Freitag, 2. Oktober 2026

Fatima und die Hölle

Plinio Corrêa de Oliveira
Heiliger des Tages – 15. Juli 1967

 

* Kommentar zur dritten Erscheinung Unserer Lieben Frau von Fatima: Vision der Hölle


       Die Muttergottes hatte gerade zum Gebet für die Sünder aufgerufen, als die Vision der Hölle erschien. „Während sie diese Worte sprach – für die Sünder, für die Sühne usw.“, berichtet Lucia, „öffnete Unsere Liebe Frau wie in den beiden vorangegangenen Monaten ihre Hände.“

In dieser Geste, die für das Bild Unserer Lieben Frau von der Gnade typisch ist, neigten sich ihre Hände nach unten, und ein Lichtstrahl ging von ihnen aus.

„Der von ihnen ausgesandte Schein schien in die Erde einzudringen, und wir sahen gleichsam ein Feuermeer, in dem Dämonen und Seelen wie durchsichtige, schwarze Glut in menschlicher Gestalt schwebten.“

Es ist wichtig festzuhalten, dass wir wissen – um eine Vorstellung davon zu haben, was dieses Höllenfeuer ist –, dass es sich um ein reales Feuer handelt. Daher muss die modernistische Vorstellung, das Höllenfeuer sei ein symbolischer Ausdruck moralischen Leidens, zurückgewiesen werden. Zwar gibt es in der Hölle moralisches Leiden, und dieses Leiden ist furchtbar. Es ist die Trennung von Gott, es ist ewige Verzweiflung; der Mensch fühlt sich völlig fremd und in einen erschreckenden inneren Konflikt geworfen. Doch neben diesem moralischen Leiden gibt es auch physisches Leiden, das die Seele trifft. Es gibt wirkliches Feuer in der Hölle, ein wahres Feuer, und dieses Feuer verbrennt die Seele.

Man könnte einwenden: „Aber ich verstehe nicht, wie eine spirituelle Seele vom Feuer verbrannt werden kann.“ Das ist ganz einfach zu verstehen: Ist die spirituelle Seele nicht mit dem Körper verbunden? Ist sie daher nicht mit etwas Materiellem verbunden? Wenn sie mit Materie verbunden ist, warum kann sie dann nicht von etwas Materiellem verbrannt werden? Es ist offensichtlich!

Der heilige Alfons von Liguori sagt über dieses Feuer: Es ist so furchtbar, dass die schlimmste Flamme der Welt im Vergleich schwach erscheint, so wie eine Flamme auf einem Gemälde im Vergleich zu einer echten Flamme auf Erden schwach brennt. Daraus folgt: Die schlimmsten Feuer, die man hier sieht, sind nicht so schrecklich wie die Hölle.

Es ist eine sehr gute Meditation. Deshalb wollte die Muttergottes, dass dieses Feuer heute den Sündern gezeigt wird. Wenn ich eine besonders eindrucksvolle Flamme sehe, denke ich gewöhnlich an die Hölle, und das tut mir gut. Wenn ich zum Beispiel nach Santos gehe und den Schornstein von Cubatão sehe, aus dem diese beeindruckende Flamme schlägt, denke ich gern ein wenig an die Hölle. Dieses Feuer ist für mich bereitet, es ist für jeden von euch bereitet, wenn wir nicht gläubig sind.

Die heilige Teresa von Ávila hatte die Gnade, den Platz in der Hölle zu sehen, der ihr für den Fall ihrer ihre Untreue bestimmt war. Und es war ein gewaltiger Ort, wie eine Art Ofennische, ein Grab, in das sie zusammengekrümmt eintreten und für alle Ewigkeit zusammengekrümmt bleiben sollte, zusammen mit ihrem Körper, wenn die Auferstehung der Toten stattfand. Und es ist gut, zum Beispiel, wenn wir an diesen Straßen vorbeigehen, die gerade repariert werden und in denen Teer in kleinen Töpfen brennt, und wir sehen, wie das Feuer wie Teerregen herausströmt, dann ist es interessant zu denken: „Wenn ich die ganze Nacht mit nur einem brennenden Finger hier verbringen müsste, würde ich vielleicht vor Verzweiflung und Schmerz tot aufwachen!“ Und das bei einem Feuer, das winzig ist im Vergleich zum Höllenfeuer.

Das Höllenfeuer ist furchtbar und währt in alle Ewigkeit. Darüber sollte man nachdenken! „Betrachte die letzten Dinge, und du wirst in Ewigkeit nicht sündigen.“ Die letzten Dinge sind: Tod, Gericht, Hölle und Paradies. Wir müssen über diese vier Wahrheiten nachdenken, sie alle sind für uns notwendig, und hier sehen wir, wie die Muttergottes zur Meditation über die Hölle anregt.

Und dann heißt es weiter: „Ein Meer aus Feuer, eingetaucht in dieses Feuer des Schreckens und der Finsternis“ die Gestalten, „die im Feuer schwebten, getragen von den Flammen, die aus ihnen selbst hervorkamen …“

Sehen Sie sich das an, wie furchtbar das ist: sie werden von Flammen bewegt, die aus ihrem Inneren hervorgehen. Sie brennen so heftig, dass Flammen aus ihnen herausschießen! Das ist etwas anderes als ein Brennen von außen nach innen. Es ist ein Feuer in ihren eigenen Eingeweiden, das entsetzlich brennt und nichts verzehrt, und sie bewegen sich, angetrieben von dieser Hitze. Seht die Qual, die dies darstellt.

