Plinio Correa de Oliveira
Obwohl der heutige liturgische Kalender die
Schmerzensmutter am 15. September begeht, wurde sie gemäß der ältesten
Tradition der Kirche auch am Freitag vor Palmsonntag, während der sogenannten
Passionszeit, verehrt. Dies ist kein unbedeutendes Detail: Es bedeutet
anzuerkennen, dass Marias Schmerz keine ferne Erinnerung ist, sondern in den
Tagen unmittelbar vor Christi Leiden lebendig gegenwärtig. Daher erschien es
uns angesichts der bevorstehenden Karwoche besonders angebracht, diese
Betrachtung heute zu wiederholen: Denn der Blick auf die Schmerzensmutter hilft
uns, tiefer in das Geheimnis des Kreuzes einzutauchen und unsere Herzen mit
ihrem Schmerz und ihrer Liebe zu ihrem Sohn zu vereinen.
Heute ist ein sehr bedeutsamer Tag für uns, denn es ist
der 17. März, das Fest der Sieben Schmerzen Mariens, das am Freitag nach dem
Passionssonntag gefeiert wird.
Was wir über die Schmerzen Mariens sagen können, ist im
Wesentlichen Folgendes: Wer glaubt, Maria hatte in ihrem Leben einen Moment des
Schmerzes erlitten und das dieser Schmerz wahrlich unermesslich war; er war der
größte Schmerz, der je im Universum empfunden wurde, geringer natürlich als der
unermessliche Schmerz unseres Herrn Jesus Christus in seiner heiligen
Menschheit. Er war so ein gewaltiger Schmerz, der alle Schmerzen des Universums
und all das Leid der Menschheit seit dem Sündenfall Adams und bis zum letzten
Augenblick ihres Daseins auf Erden in sich aufnahm. Doch all das wird
unvergleichlich geringer sein als die Schmerzen der Mutter Gottes.
Diesen Schmerz erlitt sie jedoch nur während ihrer
Passion. Außerhalb der Passion litt sie nicht unter diesen Schmerzen. So, das
man meine könnte, sie führte ein freudvolles, ruhiges und erfülltes Leben,
überfließend von Zufriedenheit und der Freude, die Mutter des Erlösers zu sein.
Plötzlich überkam sie den stechenden Schmerz der Passion, der jedoch nur etwa
24 Stunden anhielt. Dann, sagen wir bis zur Auferstehung unseres Herrn, also
noch etwas länger, litt sie, doch dann ging das Leiden vorüber, und sie lebte
wieder ein freudvolles Leben.
In Wirklichkeit verlief dies nicht so, und es ist eine
völlig falsche Sichtweise auf die Leiden Mariens. Unser Herr Jesus Christus
wurde von einem der Propheten, wenn ich mich nicht irre, von Jesaja, „Vir
dolorem“, der Schmerzensmensch, genannt. Der Mensch, dessen Natur es war zu
leiden, der voller Schmerzen war und diese Schmerzen sein ganzes Leben lang in
seiner heiligsten Seele trug. So dass das Leiden unseres Herrn Jesus Christus
kein isoliertes Ereignis in seinem Leben war, sondern der Höhepunkt einer
unermesslichen Leidenskette, die mit dem ersten Augenblick seines Daseins
begann und bis zu dem Moment andauerte, als er unter einem Schwall von
Schmerzen das schreckliche „Consumatum est“ ausstieß. Während dieser
ganzen Zeit litt er unaufhörlich.
Da die Gottesmutter ein Spiegel der Weisheit und der
Gerechtigkeit ist und in sich alles widerspiegelt, was unser Herr Jesus
Christus ist, muss man von ihr sagen, dass sie die „Mulier Dolorem“, die
Schmerzensfrau, die Schmerzensmutter, war. Auch sie war ihr ganzes Leben lang
von Schmerz durchdrungen, sie litt ihr ganzes Dasein lang. Gewiss war dieser
Schmerz ein Schmerz, der der unermesslichen Kraft entsprach, die ihr die Gnade
verlieh. Es ist gewiss, dass es ein von der Vorsehung auferlegter Schmerz war
und dass er, so qualvoll er auch gewesen sein mag, nicht zu jenen Schmerzen
gehörte, die alles ins Wanken bringen, alles auf die Probe stellen, eine Seele
vernichten.
