Plinio Correa de OLiveira
Es ist eine alte, ungebrochene Tradition unter uns, an diesen
Tagen einen „Heiligen des Tages“ zu einem Abschnitt des Evangeliums über das
Leiden unseres Herrn Jesus Christus zu betrachten.
Eigentlich wäre heute der Heilige des Tages für Gründonnerstag. Da
es aber bereits so viele Kommentare zu Gründonnerstag auf Grundlage der
Evangelienkonkordanz gibt, erschien es mir angebrachter, in diesem Jahr eine
Änderung vorzunehmen und die Kommentare anhand des Evangeliums von morgen zu machen.
So können Sie sich auf das große Fest vorbereiten, das die Kirche morgen
feiert: den Tod unseres Herrn Jesus Christus am Kreuz und die Erlösung der
Menschheit. Daher werde ich einen Abschnitt der Evangelienkonkordanz zu diesem
Thema lesen und kommentieren.
Ich beginne mit dem Ende des Letzten Abendmahls, als unser Herr
und die Apostel in den Garten Gethsemane gingen. Hier heißt es: „Nach diesen
Worten, nachdem er den Dankgesang gesungen hatte, ging Jesus mit seinen Jüngern
durch das Kidrontal. Sie gingen, wie es seine Gewohnheit war, zum Ölberg und
kamen an einen Ort namens Gethsemane. Dort war ein Garten, in den er mit seinen
Jüngern hineinging. Als er dort ankam, sagte Jesus zu ihnen: ‚Setzt euch hier,
während ich hinübergehe und bete. Betet auch, dass ihr nicht in Versuchung
geratet.“
Man sieht also, dass eine deutliche Unterbrechung gibt zwischen
dem Fest der Einsetzung der Eucharistie, der ersten Messe und dem Leiden
unseres Herrn Jesus Christus. Das heißt, das Letzte Abendmahl hat einen
festlichen Charakter; einen festlichen Charakter, auf den sich bereits die
Schatten und der Schmerz der späteren tragischen Ereignisse projizieren. Aber
es hat dennoch einen festlichen Charakter. An einem bestimmten Punkt endet
dieser festliche Charakter: Unser Herr hat das Abendmahl beendet, dankt, und
das Fest ist vorüber. Vom Moment des Endes der Feier an begann er sich dem
Schmerz, dem Drama, dem großen Kampf seines Lebens zu stellen; einem Leben, das
bereits voller Kämpfe gewesen war, aber in diesem Augenblick seinen Höhepunkt
erreichte.
Um die Ereignisse, die das Evangelium in so einfacher Sprache
schildert, vollständig zu erfassen, müssen wir uns den Gemütszustand unseres
Herrn Jesus Christus und die Haltung des Heiligsten Herzens Jesu während dieser
Ereignisse vorstellen.
Das Letzte Abendmahl war für ihn aus zwei Gründen traurig.
Erstens, weil er das darauffolgende Leiden sah, von dem er bereits genau
wusste. Aber es war auch traurig wegen der sehr traurigen Lage der Apostel. In
jedem Augenblick der Erzählung vom Letzten Abendmahl sehen wir Anzeichen für
die Mittelmäßigkeit der Apostel, für ihre Unzulänglichkeit. Dies hätte das
Heiligste Herz Jesu durchbohren müssen, es mehr treffen müssen als die Lanze
des Longinus: die Untreue der Apostel, das Scheitern des Werkes, das unser Herr
mit ihnen begonnen hatte.
Das heißt, als das Ende kam und unser Herr ihnen die bis dahin
größte Offenbarung seiner Liebe schenkte – die Einsetzung des Heiligen Eucharistie
und die heilige Kommunion mit ihnen –, sah er, wie diese Seelen dieses
unvergleichliche Geschenk mit der Kälte aufnahmen, die wir beobachten. Der
heilige Petrus, zugleich übertrieben und oberflächlich; Judas, in einem
abscheulichen Zustand, der nicht einmal der Erwähnung wert ist; die anderen
Apostel, die sich nach diesem höchsten Geschenk zur Flucht bereit machten. Da
ist die schöne Begebenheit des heiligen Johannes des Evangelisten, des
geliebten Jüngers, der sein Haupt an Jesu Brust lehnte und ihn fragte, wer der
Verräter sei. Und unser Herr nannte ihn. Das Evangelium sagt: „Der Jünger, den
Jesus liebte.“ Dieser Jünger, den Jesus liebte, wollte wie die anderen fliehen.