„…zusammen mit Rauchwolken, die nach allen Seiten herabfielen…“ Stellen Sie sich eine Krankheit vor, bei der ein Mensch Rauchwolken und Flammen ausstößt und dann zwischen den Flammen taumelt und umhergeht. Können Sie sich die Angst vorstellen, die diese Seuche auslösen würde? Gäbe es eine Pille, die diese Krankheit verhindern könnte, wie gut wäre das Geschäft damit, und jeder würde sie kaufen wollen! Aber sehen Sie, wie wir sind: Der Mensch ist so blind, dass er sich nicht vor dem schlimmsten Leiden in alle Ewigkeit fürchtet.

Doch diese Vision war ein Geschenk der Muttergottes. Wenn die Muttergottes diese Vision schenken wollte, dann wollte sie, dass sie sich ereignet, zum Wohl unserer Seelen. Wir müssen dies wertschätzen und Punkt für Punkt darüber nachdenken, denn das hilft uns und bringt uns Ihr näher. Und für den verhärteten Sünder, der von der Betrachtung der Hölle bewegt wird. Die Kinder der Revolution sind per Definition verhärtet, und ohne die Betrachtung der Hölle werden sie nicht gerettet. Deshalb müssen wir diese Perspektive einnehmen und Punkt für Punkt darüber nachdenken, indem wir die Muttergottes um die Tugend der Gottesfurcht bitten.

Vor einiger Zeit sagte mir ein Arzt, dass man nicht lange krank gewesen sein muss, um zu sterben. Es gibt gewisse Krankheiten, die einen von einem Moment auf den anderen befallen und tödlich sind. Das ist kein Herzinfarkt. Ein Herzinfarkt hat mehr oder weniger nahe oder ferne Ursachen; er tritt plötzlich auf, hat aber eine lange Entstehungsgeschichte im Organismus. Es gibt eine Krankheit namens Embolie – dabei löst sich ein Partikel irgendwo im Körper –, die einen Menschen sofort tötet. Und das passiert von einem Moment auf den anderen; es kann jeden von uns treffen. Wer weiß, ob einer von uns morgen tot aufwacht? Wer von uns weiß, ob wir noch leben, wenn wir aufstehen? Ein bekanntes Geschehen: Der und der ist gestorben! Sie klopften an die Tür, er öffnete nicht. Das Dienstmädchen wurde nervös, rief den Vater, rief die Mutter … sie gingen hinein, er war tot! Es ist nicht unmöglich!

Also: „…unter verzweifelten Schreien, die uns entsetzten und mit Schrecken erfüllten, erschienen die Dämonen als widerliche Gestalten furchterregender, unbekannter Tiere, durchsichtig wie schwarze Kohlen in der Glut.“

Ich habe euch ja schon erzählt, wie widerlich es ist, eine Raupe oder ein ähnliches Tier zu zerquetschen. Ein abscheulicher Schleim tritt dabei aus. Davor hat man Angst. Stellt euch einen Menschen vor, der die Ewigkeit gebadet im widerlichen Saft einer Raupe verbringen müsste! Was für ein schrecklicher Anblick! Doch das ist weniger widerlich als der Teufel selbst, denn der Teufel ist widerlich, schmutzig, entstellt und in jeder Hinsicht monströs. Und es ist dieser Feind, der uns anzieht, und wegen so vieler „Barabbasse“ ziehen wir ihn unserem Herrn Jesus Christus vor.

Die Muttergottes sagte zu Lucia: ‚Ihr habt die Hölle gesehen, wohin die Seelen der armen Sünder gehen. Um sie zu retten, möchte Gott die Verehrung meines Unbefleckten Herzens in der Welt verbreiten.“

Wenn wir gerettet also werden wollen, ist die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens unerlässlich.

„Wenn ihr tut, was ich euch sage, werden viele Seelen gerettet werden und es wird Frieden herrschen… Der Krieg wird enden“ usw.

Der Rest hier ist nicht von besonderem Interesse. Ich lenke die Aufmerksamkeit auf die Muttergottes – so scheint es in der Erscheinung von Fatima –, die der Verehrung ihres Unbefleckten Herzens besondere Bedeutung beimaß, eine in der Kirche relativ wenig bekannte Verehrung.


Diese Verehrung ist in der Kirche nicht sehr verbreitet. Genauer gesagt, stammt sie aus dem 16. Jahrhundert. Sie ist also eines jener Gnadenwunder, die die Muttergottes für diese Zeit der Bedrängnis aufbewahrt hat. Und sie weist insbesondere darauf hin, dass wir uns der Verehrung ihres Unbefleckten Herzens widmen sollen, um uns von unseren Sünden und insbesondere von der Sünde der Revolution und ihren Wurzeln, nämlich Stolz und Unreinheit, zu erlösen.

Wer den Dämon des Stolzes und der Unreinheit besiegen will, soll sich dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen und ein kurzes Gebet sprechen, beispielsweise zum Herzen Mariens, ähnlich dem Gebet zum Heiligsten Herzen Jesu. Es gibt dieses wunderschöne kurze Gebet: „O Jesus, sanftmütig und demütig von Herzen, bilde mein Herz nach deinem Herzen“.



Wir können dies zur Muttergottes sagen: „O Maria, sanftmütig und demütig von Herzen, mache unsere Herzen so demütig und kämpferisch wie Deines.“

Oder: „O Maria, kämpferisch und demütig von Herzen, mache unsere Herzen so kämpferisch und demütig wie Deines.“

Und dies scheint mir das schönste Stoßgebet zu sein: „O Unbeflecktes Herz Mariens, du ohne Makel, mache mich so makellos wie Du.“

Das sind Stoßgebete, die den Dämon der Revolution in uns ausrotten.     

 

 

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt.

 


 

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