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Freitag, 18. September 2026

Blitz, Glühwürmchen, Stille

Plinio Corrêa de Oliveira

Folha de S. Paulo 29.12.1979 


   Der Himmel war so bedeckt, so dunkel, dass niemand auf der Erde verstand, wie es sein konnte, dass sich die Wolken bei einem weltweiten Sturm lösten. Die meteorologische Krise lag auf mysteriöse Weise auf Eis. Und diese stabile Instabilität hielt schon so lange an, dass sich im Bewusstsein oder Unterbewusstsein der Menschen der Eindruck bildete, dass die Atmosphäre, erschöpft durch endlose Jahrhunderte von Mutationen und unzählige Verschmutzungen, aufgehört hätte, sich zu verändern.

Plötzlich zuckte ein Blitz. Sein Widerhall prallte von einem Ende zum anderen des Himmels. Auf der Erde warteten einige Zuschauer, die nicht in der allgemeinen Schläfrigkeit versunken waren, auf die Konsequenzen. In der dunklen Lethargie aller Seelen und aller Dinge zeichnete ein Glühwürmchen ohne genaue Richtung einen kurzen Flug in der Luft nach. Und sonst ist nichts passiert. Nicht einmal ein neuer Blitz kam aus den Wolken. Kein Vogel, kein Frosch, keine Schlange bewegte sich auf der Erde. Zumindest für den Moment.

Ich versuche zu beschreiben, wie ich mich über die Veröffentlichung des Briefes gefühlt habe den Don Luciano Duarte, Erzbischof von Aracaju und Vizepräsident des höchsten Gremiums des lateinamerikanischen Episkopats, Celam, an Don Ivo Lorscheiter, Bischof von Santa Maria und Präsident des höchsten Gremiums des brasilianischen Episkopats, nämlich der CNBB geschickt hat. Es war ein Blitz am verschmutzten und bleiernen Himmel im brasilianischen religiösen Leben. Tage später erschien eine Erklärung von Don Luciano Mendes de Almeida, Weihbischof von São Paulo und Generalsekretär der CNBB, die wie ein Glühwürmchen durch die Presse blinkte (und warum nicht signiert von D. Ivo Lorscheiter, dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz?). Ein kurzer Text, von kleiner Tragweite und ungenauer Richtung. Und dann hörte alles auf. Wird es weiterhin still bleiben? Bis wann?

In dieser Unsicherheit kann ich nicht anders, als meine Gedanken auszudrücken.

Laut Vieira ist „Nein“ das Wort, das am schwersten zu sagen ist. In Gegensatz ist das dankbarste Wort „Ja“. Ich sage gerne ja. Ich sehne mich nach Ja zu sagen, zuzustimmen, zu applaudieren. Deshalb verspürte ich, als ich den Brief des Erzbischofs von Aracaju las, den Drang, ihn anzurufen oder ihm zu schreiben und „Ja“ zu sagen. Um ihm meine Solidarität zu bekunden. Und das, obwohl mich auf der doktrinären Ebene ein wichtiger Abschnitt seines Briefes mich einigermaßen verwirrte. Und wenn es für mich angenehm ist, „Ja“ zu sagen, ist es für mich eine Freude, es einem Mitglied der Heiligen Hierarchie zu sagen.

Aber der gesunde Menschenverstand zwang mich zum Schweigen. Ich kenne, Don Luciano Duarte, nur dem Namen nach. Wird er mich wenigstens nach meinem Namen kennen? Wird er das, was ich inmitten dieser mephitischen Atmosphäre gesagt und getan habe, gutheißen? Auf diese Fragen habe ich keine Antwort. Würde sich der Prälat dann über meine Glückwünsche freuen? Dass weiß ich auch nicht. Schweigen ist Gold...

Allerdings nicht immer. Denn manchmal ist Reden Mut und Schweigen Feigheit. Und das schwere Schweigen, in das die Dinge offenbar wieder versunken sind, könnte den Eindruck erwecken, dass dies auf eine ansteckende allgemeine Lethargie oder eine niedere opportunistische Berechnung zurückzuführen ist, die ich hier auslasse. Doch hat mich die allgemeine Lethargie nicht angesteckt, ich fürchte mich nicht außer vor Gott, und ich war nie ein Opportunist. Ich spreche also.

