Dienstag, 17. Februar 2026

Und noch der Karneval.


Plinio Corrêa de Oliveira
Aus „Legionário“ 3.3.1935

Es ist bemerkenswert, wie eine Regierung ein bestimmtes Fest oder eine Zeremonie offiziell anerkennt. Wenn sie diese Maßnahme ergreift, dann deshalb, weil das Fest, das dadurch national, bundesstaatlich, kommunal usw. wird, so würdevoll und moralisch erhaben ist, dass es staatliche Aufmerksamkeit verdient; weil es wesentlich zum Wohlergehen der Bevölkerung beiträgt, nicht nur zum materiellen, sondern vor allem zum spirituellen, zu ihrer Bildung und ihrer Weiterentwicklung. So sollte eine solche Maßnahme, die von der Regierung eines Landes, einer Provinz oder einer Gemeinde ergriffen wird, von jedem vernünftigen Menschen verstanden werden.

Nun lassen wir die Theorie und gehen zurück zur Realität. Das Rathaus dieser Hauptstadt hat die Karnevalsfeierlichkeiten in diesem Jahr offiziell anerkannt und beabsichtigt offenbar, dies auch in den kommenden Jahren zu tun. Es muss dies also in der Überzeugung getan haben, dass dieses Fest ein Vorbild an Würde, Ehre und moralischer Erhabenheit ist! Doch es irrte sich. Und der Beweis für diese Täuschung stammte nicht von einem Reaktionär oder Menschenfeind, der anderen die Freude missgönnt. Er kam aus der Regierung selbst, der der Bürgermeister angehört.

Zuallererst die Stimme der Justiz, der „unbefleckten, unbestechlichen, ehrlichen und unparteiischen Justiz“, wie die Machthaber es tausendfach wiederholt haben; und wir stimmen diesen Worten voll und ganz zu. Dr. Eduardo de Oliveira Cruz, Jugendrichter, erließ eine Anordnung, die verschiedene Regeln und Verbote für Minderjährige bis 21 Jahre festlegt.

Diese dürfen demnach nur an bestimmten Karnevalsveranstaltungen teilnehmen und sind von anderen ausgeschlossen, selbst von offiziell anerkannten! Er ist somit für das gute moralische und materielle Umfeld junger Menschen verantwortlich, indem er die Karnevalsveranstaltungen in zwei Gruppen einteilt, von denen eine für unter 21-Jährige nicht zugänglich sind, da diese sich dadurch einem ernsthaften Schaden für ihre moralische und körperliche Entwicklung aussetzen würden. Und wohlgemerkt, diese Feiern werden von der Stadtverwaltung unterstützt!...

Doch Erwachsene können sie bedenkenlos besuchen, so die Aussage des Rathauses, das sich auf das Jugendgericht beruft und anerkennt, dass es tatsächlich Karnevalsszenen gibt, die für Kinder und Jugendliche ungeeignet sind. Dem möchten wir entgegenhalten, dass das, was ein Kind oder ein Jugendlicher nicht sehen darf, auch für einen Erwachsenen ungeeignet ist. Aber das nur nebenbei. Erwähnen wir noch einen weiteren kleinen Fehler des Rathauses. Und zwar die Aufsichtsbehörde für politische und soziale Ordnung, die die Stadt daran erinnert und die Freiheit der Feiernden einschränkt, denen das Tragen von Waffen untersagt wird. Sie kündigt außerdem an, „die Häuser, in denen Karnevalsfeiern stattfinden, verstärkt zu kontrollieren“. Diese Warnung der genannten Behörde zeigt, dass es überall dort, wo Karneval gefeiert wird, zahlreiche Gelegenheiten für Konflikte und Straftaten gibt. Es herrscht also kein Frieden, es herrscht keine Sicherheit, weder moralische noch physische. Und das Rathaus, das sich völlig geirrt hatte, hätte keine andere Wahl gehabt, als aktiv zum Glück der Bevölkerung beizutragen, indem es auf die Abschaffung dieses gefährlichen Festes hinarbeitete, an dem weder Minderjährige noch Erwachsene teilnehmen durften!...

Doch es tat es nicht. Es zog es vor, den Irrweg weiterzugehen und den Händlern des Lasters, den Exzessen der Unmoral, freie Hand zu lassen. Und in einer lebhaften Rückschau werden der Fantasie die Zivilisationen vor Augen geführt, die im Zerfall der Sitten und der Materialisierung des Menschen verschwunden sind. Und das „Mane, Tecel, Phares“ von Belsazars Fest erscheint immer lebendig, unauslöschlich an den Wänden moderner Feste, wo sie die Erinnerung an die unvergängliche Ewigkeit sind. Doch gleichzeitig erscheint eine sehr schöne Blüte christlicher Spiritualität, die die Antwort wahrer Jugend, wahrer Männlichkeit gibt: die spirituelle Einkehr. Es sind die jungen Männer, die Männer, die den Geist erheben und das Fleisch bezwingen; Sie werden sich zu Füßen Jesu versammeln, sie werden über die Ewigkeit meditieren, sie werden ihr inneres Leben in Stille und Einsamkeit festigen; dies werden die Retirantes* des Karnevals tun, der heute beginnt.

*) „Retirantes“ sind diejenigen, die an den „Retiros“ (Einkehrtage) teilnehmen, es sind diejenigen, die sich „zurückziehen“.

 

Übersetzung von “Ainda o Carnaval” in O “Legionário”   n.º 166, vom 3.3.1935

 

 

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