Freitag, 12. April 2019

Betrachtungen über das Leiden und Sterben Unseres Herrn Jesus Christus - Anmerkungen

Plinio Corrêa de Oliveira



Vorbereitende Anmerkungen

Unser Herr Jesus Christus am Kreuz.
Es reicht nicht, den einzelnen Episoden des Leidensweges Unseres Herrn mit Gefühlen der Zerknirschung zu folgen.
Wenn auch eine echte Frömmigkeit Ergriffenheit hervorbringen kann, besteht Frömmigkeit nicht vor allem aus Hervorrufen von Gefühlen. Echte Frömmigkeit beginnt in einem wohlgeformten Verstand, das heißt, ein Verstand, der im katechetischen Studium und einer genauen Erkenntnis unseres Glaubens geschult worden ist. Die dort erkannten Wahrheiten sollten unser inneres Leben bestimmen. Frömmigkeit ist dem Willen unterordnet. Wir sollten ernsthaft das wünschen, was wir gut kennen. Es ist nicht genug zu wissen, dass Gott vollkommen ist. Wir müssen die Vollkommenheit Gottes lieben und folglich wollen wir eine solche Vollkommenheit für uns selbst begehren. Das ist es, was es bedeutet, Heiligkeit zu begehren.

Etwas „wünschen“ bedeutet nicht, vage und sterile Laune zu fühlen. Wir wünschen nur ernsthaft etwas, wenn wir bereit sind, jedes Opfer zu bringen, um das zu erreichen, was wir wünschen. So wünschen wir nur ernsthaft unsere Heiligung und wachsen in Gott, wenn wir bereit sind, jedes Opfer zu bringen, um dieses höchste Ziel zu erreichen. Ohne diese Bereitschaft ist jeder „Wunsch“ nur eine Illusion und eine Lüge. Wir können uns sehr ergriffen fühlen, wenn wir die Wahrheiten und Geheimnisse der Religion betrachten, aber wenn wir keine ernsthaften und wirkungsvollen Vorsätze von ihnen ableiten, werden diese Geheimnisse unserer Frömmigkeit nicht helfen.
Dies ist besonders der Fall während der Tage der Passion unseres Herrn. Es genügt nicht, den verschiedenen Episoden der Passion mit einem Gefühl der Zerknirschung zu folgen, wenn es auch etwas ausgezeichnet ist, ist es doch unzureichend. In diesen Tagen sollten wir unserem Herrn aufrichtige Beweise unserer Hingabe und Liebe geben. Diese Beweise können durch einen festen Vorsatz gegeben werden, unser Leben zu verändern und für die Kirche zu kämpfen.
Die Kirche ist der mystische Leib Christi. Als unser Herr den heiligen Paulus auf dem Weg nach Damaskus fragte: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Unser Herr sagte ihm, dass er, indem er die junge Kirche verfolgt, ihn selbst, Christus, verfolgt.

Die Kirche verfolgen, ist Jesus Christus verfolgen, und wenn die Kirche heute verfolgt wird, ist es Christus, der verfolgt wird. In gewissem Sinne wiederholt sich die Passion Christi in unseren Tagen.

Einleitung

Der moderne Mensch weiß nicht, wie er mit Leiden fertig werden kann. Oft sehen sogar Christen das Leiden als etwas unter ihrer Würde stehendes an, eine „Verfolgung von dem Bösen“. In unserem katholischen Glauben betrachten wir das Leiden als eine Reinigung und ein starkes Gebet. Wir vereinen unser Leiden mit dem von Unserem Herrn. Wir verstehen es als Geschenk des Vaters, weil öfteres Leiden die Macht hat, das Leben zu verändern. Im Folgenden bringen wir 13 Betrachtungen des Leidens in diesem Sinne. Wir hoffen, sie werden nützlich sein für die Fastenzeit. Wir werden sie in sieben Teilen fortsetzen.

Betrachtungen über das Leiden und den Sterben Unseres Herrn Jesus Christus



Donnerstag, 21. März 2019

Homosexualität in Brasilien

Fernseh-Interview von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira
mit dem Sender SBT am 29. Oktober 1992

