Freitag, 20. März 2026

Kommentare zum Todeskampf Unseres Herren im Garten Getsemani

 Plinio Correa de OLiveira

„Heiliger des Tages“, 30. März 1972


Es ist eine alte, ungebrochene Tradition unter uns, an diesen Tagen einen „Heiligen des Tages“ zu einem Abschnitt des Evangeliums über das Leiden unseres Herrn Jesus Christus zu betrachten.

Eigentlich wäre heute der Heilige des Tages für Gründonnerstag. Da es aber bereits so viele Kommentare zu Gründonnerstag auf Grundlage der Evangelienkonkordanz gibt, erschien es mir angebrachter, in diesem Jahr eine Änderung vorzunehmen und die Kommentare anhand des Evangeliums von morgen zu machen. So können Sie sich auf das große Fest vorbereiten, das die Kirche morgen feiert: den Tod unseres Herrn Jesus Christus am Kreuz und die Erlösung der Menschheit. Daher werde ich einen Abschnitt der Evangelienkonkordanz zu diesem Thema lesen und kommentieren.

Ich beginne mit dem Ende des Letzten Abendmahls, als unser Herr und die Apostel in den Garten Gethsemane gingen. Hier heißt es: „Nach diesen Worten, nachdem er den Dankgesang gesungen hatte, ging Jesus mit seinen Jüngern durch das Kidrontal. Sie gingen, wie es seine Gewohnheit war, zum Ölberg und kamen an einen Ort namens Gethsemane. Dort war ein Garten, in den er mit seinen Jüngern hineinging. Als er dort ankam, sagte Jesus zu ihnen: ‚Setzt euch hier, während ich hinübergehe und bete. Betet auch, dass ihr nicht in Versuchung geratet.

Man sieht also, dass eine deutliche Unterbrechung gibt zwischen dem Fest der Einsetzung der Eucharistie, der ersten Messe und dem Leiden unseres Herrn Jesus Christus. Das heißt, das Letzte Abendmahl hat einen festlichen Charakter; einen festlichen Charakter, auf den sich bereits die Schatten und der Schmerz der späteren tragischen Ereignisse projizieren. Aber es hat dennoch einen festlichen Charakter. An einem bestimmten Punkt endet dieser festliche Charakter: Unser Herr hat das Abendmahl beendet, dankt, und das Fest ist vorüber. Vom Moment des Endes der Feier an begann er sich dem Schmerz, dem Drama, dem großen Kampf seines Lebens zu stellen; einem Leben, das bereits voller Kämpfe gewesen war, aber in diesem Augenblick seinen Höhepunkt erreichte.

Um die Ereignisse, die das Evangelium in so einfacher Sprache schildert, vollständig zu erfassen, müssen wir uns den Gemütszustand unseres Herrn Jesus Christus und die Haltung des Heiligsten Herzens Jesu während dieser Ereignisse vorstellen.

Das Letzte Abendmahl war für ihn aus zwei Gründen traurig. Erstens, weil er das darauffolgende Leiden sah, von dem er bereits genau wusste. Aber es war auch traurig wegen der sehr traurigen Lage der Apostel. In jedem Augenblick der Erzählung vom Letzten Abendmahl sehen wir Anzeichen für die Mittelmäßigkeit der Apostel, für ihre Unzulänglichkeit. Dies hätte das Heiligste Herz Jesu durchbohren müssen, es mehr treffen müssen als die Lanze des Longinus: die Untreue der Apostel, das Scheitern des Werkes, das unser Herr mit ihnen begonnen hatte.