Es waren immense Schmerzen, aber sehr heilsame, sehr
weise Schmerzen, Schmerzen, die mit bewundernswerter Seelenruhe ertragen
wurden, sodass, wie Jesaja unserem Herrn die Worte zuschrieb: „Siehe, mein
sehr bitterer Kummer hat Frieden gefunden“, so auch von der Gottesmutter
gesagt werden kann: „Siehe, mein bitterer Kummer hat Frieden gefunden.“
Inmitten eines Ozeans des Schmerzes war alles im
Gleichgewicht, alles war durchdacht, reflektiert und mit Liebe und
unvergleichlicher Seelenruhe ertragen worden, ohne übertriebene Emotionen, aber
mit einem fast unendlichen Maß an Empfindung. Ohne Jubel, ohne Panik, aber mit
großer Furcht, mit großer Angst und in manchen Augenblicken mit einer Schwere
des Schmerzes, die sie beinahe zerbrach.
Unsere Liebe Frau war ihr ganzes Leben lang eine große
Leidende. Eine Leidende, die Momente der Freude erlebte – nicht nur einzelne
Momente, sondern Freude durch ihr ganzes Leben hindurch. Sie erfuhr Freuden,
wie sie kein anderer Mensch je erfahren hat. Und alle Freuden der Welt, vom
ersten Augenblick der Geburt des Menschen im Paradies bis zum letzten
Augenblick seines Daseins auf Erden, reichen zusammen nicht an die
unermessliche Freude Unserer Lieben Frau heran. Doch diese Schmerzen und
Freuden waren untrennbar miteinander verbunden, und Unsere Liebe Frau trug die
Last unermesslicher Schmerzen und wurde zugleich von bewundernswerter Freude
erlöst. Angesichts dieser moralischen, unergründlich heiligen Erscheinung
Unserer Lieben Frau ist es gut für uns, sie so zu sehen, besonders in ihren
Leiden.
Was waren die Leiden Unserer Lieben Frau? Im Grunde
begann Unsere Liebe Frau bereits zu leiden, bevor sie wusste, dass sie die
Mutter Gottes war. Und sie begann einen Schmerz zu erleiden, der für eine
eifrige Seele unermesslich ist, ein Schmerz, der unzählige Heilige quälte. Ich
glaube, er quälte alle Heiligen, und dass sie ihn natürlich in höchstem Maße
erfuhr.
Die Liebe Frau, die ohne Erbsünde empfangen wurde, dachte
und wusste vom ersten Augenblick ihres Daseins an, noch im Schoß der heiligen
Anna, im Tabernakel der heiligen Anna, was geschah. Dort begann sie ihr
mystisches Leben mit Visionen, erhabenen Ekstasen und großartigen
Offenbarungen. Und dort hatte sie bereits Kenntnis von der Sünde der Menschen. Sie
wusste bereits um all die Untreue der Menschen.
Und sie, die so sehr für die Ehre Gottes brannte, dass
sie tausend Leben hingab, um eine Todsünde zu verhindern, Sie erlitt diesen
unermesslichen Schmerz, die gesamte Menschheit in Sünde versunken zu sehen. Sie
sah all die Seelen, die starben, unzählige in die Hölle fuhren, und jene, die
nicht in die Hölle fuhren, im traurigen Zwischenreich verweilten und
Jahrhunderte lang auf unseren Herrn Jesus Christus warteten.
