Dienstag, 27. März 2018

I - Seine Hände wurden gefesselt, weil sie das Gute taten

Plinio Correa de Oliveira


(Original Portugiesisch in „Catolicismo“ Nr. 16, April 1952)


Warum ist Jesus von den Folterknechten gefesselt worden? Warum haben sie die Bewegungen Seiner Hände verhindert und sie mit dicken Stricken festgebunden? Nur der Hass oder die Furcht hätten eine Erklärung dafür geben können, warum jemand derart zur Immobilität und zur Ohnmacht reduziert wird. Warum ein solcher Hass gegen diese Hände? Warum eine solche Furcht vor ihnen?

Die Hand ist einer der ausdrucksvollsten und edelsten Teile des menschlichen Körpers. Wenn die Päpste und die Eltern den Segen erteilen, tun sie das mit einer Geste der Hand. Um zu beten, faltet der Mensch die Hände oder hebt sie gen Himmel empor. Wenn er Macht versinnbildlichen will, hält er das Zepter in der Hand. Wenn er Kraft zum Ausdruck bringen möchte, hält er das Schwert. Wenn er zu einer Menge redet, drückt der Redner mit Händen die Kraft seiner Gedanken aus, mit denen er überzeugen will oder den Ausdruck seiner Worte, mit denen er die Gemüter rührt. Mit der Hand überreicht der Arzt die Medizin; mit der Hand hilft der mildtätige Mensch den Armen, den Greisen und den Kindern.

Und deswegen küssen die Menschen die Hände derjenigen, die Gutes vollbringen, und fesseln die Hände, die Böses verrichten.

Deine Hände, o Herr, was haben sie getan? Warum wurden sie gefesselt?

* * *

„In principio erat verbum, et Verbum erat apud Deum“ (Joh 1,1). Wie kann man Deine transzendente, ewige und unaussprechliche Majestät beschreiben, als Du vor allen Dingen und vor allen Zeiten von dem höchstglorreichen und glücklichen Leben der Heiligsten Dreifaltigkeit lebtest. Der hl. Paulus schaute dieses Leben, und das einzige, was er zu sagen vermochte, war, dass es mit menschlichen Worten nicht beschrieben werden kann. Von der Höhe dieses Thrones bist Du mit Liebesabsichten herabgekommen um die Menschen zu erlösen. Dafür hast Du mit eine unaussprechlichen Liebe unsere menschliche Natur angenommen. Du wolltest einen menschlichen Leib aus Liebe zu uns Menschen. Deine Hände wurde geschaffen, um das Gute zu tun. Wer vermag es zu sagen, o Herr, welche Ehre diese jetzt bluttriefenden und missgestalteten, und seit den ersten Tagen Deiner Kindheit doch so schönen und würdigen Hände, Gott gaben, als sie die ersten Küsse Unserer Lieben Frau und des hl. Josef empfingen? Wer vermag es zu sagen, mit welcher Zärtlichkeit sie die Hl. Jungfrau liebkosten? Mit welcher Frömmigkeit sie sich erstmals zum Gebet falteten? Und mit welcher Kraft, mit welcher Erhabenheit, mit welcher Demut sie in der Werkstatt des hl. Josef arbeiteten?

Hände eines vollkommenen Sohnes, was haben sie im elterlichen Hause anderes als das Gute getan?

* * *

Als Dein öffentliches Leben begann, warst Du hauptsächlich der Meister, der die Menschen den Weg zum Himmel lehrte. Und als Du der "kleinen Schar" Deiner erwählten die evangelische Vollkommenheit lehrtest, als Deine Stimme sich erhob und über die verzückte und andächtige Menschenmenge schwebte, bewegten sich Deine Hände, um auf die himmlische Wohnung hinzuweisen oder das Verbrechen anzuprangern und Deinem Worte all das Unsagbare hinzufügtest, durch das die Geste es bereichert. Und die Apostel, die Volksscharen glaubten an Dich, und beteten Dich an, o Herr.

* * *

Hände eines Lehrmeisters, aber zugleich Hände eines Hirten. Nicht nur lehrtest Du, sondern Du führtest auch. Die Aufgabe des Führens wirkt besonders auf den Willen, wie die des Lehrens auf die Vernunft. Und weil der Wille vor allem durch die Liebe gelenkt wird, hatten Deine göttlichen Hände geheimnisvolle und übernatürliche Tugenden, um die Kleinen zu liebkosen, die Bußfertigen aufzunehmen und die Kranken zu heilen. Sie besaßen eine so flammende, so überquellende, so mitteilsame Liebe, so dass von je her, immer wenn die Hände eines Christen - und besonders eines Priesters - sich bewegen, um die Kleinen zu liebkosen, die Bußfertigen zu trösten, den Kranken die Arznei zu reichen, ist die Liebe, die sie dazu anleiten nur ein Funke Deiner unendlichen Liebe, o mein Gott.

Aber diese Hände, so übernatürlich stark, dass sich unter ihrer Herrschaft alle Naturgesetze beugten und bei ihrem Wink der Schmerz, der Tod, der Zweifel flohen, hatten noch eine andere Aufgabe zu erfüllen. Hast Du etwa nicht vom gefräßigen Wolf gesprochen? Würdest Du ein Hirt sein, wenn Du ihn verjagen würdest? Und wenn Du alles mit einer unwiderstehlichen Kraft durchführst, wie könnte jemand nicht den Hieb der Knute spüren, die Du schwangest?

Den Wolf, ja... doch vor allem den Teufel. Dein Leben zeigt uns klar, dass der Teufel kein Wesen einer Fiktion ist; ein Wesen, dem so selten die Macht des Handelns gegeben wird, so dass es scheint, dass die große Mehrheit der Dinge geschehen, als ob er nicht existiere. Heuchler und Menschen mit unsittlichen Gewohnheiten, die in Richterroben oder Priesterkleidung dahergingen, das alles kommt in den Evangelien vor, nicht nur als Folge der menschlichen Verderbnis durch die Erbsünde und unserer Boshaftigkeit, sondern auch durch das Werk des Teufels, der aktiv, eifrig, hier und da Fallen stellt, und des öfteren seine Anwesenheit durch Um- und Besessenheit verrät.


Du pflegtest mit furchtbarer Befehlsmacht den Teufel auszutreiben, o Herr, und vor Deinem Wort, ernst und gebieterisch wie der Donner, edler und feierlicher als der Gesang der Engel, flohen erschrocken und besiegt die unreinen Geister. Dermaßen besiegt und so verschrocken, dass sie von da an Deinen Aposteln fügsam gehorchen mussten. Überall wo Dein verkündetes Wort von den Menschen angenommen wurde, flohen die Unreinheit, die Auflehnung, der Teufel immer. Sie begannen nur dann wieder ihre dunklen Flügel und ihre Verführungsmacht über die Menschheit auszubreiten, als die Welt Deine Kirche, deinen mystischen Leib ablehnte. Doch sie sind so vernichtet und so machtlos, dass es genügt, dass die Menschen wieder die Gnade Gottes annehmen, damit das Reich der höllischen Mächte wieder zerfalle und die Finsternis, die Unzucht und der Geist der Revolution zurückgewiesen werden in ihren geheimen Höhlen, aus denen sie vor Jahrhunderten entkamen.


Als Hirte beschränkten sich Deine göttlichen Hände nicht nur, den Stab gegen die geistigen, unsichtbaren Mächte zu schwingen, die nach dem hl. Paulus in der Luft schweben und das Verderben der Menschen suchen, sondern griffen auch den Teufel und das Böse in ihren sichtbaren und greifbaren Agenten an.


Das Böse, vor allem in Abstraktum betrachtet. Es gab kein Laster, das Du nicht anprangertest.