Das heißt, als das Ende kam und unser Herr ihnen die bis dahin größte Offenbarung seiner Liebe schenkte – die Einsetzung des Heiligen Eucharistie und die heilige Kommunion mit ihnen –, sah er, wie diese Seelen dieses unvergleichliche Geschenk mit der Kälte aufnahmen, die wir beobachten. Der heilige Petrus, zugleich übertrieben und oberflächlich; Judas, in einem abscheulichen Zustand, der nicht einmal der Erwähnung wert ist; die anderen Apostel, die sich nach diesem höchsten Geschenk zur Flucht bereit machten. Da ist die schöne Begebenheit des heiligen Johannes des Evangelisten, des geliebten Jüngers, der sein Haupt an Jesu Brust lehnte und ihn fragte, wer der Verräter sei. Und unser Herr nannte ihn. Das Evangelium sagt: „Der Jünger, den Jesus liebte.“ Dieser Jünger, den Jesus liebte, wollte wie die anderen fliehen. Zwar erscheint er später oben am Kreuz. Doch viele Ausleger sagen, dass der junge Mann, von dem im Evangelium die Rede ist, der seinen Mantel den Soldaten, die gekommen waren, um unseren Herrn gefangen zu nehmen, überließ, der heilige Johannes der Evangelist war, der von Panik ergriffen, auch geflohen ist. Der jungfräuliche Apostel, der keusche Apostel schlechthin, der auserwählte Apostel, flieht! – und unter welchen Umständen! – und verlässt den göttlichen Meister.

Das heißt, alles ist ein Schatten, der herabsinkt. Gleichzeitig werden die Lichter der (neu einführten) Messe entzündet, und unser Herr Jesus Christus – der alle Zeiten und alles Zukünftige kannte – freute sich über all die Herrlichkeit, die die Messe dem Ewigen Vater bis zum Ende der Zeiten bringen würde, über all die Anbetung, die er von allen Heiligen, von allen auserwählten Seelen bis zum Ende der Welt in der Heiligen Eucharistie und in der Messe empfangen würde.

Mit anderen Worten: All diese Gefühle erfüllten sein Herz und bildeten ein Hell-Dunkel aus Trauer und Freude. Doch dann kommt der Augenblick, in dem das Hell-Dunkel sich verdunkelt. Das Licht weicht zurück. Unser Herr versinkt nun immer tiefer in den Schatten seines Leidens und seines Todes, jeder Schritt tragischer als der andere.

Und er geht, doch er geht gewiss ohne einen Augenblick der Entspannung, ohne einen Augenblick der Erleichterung, außer in dem Augenblick, als er den Engel empfing, der ihn tröstete; außer in dem Augenblick, als er die Muttergottes sah und ihre Gegenwart spürte, ohne jede andere Form der Erleichterung, ohne jede weitere Minute der Erleichterung, bis zum Gipfel, im äußersten Augenblick, als er im höchsten Schmerz starb und ausrief: „Mein Gott, mein Vater, warum hast du mich verlassen?“ Es ist der Beginn eines Psalms, in dem seine Auferstehung vorausgesagt wird; und in dem er, indem er sagt: „Warum hast du mich verlassen?“, implizit die Prophezeiung voraussieht, dass er wieder auferstehen würde. So sah er im Höhepunkt der Verlassenheit implizit seine Auferstehung voraus. Doch bis dahin, bis zum „consummatum est“, in dem er sagt: „Alles ist erfüllt, alles, was zu leiden war, ist gelitten, alles ist vollbracht“, bis zu diesem Augenblick sehen wir, dass die Dinge für ihn zu immer dichterer Finsternis werden.

Wir können uns also vorstellen, wie er, noch immer betrübt vom Letzten Abendmahl, mit den Aposteln durch die Straßen Jerusalems nach Gethsemane geht. Die Agonie (die „Todesangst“) beginnt – „Agonie“ bedeutet im Griechischen „Kampf“; die Athleten wurden „Agonisten“ genannt, weil sie in der Arena kämpften. So beginnt die Agonie, sein großer Kampf, den er allein führen wird. Und genau diese Einsamkeit ist eine seiner Tragödien während der Passion, bis zu dem Augenblick, als die Muttergottes erscheint.

Seine Agonie beginnt so: Er zieht sich zurück; er zieht sich instinktiv zurück, weil er allein sein will; er zieht sich zurück, weil er spürt, dass niemand würdig ist, ihm in dieser Stunde nahe zu sein. Dann spricht er diesen typischen Satz: „Setzt euch hierher, während ich bete“, was bedeutet: „Ich werde mich von euch zurückziehen. Betet auch, dass ihr nicht in Versuchung fällt.“ Er sagt dies zu den schläfrigen, zu den gleichgültigen Jüngern. Und als er sich zurückzieht, fragt ihn nicht etwa ein Jünger, sondern ein Apostel: „Herr, warum ziehst du dich zurück?“ – oder gar: „Herr, brauchst du mich nicht?“ – Nein! Die Apostel beginnen zu zweifeln. Und schon jetzt wird die Tragik seiner Seele spürbar.

