Der 31. Mai ist für uns ein großes Fest, denn es ist der Gedenktag Unserer Lieben Frau Königin. (So war es im damaligen kirchlichen Kalender) Genau deshalb verehren wir dieses Bildnis, das hier steht, besonders.
Wir haben
schon oft über die königliche Würde Unserer Lieben Frau gesprochen. Es ist eine
wohlbekannte übernatürliche Würde, die daher rührt, dass sie die erste (im
Rang) aller Geschöpfe Gottes ist. Sie ist die erste und höchste unter ihnen.
Ihr erster Titel
ist ihre königliche Würde: Sie ist nicht die Erste in der Ordnung der Natur,
denn die Engel stehen in der Ordnung der Natur über ihr. Der Engel ist ein
reiner Geist und steht daher über einem menschlichen Geschöpf. Aber sie ist das
erste Geschöpf in der Ordnung der Gnade. Das heißt, sie hat unvergleichlich
mehr Gnaden empfangen als alle Engel, und die Gnaden aller Engel sind ihrer
Gnade untergeordnet.
Nun ist Unsere
Liebe Frau aber auch die erste der Frauen. Der erste Mann ist unser Herr Jesus
Christus; die erste Frau ist Unsere Liebe Frau. Nun, diese Vorrangstellung
verleiht ihr bereits einen königlichen Titel, denn das Königtum ist eine
rechtliche Situation, und diese Situation ist die Folge eines de facto-Zustandes.
Diejenige, die die Erste ist, hat das Recht zu gebieten, das Recht, bedient zu
werden, insbesondere wenn es sich um eine ewige Überlegenheit, die niemals
endet und vollkommen ist. Dies definiert das Königtum.
Darüber hinaus
ist die Muttergottes Königin, weil sie die Mutter Gottes ist. Niemand hatte und
kann eine engere Verbindung mit der Heiligen Dreifaltigkeit haben wie sie. Sie
ist die Tochter des Ewigen Vaters schlechthin, sie ist die Mutter des
fleischgewordenen Wortes, und der Heilige Geist zeugte in ihr unseren Herrn
Jesus Christus; das heißt, sie ist die wahre Braut des Heiligen Geistes.
Sie ist
Königin, weil Gott ihr zudem durch einen weiteren Akt die gesamte Herrschaft
über alle Geschöpfe anvertraut hat. Das heißt, Gott tut nichts, was nicht durch
sie geschieht: Das heißt, alle Gebete, die zu Gott aufsteigen, müssen durch sie
gehen, alle Gnaden, die von Gott kommen, wurden durch sie erbeten. Wenn der
gesamte Himmel ohne sie um etwas bitten würde, könnte er es nicht erlangen. Nur
sie allein, ohne den gesamten Himmel, erlangt es auf diese Weise … Sie ist
alles. Das ist eine Königin im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn das keine
Königin ist, dann weiß man nicht, was eine Königin ist.
Nun muss
diesen Vorstellungen, die einem übernatürlichen, himmlischen Reich entsprechen
– ihrem höchsten Reich –, eine Vorstellung von einem irdischen Reich
entsprechen. Die Gottesmutter hat auch eine irdische Herrschaft. Was ist diese
Herrschaft der Gottesmutter? Die menschliche Gesellschaft sollte in ihren
weltlichen Aspekten so organisiert sein, dass sie in allem dem Willen der
Gottesmutter gehorcht, denn die Gottesmutter ist die Königin. Das heißt, alle
Regierenden sollten ihren Willen tun, und alle Gehorsamen sollten ihrem Willen
gehorchen.
Der heilige
Ludwig, König von Frankreich, nannte sich selbst „le servant de Dieu en
France“ oder genauer „le sergeant de Dieu en France“, der Sergeant –
wobei das Wort „Sergeant“ damals nicht die heutige Bedeutung hatte. Man könnte
sagen: der Hauptmann Gottes in Frankreich. Also ein einfacher Hauptmann, der
Gottes Willen tut. Das ist das Verständnis des irdischen Königs: Er vollzieht
den Willen der himmlischen Königin.
Wie aber
erkennen wir den Willen der Gottesmutter? Was bedeutet das, der Wille der
Gottesmutter? Da sie uns nicht erscheint, da sie nicht zu uns spricht, was
bedeutet dann der Wille der Gottesmutter? Der Wille der Gottesmutter ist in
erster Linie, grundlegend und wesentlich, die katholische Lehre, der Gehorsam
gegenüber der katholischen Kirche. Das ist der Wille der Gottesmutter. Im
Grunde genommen ist das alles, denn natürlich muss die Gottesmutter gebieten,
was Gott gebietet, wollen, was Gott will. Sie ist ganz und gar mit Gott vereint
und ihm untertan, sodass der Gehorsam gegenüber der katholischen Kirche auch
der Gehorsam gegenüber der Gottesmutter ist. Dies ist das erste Element des
Willens Unserer Lieben Frau: das deutlichste, das unbestreitbarste.
Nun gibt es
ein weiteres Element: die Stimme der Gnade in uns. Gnade … Die Gnade weist
jedem Menschen mehr oder weniger eine Richtung, insbesondere durch die
verschiedenen Berufungen. Berufung ist ein Ruf. „Vocare“ bedeutet rufen.
