Freitag, 2. Januar 2026

Die außergewöhnliche prophetische Bedeutung der Botschaft von Fatima


Bischof Schneiders Konferenz in Fatima

15. Juli 2017 aus ADELANTE LA FE

 

Die unermessliche Weisheit und Barmherzigkeit der göttlichen Vorsehung schenkt
allen Epochen der Menschheits- und der Kirchengeschichte die notwendigen Mittel, um spirituelle Wunden zu heilen und die Menschheit vor großen spirituellen und materiellen Katastrophen zu bewahren. Gott greift in der Regel in den kritischsten Momenten der menschlichen und heiligen Geschichte durch authentische Prophezeiungen ein, die von der Kirche geprüft und angenommen werden. Solche göttlichen Eingriffe haben sich in der gesamten Geschichte der Kirche ereignet und werden bis zum Ende der Zeiten andauern.

Das Lehramt der Kirche bekräftigt im Katechismus der Katholischen Kirche: „Die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und nun endgültige Bund wird niemals vorübergehen, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der glorreichen Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus. … Im Laufe der Jahrhunderte gab es sogenannte „Privatoffenbarungen“, von denen einige von der Kirche anerkannt wurden. Sie gehören jedoch nicht zum Glaubensgut. Sie nicht dazu da, die endgültige Offenbarung Christi zu „vervollkommnen“ oder zu „vervollständigen“, sondern sollen helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben. Unter der Leitung des Lehramtes der Kirche weiß der Glaubenssinn der Gläubigen (sensus fidelium) zu unterscheiden und wahrzunehmen, was in solchen Offenbarungen ein echter Ruf Christi oder seiner Heiligen an die Kirche ist. Der christliche Glaube kann keine „Offenbarungen“ annehmen, die vorgeben, die Offenbarung, die in Christus vollendet ist, zu übertreffen oder zu berichtigen, wie das bei gewissen nichtchristlichen Religionen und oft auch bei gewissen neueren Sekten der Fall ist, die auf solchen Offenbarungen gründen“ (KKK Nr. 66–67).

Die Marienerscheinungen von Fatima im Jahr 1917 zählen zu den herausragendsten Beispielen prophetischer Gaben und Charismen in der Geschichte der Kirche. Gott sandte 1917 seine Unbefleckte Mutter nach Fatima, und die Gottesmutter verkündete ihre dringenden mütterlichen Warnungen vor den schweren spirituellen Gefahren, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts über der gesamten Menschheit schwebten. Angesichts der beispiellosen Situation von Unglauben, Atheismus und offener Rebellion gegen Gott und seine Gebote in unserer Zeit, haben sich diese Warnungen der Muttergottes als wahrhaft prophetisch erwiesen. Im 20. Jahrhundert war das private und öffentliche Leben von einem Dasein ohne Gott und gegen Gott geprägt, insbesondere unter den atheistischen Freimaurerdiktaturen (beispielsweise der mexikanischen Freimaurerdik- tatur der 1920er Jahre) und Hitlers Nationalsozialismus in Deutschland, Sowjetkommunismus (in den Ländern der Sowjetunion) und maoistischer Kommunismus in China.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde ein Krieg gegen Gott, gegen Christus und seine göttlichen Gebote, beinahe global entfesselt. Dieser Krieg wurde durch gotteslästerliche Angriffe auf die göttliche Schöpfung des Menschen als Mann und Frau entfesselt, mittels der Diktatur der Genderideologie und der öffentlichen Legitimierung jeglicher sexuellen Verderbtheit.

Im 20. Jahrhundert war das kommunistische Russland das mächtigste und weitreichendste Instrument zur Verbreitung des Atheismus und des Krieges gegen Christus und seine Kirche. Es war ein offener Frontalkrieg. Mit der Oktoberrevolution von 1917 begann Satan, das größte Land der Welt und die größte christliche Nation des Ostens zu benutzen, um Christus und seine Kirche offen zu bekämpfen. Am 13. Juli 1917, als die Muttergottes von der drohenden Gefahr sprach, dass Russland seine Irrtümer in der ganzen Welt verbreiten würde, war es unmöglich, sich das wahre Ausmaß dieser Entwicklung vorzustellen. Die apokalyptische Situation der Kirchenverfolgung und der Ausbreitung des Atheismus, die in Russland nur wenige Monate später, im Oktober desselben Jahres, einsetzte, wurde durch die Marienerscheinungen von Fatima deutlich. Diese Erscheinungen bewiesen somit ihren unbestreitbar prophetischen Charakter.

Als wichtigstes Heilmittel gegen den theoretischen und praktischen Atheismus, in dem die Menschheit unserer Zeit versunken ist, empfahl die Muttergottes das Rosenkranzgebet, die Verehrung ihres Unbefleckten Herzens durch die Einhaltung der Rosenkranzgebete an den ersten Samstagen im Monat und die Weihe Russlands an ihr Unbeflecktes Herz – eine Weihe, die vom Papst in Einheit mit dem gesamten Bischofs-kollegium vollzogen werden muss.

Die Missachtung der Gebote Gottes ist ein Zeichen der Gottlosigkeit, die zur ewigen Verdammnis unzähliger Seelen führt. In ihren Botschaften in Fatima wies die Muttergottes darauf hin, dass Sünden gegen die Keuschheit und die Verachtung der Heiligkeit der Ehe die häufigsten Ursachen für die Verdammnis der Seelen seien. Zur seligen Jacinta sagte die Jungfrau: „Die Sünden, die die meisten Seelen in die Hölle führen, sind die des Fleisches, und es werden Moden kommen, die unseren Herrn sehr beleidigen werden. Diejenigen, die Gott dienen, dürfen diesen Moden nicht folgen. Die Kirche kennt keine Moden: Unser Herr ist immer derselbe.“ Darüber hinaus sagte die Muttergottes: „Viele Ehen sind nicht gut; sie gefallen unserem Herrn nicht, noch sind sie von Gott.“ Der heilige Johannes Vianney, Pfarrer von Ars, sagte in seinen Predigten Ähnliches: „Wie wenig die Welt die Reinheit kennt; wie wenig wir sie schätzen; wie wenig Mühe wir uns geben, sie zu bewahren; mit welch geringer Inbrunst wir Gott darum bitten, da wir sie aus eigener Kraft nicht erlangen können.“ Nein, liebe Brüder und Schwestern; diese ruchlosen und hartnäckigen Wüstlinge, die im Morast der Verderbtheit wühlen und kriechen, wissen es nicht. In welchem Zustand werden diese Seelen sein, wenn sie vor Gott erscheinen! Unreinheit! Mein Gott, wie viele Seelen reißt diese Sünde in die Hölle!

Die prophetische Natur der Worte Unserer Lieben Frau ist heute so

deutlich, dass wir bestätigen können, dass selbst im Inneren mancher katholischen Kirchen fleischliche Sünden und Ehebruch praktisch gebilligt werden, indem Geschiedene, die weiterhin sexuelle Beziehungen mit jemand anderem als ihrem rechtmäßigen Ehepartner unterhalten wollen, angeblich aus seelsorgerischen Gründen zur Heiligen Kommunion zugelassen werden. Diese scheinseelsorgerische Praxis wird für die ewige Verdammnis unzähliger Seelen verantwortlich sein, denn sie ermutigt zu fortgesetzter Sünde, beleidigt Gott und verachtet somit sein Gebot. Unsere Liebe Frau sagte zur Seligen Jacinta: „Wenn die Menschen wüssten, was die Ewigkeit ist, würden sie alles tun, um ihr Leben zu ändern. Viele sind verloren, weil sie nicht an den Tod Jesu denken und keine Buße tun.“

Die Muttergottes kam vor allem nach Fatima, um inständig für die Seelen derer zu beten, die der ewigen Verdammnis entgehen sollen. Sie zeigte den Kindern die unaussprechliche und furchtbare Realität der Hölle. Gleichzeitig erklärte sie ihnen, dass der einzige Weg zur Erlösung von der Hölle die Buße ist, und zwar in zweifacher Hinsicht: Bußübungen als Mittel, die Sünde zu beenden und für die eigenen Sünden sowie die Sünden anderer Wiedergutmachung zu leisten, mit dem Ziel, Sünder zur Umkehr zu bewegen. Im dritten Teil des Geheimnisses von Fatima schenkt uns Gott diese ergreifende Vision mit der Einladung zur Buße: „Wir sahen einen Engel mit einem flammenden Schwert in seiner linken Hand und Flammen so gewaltig, dass es schien, als wollten sie die ganze Welt in Brand setzen.“ Doch sie erloschen beim Anblick des Glanzes, der von der rechten Hand der Muttergottes auf ihn ausstrahlte. Und der Engel deutete mit seiner rechten Hand auf die Erde und rief mit lauter Stimme: „Buße, Buße, Buße!“