Zwar erscheint er später oben am Kreuz. Doch viele Ausleger sagen, dass der
junge Mann, von dem im Evangelium die Rede ist, der seinen Mantel den Soldaten,
die gekommen waren, um unseren Herrn gefangen zu nehmen, überließ, der heilige
Johannes der Evangelist war, der von Panik ergriffen, auch geflohen ist. Der
jungfräuliche Apostel, der keusche Apostel schlechthin, der auserwählte
Apostel, flieht! – und unter welchen Umständen! – und verlässt den göttlichen
Meister.
Das heißt, alles ist ein Schatten, der herabsinkt. Gleichzeitig
werden die Lichter der (neu einführten) Messe entzündet, und unser Herr Jesus
Christus – der alle Zeiten und alles Zukünftige kannte – freute sich über all
die Herrlichkeit, die die Messe dem Ewigen Vater bis zum Ende der Zeiten
bringen würde, über all die Anbetung, die er von allen Heiligen, von allen
auserwählten Seelen bis zum Ende der Welt in der Heiligen Eucharistie und in
der Messe empfangen würde.
Mit anderen Worten: All diese Gefühle erfüllten sein Herz und
bildeten ein Hell-Dunkel aus Trauer und Freude. Doch dann kommt der Augenblick,
in dem das Hell-Dunkel sich verdunkelt. Das Licht weicht zurück. Unser Herr
versinkt nun immer tiefer in den Schatten seines Leidens und seines Todes,
jeder Schritt tragischer als der andere.
Und er geht, doch er geht gewiss ohne einen Augenblick der Entspannung,
ohne einen Augenblick der Erleichterung, außer in dem Augenblick, als er den
Engel empfing, der ihn tröstete; außer in dem Augenblick, als er die
Muttergottes sah und ihre Gegenwart spürte, ohne jede andere Form der
Erleichterung, ohne jede weitere Minute der Erleichterung, bis zum Gipfel, im
äußersten Augenblick, als er im höchsten Schmerz starb und ausrief: „Mein
Gott, mein Vater, warum hast du mich verlassen?“ Es ist der Beginn eines
Psalms, in dem seine Auferstehung vorausgesagt wird; und in dem er, indem er
sagt: „Warum hast du mich verlassen?“, implizit die Prophezeiung
voraussieht, dass er wieder auferstehen würde. So sah er im Höhepunkt der
Verlassenheit implizit seine Auferstehung voraus. Doch bis dahin, bis zum „consummatum
est“, in dem er sagt: „Alles ist erfüllt, alles, was zu leiden war, ist gelitten,
alles ist vollbracht“, bis zu diesem Augenblick sehen wir, dass die Dinge für
ihn zu immer dichterer Finsternis werden.
Wir können uns also vorstellen, wie er, noch immer betrübt vom
Letzten Abendmahl, mit den Aposteln durch die Straßen Jerusalems nach
Gethsemane geht. Die Agonie (die „Todesangst“) beginnt – „Agonie“ bedeutet im
Griechischen „Kampf“; die Athleten wurden „Agonisten“ genannt, weil sie in der
Arena kämpften. So beginnt die Agonie, sein großer Kampf, den er allein führen
wird. Und genau diese Einsamkeit ist eine seiner Tragödien während der Passion,
bis zu dem Augenblick, als die Muttergottes erscheint.
