Plinio Corrêa
de Oliveira
Folha de S. Paulo 29.12.1979
Plötzlich zuckte
ein Blitz. Sein Widerhall prallte von einem Ende zum anderen des Himmels. Auf
der Erde warteten einige Zuschauer, die nicht in der allgemeinen Schläfrigkeit
versunken waren, auf die Konsequenzen. In der dunklen Lethargie aller Seelen
und aller Dinge zeichnete ein Glühwürmchen ohne genaue Richtung einen kurzen
Flug in der Luft nach. Und sonst ist nichts passiert. Nicht einmal ein neuer Blitz
kam aus den Wolken. Kein Vogel, kein Frosch, keine Schlange bewegte sich auf
der Erde. Zumindest für den Moment.
Ich versuche zu
beschreiben, wie ich mich über die Veröffentlichung des Briefes gefühlt habe
den Don Luciano Duarte, Erzbischof von Aracaju und Vizepräsident des höchsten
Gremiums des lateinamerikanischen Episkopats, Celam, an Don Ivo Lorscheiter,
Bischof von Santa Maria und Präsident des höchsten Gremiums des brasilianischen
Episkopats, nämlich der CNBB geschickt hat. Es war ein Blitz am verschmutzten
und bleiernen Himmel im brasilianischen religiösen Leben. Tage später erschien
eine Erklärung von Don Luciano Mendes de Almeida, Weihbischof von São Paulo und
Generalsekretär der CNBB, die wie ein Glühwürmchen durch die Presse blinkte (und
warum nicht signiert von D. Ivo Lorscheiter, dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz?).
Ein kurzer Text, von kleiner Tragweite und ungenauer Richtung. Und dann hörte
alles auf. Wird es weiterhin still bleiben? Bis wann?
In dieser
Unsicherheit kann ich nicht anders, als meine Gedanken auszudrücken.
Laut Vieira ist
„Nein“ das Wort, das am schwersten zu sagen ist. In Gegensatz ist das
dankbarste Wort „Ja“. Ich sage gerne ja. Ich sehne mich nach Ja zu sagen,
zuzustimmen, zu applaudieren. Deshalb verspürte ich, als ich den Brief des
Erzbischofs von Aracaju las, den Drang, ihn anzurufen oder ihm zu schreiben und
„Ja“ zu sagen. Um ihm meine Solidarität zu bekunden. Und das, obwohl mich auf
der doktrinären Ebene ein wichtiger Abschnitt seines Briefes mich einigermaßen
verwirrte. Und wenn es für mich angenehm ist, „Ja“ zu sagen, ist es für mich
eine Freude, es einem Mitglied der Heiligen Hierarchie zu sagen.
Aber der gesunde
Menschenverstand zwang mich zum Schweigen. Ich kenne, Don Luciano Duarte, nur
dem Namen nach. Wird er mich wenigstens nach meinem Namen kennen? Wird er das,
was ich inmitten dieser mephitischen Atmosphäre gesagt und getan habe,
gutheißen? Auf diese Fragen habe ich keine Antwort. Würde sich der Prälat dann
über meine Glückwünsche freuen? Dass weiß ich auch nicht. Schweigen ist Gold...
Allerdings nicht
immer. Denn manchmal ist Reden Mut und Schweigen Feigheit. Und das schwere
Schweigen, in das die Dinge offenbar wieder versunken sind, könnte den Eindruck
erwecken, dass dies auf eine ansteckende allgemeine Lethargie oder eine niedere
opportunistische Berechnung zurückzuführen ist, die ich hier auslasse. Doch hat
mich die allgemeine Lethargie nicht angesteckt, ich fürchte mich nicht außer
vor Gott, und ich war nie ein Opportunist. Ich spreche also.