Es ist unerlässlich, dass die Kirche und die Gläubigen unserer Zeit mit neuem Eifer die von Gott offenbarte Wahrheit über die ewige Verdammnis und die Hölle verkünden. Auf diese Weise werden unsterbliche Seelen gerettet, die sonst für die Ewigkeit verloren wären. Die Existenz der ewigen Hölle ist eine Glaubenswahrheit, die von der Kirche in Konzilien, Glaubensbekenntnissen und lehramtlichen Dokumenten definiert wurde. Unsere Liebe Frau von Fatima hielt dies für so wichtig und pastoral wirksam, dass sie den Kindern eine Vision der Hölle zeigte. Schwester Lucia berichtet: „Die Vision dauerte nur einen Augenblick, dank unserer guten himmlischen Mutter, die uns bei der ersten Erscheinung versprochen hatte, uns in den Himmel zu holen. Sonst wären wir wohl vor Schreck gestorben.“ Unsere Liebe Frau sagte zu den Kindern: „Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder kommen. Um sie zu retten, möchte Gott die Verehrung meines Unbefleckten Herzens in der Welt verbreiten.“

Schwester Lucia fährt fort: „Jacinta blieb in Gedanken versunken auf dem Felsen sitzen und sagte: ‚Die Muttergottes sagte auch, dass viele Seelen in die Hölle kommen! Und die Hölle endet nie! Und der Himmel auch nicht?‘ ‚Wer in den Himmel kommt, kehrt nie zurück!‘ ‚Und wer in die Hölle kommt, kehrt auch nie zurück?‘ ‚Sie sind ewig, versteht ihr? Sie enden nie.‘ So meditierten wir zum ersten Mal über die Hölle und die Ewigkeit. Was Jacinta am meisten beeindruckte, war der Gedanke an die Ewigkeit.“ (45–46). Kurz vor ihrem Tod bemerkte Jacinta außerdem: „Wenn die Menschen wüssten, was die Ewigkeit ist, würden sie alles daransetzen, ihr Leben zu ändern.“ Unser Herr hat große Freude an Askese und Opfern.

Das Beispiel der heiligen Jacinta, das wir im Folgenden zitieren, sollte jeden Priester und jeden Gläubigen tief bewegen und sie zu konkretem Handeln und Reden anspornen: „Die Vision der Hölle erfüllte sie mit solcher Furcht, dass alle Buße und Abtötung nicht ausreichten, um die Seelen vor der Verdammnis zu bewahren. Oft saß Jacinta nachdenklich auf dem Boden oder einem Stein und rief aus: ‚Hölle, Hölle! Wie leid tun mir die Seelen, die in die Hölle kommen!‘ Sie sagte zu ihrem Bruder: ‚Francisco! Francisco! Betest du mit mir? Wir müssen viel beten, damit die Seelen aus der Hölle befreit werden! So viele kommen dorthin! So viele!‘“ Bei anderen Gelegenheiten fragte sie: „Warum zeigt die Muttergottes den Sündern nicht die Hölle? Wenn sie sie sähen, würden sie nicht sündigen und somit nicht dorthin kommen! Du musst die Muttergottes bitten, sie allen zu zeigen (gemeint waren diejenigen, die sich zur Zeit der Erscheinung in Cova da Iria aufhielten). Du wirst sehen, wie sie sich bekehren.“ Und später fragte sie mich unzufrieden: „Warum hast du der Muttergottes nicht gesagt, sie solle diesen Leuten die Hölle zeigen?“ „Ich hab’s vergessen“, antwortete ich. „Ich habe auch nicht daran gedacht!“, sagte sie sehr traurig. Manchmal fragte sie auch: „Welche Sünden bringen einen in die Hölle?“ „Ich weiß es nicht! Vielleicht nicht sonntags zur Messe gehen, stehlen, Schimpfwörter benutzen oder fluchen.“ „Also, nur für ein einziges Wort kommt man in die Hölle?“ „Weil es eine Sünde ist!“ „Na ja, still sein und zur Messe gehen würde sie nicht so viel kosten! Ich habe so Mitleid mit den Sündern!“ „Wie gern würde ich ihnen die Hölle zeigen!“ Plötzlich packte sie mich und sagte: „Ich komme in den Himmel, aber du bleibst hier. Wenn die Muttergottes es erlaubt, erzähl allen, wie die Hölle ist, damit sie nicht mehr sündigen und verdammt werden.“ Manchmal, nach einer Weile, in Gedanken versunken, sagte sie: „So viele Menschen kommen in die Hölle! Es gibt so viele Menschen in der Hölle!“ Um sie zu beruhigen, sagte ich: „Hab keine Angst! Du kommst in den Himmel!“ „Ja, ich weiß“, sagte sie ruhig, „aber ich wünsche mir, dass all diese Menschen auch in den Himmel kommen!“

Ein besonders wichtiger Aspekt der Botschaft von Fatima ist, dass sie die Kirche und die Menschheit unserer Zeit an die Realität der Sünde und ihre katastrophalen und tödlichen Folgen erinnert. Warum ist Sünde an sich so schwerwiegend und tragisch? Weil sie Gott in seiner unendlichen Majestät und seinem unendlichen und weisen Willen beleidigt. Genau darin liegt der Grund für die unvorstellbare Bosheit der Sünde. Die Muttergottes sagte zu den Kindern in Fatima: „Die Menschen müssen umkehren und um Vergebung ihrer Sünden bitten. (…) Ihr dürft unseren Herrn nicht länger beleidigen, der bereits so oft beleidigt wurde.“ Schwester Lucia schrieb: „Der Teil der letzten Erscheinung, der sich mir am tiefsten ins Herz eingeprägt hat, ist das Gebet, in dem unsere himmlische Mutter uns inständig bittet, den allmächtigen Gott nicht länger zu beleidigen, der bereits so schwer beleidigt wurde.“ Die Muttergottes sagte zu Schwester Lucia: „Unser Herr lässt sich besänftigen. Doch er selbst beklagt bitterlich und schmerzlich die geringe Zahl der Seelen in seiner Gnade, die bereit sind, auf alles zu verzichten, was die Erfüllung seines Gesetzes von ihnen verlangt.“

Ein bekanntes Zitat von Pius XII. lautet: „Die vielleicht größte Sünde der Welt heute ist, dass die Menschen begonnen haben, das Bewusstsein ihrer Sünde zu verlieren.“ (Radioansprache zum Abschluss des Nationalen Katechetenkongresses der Vereinigten Staaten in Boston, 26. Oktober 1946). Eine der größten Anziehungskräfte der Botschaft von Fatima und des bewegenden Beispiels der Seligen Francisco und Jacinta lässt sich mit folgender Frage ausdrücken: „Ich stürze mich kopfüber in die Ewigkeit. Bin ich wirklich bereit, vor dem Richterstuhl Gottes zu erscheinen? Bin ich im Stand der Sünde?“

Da die Sünde, insbesondere Todsünde, das größte geistliche Unglück darstellt, gehört es zu den Hauptaufgaben der Kirche, vor der Gefahr der Sünde zu warnen, ihre wahre Schwere zu verkünden, die Gläubigen durch Gottes Gnade zur echten Buße zu führen und Sünder durch Fürbitte und stellvertretende Sühne vor dem ewigen Tod zu retten. Die Amtsträger der Kirche dürfen die Sünde niemals verharmlosen, niemals zweideutig darüber sprechen, was Sünde ist, und niemals – weder ausdrücklich noch stillschweigend – einen Sünder in seinem sündigen Leben bestärken, wie es im Fall von Geschiedenen und Wiederverheirateten der Fall ist. Eine solche Haltung wäre zutiefst unselig und vergleichbar mit der einer Mutter, die ihrem Kind zweideutig sagt, während sie es einem Abgrund entgegengehen sieht. Es wäre gewiss nicht die Haltung einer Mutter, sondern eher die einer Stiefmutter. Daher verhalten sich jene Priester, die – wie es heutzutage so häufig vorkommt – geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken versichern, dass sie weiterhin Ehebruch begehen können, wie Stiefmütter. Der neue, vermeintlich barmherzige pastorale Stil gegenüber geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken, der von Kardinal Kasper und seinen Verbündeten im Klerus, selbst innerhalb der Bischofskonferenzen, propagiert wird, ist letztlich eine grausame und patriarchalische Methode im Umgang mit Sündern. Die bewegende Haltung der Seligen Jacinta und Francisco gegenüber Sünde und Sündern entlarvt einen solchen anti-pastoralen Ansatz, der sich gegenwärtig unter dem Deckmantel der Barmherzigkeit ausbreitet.

