Freitag, 11. September 2026

Papst Innozenz III. und die schlechten Priester

Plinio Correa de Oliveira
Heiliger des Tages – 10. Februar 1965 b

Es ist ein Text von Papst Innozenz III., gut dokumentiert, entnommen aus der Sammlung Sacrorum Conciliorum von ... nach Llorca, Seite 586 usw.


Papst Innozenz III. sagt:

„Die ganze Verderbtheit des Volkes kommt hauptsächlich vom Priester. Von hier entströmen alle Übel des christlichen Volkes. Der Glaube stirbt ab, die Religion wird entstellt, die Freiheit wird verstört, die Gerechtigkeit wird mit Füßen getreten, die Ketzer wuchern, die Schismatiker werden zudringlich, die Niederträchtigen werden wütend.“

[Es sollte natürlich nicht so verstanden werden], dass jeder Priester notwendigerweise so ist, denn dann würde dem Wort unseres Herrn, dass der Priester „das Salz der Erde und das Licht der Welt ist“, widersprochen, aber es ist in einem anderen Sinne: Es ist das jede Verderbtheit des Volkes ihre Ursachen hauptsächlich im schlechten Priester hat. Dies ist eine These, die wir schon immer behaupteten. Ein schlechtes Seminar schadet der Kirche mehr zugunsten des Kommunismus als das gesamte Gefüge kommunistischer Zellen. Weil ein schlechtes Seminar schlechte Priester hervorbringt und schlechte Priester schwächen die Religion. Sie schwächen die Religion mehr als wenn es keine Priester gäbe. Weil ein schlechter Arzt mehr Menschen tötet als eine Krankheit und ein schlechter Priester natürlich mehr Schaden anrichtet als die Abwesenheit von Priestern. Das ist selbstverständlich.

Nun, was ist der Grund des Problems? Der Grund ist, gute Priester zu haben, heilige Priester, dann läuft alles gut. Oder in einer Zeit, in der es keine guten Priester gibt, sondern nur sehr selten heilige Priester, dann liegt die Verantwortung in dieser Zeit bei den Laien, die die Vorsehung einsetzt um die Arbeit zu tun – soweit der Laie es darf –, die der gute Priester tun sollte. Dann könnte man mutatis mutandis von uns sagen, was man von guten Priestern sagen könnte. Ich meine, eine Gruppe von katholischen Laien kann Wunder wirken. Sie ist das Salz der Erde und das Licht der Welt. Eine lauwarme Laien-Gruppe, eine schlappe Gruppe würde das tun, was hier geschrieben steht. Analysieren wir jetzt die Auswirkungen der Anwesenheit des schlechten Priesters.

Das heißt: „Aus ihnen entströmen alle Übel des christlichen Volkes“. Jemand wird sagen: Aber ist es nicht übertrieben was Innocent III. sagt? Denn zu seiner Zeit gab es schließlich keinen Kommunismus. Und der Kommunismus kommt nicht von schlechten Priestern. Die kommunistische Propaganda, der Kommunismus kommt nicht von schlechten Priestern. Der Kommunismus ist ein Geschwür im sozialen Organismus. Und diese Wunde entsteht dadurch, dass der Organismus nicht gesund ist. Aber die Gesundheit sollte von dem kommen, der die Quelle der Gesundheit sein sollte, der sie aber tatsächlich nicht ist, er überträgt nicht in den Körper die Gesundheit, die er produzieren sollte

Der Text geht weiter und er ist großartig.

„Der Glauben stirbt ab“ — das heißt, Innozenz III. lebte in einer Zeit der Häresien. Er sagt nicht, dass der Glaube durch die Arbeit der Ketzer zugrunde geht. Natürlich beendet der Ketzer nachher den Glauben. Der entfernte Grund liegt aber darin, dass der schlechte Priester die Umstände zugelassen und manchmal hervorgebracht hat, die das Aufkommen der Häresie verursachten. So dass der Glaube dann abstirbt. Der Tod des Glaubens kommt durch die Lauheit, Gleichgültigkeit, Unwissenheit, durch eine ganze Reihe von Umständen, die den Weg zum Zweifel bereiten und, indem sie den Weg für den Zweifel vorbereiten, bereiten sie danach den Weg zur Häresie.

Der Glaube stirbt ab, beachten Sie den außergewöhnlichen Ausdruck. Es heißt nicht „die Religion entstellt sich“, es bedeutet nicht, dass die Religion abgeschafft wird, „sie wird entstellt“. Einer der charakteristischsten Aspekte der Entstellung der Religion ist die Gefühlsfrömmelei. Es ist genau das; es ist die Entstellung der Religion.

Neben der Entstellung der Religion wird „die Freiheit gestört“. Was aber aus der Feder eines Papstes mit „Freiheit“ bedeutet, ist die Freiheit der Guten, das Gute zu tun. Die Menschen werden daran gehindert, das Gute zu predigen, die Wahrheit zu verkünden und das zu tun, was sie tun sollten. Warum? Weil die Religion entstellt ist und weil der schlechte Priester das Gute verfolgt. Wollen Sie jetzt das merkwürdige Wechselseitigkeit sehen?