Seine Agonie beginnt so: Er zieht sich zurück; er zieht sich
instinktiv zurück, weil er allein sein will; er zieht sich zurück, weil er
spürt, dass niemand würdig ist, ihm in dieser Stunde nahe zu sein. Dann spricht
er diesen typischen Satz: „Setzt euch hierher, während ich bete“, was
bedeutet: „Ich werde mich von euch zurückziehen. Betet auch, dass ihr nicht
in Versuchung fällt.“ Er sagt dies zu den schläfrigen, zu den
gleichgültigen Jüngern. Und als er sich zurückzieht, fragt ihn nicht etwa ein
Jünger, sondern ein Apostel: „Herr, warum ziehst du dich zurück?“ – oder gar:
„Herr, brauchst du mich nicht?“ – Nein! Die Apostel beginnen zu zweifeln. Und
schon jetzt wird die Tragik seiner Seele spürbar.
„Dann nahm er Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus, Jakobus
und Johannes, mit sich und wurde tief betrübt und angstvoll. Er sprach: ‚Meine
Seele ist zutiefst betrübt bis in den Tod.‘ ‚Bleibt hier und wacht mit mir.‘“ Diese wollte er bei sich haben; die anderen ließ er zurück. Dann
erklärte er ihnen in größerem Vertrauen: „Meine Seele ist zutiefst betrübt
bis zum Tod“ und bat sie, mit ihm zu wachen. Schlaft nicht; „wacht“
bedeutet dies: Bleibt wach mit mir. Es bedeutet, ich möchte in diesem
unermesslichen Schmerz Trost und Mitgefühl in eurer Gegenwart spüren.
„Er ging ein Stück weiter und entfernte sich von ihnen …“
Dann war der Abstand vollständig.
„… etwa einen Steinwurf entfernt. Er warf sich auf sein Angesicht
und betete, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorübergehen möge.“
Und dann sprach er in seinem Gebet – von dem wir wissen, dass die
Apostel es hörten, um es später zu berichten, damit es für immer erzählt würde
– genau diese denkwürdigen Worte: Mein Vater … Er trat vor … und begann zu
beten, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorübergehen möge. Die
genauen Worte lauten: „Mein Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an
mir vorübergehen. Doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.“
Es ist vielleicht das innigste, kraftvollste und gegenrevolutionärste
Gebet, das je auf Erden gesprochen wurde! Inniger, weil er erkennt, dass es der
Ewige Vater ist, der seine Qualen und sein Martyrium wünscht. Und angesichts
dessen, dass er spürt, wie der Ewige Vater seine Hände mit Qualen und Martyrium
für ihn beladen hat und ihn zum Opfer nehmen wird, begegnet er ihm voller Liebe
und spricht ihn als „Mein Vater“ an. Das heißt, mit dem sanftesten Wort,
das ein Mensch zu einem anderen sagen kann. „Mein Vater“ – zweimal sagte
er es; wie einer, der schreit, wie einer, der seufzt. Aber warum nennt er ihn
Vater? Weil er weiß, dass die Qual, die er erleiden wird, eine Qual zur Ehre
Gottes ist, eine Qual, die nach Gottes Plan notwendig ist. Und so verharrt er
in seiner heiligsten Menschheit, wie verlassen, wie von seiner Göttlichkeit
getrennt, in dieser Finsternis; in seiner Menschlichkeit verlangt seine
menschliche Natur dies: Wer weiß, ob es möglich ist, diese Qual abzuwenden;
wenn es möglich ist, wende sie ab. Als wolle er sagen: Die Last des Schmerzes
ist so groß, dass ich dich aus Barmherzigkeit fragen muss: Gibt es denn keinen
Ausweg? Bitte, aus Mitleid, gibt es denn keinen Ausweg? Doch sogleich darauf: „Wenn
es nicht möglich ist, geschehe dein Wille, nicht mein.“
Sie sehen die Zuneigung, die Kraft! Das heißt: Wenn es nicht
möglich ist, selbst wenn ich es nicht ertragen kann, selbst wenn ich keine
Kraft habe, werde ich es versuchen; denn es gibt nichts, was ich nicht bereit
bin, für deinen Willen zu tun. Ich bin der Starke schlechthin, zerschmettert,
gebrochen, vernichtet, und doch bin ich bereit, bis zum Ende zu kämpfen. Gib
mir deine Kraft, und ich werde deinen Willen tun.