All das kam mir in
den Sinn, als ich die Erklärung des Bischof Don Luciano aus São Paulo las, der
versuchte, dem Erzbischof Don Luciano von Aracajú eine Antwort zu geben. Diese amtliche
Meldung führte dazu, dass die Situation, wenn sie vor dem „Blitz“ Brief des
Vizepräsidenten von Celam unverständlich war, rätselhafter wird als die Sphinx
von Gizeh, wenn nach der Glühwürmchen-Erklärung(?...) des Generalsekretärs der
CNBB alles zum Stillstand kommt. Und wenn dieses Schweigen anhält, wird es die
Notwendigkeit einer öffentlichen und feierlichen Klarstellung seitens João
Paulo II. schaffen während seines Besuchs, mit dem er Brasilien ehren wird.
Ohne das, was bleibt, werden wir, die brasilianischen Katholiken, in einer
Nacht leben, die so tiefgreifend, so mephitisch, so tödlich ist, dass ich mir,
schlimmer noch, fast nur die letzte Nacht der Geschichte vor dem Ende der Welt
vorstellen kann.
Übertreibung? —
Betrachten wir die Fakten.
Die große Hoffnung
der Kirche für das 21. Jahrhundert ist Lateinamerika, das heißt diese
Unermesslichkeit an Menschen, Land und Reichtum, die sich vom Norden Mexikos
bis zu den eisigen Extremen Patagoniens erstreckt. Alles dort ist katholisch,
zumindest dem Namen und der Absicht nach. Das 21. Jahrhundert wird uns gehören,
wie das 20. Jahrhundert den Vereinigten Staaten und das 19. Jahrhundert dem
kolonialistischen Europa gehörte.
1979 wurde dieser
„Psychokontinent“ vom neuen Papst besucht. Er trifft sich mit den Vertretern
der Episkopate der 22 lateinamerikanischen Nationen und gibt ihnen inmitten von
Gruß- und Zuneigungsworten eine sehr ernste Warnung: Die Befreiungstheologie ist
ein Krebsgeschwür, das sich in den Eingeweiden der iberoamerikanischen
Katholizität eingenistet hat. Und wie jeder Krebs legt er nach und nach Metastasen.
Die neue Schule
bestreitet sogar die Göttlichkeit Jesu Christi. Verbreitet Subversion. Selbst
von Geistlichen propagiert, prägt sie so weit wie möglich einen pastoralen
Ansatz ein, der darauf abzielt, das Handeln der Kirche zu säkularisieren und
das in den Hintergrund zu drängen, was auf der ersten Ebene stehen sollte,
nämlich die Katechese, die moralische Bildung des christlichen Volkes, die
Verteilung der Sakramente, kurz gesagt, das Heil der Seelen. Im Vordergrund
steht der vom Marxismus gewollte Klassenkampf. Der Papst empfiehlt den
Bischöfen, Maßnahmen zu ergreifen. Dann passieren einige Fakten:
a) Am 1. Februar
1979 kehrte Johannes Paul II. nach Rom zurück. Bei ihrem Treffen in Puebla
erarbeiten die Bischöfe ein gemeinsames Dokument und legen es dem Papst vor.
Nachdem dies geschehen war, schlossen sie ihre Sitzung am 13. Februar;
b) Vom 27. bis 31.
März treffen sich autorisierte Vertreter der Bischöfe in Los Teques, Venezuela,
um sich über den von Rom zurückgegebenen Text zu informieren. Dabei gibt es
gewisse Änderungen. Selbstverständlich akzeptiert Celam den geänderten Text;
c) CNBB wird damit
beauftragt, den Text aus Rom in einer einwandfreien einheimischen Übersetzung
zu veröffentlichen. Für diese Verbreitung sind drei Verlage verantwortlich,
denen es jedoch freisteht, dem vom Papst gebilligten Text beliebige Kommentare
voranzustellen:
d) Die dem Buch
beigefügten Kommentare von zwei Herausgebern interpretieren (und kritisieren)
den Text auf eine Weise, die so weit wie möglich mit der gleichen
Befreiungstheologie spielt, die Johannes Paul II. scharf getadelt hat. Sechs
Monate lang fliegen diese Ausgaben durch ganz Brasilien. Und niemand bewegt
sich. Die verschlafene und verschmutzte Atmosphäre lastet mehr denn je auf
Brasilien.