Die Realität der Sünde erfordert notwendigerweise Buße und Sühne. Dies steht auch im Zusammenhang mit dem Kern der Botschaften, die die Muttergottes in Fatima für unsere Zeit übermittelte. Bereits 1916 waren die Worte des Engels an die Kinder von ähnlicher Natur wie jene, die die Muttergottes später, 1917, sprechen sollte. Er sagte ihnen: „Bringt alles, was ihr könnt, als Opfer für den Herrn dar, zur Sühne für die Sünden, die ihn beleidigen, und als Bitte um die Bekehrung der Sünder. Und vor allem: Nehmt die Opfer, die Gott euch sendet, an und tragt sie in Ergebung.“ Am 13. Juli 1917 sagte die Muttergottes: „Opfert euch für die Sünder auf und sprecht oft, besonders wenn ihr ein Opfer darbringt: ‚O mein Jesus, ich bringe dir dieses Opfer dar aus Liebe zu Dir, zur Bekehrung der Sünder und zur Sühne für die Sünden gegen das Unbefleckte Herz Mariens.‘“

Das Beispiel der Kinder von Fatima sollte uns bewegen und uns anspornen, den Geist der Sühne und Wiedergutmachung für Sünden zu pflegen. Die Kinder verdursteten und konnten keinen Tropfen Wasser finden. Anstatt zu klagen, schien die siebenjährige Jacinta zufrieden. „Wie wunderbar“, sagte sie, „ich habe Durst, aber ich opfere dies für die Bekehrung der Sünder.“ Lucia, die Älteste der drei, wusste, dass sie auf ihre Cousins aufpassen musste, und ging zu einem nahegelegenen Haus, um Wasser zu holen. Als sie zurückkam, gab sie es zuerst Francisco. „Ich will nicht trinken“, sagte der neunjährige Junge, „ich will für die Sünder leiden.“ „Trink du, Jacinta.“ „Ich will mich auch opfern.“ Da goss Lucia das Wasser in einen ausgehöhlten Stein, damit die Schafe daraus trinken konnten, und kehrte mit dem leeren Krug ins Haus zurück. Das rhythmische Zirpen von Fröschen, Grillen und anderen Insekten dröhnte ohrenbetäubend in Jacintas Ohren. Mit dem Kopf in den Händen rief sie verzweifelt: „Mein Kopf tut so weh! Sag den Grillen und Fröschen, sie sollen still sein!“ „Willst du nicht auch für die Sünder leiden?“, fragte Francisco sie. „Ja, natürlich, lass sie singen.“ „Lucia“, fuhr Jacinta fort, „die Muttergottes hat gesagt, dass ihr Unbeflecktes Herz deine Zuflucht und der Weg zu Gott sein wird. Macht dich das nicht glücklich? Ich liebe ihr Herz sehr.“ Im August 1917 sagte die Muttergottes zu den Kindern: „Betet viel und bringt Opfer für die Sünder, denn viele Seelen kommen in die Hölle, weil sich niemand für sie opfert.“

Später erklärte Schwester Lucia am Beispiel von Francisco und Jacinta: „Viele Menschen denken, Buße bedeute große Entbehrungen, und sie glauben, nicht die Kraft zu großen Opfern zu haben. Deshalb lassen sie sich entmutigen und verharren in einem Leben der Lauheit und Sünde.“ Schwester Lucia sagte weiter, der Herr habe ihr erklärt: „Das Opfer, das jeder Mensch bringen muss, ist, seine Pflichten im Leben zu erfüllen und mein Gesetz zu befolgen. Das ist die Buße, die ich jetzt will und verlange.“

Es ist unmöglich, die Erscheinungen und Botschaften Unserer Lieben Frau von Fatima wirklich zu verstehen, ohne die Engelserscheinungen vor den drei Kindern im Jahr 1916 zu berücksichtigen. Beide Erscheinungen sind untrennbar miteinander verbunden. Die Worte des Engels hatten bereits den Weg für die zentrale Botschaft Unserer Lieben Frau von Fatima bereitet: „Bringt alles, was ihr könnt, als Opfer dar und opfert es Gott zur Sühne für die Sünden, die ihn beleidigen, und als Bitte um die Bekehrung der Sünder.“ Der wichtigste Aspekt der Engelserscheinungen ist jedoch seine Botschaft über das eucharistische Geheimnis des Leibes und Blutes Christi. Im Jahr 1916 hatte der Engel gesagt, dass Christus in diesem Geheimnis zutiefst erzürnt ist. In der Kirche jener Zeit hätte sich kaum jemand die schrecklichen Gräueltaten vorstellen können, die in solch entsetzlicher und weitverbreiteter Weise gegen Christus im Sakrament der Eucharistie verübt werden würden, sogar innerhalb der Kirche selbst, wie es heute geschieht, insbesondere durch die Handkommunion und die wahllose Zulassung unbußfertiger Sünder und sogar Nichtkatholiken zum Sakrament. Nie zuvor in der Geschichte war das Sakrament der Eucharistie Gegenstand solch ungeheurer Sakrilege durch Klerus und Gläubige wie in unserer Zeit. Einmal mehr offenbaren die Erscheinungen von Fatima auf greifbare Weise ihren prophetischen Charakter.

Die Kirche unserer Zeit kann aus der prophetischen Dimension der Erscheinungen von Fatima die tiefe und untrennbare Verbindung zwischen der Verehrung des Allerheiligsten Sakraments und der Verehrung der Gottesmutter, insbesondere ihres Unbefleckten Herzens, lernen. Die Verbreitung der Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens muss mit einer echten Erneuerung des eucharistischen Gottesdienstes einhergehen, insbesondere mit der Wiederherstellung der äußeren Feier der Heiligen Messe in Heiligkeit und Ehrfurcht, vor allem im Hinblick auf Ritus und Disziplin bei der Spendung der Heiligen Kommunion. Nur so kann die Herrschaft und der Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens Wirklichkeit werden, wenn die Herrschaft Christi, des eucharistischen Königs, in ihrer ganzen Pracht in der gesamten katholischen Welt wiederhergestellt ist. Die Herrschaft des Unbefleckten Herzens ist ihrem Wesen nach eucharistisch, und dies ist unerlässlich für eine Zeit wahren Friedens in der Welt.

Einer der größten Verehrer Unserer Lieben Frau von Fatima und einer der eifrigsten Förderer ihrer Verehrung war der mutige brasilianische Laie Dr. Plinio Correia de Oliveira. 1944 erklärte er tiefgründig und scharfsinnig die anhaltende Bedeutung der Marienerscheinungen von


Plinio Correa de Oliveira (L)
trägt zusammen mit Bischof
Meyer die Pilgerstatue in
São Paulo

Fatima, die auch für unsere heutige Zeit relevant ist: „Die Technokraten – jene, die heute zusammen mit den Bankern die Welt beherrschen – haben sich zusammengetan und sich gegen den Herrn verbündet. Vgl. Apg 4,26. Sie schlossen einen Frieden ohne Christus, einen Frieden gegen Christus. Die Welt wird noch tiefer in die Sünde versinken und die Botschaft der Muttergottes ablehnen. In Fatima geschahen Wunder in Hülle und Fülle. Sie waren für alle zugänglich; Ärzte jeder Herkunft und Religion konnten sie untersuchen. Es gab unzählige Bekehrungen. Und doch schenkte niemand Fatima Beachtung. Manche zweifelten, ohne den Fall zu studieren. Andere leugneten ihn, ohne ihn zu prüfen. Wieder andere glaubten, aber es fehlte ihnen der Mut, es auszusprechen. Sie gehorchten der Muttergottes nicht. Die Stimme von Fatima spricht auch heute noch zu uns.“ Lasst uns unsere Herzen nicht verhärten, denn nur indem wir auf ihre Botschaft hören, können wir dem Gericht der Geschichte entgehen.“ (O Legionário, São Paulo, 14. Mai 1944).