Aber auch das Böse in Konkretum, wie es in den Menschen existiert. Aber nicht nur in den Menschen allgemein, sondern in gewissen Gesellschaftsschichten - den Pharisäern zum Beispiel -, und nicht nur in gewissen Klassen, sondern auch höchst konkret in gewissen konkreten Personen: die Händler des Tempels sind auf den Seiten des Evangeliums verewigt, wegen der exemplarisch erlittenen Strafe.


Du hast die Sanftmut bis zum äußersten empfohlen, wenn nur persönliche Interessen im Spiel waren. Du willst, dass wir die andere Seite hinhalten, wenn wir eine Ohrfeige bekommen. Doch Du hast eine flammende und heilige Schmähung gebraucht, um die Pharisäer in Misskredit zu bringen; und Du hast die Geißel geschwungen, um die Händler blutend aus dem Tempel zu vertreiben. Es handelte sich dabei nicht um schier menschliche Rechte, sondern um die Sache Gottes. Und im Dienste Gottes gibt es Augenblicke, in denen das nicht Anprangern, das nicht Geißeln einem Verrat gleichkommt.

* * *
Weiter im Teil II

Montag, 26. März 2018

Eine Meditation für die Karwoche

Aus einem „Santo do dia“ von Plinio Corrêa de Oliveira am 17. März 1967 über die Schmerzen der Muttergottes während ihres Lebens

Die Karwoche nähert sich.
Es ist also angebracht, über unsere Einstellung zu Schmerz und Leiden nachzudenken.
Jeder soll einmal allein vor einem Kreuz oder vor einem Bild oder einer Statue der Schmerzhaften Gottesmutter verharren, die ganze Welt vergessen, und sich vor Gott diese Frage stellen:

Bin ich mir bewusst, was meine Erlösung gekostet hat? Habe ich eine Ahnung von den Schmerzen, die all die mir geschenkten Gnaden gekostet haben? Ist es mir bewusst, dass Jesus am Kreuz namentlich an jeden Menschen vom Anfang bis zum Ende der Welt gedacht hat? Dass Er auch mich im Geiste vorübergehen sah und mir Gedanken der Barmherzigkeit, der Güte und der Erlösung schenkte?

Er hat meine Seele gesehen, meine Person. Er liebte mein Sein, das von Ihm erschaffen worden ist. Aus Liebe opferte Er sich auf für mich, weil er meine Erlösung wollte. Kann ich mir vorstellen, dass meine Erlösung all das gekostet hat? Weiß ich die Art und Weise wie ich diesem Opfer entsprochen habe? Ist mir meine Undankbarkeit bewusst? Wie viele Verfehlungen liegen hinter mir, die ich meistens aus Unachtsamkeit beging, nur weil ich eine Gelegenheit zur Sünde habe nicht meiden wollen, weil ich nicht ein kleines Opfer bringen wollte! Mit meiner Sünde nahm ich das Blut Christi und warf es in die Gosse. Blut, das für mich vergossen wurde, und trotzdem begab ich mich in den Zustand der Verdammung. Und Gott duldete mich noch in diesem Leben, ertrug mich und wartete auf mich mit neuen noch größeren Gnaden, als jene, die ich bereits erhalten hatte.
Nun bin ich wieder in einer Karwoche, einer Gelegenheit Gnaden zu bekommen. Die Seite Unseres Herrn ist offen, aus Ihr fließt ein Strom der Barmherzigkeit für mich und ruft mich zur Reue, zur Buße, zur wunderbaren Versöhnung mit Ihm. Es ist ein Strom der Güte und der Zuneigung, wie ich es mir nie hätte vorstellen können. Meine erste Sorge in der Karwoche soll daher sein, an meine Seele zu denken. Ohne Angst und Panik, denn Gott ist der Vater der Barmherzigkeit und Maria ist Mutter und Kanal aller Barmherzigkeiten. Ernsthaft und tief sollte ich nachdenken. Mich vor das fließende Blut Christi stellen und erkennen, was ich aus diesem Blut gemacht habe.

„Welchen Nutzen bringt mein vergossenes Blut?“

Diese Frage stellte sich Unser Herr Jesus Christus, und es war eines seiner größten Leiden: Quae utilitas in sanguine meo? (Ps 30,10) Letztendlich, was nützt mein Blut? Er dachte an die vielen Seelen, die Sein Blut mit Füssen treten würden. Leichtsinnig, stumpfsinnig, für eine Kleinigkeit, für eine Bagatelle. Wegen eines spöttischen Lächelns einer Magd, wie im Falle des Petrus. Für dreißig Talente, wie bei Judas. Aus Faulheit, weil sie schlafen wollten, wie die anderen Apostel. Aus Angst, aus Opportunismus, aus Sinnlichkeit, aus wie viel anderen Gründen würden die Seelen sich Ihm verweigern!
Jesus und Seine Mutter hatten unsere Zeit im Blick. Jesus aber sah den ganzen Verrat unserer Zeit, Seine Verlassenheit; alles, was priesterliche Seelen Ihm an Leid zufügen würden. Wenn die Sünde jedes einzelnen Menschen Unserem Herrn dermaßen Leiden zufügt, wie viel mehr die Sünden der Glieder der heiligen Kirche?


Der Prophet David äußerte diese Klage gegenüber einem Freund, der ihm Böses getan hatte:
Denn würde mein Feind mich schmähen, ich könnte es ertragen, und würde mein Gegner sich gegen mich erheben, ich könnte mich bergen vor ihm. Du aber, mein Gefährte, mein Vertrauter und Bekannter, die wir zusammen süße Gemeinschaft erlebten, zum Gotteshause wallten im Festgedränge! (Ps 55, 13-15).


* * *


Alles, was in unserer Zeit geschieht, hat Jesus damals schon gesehen. Doch Er sah es auch mit Liebe. Als Frucht dieses unendlich kostbaren Blutes würde eine besondere Gnade keimen für einige, die genauso schlecht sind wie andere, – und des öfteren gar noch schlechter –, die aber durch diese besondere Gnade berufen wurden, treu zu sein in der Stunde der Untreue, damit sie unter dem Kreuz stehen, wie der hl. Johannes, auf der Seite der Rechtgläubigkeit, der wahren Lehre, in der Stunde, in der alle sie verlassen. Es sind die, die das Martyrium der Kirche verstehen. Die die Tragödie der von Modernismus und Progressismus in ihrem Innern zersetzten Kirche sehen und wie sie ihren schlimmsten Feinden ausgeliefert ist. Diese von Gott auserwählten wurden berufen für ihre Kirche – den Leib Christi – zu kämpfen, Ihren Schmerz zu verstehen, darüber zu meditieren und diesen Schmerz zu teilen und zu leben, damit sie auch „Menschen der Schmerzen“ werden.

Der Schmerz der Heiligen, Kirche in unseren Tagen, muss ein Schmerz sein, mit dem wir am Morgen aufwachen und am Abend einschlafen. Ein Schmerz, der uns auch im tiefsten Schlaf nicht verlässt.

Die Heilige, Römisch Katholische und Apostolische Kirche, von Jesus Christus gegründet, vom Himmel herniedergestiegen aus dem Himmel von Gott her, wie eine vollendete Stadt (vgl. Offb 21,2)… Was haben sie aus ihr gemacht?!...

Nun gut! Dieser Schmerz ist dermaßen groß, dass er mich hindert weiterzusprechen. Bitten wir der Gottesmuter, sie möge uns diesen Schmerz bis ins tiefste unserer Herzen spüren lassen.