„Dann nahm er Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus, Jakobus und Johannes, mit sich und wurde tief betrübt und angstvoll. Er sprach: ‚Meine Seele ist zutiefst betrübt bis in den Tod.‘ ‚Bleibt hier und wacht mit mir.‘“ Diese wollte er bei sich haben; die anderen ließ er zurück. Dann erklärte er ihnen in größerem Vertrauen: „Meine Seele ist zutiefst betrübt bis zum Tod“ und bat sie, mit ihm zu wachen. Schlaft nicht; „wacht“ bedeutet dies: Bleibt wach mit mir. Es bedeutet, ich möchte in diesem unermesslichen Schmerz Trost und Mitgefühl in eurer Gegenwart spüren.

„Er ging ein Stück weiter und entfernte sich von ihnen …“

Dann war der Abstand vollständig.

„… etwa einen Steinwurf entfernt. Er warf sich auf sein Angesicht und betete, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorübergehen möge.“


Ich weiß nicht, ob sie es sich vorstellen können … Denkt hier an das Heilige Grabtuch von Turin, an die Majestät unseres Herrn, an diesen Blick, der … nun ja, können sie sich vorstellen, was es für jemanden mit einem kleinen Herzen bedeuten mag, diese Stirn zu sehen, in der sich die ganze Herrlichkeit des Universums zusammenfasste, diesen Blick, in dem sich in erhabener, in unvorstellbarer Weise die Heiligkeit aller Seelen zu allen Zeiten widerspiegelte; die Intelligenz, die Kraft, all das Gute, alle Eigenschaften; dieses Antlitzes, kurzum, das es der vollkommenste Spiegel Gottes war, der je geschaffen wurde; dieses Gesicht, diese Szene in der Nacht! Wir können uns unseren Herrn in einer weißen Tunika vorstellen, in einer schattigen Nacht im Garten, vielleicht vom Mond erhellt, mit Schatten, wir können uns vorstellen, wie die Schatten der Bäume ein Hell-Dunkel-Spiel erzeugen – unser Herr war ein großer Mann – wir können uns vorstellen, wie ergreifend das gewesen sein muss. Dieser majestätische Mann, ganz allein; plötzlich eine große weiße Gestalt, die sich neigt und das Gesicht zur Erde wendet. Dann betete Er, der König aller Herrlichkeit, niedergestreckt, betete, überwältigt von einem Kummer, der ihn bis zum Tod verzehrte.

Und dann sprach er in seinem Gebet – von dem wir wissen, dass die Apostel es hörten, um es später zu berichten, damit es für immer erzählt würde – genau diese denkwürdigen Worte: Mein Vater … Er trat vor … und begann zu beten, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorübergehen möge. Die genauen Worte lauten: „Mein Vater, wenn es möglich ist, lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.“

Es ist vielleicht das innigste, kraftvollste und gegenrevolutionärste Gebet, das je auf Erden gesprochen wurde! Inniger, weil er erkennt, dass es der Ewige Vater ist, der seine Qualen und sein Martyrium wünscht. Und angesichts dessen, dass er spürt, wie der Ewige Vater seine Hände mit Qualen und Martyrium für ihn beladen hat und ihn zum Opfer nehmen wird, begegnet er ihm voller Liebe und spricht ihn als „Mein Vater“ an. Das heißt, mit dem sanftesten Wort, das ein Mensch zu einem anderen sagen kann. „Mein Vater“ – zweimal sagte er es; wie einer, der schreit, wie einer, der seufzt. Aber warum nennt er ihn Vater? Weil er weiß, dass die Qual, die er erleiden wird, eine Qual zur Ehre Gottes ist, eine Qual, die nach Gottes Plan notwendig ist. Und so verharrt er in seiner heiligsten Menschheit, wie verlassen, wie von seiner Göttlichkeit getrennt, in dieser Finsternis; in seiner Menschlichkeit verlangt seine menschliche Natur dies: Wer weiß, ob es möglich ist, diese Qual abzuwenden; wenn es möglich ist, wende sie ab. Als wolle er sagen: Die Last des Schmerzes ist so groß, dass ich dich aus Barmherzigkeit fragen muss: Gibt es denn keinen Ausweg? Bitte, aus Mitleid, gibt es denn keinen Ausweg? Doch sogleich darauf: „Wenn es nicht möglich ist, geschehe dein Wille, nicht mein.“