Mehr noch, die Gottesmutter sah die Sünden, die zur Zeit
des Kommens des Messias geschehen würden. Sie sah die Sünden, die nach dem
Messias bis zum Ende der Welt folgen würden. Und diese Sünden verursachten ihr
eine Qual, die wir uns kaum vorstellen können. Es gab einen Heiligen, ich weiß
nicht, ob es der heilige Ignatius von Loyola war, der sagte: Wenn er sein
ganzes Leben nur dem Zweck widmen müsste, einen Menschen vor einer Todsünde und
der damit verbundenen Höllenqual zu bewahren – also nicht, um diese Seele zu
retten, sondern um ihr den Schmerz der Todsünde zu ersparen –, dann würde er
all das Leid seiner Existenz als gut investiert betrachten, so unergründlich
ist die Todsünde.
Aber wenn dieser Heilige so dachte, was dachte dann erst
die Gottesmutter? Vor ihr ist der kleinste Heilige, ja der größte, weniger als
ein Tropfen Wasser im Vergleich zu allen Meeren der Welt, weniger als ein
Staubkorn im Vergleich zu allen Universen. Die Heiligkeit der Gottesmutter ist
unermesslich. Wir können das Missverhältnis zwischen der Heiligkeit der
Gottesmutter und der aller Engel und Heiligen zusammen nicht bemessen. Welche
Qualen muss sie also ertragen?
Später erhielt sie die wunderbare Nachricht, dass sie die
Mutter des fleischgewordenen Wortes werden würde. Man kann sich die Freude
vorstellen, die sie empfand, als sie den menschgewordenen Gott in dem
Augenblick anbetete, als sie ihn durch das Wirken des Heiligen Geistes empfing.
Man kann sich aber auch ihren Schmerz vorstellen, als ihr sofort bewusst wurde,
dass dieser Messias so leiden würde, wie der Prophet Jesaja es beschreibt.
Manche glauben, sie habe nichts vom Kreuz gewusst und erst in diesem Moment vom
Tod unseres Herrn erfahren; ich bestreite das nicht. Wenn sie aber durch den
Propheten Jesaja wusste, dass er unbeschreibliche Schmerzen erleiden würde,
steht das außer Zweifel.
Maria von Agreda berichtet, dass es in ihrem Haus in
Nazareth einen Raum gab, der als Gebetsraum diente. Mehrmals fand die
Muttergottes in diesem Raum unseren Herrn kniend, ausgestreckt vor Gott,
blutüberströmt vor Furcht vor dem bevorstehenden Leiden, vor der Undankbarkeit,
mit der die Menschen sein Leiden aufnehmen würden. Man kann sich vorstellen,
wie glaubwürdig, wie nachvollziehbar der Schmerz der Muttergottes war, als sie
sah, wie ein fünfjähriges Kind, dann ein zehnjähriges, dann ein fünfzehnjähriges,
dann ein zwanzigjähriger junger Mann und schließlich ein erwachsener Mann von
fünfundzwanzig, dreißig Jahren immer wieder vor Gott kniete, litt und Blut
schwitzte angesichts der kommenden Qualen.
Man kann sich vorstellen, was sie, die ihren Sohn nicht
nur wie eine Mutter ihr Kind, sondern wie eine Mutter ihren Sohn – Gott –
liebte, darunter litt. Wahrscheinlich kniete sie neben ihm. Sie warf sich neben
ihm nieder und litt seine Schmerzen. Und es ist kein Wunder, dass sie Blut
schwitzte, wie er selbst.
Nun, dann beginnt sein öffentliches Wirken. Die
Muttergottes durchleidet den Schmerz der Trennung von ihm. Und dann beginnen
seine Wunder, seine Siege, es ist eine Zeit der Freude. Doch bald darauf
beginnt die Undankbarkeit. Der Sturm der Ungerechtigkeiten, der unseren Herrn
zur Passion führte, braute sich zusammen. Dann kommt der Moment der Passion.
Sie leidet unter all dem, der Undankbarkeit, deren Opfer er überall war.
Die Stunde der Passion schlägt, und das Unaussprechliche
geschieht: Im Augenblick der Passion sieht sie endlich alles, was unser Herr
erlitten hat; was hat sie in jeder Trance erlitten? All das ist nichts. Wenn es
Heilige gibt, die in Ohnmacht fielen, als ihnen offenbart wurde, was mag dann
erst die geringste Episode der Passion für die Gottesmutter bedeutet haben?
