Dienstag, 9. März 2010

Die Abhandlung über die wahre Andacht zu Maria vom hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort - Teil III.

Kommentiert von Prof. Plinio Correa de Oliveira

Andacht zu Maria und die Vorbereitung des Reiches Christi.

Dieses Ziel des hl. Ludwig gibt Anlass zu einem Kommentar: Der heilige Prophet nimmt sich vor, das künftige Reich Christi vorzubereiten, indem er das tut, was ihm als das wesentlichste, als das wichtigste, das eiligste erscheint und in der konkreten Ordnung der Dinge fast automatisch alles andere zur Folge hat: die vollkommene Andacht zu Maria zu verbreiten.
Den Sieg über den Geist der Welt und die Wiederherstellung der Zivilisation auf der Grundlage der Lehren de katholischen Kirche erreicht man nicht mit den Mitteln der Politik, durch Werke, Talent oder Wissenschaft. In der Zeit selbst des Heiligen, bezauberte und begeisterte Bossuet (Bild r.) Versailles und Paris mit seinen Predigten. Sie waren jedoch nicht entscheidend, um den religiösen Verfall in Frankreich aufzuhalten. Der Anfang jeder Erneuerung liegt im religiösen Andachtsleben, in der Ereiferung des geistigen Lebens, genauer gesagt, in den religiösen Grundlagen des Lebens eines Volkes. Das wesentlich wichtige Apostolat ist strikt religiös: den religiösen Eifer steigern, Andacht fördern und Charakterbildung. Alles andere sind Konsequenzen und Ergänzungen. In der Tat wichtig, aber eben nur Ergänzungen.
Die große Lehre, die der hl. Ludwig schon am Anfang seiner Abhandlung festsetzt und später weiter ausführt, ist, dass für die Charakterbildung eines Katholiken die Andacht zu Maria eine notwendige Grundbedingung darstellt. Besitz man diese Andacht in ihrer Vollkommenheit, hat der Charakter alle notwendigen übernatürlichen Voraussetzungen sich zu entwickeln in Verbindung mit dem persönlichen Willen. Bildet sich diese Andacht nicht, kann das Gnadenleben sich nicht ausbreiten und nichts kann erreicht werden.
So ist also die Andacht zur Muttergottes eine unverzichtbare Bedingung für alles, was das eigene Seelenheil betrifft, die Rettung der Zivilisation und das ewige Heil aller, die in einer gewissen Zeit die streitende Kirche bilden. Der hl. Ludwig hatte also mit diesem Buch ein Werk von größter Wichtigkeit für die Erneuerung der kommenden Jahrhunderte im Sinn. An uns liegt es nun mit großer Begierde diese von ihm gepredigte Andacht in ihrer Vollkommenheit zu besitzen. Mit anderen Worten, wir wurden zu einem vorbestimmten Werk berufen, das klare vorgegebene Ziele hat, die wir nur verwirklichen werden, wenn wir diese Andacht in ihrer Vollkommenheit praktizieren. Wenn sie also notwendig ist für die Erneuerung der Welt in Jesus Christus, und wir dabei mitwirken wollen, müssen wir uns diese Andacht zu eigen machen.
Die „Abhandlung“ ist also nicht irgendein Andachtsbüchlein, das die Verehrung eines Heiligen lehrt, die man üben kann oder nicht. Die Andacht zur Muttergottes ist eine wesentlich wichtige Übung, eine conditio sine qua non für die Durchführung unserer Arbeit. Und wir werden sie nur im vorgesehenen höchsten Maß besitzen, wenn wir die vom hl. Ludwig entwickelte Form anwenden und die von ihm gesetzten Grundlagen annehmen.
Dom J.-Baptist Chautard (Bild l.) entwickelt die These, dass das innere Leben wichtig ist für die Durchführung apostolischer Werke und das der Apostel das innere Leben pflegen muss, damit seine Werke Früchte bringen. Er erklärt, was inneres Leben ist und zeigt die Mittel auf, um es zu pflegen. Unter den Mitteln erwähnt er die Verehrung Mariens. Der hl. Ludwig setzt ebenfalls die Notwendigkeit des inneren Lebens für die Werke des Apostolats voraus, hebt jedoch hervor, dass sie nur durchführbar sind im Zusammenhang mit einer tiefen Verehrung der Muttergottes. Er setzt also das wesentliche voraus – das innerliche Leben – geht aber einen Weg, der unentbehrlich ist: die Andacht zur Muttergottes. Dies ist der Kanal, durch welchen alle notwendigen Gnaden zur Belebung der Struktur des geistigen Lebens und des Apostolatslebens strömen.