„Die Gerechtigkeit wird mit Füßen getreten“. Natürlich, wo das Gute verfolgt wird und das Böse freien Lauf hat, wird die Gerechtigkeit mit Füßen getreten.

„Die Ketzer wuchern“. Es ist die typische Folge der Anwesenheit des schlechten Priesters, dass die Ketzer wuchern, während die Guten misshandelt werden. Ich glaube, nichts davon ist neu für uns. Die Zeit Innozenz III. war das Mittelalter, volles Mittelalter. Sie sehen, wie die Dynamik des Wirkens des schlechten Priesters immer die gleich ist.

Sie werden zudringlich, das heißt, „die Schismatiker werden arrogant“. Sie sehen aus den Reaktionen zum Beispiel auf meinen Namen die Arroganz dieser Leute. Sie sind Menschen, die von niemandem schlecht sprechen würden, weil sie Angst hätten, weil sie Menschen sind, die nicht die Gewohnheit haben, über jemanden zu sprechen, und Angst haben, Feindseligkeiten zu bekommen. Aber wenn es um den Namen von jemandem geht, der in ihren Augen einen Ausdruck der katholischen Lehre symbolisiert, die sie verabscheuen, stören sie sich nicht daran, schlecht zu sprechen. Ich bezweifle, dass es einen Namen gab, gegen den die Leute so schlecht und mit so viel Leichtigkeit sprachen wie meinen. Warum ist das so? Weil es für sie etwas hervorhebt, das sie hassen. Und wie im Schatten des bösen Priesters der Ketzer unverschämt wird, wird der Schismatiker unverschämt, das ist das Ergebnis. Und genauso ist es.

Dann heißt es: „Die Niederträchtigen werden wütend.“ Der Niederträchtige ist nicht der Verräterische Typ, sondern derjenige, der den Glauben verloren hat, der keinen Glauben mehr besitzt. Er wird wütend. Hier liegt der Kern des Problems. Was ist das? Es ist der Schatten des schlechten Priesters. Wo immer ein schlechter Priester auftaucht, verkümmert der gesamte Organismus der Christenheit und beginnt, Wunden zu reißen; und diese Wunden bieten Mikroben und Bakterien einen Nährboden und zehren die Abwehrkräfte auf, die den Organismus eigentlich schützen sollten. Das heißt, genau darin liegt das Kernproblem.

Nun wiederhole ich dies, meine lieben, es nicht nur, damit wir nicht naiv und töricht im Hinblick auf schlechte Priester sind, sondern auch, damit wir verstehen, dass es ein Irrglaube ist, die katholische Kirche sei ihren Gegnern gegenüber schwach. Die katholische Kirche ist angesichts ihrer Widersacher schlichtweg unbesiegbar, wenn jene, denen das Schwert in die Hand gegeben wurde, eine feurige Seele besitzen und das Schwert [des Geistes] so führen, wie es ihrer Pflicht entspricht, dann ist sie unbesiegbar. Doch welches Heer kann unbesiegbar sein, wenn jene, denen die Waffen gegeben wurden, nicht kämpfen wollen? Offensichtlich ist ein Sieg unmöglich.

Wir sehen den Kommunismus siegen, den Protestantismus siegen, die Französische Revolution siegen, und wir fragen uns: Was ist das? Es scheint gar nicht die wahre Kirche Gottes zu sein. Sie tut nichts als Schläge einzustecken. Man fragt sich: Und die guten Priester? Seht euch die Heiligen an … Jahrhunderte lang wären all ihre Werke fehlerhaft. Warum funktioniert es nicht? Es funktioniert nicht, weil die Priester eben nicht das sind, was sie sein sollten.

Und so müssen wir uns mit Freude an die Gnade erinnern, die die Muttergottes uns vorzüglich schenkt und die uns in dieser Zeit zur Treue und zum Kampf aufruft. Doch wir müssen dies auch gut verstehen: Die Bewegung des „Catolicismo“ schreitet, Gott sei Dank, so rasant voran, dass man schon bald sagen kann, die gegenrevolutionäre Reaktion einer Stadt sei nur in dem Maße etwas wert, in dem die Gruppe des „Catolicismo“ in dieser Stadt etwas wert ist.

Doch die Präsenz der Gruppe des „Catolicismo“ wird sich dann in der ganzen Stadt bemerkbar machen. Es liegt an uns, dies zu bedenken und mit großem Vertrauen und in tiefer Ehrfurcht die Muttergottes immer wieder um die Gnaden zu bitten, die wir brauchen, um diese Mission zu verstehen, sie zu lieben und in ehrfürchtiger Zuversicht die Gnaden zu bitten, um diese Mission wahrhaft zu erfüllen. Das möchte ich für heute Abend gesagt haben.

 

 

 

Übersetzung aus dem Portugiesischen von „Inocêncio III e os maus Padres, Heiliger des Tages am 5, Februar 1965

Diese deutsche Übersetzung ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

 

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