Schwester Lucia glaubte, dass die Endzeit nahe sei, und zwar aus folgenden drei Gründen, wie sie in einem Interview mit Pater Agustín Fuentes am 26. Dezember 1957 erklärte. Ihre Worte sind bemerkenswert: „Erstens sagte mir die Muttergottes, dass der Teufel einen Kampf gegen die Jungfrau Maria führt, einen entscheidenden Kampf. Es ist die letzte Schlacht, in der eine Seite triumphieren und die andere unterliegen wird. Von nun an stehen wir entweder auf Gottes Seite oder auf der Seite des Teufels. Es gibt keinen Mittelweg. Zweitens sagte sie mir und meinen Cousinen, dass Gott der Welt die letzten Heilmittel schenkt: den Heiligen Rosenkranz und die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens. Und da dies die letzten Heilmittel sind, bedeutet das, dass es keine anderen mehr geben wird.“ Und der dritte Grund ist, dass Gott in seinen Plänen der göttlichen Vorsehung, wenn er die Welt bestrafen will, stets alle anderen Mittel ausschöpft. Und wenn er sieht, dass die Welt keinerlei Beachtung schenkt, dann bietet er uns, wie wir in unserer unvollkommenen Ausdrucksweise sagen, mit einer gewissen Furcht das letzte Mittel der Erlösung an: Seine selige Mutter. Wenn wir dieses letzte Mittel verachten und ablehnen, wird uns der Himmel nicht mehr vergeben, denn wir haben eine Sünde begangen, die das Evangelium als Sünde gegen den Heiligen Geist bezeichnet.

Diese Sünde besteht darin, das uns anvertraute Heil wissentlich und willentlich abzulehnen. Da unser Herr ein so gütiger Sohn ist, wird er nicht zulassen, dass wir seine heiligste Mutter beleidigen und verachten. Jahrhundertelang hat uns unser Herr durch erschütternde Beispiele gezeigt, dass er die Ehre seiner heiligsten Mutter stets verteidigt hat. Gebet und Opfer sind die beiden Mittel zum Heil der Welt. Und was den Heiligen Rosenkranz betrifft, Vater, so hat die Jungfrau Maria in diesen Zeiten, in denen wir leben, dem Rosenkranzgebet neue Kraft verliehen. So sehr, dass es im geistlichen Leben eines jeden von uns und unserer Familien kein Problem gibt, sei es in unseren Familien in der Welt, in Ordensgemeinschaften oder gar unter Völkern und Nationen. Ich wiederhole: Es gibt kein Problem, wie schwierig es auch sein mag, das in unserer Zeit nicht durch das Gebet des Heiligen Rosenkranzes gelöst werden kann. Mit dem Heiligen Rosenkranz werden wir gerettet, wir werden geheiligt, wir werden unseren Herrn trösten und wir werden das Heil unzähliger Seelen erlangen. Schließlich gibt es die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens, unserer Heiligen Mutter, die als Sitz der Barmherzigkeit, Güte und Vergebung und als sicheres Tor zum Himmel gilt.

Möge die Kirche unserer Zeit auf das hören, was der Geist der Weissagung (vgl. Offb 2,11) durch den Engel von Fatima, durch das heldenhafte Beispiel des seligen Franziskus und der seligen Jacinta und vor allem durch die Worte Unserer Lieben Frau, der Mutter Gottes, unserer Mutter und der geistlichen Mutter der ganzen Menschheit, verkündet. Die Wirklichkeit von Fatima besteht darin, die Kirche unserer Zeit darauf vorzubereiten, den katholischen Glauben furchtlos zu bekennen, selbst bis zum Martyrium, wie wir im dritten Teil des Geheimnisses von Fatima sehen können. Dennoch bleibt Fatima ein wahres prophetisches Zeichen der Hoffnung, denn Unsere Liebe Frau verhieß eine Zeit des Friedens und den Triumph ihres Unbefleckten Herzens. Die gesamte prophetische Bedeutung der Botschaft von Fatima umfasst die Erscheinungen des Engels, die Worte und das heldenhafte Beispiel der drei Hirtenkinder und vor allem die mütterlichen Ermahnungen der Muttergottes. In dem Gebet, mit dem Seine Heiligkeit Johannes Paul II. am 24. März 1984 die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens weihte, übergab er der Kirche und der Menschheit unserer Zeit die folgende innige Bitte, die die wichtigsten Punkte der prophetischen Bedeutung der Botschaft von Fatima zusammenfasst: „Unbeflecktes Herz! Hilf uns, das Böse zu besiegen, das uns auflauert, das so leicht in den Herzen der Menschen von heute Wurzeln schlägt und dessen unermessliche Auswirkungen bereits auf unserer modernen Welt lasten. Erlöse uns von der Neigung, Gottes Gebote mit Füßen zu treten. Erlöse uns von den Versuchen, die Wahrheit Gottes in unseren Herzen zu ersticken. Erlöse uns vom Verlust des Bewusstseins für Gut und Böse.“ Von Sünden gegen den Heiligen Geist erlöse uns, o Mutter. Hilf uns mit der Kraft des Heiligen Geistes, alle Sünde zu überwinden: die Sünden des Einzelnen und die Sünden der Welt, die Sünde in all ihren Erscheinungsformen. Lass die unendliche Heilskraft der Erlösung – die Kraft der barmherzigen Liebe – aufs Neue in der Weltgeschichte wirken. Möge diese Kraft dem Bösen Einhalt gebieten. Möge sie die Gewissen verwandeln. Möge dein Unbeflecktes Herz allen das Licht der Hoffnung schenken.

 

+ Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese St. Maria von Astana


Aus dem Spanischen übersetzt . 

Diese deutsche Fassung erschien erstmals in diesem Blog. Wiedergabe mit Angabe der Quelle
Quelle 

Donnerstag, 25. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 9. Tag – 24. Dezember

Der Weihnachtstag

Plinio Corrêa de Oliveira

„Heilige des Tages“, 23. Dezember 1968

 

In der Weihnachtsnacht die höchste Vereinigung

der Jungfrau Maria mit ihrem Sohn

 

Alles deutet darauf hin – gemäß dem Gesetz der Gegenseitigkeit und der Analogie –, dass, als die Gottesmutter ihren Leib dem Herrn schenkte, der Herr ihr sozusagen ihr seinen Geist schenkte. Und dass sie in der Vereinigung mit ihm auf wunderbare, unergründliche Weise wuchs, auf eine Weise, die wir uns nicht einmal vorstellen können. Es steht jedoch fest, dass die Gottesmutter fähig war, in der Tugend zu wachsen, und dass sie bis zum letzten Augenblick ihres Lebens nicht aufhörte, sich weiterzuentwickeln. Daher durchlief sie während dieser ganzen Zeit der Schwangerschaft einen tiefen, unergründlichen, wunderbaren Fortschritt, der dem Fortschritt der Schwangerschaft entsprach, die in ihr stattfand.

In dem Maße wie sie Fleisch und Blut gab, um die heiligste Menschheit des Sohnes Gottes zu formen, gab Gott sich auch ihrer Seele hin. Und sozusagen – natürlich in Anführungszeichen – vergöttlichte sich ihre Seele. So als das reinste Werk ihres Leibes in der Weihnachtsnacht geboren werden sollte, hatte ihre Vereinigung mit Ihm einen unermesslichen Höhepunkt erreicht. Und sie war dann bereit, in jeder Hinsicht die Mutter des Erlösers zu sein.

Man kann also gewissermaßen sagen, dass sie als Mutter den Sohn hervorbrachte, aber auch, dass Er als Sohn in ihr die vollkommene Mutter vorbereitete und dass, sozusagen paradoxerweise, der Sohn die Mutter zeugte, aber dass die Seele, die sie brauchte, um die Allerheiligste Mutter unseres Herrn Jesus Christus zu sein, ihre ganze Vollkommenheit für die Rolle der Mutter Gottes genau in dem Augenblick erreichte, als sie den Sohn Gottes gebar.

Wir verstehen daher, dass der Augenblick der jungfräulichen Geburt unseres Herrn Jesus Christus in der Weihnachtsnacht wohl der Augenblick einer unermesslichen Ekstase war, in der die Gottesmutter zu einer überragenden Vertrautheit mit der Heiligen Dreifaltigkeit erhoben wurde. Und natürlich gebar sie in diesem Augenblick jungfräulich das Wort.

Wir dürfen uns die Gottesmutter nicht so vorstellen, wie sie manchmal in Gemälden dargestellt wird – nicht unberechtigt, denn die Malerei kann nicht alles abbilden –, als läge sie halb schlafend mit ihrem neugeborenen Sohn neben sich. Es ist nicht falsch, dies so darzustellen, doch die dahinterliegende spirituelle Wirklichkeit wird in der Darstellung nicht erhalten. Die Darstellung ist vielmehr eine Ekstase, eine Verzückung, wie sie im Leben keiner Heiligen zu finden war und wie wir sie uns nicht einmal vorstellen können. In dieser Verzückung erreichte ihre Seele eine Art Fülle, auf die weitere Füllen folgen sollten, denn sie stieg von Fülle zu Fülle, und hier, ja, im heiligsten Sinne des Wortes, von Veredelung zu Veredelung, zur Vollkommenheit der Heiligkeit, die sie im letzten Augenblick ihres Lebens empfing.