Hier ist also eine vollkommene Unterwerfung, einen Akt absoluten
Gehorsams, einen Akt der Liebe ohne den geringsten Widerstand, ohne das
geringste Gefühl, dass Gott ihm nicht gnädig sein wird, sondern Barmherzigkeit
selbst in dem Akt sieht, wo sie unmöglich erscheint.
Hier liegt ein Geheimnis. Manche von euch werden mich fragen: Aber
war es nicht möglich? Hätte Gott nicht einen Tropfen Blut von unserem Herrn
Jesus Christus annehmen und ihn damit erlösen können?
Ein Tropfen von Christi Blut hatte unendlichen Wert. Und Theologen
sagen, dass allein das Blut, das er bei der Beschneidung vergoss, ausgereicht
hätte – ja, mehr als genug! –, um die Menschheit zu erlösen. Aber es gab einen
Plan Gottes, demzufolge dies notwendig war. Und diese ungeheure Qual war
notwendig. Ein Plan, der uns ein Rätsel bleibt. Es ist ein Dialog zwischen Ihm
und dem Ewigen Vater, so tragisch und doch zugleich so innig, dass er uns etwas
offenbart, was wir nicht begreifen können: die Beziehung zwischen dem
Gottmenschen und Gott selbst. Doch es ist klar, dass der Ewige Vater – und Er
selbst als die zweite Person der Heiligen Dreifaltigkeit – dies aus irgendeinem
Grund nicht zulassen wollte.
Wir wissen, was es ist, ein wenig davon, und dieses wenige ist
bereits von außerordentlicher Erhabenheit: Er wollte, dass die Menschen sein
ganzes Leiden sehen, damit jeder Mensch den Mut hätte, sein eigenes Leiden zu
tragen. Wenn Gott durch die Erde gegangen wäre und ein wenig gelitten, einen
Tropfen Blut vergossen hätte, wären wir erlöst. Doch die Lektion, sich dem
Schmerz anzupassen, die Lektion, das Leiden als das Höchste im Leben anzunehmen
– nicht als Katastrophe, nicht als Stolperstein, nicht als etwas, das nicht
hätte geschehen sollen, das wir nicht verstehen –, sondern als den notwendigen
Weg, den der Mensch beschreitet, um sein Ziel zu erreichen, den Weg, den er als
Erfüllung seiner eigenen Bestimmung beschreitet.
Das heißt, jeder von uns wurde geboren, um ein Kreuz zu tragen,
geboren, um durch den Garten Gethsemane zu gehen, geboren, um einen Kelch zu
trinken, geboren, um Stunden der Agonie zu durchleben, in denen wir zu Gott,
unserem Herrn, beten: „Mein Vater, mein Vater, wenn es möglich ist, nimm diesen
Kelch von mir; doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.“ Die Idee,
das Beispiel, dass Schmerz zum Leben des Menschen gehört und dass der Mensch
geboren wurde, um Gott vor allem durch Leiden zu verherrlichen, diese Idee,
diese leitende Idee, die grundlegend für die Bildung des wahren Katholiken ist,
diese Idee hätten wir nicht, wenn sie uns nicht durch ein Beispiel, durch das
erhabenste, durch das fesselndste Beispiel überhaupt, vermittelt würde, nämlich
durch den Tod unseres Herrn Jesus Christus am Kreuz.