Sie sehen die Zuneigung, die Kraft! Das heißt: Wenn es nicht möglich ist, selbst wenn ich es nicht ertragen kann, selbst wenn ich keine Kraft habe, werde ich es versuchen; denn es gibt nichts, was ich nicht bereit bin, für deinen Willen zu tun. Ich bin der Starke schlechthin, zerschmettert, gebrochen, vernichtet, und doch bin ich bereit, bis zum Ende zu kämpfen. Gib mir deine Kraft, und ich werde deinen Willen tun.

Hier ist also eine vollkommene Unterwerfung, einen Akt absoluten Gehorsams, einen Akt der Liebe ohne den geringsten Widerstand, ohne das geringste Gefühl, dass Gott ihm nicht gnädig sein wird, sondern Barmherzigkeit selbst in dem Akt sieht, wo sie unmöglich erscheint.

Hier liegt ein Geheimnis. Manche von euch werden mich fragen: Aber war es nicht möglich? Hätte Gott nicht einen Tropfen Blut von unserem Herrn Jesus Christus annehmen und ihn damit erlösen können?

Ein Tropfen von Christi Blut hatte unendlichen Wert. Und Theologen sagen, dass allein das Blut, das er bei der Beschneidung vergoss, ausgereicht hätte – ja, mehr als genug! –, um die Menschheit zu erlösen. Aber es gab einen Plan Gottes, demzufolge dies notwendig war. Und diese ungeheure Qual war notwendig. Ein Plan, der uns ein Rätsel bleibt. Es ist ein Dialog zwischen Ihm und dem Ewigen Vater, so tragisch und doch zugleich so innig, dass er uns etwas offenbart, was wir nicht begreifen können: die Beziehung zwischen dem Gottmenschen und Gott selbst. Doch es ist klar, dass der Ewige Vater – und Er selbst als die zweite Person der Heiligen Dreifaltigkeit – dies aus irgendeinem Grund nicht zulassen wollte.

Wir wissen, was es ist, ein wenig davon, und dieses wenige ist bereits von außerordentlicher Erhabenheit: Er wollte, dass die Menschen sein ganzes Leiden sehen, damit jeder Mensch den Mut hätte, sein eigenes Leiden zu tragen. Wenn Gott durch die Erde gegangen wäre und ein wenig gelitten, einen Tropfen Blut vergossen hätte, wären wir erlöst. Doch die Lektion, sich dem Schmerz anzupassen, die Lektion, das Leiden als das Höchste im Leben anzunehmen – nicht als Katastrophe, nicht als Stolperstein, nicht als etwas, das nicht hätte geschehen sollen, das wir nicht verstehen –, sondern als den notwendigen Weg, den der Mensch beschreitet, um sein Ziel zu erreichen, den Weg, den er als Erfüllung seiner eigenen Bestimmung beschreitet.

Das heißt, jeder von uns wurde geboren, um ein Kreuz zu tragen, geboren, um durch den Garten Gethsemane zu gehen, geboren, um einen Kelch zu trinken, geboren, um Stunden der Agonie zu durchleben, in denen wir zu Gott, unserem Herrn, beten: „Mein Vater, mein Vater, wenn es möglich ist, nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe.“ Die Idee, das Beispiel, dass Schmerz zum Leben des Menschen gehört und dass der Mensch geboren wurde, um Gott vor allem durch Leiden zu verherrlichen, diese Idee, diese leitende Idee, die grundlegend für die Bildung des wahren Katholiken ist, diese Idee hätten wir nicht, wenn sie uns nicht durch ein Beispiel, durch das erhabenste, durch das fesselndste Beispiel überhaupt, vermittelt würde, nämlich durch den Tod unseres Herrn Jesus Christus am Kreuz.