Sonntag, 25. März 2018

„PATER NON MEA VOLUNTAS, SED TUA FIAT“

„PATER NON MEA VOLUNTAS, SED TUA FIAT“
Plinio Correa de Oliveira

„Nach diesen Worten ging Jesus mit seinen Jüngern hinaus, über den Bach Kidron hinüber, wo ein Garten war, in dem Er und seine Jünger eintraten“ (Joh 18,1).
Jesus verlässt Jerusalem. Es war kein gewöhnliches Aufbrechen, gefolgt von einer baldigen Wiederkehr, sondern eine wahre und endgültige Trennung.
Der Messias liebte die Heilige Stadt, ihre mit Ruhm bedeckten Mauern, den Tempel des lebendigen Gottes, der sich aus ihnen erhob, das auserwählte Volk, das in ihr wohnte. Deshalb predigte Er ihm die frohe Botschaft mit besonderer Liebe und Hingabe und bekämpfte sein Laster mit besonderem brennendem Nachdruck. Doch es verweigerte sich ihm. Er verließ also die verbannte Stadt.
Es war Nacht. Jerusalem glänzte in all seinen Lichtern. Es gab Wärme und Überfluss in den Häusern und lebhafter Betrieb in seinen Straßen. Eine große Sorglosigkeit lag über der frohen und friedlichen Stadt. Jesus, mit all seiner Schönheit, seinem Anmut, seiner Güte kümmerte sie wenig. Als Er die Stadt verließ, vernahm es niemand, niemand wusste es, vielleicht hier und da ein Spaziergänger, der Ihn mit Gleichgültigkeit begegnete. Um ihre Seelen zu führen, zogen sie Annas, Kaiphas und dergleichen vor. Um ihre nationalen Interessen zu wahren, reichten ihnen Herodes. Sie tolerierten Pilatus mit resignierter schlechter Laune. Unter der Wachsamkeit dieser geistlichen und weltlichen Hirten konnten sie ja nach Lust und Laune ungezwungen essen, trinken und sich vergnügen, und im nachhinein ihr Gewissen mit einem Gebet und einem Opfer im Tempel trösten. So erledigte sich alles in Schläfrigkeit und Anpassung.
Jesus, meinten sie, ist gekommen um diesen Frieden zu stören. Er sprach von Tod, Gericht, Himmel und Hölle ohne zu verstehen, dass für die Welt solche Predigten nicht angebracht waren; und das die erste Pflicht eines Rabbi in Anpassung an den Forderungen der Zeit bestand. Doch Jesus, als Kenner der heiligen Schriften, sehr gewandt in seiner Denkfähigkeit, mit hervorragenden Eigenschaften Menschenmengen zu beeindrucken und in vertraulich überzeugenden Gesprächen Menschen an sich zu ziehen, schien bemüht eine unumgängliche Unvereinbarkeit zwischen Religion einerseits und ein nach Herzenslust sorgenfreies und hemmungsloses Leben andererseits aufzuweisen. So spaltete Er die zwei Teile eines Bogens und bewirkte früher oder später den Zusammenbruch dieses Systems. Doch das störte Ihn nicht, denn es war vernunftwidrig. Um die gefährlichen Folgen Seiner Worte hervorzuheben, wirkte Er Wunder. Gestützt auf das Ansehen, die diese Ihm einbrachten, verwirrte Er die Geister noch mehr, als Er ihnen lehrte, dass der Weg, der zum Himmel führt, schmal ist und ihnen die Notwendigkeit der Reinheit, der Redlichkeit, der Rechtschaffenheit einschärfte, um diesen Weg einzugehen. Hatte Er, der Erbarmen predigte, denn kein Mitleid mit den Seelenkämpfen, der Gewissensdramen, die Er damit hervorrief? Er, der die Demut predigte, sah Er nicht ein, dass es notwendig war, sich mit dem Beispiel der Vorsicht, die ihm die Hohenpriester  gaben, abzufinden?
Es ist wahr, dass es eine Zeitlang so aussah, als ob Er siegen würde. Doch der Hohe Rat handelte zeitlich. Er öffnete freigebig seine Schatztruhen, schickte Abgesandte, die im Volk Vorbehalte gegen den Eindringling erwecken sollten. Sie waren sehr geschickt und verstanden die richtigen psychologischen Saiten der Menschen anzuschlagen. Damit waren die Aussichten des Rabbi beseitigt. Jerusalem würde nicht ihm gehören. Sein Tod war beschlossen und das Volk würde ihm zustimmen. Dieser Todesbeschluss wäre die letzte und unbedeutende Folge  ihrer Machenschaften. Ein kleiner Fall für die Polizei. So wäre denn der „Fall“ Jesus erledigt. Das Volk konnte sich wieder den Belustigungen, dem Gold und der endlosen Tempelzeremonien hingeben. Alles konnte wieder zur normalen Tagesordnung übergehen. Ja, eine große Sorglosigkeit erfrischte die Luft in dieser üppigen und ruhigen Nacht.
Die Predigten Jesu waren beendet und Er verließ die Stadt, weil dort nichts mehr zu tun war. Teilzuhaben an dieser lauen und schläfrigen Ruhe, in der die Gewissen schliefen, die Er zu wecken versucht hatte, war mit Seiner Vollkommenheit nicht vereinbar. Das einzige, was Er noch tun konnte, war, die Stadt zu verlassen, um eine vollständige Entfremdung, eine absolute Trennung, eine unumwundene Unvereinbarkeit zu verstehen zu geben.
Und Er ging! Es blieben zurück die Lichter der Stadt und Er trat in die Finsternis der Nacht. Es blieb zurück die Menge der Menschen. Mit ihm nahm Er nur eine Handvoll, die ihm folgten. Zurück blieb alles, was Macht, Reichtum und weltlicher Ruhm war. Er zog sich zurück an einen abgelegenen, einsamen, armen Ort, nur gefolgt von einigen Unbekannten, die keine gesellschaftliche, keine nennenswerte kulturelle Bedeutung hatten, nichts. Es blieben zurück die Freuden des Lebens. Er ging der Trostlosigkeit der Verlassenen entgegen, der schrecklichen Qual derjenigen, die auf den Tod warten.

„… und Er sagte zu seinen Jüngern: ,Setzt euch hier nieder, während ich bete!‘“ (Mk 14,32)
Die Einsamkeit Jesu war viel größer, als es auf den ersten Blick erscheint. Die Apostel folgten ihm, das ist wahr. Doch ihre Seele hing noch an allem, was sie bei dieser furchtbaren Trennung zurückgelassen hatten. Große Angst überkam sie, in der Vorausahnung was die nächsten Stunden ihnen bringen würden. Sie waren schon nicht mehr in der Lage zu beten. Das war der Anfang der Fahnenflucht, denn wer nicht betet gleitet den Abgrund hinunter. Beten konnten sie nicht. Zurück nach Jerusalem wollten sie nicht. Also blieben sie „sitzen“. Und sie haben zugelassen, dass der Meister ein Stück weiter ging und alleine blieb. Wahrscheinlich fühlten die Apostel sich als Helden, als sie dort sitzen blieben. Sie waren dermaßen mit ihrem eigenen Leid beschäftigt, dass sie an das Leid des Herren gar nicht dachten. Sie ließen sich von ihrem eigenen Schmerz erdrücken; und da saßen sie, kurz darauf schliefen sie ein, und etwas später ergriffen sie die Flucht.
Schreckliche Lehre für die, die den langen Weg in Richtung Vollkommenheit beschritten haben!
Jesus hatte ihnen gesagt: „Betet, dass ihr nicht in Versuchung fallet!“ (Lk 22,40). Sie haben nicht gebetet und erlagen…

