Welche
Beziehung hat das Heilige Grabtuch nicht zum toten Christus, sondern mit dem
lebendigen Christus und mit Christus, dem König? In welcher Beziehung steht es
zur Dornenkrönung unseres Herrn Jesus Christus, dem dritten schmerzlichen
Geheimnis des Rosenkranzes? Wie ist die Beziehung? Jetzt liegt es an uns, uns
darum zu kümmern ...
Um
die Beziehung zwischen dem Heiligen Grabtuch und unserem mit Dornen gekrönten
Herrn Jesus Christus gut zu verstehen, müssen wir uns diese Frage stellen:
Unser Herr Jesus Christus wurde mit Dornen gekrönt, warum? Warum wurde er zum
König ernannt? Er wurde, wenn man das auf Portugiesisch sagen könnte, wie ein
König (aus)gelacht, warum? Warum haben sie INRI (Jesus Nazarenus Rex
Judeorum) oben auf dem Kreuz platziert? Was war mit seinem Königtum? Was
war mit seiner Passion und was hat sie damit zu tun?
Unser
Herr Jesus Christus, Er ist König. Er ist König von was? Während der Passion
wurde er von denen, die ihn richteten, ohne das Recht zu haben, ihn zu richten,
verhört und fragten: „Bist du König?“ Er sagte: „Wahrlich, ich bin König!“ Er
fügte aber auch hinzu, dass sein Königreich nicht von dieser Welt sei. Das ist
etwas, was diese Banditen nicht verstehen. „Was bringt es, ein König zu sein, wenn
man nicht König in dieser Welt ist? Gibt es ein Königreich außerhalb dieser
Welt, dessen König man sein kann? Weil man König eines Königreichs ist. Was ist
so etwas? Warum verursachte die Tatsache, dass Er sich selbst König nannte,
dieses Chaos, diesen ganzen Sturm? Ich frage: Was steckte dahinter, dass sie
sich die Tatsache zunutze machten, dass Er König genannt wurde, und befahlen,
Ihn mit einer Dornenkrone zu krönen? Nicht nur mit einer Dornenkrone, sondern
mit dem Narrenrock und der Narrenrute in der Hand? So dass sie ihn auslachten,
gaben ihm Ohrfeigen und sagten: - König, nimm es, hier hast du es!...
Was
war mit diesem Königtum?
Unser
Herr Jesus Christus ist wahrlich König. Er ist König, vor allem, weil Er Er
ist. Das heißt: Er ist das fleischgewordene Wort Gottes, er ist der
menschgewordene Gott. Und Gott ist König, weil er Gott ist! Er war also König,
Er war vollkommen König, weil Er Gott war. Wenn es jemanden auf dieser Erde
gibt, der König war, dann war Er es, und Er ist es auch heute noch und wird es
bis zum Ende der Welt sein. Als Er gefragt wurde, ob Er König sei, antwortete
er völlig zu Recht: „Wahrlich, du sagst es – ich bin ein König!“ Aber dieses
Sein Königreich war ein Königreich, das Er von Natur aus besaß, und Er hatte
auch das Recht auf Eroberung. Ein Mann kann König werden, weil er den
Königstitel geerbt hat: Es ist legitim. Ob es den Kommunisten gefällt oder
nicht, die Erbschaft ist ein legitimer Erwerbstitel. Dabei handelt es sich
sowohl um die Vererbung von Thronen als auch um die Vererbung von
Vermögenswerten. Aber Er war König zu einem anderen Titel, und zwar, weil Er
die Welt erobert hatte. Wenn eine Nation ein Land angreift und dieses Land, um
sich zu verteidigen, Vergeltung übt und die besiegte und in Ungnade gefallene
Nation überfällt: Diese Nation war die Menschheit. Er war hierhergekommen,
hatte unzählige Wunder vollbracht, Menschen bekehrt und hatte für die
Menschheit, die Er bekehren wollte, das Recht, ihn als Gottmenschen und damit
als König anzuerkennen. Natürlich! Darüber hinaus: Er war König in einer
anderen Eigenschaft: In Kürze würde Er sterben, um die Sünden der Welt zu
tilgen und den Menschen die Tür zum Himmel zu öffnen. Er würde König werden,
weil Er durch Seinen Tod in Kürze die Welt erlösen würde. Bei seiner
Beschneidung hatte er Blut vergossen, obwohl die Erlösung erst in dem Moment
stattfand, als er starb, hätte das Blut der Beschneidung ausgereicht, um die Welt
weitgehend zu erlösen. Unter diesen Bedingungen mangelte es Ihm nicht an
königlichen Titeln aller Art.