Hier, meine lieben, begegnet uns ein Gegensatz zum modernen Geist
und vor allem zum Weltgeist, demzufolge der Mensch auf diese Erde gekommen ist,
um Erfolg zu haben, und dessen Sinn im Leben darin besteht, gesund zu sein,
reich zu werden, das Leben zu genießen und sehr spät zu sterben, wenn es kein
Heilmittel mehr gibt; und zwar im größtmöglichen Maß an Sicherheit, sodass ihn
nicht einmal – ich will nicht sagen Leiden, aber die Angst vor dem Leiden –
heimsucht. Nun, dieser Gedanke ist im Kern heidnisch. Das Leben so zu
betrachten, heißt, es auf heidnische Weise zu betrachten. Eine katholische
Erziehung, die nicht auf Leiden und Schmerz ausgerichtet ist, verhöhnt unseren
Herrn Jesus Christus, dessen ganzes Leben auf diese höchste Stunde des Leidens
und Schmerzes ausgerichtet war. Und dies zwingt uns, uns selbst zu hinterfragen
und uns zu fragen, wie wir mit dem Leiden in unserem Leben umgehen, von dem das
größte – daran besteht kein Zweifel – unsere eigene Heiligung ist. Jede
ernsthafte Heiligung bringt Leiden mit sich, und zwar viel Leiden. Und wenn mir
jemand sagt: „Ich leide nicht“, möchte ich am liebsten sofort erwidern: Dann
heiligst du dich nicht! Denn es gibt keine Heiligung ohne Schmerz.
Die Frage ist also: Wie betrachten wir das Leid in unserem Leben?
Wie betrachten wir den Schmerz, den unsere Heiligung verursacht? Wie bekämpfen
wir unsere schlechten Impulse, die als Folge der Erbsünde und unserer
schlechten Taten tief in uns sitzen? Wie unterdrücken wir nicht nur schlechte
Impulse, sondern üben auch die Tugenden, die ihnen entgegenwirken? Wie
akzeptieren wir unsere Grenzen? Manchmal Grenzen der Intelligenz, manchmal
körperliche Grenzen jeglicher Art, manchmal soziale Grenzen, fehlende Stellung,
fehlendes Vermögen, fehlende Gnade – wir werden gnadenlos –, mit dem andere
keine Beziehung eingehen wollen, jeder geht an uns vorbei und grüßt uns
höchstens. Wie akzeptiert man die Tatsache, gnadenlos zu sein? All das gehört
zum Kreuz des Menschen. Wie kann man akzeptieren, dass jemand, der sehr witzig
ist und mit dem jeder gerne Spaß haben möchte – und der dieser Aufforderung zur
Clownerie widerstehen muss –, wie kann man akzeptieren, dass man dieser
Aufforderung widerstehen muss? Jeder hat sein Kreuz zu tragen. Und hier lehrt
uns das Beispiel unseres Herrn Jesus Christus die grundlegende Bedeutung des
Leidens. Wenn es dem Ewigen Vater nicht möglich war, sein Gebet zu erhören,
dann unter anderem deshalb, weil er den Menschen dieses Beispiel geben wollte.
Wollen Sie sehen, was das Ergebnis ist? Als Napoleon auf dem
Höhepunkt seiner Karriere stand, noch bevor er sich zum Kaiser ausrief, sprach
ihn jemand – ein Schmeichler – an und sagte: „General Bonaparte, warum lassen
Sie sich nicht selbst zum Gott ausrufen?“ Denn die Helden des alten Roms und
die Menschen der Antike im Allgemeinen wurden, wenn sie zu eitel wurden,
schließlich vergöttlicht. Er sah dem Mann direkt in die Augen und gab diese
vernichtende Antwort: „Nach Jesus Christus gibt es nur einen Weg, um als Gott
ernst genommen zu werden: den Weg nach Golgatha zu besteigen und sich kreuzigen
zu lassen. Ich bin nicht bereit dazu.“ Und genau das ist der Punkt! Das heißt,
dieses Beispiel hallte so tief nach, dass kein Kandidat zur Göttlichkeit jemals
wieder ernst genommen wurde; denn nur das Kreuz ist ernst zu nehmen; und nur
diejenigen, die ihr Kreuz tragen wollen, meinen es wirklich ernst, das ist der
springende Punkt.