„Er nahm Petrus und die beiden Zebedäussöhne mit sich und begann zu zittern und zu zagen“ (Mt 26,37).
Auswahl. Einige waren weniger abgestumpft durch den Schmerz der Verlassenheit, der Niederlage, der völligen Trennung von der Welt. Ihnen schmerzte das Leiden Jesu mehr als den anderen. Sie wurden beiseite gerufen und durften den Beginn der kostbaren Schmerzen des Erlösers mit ansehen.
Wie viele erhalten den gleichen Ruf! Die Gnade ruft sie zu einer größeren Frömmigkeit, zu einem tieferen Glauben, zu einem genaueren Verständnis der schrecklichen Lage der Kirche in unseren Tagen. Um dieser Gnade zu entsprechen, muss man den Mut haben, an der Traurigkeit Christi teilzunehmen. Dazu bedarf es eines großmütigen, starken und ernsthaften Geistes.
Wie wird eine solche Gnade abgelehnt? Indem man die Traurigkeit Jesu ablehnt: Man lebt nur für Kleinigkeiten, vergöttert den Sport, macht aus Radio und Fernsehen das Zentrum des Lebens, Witze werden zum einzigen Gesprächsthema, man will von den schweren Aufgaben, die die Zeit auferlegt, nichts wissen, weil man sich in die kleinen Angelegenheiten des täglichen Lebens versenkt.
Solche Seelen haben nicht Teil an den vertraulichen, anbetungswürdigen Beziehungen zu den Schmerzen des Herzen Jesu. Sie sind wie Kröten, die mit dem Bauch am Boden herumkriechen und nicht wie Adler, die mit ihrem kräftigen Flug die Weiten des Himmels durchkreuzen.

„Und Er sagte zu ihnen: ,Meine Seele ist betrübt bis in den Tod; bleibt hier und wacht mit mir‘“! (Mt 26,38).
„Meine Seele ist betrübt“, sagt Jesus, und nicht „ich bin betrübt“. Damit wollte Er bedeuten, dass die Qual, in der Er sich befand rein seelischer, moralischer Natur war. Das körperliche Leiden hatte noch nicht begonnen. In der Leidensgeschichte Jesu wird das körperliche Leiden besonders hervorgehoben, und das ist gut so. Doch die Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu weist auf die seelische Marter Jesu hin, und das ist besser. Denn die Schmerzen des Geistes greifen tiefer, sind quälender aber doch viel edler als die Marter des Leibes, und sie widersetzen eher den seelischen Fehlern, die Gott so sehr beleidigen.
Was litt Christus in seiner Seele? Was sollen wir leiden?
Weil der Wille des Ewigen Vaters verletzt, Jesus, unser Herr, abgelehnt, verneint, gehasst wurde. Denken wir darüber nach, messen wir das Ausmaß und den Ernst dieser Lage, so werden wir in uns die seelischen Schmerzen Unseres Herren mitleiden.
Christus und seine Kirche bilden ein Ganzes. Jedes mal wenn wir ein unmoralisches Werbeplakat sehen, ein falsches Urteil hören, eine Einrichtung oder ein Gesetz wahrnehmen, das der katholischen Lehre widerspricht, müssen wir leiden. Wenn wir dafür kein Eifer und keine Kraft haben, dann taugen wir nur zum „sitzenbleiben“ und um in der Stunde der Gefahr zu fliehen.
„Betrübt bis in den Tod“, das heißt bis an die Grenzen des menschlich Möglichen. Die Betrübnis mit anzusehen wie das Gesetz verletzt, die Kirche verfolgt, die Ehre Gottes verkannt wird, muss in uns eine äußerste Betrübnis sein und nicht eine kleine emotionale und vorübergehende Traurigkeit, wie sie frivole und leicht erregbare Seelen an den Tag bringen, ähnlich wie Irrlichter über Sümpfe und Friedhöfe flackern.
Das ist eine oberflächliche Traurigkeit, die keine ernsten Vorsätze, tiefen Eifer, echte Entsagung von allem hervorbringt, um nur im Kampfe zu leben. Jemand, dessen „Seele betrübt“ ist, tröstet sich nicht mit Zeitschriften, Kleidung, Restaurants, Spazierfahrten, ehrlichen – oder unehrlichen – Bagatellen! Er kann nur in großem Kummer leben, weil die Ehre Gottes beleidigt wurde und sie findet nur und ausschließlich Trost im geistlichen Leben und im Apostolat.
„Bleibt hier“, das heißt, kehrt nicht zurück und vermischt euch nicht unter die Verdorbenen Kinder Jerusalems, auch nicht zu den Lauen, die ein paar Schritte abseits schliefen.
„Wachet mit mir“. Ja, nimmt Anteil an meiner Einsamkeit, an meiner Niederlage, an meinem Schmerz. Macht daraus euren Ruhm, eure Freude, euren Reichtum.

„Er ging ein wenig weiter, fiel auf sein Angesicht“ (Mt 26,39).

Warum „ging Er ein wenig weiter“, wenn Er doch wollte, dass die drei Apostel bei Ihm bleiben sollten? Bei Jesus bleiben, bedeutet, im Geiste in Seiner Nähe bleiben, Ihm beistehen. Es bleibt bei Ihm derjenige, der aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, mit vollem Verstand in der Kirche ist. Es bleibt bei Unserem Herren der, der in den Stunden seines Leidens nur an Ihn denkt und nicht an sich selbst. Es bleibt bei Jesus der, der nur an Ihn denkt und nicht an die Welt, ihren Geist und ihren Gelüsten.
Jesus ging nur „ein wenig“ weiter, „etwa einen Steinwurf weit“, schreibt der hl. Lukas (22,41). Warum „weitergehen“? Und warum nur „ein wenig“? Unser Herr wollte in Sichtweite bleiben, Er wollte gesehen werden, um die Treue der drei erwählten Apostel zu bewahren, Er wollte sie trösten und sich trösten, in dem Er sie in der Nähe wusste. Doch es war angebracht, dass Er sich ein wenig entfernte, denn es war eine äußerst schwere Stunde gekommen. Er würde mit Gott Vater sprechen und Gott Vater mit Ihm. So wie in der jüdischen Liturgie der Priester nur Er alleine in das Allerheiligste (Sancta sanctorum) eintrat, so wollte Jesus auch alleine diesen ersten Schritt seines Leidensweges gehen.
Haben wir solche heiligen Einsamkeiten der Seele, Gipfel, auf denen nur Gott und wir sind, wo kein Freund, keine irdische Liebe zugegen ist, auf dem wir nur den Blick unseres Seelenführers zulassen? Oder sind wir von der Sorte, dessen Seele keine Zurückhaltung und kein Adel kennen, offen für alle Winde, alle Blicke, alle Schritte, wie ein gewöhnlicher öffentlicher Platz?
Er „fiel auf sein Angesicht“. Äußerste Demütigung, vollständige Entsagung.
Welch eine Vorbereitung für das Gebet! Wenn wir mit Gott sprechen, werfen wir uns zuvor nieder? Das heißt, gehen wir demütig, bereit zu gehorchen, bereitwillig allem zu entsagen, unser Nichts einsehend? Oder gehen wir mit Vorbehalt, mit Andeutungen, mit schmerzenden Punkten, an denen Gott von uns kein Opfer verlangen kann? Wenn wir die Kirche hören, werfen wir uns nieder, indem wir auf all unsere Meinungen und Willen verzichten, um nur zu gehorchen? Bei denen, die uns erbauen durch die Hinführung zur Kirche und zum Papst, werfen wir uns da nieder und nehmen ihren Einfluss an, oder erheben wir Barrieren und Einwände?