Schließlich erreicht sie die Höhe des Golgotha, wo das Kreuz aufgepflanzt wird, und das Leiden unseres Herrn erreicht ein unbeschreibliches, ein unergründliches Ausmaß. Da steht sie vor diesem Dilemma: Einerseits wünscht sie sich seinen schnellen Tod, um sein Leiden zu lindern, andererseits wünscht sie sich, sein Leben würde verlängert. Erstens, weil jede Mutter das Leben ihres Kindes verlängern möchte; zweitens, weil sie glaubt, dass er so mehr leiden würde und es den armen Sündern besser ginge. Und sie hält an der Passion fest, sie hält an der Verlängerung dieses Leidens fest und beschließt, der Opferung unseres Herrn zuzustimmen, jedoch in jener äußersten Stunde, nach all dem Leiden, das er zu ertragen hatte.
Maria von Agreda berichtet, dass sie der Macht des
Teufels über unseren Herrn nur ein oder zwei Grenzen setzte. Sie sah, wie der
Teufel diesen verabscheuungswürdigen Mob gegen unseren Herrn aufhetzte. Sie ist
die Königin des Himmels und der Erde, und mit einem Wort hätte sie all das
Leiden unseres Herrn beenden können, indem sie die Dämonen berührte und die
Anwesenden vernichtete. Doch sie wollte es nicht. Sie wollte, dass diese
Menschen handelten, zur Formung unserer Seelen. Nur ein oder zwei extreme Situationen
verhinderte sie.
Maria von Agreda berichtet, dass die Dämonen folgenden
Plan ausgeheckt hatten: Als unser Herr hoch am Kreuz erhöht war und seine
Todesangst in ihren verschiedenen Stadien bis zur letzten Qual begann, wollten
sie in einem bestimmten Augenblick das Kreuz zu Boden stürzen, sodass sein
heiliges Antlitz auf die Erde aufschlug und in Stücke zerbrach. Angesichts der
ungeheuren Schmach einer solchen Absicht verbot sie dem Dämon, dies zu tun. Und
sie verbot dem Dämon zwei oder drei solcher extremen Dinge; alles Weitere ließ
sie geschehen.
Warum aber ließ sie es zu? Weil sie die Erlösung unserer
Seelen so sehr liebte, ja, die Seele jedes Einzelnen von uns, dass sie wollte,
dass ihr Sohn all das für jeden von uns durchlitt. Sie wollte das für mich. Und
sie liebt meine Seele so sehr, sie liebt die Seele jedes Einzelnen von euch so
sehr, dass sie selbst dann, wenn nur einer von euch in dieser Zeit des Leidens
gerettet werden könnte, gewollt hätte, dass ihr Sohn dies durchleidet, um diese
Seele zu retten.
Versteht ihr, was das bedeutet? Stellt euch vor, wie sie
alles sah, wie zum Beispiel die Dornenkrone die Stirn unseres Herrn durchbohrte
und Nervenschäden verursachte, die seinen ganzen Körper vor Schmerzen erzittern
ließen; wie die Dornenkrone sogar seine heiligen Augen verletzte; wie sein
Körper so ausgestreckt war, dass seine Arme halb von seinen Schultern gerissen
waren, um in sie dem Balken des Kreuzes anzupassen; den unermesslichen Durst;
Das Blut, das von allen Seiten floss, das hohe Fieber, das Todesröcheln seines
ganzen Körpers, der sich vor Schmerzen bei jeder Bewegung krümmte.
Sie wusste all dies, sie ahnte all dies, und dennoch
wollte sie all dies. Sie wünschte es sich so. Sie war wie eine Opfernde, eine
Priesterin, die das göttliche Opfer auf den Höhen von Golgatha darbringt. Sie
wollte es so, denn wenn dies der Preis für die Rettung einer Seele war, wollte
sie, dass ihr Sohn das erlitt, was er erlitt.