Donnerstag, 11. Februar 2010

Die Abhandlung über die wahre Andacht zu Maria vom hl Ludwig Maria Grignion von Montfort - Teil II.

Die Zielsetzung der „Abhandlung“


Unter der Nr. 13 der Einleitung finden wir den Grundgedanken des Werkes:


„Das Herz hat mir in die Feder diktiert, was ich soeben mit ganz besonderer Freude niederschrieb, um zu zeigen, daß Maria in ihrer hehren Würde bis jetzt fast unbekannt geblieben ist. Das ist auch einer der Gründe, weshalb Jesus Christus noch nicht die allgemeine Anerkennung gefunden hat, die ihm gebührt.“

Dies ist also der Zweck der Einleitung und des ganzen Buches: Maria ist unbekannt, sie muß bekannt gemacht werden, und wenn sie bekannt ist, wird das Reich Christi kommen. Das Buch hat also den Zweck, die Andacht zu Maria zu verbreiten, damit das Reich Christi komme. Es ist also ein Werk mit einer großen Weitsicht und mit einer sehr breiten historischen Reichweite, das sich auf den Wunsch fixiert, das Reich Christi einer Welt zu bringen, die davon noch weit entfernt ist, und dem das Reich Mariens vorausgeht.

Den theologischen Grund dafür, daß das Reich Mariens dem Reich Christi vorausgehen wird, liefert der Heilige im Abschnitt 1senes Buches: „Durch die allerseligste Jungfrau Maria ist Jesus Christus in die Welt gekommen, das heißt, wenn Maria nicht auf der Welt gewesen wäre, wäre Christus nicht gekommen; und durch Maria soll er auch in der Welt herrschen.“ Die Verehrung Jesu also muß durch Maria in die Welt kommen . Darum ist die Verbreitung der Andacht zu Maria, in dieser Perspektive, das größte, dem sich der Mensch widmen kann.



Donnerstag, 14. Januar 2010

Die Abhandlung über die wahre Andacht zu Maria vom hl Ludwig Maria Grignion von Montfort - Teil I.

Kommentiert von Plinio Corrêa de Oliveira

In der Abhandlung vom hl. Ludwig Maria Grignion von Monfort möchte ich einige Aspekte hervorheben, bevor ich zum Kommentar komme.

Zunächst gibt es einen theologischen Aspekt, in dem der hl. Ludwig die Muttergottes-verehrung analysiert, die Mittel aufzeigt, durch welche wir Maria verehren können und durch die wir unseren Dank für die erhaltenen Gnaden darbringen.
Zweitens, können wir die Rolle Mariens im Kampf gegen den Teufel und die Feinde der Kirche hervorheben. Der hl. Ludwig übernimmt und bereichert die Vorstellung des hl. Augustinus vom Kampf zwischen den zwei Städten - der Stadt Gottes und der Stadt des Teufels -, der das Wesen der Weltgeschichte ausmacht. Anschließend beschreibt er die Rolle Mariens in der Stadt Gottes.
Über die Rolle Mariens im Kampf gegen die Revolutiom schreibt der hl. Ludwig gar nichts. Doch die ganze Theologie dieses Kampfes findet ihre Wurzeln in seine Abhandlung über die wahre Andacht. Dies ist wichtig hervorzuheben, denn dieses Werk bestätigt die geistige Substanz der Seelenfamilie der TFP und ist deshalb eine Garantie dafür, daß, wenn wir diesen Ideen treu folgen, wenn auch von der Welt abgesondert, wir mit dem Geist und der Lehre der Kirche vereint bleiben.
Drittens, interessiert uns dieses Werk unter dem historischen Gesichtspunkt. Wie wir wissen, lebte der hl. L in der Zeit Ludwigs XIV., der unter gewissen Aspekten einen Höhepunkt der Geschichte darstellt, nachdem die Menschheit nichts anderes tat, als zu sinken, zu zerfallen. Der hl. Ludwig beschreibt die Gesellschaft seiner Zeit, in der die Keime der Französischen Revolution schon zu spüren sind.
Wir sehen also einen großen Heiligen, der zugleich ein großer Gegen-Revolutionär war, der schon in jener Zeit das Vorhandensein der gleichen Revolution aufzeigte, die wir heute hassen, gegen die wir heute kämpfen, die sich im Inneren der französischen Gesellschaft heranbildete.
Der Zusammenhang zwischen dem hl. Ludwig und der Revolution ist sehr interessant. Er war Opfer einer unnachgiebigen Opposition der jansenistischen Bischöfe Frankreichs. Von Exkommunikation zu Exkommunikation, von einer Amtsenthebung in die andere, durfte er nur noch in zwei Bistümer Predigen. Diese Diözesen waren diejenigen, in die später die Französische Revolution sich nicht durchsetzte, in denen das Volk an der Seite des Klerus und des Adels gegen die Aufständischen kämpfte, in denen die Katholiken gegen die republikanischen Kräfte marschierten unter dem Klang religiöser Lieder, die ihre Vorfahren vom hl. Ludwig gelernt hatten.
So kann man die Karte Frankreichs in zwei Teile einteilen: Der Teil, der der Revolution widerstand leistete, war der, der vom hl. Ludwig missioniert wurde. In dem Teil, wo die Jansenisten dominierten und sich gegen seine Evangelisierung stellten, hatte die Revolution freien Lauf und siegte.