1.) Frage: Was ist Ihre Meinung zur Vermehrung der Homosexualität in Brasilien? Glauben Sie, dass sie für die Unversehrtheit der Familie nachteilig sein wird?
Antwort: Was die Stellung der Homosexualität zur Familie in Brasilien betrifft, meine ich, dass es die gleiche ist wie irgendwo auf der Welt.
Da nun die homosexuelle Beziehung per definitionem steril ist, ist es leicht zu verstehen, dass sie die Familie zerstört und daher das Gegenteil und der Feind Nummer eins der Familie ist.
2.) Frage: Meinen Sie, dass das zugenommen hat und somit eine Gefahr für die Familie darstellt, vor allem seit den 70er Jahren?
Antwort: Ich denke, dass in sich die Unfruchtbarkeit des Geschlechtsverkehrs ein Übel ist. Sie kann schuldlos sein, wenn sie auf physiologische Umstände zurückzuführen ist, an die weder der Ehemann noch die Ehefrau Schuld haben. Aber sobald die Ehepartner in gegenseitigem Einvernehmen oder nur einer von ihnen zur Unfruchtbarkeit der Familie beiträgt, so vergehen sich beide oder einer bereits gegen die Familie.
Sie können sich nun vorstellen, was ich von einer sterilen Beziehung definitionsgemäß halte. In der natürlichen Ordnung der Dinge dient der sexuelle Akt durch die Fruchtbarkeit der Ehepartner der Vermehrung der Menschheit. Das Gebot Gottes, unseres Herrn, für die Menschen, als sie auf die Erde gesetzt wurden, lautet: „Vermehret euch und füllet die Erde“. Es ist daher notwendig und auf jeden Fall, dies über die Fruchtbarkeit der sexuellen Beziehung, die nur in der Ehe legitim ist, zu betonen. In der homosexuellen Beziehung gibt es aber keine Ehe und vor allem kann es keine Fruchtbarkeit geben. Dies hat zur Folge, dass sie die natürliche Ordnung der Dinge völlig leugnet und somit der Familie widerspricht.
3.) Frage: Was ist mit der Präsenz von Homosexualität im Fernsehen? Heutzutage sieht man eine Reihe von Filmen, Talkshows usw., in denen sie sehr massiv ist. Glauben Sie, dass dies die Bildung der brasilianischen Kinder und Jugendlichen beeinträchtigen wird?
Antwort: Homosexualität ist seit Jahrhunderten Gegenstand einer echten Abneigung von Seiten der aufeinander folgenden Generationen. Und dies nicht aus einer Laune heraus, nicht aus irgendeiner Modeerscheinung, sondern aufgrund der Grundsätze, die ich gerade dargelegt habe. Es handelt sich hier um die Prinzipien der Morallehre der katholischen Kirche, in Zeiten, in denen der Glaube mit der Pracht seiner Werte das gesamte gesellschaftliche Leben und auch das Familienleben tief und mild imprägnierte. Es ist deshalb verständlich, dass das, was dem Glauben widerspricht, mit Ablehnung gesehen wurde. Und daher auch die Homosexualität.
Damit Sie eine Vorstellung haben können von der Heftigkeit dieser Ablehnung, müssen Sie bedenken, dass nach der katholischen Lehre die Homosexualität unter den wenigen Sünden ist, die als „himmelschreiende“ genannt werden, d.h., Sünden, die nach Vergeltung „zum Himmel schreien“.
Noch vor einigen Tagen stöberte ich in alten Papieren und fand zufällig meinen alten Katechismus aus der Zeit meiner Kindheit. Dort fiel mein Blick unter anderem auf die Stelle, wo die „himmelschreienden Sünden“ aufgelistet sind und eine davon ist gerade diese.
Das heißt, so wie der Brudermord, der bei den Menschen eine moralische Ablehnung erfährt, so auch die Sünde der Sodomiten, wie im Katechismus die Homosexualität genannt wird.
Diese Ablehnung ist andererseits eine Schutzreaktion der Gesellschaft gegen etwas, das sie als gegensätzlich ihrer selbst empfindet. Alles, was lebt, lehnt ab, was es zerstört. Und so, durch eine vergleichbare Empfindung zum Instinkt der Selbsterhaltung, empfanden die von der katholischen Lehre modellierten Gesellschaften eine tiefe Abneigung gegen die Homosexualität.
Mit der fortschreitenden Paganisierung der Sitten, der Ideen usw., die wir im Laufe dieses Jahrhunderts beobachten, die ich beobachtete — ich bin 1908 geboren — begann dies alles an Kraft und an ihre tiefere Bedeutung zu verlieren. Deshalb sehen wir auch wie die Abneigung gegen die Homosexualität ebenfalls verfällt.
Doch vor 20, 30 Jahren wäre diese ständige Präsenz der Homosexualität im Fernsehen, im Theater u. a. m. mit Empörung abgelehnt worden, sie wäre gar nicht möglich gewesen.
Heute, aufgrund der Unterwanderung der Gesellschaft durch eine neuheidnische Geisteshaltung, die die Homosexualität mit Lässigkeit beobachtet, öffnen das Kino und das Fernsehen unter diesen Bedingungen die Tür für den Eintritt dieser tief anti-sozialen Sitte. Das ist etwas, was ich als Brasilianer nur beklagen kann.
Beklagen umso mehr, da wir ja ein kontinentales Territorium haben, das ein prächtiges Geschenk Gottes und sogleich der Geschichte ist.
Dieses Land steht eigentlich nicht im Verhältnis zur Bevölkerung, diese ist zahlenmäßig gering im Vergleich zur Größe des Landes. Und wir müssen es so gut wie möglich bevölkern.
Sie hätten sagen können: „Dafür ist aber doch die Einwanderung da.“
Welche Einwanderung? Die Länder Europas, aus denen früher die Einwanderer - Italiener, Portugiesen, Deutsche usw.-   zu uns kamen und sich mit großen Nutzen für uns hier niederließen, haben heute ein Bevölkerungsproblem wegen der niedrigen Geburtenrate und keine Möglichkeit mehr, Menschen ins Ausland zu schicken.
In Afrika haben die Länder auch noch riesige Weiten, die sie selbst Bevölkern müssen.
Entweder füllt Brasilien durch die Fruchtbarkeit der ehelichen Bünde sein Territorium, oder es werden früher oder später andere Nationen vorbringen, dass ein Teil der Ländereien Brasiliens einem unproduktiven Großgrundbesitz entsprechen. Und dass dieser Teil, der in unseren Händen nicht produktiv ist, an Nationen abgegeben werden muss, die kein Territorium für ihre Bevölkerung besitzen, zum Beispiel Japan. Dann werden wir keine überzeugenden Argumente, um die Siedlungen von Immigranten zu vermeiden, die eigentlich den Brasilianern vorbehalten bleiben sollten.
Ich erwähnte Japan weil es mir gerade zufällig in den Sinn kam.
Ich schätze die japanische Einwanderung sehr, aber als Brasilianer, der sich der eigenen Identität Brasiliens bewusst ist, würde ich nicht wollen, dass nichts von unseren Weiten monopolistisch von irgendeiner anderen Nation besetzt wird. Deshalb bin ich als Brasilianer bestrebt, die Geburtenrate in Brasilien zu steigern und die Ländereien Brasiliens zu füllen.
4.) Frage: Meinen Sie, dass Homosexualität von Nachteil ist für das Wachstum der für das Land so wichtigen Faktor Bevölkerung, oder es gar aufhalten könnte?
Antwort: Wie sollte ich es anderes meinen? Da nun einmal der sexuelle Verkehr unter Homosexuellen steril ist, also keine menschliche Frucht hervorbringt!
Andererseits meine ich, dass die Fruchtbarkeit einer legitimen Ehe und sogar die Fruchtbarkeit rechtswidriger heterosexueller Vereinigungen, die dennoch naturgemäß sind, also die Fruchtbarkeit solcher Bindungen, die Weiten unseres Landes bevölkern könnte.
Die Homosexualität schließt aus diesem fruchtbaren Akt Menschen aus, die aus irgendwelchen praktischen Gründen einen gezwungenermaßen unfruchtbaren Geschlechtsverkehr praktizieren.
5.)Frage: Glauben Sie, dass die Homosexualität die Arbeitsleistung einer Person beeinträchtigt? Oder könnte sie als schlechtes Beispiel angesehen werden im Falle eines homosexuellen Lehrers, der Kinder unterrichtet?