Das heißt, darin liegt die Größe der Gottesmutter. Sie
liegt nicht so sehr in der Unermesslichkeit ihrer Schmerzen, sondern darin,
dass sie das erleiden wollte, was sie erlitt. Sie wollte, dass ihr Sohn dieses
gewaltige und bewundernswerte Opfer brachte, und sie tat dies aus Liebe zu uns,
denn Gott liebt uns so sehr, dass er seinen eingeborenen Sohn opfern wollte.
Sie liebte uns so sehr, dass sie diese Opferrolle annahm. Sie wollte ihren
eingeborenen Sohn für jeden von uns opfern.
Die Karwoche, meine lieben Freunde, naht: Es ist Zeit für
jeden von uns, darüber nachzudenken. Ich habe hier bereits darüber nachgedacht,
doch diese Betrachtung sollte der katholischen Seele niemals genügen. Egal wie
viel man nachdenkt, man kann sich dieser Betrachtung nicht entziehen. Allein
vor dem Kruzifix zu stehen, allein vor dem Bild der Schmerzensmutter zu stehen
und die ganze Welt zu vergessen, denn vor Gott existiert die ganze Welt aus
einer bestimmten Perspektive nicht für mich. Gott existiert und ich existiere,
und alles andere ist nichts.
Und dann vor Gott diese Frage zu stellen: Bin ich, Plinio,
mir bewusst, was meine Erlösung gekostet hat? Habe ich eine Ahnung von den
Seufzern, den Schmerzen, die all die Gnaden, die ich empfangen habe, gekostet
haben? Wie schwer lastete dies auf dem Unbefleckten Herzen Mariens? Habe ich
eine Ahnung, dass es für mich so viel bedeutete, dass all dies geschehen wäre,
selbst wenn es nur für mich gewesen wäre? Habe ich eine Ahnung, dass unser Herr
Jesus Christus am Kreuz an jeden einzelnen Menschen beim Namen dachte – vom
Anfang bis zum Ende der Welt? Und was ging ihm wohl durch den Kopf, mit
Gedanken der Barmherzigkeit, der Güte und des Heils?
Mein Name – Plinio Corrêa de Oliveira – ging vorbei, dass
Er mich im Sinn hatte, nicht nur meinen Namen, sondern meine Seele, mein Wesen,
mein ganzes Sein. Er liebte mein von Ihm geschaffenes Wesen und tat in einem
Akt der Liebe zu mir, was Er wollte, zu meinem Heil. Habe ich eine Ahnung, dass
mich das mein Heil gekostet hat? Und habe ich eine Ahnung, wie ich darauf
reagiert habe? Habe ich eine Ahnung, wie undankbar ich war? Wie viele Fehler
habe ich begangen, oft aus Unbesonnenheit, nur weil ich einer Gelegenheit nicht
ausweichen wollte, weil ich keine kleine Buße tun wollte! Ich nahm das Blut
Christi und warf es so in den Abgrund. Es wurde für mich vergossen, und ich
brachte mich selbst in einen Zustand des Verderbens. Und Gott ertrug mich
dennoch in diesem Leben, hatte Geduld mit mir und erwartete mich mit anderen
neuen Gnaden, die sogar noch größer waren als jene, die ich empfangen hatte.
Und nun bin ich wieder in diesem Augenblick: Die Karwoche
ist da, eine Zeit der Gnade für jeden von uns. Die Seite unseres Herrn Jesus
Christus ist offen, ergießt sich in Fülle über uns alle und ruft uns zur Reue,
zur Buße, zur wunderbaren Versöhnung mit ihm. Es gibt einen unvorstellbaren
Strom der Güte und Liebe zu uns. Deshalb sollte ich in der Karwoche zuerst an
meine Seele denken. Ohne Furcht, ohne Panik, denn Gott ist der Vater der
Barmherzigkeit und die Gottesmutter die Mutter und der Kanal aller Barmherzigkeit.
Aber ernsthaft, tiefgründig nachdenken, mich vor dieses fließende Blut Christi
stellen und fragen: Was habe ich mit diesem Blut getan?