Was wir nur durch den Glauben wissen, ist, dass die Gottesmutter vor, während und nach der Geburt Jungfrau war.

Mit diesen Überlegungen verstehen wir die Vereinigung zwischen unserem Herrn und der Gottesmutter noch besser: es ist für den menschlichen Verstand völlig unbegreiflich, man kann sich nicht vorstellen, wie sie gewesen sein muss. Und wir sind so besser darauf vorbereitet, uns der Gottesmutter und damit dem Jesuskind zuzuwenden. Wir verstehen ihre Rolle als Mittlerin und Fürsprecherin noch besser; wir erkennen, wie wir uns ihr zuwenden und so jemandem nähern, dem Gott außerordentlich nahe ist, so nahe, wie Gott einem Geschöpf nur sein kann. Und so bereiten wir uns darauf vor, im Geiste des heiligen Ludwig Maria Grignion de Montfort neben der Krippe zu meditieren.

Das heißt, wir betrachten die Anwesenheit des Bildes der Gottesmutter neben der Krippe nicht nur als historische Tatsache, sondern erkennen dahinter die übernatürliche und mystische Bedeutung: Sie ist die Pforte des Himmels, sie ist die Bundeslade. Und so wie das Kind durch sie zu uns kam, können auch wir es nur durch sie erreichen. Und unsere Blicke in der Krippenszene sollten auf sie gerichtet sein, auf Ihn durch sie, mit den Augen des Geistes, wie jemand, der Jesus in Maria betrachtet.

Um zu verstehen, dass Jesus da ist, der die Quelle ist, und dass die Gottesmutter da ist, die den Kanal bildet.

Und in der Nähe ist auch der hl. Josef. Welche Rolle spielt der hl. Josef? So mächtig die Fürsprache der Gottesmutter auch sein mag, die Vorsehung wollte, dass wir weitere Fürsprecher haben, und einer dieser Fürsprecher ist der heilige Josef. Der heilige Josef durchlitt, wie wir wissen, eine gewaltige Prüfung aufgrund seiner Verwirrung als er die Schwangerschaft Mariens sah. Es sollte nicht die einzige Prüfung seines Lebens bleiben. Wir kennen zwei. Er muss viele weitere durchgemacht haben. Auch die Prüfung, die er durch den Verlust des Jesuskindes im Tempel erlitt, war eine schreckliche Prüfung.

So wie die Gottesmutter auf ihre Rolle als Mutter Gottes vorbereitet wurde, musste auch der heilige Josef auf seine Rolle als Adoptivvater des Jesuskindes vorbereitet werden. Er war weit mehr als ein Adoptivvater im herkömmlichen Sinne, denn im herkömmlichen Sinne ist eine Adoption vertraglich geregelt. Ein Vater adoptiert ein Kind, und das Kind, sofern es volljährig ist, stimmt der Adoption zu. Wenn nicht das Kind selbst, dann sind es zumindest die Eltern, die es einem anderen Vater übergeben. Doch es ist eine vertragliche Vereinbarung. Es gibt nichts weiter als das. Es besteht keine Bindung natürlichen Charakters.

 Obwohl der heilige Josef nicht der leibliche Vater des Jesuskindes war, hatte er als Ehemann der Gottesmutter ein Anrecht auf das Kind ihres Leibes. Es war keine konventionelle, keine festgelegte Vaterschaft, sondern eine Vaterschaft, die sich in gewisser Weise aus der natürlichen Ordnung der Dinge ergab. Nicht weil er der leibliche Vater des Kindes war, sondern weil er ein wirksames Recht auf die Frucht des heiligsten Leibes seiner Frau hatte. Das war sein Recht als Ehemann. So ist klar, dass auch seine Seele darauf vorbereitet wurde. Und wir müssen anerkennen, dass der heilige Josef in der Weihnachtsnacht ebenfalls außergewöhnliche Gnaden empfing. ...

In diesem Geiste sollten wir uns der Weihnachtsnacht nähern und uns auf die Gnaden dieser Nacht vorbereiten. Es hieße, die Tradition zu verfälschen und vom rechten Weg abzuweichen, wenn wir uns Gedanken über die Weihnachtsnacht machten, die nicht im Einklang mit den Gnaden stünden, die Weihnachten schenkt.

Weihnachten schenkt Gnaden der Versöhnung, Weihnachten schenkt Gnaden der Entspannung. Wenn die Weihnachtsnacht anbricht, haben alle Menschen bis jetzt – und ich habe den Eindruck, dass dieses Gefühl zunehmend schwächer wird – gespürt, als ob ein Friede auf die Erde herabgestiegen wäre und als ob ein Bund zwischen Himmel und Erde erneuert würde. So dass alle ruhig, freudig und unbeschwert neben der Krippe wandelten. Und es gab eine Art Entspannung der Seelen, ein gegenseitiges und christliches Wachsen der Zuneigung unter allen Menschen.

Natürlich können wir dies nicht mit den Mächten der Finsternis haben. Aber es ist gewiss, dass wir dies untereinander haben sollten. Die Weihnachtsnacht sollte uns mehr denn je spüren lassen, dass wir Kinder Jesu, Kinder Mariens, Kinder des heiligen Josef, angenommene Kinder der Heiligen Familie sind, also Brüder und Schwestern füreinander. Und deshalb sollten wir uns wünschen, in dieser Nacht die gegenseitige Zuneigung zu stärken, jene Bande zu festigen, die die Vorsehung so deutlich unter uns knüpfen möchte und die uns zur gegenseitigen Vergebung führen, zur Großzügigkeit, zum Vergessen von Fehlern, zur Erneuerung unseres Wohlwollens gegenüber anderen, das vielleicht etwas müde ist von den Strapazen des Alltags.

Möge die Muttergottes uns dies alle gewähren und möge sie auch mir die Erneuerung eures Wohlwollens schenken. Möge diese Weihnachtsnacht uns tief verbinden, damit wir auch ihr näherkommen und mit ihr verbundener sind. Dies ist der Wunsch, den ich nach dieser Betrachtung des Herzens Mariens ablege, während Sie das unendlich kostbare Fleisch und Blut unseres Erlösers trug.

  

Dienstag, 23. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 8. Tag – 23. Dezember

 Eine Weihnachtsmeditation:

Die Größe des Augenblicks der Geburt unseres Herrn

Plinio Correa de Oliveira

Heiliger des Tages – 21. Dezember 1965

 


     Der Heilige Abend rückt immer näher; lasst uns hier das Weihnachtsfest selbst betrachten.

Wie war die geistige Stimmung der Muttergottes in Bezug auf Weihnachten? Was bedeutete Weihnachten für sie Neues? Schließlich hatte die Muttergottes unseren Herrn, den sie wie einen Tabernakel in sich trug, und verband mit ihm die größte Vertrautheit, die offenkundig eine Seelengemeinschaft war. Denn es ist gewiss, dass Unser Herr bereits im Mutterleib denken konnte. Er konnte denken vom ersten Augenblick seines Daseins an und hatte daher eine ständige Verbindung mit ihr, eine Verbindung nicht nur als Person der Heiligen Dreifaltigkeit, sondern auch als Gottmensch mit der Muttergottes als seiner Mutter.

Unter diesen Umständen sollten wir nicht meinen, die Geburt unseres Herrn sei für die Muttergottes ein Akt gewesen, durch den sie sich des Sohnes bewusst wurde. Sie besaß dieses Wissen bereits, und zwar innig und voller Inbrunst. Was also bedeutete Weihnachten für die Muttergottes auf neue Weise?

Zunächst einmal liegt natürlich der Gedanke nahe: Weihnachten war der Moment, als die Muttergottes Jesus der Welt schenkte. Der Herr verließ den Mutterleib, kam in die Welt durch ihre Arme Mariens. Und natürlich muss der Augenblick der Geburt des Herrn, als er auf geheimnisvolle Weise und ohne die Jungfräulichkeit der Muttergottes zu beeinträchtigen, ein überaus erhabener Moment gewesen sein. Es muss ein Augenblick tiefster Freude gewesen sein, ein Augenblick innigster Seelenverbindung zwischen Ihm und Ihr.

Und es muss ein Akt innigster Liebe gewesen sein, der Augenblick der Geburt des Herrn, als sie gewiss zu einer unbeschreiblich hohen Mystik geführt wurde und zugleich mit der Göttlichkeit des Herrn Kontakt aufnahm.