Als letztes interessiert uns der prophetische Aspekt der Abhandlung, mit dem der Heilige sie prägte. Der hl. Ludwig ist im engeren Sinne ein Prophet. Ohne Zweifel merkt man in der Lektüre seines Buches, daß er von Gott ein prophetisches Charisma erhielt. Er prophezeit Ereignisse, die die Französische Revolution und die Krise der heutigen Welt voraussehen lassen. Er behauptet auch im voraus den großen Sieg der Kirche in einer neuen Weltepoche, die marianisch geprägt sein wird. Der hl. Ludwig sah das kommende Reich Mariens voraus, als die Vollendung des Reiches Christi auf Erden.
Doch er schrieb nicht vier Abhandlungen über diese vier Aspekte, sondern nur eine. Sie sind auch nicht gesondert aufgeführt in seinem Werk, sondern ziehen sich wie ein goldener Faden durch das ganze Werk. Nach Möglichkeit werde ich die einzelnen Kapitel unter diesen vier Aspekten kommentieren.


Mittwoch, 25. November 2009

Die Majestät der Muttergottes von "Buen Suceso"

Die Statue der Muttergottes von "El Buen Suceso" (des guten Erfolgs oder des guten Ausgangs), die im Kloster der Konzeptionisten in Quito, Ekuador, verehrt wird, stellt eine Königin dar in der Vollständigkeit des Begriffs. Man kennt keine Herrscherin, die eine solche Majestät ausstrahlt. Es gibt viele Bilder und Darstellungen von Königinnen, doch keine mit einer vergleichbaren Majestät wie diese. Marie Antoinette, zum Beispiel, war eine außergewöhnlich schöne Königin. Aber neben dieser Statue der Muttergottes... ist sie nichts!



Wir sehen in der Statue eine Mischung von Majestät und Lieblichkeit; von jemanden, mit dem man sich keinen Scherz erlaubt, denn sie ist ja die bedachte Verwahrerin der Vorrechte, die Gott ihr schenkte.

Doch ist sie zugleich so lieblich! Es scheint sogar sie unterhält sich, doch es ist eine Unterhaltung einer
„Grande-Dame“, einer Königin.



Man betrachte ihre Haltung... 

es ist etwas ganz außerordentliches...!

(Plinio Correa de Oliveira)

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Die Flucht nach Ägypten

Betrachtungen von Plinio Correa de Oliveira über "Die Flucht nach Ägypten" von Giotto. Wir sehen auf dem Bild ein Fresko der Kapelle der Scrovegni des großen italienischen Meisters Giotto. Er stellt die Muttergottes dar, wie sie sich auf einem Esel auf der Flucht nach Ägypten befindet. Trotz aller äußerlichen Zeichen der Armut ist die Haltung Marias, die einer Prinzessin. Besondere Aufmerksamkeit erregt ihre aufrechte Haltung: Der Rücken ist nicht im geringsten gebeugt. Der Kopf ist erhoben, wie um die Entschlossenheit zu bezeugen, mit der sie den Unbequemlichkeiten und Gefahren der Reise entgegentritt. Der hl. Josef geht voran und wendet sich mit aufmerksamen Blick seiner Gemahlin und dem Jesuskind zu, um aufzupassen, dass ihnen nichts geschehe. Maria nicht, sie schaut nicht zurück. Sie gibt den Eindruck völlig dem hl. Josef zu vertrauen und sich ganz seinem und dem Schutz der göttlichen Vorsehung hinzugeben. Sie scheint im Gebet mit dem Kinde versunken, das sich wie schlafend an sie schmiegt. Die Haltung des göttlichen Kindes, wie sie Giotto darstellt, veranschaulicht die tiefe Vertrautheit, die zwischen dieser Mutter und diesem Sohn herrscht. Und es nicht unerlaubt sich vorzustellen, dass sie selbst dem Sohn die Meinungen derjenigen anempfiehlt, die über die Jahrhunderte hinweg über diese Szene der Flucht nach Ägypten meditieren... (Aus eine Vortrag im Jahre 1988)