„… betete und sprach: Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie Du willst.“ (Mt 26,39)
Niedergeworfen auf die Erde und zugleich beten! Mit dem Körper auf dem Boden, das Niedrigste, was es gibt, und mit der Seele sich erhebend zum Höchsten des Himmels, zum Throne Gottes! In dieser Haltung besteht die Unbesiegbarkeit des echten Katholiken. Auf dem Höhepunkt der Not, der Demütigung, der Verlassenheit, trägt er noch in der Hand die Waffe, die alle Gegner besiegt. Wie wahr ist das, in den Kämpfen des innerlichen Lebens! Wir sehen keine Mittel, um einen Ausweg zu finden oder zu widerstehen, wir beten… und siegen letztendlich. Wie wahr ist das im Apostolat! Erschreckt uns die Wucht der heidnischen, gottlosen Welle? Denken wir sofort an Konzessionen, bei denen wir das Nebensächliche opfern, weil es nebensächlich ist; an das zweitrangige Wesentliche, weil es zweitrangig ist, und zuletzt an das Hauptsächlichste… „um ein größeres Übel zu verhindern“? Wenn wir um die Macht des Gebets wüssten, wenn wir „mit dem Angesicht zu Boden fallen“ würden, würden wir auch die Wirksamkeit unserer übernatürlichen Waffen, den Sinn, den Wert und den Nutzen der christlichen Kompromisslosigkeit besser verstehen. Der göttliche Erlöser litt hier für die Pessimisten, die Entmutigten, die keine Ahnung haben von der siegessicheren Kraft der Kirche.
„So gehe dieser Kelch an mir vorüber…“ Welcher Kelch? Es war das erbarmungslose, erdrückende, ungerechte Leiden, das herannahte. Hier litt der göttliche Meister für die, die durch Optimismus sündigen, für jene, die, angesichts der Perspektiven des Kampfes, der Qual, des Schmerzes, die Vogelstrausspolitik anwenden und meinen, alles werde schon gut ablaufen. Das Leid vorhersehen und sich mutig darauf vorbereiten, ist allerhöchste Tugend. Und das gilt sowohl für unser Privatleben, als auch für die Anliegen der Heiligen Kirche. In dieser Zeit, in der sie dermaßen angegriffen wird, können wir nicht die Dummheit begehen zu sagen, es wird schon alles gut gehen. Erkennen wir den Ernst der Stunde, blicken wir mutig und christlich den Drohungen der Zukunft entgegen, mit entschlossenem und vertrauensvollem Gemüt, bereit, durch Gebet, Kampf und vollständiger Annahme des Opfers, zu reagieren.
Dies ist das Beispiel, das der göttliche Meister uns gegeben hat: Sich von allem zurückziehen, um von Angesicht zu Angesicht mit Gott das Meer der Schmerzen, das auf Ihn zukam, in ihrem ganzen Umfang zu messen und vor diese Perspektive Stellung zu nehmen.
Welche Haltung:  „wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie Du willst.“
Zwei inständige Bitten sind hier enthalten. In der einen bittet der Gott-Mensch, dass der Schmerz „wenn möglich“ an ihn vorüber gehe. In der anderen nimmt Er ihn an, wenn es nicht möglich sein sollte ihn zu verhindern.
Welch heilige Haltung. Nichts theatralisches; ohne Eitelkeit. Schmerzen verursachen im Menschen von Natur aus Angst. Unser Herr, der nicht nur wahrer Gott sondern auch wahrer Mensch war, hatte Angst vor den Schmerzen, die Er voraussah. Deshalb bat Er, dass sie „wenn möglich“ entfernt werden sollten. Schmerzen verhindern zu wollen ist legitim, weise und heilig. Aber sie um jeden Preis verhindern zu wollen, nein: nur „wenn möglich“.
„Wenn möglich“: Was bedeutet das? Wenn angesichts dieser Bitte eines Gerechten, der zermalmt in der Voraussicht der Schmerzen daliegt, der göttliche Wille sich gütig erweisen könnte, indem Er diesen Schmerz vorüber gehen ließe, dann sollte es so sein. Wenn aber die Beseitigung dieses Schmerzes eine Änderung in den Plänen der Vorsehung bedeuten würde, eine Verminderung der Ehre Gottes und des Wohles der Kirche — die gegründet werden sollte —, und der Seelen zur Folge haben würde, dann wäre es besser alles zu leiden.
„Wenn möglich“ … Ein erhabener Bedingungssatz, den die Welt nicht kennt. Und deshalb ist die ganze Welt in Krise, in Gefahr, in Agonie. Güter der Erde, Reichtum, Ruhm, Gesundheit, Schönheit, dies alle ist gut in dem Maße, in dem wir den Willen Gottes alledem überordnen. Wenn es aber notwendig ist, allem zu entsagen, weil es auf Grund diesem oder jenem äußeren oder inneren Umstand „nicht möglich ist“, diese Dinge zu besitzen, ohne Gott zu missfallen, dann entsagen wir doch vollständig allem. Wenn alle Menschen so denken und fühlen würden, wäre die Welt eine andere! Weil aber dieser Bedingungssatz fehlt, der jede Ordnung und jedes Gut in sich trägt, liegt unsere Zivilisation im Sterben.
„Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ Worte auf denen das ganze Leben der Kirche, der Seelen und der Völker beruht. Es sind heilige, süße, harte und schreckliche Worte, die der moderne Mensch nicht verstehen will. Sie sind eine perfekte Definition des Gehorsams, dieses Gehorsams, den seit Luther die Welt mehr und mehr hasst.
Ja, es geschehe der Wille Gottes und nicht meiner: ich werde den Gebote folgen und nicht meinen Launen! Ich werden denken wie der Papst, auch wenn mir eine andere Lehre vorzüglicher erscheinen würde. Ich werde allen gehorsam sein, die über mich eine legitime Obrigkeit ausüben, weil sie Gott vertreten: deshalb werde ich ihren Willen walten lassen und nicht meinen!
Mein Jesus, wie kann man, angesichts dessen noch sagen, dass Du ein Umstürzler warst und dass Du gekommen bist, die Revolution in die Welt zu bringen?