Was ist eine Berufung? Es ist ein Ruf von Gott, oder besser gesagt, von wem?
Von Unserer Lieben Frau. Der Berufung zu folgen, ist also ein Weg, den Willen
Unserer Lieben Frau zu tun.
Was bedeutet
es nun, der Berufung zu folgen? Wenn man durch Berufung einer Gruppe angehört,
bedeutet es, den Willen derer zu tun, die diese Gruppe leiten sollen, das heißt
den Willen Unserer Lieben Frau zu tun.
Den Willen
Unserer Lieben Frau so zu tun, wie er es verdient, bedeutet erstens, sich mit
aller Kraft darum zu bemühen, ihn zu erkennen. Zweitens, ihn mit allem Eifer
und ohne Widerspruch zu erfüllen. Dies ist der Wille Unserer Lieben Frau, wir
werden ihn tun, und damit basta. Es ist der Wille, es ist vollbracht, es wird
nicht diskutiert.
* * *
Man könnte fragen:
„Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Reich Mariens und dem Geheimnis
Mariens?“
Um einen
grundlegenden Gedanken zu vermitteln und eine mir gestellte Frage zu
beantworten – die ich gerade hier gelesen habe –, um es kurz zusammenzufassen:
Das Geheimnis Mariens – dieser Gedanke ist natürlich sehr wichtig – ist eine
Gnade, die auf beispiellose Weise wirkt und deren Ziel es ist, uns die
Seelenhaltung zu schenken, der Muttergottes stets zu gehorchen, ihren Willen
stets zu erkennen und ihm zu folgen. Nun eine letzte Frage: Wenn die Erfüllung
des Willens der Muttergottes dem Willen der Kirche entspricht, war das
Mittelalter dann ein Reich Mariens oder nicht? Und warum sprechen wir dann von
einem zukünftigen Reich Mariens? Welchen Sinn ergibt das?
Die Antwort
lautet: Das Mittelalter war ein Reich oder eine Herrschaft Mariens, das heißt,
ihr Wille geschah, doch die meisten Theologen hatten die Mariologie noch nicht
so umfassend erklärt wie später. Vor allem war die große, donnernde und
engelsgleiche Stimme des heiligen Ludwig Maria Grignion von Montfort noch nicht
erklungen. Das Privileg des Sklaventums gegenüber der Muttergottes war wenigen,
einer auserwählten Minderheit vorbehalten.
Das Reich
Mariens wird nach der Bagarre wird auf die Mariologie und vor allem auf dem
Dogma, dem zukünftigen Dogma der universalen Mittlerschaft Mariens und der Idee
des Sklaventums zur Muttergottes, der praktischen Ausübung dieses Sklaventums,
gegründet sein. Dann wird es das Reich Mariens schlechthin sein, mit einer
weltlichen Ordnung, die weit vollkommener ist als die des Mittelalters. Dann
wird die Vollkommenheit des Reiches Mariens erreicht werden.
* * *
Ich sehe mit
großer Zufriedenheit, wie eifrig Sie Notizen machen. Ich bedauere zutiefst,
dass ich Sie etwas atemlos zurücklasse. Das liegt daran, dass ich gezwungen
bin, so viel wie möglich zu verdichten, so viele Gedanken wie möglich in
kürzester Zeit unterzubringen und alles Überflüssige aus meinem Vortrag zu
streichen. Das Ergebnis ist, dass die Mitschreiber meist die überflüssigen
Wörter verpassen und nur die unverzichtbaren aufgreifen, und es wird etwas
schwierig, in dieser von mir bewusst gewählten komprimierten Fassung alles zu
erfassen.
Andererseits,
wenn ich die Dinge unnötig in die Länge ziehen würde … Erstens, ich weiß gar
nicht, wie ich das anstellen soll: Ich bin so daran gewöhnt, mich kurz zu
fassen, dass ich gar nichts anderes kann. Zweitens, ihr hättet dann selbst das
Gefühl, ich drehe mich im Kreis, was frustrierend ist. Und drittens, ich hätte
keine Zeit, alles zu sagen, was ich sagen möchte.
Deshalb
empfehle ich Ihnen, falls sie das Gefühl haben, nicht alles verstanden zu
haben, die Aufnahme des Vortrages später noch einmal anzuhören. Es erfordert
Geduld, aber es ist der einzige Weg, wie wir vorankommen. Vor allem, weil mir
andere sagen, dass ihnen die Begeisterung und die Verzückung fehlen, wenn ich
so abschnittsweise spreche, im Rhythmus meiner Zuhörer. Das Ganze auf einmal zu
erleben, erfüllt die Seele viel mehr, was ich auch gut nachvollziehen kann. Was
ich nicht kann, ist gleichzeitig langsam und schnell zu sprechen. Das geht
einfach nicht.
Wir müssen
also einen Mittelweg finden. Das hieße, ich würde kurz innehalten, kurz
durchatmen und dann, falls nötig das ganze auf vom Tonband noch einmal abzuhören.
Leider gibt es keine andere Möglichkeit. Aber glauben Sie nicht, dass ich kein
Mitgefühl für die Arbeit des Schreibens hätte …
Aus dem Portugiesischen mit Hilfe vom Google Übersetzer.
Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals
erschienen in
www.p-c-o.blogspot.com
© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit
Quellenangabe dieses Blogs gestattet.
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