Dieser Akt, diese Geburtsszene, muss von den drei Personen der Heiligen Dreifaltigkeit und allen Engeln des Himmels mit Gesang und Feierlichkeiten begleitet und analysiert worden sein. Das heißt, der Augenblick der Geburt, das Geschehen der Geburt unseres Herrn, muss eines der größten Feste gewesen sein, die je im Himmel stattgefunden haben, und einer der größten Triumphe in der Geschichte der Menschheit. Und die Muttergottes verband dies mit einer Intimität und einer Vereinigung mit Gott, die wahrlich unvorstellbar ist!

Natürlich war dies für die Muttergottes von größter Bedeutung. Aber war das alles? Ich habe den Eindruck, dass da noch etwas anderes war: Die Muttergottes hatte das heilige Antlitz unseres Herrn noch nicht gesehen. Sie hatte weder das Antlitz noch den Leib unseres Herrn gesehen.

Und in der physischen Wirklichkeit, einem Symbol der spirituellen Wirklichkeit, die Gesichtszüge, besonders bei unserem Herrn, der vollkommen war und in dem es keinerlei Betrug, Täuschung, Unzulänglichkeit oder irgendetwas Unrechtes gab. Wenn bei den Menschen im Allgemeinen, wenn auch verworren, das Gesicht den Ausdruck der Seele trägt, können wir uns das heiligste Antlitz unseres Herrn und seinen ganzen Leib vorstellen, die den Ausdruck seiner Seele trugen!

So erlangte die Gottesmutter einen neuen Titel der Erkenntnis unseres Herrn, nämlich: Sie erkannte Unseren Herrn in seinem Antlitz, in seinem Blick, in jedem einzelnen Glied seines Leibes, die bereits seine ganze Mentalität, seine ganze Seele widerspiegelten. Und darin lag ein neuer Titel für die Liebe, ein neuer Titel für die Vereinigung, gewiss ein Ansporn für die unaussprechliche Anbetung, die die Gottesmutter unserem Herrn in der Weihnachtsnacht darbrachte.

Bedenken Sie, dass nicht nur jedes Merkmal des Gesichts Ausdruck einer Mentalität ist, sondern vor allem der Blick. Und dies drücken auf seine Weise auch verschiedene andere Körperteile aus: der Hals, die Schultern, die Hände, die Füße – verschiedene Teile davon zeugen von einer Mentalität, vor allem aber dies als Ganzes. Wir können uns dann vorstellen, wie die Muttergottes diesen offenkundigen Ausdruck der psychologischen und übernatürlichen Wirklichkeit Unseres Herrn betrachtet und ihn innig verehrt.

...

Und aus all dem ist Weihnachten die erste Offenbarung, und in all dem mündete die Anbetung der Muttergottes. Die Anbetung der Muttergottes, die Anbetung des heiligen Josef, der ihr nahe war und als ihr Gemahl und Vater des Jesuskindes an diesem Akt der Anbetung teilnahm. Dass die Muttergottes in dieser Seelenvereinigung mit Unserem Herrn eine Beziehung hatte, die wir nicht einmal vollständig begreifen, ist offenkundig. Wir können uns die Zärtlichkeit, den Respekt, die Begeisterung, die Anbetung und die Ehrfurcht des heiligen Josef vorstellen, als er dieses Kind sah, von dem er wusste, dass es der Sohn des Heiligen Geistes und der Muttergottes war – rechtlich gesehen aber sein Sohn, der in seiner Person zum Teil zum Sohn Davids wurde und die Prophezeiungen erfüllte. Er blickte dieses Kind an und dachte, dass dieses Kind schließlich sein Gott und der Gott aller Menschen war; und zugleich sein Sohn, der Sohn seiner Frau. Was bedeutet das angesichts der Heiligkeit Unseres Herrn, die von der ganzen Krippe, ja vor allem von seiner ganzen Person ausstrahlte?

Diese Vorstellung von der Offenbarung des Menschen, des Leibes unseres Herrn Jesus Christus, an Weihnachten als Ausdruck seiner Seelenheiligkeit – einer Heiligkeit, die Ausdruck der mit der menschlichen Natur vereinten Würde ist – sollte uns, so mein Eindruck, tief berühren! Und genau darüber sollten wir in der Weihnachtsnacht besonders nachdenken.

Viele Heiligenbilder zeigen die Weihnachtsnacht, die Szene mit der hell erleuchteten Krippe des Jesuskindes und dem kleinen, liebenswerten Kind mit seinem süßen Gesichtchen. Das Licht lag nicht im Stroh, sondern im Kind selbst, vor allem in seinen Zügen, in seinem heiligsten Antlitz.

Dies scheint mir eine wertvolle Meditation für Weihnachten zu sein, die wir in diesen Tagen der Frömmigkeit widmen können. Bitten wir die Muttergottes und den heiligen Josef, uns dies tiefgründig zu verständlich zu machen und uns zu einem wahrhaft besinnlichen und frommen Weihnachtsfest in diesem durch diesen Gedanken geschaffenen Geheimnis zu ermutigen.

 

Montag, 22. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 7. Tag – 22. Dezember

 Fest des Friedens und der Ehre

„Catolicismo“ Nr. 108, Dezember 1959

[Fortsetzung]

Es heißt oft, die Armut der Heiligen Familie in Bethlehem lehre uns die Loslösung von irdischen Gütern, und das ist tausendfach wahr. Es sei jedoch hinzugefügt, dass das heilige Weihnachtsfest auch eine erhabene und klare Lehre über den Wert himmlischer Güter und moralischer Güter enthält, die auf Erden wie ein Abbild himmlischer Güter wirken.

Und in dieser Hinsicht gilt es vielleicht, ein Missverständnis auszuräumen.

Gott schuf das Universum zu seiner äußeren Ehre. Daher streben alle unvernünftigen Geschöpfe gänzlich nach der Verherrlichung Gottes. Und der Mensch, mit Intelligenz und freiem Willen ausgestattet, hat die Pflicht, die Kräfte seiner Seele und seines ganzen Wesens für dasselbe Ziel einzusetzen. Sein höchstes Ziel ist nicht ein bequemes, üppiges und sorgloses Leben, sondern Gott die Ehre zu geben.

Der Mensch erreicht dies, indem er all sein inneres und äußeres Handeln so ausrichtet, dass er stets die unendliche Vollkommenheit und die souveräne Macht des Schöpfers erkennt und verkündet. Als Ebenbild Gottes geschaffen, verherrlicht er ihn, indem er als Geschöpf so gut wie möglich dessen Wesen nachzuahmen sucht. So macht uns die Ausübung der Gottesliebe, indem sie uns ihm ähnlicher macht, auch Teilhaber an seiner Herrlichkeit.

Dies erklärt den immensen Respekt, den die Heiligen stets hervorriefen, selbst bei denen, die sie hassten und verfolgten. Eine einfache Köchin wie die selige Anna Maria Taigi beeindruckte die Passanten durch ihre Würde, als sie durch die Straßen Roms ging. In allen Marienerscheinungen offenbart sich die Muttergottes als überaus mütterlich, liebevoll und gütig, zugleich aber auch unbeschreiblich würdevoll, ehrwürdig und von königlicher Majestät erfüllt. Und was lässt sich über unseren Herrn, den Ursprung aller Heiligkeit, sagen? Er war so gütig, dass er sogar den Aposteln die Füße wusch! Doch er war so unendlich majestätisch, dass ein einziges Wort von ihm alle Soldaten, die ihn verhaften wollten, zu Boden warf (vgl. Joh 18,6).

Jesus Christus ist unser Vorbild. Auch die Heiligen, die ihm so bewundernswert nachgeeifert haben, sind unser Vorbild. Daher sollte jeder wahre Katholik nach hoher Würde, Ernsthaftigkeit, Standhaftigkeit und Erhabenheit streben, die ihn von Vulgarität, Schmutzigkeit und der Verschwendungssucht all dessen unterscheiden, was unter die Herrschaft Satans fällt.

Und dies ist nicht nur eine Frage des Glanzes, der aus der Ausübung von Tugend erwächst. Alle Macht kommt von Gott (vgl. Röm 13,1), die des Königs ebenso wie die des Adligen, des Vaters, des Vorgesetzten oder des Lehrers. Und in gewisser Weise sollte der Amtsinhaber für seine Untertanen gleichsam ein Abbild Gottes sein. Jeder Macht wohnt eine Würde inne, die ein Spiegelbild göttlicher Majestät ist. In einer christlichen Gesellschaft muss sich der Inhaber einer wichtigen Position aufgrund dieser Position selbst achten. Und er muss diesen Respekt auch bei denen wecken, die mit ihm zu tun haben. So erstrahlt die christliche, weltliche Gesellschaft in vollem Glanz von Gottes Herrlichkeit. Sie besingt sie auf ihre Weise, ebenso wie die geistliche Gemeinschaft, die die heilige katholische, apostolische und römische Kirche ist. Und hier auf Erden ist das Leben des Menschen ein Vorbild jenes Lobgesangs, den er im Himmel in alle Ewigkeit singen wird.