 Nach diesem Bittgebet, Schweigen. Die Evangelien berichten uns nicht, welche Antwort Jesus erhalten hat, auch nicht was Er darauf erwiderte. Warum auch? Und mit welchen Worten? Wahrscheinlich gab es nur eine einzige Person auf Erden, die alles gesehen, alles gewusst und alles angebetet hatte: Seine Mutter Maria war ohne Zweifel im Geiste gegenwärtig und an allem beteiligt.
Das Thema ist zu erhaben, als das wir dieses Schweigen deuten können, das selbst die Evangelisten nicht brechen wollten. Bitten wir der Mittlerin aller Gnaden, sie möge uns einführen in die stille geistige Sammlung und in die unaussprechlichen Geheimnisse dieses Schweigens.
Jesus hat es angenommen. „Da erschien Ihm ein Engel vom Himmel und stärkte Ihn. Voll innerer Erregung betete Er noch eindringlicher, und Sein Schweiß rann wie Blutstropfen zur Erde nieder“ (Lk 23,43-44).
So fing nun die Passion an. Jesus hatte den Schmerz und den Tod vorausgesehen und sie angenommen. Die bloße Voraussicht des Unvermeidlichen versetzte Ihn vor einen bedrückenden Berg der Qualen.
Doch „ein Engel stärkte Ihn“. Ja, Sein demütiges Gebet wurde erhört. Gott gab Ihm Kraft den unerträglichen Schmerz zu ertragen, die unannehmbare Ungerechtigkeit ergeben anzunehmen.
Wenn wir das verstehen würden! Die Gebote scheinen uns allzu schwer, es braust in uns der Sturm der liederlichen Begierlichkeiten und der teuflischen Versuchungen. Wenn wir verstehen würden, dass dies die Stunde Gottes ist, wenn wir „noch eindringlicher beten“ würden, wenn wir den Besuch des Engels aufnehmen würden, der uns Stärkung bringt! Ja, denn auch zu uns kommt der Engel immer, sodann wir beten. Mal ist es eine innere Bewegung der Gnade, mal ein gutes Buch, das wir lesen, mal ein Freund, der uns einen guten Rat gibt oder mit gutem Beispiel vorangeht. Doch wir beten nicht. Die Folge ist: wir fallen.
In Christi Leiden kam der Engel auf Grund Seines Gebets. Nachdem Er Ihn gestärkt hatte, betete Jesus weiter: Ja, noch eindringlicher beten, ist das große Geheimnis des Sieges. Wer betet, wird gerettet werden, wer nicht betet, geht verloren, sagte der hl. Alphons von Liguori. Und wie hatte Er recht! Jesus hat Blut geschwitzt. Das erlösende Blut quoll hervor, durch die Last der seelischen Schmerzen. Man kann sagen, dass es Blut des Herzens war. Welch wunderbares Thema für die Verehrer des Heiligen Herzens.
Blut schwitzen ist der äußerste Schmerz. Es ist der Gipfel der Last des Seelenleidens auf den Leib. Man könnte sagen, dass Jesus hier schon alles an Leiden ertrug, was Er nur konnte. Indessen war noch nicht einmal der erste Schritt des Leidenweges getan.
Wie kann man diese fast unmögliche Widerstandfähigkeit erklären? Sein Martyrium begann, wo es bei anderen schon den Höhepunkt erreicht hatte.
Weil „ein Engel vom Himmel Ihn stärkte“, und „Er noch eindringlicher betete“
O, der Wert des Übernatürlichen! Und wir wagen zu behaupten, dass wir im geistlichen Leben oder in den Kämpfen des Apostolats versagen aus Mangel an Kräften!
Dreimal sagte der Herr sein „Fiat“ (vgl. Mt 26,39-44). Und nach jedem Mal kam Er zu seinen Jüngern zurück.
Beim ersten Mal „fand Er sie schlafend“ (Mt 26,40). Und Er riet ihnen: „Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist ist zwar willig, das Fleisch aber ist schwach“ (Mt 26,41).
Doch sie machten sich nichts draus. Warum? Weil sie müde waren. Von einer Müdigkeit befallen, die aus zwei Übermäßigkeiten bestand: Verzweiflung einerseits und andererseits Eingebildetheit. — Die Verzweiflung: Angesichts der menschlichen Niederlage Jesu waren ihre Träume weltlicher Größe zerstört. Was blieb ihnen? Diese Dunkelheit, diese Einsamkeit, dieser harte schlichte Boden, auf dem sie saßen. Die Karriere war vernichtet, o Schmerz aller Schmerzen! Unter der Last dieses Schmerzes, das einzige, was zu tun war, war schlafen. — Die Eingebildetheit: Indessen hielten sie sich für starke Typen. Sie hatten ja so viel gekämpft und es wäre sicherlich beleidigend, an ihren Mut zu zweifeln. Überzeugt von ihrer Widerstandskraft, sorglos über ihre Beharrlichkeit, verbrachten sie die Zeit, schlafend…
Eine Müdigkeit vor allem auch aus Ungehörigkeit. Der Herr litt und sie schliefen! Was brachte ihnen denn der Herr? War es nicht schon ein großer Gefallen, bei Ihm zu sein inmitten dieser Verlassenheit? Was wollte Er mehr? Das sie noch außer der Zeit beteten? Nein. Er sollte wachen, wenn Er wollte. Die Jünger gingen schlafen.
Je mehr man schläft, desto schwerer wird der Schlaf. Das ist genau der Entwicklungsprozess der Lauheit. Beim zweiten Mal „fand Er sie wiederum schlafend; denn ihre Augen waren schwer“ (Mt 26,42). Es war der Schlaf der Mittelmäßigkeit, der Nachlässigkeit, der Trägheit. Folgten sie noch dem Meister? Ja und nein. Ja, denn letztlich waren sie noch da. Nein, weil sie Ihm nicht mehr gehorchten. Er litt und sie schliefen. Es war der Anfang der Trennung.
Wie kommt es zu einem so verhängnisvollen Absturz? Schlafen, während Jesus spricht, ist für mich zerstreut, übellaunig, lau sein, genauso wenn zu mir die Vertreter der Heiligen Kirche sprechen, diejenigen, die mich auf dem Weg der Heiligkeit führen sollen, die für mich durch ihr Beispiel die Orthodoxie, den Edelmut, den Hunger und den Durst nach Tugend darstellen. Wenn ich diesem Schlaf verfalle, was gibt es anderes zu tun als aufzustehen und „wachen und beten, um nicht in Versuchung zu fallen“? Wenn ich es aber nicht tue, was sind die Folgen? Das Scheitern im geistlichen Leben und in der Berufung.
Beim dritten Mal sind die Worte Jesu, Worte des Tadels: „Ihr schlaft noch und ruht! Seht, die Stunde ist gekommen, da der Menschensohn überliefert wird in die Hände der Sünder. Steht auf, lasst uns gehen!  Seht, mein Verräter naht!“ (Mt 26,45-46).
Nun ist die Stunde vorüber. Nicht einmal die zärtliche und schmerzvolle Bitte hatte sie gerührt: „Konntest du nicht eine einzige Stunde wachen?“ (Mk 14,37).
„Und sogleich, während Er noch redete, erschien Judas, einer von den Zwölfen, und mit ihm eine Schar mit Schwertern und Knütteln“ (Mk 14,43). Kurz darauf „verließen Ihn alle und flohen“ (Mk 14,50).
Ja, sie flohen alle, weil sie lau waren, haben geschlafen, haben nicht gebetet. Wenn ich, Herr, nicht fliehen will, muss ich fest sein, darf nicht schlafen, ich muss beten.
Gib mir, Herr, diese Gnade der Beharrlichkeit in allen Situationen, in allen Nöten, in allen Erbitterungen. Die Gnade der Treue in allen Verlassenheiten, in allen Hilflosigkeiten, in allen Niederlagen. Die Gnade der Standhaftigkeit, auch wenn alle Dich verlassen, unterdrückt vom Schlaf oder irregeworden durch die Lüsternheit der weltlichen Dinge. Oder sonst, mein Gott, nimm mich von diesem Leben. Denn eines möchte ich nicht: Fliehen!
Durch die allmächtige Fürsprache  Deiner heiligsten Mutter bitte ich Dich um diese Gnade der Beharrlichkeit, o mein Herr Jesus.