Antwort: Homosexualität wird häufig mit Pädophilie verbunden, das heißt mit Geschlechtsverkehr von Erwachsenen mit Kindern.
Die Pädophilie ist selbstverständlich der Fluch des Unterrichts und wird heute durch die Gesetzgebung zahlreicher Länder geahndet.
Wie sollte man nicht annehmen, dass es ungebührlich ist, wenn ein Lehrer, der sich von einem oder anderem seiner gleichgeschlechtigen Schüler angezogen fühlt, seine Aufmerksamkeit vom Lehrstoff ablenkt und auf ein verabscheuungswürdiges Vorlieben eingeht und damit das Niveau seines Unterrichts erniedrigt?
6.) Frage: Erlaubt die TFP unter gewissen Umständen den Eintritt von Homosexuellen in ihre Reihen?
Antwort: Nein, weil die TFP eine Einrichtung katholischer Inspiration ist. Sie ist keine ordentliche katholische Vereinigung, d. h. sie wurde nicht von der katholischen Hierarchie gegründet, sondern von einer Gruppe von Laien. Und nach kanonischem Recht, da sie nicht durch kirchliche Autorität ins Leben gerufen wurde und tatsächlich nicht von kirchlicher Obrigkeit geleitet wird, ist sie in diesem Sinne eine Laienorganisation, mit katholischer Ausrichtung.
Das heißt, ihr komplettes offizielles Gedankengut ist exakt römisch-apostolisch-katholisch, um mit größter Sorgfalt in allen Details der Kirche treu zu sein.
Von dem, was ich Ihnen über die Positionen der katholischen Morallehre zur Homosexualität gesagt habe, werden Sie erkennen, dass wir uns in unserer Religionsfreiheit verletzt fühlen würden, wenn wir Menschen aufnehmen müssten, die Handlungen ausführen, die unserer Moral, der Morallehre der katholischen Kirche, völlig widersprechen.
7.) Frage: Ihrer Meinung nach werden die Homosexuellen – jetzt unabhängig von der TFP - in der brasilianischen Gesellschaft diskriminiert?
Antwort: Ja, ich glaube, dass die Homosexuellen in der brasilianischen Gesellschaft diskriminiert werden aus dem religiösen Grund, den ich eben erwähnt habe. Wie Sie gut wissen, ist Brasilien ein Spross von Portugal, und Portugal wie Spanien – also die Iberische Halbinsel – war immer ein sehr festes Bollwerk der katholischen Kirche.
Wir haben von unseren portugiesischen Vorfahren die Härte und die Kohärenz des katholischen Glaubens erhalten, welcher die Bräuche Brasiliens der Kolonialzeit, der Zeit des Vereinigten Königreichs, der des Kaiserreichs und der der Republik bis vor nicht langer Zeit modelliert und geprägt hat. Nun, daraus folgt, dass die katholische Abneigung gegen die Homosexualität unsere Sitten durchdrungen hat, dass sie sich zu einer Tradition festgelegt hat und weiterlebt. Daher diese Diskriminierung, die bereits schon viel größer war.
8.) Frage:  Glauben Sie, dass die Homosexualität von der Gesellschaft heute eher angenommen wird als früher?
Antwort: Ja. Meine Antwort ist kein Wortspiel. Ich würde sagen: sie wird weniger abgelehnt.
9.) Frage: Finden Sie das gefährlich?
Antwort: Ja, da es das Aufgeben der sozialen Zensur bedeutet und es sich um eine widernatürliche Gewohnheit handelt.
10.) Was unternimmt die TFP um die Verbreitung der Homosexualität zu verhindern?
Antwort: Die TFP ist zweifellos eine sehr verbreitete Organisation in Brasilien. Und sie ist auch mit 20 Schwestergesellschaften und autonomen Gesellschaften auf fünf Kontinenten verbunden, also praktisch über die ganze Welt verbreitet. Sie ist jedoch eine Gesellschaft mit begrenztem Handlungsvermögen, angesichts der Weite und Komplexität moderner Probleme. Sie kann die Lösung aller modernen Probleme und deren Bekämpfung nicht auf sich nehmen. Sie muss das heute mehr denn je geltende fast übertriebene Prinzip der Spezialisierung anwenden. Und sie hat sich auf bestimmte Themen spezialisiert, unter denen sich nicht die Homosexualität befindet.
Das ist der Grund, warum wir wenig über dieses Thema sprechen.
11.) Frage:  Um zum Schluss das Thema Sterilität noch mal aufzugreifen: Sie sagten, die Homosexualität sei nicht hinnehmbar, weil es sich dabei um eine unfruchtbare sexuelle Beziehung handelt.
Antwort: Ja.
12.) Frage:  Äh, was würden Sie zu einer sexuellen Beziehung eines unfruchtbaren Mannes oder einer unfruchtbaren Frau sagen? Im Vergleich zur homosexuellen Praxis, wäre sie auch nicht abzuraten?
Antwort: Nein, bis dahin gehe ich nicht. Wenn aber etwas unternommen würde, um sie unfruchtbar zu machen, dann wäre sie abzulehnen. Zum Beispiel, eine Operation - von der ich nicht weiß ob sie heute wenig durchgeführt wird -, zur Eileiterverbindung, die verhindert, dass eine Frau Kinder bekommen kann. Das ist sehr verwerflich, denn es handelt sich um einen Eingriff, der künstlich die Unfruchtbarkeit in einen natürlich fruchtbaren Leib einführt.
Verwerflich ist die Tatsache, dass die Unfruchtbarkeit künstlich in das fruchtbare Leben eines Ehepaares eingeführt wird.
13.) Frage:  Wenn Sie jetzt einem jungen Homosexuellen, der homosexuell aktiv ist, einen Rat geben sollten, was würden Sie ihm sagen?
Antwort: Ich unterscheide hier zwischen einem Jugendlichen, der homosexuelle Neigungen hat, aber dem Druck dieser Neigung standhält und sie besiegt, und einem, der vor dieser Neigung kapituliert und dieser Praxis nachgibt.
Handelt es sich um einen Jugendlichen, der über genug Kraft und Selbstbeherrschung verfügt, um seiner Neigung zu widerstehen, würde ich ihm sagen, dass ich ihn respektiere und ihn bewundere. Ich würde Gott auch bitten, ihm weiter zu helfen, um rein zu bleiben und dieser verwerfenden sexuellen Praxis nicht nachzugeben. Sollte er Gelegenheit haben zu heiraten, sollte er heiraten. Ich kann ihn darin nur loben und bestärken. Schluss!
Handelt es sich um einen Jugendlichen, der die Homosexualität auslebt, kann ich nicht unterlassen, in ihm ein Geschöpf Gottes zu sehen. Ich komme nicht umhin, ihm als Gottes Geschöpf sein Wohlergehen zu wünschen und sein Seelenheil. Ich darf es auch nicht unterlassen, ihn als Gottes Geschöpf mit Würde und Respekt zu behandeln. Mit diesen Gefühlen also würde ich ihm folgendes sagen: Mein Lieber, ich verstehe, dass es schwer und gar heroisch für eine Person ist, die die Übung der Reinheit verlassen hat, um sich zu einer Praxis wie diese hinreißen zu lassen, diese aufzugeben. Doch die Erfahrung zeigt, dass es möglich ist, solange du die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen anwendest, um von dieser Praxis nicht mitgeschleift zu werden. Das bedeutet, du solltest dich nicht mit Personen einlassen, die dich zu dieser Praxis einladen, die Orte meiden, in denen sie praktiziert wird, und vor allem deine Blicke und deine Gedanken von Praktiken dieser Art abwenden. Wenn dir das gelingt, hast du schon einen glänzenden Sieg errungen und ich werde dich dann nicht nur beglückwünschen, sondern dich auch ermutigen, ab sofort deinen Kampf weiterzuführen.
Wenn du es vorziehst, diese tatsächlich große aber doch so edle Anstrengung nicht aufzunehmen, um sich den illegitimen Genüssen zu überlassen, nach denen deine ungeregelte Natur lechzt, kann ich nichts anderes als Mitleid haben, im Gebet verharren, damit Gott sich deiner erbarme und du, eines Tages von der Gnade berührt, dich zu besserer Gesinnung erhebst.