Montag, 10. November 2008

"Die ewige Wiederkehr des König-Papstes"

Die Tageszeitung "La República", eine der größten Tageszeitungen Italiens, bezog sich in einem Artikel über das Königtum des Papstes, unter dem Titel "L'eterno ritorno del Papa Re" (28.09.08 S. 34), in dem auch der römische Adel behandelt wurde, auf das Werk von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, über die moderne Rolle und Aufgabe des noch bestehenden Adels und der traditionellen Eliten. Der brasilianische, katholische Autor analysiert in seinem Werk die Ansprachen, die Papst Pius XII. an den Adel und an das Patriziat Roms in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gehalten hatte. "La República" kommentierte bezüglich der gegenwärtigen Mitglieder des römischen Adels:

„Es ist indessen wahr, dass die bedeutendste Figur jener Welt der Adeligen, Elvira Pallavicini, gebieterisch und unvorhersehbar in ihrem Rollstuhl, vor einigen Jahren verstorben ist. Die noch übrig gebliebenen Adeligen, Fürst Ruspoli Zapata (...) oder Fürstin Borghese (...), erscheinen nur noch in Talkshows. Doch mit allem Respekt und Sympathie, mit Mühe, könnten sie zusammen mit den anderen Nachkommen der Colonna, der Massimo, der Orsini, Torlonia, Chigi, Buoncompagni in die Schemen eingefügt werden, in denen sie ein echter Meister des gegenrevolutionären Gedankenguts, wie Plínio Corrêa de Oliveira, in seinem Werk Adel und vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Pius XII. an das Patriziat und den Adel Roms aufgenommen hat."

Hier der Artikel im Original

Mittwoch, 5. November 2008

Buch über den Adel in Wien vorgestellt: Vortrag von S.H. Herzog Paul von Oldenburg


(Graf Stolberg, SKKH Prinz Luiz von Orléans und Braganza - Chef des Kaiserhauses Braslien - und Herzog Paul von Oldenburg) 


Zur Feier des 100. Geburtstags von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira wurde am 30. Oktober 2008 im Palais Coburg in Wien die deutsche Ausgabe seines Buches „Der Adel und die vergleichbaren traditionellen Eliten in den Ansprachen Papst Pius XII. an den Patriziat und den Adel Roms“ präsentiert. 

 


(Ein zahlreiches Publikum, Mitglieder des österreichischen und deutschen Adels und ein Verteter des Apostolischen Nuntius zu Wien fand sich zur Präsentation ein) 


Das Programm bestand aus Vorträgen von SKKH Prinz Luiz von Orléans und Braganza über „Adel und Eliten in der Gegenwart im Lichte von Revolution und Gegenrevolution“. S.H. Herzog Paul von Oldenburg schloss sich an und referierte über die „Notwendigkeit der Eliten für die Erneuerung der Christenheit“. Zum Abschluss sprach Prof. Roberto de Mattei aus Rom zum Thema „Revolution und Gegenrevolution dreißig Jahre danach (1977-2008)“. 



(SKKH Prinz Luiz von Orléans und Braganza, Herzog Paul von Oldenburg und Prof. Roberto de Mattei)


Anschließend der Vortrag S.H. Paul Herzog von Oldenburg zur Präsentation des Buches von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, „Der Adel und die vergleichbaren Eliten in den Ansprachen Papst Pius’ XII. an den Adel und an das Patriziat von Rom“ am 30. Oktober 2008 in Wien, im Palais Coburg, über die Krisen unserer Zeit und die Rolle des Adels heute.


Die Notwendigkeit von Eliten zur Erneuerung der Christenheit.

 Einleitung:

     Dieses Thema ist eigentlich zu weit und groß, als daß es innerhalb von 20 Minuten abgehandelt werden könnte. Für eine umfassende und erschöpfende Analyse empfehle ich daher die Lektüre des Buches, daß wir Ihnen heute vorstellen. „Der Adel und die vergleichbaren Eliten in den Ansprachen Papst Pius XII. An den Adel und das Patriziat von Rom“.

     Ich werde dennoch den Versuch unternehmen zumindest auf einige Punkte einzugehen, die mir persönlich am wichtigsten erscheinen.

     Ich möchte mich konzentrieren auf drei wesentliche Punkte:

     die Beschreibung der Krise, in der die Christenheit sich befindet und deretwegen sie erneuert werden muß,

     auf die Re-Christianisierung der Gesellschaft, ja ganzer Nationen, denn dies ist der einzige Weg, sie vor dem Untergang zu retten

     und als Drittes auf die Möglichkeiten und die Pflichten, die dem Adel und den traditionellen Eliten dabei zukommen.