Hier, meine lieben, begegnet uns ein Gegensatz zum modernen Geist und vor allem zum Weltgeist, demzufolge der Mensch auf diese Erde gekommen ist, um Erfolg zu haben, und dessen Sinn im Leben darin besteht, gesund zu sein, reich zu werden, das Leben zu genießen und sehr spät zu sterben, wenn es kein Heilmittel mehr gibt; und zwar im größtmöglichen Maß an Sicherheit, sodass ihn nicht einmal – ich will nicht sagen Leiden, aber die Angst vor dem Leiden – heimsucht. Nun, dieser Gedanke ist im Kern heidnisch. Das Leben so zu betrachten, heißt, es auf heidnische Weise zu betrachten. Eine katholische Erziehung, die nicht auf Leiden und Schmerz ausgerichtet ist, verhöhnt unseren Herrn Jesus Christus, dessen ganzes Leben auf diese höchste Stunde des Leidens und Schmerzes ausgerichtet war. Und dies zwingt uns, uns selbst zu hinterfragen und uns zu fragen, wie wir mit dem Leiden in unserem Leben umgehen, von dem das größte – daran besteht kein Zweifel – unsere eigene Heiligung ist. Jede ernsthafte Heiligung bringt Leiden mit sich, und zwar viel Leiden. Und wenn mir jemand sagt: „Ich leide nicht“, möchte ich am liebsten sofort erwidern: Dann heiligst du dich nicht! Denn es gibt keine Heiligung ohne Schmerz.

Die Frage ist also: Wie betrachten wir das Leid in unserem Leben? Wie betrachten wir den Schmerz, den unsere Heiligung verursacht? Wie bekämpfen wir unsere schlechten Impulse, die als Folge der Erbsünde und unserer schlechten Taten tief in uns sitzen? Wie unterdrücken wir nicht nur schlechte Impulse, sondern üben auch die Tugenden, die ihnen entgegenwirken? Wie akzeptieren wir unsere Grenzen? Manchmal Grenzen der Intelligenz, manchmal körperliche Grenzen jeglicher Art, manchmal soziale Grenzen, fehlende Stellung, fehlendes Vermögen, fehlende Gnade – wir werden gnadenlos –, mit dem andere keine Beziehung eingehen wollen, jeder geht an uns vorbei und grüßt uns höchstens. Wie akzeptiert man die Tatsache, gnadenlos zu sein? All das gehört zum Kreuz des Menschen. Wie kann man akzeptieren, dass jemand, der sehr witzig ist und mit dem jeder gerne Spaß haben möchte – und der dieser Aufforderung zur Clownerie widerstehen muss –, wie kann man akzeptieren, dass man dieser Aufforderung widerstehen muss? Jeder hat sein Kreuz zu tragen. Und hier lehrt uns das Beispiel unseres Herrn Jesus Christus die grundlegende Bedeutung des Leidens. Wenn es dem Ewigen Vater nicht möglich war, sein Gebet zu erhören, dann unter anderem deshalb, weil er den Menschen dieses Beispiel geben wollte.

Wollen Sie sehen, was das Ergebnis ist? Als Napoleon auf dem Höhepunkt seiner Karriere stand, noch bevor er sich zum Kaiser ausrief, sprach ihn jemand – ein Schmeichler – an und sagte: „General Bonaparte, warum lassen Sie sich nicht selbst zum Gott ausrufen?“ Denn die Helden des alten Roms und die Menschen der Antike im Allgemeinen wurden, wenn sie zu eitel wurden, schließlich vergöttlicht. Er sah dem Mann direkt in die Augen und gab diese vernichtende Antwort: „Nach Jesus Christus gibt es nur einen Weg, um als Gott ernst genommen zu werden: den Weg nach Golgatha zu besteigen und sich kreuzigen zu lassen. Ich bin nicht bereit dazu.“ Und genau das ist der Punkt! Das heißt, dieses Beispiel hallte so tief nach, dass kein Kandidat zur Göttlichkeit jemals wieder ernst genommen wurde; denn nur das Kreuz ist ernst zu nehmen; und nur diejenigen, die ihr Kreuz tragen wollen, meinen es wirklich ernst, das ist der springende Punkt.