Die
Juden hätten das erkennen müssen, weil Er all die Wunder vollbrachte, die das
bewiesen. Die Heiligkeit und die unvergleichliche Tiefe Seiner Lehre bewiesen
dies. Andererseits war Er ein Nachkomme Davids und als solcher ein Nachkomme
der alten Könige. Er hatte es geschafft! Es fehlte Ihm an nichts, um wirklich
König zu sein. Aber kommen wir zurück zum Sachverhalt: Er war vor allem Er! Und
für bloße irdische Augen, die, wenn sie auch nicht wussten, wie sie die Dinge
mit den Augen des Glaubens betrachten sollten, es nur darum ging, Ihn
anzuschauen und zu sagen: - „Wahrlich, Du bist König!“
Was
kann man mit einer solchen Figur sonst noch tun, als vor ihr niederzuknien? Es
gibt nichts anderes zu tun...
Ein
großes Mysterium, das man nicht verstehen konnte! Er würde von allen
Tabernakeln der Welt aus regieren. Wer könnte so etwas verstehen!? Aber er
hatte Recht: Sein Königreich war nicht von dieser Welt!!
War
er König der Juden? Insbesondere weil die Juden das auserwählte Volk und Nation
waren, weil sie das Lieblingsvolk waren, gab es die Verheißung, dass Er im
jüdischen Volk Mensch werden würde, dass die Jungfrau einen Sohn durch den
Heiligen Geist haben würde (die Jungfrau wäre eine Jüdin, sie würde einen Sohn durch
den Heiligen Geist bekommen), dieser Sohn wäre also ein Jude seiner Rasse nach
und gleichzeitig der Gottmensch. Wenn die Juden auf die Gnade reagiert und sie
angenommen hätten, kann niemand sich vorstellen, was dass dem Volk Israel für
einen Ruhm gebracht hätte. Er würde der König von Israel sein. Er wäre
erschienen, hätte sich vorgestellt und hätte zu Herodes, zu Pilatus und zu
denen im Sanhedrin gesagt: - Hier bin ich, ich bin der Sohn Gottes!
Sie
wären auf die Knie gefallen, Pilatus, Herodes, Hannas, Kaiphas, alle Vollführer
des Kreuzigungsdramas hätten ihn erkannt. Sie hätten ihre Positionen
verloren... Und vor diesem gewaltigen König, der erscheinen würde, diesem
unendlichen König, waren sie, wie kein anderer, nichts mehr... Sie können gut
verstehen, inwieweit ihr politischer Opportunismus sie dazu veranlasste, nicht
zu wollen, dass Er sein Königtum ausführe... Und dann, da sie kein Recht
hatten, unseren Herrn zu töten, unseren Herrn zum Tode zu verurteilen, wandten
sie sich an Pontius Pilatus, den römischen Statthalter von Judäa, und sagten:
„Dieser Mann nennt sich König von Israel; jetzt behauptet er, König von Israel
zu sein. Er lehnt sich gegen Cäsar auf, das heißt den römischen Kaiser, und du,
wenn du diesen Mann nicht tötest, werden wir dich in Rom als untreu zu deinem
Kaiser anprangern.“ Reine Politikmacherei, Lügen, Mafia!... Mafia in ihrer
reinsten Form! Pilatus verhört ihn zusammenfassend und meint, er sehe keine
Schuld in ihm. Das Volk aber besteht darauf, dass er getötet wird. Pilatus
fragt: Wollt ihr den Barabbas oder ihn? um getötet zu werden... Sie sagten:
Nehmt Ihn... Um Mitleid das Mitleid Volk zu provozieren, befiehlt Pilatus, Ihn
schändlich und ungerecht zu quälen, und hier kommt die Geißelung, hier kommt
die Darstellung Ihm mit dem Narrenmantel, dem Narrenrohr, dem Narrenzepter, stell
ihn dem Volk vor: „Seht, euer König!“, um ihnen zu beweisen, dass keine Gefahr
bestand, dass es Unsinn war usw. Er erscheint im Prätorium von Pilatus, Er der
König, mit der Dornenkrone, mit dem Schilfrohr und mit der Tunika. Pilatus
sagt: „Sehet, den Mann!“ Das Volk ruft: „Tole, tole! Crucifige! (Weg mit ihm, weg
mit ihm! kreuzige ihn!) Pilatus befiehlt, die Schüssel der Schande zu bringen
und wäscht sich die Hände, um zu sagen, dass er nichts damit zu tun hat, ihn aber
tatsächlich dem Tod ausliefert. Es ist eine Schande! Er wird also gefangen
genommen und setzt seinen Leidensweg fort!...