So viel hat dieses Beispiel unseren Herrn gekostet! Und wie sehr
sollten wir deshalb unser Kreuz lieben und über diesen Punkt nachdenken. So
viel hat er bezahlt, damit wir beispielsweise am 30. März 1972 in diesem
kleinen Saal gemeinsam darüber nachdenken und jeder von uns entschlossener von
hier weggehen konnte, den guten Kampf zu kämpfen. Das heißt, unser Kreuz zu
tragen.
Und es heißt weiter:
„Als er zu den Jüngern zurückkehrte, fand er sie schlafend vor,
überwältigt von Trauer. Und er sagte zu Simon Petrus: ‚Ihr schlaft! Konntet ihr
nicht eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in
Versuchung geratet! Denn der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.‘“
Man erkennt hier die Verlassenheit, die immer deutlicher wird,
nicht wahr? Die Traurigkeit war so groß, dass sie einschliefen.
Man könnte einwenden: „Aber Herr Doktor Plinio, wie streng Sie
doch sind! Merken Sie denn nicht, dass sie traurig waren? Sie scheinen zu
glauben, sie seien gleichgültig gewesen! Das Evangelium sagt, dass sie traurig
waren. Es sagt, sie waren so traurig, dass sie sogar einschliefen!
Das ist eine Art der Flucht. Eine Möglichkeit, dem Schmerz zu
entfliehen, ist diese: „Es ist so traurig, ich mache ein Nickerchen, ich
betäube mich gegen diesen Schmerz.“ Die Tatsache, dass sie schlafen konnten,
während unser Herr litt, zeugt bereits von einer gewissen Gleichgültigkeit. Sie
nahmen den Schlaf als Fluchtmöglichkeit in Kauf, obwohl er sie aufforderte:
„Wacht, bleibt wach!“ Er bat darum, er bat um diesen Trost. Dieser Trost wurde
ihm verweigert. Und da begriff er noch tiefer in seiner Menschlichkeit seine
unermessliche Einsamkeit.
Dann der Rat, der uns so nützlich ist: „Wacht und betet, damit
ihr nicht in Versuchung geratet! Denn der Geist ist willig, aber das Fleisch
ist schwach!“ Schöne Ideen, schöne Projekte – leicht fällt es uns, sie uns
vorzustellen … Doch dann kommt das Fleisch, das heißt, der schlechte Teil in
uns, den es zu überwinden gilt; und was dann? Es ist wunderbar, zum Beispiel
auf einen Kreuzzug zu gehen, nicht wahr? Wir stellen uns vor wie
mittelalterliche Kreuzritter, beritten... ich weiß nicht... ich stelle mir vor,
je nach Geschmack, auf einem wunderschönen weißen Ross, mit glänzender Rüstung,
die in der Sonne strahlt, mit einem prächtigen Helm, Trompetenklängen, und wir
ziehen in die Schlacht... Es ist ein wahres Wunder, das verstehe ich gut. Der
Geist ist bereit. Kurz darauf beginnt die Sonne, die Rüstung zu erhitzen, und
sie wird schwer, und wir spüren, wie der Staub eindringt, und wir spüren ein
Kitzeln in Arm oder Brust, und wir können uns nicht kratzen, weil die Rüstung
unsere Brust bedeckt; und wir müssen bald kampfbereit sein. Und dann beginnt
der prosaische Teil: Unter dem Helm spüren wir den Schweiß, der herunterläuft;
und der Schweiß ist lästig; wir möchten den Helm abnehmen und uns mit einem
Taschentuch abwischen; Dann kam der Drang, den Helm nicht aufzusetzen, diesen
wunderschönen Helm, den wir während der Nachtwache der Wachen am Dom so
bewundert hatten, und dachten: „Was für ein Koloss werde ich mit diesem Helm
aussehen!“ Wir können Juckreiz einfach nicht ausstehen! Es ist die Schwäche des
Fleisches nach einer guten Geisteshaltung, nicht wahr?
(Hier gab es einen Stromausfall und die
Versammlung musste beendet werden...)
Aus dem Portugiesischen.
Erstmals auf Deutsch in http://www.p-c-o.blogspot.com
Wiedergabe mit Angabe der Quelle.
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