Die Krise

     Wir erleben im Moment einen Zusammenbruch. Die Bankenkrise stellt die Frage nach der Vorherrschaft in der Welt neu. Schlagzeilen wie „Die Herausforderungen der neuen Weltordnung“, oder „Krieg um Wohlstand“ oder „Is anyone in charge of todays nonpolar world?“(1) – Ist irgendjemand zuständig für die heutige führungslose Welt? - führen uns vor Augen, daß wir an einer Zeitenwende stehen könnten. Die USA, da sind sich alle einig, werden wohl ihre Führungsrolle in der Welt einbüßen, aber wer wird sie übernehmen?

     Der europäische Einigungsprozeß stockt, in den einzelnen Ländern wenden sich die Menschen immer weiter ab von den etablierten Parteien, die Politik ist nicht imstande, den Menschen Antworten zu geben, geschweige denn, Vertrauen aufzubauen. Irrationalität macht sich breit – in Deutschland erkennbar am Zulauf zu den Postkommunisten, man sehnt sich nach dem starken Staat, der sich für einen einsetzt und die Probleme löst.

     Die einst so strahlende Christenheit, geboren im Nahen Osten und zur Hochblüte hier in Europa gelangt und ausgebreitet über alle Kontinente wendet den christlichen Prinzipien mit ihrer Gesetzgebung immer weiter den Rücken zu.

     Die Kirche und andere protestieren immer wieder, mal leiser, mal lauter doch scheinbar wirkungslos.

     Doch was auf die katholische Kirche erst noch zukommt – und damit natürlich auch auf uns – zeigt die Entschließung des Europarates vom 29. Juni 2007, in der ganz klar formuliert wird, daß für eine zukünftige Ordnung in Europa nur noch die Charta der Menschenrechte bindend sein kann, die die Grundlage bilden soll für die neue europäische  Verfassung. Es heißt dort weiter, daß die Religion Privatsache zu sein hat, eine Einmischung in den Meinungsbildungsprozeß darf es nicht mehr geben. Alle in der Gesellschaft aktiven Institutionen haben die Menschenrechte anzuerkennen, eine gegenteilige Position, wie sie heute die Kirche bezieht, muß unterbunden werden.

     Die Menschenrechte werden das höchste Dogma sein. Dieses Dogma erlaubt keine Infragestellung, keinen Protest. Der Platz, den Gott in der katholischen Gesellschaft des Mittelalters einnahm, - wo jede Verletzung der Rechte Gottes inakzeptabel war – wird nun durch die Menschenrechte besetzt. Manche sehen eine neue Christenverfolgung mitten in Europa heraufziehen.

     Die moralische Verwüstung, die immer noch und immer mehr von allen Medien, der Musikindustrie und durch das Internet gefördert wird, hat gravierende Ausmaße erreicht. Daraus resultiert auch die Kinderfeindlichkeit unserer Gesellschaft, die die europäische, sagen wir einmal, Ur-Bevölkerung  zusammenschrumpfen läßt. 

     Sie werden mir zustimmen, daß wir wirklich in einer Krise stecken.  Es ist die Krise der Christenheit. Und sie ist eine weltweite Krise.

     In dem Maße, in dem über die Jahrzehnte die christlichen Werte und Prinzipien zurückgedrängt wurden, in dem Maße, wie sich alle Organismen der Gesellschaft immer mehr von Gott entfernt haben, in dem Maße nehmen die atheistischen, die freidenkerischen Programme, in dem Maße machen sich Hochmut, Sinnlichkeit, Rohheit, Verdorbenheit, Hässlichkeit, Banalität, Profanität breit. Der  Widersacher nimmt den freigewordenen Platz ein. Das Gegenteil der Tugenden wird gelebt, denn Gott gibt es nicht, Gott ist deshalb kein Maßstab mehr.

     Doch damit ist das Ende dieser Gesellschaft eingeläutet. Dies lehrt uns die Geschichte. Und dies lehrt uns auch die Botschaft von Fatima, in der, für den Fall einer fehlenden Bekehrung der Menschen und Nationen, Strafen angekündigt werden.

     Jetzt hat sogar Papst Benedikt XVI. in einer beeindruckenden Predigt vor der Bischofssynode diese möglichen Strafen genau in diesem Zusammenhang zur Sprache gebracht. Es geht um den Sohn des Weinbergsbesitzers, der von den Winzern ermordet wird, da diese hoffen, damit in den Besitz des Bergs zu kommen.