Was
stellt die Dornenkrone dar? Die Dornenkrone ist folgendes: Es handelt sich um
eine gottlose Nation, auch um einen gottlosen römischen Statthalter, der in
verschiedenen Geisteszuständen sah, dass sich der wahre König König nennt. Unempfindlich
gegenüber dieser offensichtlichen Errungenschaft, die davon ausgeht, wie das
Licht von der Sonne ausstrahlt, sich trotz allem dazu entschloss, ihn zu töten,
um den Wünschen des einfachen Volkes gerecht zu werden und, um den Wünschen des
Sanhedrins, diesen verdammten Verschwörer, die seinen Tod wollten,
nachzukommen. Die wollten, dass er wegen ihrer Machtgier stirbt, vielleicht aus
Hass gegen seine Tugend, seine Heiligkeit. Und um zu beweisen, dass Er keine
Macht, keine Weisheit, keine Göttlichkeit, kein Königtum besaß, setzten sie wie
im Scherz eine Dornenkrone auf sein Haupt: „Ah! Bist du König? Ich werde eine
Krone auf Dein Haupt setzen; aber eine Dornenkrone, die dich grausam verletzen
wird, wird dich schrecklich verletzen.
Es wird
über die Krone diskutiert, ein Mystiker, behauptet, dass es sich um eine Art
kleinen Helm handelte, der auf dem Kopf unseres Herrn angebracht wurde, und
dass es sich nicht nur um eine Krone wie auf dem Kruzifix handelte, sondern um
einen Helm aus Dornen mit Spitzen, der auf dem Kopf gesetzt war. Er wird
abgeführt, um gegeißelt zu werden. Er ist mit Dornen gekrönt. Sein Körper
vergießt reichlich Blut. Er wird purpurrot, als ob er das Gewand eines Kaisers
hätte, und aus einem Purpur von unendlichem Wert, das sein eigenes erlösendes
Blut ist. Sie setzen ihm die Krone des Spotts, die Krone des Hohns, die Krone
der Schande auf. Sie setzen Ihn mit der Krone hin, auf einen Hocker, auf einen Steinbrocken
oder etwas Ähnliches und beginnen, Ihn zu schlagen:
- „Wenn du König bist, sie zu wie du weiterkommst!“ (Pa-pa...) Und sie beginnen, Sein heiliges Gesicht, das so majestätisch und so schön und so strahlend vor Güte ist, mit Ohrfeigen zu füllen, und schließlich schlagen sie auf Seinen Kopf mit Stöcken, um die Dornenspitzen so tief wie möglich in den Kopf zu treiben. Sie können sich die entsetzliche Qual vorstellen, die das verursacht haben muss. Mehr als die zerreißende Qual, die Qual der Seele. Er ist Fleisch geworden und lebte neun Monate im heiligsten Leib der Jungfrau Maria. Der heilige Ludwig Grignion, dessen Fest gestern, am Samstag, stattfand, sagt, dass dieser Leib das Paradies Gottes war; dort fand Gott alle seine Freuden – er ist dort Mensch geworden. Dort verbrachte er neun Monate und wird geboren in der Schönheit der Heiligen Nacht. Und dann kommt der ganze Glanz seines Lebens. Dies alles tat er, um die Menschen an sich anzuziehen… Nun schaut euch das Ergebnis an: Da waren nicht einmal seine Jünger… Auf dem Boden geworfen, verachtet und verworfen. Das war die traurige Wahrheit. Voll von körperlichen Schmerzen, voll vor allem von seelischen Schmerzen. Das auserwählte Volk hatte ihn verlassen. Und er sah schon, dass sie ihn zum Tode führten und alles, was Er tun wollte, um über Israel zu herrschen und die Macht Israels (religiöse Macht) von einem Ende der Welt zum anderen auszudehnen, all das lag zu Boden... Traurigkeit, Schmerz...
