Gebete des heiligen Ignatius müssen durch Maria gesprochen werden, denn
so heilig sie auch sein mögen, sie erreichen unseren Herrn nicht, wenn die
Muttergottes nicht mit uns bittet. Deshalb müssen wir sozusagen mit ihren
Lippen und durch das weise und unbefleckte Herz Mariens bitten.
Anima
Christi,
heilige uns, uns alle von der TFP. Seele Christi – und ich habe
besonders darauf bestanden, gerade an diesem Heiligen des Tages, der der
Betrachtung der Geißelung, der körperlichen Qual, gewidmet ist, habe ich
besonders auf die Qual der Seele bestanden: Seele Christi, heilige mich,
heilige uns alle, heilige uns mit Deiner Großzügigkeit, mit Deiner Güte, indem
Du uns vergibst; ohne zu bedenken, dass wir angesichts dieses Gebets nicht
verdienen, worum wir Dich bitten.
Doch
Du bist der gute Jesus, der geduldige gute Jesus, der leidende gute Jesus, der
die Geduld nicht verlor. Erbarme Dich meiner, Herr, und heilige mich ganz und
gar.
Es
ist das Gebet, das jedem von uns gebührt und mit dem ich diese Betrachtung, der
Heilige des Tages, beschließe.
Aus
dem Portugiesischen mit Hilfe vom Google Übersetzer.
Die deutsche Fassung dieses Artikels ist
erstmals erschienen in
www.p-c-o.blogspot.com
© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung
ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.
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