     Zitat: „Was in diesem Abschnitt aus dem Evangelium beklagt wird, stellt unsere Art zu denken und zu handeln in Frage; es stellt vor allem eine Anfrage dar an die Völker, denen das Evangelium verkündet worden ist. Wenn wir die Geschichte betrachten, so werden wir nicht selten die Kälte und den Widerstand inkonsequenter Christen feststellen müssen. Infolgedessen mußte Gott, ohne jemals sein Heilsversprechen zurückzunehmen, oft auf Züchtigungen zurückgreifen. Unwillkürlich denkt man in diesem Zusammenhang an die erste Verkündigung des Evangeliums, aus der anfänglich blühende christliche Gemeinden hervorgingen, die dann verschwanden und heute nur in den Geschichtsbüchern Erwähnung finden. Könnte das nicht auch in unserem Zeitalter geschehen? Nationen, die einst reich an Glauben und Berufungen waren, verlieren mittlerweile unter dem Einfluß einer verderblichen und zerstörerischen modernen Kultur zunehmend ihre Identität. Es gibt Menschen, die beschlossen haben, daß »Gott tot ist«, und sich selbst zu »Gott« erklären und glauben, die einzigen Schöpfer ihres Schicksals und die Herren der Welt zu sein.

     Weiter fleht der Heilige Vater sogar die Synodenväter an: Es darf nie geschehen, liebe Brüder und Schwestern, was in der Bibel über den Weinberg gesagt wird: Er hoffte, daß der Weinberg süße Trauben brächte, doch er brachte nur saure Beeren (vgl. Jes 5,2).

     Doch offensichtlich sind heute die „sauren Beeren“ in der großen Überzahl. Wir brauchen also eine Erneuerung des Glaubens.

Die Erneuerung

     Wir brauchen also eine neue Durchdringung der gesamten Gesellschaft mit den Werten und Prinzipien, auf denen unsere Zivilisation aufgebaut wurde. Wir brauchen eine Re-Christianisierung Europas.

     Lassen Sie mich aus der großartigen Enzyklika von Papst Leo XIII. zitieren, der uns erinnert, wie das Ziel der Re-Christianisierung auszusehen hat.

     „Es gab eine Zeit, in der die Philosophie des Evangeliums die Staaten regierte. In dieser Epoche durchdrangen der Einfluß der christlichen Weisheit und ihre göttliche Kraft die Gesetze, die Einrichtungen, die Sitten der Völker, alle Kategorien und Beziehungen der bürgerlichen Gesellschaft. Dank der Gunst der Fürsten und des legitimen Schutzes der Amtspersonen blühte damals überall die von Christus gegründete Religion und erhielt die ihr zustehende Anerkennung. Zwischen Priestertum und Kaisertum herrschte ein glückliches Einvernehmen im Dienste freundschaftlicher Gegenseitigkeit. Auf diese Weise organisiert trug die bürgerliche Gesellschaft unerwartet reiche Früchte und die Erinnerung an sie lebt fort und wird in den zahllosen Zeugnissen weiterleben, die kein Manöver ihrer Gegner jemals  verderben oder verdunkeln kann.“

     Der Papst spricht hier vom Mittelalter. Das muß unser Maßstab sein. Eine Gesellschaft durchdrungen von den christlichen Werten und göttlichen Tugenden.

     „Utopie“! – wird man mir nun entgegen schleudern. „Das wird es nie mehr geben“ oder „Diese Zeit ist unwiederbringlich vorbei.“

     Ja natürlich. Das Mittelalter wird es nie wieder geben. Wir leben heute und heute sind die Voraussetzungen andere. Es geht auch nicht um das Zurückdrehen der Zeit. Sondern es geht um die Essenz, das Grundsätzliche.

     Eine Wiederherstellung einer Gesellschaft, die Gott wieder in den Mittelpunkt setzt, Ihn als den alleinigen Maßstab aller Dinge und Handlungen anerkennt, verehrt und preist.

Die Notwendigkeit der Eliten

     Aber fragen wir uns doch erst einmal, wer denn die von Papst Leo XIII. beschriebene Gesellschaft aufgebaut hat, wer hat denn diese Staaten geleitet, wer hat zugunsten des Gemeinwohls darauf geachtet, daß diese enge Verbindung von Kirche und Staat, diese gegenseitige Befruchtung stattfinden konnte, wer hat sich immer dann schützend vor die Kirche gestellt, wenn sie angegriffen wurde, wer hat die freie Verkündigung des Evangeliums sichergestellt, wer hat dadurch ganze Völker erhoben, wer hat dadurch die so reichen kulturellen Schätze in Architektur, Kunst und Musik hervorgebracht, vor denen wir uns noch heute staunend verneigen?