Die
Überlegenheit des auserwählten Volkes, in dem Gott Mensch werden sollte,
wandelte sich in Schande. Er, mit höchstem Mut, in unerträglichen Schmerzen –
es war ein Wunder, sie zu ertragen –, bewahrte in diesem Schmerz seine Würde.
Er saß auf dem Thron, sanftmütig wie ein Lamm, aber stolz wie ein Löwe, mit der
Würde eines Königs, der auf seinem Thron saß, als wolle er sagen: „Niemand wird
mich stürzen, denn ich bin ich, ich bin der Sohn Davids, vor allem aber bin ich
der Sohn Gottes!“
Man
sieht hier die Mischung aus unerträglichem Schmerz und Triumph. Dieser
unerträgliche Schmerz und dieser Triumph werden sein Leben bis zum Ende
begleiten. Während der gesamten Passion offenbart er immer wieder seine
Herrlichkeit, zum Beispiel, als er den Henkern sagte, er wolle nicht, dass sie
die Apostel verfolgten; als der heilige Petrus aufgedeckt wurde und floh,
konnte ihn niemand fassen. Als der Evangelist Johannes am Fuße des Kreuzes
erschien, hätte man ihn festnehmen können, doch niemand unternahm etwas. Auch
gegen seine Mutter griff niemand ein, niemand berührte sie. Sie stand auf
Golgatha wie eine Königin neben ihrem Thron. Niemand rührte sie an. Der kleine
Trauerzug, der ihn zum Grab begleitete, bewegte sich frei, ohne dass jemand
etwas wagte. Sie gingen in den Abendmahlssaal, wo sie wussten, dass sie da
waren, und taten nichts …
Die
Stunden vergingen, und die Trauer verflog: Selbst dem Tod entgleitet die Zeit.
In einem Augenblick stand er auf! Er wurde hier gesehen, er wurde dort gesehen,
er wurde überall gesehen … Seine Gläubigen erhoben sich in unbändiger Freude.
Seine Mörder wussten es, doch sie wagten nicht, sich zu bewegen. Sie hatten
Wachen am Grab postieren lassen und gesagt:
Wenn
wir keine Wachen aufstellen, werden seine Jünger seinen Leichnam stehlen und
behaupten, er sei auferstanden. Es wird schlimmer sein als zuvor!
Die
Strafe für die Schurken nahte! Sie wagten nichts mehr zu tun …
Vom
Kreuz herab, kurz vor seinem Tod, belohnt er einen seiner Helden, einen Dieb.
Er rehabilitiert ihn, macht ihn heilig und spricht: „Heute wirst du mit mir im
Paradies sein!“
Welche
Lehre können wir daraus ziehen? Es ist das Leben eines Katholiken! Es ist das
Leben der Kirche, voller Demütigungen und Siege. Demütigungen, so tief, dass
man meinen könnte, sie würde sich nie wieder davon erholen. Siege, so gewaltig,
dass man meinen könnte, sie würde nie wieder so tief fallen.
Doch
wie ein Boot, das durch stürmische Wellen gleitet und so hochgehoben wird, dass
man nicht mehr weiß, wie hoch es gestiegen ist … Plötzlich bricht die Welle ab,
und das Boot versinkt in den Abgrund. So reist das Boot des heiligen Petrus
durch die Geschichte, mit all den Ehren, mit all den Leiden und Demütigungen des
gekrönten Christus.
Krone,
eine Krone, eine echte Krone … ist die Dornenkrone. Drei Dornen dieser Krone
gelangten in die Hände des heiligen Ludwig, des Königs von Frankreich. Und um
diese Dornen würdig zu beherbergen, ließ er eines der schönsten Denkmäler
mittelalterlicher Kunst und damit der gesamten Geschichte errichten: die
Sainte-Chapelle! Ein wahrer Kristallkasten mit Granitrippen, in dem das Heilige
Opfer gefeiert wurde.
Das
war’s, meine lieben Freunde, was ich sagen wollte … Es gibt nichts Besonderes
mehr hinzuzufügen …
Dieser Text ist die Abschrift eines Vortrags von
Professor Plinio Corrêa de Oliveira.
Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals
erschienen in
www.p-c-o.blogspot.com
© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit
Quellenangabe dieses Blogs gestattet.
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