Samstag, 24. März 2018

Wir unterstützen unsere katholischen verfolgten Glaubensbrüder in China - Brief an Kardinal Zen Ze-kiun


 
Kardinal Zen Ze-kiun

Eminenz
Joseph Kardinal Zen Ze-kiun
Hong Kong – VRChina

Hochw. Eminenz,

Das Institut Plinio Corrêa de Oliveira, eine Bürgervereinigung, die das Werk des angesehenen Professors forsetzt, dessen Namen es trägt, und autonome Schwestervereine in den fünf Kontinenten, widmen sich der Verteidigung der grundlegenden Werte der christlichen Zivilisation. Ihre Direktoren, Mitglieder und Sympathisanten sind römisch-katholisch, die gegen die Angriffe von Kommunismus und Sozialismus kämpfen.
Der heroische Widerstand der romtreuen Untergrundkirche
Die fundamental antikommunistische Haltung, die sich aus den katholischen Überzeugungen der Mitglieder unserer Organisationen ergibt, wurde bestärkt durch den heroischen Widerstand der chinesischen romtreuen „Untergrundkirche“, deren Bischöfe, Priester und Millionen Katholiken sich weigern, der sogenannten Patriotischen Kirche, die gegenüber Rom schismatisch und von der zentralen Macht Pekings völlig abhängig ist, sich zu unterwerfen
„Selig die Verfolgung leiden um der Gerechtigkeit willen, denn ihrer ist das Himmelreich!“ (Mt 5,10); „Wenn die Welt euch hasst, so wisst, sie hat mich vor euch gehasst. Wäret ihr von der Welt, würde die Welt euch als das Ihrige lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch auserwählt habe aus der Welt, darum hasst euch die Welt“ (Joh 15,18-19).
Widerstandserklärung von Plinio Corrêa de Oliveira in Jahre 1974
Diese göttlichen Worte Unseres Herrn Jesus Christus drücken unsere Bewunderung für die einzige katholische Kirche in China aus, die heute unter dem kommunistischen Stiefel steht und in Eurer Eminenz ein ausgezeichnetes Mitglied und Sprecher besitzt. Wir sehen in diesen verfolgten Katholiken weitere Brüder im Glauben, an die die von dem bedeutenden brasilianischen katholischen Denker und Mann der Tat Plinio Corrêa de Oliveira (1908-1995) verfasste Widerstandserklärung gerichtet ist. Corrêa de Oliveira ist der Gründer der Brasilianischen Gesellschaft zur Verteidigung von Tradition, Familie und Privateigentum (TFP) und Inspirator der TFPs und verwandten Organisationen in den fünf verschiedenen Kontinenten. Das Dokument trägt den Titel Die Enstspannungspolitik des Vatikans mit kommunistischen Regierungen - für die TFP: sich enthalten? Oder widerstehen? (1)
Wie E. Eminenz in dieser Erklärung von 1974 sehen können, bemühte sich die vatikanische Diplomatie um eine listige Politik der Annäherung an die kommunistischen Regime in Osteuropa und in Lateinamerika, die den wahren Katholiken schwer schaden und zur Unterwerfung der katholischen Kirche unter die roten Despoten führen würde.
Sympathien gegenüber den Kommunistischen Regimes: Ratlosigkeit unter den Katholiken
Am 7. April 1974 gab die Presse der größten Stadt Südamerikas (siehe „O Estado de S. Paulo“) ein Interview mit Msgr. Agostino Casaroli heraus, in dem dieser behauptete, dass auf der unglücklichen Insel Kuba, unterdrückt vom Fidel-Castro-Kommunismus, „die Katholiken glücklich sind innerhalb des sozialistischen Regimes“. Und weiter sagte Msgr. Casaroli: „Die kubanische katholische Kirche und ihr geistlicher Leiter versuchen immer, dem sozialistischen Regime, das die Insel regiert, keine Probleme zu bereiten.“
Diese Äußerungen des hohen vatikanischen Gesandten, — die mit Positionen anderer Prälaten, die mit dem Kommunismus zusammenarbeiteten, übereinstimmten —, riefen bei den Katholiken, die der unveränderlichen sozialen und wirtschaftlichen Lehre Leos XIII., Pius XI. und Pius XII. folgten schmerzhafte Überraschungen und moralische Traumata hervor. Diese Ostpolitik, wie sie benannt wurde, war eine Quelle der Ratlosigkeit und der Sorge und erweckte im Innersten vieler Seelen die schmerzlichsten Dramen. Denn weit über die sozialen und wirtschaftlichen Belange hinaus erreichten sie das grundlegendste, lebendigste und zärtlichste in der Seele eines römisch-apostolischen Katholiken: seine geistliche Bindung an den Stellvertreter Jesu Christi.
Die Entspannungsdiplomatie des Vatikans mit den kommunistischen Regierungen warf eine äußerst peinlichen Gewissensfrage auf: Ist es den Katholiken erlaubt, eine vom Heiligen Stuhl empfohlene Richtung nicht einzugehen? Ist es legitim, den Widerstand gegen den Kommunismus aufzugeben?
China heute: Bischöfe werden zum Rücktritt bedrängt
Heutzutage befinden wir uns in einer ähnlichen, doch wesentlich gefährlicheren Situation, angesichts der Politik des Vatikans bezüglich der sogenannten Peking-hörigen Patriotischen Kirche.
In der Tat war die katholische Welt schockiert über den China-Besuch einer vatikanischen Delegation unter der Leitung von Erzbischof Claudio Maria Celli, der im Auftrag von Papst Franziskus die legitimen Hirten der Diözesen Shantou und Mindong bat, ihre Diözesen und Herden den unrechtmäßigen, von der kommunistischen Regierung ernannten und somit von Rom getrennten Bischöfen zu übergeben.
Merkwürdige Lobeshymnen und mitschuldiges Schweigen
Als erschreckende und verstärkte Wiederholung der Äußerungen von Msgr. Casaroli auf Kuba wurden die Worte von Msgr. Marcelo Sánchez Sorondo, Kanzler der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften und der Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften, bekannt als enger Berater des Heiligen Vaters, vernommen. Laut der Turiner Zeitung La Stampa vom 2. Februar diesen Jahres sagte er: „In diesem Moment sind jene, die die Soziallehre der Kirche am besten verwirklichen, die Chinesen [...]. Die Chinesen suchen das Gemeinwohl, unterordnen die Dinge dem Allgemeinwohl.“
Nach dem Besuch des Landes, das von einer noch härteren Diktatur zerschlagen wurde als das Kubanische, hat Msgr. Sánchez Sorondo, weiter in der Art von Msgr. Casaroli erklärt: „Ich habe ein ausgezeichnetes China vorgefunden; was die Menschen nicht wissen, ist, dass das zentrale chinesische Prinzip Arbeit, Arbeit, Arbeit ist. Es gibt keine Slums, keine Drogen, die Jugend hat keine Drogen [...] [China] verteidigt die Würde der Person [...]”.
Kein einziges Wort über die religiöse Verfolgung, die der Kommunismus unseren Glaubensbrüdern auferlegt — Bischöfen, Priestern und eingesperrten Gläubigen —, und auch nicht über die systematische und universelle Verletzung der Grundrechte des nach dem Ebenbild Gottes geschaffenen Menschen.
Die umstrittenen und falschen Aussagen dieses hochrangigen vatikanischen Prälaten gehen weit hinaus über die Äußerungen von Msgr. Casaroli im Jahre 1974 auf Kuba hinaus, und verletzen viel tiefer das aufrichtige christliche Gewissen.
Vor dem Kommunismus: Widerstand
Das Drama der gegenwärtigen Situation der chinesischen Katholiken ist das gleiche aller Gläubigen, die vor dem kommunistischen Leviathan durchhalten wollen. Heute wie gestern, unter dem Druck der Diplomatie des Heiligen Stuhls, um ein ungehöriges Abkommen mit dem kommunistischen Regime zu akzeptieren, stehen sie vor einem sehr ernsten Gewissensproblem: Ist es erlaubt, Nein zum Ostpolitik des Vatikans zu sagen und weiterhin, wenn es notwendig sein wird, dem Kommunismus bis zum Martyrium zu widerstehen?
Plinio Corrêa de Oliveira, Gründer der TFP Brasiliens
In der erwähnten Erklärung des Widerstandes, bekräftigte Prof. Plinio Corrêa de Oliveira (ohne Einspruch von Paul VI. oder seinen Nachfolgern erhalten zu haben), dass es für Katholiken nicht nur ein Recht, sondern sogar eine Pflicht ist, die Haltung des Widerstands des Apostels Paulus gegenüber dem ersten Papst Petrus nachzuahmen:
„Als der erste Papst, der hl. Petrus, Disziplinarmassnahmen hinsichtlich des Weiterbestehens aus der alten Synagoge überkommener Gebräuche im katholischen Gottesdienst ergreifen wollte, sah der hl. Paulus darin eine ernste Gefahr zur Verwirrung in grundsätzlichen Dingen und zum Schaden für die Gläubigen. Deshalb erhob er sich und „widerstand“ dem hl. Petrus „ins Angesicht“ ( Gal. 2, 11). Dieser sah in der feurigen und inspirierten Tat des Völkerapostels keinen Akt der Rebellion, sondern der Einigkeit und brüderlichen Liebe. Und im genauen Wissen darüber, worin er unfehlbar war und worin nicht, gab er den Argumenten des hl. Paulus nach. Die Heiligen sind Vorbilder für die Katholiken. In dem Sinne, in dem der hl. Paulus Widerstand leistete, ist unsere Lage eine solche des Widerstandes.
Widerstehen bedeutet, dass wir den Katholiken raten werden, den Kampf gegen die kommunistische Doktrin mit allen erlaubten Mitteln fortzusetzen zur Verteidigung des Vaterlandes und der bedrohten christlichen Zivilisation.
Widerstehen bedeutet, das wir niemals unwürdige Mittel des Protestes anwenden werden; und noch weniger werden wir Haltungen einnehmen, die in irgendeinem Punkt von der Verehrung und dem Gehorsam abweichen, die man dem Summum Pontifex in den Grenzen des kanonischen Rechts schuldet.
Die Kirche ist nicht, die Kirche war nie, die Kirche wird niemals solch ein Kerker für die Gewissen sein. Das Band des Gehorsams gegenüber dem Nachfolger Petri, das wir niemals zerreißen werden, das wir aus tiefster Seele lieben, dem wir unsere beste Liebe widmen, dieses Band küssen wir zur gleichen Zeit, in der wir, durch den Schmerz zermalmt, unsere Haltung bekräftigen. Und kniend, den Blick mit Verehrung auf das Bild Seiner Heiligkeit Papst Pauls VI. geheftet, bringen wir ihm all unsere Treue zum Ausdruck.
In diesem Akt kindlicher Verehrung und Gehorsamkeit sagen wir dem Hirten der Hirten:
Unsere Seele gehört Euch, unser Leben gehört Euch. Befehlt uns, was Ihr wollt! Befehlt uns nur nicht, dass wir die Arme verschränken vor dem roten Wolf, der uns angreift! Dem widersetzt sich unser Gewissen.
Der furchtlose Widerstand des damaligen Kardinals Paul Yü Pin
Schon in den siebziger Jahren hatten wir die Freude, in der glorreichen Reihe des chinesischen Episkopats den furchtlosen Widerstand des berühmten Landsmanns Eurer Eminenz, des Kardinals Paul Yü Pin, zur Kenntnis zu nehmen, als er noch Erzbischof von Nanjing und Rektor der Katholischen Universität von Taipei, Formosa war (vgl. „The Herald of Freedom“vom 15.2.1974, nach einer Pressemiteilung der Religious News Service).
Der Kardinal sagte der oben genannten Agentur (wie Eure Eminenz jetzt ratifizieren), dass es eine Illusion wäre zu erwarten, dass das kommunistische China seine antireligiöse Politik ändern würde.
Präsident Xi Jinping selbst bestätigt diese Behauptung, als er auf dem 19. Kongress der KP Chinas betonte, dass „die Kultur ... für die Sache des Sozialismus in Übereinstimmung mit der Orientierung des Marxismus verwendet werden sollte“; und deswegen die Religion eine „chinesische Orientierung“ haben und sich an die sozialistische Gesellschaft, die von der Partei geleitet wird, anpassen muss. („The Washington Post“, 18.10.2017).
China: Glaubensunterricht im Untergrund
Der Dialog mit dem Kommunismus ist eine Illusion
Zurück zu Kardinal Yü Pin: Vor 40 Jahren fügte er hinzu: „Wir wollen den ewigen Werten der internationalen Gerechtigkeit treu bleiben [...] Der Vatikan kann anders handeln, das würde uns aber wenig beeindrucken. Ich denke, die Hoffnung, dass ein Dialog mit Peking den Christen auf dem [chinesischen] Kontinent helfen würde, illusorisch ist. [...] Der Vatikan erreicht nichts für die Christen in Osteuropa. [...] Wenn der Vatikan die Religion nicht schützen kann, hat er nicht viel Grund, das Thema weiter zu verfolgen. [...] Wir wollen unserem Mandat treu bleiben, aber wir sind Opfer der kommunistischen Repression. Unter einer solchen Annäherung [des Vatikans mit dem kommunistischen China] würden wir unsere Freiheit verlieren. Als Chinesen müssen wir für unsere Freiheit kämpfen.“
Zu diesen klaren und kraftvollen Bemerkungen, die an den „Widerstand“ des hl. Paulus „im Angesicht“ des hl. Petrus erinnern (Gal 2, 11), fügte der Prälat diese bewegende Vorhersage hinzu: „Es gibt eine Untergrundkirche in China. Die Kirche in China wird überleben, wie die frühen Christen in den Katakomben überlebt haben. Und das könnte für die Chinesen eine echte christliche Wiedergeburt bedeuten.“
Mutergottes, Kaiserin von China. Auf der ersten Synode der chinesischen Bischöfe in Shanghai 1924 weihten Erzbischof Celso Constantini, Apostolischer Legat in China und 150 Bischöfe China, die Mongolei, Tibet und die Mandschurei der Jungfrau Maria.