     Es sind natürlich die traditionellen Eliten gewesen. Und damit sind es auch Ihre  Familien gewesen. Es sind die traditionellen Eliten gewesen, die in der weltlichen Ordnung die Verantwortung für das Gemeinwohl übernommen haben. Die Eliten also, eine kleine Gruppe von Menschen, die sich an die Spitze gestellt hat, die geführt hat.

     Papst Puis XII. lehrt uns nun in seinen Ansprachen an den Adel und das Patriziat von Rom,  daß diese Eliten diese Verantwortung immer noch haben, auch heute, da wir in Demokratien leben und unsere Familien, mit wenigen Ausnahmen, keine öffentlichen Ämter mehr bekleiden.

     Dies betont auch Papst Paul VI in einer Ansprache an das Patriziat und den Adel von Rom 1964 in einem Rückblick:

     „So viel möchten wir euch sagen. Eure Gegenwart löst so viele Überlegungen aus. So erging es auch unseren verehrten Vorgängern – vor allem Papst Pius XII. seligen Angedenkens –, die sich bei Gelegenheiten wie dieser mit mustergültigen Reden an euch gewandt und euch eingeladen haben, im Lichte ihrer bewundernswerten Lehren sowohl über die Umstände eurer eigenen Lage als auch über die unserer Zeit nachzudenken. Wir nehmen an, daß das Echo ihrer Worte wie der Wind, der die Segel bläht, .... noch heute euer Gemüt bewegt und es mit jenen strengen, großzügigen Mahnrufen erfüllt, von denen sich die Berufung nährt, die euch die Vorsehung für euer Leben gezeigt hat, und auf die sich der auch heute noch von der Gesellschaft geforderte Auftrag stützt, der euch angeht.“ (2)

     Ich möchte an dieser Stelle nicht so sehr auf die Rechtfertigung der Eliten eingehen, die in aller Ausführlichkeit im Buch nachzulesen ist.

     Stattdessen lassen Sie mich eingehen auf die höchste soziale Funktion des Adels, wie Pius XII. herausstellt. Sie ist „die Wahrung, Verteidigung und Verbreitung der christlichen Lehre, die in den ihn auszeichnenden Traditionen enthalten ist.“

Aufgaben des Adels:

Wahrung, Verteidigung und Verbreitung der christlichen Lehre, die in den ihn auszeichnenden Traditionen enthalten ist.

     Dazu ist es absolut notwendig, daß insbesondere der Adel sich hüten muß vor den moralischen Verfall, der um sich greift, so Pius XII.

     „Was Euch betrifft, sorgt dafür und seid wachsam, damit schädliche Theorien und perverse Beispiele niemals mit Eurer Zustimmung oder Sympathie rechnen können und vor allem in Euch keine willigen Träger oder die Gelegenheit, Infektionsherde zu bilden, finden.“

       Diese Pflicht ist Bestandteil des „großen Respekts vor den Traditionen, die Ihr besitzt und durch den Ihr Euch in der Gesellschaft auszeichnet“. Diese Traditionen bilden einen „wertvollen Schatz“, der der Adel „mitten unter dem Volke“ zu wahren  hat.

     „Möglicherweise ist das heutigentags die wichtigste, soziale Funktion des Adels; sicherlich ist es der größte Dienst, den Ihr der Kirche und dem Vaterland erweisen könnt“.

     Das ist also die erste Aufgabe des Adels: sich nicht dem Zeitgeist anzupassen.

     Prof. Corrêa de Oliveira kommentiert: „Der Adel kann den Glanz vergangener Jahrhunderte, der noch heute von ihm ausgeht, kaum besser verwenden als die in den ihn auszeichnenden Traditionen enthaltene christlichen Lehre zu wahren, zu verteidigen und zu verbreiten.“

     Ein schwieriges Unterfangen, wo wir doch alle nur Menschen sind und so anfällig gegenüber einem Außenseitertum.

     Doch der Papst sagt sogar, daß dies möglicherweise der größte Dienst sei, den wir der Kirche und dem Vaterland erweisen könnten. Er bekräftigt dies am Abschluß seiner Ansprache von 1958 mit den Worten: „Damit der Allmächtige Eure Absichten bestärke und Unsere Gebete erhöre, die Wir darum an Ihn gerichtet haben, möge auf Euch allen, auf Euren Familien und besonders auf Euren Kindern, die Eure beste Tradition in die Zukunft tragen, Unser Apostolischer Segen ruhen.“

     Johannes XXIII. mahnt 1960, daß der Adel, dem viel gegeben ist, auch viel zu leisten hat, insbesondere im Hinblick auf ein tugendhaftes Leben. Er wird in besonderem Masse Gott gegenüber darüber Rechenschaft abzulegen haben.