Interview mit SBT, 29. Oktober, 1992

Sonntag, 3. März 2019

Leiden Christi, Leiden der Kirche



„Rom“, so schrieb zu Anfang des Jahrhunderts einer der Anführer des Modernismus, „ist nicht an einem einzigen Tag zu zerstören, dennoch aber ist dafür Sorge zu tragen, dass es schrittweise und gefahrlos in Staub und Asche zerfällt; dann werden wir eine neue Religion und neue Gebotstafeln haben.“[1] Wie sollte man in all dem, was danach geschehen ist, nicht den Versuch sehen, diese finstere „Weissagung“ Wirklichkeit werden zu lassen?
Plinio Corrêa de Oliveira hat diesen Zerstörungsprozess in der Kirche wahrgenommen, hat schwer an ihm gelitten und all seine Kräfte darangesetzt, ihn zu bekämpfen, dabei war er jedoch immer fest davon überzeugt, dass es außerhalb der Einheit mit dem Papsttum keine Rettung geben kann. „Äußerste Empfindsamkeit, feinfühlige und lebendige Vibrierfähigkeit der Gläubigen für alles, was die Sicherheit, den Glanz und die Ruhe des römischen Papstes angeht, sind ein Zeichen von und eine Bedingung für geistige Kraft. Nach der Gottesliebe ist dies die höchste Liebe, die uns die Religion lehrt. (...) Ubi Petrus, ibi Ecclesia – wo der heilige Petrus ist, da ist die Kirche. So eng ist die katholische Kirche an den Stuhl Petri gebunden, dass es da, wo die Zustimmung des Papstes fehlt, keinen Katholizismus gibt. Der wahre Gläubige weiß, dass der Papst die ganze katholische Kirche in sich zusammenfasst und enthält, und zwar auf so reelle und unauflösliche Weise, dass selbst unter der absurden Annahme, alle Bischöfe der Erde, alle Priester und alle Gläubigen würden dem Papst den Rücken kehren, die wahren Katholiken sich doch um ihn scharen würden. Denn alles, was es in der Kirche an Heiligkeit, Autorität, übernatürlicher Tugend gibt, all dies, aber wirklich alles ohne Ausnahme oder Bedingung, ohne Einschränkung, ist dem Stuhl Petri untergeordnet, von ihm bedingt, abhängig von der Einheit mit ihm. Die heiligsten Traditionen, die vortrefflichsten Menschen, alles schließlich, was am echtesten und besten den Katholizismus ausdrücken und die Kirche schmücken kann, all das wird null und nichtig, verflucht, unfruchtbar, des ewigen Feuers und des Zornes Gottes würdig, wenn es sich vom Papst in Rom trennt.“[2]

Plinio Corrêa de Oliveira wird bis zum Ende stets diese Liebe zum Papsttum hoch halten:
„Heute stehe ich nicht mit der Begeisterung meiner Jugendzeit vor dem Heiligen Stuhl. Noch viel, viel größer ist heute meine Begeisterung. Denn in dem Maße, in dem ich lebe, denke, Erfahrung sammle, verstehe und liebe ich mehr den Papst und das Papsttum.“[3]
Die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist die fortschreitende Aufdeckung einer Tragödie. Im Mittelpunkt des Dramas befindet sich die heilige katholische Kirche, scheinbar überspült von den Wogen eines schrecklichen Sturmes, und dennoch wundersam erhalten durch das unfehlbare Versprechen ihres göttlichen Gründers. In dieser Tragödie sah Plinio Corrêa de Oliveira das Leiden der Kirche, einen Widerschein des Leidens unseres Herrn Jesus Christus in der Geschichte.
„Wie viele leben in der Einheit der Kirche diesen Moment, der so tragisch ist, wie das Leiden des Herrn tragisch war, diesen entscheidenden Moment de Geschichte, in dem die ganze Menschheit angehalten ist, sich für Christus oder gegen Christus zu entscheiden.“
Der Kirche hatte er sein Leben gewidmet[4] und ihr hat er sich mit dem Großmut einer Veronika zur Verfügung gestellt.

„Im Schweißtuch erscheint die Darstellung des göttlichen Antlitzes wie auf einem Bild. In der heiligen, katholischen, apostolischen, römischen Kirche erscheint es wie in einem Spiegel.
In ihren Einrichtungen, in ihrer Lehre, in ihren Gesetzen, in ihrer Einheit, in ihrer Universalität, in ihrer unübertrefflichen Katholizität ist die Kirche wahrhaft ein Spiegel, in dem sich unser göttlicher Heiland reflektiert. Mehr noch, sie ist der mystische Leib Christi selbst.
Und wir, wir alle, besitzen die Gnade, zur Kirche zu gehören, lebendige Steine der Kirche zu sein!
Wie dankbar müssen wir für diesen Gefallen sein! Vergessen wir aber nie, dass noblesse oblige. Zur Kirche zu gehören ist etwas sehr Hohes und Beschwerliches. Wir müssen denken, wie dir Kirche denkt, handeln, wie die Kirche will, dass  wir in allen Umständen unseres Lebens vorgehen. Das aber setzt einen wirklich katholischen Sinn voraus, eine authentische Reinheit der Sitten, eine tiefe und ehrliche Frömmigkeit. Es gibt Zeiten, in der es das Opfer einer ganzen Existenz verlangt.
Und welches ist der Preis? Christianus alter Christus. Ich will auf vortreffliche Weise eine Nachbildung von Christus selbst sein. Die Ähnlichkeit mit Christus wird sich meiner eigenen Seele lebendig und heilig einprägen.“[5]



[1] George TYRREL, Lettres à Henri Brémond, Aubier, Paris 1971, S. 287.
[2] Plinio CORRÊA DE OLIVEIRA, „A guerra e o Corpo Místico“, in O Legionário Nr. 610 (16. April 1944).
[3] Plinio CORRÊA DE OLIVEIRA, „A perfeita alegria“, in Folha de S. Paulo, 12. Juli 1970.
[4] In der Nacht des 1. Februar 1975 bot Plinio Corrêa de Oliveira bei einer Besprechung mit Mitgliedern der Vereinigung heldenmütig Unserer Lieben Frau das Opfer an, für die TFP im Dienste der Kirche zu leiden. Nur 36 Stunden später erlitt er einen schweren Verkehrsunfall auf der Straße nach Jundiaí. Die schwerwiegdenden Folgen dieses Unfalls haben ihn bis zu seinem Lebensende begleitet. Zwanzig Jahre lang hat er dieses Kreuz männlich und tapfer getragen.
[5] Plinio CORRÊA DE OLIVEIRA, Via Sacra, II, a.a.O., IV. Station.




Quelle: Roberto de Mattei: „Der Kreuzritter des 20. Jahrhunderts: Plinio Corrêa de Oliveira. TFP-Büro Deutschland und DVCK e.V., Frankfurt, 2004, Kapitel VI, Abschnitt 14, SS 272-274.