All das kam mir in den Sinn, als ich die Erklärung des Bischof Don Luciano aus São Paulo las, der versuchte, dem Erzbischof Don Luciano von Aracajú eine Antwort zu geben. Diese amtliche Meldung führte dazu, dass die Situation, wenn sie vor dem „Blitz“ Brief des Vizepräsidenten von Celam unverständlich war, rätselhafter wird als die Sphinx von Gizeh, wenn nach der Glühwürmchen-Erklärung(?...) des Generalsekretärs der CNBB alles zum Stillstand kommt. Und wenn dieses Schweigen anhält, wird es die Notwendigkeit einer öffentlichen und feierlichen Klarstellung seitens João Paulo II. schaffen während seines Besuchs, mit dem er Brasilien ehren wird. Ohne das, was bleibt, werden wir, die brasilianischen Katholiken, in einer Nacht leben, die so tiefgreifend, so mephitisch, so tödlich ist, dass ich mir, schlimmer noch, fast nur die letzte Nacht der Geschichte vor dem Ende der Welt vorstellen kann.

Übertreibung? — Betrachten wir die Fakten.

Die große Hoffnung der Kirche für das 21. Jahrhundert ist Lateinamerika, das heißt diese Unermesslichkeit an Menschen, Land und Reichtum, die sich vom Norden Mexikos bis zu den eisigen Extremen Patagoniens erstreckt. Alles dort ist katholisch, zumindest dem Namen und der Absicht nach. Das 21. Jahrhundert wird uns gehören, wie das 20. Jahrhundert den Vereinigten Staaten und das 19. Jahrhundert dem kolonialistischen Europa gehörte.

1979 wurde dieser „Psychokontinent“ vom neuen Papst besucht. Er trifft sich mit den Vertretern der Episkopate der 22 lateinamerikanischen Nationen und gibt ihnen inmitten von Gruß- und Zuneigungsworten eine sehr ernste Warnung: Die Befreiungstheologie ist ein Krebsgeschwür, das sich in den Eingeweiden der iberoamerikanischen Katholizität eingenistet hat. Und wie jeder Krebs legt er nach und nach Metastasen.

Die neue Schule bestreitet sogar die Göttlichkeit Jesu Christi. Verbreitet Subversion. Selbst von Geistlichen propagiert, prägt sie so weit wie möglich einen pastoralen Ansatz ein, der darauf abzielt, das Handeln der Kirche zu säkularisieren und das in den Hintergrund zu drängen, was auf der ersten Ebene stehen sollte, nämlich die Katechese, die moralische Bildung des christlichen Volkes, die Verteilung der Sakramente, kurz gesagt, das Heil der Seelen. Im Vordergrund steht der vom Marxismus gewollte Klassenkampf. Der Papst empfiehlt den Bischöfen, Maßnahmen zu ergreifen. Dann passieren einige Fakten:

a) Am 1. Februar 1979 kehrte Johannes Paul II. nach Rom zurück. Bei ihrem Treffen in Puebla erarbeiten die Bischöfe ein gemeinsames Dokument und legen es dem Papst vor. Nachdem dies geschehen war, schlossen sie ihre Sitzung am 13. Februar;

b) Vom 27. bis 31. März treffen sich autorisierte Vertreter der Bischöfe in Los Teques, Venezuela, um sich über den von Rom zurückgegebenen Text zu informieren. Dabei gibt es gewisse Änderungen. Selbstverständlich akzeptiert Celam den geänderten Text;

c) CNBB wird damit beauftragt, den Text aus Rom in einer einwandfreien einheimischen Übersetzung zu veröffentlichen. Für diese Verbreitung sind drei Verlage verantwortlich, denen es jedoch freisteht, dem vom Papst gebilligten Text beliebige Kommentare voranzustellen:

d) Die dem Buch beigefügten Kommentare von zwei Herausgebern interpretieren (und kritisieren) den Text auf eine Weise, die so weit wie möglich mit der gleichen Befreiungstheologie spielt, die Johannes Paul II. scharf getadelt hat. Sechs Monate lang fliegen diese Ausgaben durch ganz Brasilien. Und niemand bewegt sich. Die verschlafene und verschmutzte Atmosphäre lastet mehr denn je auf Brasilien.