* * *

Wir wissen wohl, dass ein subtiler Stolz den Menschen oft täuschen kann und ihm den Eindruck vermittelt, er suche aus Liebe zu Gott nach einer Ehre, die er in Wirklichkeit nur aus Selbstliebe begehrt. Um dieser leider sehr realen Gefahr zu entgehen, ist es notwendig zu beten, die Sakramente regelmäßig zu empfangen, zu meditieren, sich Opfer zu bringen, sich strengen Gewissensprüfungen zu unterziehen und sich geistlicher Begleitung zu unterziehen. Das Heilmittel liegt in der Anwendung dieser hochwirksamen Mittel und niemals darin, einen Grundsatz zu verleugnen, der an sich wahr ist.

* * *

Und die Güte? Besteht sie nicht darin, sich selbst zu „demokratisieren“, sich auf eine Stufe mit denen unter uns zu stellen, um ihre Liebe zu gewinnen? Einer der verhängnisvollsten Irrtümer unserer Zeit ist die Annahme, Respekt und Liebe schlössen sich gegenseitig aus und ein König, ein Vater, ein Lehrer werde umso mehr geliebt, je weniger Respekt er genießt. Doch die Wahrheit liegt im Gegenteil. Hohes Ansehen, sofern es von wahrer Gottesliebe durchdrungen ist, kann nur die Achtung und das Vertrauen rechtschaffener Menschen gewinnen. Und wenn dies nicht geschieht, liegt es nicht daran, dass das Ansehen zu hoch ist, sondern daran, dass es nicht auf der Liebe Gottes gründet.

Die Lösung liegt nicht in der Herabsetzung, sondern in der Übernatürlichkeit. Wahrhaft übernatürliche Würde erniedrigt sich, ohne sich selbst zu erniedrigen. Selbstsüchtige und eitle Würde will und weiß nicht, wie sie sich herablassen kann, ohne dabei ihre Integrität zu verlieren. Wenn sie sich stark fühlt, erniedrigt sie andere. Wenn sie sich schwach fühlt, erniedrigt sie sich aus Angst selbst.

Stellen wir uns also eine weltliche Gesellschaft vor, die gänzlich von dieser erhabenen, majestätischen und kraftvollen Noblesse durchdrungen ist, einem Abbild der Erhabenheit Gottes. Eine Gesellschaft, in der diese Erhabenheit untrennbar mit unermesslicher Güte verbunden ist, sodass mit zunehmender Stärke und Majestät auch Mitgefühl und Güte wachsen. Welch eine Sanftmut, welch eine Liebe – kurzum, welch eine Ordnung! Ja, welch eine Ordnung … und welch ein Friede! Denn was ist Friede anderes als Ruhe in Ordnung (vgl. Augustinus, XIX De Civ. Dei, Kap. 13)?

Stagnation in Irrtum und Bösem, Einigkeit mit den Streithähnen Satans, die scheinbare Versöhnung von Licht und Finsternis, gerade weil sie dem Bösen Bürgerschaft verleihen, bringen nur Unordnung und erzeugen eine Ruhe, die eine Karikatur wahren Friedens ist. Wahrer Friede existiert nur unter Menschen guten Willens, die von ganzem Herzen die Ehre Gottes suchen. Und deshalb verbindet die Weihnachtsbotschaft das eine mit dem anderen:

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens!“ (Lukas 2,14)

 

 

Sonntag, 21. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 6. Tag – 21. Dezember

Fest der Ehre und des Friedens 

„Catolicismo“ Nr. 108, Dezember 1959

 


„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen guten Willens!“ (Lukas 2,14)! Es ist für keinen Katholiken möglich, das heilige Weihnachtsfest zu betrachten, ohne an die harmonischen und erleuchtenden Worte zu denken, mit denen die Engel singend die frohe Botschaft von der Ankunft des Erlösers verkündeten – Worte, die uns beinahe ins Ohr flüstern. So wollen wir, in Verbindung mit diesen Worten, neben der Krippe, zu Füßen des Jesuskindes und in enger Verbundenheit mit der allerseligsten Jungfrau Maria unsere Weihnachtsmeditation gestalten.

„Ehre!“ Wie sehr verstanden die Alten die Bedeutung dieses Wortes, wie viele strahlende und ergreifende moralische Werte sahen sie darin? Um sie zu erobern, weiteten so viele Könige ihre Reiche aus, so viele Heere stellten sich dem Tod, so viele Weise widmeten sich den schwierigsten Studien, so viele Entdecker wagten sich in die entlegensten Winkel der Welt, so viele Dichter schufen ihre größten Werke, so viele Musiker schöpften aus tiefstem Herzen ihre strahlendsten Töne und so viele Geschäftsleute stürzten sich schließlich in die gewaltigsten Unternehmungen. Ja, denn selbst im Reichtum suchte man nicht nur Fülle, Komfort und Sicherheit, sondern auch Macht, Prestige – kurzum, Ehre.

Doch welche Elemente umfasste dieser Begriff von Ehre? Manche waren der Person innewohnend: hohe Intelligenz, herausragende Tugend, das Ausüben von entsprechendem Handeln. Andere waren mit dem verbunden, was wir heute öffentliche Meinung nennen. Ehre, aus diesem Blickwinkel betrachtet, wäre die weitverbreitete, unüberhörbare Anerkennung der herausragenden Eigenschaften einer Person.

Welchen Wert hat die Ehre? Inwiefern adelt das Streben nach Ehre die Seele?

Die Frage lässt sich leicht beantworten, indem man einen nach Ehre strebenden Menschen mit einem anderen vergleicht, dessen Wünsche sich auf Güter ganz anderer Art konzentrieren: lange Nächte in einem weichen Bett, sich mit Genuss und Überfluss zu ernähren, sich vor Risiken und Unsicherheiten sicher zu fühlen, ein Leben ohne Kampf und Anstrengung zu führen, in Vergnügungen und Vergnügen zu schwelgen usw.

Es besteht kein Zweifel, dass materielle Güter für unseren Gebrauch geschaffen wurden und dass der Mensch sie in angemessenem Maße und mit gebührender Überlegung begehren darf. Doch was sagt man von ihm, wenn er sie zu den höchsten Werten des Daseins erhebt? Dass er ein niederträchtiger, selbstsüchtiger, engstirniger Geist ist. Kurz gesagt, dass er zu jener Kategorie gehört, die die Heilige Schrift mit einem bedeutsamen Stigma belegt: Sie haben ihren eigenen Bauch zum Gott (vgl. Phil 3,19). Geister, die nur verstehen, was dem Körper dient, die alle wahren Güter der Seele ignorieren und die, wenn sie könnten, – wie Paul Claudel schrieb – die Sterne vom Himmel fallen und zu Kartoffeln werden lassen würden.

...

Doch für Millionen von Menschen ist dies die größte Versuchung, der sie ausgesetzt sind, weil sie in einer Welt leben, in der das Wort „Ehre“ fast bedeutungslos geworden ist. Es findet sich zwar noch in Wörterbüchern und wird vereinzelt im Alltag verwendet – beispielsweise gibt es in Rio einen Hügel der Ehre, ein Viertel namens „Ehre“, ein Hotel namens „Glória“, und manche rauchen „Glória de Cuba“-Zigarren –, man könnte fast sagen, dass das Wort außerhalb dieser Verwendung tot ist. Und mit dem Verschwinden dieses Wortes verschwinden auch andere, die damit verwandt sind: Ruhm, Prestige, Anstand ...

...

Betrachten wir die Heilige Familie im Hinblick auf ihren guten Platz im Leben. Eine Dynastie, die ihren Thron und ihren Reichtum verloren hat, hat in dem heiligen Josef einen Nachkommen, der in Armut lebt. Die Jungfrau Maria nimmt diese Situation mit vollkommenem Frieden an. Beide streben in dieser Armut nach einem geordneten und besonnenen Leben, doch ihre Gedanken kreisen nicht um wirtschaftlichen Aufstieg, Komfort und Vergnügen, sondern um Gott, unseren Herrn. Für ihren Sohn präsentiert die Heilige Familie eine Grotte als erste Wohnstätte und eine Futterkrippe als Wiege. Doch der Sohn ist das fleischgewordene Wort Gottes, zu dessen Geburt die Nacht erleuchtet wird, der Himmel sich öffnet und die Engel singen, und Könige voller Weisheit, die von den Enden der Erde kommen, um Gold, Weihrauch und Myrrhe darzubringen…

Wie viel Armut und wie viel Ehre! Wahre Ehre, denn sie ist nicht eine bloße Wertung der utilitaristischen und pharisäischen Männer Jerusalems, die andere nach ihrem Reichtum beurteilen, sondern eine Ehre, die dem Abbild der einzig wahren Ehre gleicht: der Ehre Gottes im höchsten Himmel.