Freitag, 22. Februar 2019

Die Kathedra Petri




Kathedra des heiligen Petrus: ein Fest, an dem der Papst als Lehrer gefeiert wird; an dem das Papsttum gefeiert wird, im Besitz eines unfehlbaren Stuhls, mit dem es die Welt anspricht und wahrhaftig unfehlbar ist. Es ist also die Feier der Unfehlbarkeit des Papstes, durch die das Papsttum (in Glaubens- und Sittenfragen) niemals irrt.
Sie wissen, dass Papst Pius IX., der ein großer Papst war,— von dem wir eine indirekte Reliquie haben, die ein Teilchen seines Sarges ist, und dessen Heiligsprechungsprozess eingeführt wurde —, Papst Pius IX. war in der ersten Zeit seines Pontifikats eher sehr liberal. Nicht, dass er in seinen Dokumenten einen doktrinären Fehler des Liberalismus begangen hätte, aber er nahm eine Reihe von meist extrem liberalen Maßnahmen.
So wollten, im geteilten, pittoresken, vorteilhaften und effizienten Italien jener Zeit der kleinen Königreiche, Fürstentümer und freier Städte, diejenigen, die nach einer Vereinigung Italiens strebten, einen revolutionären Schlachtruf für die Straßen haben, um die Anarchisten und die Anhänger der Sekte des Mazzini zum gemeinsamen Kampf anzulocken. Zum Anlass der Wahl Pius IX. verbreiteten sie überall den Ruf, „Viva Pio IX“ (Es lebe Pius IX.). Mit diesem Ruf rekrutierten sie auf den Straßen die Lazzaroni, die Schamlosen, die Revolutionäre, Mitglieder der Mafia, der Camorra und alles andere aus dem Untergrund der Gesellschaft, für den Kampf gegen jene kleinen Throne, deren Verschwinden wir heute noch bedauern.
In dieser schwierigen Situation, in der ein Papst schließlich ein Symbol der Revolution war, lebte ein großer Heiliger, Don Bosco. Der Ruf, „Viva Pio IX“, der Revolutionäre drang auch in die Schulen des hl. Don Bosco ein. So erschall dieser Ruf der Revolte hier und da mitten im Schulhof.
Dagegen fiel Don Bosco eine Lösung ein: Er Verbot den Schülern, „Viva Pio IX“ zu rufen. Er — ein Heiliger ... — befahl ihnen, sie sollten „Viva il Papa“ (Es lebe der Papst) rufen. Es war ein souverän intelligenter Ausweg. Weil „es lebe der Papst“, sollten wir immer rufen. Nur den Umständen entsprechend sollte der Name des Papstes genannt werden. Diese Begebenheit ist im Heiligsprechungsprozess des Don Bosco registriert, und hinderte nicht ihn im Verzeichnis der Heiligen aufzunehmen, und dass seine Arbeit von der Vorsehung in jeder Hinsicht gesegnet wurde.
Der Grund dieser Haltung ist eine sehr wichtige Unterscheidung: die Unterscheidung zwischen Papst und Papsttum; zwischen der Person des Papstes, die der menschlichen Barmherzigkeit unterworfen ist, aber auch Fehlern in allen Maßen unterliegt, die nicht durch die Unfehlbarkeit garantiert sind, und andererseits der Institution, die sich von der Person völlig unterscheidet. Und wenn es stimmt, dass man ab und zu ruft: Es lebe dieser oder jener, und man manchmal still bleibt, manchmal weint, aber immer betet, gibt es einen Ruf, den wir immer laut rufen sollten, und der ist: „Es lebe der Papst!“, „es lebe das Papsttum!“
Aus diesem Grund ist das Fest, das wir heute feiern, das Fest des Stuhls des hl. Petrus, der Kathedra Petri, ein äußerst zeitgemäßes Fest, denn es feiert den Papst als Lehrer, es feiert das Papsttum als Inhaber eines unfehlbaren Lehrstuhls, der sich an die Welt wendet und tatsächlich unfehlbar ist. Und deshalb ist die Unfehlbarkeit des Papstes, die Orthodoxie, sozusagen das, wodurch das Papsttum nie Irren kann. Und das ist der Gegenstand der heutigen Zeremonie.

Wir wissen, dass von dem Peterstuhl fast alles erhalten geblieben ist, und dieser Stuhl wird in der Peterskirche in Rom aufbewahrt. In der Apsis, wo die Gloria Berninis ist, befindet sich ein Bronzestuhl. Dieser Stuhl ist hohl und von Zeit zu Zeit wird er geöffnet, und ein kleiner Holzschemel gezeigt, von dem ich das Foto gesehen habe, und der als der Thron des hl. Petrus angesehen wird.
Das Fest der Kathedra Petri bezieht sich auf diesen „Thron“, es hat aber viel mehr im Sinn als diesen Thron angesichts der Tatsache, dass Rom der Sitz des hl. Petrus ist, und der Tatsache, dass unser Herr Jesus Christus dem Petrus einst den Charakter der Unfehlbarkeit zugeteilt hat, und der Tatsache, dass dieser unfehlbare Lehrstuhl die Heilige Apostolische und Römisch-Katholische Kirche regiert. Dies ist, was heute gefeiert wird.
Im Petersdoms gibt es im Mittelschiff eine Monument aus dunklem Material (Bronze), das den hl. Petrus als Papst darstellt mit den Schlüsseln in der Hand, auf einem Thron sitzend. Seine Füße sind genau in der Höhe des Mundes des Betrachters, so dass sie leicht mit einem Kuss verehrt werden können. Und alle Pilger, die nach Rom kommen, gehen hier vorbei und küssen den Fuß des hl. Petrus. Das Ergebnis ist, dass mit dem tausend und tausend Mal wiederholten Kuss sogar der Fuß des heiligen Petrus abgenutzt ist. Ich denke, es ist das einzige Beispiel in der Geschichte, in dem Küsse Bronze abnutzen.
Der etwas vorgerückte Fuß, der geküsst wird, ist abgenutzt und geglättet. Und was noch schöner ist, ist, dass am Fest des hl. Petrus diese Figur mit den päpstlichen Ornamenten bekleidet wird. Sie hat also eine Tiara, sie ist gekleidet, als wäre sie ein lebender Papst, um auf die großartige und offensichtliche Solidarität und Kontinuität hinzuweisen, die vom hl. Petrus bis zum Papst unserer Tage geht.
Was sollen wir heute machen? Im Geiste den Fuß dieses Bildes küssen. Das heißt, im Geiste das Papsttum, im Geiste dieses Prinzip der Weisheit oder der Unfehlbarkeit der Autorität küssen, das die katholische Kirche regiert. Und durch die Muttergottes, Unserem Herrn Jesus Christus für die Einsetzung dieser Unfehlbarkeit dieses Stuhls zu danken, der in der Tat die (tragende) Säule der Welt ist. Denn wenn es keine Unfehlbarkeit gäbe, wäre die Welt völlig verloren, die Kirche wäre zerbrochen und mit ihr wäre die Welt verloren, wie auch der Weg zum Himmel. Denn die Menschen würden den Weg in den Himmel nicht finden, wenn es keine unfehlbar regierende Autorität gäbe.
Doch eine Sache, an die wir uns erinnern müssen, ist folgende: Die Treue zum Stuhl ist unter allen Umständen nicht zu verwechseln mit der bedingungslosen Akzeptanz dessen, was die Person tut. Unser Herr Jesus Christus unterscheidet zwischen dem Stuhl und der Person. Obwohl der Papst der Meister selbst ist und die Macht des Stuhls in ihm wohnt, ist nicht alles in ihm Stuhl, und wir können uns die Kirche nicht vorstellen, wie sie von unserem Herrn Jesus Christus nicht gemacht wurde. Die Kirche wurde von unserem Herrn Jesus Christus auf diese Weise geschaffen.
Deshalb muss unsere höchste Treue zur Kathedra Petri wie folgt sein: Wenn ein Lehrmeister wie Pius IX. etwas tut, was die Kathedra nicht gelehrt hat, mit wem sollen wir bleiben? Mit dem Stuhl oder mit dem Lehrmeister? Mit dem Stuhl, bis zum Tod, mit der Gewissheit, dass der Stuhl nie den Meister verlässt; der Meister aber kann manchmal den Stuhl verlassen. Und deshalb kann man keine abstrakte Treue zum Papsttum haben, die keine konkrete Treue zum gegenwärtigen Papst ist, in jedem Maß, in dem er unfehlbar ist und die Macht hat, die katholische Kirche zu leiten und zu regieren.

Plinio Correa de Oliveira, Vortrag „Heiliger des Tages“ am 22. Februar 1964.

Freie Übersetzung aus dem Portugiesischen. Der Originaltext ist die Abschrift einer Aufzeichnung, wurde vom Urheber nicht revidiert.