Bekunden, Behaupten, Erheben
Das Institut Plinio Corrêa de Oliveira und die angeschlossenen Vereine aus der ganzen Welt sowie die Tausenden Katholiken, die sich dieser Botschaft der moralischen Unterstützung mit ihrer Unterschrift anschließen:
1. Bekunden Eurer Eminenz, der gesamten Hierarchie, dem Klerus und dem katholischen Volke Chinas ihre Bewunderung und moralischen Solidarität in dieser Stunde, in der es eilt, den Widerstand gegen den kommunistischen Moloch und die Vatikanische Ostpolitik zu erheben. Die Bischöfe und Priester der verfolgten Kirche im Untergrund in China, die jetzt Widerstand leisten, sind für die ganze Welt ein lebendiges Symbol des „guten Hirten, der sein Leben für die Schafe hingibt“.
2. Behaupten, dass sie aus dem epischen Beispiel der gegenwärtigen Märtyrer, die in China beharrlich durchhalten, Stärke, Kraft und unbesiegbare Hoffnung schöpfen. Unsere katholischen Seelen rufen diesen edlen Opfer zu: „Tu gloria Jerusalem, tu laetitia Israel, tu honorificentia populi nostri“ (Jdt 15,9) Diese Märtyrer sind der Stolz der Kirche, die große Freude der Gläubigen, der große Ruhm und die Ehre derer, die den heiligen Kampf fortsetzen.
3. Erheben ihre Gebete zur Muttergottes, der Kaiserin von China, damit sie mit mütterlicher Fürsorge ihren Kindern zur Hilfe komme und ihnen Mut gebe, treu zu bleiben in diesem Kampf unter so grausamen feindlichen Umständen.

São Paulo, den 25. Februar 2018
Institut Plinio Corrêa de Oliveira

(1) Den Wortlaut der Widerstandserklärung zur Ostpolitik des Vatikans 1974 können Sie hier lesen:

Dieser Brief wird auch unterstützt und Unterzeichnet von:
Deutsche Gesellschaft zum Schutze von Tradition, Familie und Privateigentum (TFP) – Frankfurt am Main — http://www.tfp-deutschland.de

Deutsche Vereinigung für eine Christliche Kultur (DVCK) e.V. – Frankfurt am Main — http://www.dvck.de