Fortsetzung folgt


Samstag, 20. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 5. Tag – 20. Dezember

 Freude und Trauer im Lichte von Weihnachten

 Heiliger des Tages 26.12.1965

 

Stellen wir uns vor, wir würden einen Mann mit solcher Weisheit kennen, dass die Sterne staunend innehielten, wenn er sich bewegte; von solcher Macht, dass sich die Blumen ihm zuwandten, die gefährlichen Tiere fliehen, die Pflanzen und Kräuter sich nach seinen Füßen ausstreckten, um wenigstens von ihm zertreten zu werden; der Wind ihm entgegenwehte, und das Wasser in das sich sein Blick spiegelte, vor Freude erbebte.

Stellen wir uns diesen Mann, diesen Erz-Menschen, vor, wie er in einer Krippe liegt, und wir erhalten eine blasse, unvollkommene, unheilbar blasse und unheilbar unvollkommene Vorstellung vom Gotteskind, geboren von der Jungfrau Maria, das in einer Krippe in Bethlehem weinte und lächelte.

Und warum? Weil in Wahrheit er all dies war, ja, er war all dies, und das Flehen der Kreuzfahrer und die Barmherzigkeit all der Heiligen, die im Laufe der Geschichte geistliche und weltliche Werke der Nächstenliebe predigten, all dies entsprang aus ihm, all dies war in seiner Seele auf eine Weise unvorstellbar, bevor es sich in den Seelen der Heiligen widerspiegelte, deren Namen uns beim Aussprechen mit Ehrfurcht und Respekt erfüllen – allein schon beim Aussprechen der Namen des heiligen Franz von Assisi, des heiligen Benedikt…

Denken wir an all dies, so bekommen wir eine vage Ahnung davon, was all dies unser Herr war: Es waren alles Funken unseres Herrn, Funken von so großer Schönheit, dass wir sie angesichts seines Antlitzes nicht einmal annähernd beschreiben können, Funken von so geringer Größe, dass sie unbedeutend erscheinen, und erst dann verstehen wir, was die Vollkommenheit unseres Herrn war.

Doch Gott wollte es – und darin liegt der Zauber von Weihnachten –, dass wir erkennen, in welchem Maße dieser Gottmensch alle möglichen Schönheiten des Menschen in sich vereinte. Gott wollte, dass die Weihnachtsbetrachtung eines jeden Menschen dort beginnt, wo dieser Erz-Mensch im Kleinen göttlich groß war. Und jenen, dessen Größe wir eben noch besungen haben, indem wir sagten, der Himmel sei zu klein, um ihn zu fassen, betrachten wir nun in einer Krippe, schwach, anvertraut dem Eifer der Menschen – Maria, Josef –, der Anbetung der Heiligen Drei Könige, der Anbetung der Hirten, dem Atem der Tiere, der ihn in jener kalten Winternacht wärmte. Das heißt: Er, der die Sonne erschaffen hat, wurde nicht von der Sonne selbst, sondern vom Atem der Tiere gewärmt.

Eine unvergessliche Lektion für uns: So klein, um die Größe all dessen zu zeigen, was klein ist, um zu zeigen, dass alles, was geboren wird, alles, was keimt, dass sich alles von einem bestimmten Punkt aus entwickelt, warum nicht die Größe historischer Epochen in dem Moment, in dem sie aus dem Kampf, aus dem heiligen Zorn, aus den unversöhnlichen Gegensätzen einer kleinen Gruppe von Menschen geboren werden. Darin liegt die Schönheit und Erhabenheit all dessen, was keimt.

…

Wir beten vor der Krippe, knien vor ihr und betrachten das Jesuskind, dass es uns unermessliche Ehrfurcht schenke, eine heilige Ehrfurcht, die von Zärtlichkeit und Mitgefühl begleitet wird. Diese Verschmelzung von Ehrfurcht und Mitgefühl – die auf den ersten Blick unvereinbar scheinen – durchdringt das Stille Nacht von Anfang bis Ende.

Wenn wir das Stille Nacht singen hören, haben wir den Eindruck, in das Weise und Unbefleckte Herz Mariens einzutreten und ihr eigenes Lied zu vernehmen: „Mein Sohn, mein Gott, so jung, so klein, so groß und so liebenswert! Wie ich dich anbete, wie ich dich bemitleide! Wie ich dich achte, dich beschütze! Wie ich dich liebe!“

 

Freitag, 19. Dezember 2025

Weihnachtsnovene 2025 – 4. Tag, 19. Dezember

Weihnachten: Eine Nacht der Freude selbst in den

schwierigsten Zeiten


Nähern wir uns in dieser heiligen Nacht der Heiligen Krippe und versuchen wir in unseren Seelen das größtmögliche Vermögen an Andacht, an Vertrauen und an Freude zu finden. Die Weihnachtsnacht ist eine Nacht der Freude, und so wird es bis zum Ende der Welt bleiben, selbst in den schwierigsten Zeiten der Kirche.

Denken wir nur, in den Katakomben Roms, im alten Rom, wurde die Weihnachtsnacht mit dem Echo des Engelsgesangs vom Himmel gefeiert: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.“

Am nächsten Tag funktionierte vielleicht der „Circo maximo“, wo die Märtyrer von wilden Tieren verschlungen wurden. Doch Friede, Friede, Friede: Jenseits der Qualen erwartet uns im Himmel!

Es geht nicht mehr nur darum, in die Vergangenheit zu blicken, sondern in die Zukunft. Dieser Blick in die Zukunft bedeutet, unsere Überlegungen durch die Botschaften gnadenvoller und inspirierter Stimmen zu erhellen.

Wir wissen, was die Muttergottes in Fatima dazu sagte, wir wissen, was sie über die Strafen sagte, die diese Welt erwarten, wenn sie sich nicht bessert und sich Ihr nicht genau so weiht, wie Sie es angedeutet hat.

Es ist bedauerlich, aber wahr: Die Zeichen mehren sich, dass diese Weihe nicht stattfinden wird, dass die Änderung der Sitten nicht erfolgen wird und dass wir uns daher langsam dem explosiven Grund des Abgrunds nähern, in den wir seit 1917 unaufhörlich hinabsteigen, als die Muttergottes, von Portugal aus in der Cova da Iria zur Welt sprechend, ihre prophetische Verkündigung machte.

Wir wissen auch, was der heilige Ludwig Maria Grignion von Montfort sagt, nicht über das Chaos, sondern über das Reich Mariens, über dieses Reich, das ein Reich der Herrlichkeit, der Tugend und des Glanzes sein wird. Dass die Heiligen, die zu jener Zeit kommen werden, eine größere spirituelle Vollkommenheit besitzen werden als die Heiligen der Vergangenheit, so sehr, dass die ersten, die kommen werden, mit denen verglichen werden, die gekommen sind und die in den Augen der Menschen mit den Zedern des Libanon verglichen wurden, im Vergleich zu den ersten wie Grashalme erscheinen.

Wir können uns dann vorstellen, welch Großartiges diejenigen erwartet, die die gegenwärtigen Wirren durchstehen, wir können uns vorstellen, was fast jeder von uns normalerweise sehen wird, wenn wir treu bleiben.

Lasst uns daher die Nöte der Erde betrachten und die Muttergottes, unsere notwendige Mittlerin nach dem Willen Gottes, bitten, die stets von ihm erhört wird. Lasst uns die Muttergottes bitten, gewiss um unsere unmittelbaren Bedürfnisse, die Bedürfnisse eines jeden, geistliche wie irdische – das ist legitim –, aber vor allem lasst uns um die große Gnade der Beharrlichkeit in der Berufung, der Beharrlichkeit in der Tugend bitten, sodass wir alle, wenn die Stunde kommt, in der ein Engel spricht: „Der Kampf ist geschlagen, und, Kinder der Heiligen Jungfrau, Ihr Augenblick ist gekommen“, dort sein mögen mit denen, die die Muttergottes in diesem gesegneten Augenblick unter ihr Banner führen möchte. Möge dies unser Wunsch sein, dem neugeborenen Jesuskind mit unseren innigen Küssen zu Füßen gelegt zu werden, durch die Fürsprache dieser Darstellung Josefs und Marias.