Bild: https://www.flickr.com/photos/paullew/5467740334/

Donnerstag, 21. Februar 2019

Der väterliche Charakter der traditionellen Monarchie



Der Empfang für Franz I. in Wien nach dem Abzug der napoleonischen Truppen
  
   Der väterliche Charakter der mittelalterlichen Monarchie wurde weitgehend von den Herrschern des Hauses Habsburg bis zu ihrem Thronverlust im Jahre 1918 bewahrt.
   Der Herzlichkeit dieses Charakters verleiht die Rede deutlichen Ausdruck, die der Bürgermeister von Wien gehalten hat, als er kurz nach der Niederlage bei Wagram (1809) Kaiser Franz I. empfing.
   Für einen modernen Leser, der vom Geiste des Klassenkampfes durchdrungen ist, könnte diese Rede eher einem Märchenbuch entstammen, als einem geschichtlichen Ereignis.
  

Einzug des Kaisers Franz II./I. in Wien am 16. Juni 1814 nach dem Pariser Frieden



 
 »Die Anhänglichkeit [der Wiener] zeigte sich am feurigsten beim Empfang des Kaisers Franz I. nach dem verheerenden Krieg, beim Abzug der Franzosen aus Wien 20. November 1809, nach einem drückenden Aufenthalt im Lande von sechs Monaten und sieben Tagen. ...Der Wortlaut dieser Rede wird von einem unbestreitbar korrekten Berichterstatter, dem Historiker Prof. Dr. Johann Baptist von Weiß (1820-1899) wiedergegeben:

   Am 16. November zogen österreichische Truppen wieder in Wien ein, am 27. November kam der Kaiser um vier Uhr nachmittags. Schon am frühen Morgen zogen Tausende und Tausende hinaus gegen Simmering, den geliebten Kaiser zu empfangen. Ganz Wien war auf den Beinen, Kopf an Kopf harrten sie wie Kinder auf den Anblick des teuren Vaters. Endlich um vier Uhr erschien er ohne jede Leibwache, in offener Kalesche in der Uniform seines Husarenregimentes, den Obersthofmeister Grafen Wrbna an seiner Seite. Der Boden, die Luft schienen zu zittern vom Jubelruf. „Willkommen unser Vater!“ Das Schwenken der Tücher wollte kein Ende nehmen.
   Der Bürgermeister redete ihn an: „Geliebter Fürst! Wenn ein Volk im Kampf mit dem Unglück, leidend in mannigfacher Art, nur der Leiden seines Fürsten gedenkt, dann ruht die Liebe auf tiefem Grunde des Gefühls, nie vergänglich und fest. - Wir sind dieses Volk! Als unsere Söhne dahinsanken im blutigen Streite, als zerstörende Gewalt glühender Kugeln unsere Häuser stürzte, als die Grundfesten Wiens erbebten vom Donner der Schlachten, dachten wir Dein, Fürst und Vater, da dachten wir Dein in stiller Liebe. Denn Du hast diesen Krieg nicht gewollt. Nur das Verhängnis der Zeiten drang Dir ihn auf. Du hast das Beste gewollt. Der Urherber unserer Leiden warst Du nicht. Wir wissen es, daß Du uns liebst; wir wissen es, daß unser Glück Dein heiliges, festes Wollen ist. Wir haben ihn oft empfunden, den Segen Deiner väterlichen Milde. Bezeichnet hast Du Deine Wiederkehr mit neuer Wohltat. Sei darum, väterlicher Fürst, in unserer Mitte mit unveränderter Liebe gegrüßt! Wohl hat der unglückliche Erfolg des Krieges Dir einen Teil der Untertanen geraubt. Doch vergiß den Schmerz Deines Verlustes im engeren Verein Deiner Treuen. Nicht die Zahl, nur der feste, andauernde Wille, die alles bindende Liebe sind der Throne heilige Stützen. Und von diesem Geiste sind wir alle beseelt. - Wir wollen Dir ersetzen, was Du verloren! Wir wollen bleiben unseres Vaterlandes wert; denn kein Österreicher verläßt seinen Fürsten, wenn es gilt. - Mögen die Mauern, die Deine Burg umgeben, in Trümmer zerfallen, die festeste Burg sind die Herzen Deines Volkes.“
   Einen wärmeren Empfang hat wohl kein Monarch erhalten. Franz konnte nur im Schritt fahren. Das Volk küsste ihm die Hände, die Kleider, die Pferde. Bei der Burg angelangt, trug es ihn die breite Treppe empor. Am Abend war die Stadt und die Vorstädte glänzend beleuchtet.« (1)

(1) „Weltgeschichte“ von Prof. Dr. Joh. Bapt. v. Weiß. Buchdruckerei und Verlags-Buchhandlung ,Styria'. Graz, 1906, Bd. 22, S. 90-91.

Quelle: Plinio Corrêa de Oliveira: Der Adel und die traditionellen vergleichbaren Eliten in den Ansprachen von Papst Pius XII. an das Patriziat und den Adel von Rom“, TFP Österreich, 2008, S. 323

Bild: Johann Peter Krafft: Einzug des Kaisers Franz II./I. in Wien am 16. Juni 1814 nach dem Pariser Frieden, 1828–1832

Schloß Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H.

