Und noch der Karneval.
Plinio
Corrêa de Oliveira
Aus „Legionário“ 3.3.1935
Es ist bemerkenswert, wie eine Regierung ein bestimmtes
Fest oder eine Zeremonie offiziell anerkennt. Wenn sie diese Maßnahme ergreift,
dann deshalb, weil das Fest, das dadurch national, bundesstaatlich, kommunal
usw. wird, so würdevoll und moralisch erhaben ist, dass es staatliche
Aufmerksamkeit verdient; weil es wesentlich zum Wohlergehen der Bevölkerung
beiträgt, nicht nur zum materiellen, sondern vor allem zum spirituellen, zu
ihrer Bildung und ihrer Weiterentwicklung. So sollte eine solche Maßnahme, die
von der Regierung eines Landes, einer Provinz oder einer Gemeinde ergriffen
wird, von jedem vernünftigen Menschen verstanden werden.
Nun lassen wir die Theorie und gehen zurück zur Realität.
Das Rathaus dieser Hauptstadt hat die Karnevalsfeierlichkeiten in diesem Jahr
offiziell anerkannt und beabsichtigt offenbar, dies auch in den kommenden
Jahren zu tun. Es muss dies also in der Überzeugung getan haben, dass dieses
Fest ein Vorbild an Würde, Ehre und moralischer Erhabenheit ist! Doch es irrte
sich. Und der Beweis für diese Täuschung stammte nicht von einem Reaktionär
oder Menschenfeind, der anderen die Freude missgönnt. Er kam aus der Regierung
selbst, der der Bürgermeister angehört.
Zuallererst die Stimme der Justiz, der „unbefleckten,
unbestechlichen, ehrlichen und unparteiischen Justiz“, wie die Machthaber es
tausendfach wiederholt haben; und wir stimmen diesen Worten voll und ganz zu.
Dr. Eduardo de Oliveira Cruz, Jugendrichter, erließ eine Anordnung, die
verschiedene Regeln und Verbote für Minderjährige bis 21 Jahre festlegt.
Diese dürfen demnach nur an bestimmten
Karnevalsveranstaltungen teilnehmen und sind von anderen ausgeschlossen, selbst
von offiziell anerkannten! Er ist somit für das gute moralische und materielle
Umfeld junger Menschen verantwortlich, indem er die Karnevalsveranstaltungen in
zwei Gruppen einteilt, von denen eine für unter 21-Jährige nicht zugänglich sind,
da diese sich dadurch einem ernsthaften Schaden für ihre moralische und
körperliche Entwicklung aussetzen würden. Und wohlgemerkt, diese Feiern werden
von der Stadtverwaltung unterstützt!...
Doch Erwachsene können sie bedenkenlos besuchen, so die
Aussage des Rathauses, das sich auf das Jugendgericht beruft und anerkennt,
dass es tatsächlich Karnevalsszenen gibt, die für Kinder und Jugendliche
ungeeignet sind. Dem möchten wir entgegenhalten, dass das, was ein Kind oder
ein Jugendlicher nicht sehen darf, auch für einen Erwachsenen ungeeignet ist.
Aber das nur nebenbei. Erwähnen wir noch einen weiteren kleinen Fehler des
Rathauses. Und zwar die Aufsichtsbehörde für politische und soziale Ordnung,
die die Stadt daran erinnert und die Freiheit der Feiernden einschränkt, denen
das Tragen von Waffen untersagt wird. Sie kündigt außerdem an, „die Häuser, in
denen Karnevalsfeiern stattfinden, verstärkt zu kontrollieren“. Diese Warnung
der genannten Behörde zeigt, dass es überall dort, wo Karneval gefeiert wird, zahlreiche
Gelegenheiten für Konflikte und Straftaten gibt. Es herrscht also kein Frieden,
es herrscht keine Sicherheit, weder moralische noch physische. Und das Rathaus,
das sich völlig geirrt hatte, hätte keine andere Wahl gehabt, als aktiv zum
Glück der Bevölkerung beizutragen, indem es auf die Abschaffung dieses
gefährlichen Festes hinarbeitete, an dem weder Minderjährige noch Erwachsene
teilnehmen durften!...
Doch es tat es nicht. Es zog es vor, den Irrweg
weiterzugehen und den Händlern des Lasters, den Exzessen der Unmoral, freie
Hand zu lassen. Und in einer lebhaften Rückschau werden der Fantasie die
Zivilisationen vor Augen geführt, die im Zerfall der Sitten und der
Materialisierung des Menschen verschwunden sind. Und das „Mane, Tecel,
Phares“ von Belsazars Fest erscheint immer lebendig, unauslöschlich an den
Wänden moderner Feste, wo sie die Erinnerung an die unvergängliche Ewigkeit
sind. Doch gleichzeitig erscheint eine sehr schöne Blüte christlicher
Spiritualität, die die Antwort wahrer Jugend, wahrer Männlichkeit gibt: die
spirituelle Einkehr. Es sind die jungen Männer, die Männer, die den Geist
erheben und das Fleisch bezwingen; Sie werden sich zu Füßen Jesu versammeln,
sie werden über die Ewigkeit meditieren, sie werden ihr inneres Leben in Stille
und Einsamkeit festigen; dies werden die Retirantes* des Karnevals tun, der
heute beginnt.
*) „Retirantes“
sind diejenigen, die an den „Retiros“ (Einkehrtage) teilnehmen, es sind
diejenigen, die sich „zurückziehen“.
Übersetzung von “Ainda o Carnaval” in O
“Legionário” n.º 166, vom 3.3.1935
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