Unser Herr fragte während seiner Passion – und Maria von
Agreda sagt, es sei eines seiner größten Leiden gewesen –: „Quae utilitas in
sanguine Meo?“ Letztendlich: Was nützt mein Blut? Das heißt, er dachte an
so viele Seelen, die sein Blut leichtfertig und töricht mit Füßen treten
würden, für eine Kleinigkeit, für ein Lachen wie das eines Mädchens wie der
heilige Petrus … für dreißig Silberlinge wie Judas, aus Faulheit, aus
Schlafsucht wie die anderen Apostel, aus Angst, aus Opportunismus, aus
Sinnlichkeit – aus wie vielen Gründen würden Seelen ihn verwerfen!
Doch das genügt noch nicht. Unser Herr hatte unsere Zeit
im Sinn, und die Gottesmutter auch. Er hatte all den Verrat unserer Zeit im
Sinn, all die Verlassenheit unserer Zeit, er hatte all das im Sinn, was
priesterliche Seelen – und, lasst uns höher steigen als priesterliche Seelen –
ihm zufügten. Könnt ihr euch vorstellen, wenn die Sünde eines Plinio Corrêa de
Oliveira unserem Herrn so viel Leid zugefügt hat? Welches Leid würde dann erst
die Sünde eines Bischofs, die Sünde eines Kardinals, die Sünde eines Papstes
unserem Herrn zufügen? … Ein anderer heiliger Petrus … David klagt über
jemanden, der ihm Unrecht getan hat: „Wenn ein anderer mir getan hätte, was
du getan hast, ich könnte mich verbergen vor ihm; Du aber, mein Gefährte, mein
Vertrauter und Bekannter, die wir zusammen süße Gemeinschaft erlebten …?“
(Psalm 54,13–15). Wie konnte unser Herr so etwas sagen? Nun, alles, was in
unserer Zeit geschieht, ist vorhergesehen worden. In dem Augenblick, als dies
erkannt wurde, wurde auch mit Liebe erkannt, dass durch das Produkt dieses
unendlich kostbaren Blutes eine besondere Gnade für einige gewirkt werden
würde. Für einige, die genauso schlecht sind wie andere, und manchmal sogar
schlimmer als andere, die aber durch eine besondere Gnade berufen wurden, in
dieser Stunde des Unglaubens treu zu sein. Sie sollen wie der Evangelist
Johannes am Kreuz stehen, Seite an Seite mit der Orthodoxie, Seite an Seite mit
der wahren Lehre, in der Stunde, als die ganze Welt sie verließ; sie sind es,
die das Martyrium der Kirche verstehen, die Tragödie der Kirche, die innerlich vom
Fortschrittsdenken zerfressen und ihren schlimmsten Feinden ausgeliefert wurde.
Sie waren berufen, für sie zu kämpfen, sie waren berufen, ihren Schmerz zu
verstehen, sie waren berufen, über diesen Schmerz zu meditieren und ihn zu
leben, damit auch sie Menschen des Leidens werden.
Der Schmerz der Heiligen Katholischen Kirche in unseren
Tagen muss ein Schmerz sein, mit dem wir morgens erwachen und abends
einschlafen. Es ist ein Schmerz, der uns im tiefsten Schlaf bedrückt. Die
Heilige Römisch-Katholische Apostolische Kirche, von Jesus Christus gegründet, die
auf einer Wolke vom Himmel herabstieg wie eine vollkommene Stadt … Was haben
sie aus ihr gemacht?! …
…
(Doktor Plinio wird ergriffen)
Dieser Schmerz ist so groß, dass er mich hindert weiterzusprechen.
Lasst uns die Muttergottes bitten, uns dies bis in die Tiefen unserer Seelen
spüren zu lassen...
Aus dem portugiesischen von „Nossa
Senhora das Dores e a Santa Igreja“.
Die deutsche Fassung dieses Artikels „Die Muttergottes der Schmerzen und
die Heilige Kirche“ ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com
© Veröffentlichung dieser deutschen
Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

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