Mittwoch, 20. Februar 2019

Der Hass der Revolutionäre auf die Königstreuen in der Französischen Revolution




Heute, 2. September ist das Fest des hl. Stephan, König und Bekenner, König von Ungarn und großer Verehrer der Muttergottes. Er förderte die Bekehrung seines Volkes und gab ihm eine christliche Struktur. Sein Andenken wird an diesem Tag gefeiert, an dem das christliche Heer die Festung Buda zurückeroberte.
Sie wissen das Budapest aus zwei Städten besteht, auf der einen und anderen Seite der Donau. Buda ist eine davon.
Heute wird auch der seligen Märtyrer der Französischen Revolution gedacht. Es sind 191 Priester die heute den Märtyrertod im Jahre 1792 erlitten, weil sie sich weigerten auf die sogenannte Zivile Verfassung des Klerus den Eid abzulegen.
Diese Verfassung verordnete etliches, was von den heutigen Progressisten gefordert wird, wie z.B. die republikanische Ausrichtung der Kirche entgegen ihrer hierarchischen Struktur.
Diese 191 Priester zogen es vor, keine Kompromisse mit den Irrtümern der Französischen Revolution in dieser Angelegenheit einzugehen, und lieber zu sterben. Die katholische Kirche hat sie heiliggesprochen: 191 Märtyrer gemeinsam. Heute, um ihren Job, ihre Position nicht zu verlieren oder ihre Positionen nicht aufzugeben, akzeptieren viele Menschen das, wofür andere vorgezogen haben zu sterben, um nicht nachzugeben.
* * *
Wir lesen und kommentieren einen Text aus der uns schon bekannten „Weltgeschichte“ von Dr. Johannes Baptist Weiß. Er zeigt uns den maßlos revolutionären Hass gegen diejenigen, die sich dem revolutionären Geist der Französischen Revolution nicht beugen wollten.
Er beschreibt die Ermordung von Baron Marc-Antoine Thierry der Stadt Avray. Er war Erster Kammerdiener des Königs, später Intendant du Garde Meubles. Er war auch der erste Bürgermeister von Versailles.
Nach der Ermordung von 42 Schweizern (Leibgarde des Königs) »machte sich Maillard (der Präsident des Volksgerichts) an das Gericht. Er hatte die Gefängnisliste vor sich, in welcher mit Kreuzen jene bezeichnet waren, die fallen mussten; die anderen konnte er erwürgen lassen oder freisprechen. ... Zuerst kam die Reihe an vier Fälscher von Assignaten. Nach kurzer Verhandlung hieß es: „Bringt die Gefangenen nach (Gefängnis) La Force“. Und sie wurden erschlagen. Ein wenig wurde hierauf gerastet, denn die Mörder waren müde.«
»Unter den Gefangenen, an die es jetzt kam, war der Minister Armand Marc Montmorin de Saint Hérin. Er war nach dem 10. August in die Abtei gebracht,...«
Abtei, war ein grausames Gefängnis.
»... und erschien jetzt Stolz vor dem Gericht, dass in ihm den Vertrauten und Freund Ludwigs XVI. hasste.
Er bestritt die Kompetenz (des Gerichts ihn zu richten) und forderte vor einen gesetzlichen Richter gestellt zu werden. „Präsident, da es Ihnen gefällt sich so zu nennen! Ich hoffe Sie werden mich bald in einem Wagen fortbringen, um mich den Beschimpfungen dieser Mörder zu entziehen.“«
Es waren da einige Demagogen um ihn herum, die ihn beschimpften. Maillard erwiderte:
»„Da der Herr Euch nicht anerkennt, so bin ich dafür, dass man ihn nach La Force bringt.“ — „Gut, so beschaffen Sie mir einen Wagen!“ — „Sie sollen gleich einen haben.“ — Montmorin verlangt nach seiner Uhr, sein Taschentuch und seiner übrigen Sachen. Man antwortet, man werde sie ihm nach La Force schicken; einer kommt herbei und meldet, der Wagen sei da. Montmorin eilt gegen die Türe des Hofes, sie öffnet sich und er fällt unter den Piken und Äxten. Maillard schreibt in das Register „mort“ (tot). In seiner Tasche hatte Montmorin die Quittung Dantons über 100.000 Francs, die dieser für den Schutz Ludwigs aus seiner Hand vom König erhalten hatte, und war wohl darum ermordet. Man flehte Danton vergebens um seine Freilassung an. Der Zeuge seiner Schmach sollte verschwinden, die Toten sind stumm.«
Die Sache, in einem Wort, ist folgende: Dieser Montmorin war ein Vertrauter Ludwigs XVI. und von diesem hatte er den Auftrag bekommen, Danton aufzusuchen — einer der schlimmsten Feinde der Monarchie, ein wahrer Kommunist —, um zu fragen, ob er für hundert Tausend Francs bereit wäre den Thron, die Sache der Monarchie, zu schützen. Danton sagte zu und Montmorin übertrug ihm das Geld und erhielt eine von Danton unterschriebene Quittung. Danton ließ ihn festnehmen, um ihn zu töten. Die in einer Tasche seiner Jacke gefundene Quittung sollte verbrannt werden um so den Beweis des Verbrechens zu vernichten. Montmorin ist also nicht ermordet worden weil er ein Vertrauter des Königs war und adelig sondern auch weil er ein unangenehmer Zeuge war gegen Danton.
Sie sehen hier die enorme Ehrlosigkeit Dantons, denn er hatte Geld bekommen, um eine revolutionäre Sache zu verraten, die er angab zu unterstützen. Nachdem er das Geld erhalten hatte, befahl er die Ermordung dessen, der ihm das Geld überbracht hatte, ein Verbrechen der Veruntreuung öffentlichen Geldes. Letztlich wollte er das Opfer seiner eigenen Schande verschwinden lassen. Es ist ganz die geistige Abscheulichkeit der Mentalität, die diese Männer der Französischen Revolution antrieb.
»Nach Montmorin kam Thierry de Ville d’Avraiy, der Kammerdiener Ludwigs XVI., an die Reihe. „Wie der Herr, so der Diener, man bringe den Herrn nach La Force“ („Tel maître, tel valet; — à la Force“). Das Tor öffnet sich, Thierry stürzt über die Leiche Montmorins unter dem Rufe: „Es lebe der König!“ Überschüttet mit Hieben, eine Pike im Leib, ruft Thierry noch immer: „Es lebe der König!“ bis ihm ein Mörder mit einer brennenden Fackel den Mund schließt.«
Es sind schreckliche Dinge, die hier beschrieben sind. Einer könnte sagen: „Na gut! Aber was haben wir damit zu tun?“ Ich sage, wir haben sehr viel damit zu tun.
Sie sehen den Hass, den der Revolutionär auf den Gegenrevolutionär hat, weil diese Männer letztendlich getötet wurden, weil sie keine Revolutionäre waren. Weil sie sich mit dem König identifizierten und der König, obwohl er ein schwacher König war, war er das lebendige Symbol einer Ordnung der Dinge, die im Vergleich zur Revolution eine gegenrevolutionäre Ordnung war. Diese Männer wurden aus Hass auf den gegenrevolutionären Geist, auf die gegenrevolutionäre Doktrin mit barbarischer Vollendung ermordet.
Stellen sie sich die Situation vor: Ein Mann, dessen Körper von einem Speer durchbohrt ist, der mit Schlägen bedeckt ist, der einen erhabenen Beweis seiner Treue liefert indem er schreit „Es lebe der König“ ... Da nähert sich ihm einer dieser Teufel mit einer brennenden Fackel und drückt ihm diese Fackel in den Mund und tötet ihn damit. Denken sie an diese höchste Qual, mit der man diesen Mann umbringt.
Sie sehen, welchen Hass der Revolutionär auf den Gegenrevolutionär hat. Dies ist der Hass, dem wir ausgesetzt sind. Es gibt eine Menge Leute, die sich freuen würden, wenn sie uns einfach so töten könnten. Natürlich würden sie mich gerne töten, aber sie würden auch sehr gerne jeden einen von euch töten. Und das nur, weil wir gegenrevolutionär sind. Die Geschichte ist voll solcher Beispiele. Jeden Abend könnten wir ein Beispiel hier vortragen.
Jemand hat von solchen Fällen zwei oder dreihundert Auszüge vorbereitet, neben dem respektablen Vorrat aus anderen Quellen, die wir von solchen Fällen haben, nur von brutalen Manifestationen des Hasses der Revolutionäre gegen die Gegenrevolutionäre.
Das bedeutet nicht, dass wir die ewige Verdammnis der Revolutionäre wollen. Wir dürfen die ewige Verdammnis von niemandem wollen. Wir müssen für die ewige Erlösung aller Menschen beten. Und solange es der katholischen Sache sich nicht als schädlich erweist, sollen wir anderen, auch den Revolutionären Gutes tun, aber wir müssen vorsichtig sein. Wir dürfen nicht dumm sein.
Wir müssen wissen, welchen Hass wir erwecken, und wir müssen wissen, wie wir in der Folge handeln müssen, denn jemand, der ein solches Verbrechen nicht bekämpft, ist moralisch ein Weichling. Und Weichlinge sollten wir nicht sein. Das Böse zu bekämpfen ist eine Verpflichtung für jeden wahren Katholiken...

Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, den er am 2. September 1969 hielt. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne Überarbeitung von Seiten des Autors.