So viel hat dieses Beispiel unseren Herrn gekostet! Und wie sehr sollten wir deshalb unser Kreuz lieben und über diesen Punkt nachdenken. So viel hat er bezahlt, damit wir beispielsweise am 30. März 1972 in diesem kleinen Saal gemeinsam darüber nachdenken und jeder von uns entschlossener von hier weggehen konnte, den guten Kampf zu kämpfen. Das heißt, unser Kreuz zu tragen.

Und es heißt weiter:

„Als er zu den Jüngern zurückkehrte, fand er sie schlafend vor, überwältigt von Trauer. Und er sagte zu Simon Petrus: ‚Ihr schlaft! Konntet ihr nicht eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Denn der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.‘“

Man erkennt hier die Verlassenheit, die immer deutlicher wird, nicht wahr? Die Traurigkeit war so groß, dass sie einschliefen.

Man könnte einwenden: „Aber Herr Doktor Plinio, wie streng Sie doch sind! Merken Sie denn nicht, dass sie traurig waren? Sie scheinen zu glauben, sie seien gleichgültig gewesen! Das Evangelium sagt, dass sie traurig waren. Es sagt, sie waren so traurig, dass sie sogar einschliefen!

Das ist eine Art der Flucht. Eine Möglichkeit, dem Schmerz zu entfliehen, ist diese: „Es ist so traurig, ich mache ein Nickerchen, ich betäube mich gegen diesen Schmerz.“ Die Tatsache, dass sie schlafen konnten, während unser Herr litt, zeugt bereits von einer gewissen Gleichgültigkeit. Sie nahmen den Schlaf als Fluchtmöglichkeit in Kauf, obwohl er sie aufforderte: „Wacht, bleibt wach!“ Er bat darum, er bat um diesen Trost. Dieser Trost wurde ihm verweigert. Und da begriff er noch tiefer in seiner Menschlichkeit seine unermessliche Einsamkeit.

Dann der Rat, der uns so nützlich ist: „Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Denn der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach!“ Schöne Ideen, schöne Projekte – leicht fällt es uns, sie uns vorzustellen … Doch dann kommt das Fleisch, das heißt, der schlechte Teil in uns, den es zu überwinden gilt; und was dann? Es ist wunderbar, zum Beispiel auf einen Kreuzzug zu gehen, nicht wahr? Wir stellen uns vor wie mittelalterliche Kreuzritter, beritten... ich weiß nicht... ich stelle mir vor, je nach Geschmack, auf einem wunderschönen weißen Ross, mit glänzender Rüstung, die in der Sonne strahlt, mit einem prächtigen Helm, Trompetenklängen, und wir ziehen in die Schlacht... Es ist ein wahres Wunder, das verstehe ich gut. Der Geist ist bereit. Kurz darauf beginnt die Sonne, die Rüstung zu erhitzen, und sie wird schwer, und wir spüren, wie der Staub eindringt, und wir spüren ein Kitzeln in Arm oder Brust, und wir können uns nicht kratzen, weil die Rüstung unsere Brust bedeckt; und wir müssen bald kampfbereit sein. Und dann beginnt der prosaische Teil: Unter dem Helm spüren wir den Schweiß, der herunterläuft; und der Schweiß ist lästig; wir möchten den Helm abnehmen und uns mit einem Taschentuch abwischen; Dann kam der Drang, den Helm nicht aufzusetzen, diesen wunderschönen Helm, den wir während der Nachtwache der Wachen am Dom so bewundert hatten, und dachten: „Was für ein Koloss werde ich mit diesem Helm aussehen!“ Wir können Juckreiz einfach nicht ausstehen! Es ist die Schwäche des Fleisches nach einer guten Geisteshaltung, nicht wahr?

 

(Hier gab es einen Stromausfall und die Versammlung musste beendet werden...)

 

 

Aus dem Portugiesischen.
Erstmals auf Deutsch in http://
www.p-c-o.blogspot.com
Wiedergabe mit Angabe der Quelle.

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