Montag, 11. Februar 2019

Gotteslästerung und Blasphemie in der Französischen Revolution


Gottelästerliche und blasfemische Parodie
einer liturgischen Zeremonie
zu Ehren eines ermordeten Revolutionärs
Wir lesen und kommentieren heute einen Text aus der „Weltgeschichte“ von Dr. Johannes Baptist Weiß. Er beschreibt ein Ereignis während der Französischen Revolution, das uns den Hass der Revolution gegen das Christentum zeigt.
»Um in der Bevölkerung die Blutgier zu steigern und den Hass gegen das Christentum zu erwecken, wurde an denselben 10. Oktober (1793), an welchem Chaumette die Tempelschändung in Paris begann, in Lyon ein Fest zu Ehren Chaliers, „des Gottes und Heilandes“, angekündigt, als ein Fest der Vernunft.«
Büste des Joseph Chalier
Chalier hatte die Rolle eines Erlösers der Menschheit übernommen. Er war ein Revolutionär, der unheimliche Gräueltaten in Lyon anrichtete und wurde daraufhin verhaftet und unter die Guillotine geköpft. Die Revolution veranstaltete daher ein Fest zu seinen Ehren, weil er von ihr als Erlöser, als der Messias gehalten wurde. Ein grausamer Henker, der als Gott verehrt wurde. Der Tag, der für seine Ehrung festgelegt wurde, war derjenige, an dem die Revolution die Göttin der Vernunft feierte. An diesem Tag holt man einen Verbrecher und ruft ihn als Gott aus! Das ist die Vernunft des Teufels!
»In der Frühe schon donnerten die Kanonen zu Ehren der neuen Gottheit. Um acht Uhr begann der Raub aller goldenen und silbernen Gefäße, die Zerstörung aller Bilder und Statuen in den Kirchen, die Vernichtung aller Dinge, die eine fromme Stimmung erwecken konnten; die geweihten Hostien wurden auf den Boden geworfen und mit Füßen getreten. Dann begann die große Prozession zu Ehren Chaliers. Voran ging die Militärmusik; vier Jakobiner trugen dann auf einer schönen Sänfte die Büste Chaliers, an der einen Seite eine Urne, in welcher seine Asche war, an der anderen Seite die Taube, mit welcher er im Gefängnis gespielt und seine letzte Freude gehabt haben soll. Eine Bande von Clubisten (Jakobiner) und Dirnen folgte unter stetem Geschrei: „Nieder mit den Aristokraten, es lebe die Republik, es lebe die Guillotine!“«
Wir sehen hier wie die Revolutionären den Zusammenhang der Dinge gut verstehen. Sie veranstalten ein Fest auf dem sie Hostien schänden, Statuen zerstören und schreien „Nieder mit den Aristokraten, es lebe die Republik, es lebe die Guillotine!“ Das alles, um die neue Gottheit anzubeten.
Vielen Katholiken aber, mit denen man über Aristokratie sprechen will, kontern sofort: „Ach, ich weiß nicht, was das mit Religion zu tun hat!“ Die Revolutionären hingegen wissen es. Der Teufel weiß es; der Verbrecher weiß es; doch der Katholik weiß es nicht... Das ist das Elend der Situation.
»Hierauf kamen die Kirchenschänder, welche mit der Raserei von Bacchanten und der Wildheit von Dämonen die geraubten heiligen Gefäße schwangen und aus den Kelchen tranken. In ihrer Mitte war ein Esel, eine Bischofsmütze auf den Kopf, einen Rauchmantel über den Rücken, ein Kruzifix, ein Altes und Neues Testament an dem Schweif; er ward an einer Stola geführt. Hinter dem Esel schritten die drei Convents-Commissäre Fouché, Collot d’Herbois und Laporte einher, andächtig tuend, wie sonst hinter dem Himmel bei der Fronleichnams-Prozession. Militär schloss den Zug, der durch viele Straßen nach dem Platze Terreaux sich bewegte.
Hier war aus Rasen ein neuer Altar errichtet, auf welchem ehrerbietig das Brustbild des neuen Gottes Chalier zur Anbetung ausgestellt wurde. Ein Kreis bildete sich um den Altar, aus welchem von den drei Gewaltboten des Convents einer nach dem anderen hervortrat, das Knie beugte, und ein Gebet im Sinne der neuen Religion des Mordes sprach. „Gott und Heiland“, hob Collot d’Herbois an, „sieh zu deinen Füßen die Nation hingeworfen, welche dich um Verzeihung bittet für das ruchlose Verbrechen, welches dem Leben des tugendhaftesten der Menschen ein Ende machte; du sollst gerächt werden; wir schwören es dir bei der Republik!“
Fouché
Fouché (ein abtrünniger Priester) seufzte zuerst tief auf, dann stieß er die Worte aus: „Märtyrer der Freiheit, die Schurken haben dich geopfert! Das Blut der Verbrecher ist das einzige Weihwasser, welches deine mit Recht gereizten Manen sühnen kann! Chalier! Chalier! Wir schwören vor deinem heiligen Bilde, Rache für deine Hinrichtung zu nehmen... Ja das Blut der Aristokraten soll dir als Weihrauch aufdampfen!“ — Der ungeschickte Laporte küsste ehrerbietig die Stirne des Bildes und brachte nur die Worte heraus: „Tod den Aristokraten!“ — Dann wurde ein Rauchfass angezündet und das Bild des Ungeheuers angeräuchert, wurden Kruzifix und Altes und Neues Testamente in ein Feuer geworfen und aus einem Kelch dem Esel zu trinken gegeben. Geweihte Hostien wurden auf den Boden geschüttet und mit Füßen getreten. Vor weiteren Ruchlosigkeiten, die wahrscheinlich getrieben worden wären, hielt ein unerwartet eintretender Platzregen ab, der die Menge zerstreute.«
Ich glaube, dass es für meine Zuhörer keine große Überraschung ist, zu hören, dass die Französischen Revolution solche Grausamkeiten verübt hat. Sie müssen daran denken, was in unseren Tagen vorgeht. Da sieht man, dass der Geist der Revolution sich nicht geändert hat. Die Französische Revolution kann nicht gesehen werden als eine Explosion des Wahnsinns, der irgendwann zu Ende gegangen ist, und dann gab es hundertfünfzig Jahre Frieden. Ganz im Gegenteil, der Geist der Französischen Revolution wurde immer radikaler und intensiver. Die Gräueltaten wiederholten sich in den folgenden Revolutionen, die sie selbst hervorgerufen hat. Um nur ein Beispiel zu nennen, die kommunistische Revolution in Russland 1917 und so viele andere kommunistische Revolutionen, die es weltweit gab. Einen Ausdruck dieser Grausamkeit konnten wir bei der jüngst geschehenen Entführung des nord-amerikanischen Botschafters in Brasilien erleben. Es ist nicht bekannt, dass er ein Verbrechen begangen hätte; nein, aus Hass wird ein Mensch entführt und unter unmenschlichen Bedingungen in einem Versteck gefangen gehalten dessen Ende ungewiss ist.

Dieser Textauszug ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, den er am 5. September 1969 hielt. Er wurde frei aus dem Portugiesischen übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne Überarbeitung von Seiten des Autors.
Zitate aus Dr. Johann Baptist Weiß: „Weltgeschichte“, Buchdruckerei und Verlags-Buchhandlung Styria, 1895. Band 18 Ss. 71-72