     Doch reicht das? Einfach ein tugendhaftes Leben führen und ansonsten sich in der wohligen Anonymität bewegen, in die die meisten sich zurückgezogen haben?

     Nein, sie dürfen sich nicht aus dem konkreten, d.h. Öffentlichen Leben zurückziehen. Aus dem einfachen Grunde, da die Wahrung der Tradition, die dem Adel und den traditionellen Eliten zukommt, die Gesellschaften vor dem Stillstand bewahrt. Denn die wahre Tradition ist zukunftszugewandt und fortschrittlich. Sie garantiert eine harmonische Weiterentwicklung. Das wahre Traditionsbewusstsein bewahrt die Gesellschaft vor plötzlichen Sprüngen, vor Brüchen, die gefährliche Auswirkungen haben könnten. Dies zu verhindern ist Aufgabe des Adels und der traditionellen Eliten. Wenn er sich aber aus der Öffentlichkeit zurückzieht, kann er diese Aufgabe nicht mehr wahrnehmen. 

     Pius XII. „Ihr laßt Eure Vorfahren neu aufleben, indem Ihr sie ins Gedächtnis zurückruft. Und Eure Ahnen leben wieder auf in Euren Namen und in den Euch hinterlassenen Titeln, den Zeugen ihrer Verdienste und Wohltaten.“

     „Jeder Mensch hat seine Besteimmung, jeder muß dem Fortschritt der Gemeinschaft dienen, deren Verbesserung er mit seinen ganzen Kräften und eigenen Talenten zu dienen hat. So muß es sein, wenn jeder wirklich seinen Nächsten liebt und vernünftigerweise das allgemeine Wohl anstrebt.“

     Und der große Papst vergleicht den Adel mit dem Regler an einer Maschine, der dafür sorgt, daß das Ganze richtig und zweckentsprechend funktioniert. „Mit anderen Worten, so Pius XII., Ihr seid die Tradition und setzt sie fort. „

     Noch deutlicher an anderer Stelle: „Heute, mehr wie je zuvor, seid ihr berufen, eine Elite zu sein, nicht nur durch das Blut und Abstammung, sondern mehr noch auf Grund Eurer Werke und Eures Einsatzes, der schöpferischen Handlungen zum Wohle der ganzen menschlichen Gemeinschaft. Dieser Verpflichtung kann sich niemand ungestraft entziehen. Sie ist nicht nur eine menschliche und staatsbürgerliche Pflicht, sondern ein heiliges Glaubensgebot, ererbt von Euren Vätern und das Ihr, wie sie, vollständig und ungeschmälert, an Eure Nachfahren weiterzugeben habt.“

     Der Papst spricht von einem heiligen Glaubensgebot. Es ist ein heiliges Glaubensgebot der Eliten, sich für das Gemeinwohl einzusetzen.

     Aber natürlich entsteht dann die Frage nach dem WIE. Wie können denn der Adel und die traditionellen Eliten etwas bewirken.

     Hier sind einige anwesend, von denen ich weiß, wie sehr sie sich im Sinne von Papst Pius XII. vorbildlich engagieren durch hervorragenden Einsatz im karitativen Bereich, Aufbau von Glaubenserneuerungsgruppen, Aufbau von wirklich katholischen Kindergärten und Schulen, Unterstützung von wirklich katholischen Priesterseminaren usw. . Doch die Führungsrolle in der Gesellschaft schlechthin, die Pius XII dem Adel auch noch heute zuspricht, haben andere.

Wie sieht aber diese Führungsrolle heute aus?

     Dadurch, daß dem adeligen bestimmte Qualitäten zu eigen sind, so der Papst, ist der zum Führer der Gesellschaft bestimmt. Diese Eigenschaften sind seelische Stärke, Einsatzbereitschaft, freudiger Mut, der eine Ohne-mich- Einstellung nicht zuläßt, großmütiger Einsatz, Geistesstärke, die nicht, sich aufzugeben und zu fliehen, Tatbereitschaft, Opferbereitschaft für das Gemeinwohl, Hingabe für andere. Die die reichhaltigere Mittel besitzen, nicht materiell sondern hier Gaben des Verstandes, der Kultur, der Erziehung , der Wissens, des Einflusses, müssen diese auch einsetzen für das Ganze. Ritterlichkeit .

Es gibt vielfältige Organisationen, die sich den brennenden Herausforderungen der Zeit zugewandt haben, sei es zum Thema Abreibung, zur „Homoehe“, zur Euthanasie, zu Fragen der Genmanipulation, des Klonens usw. Dort müssten die bekannten Namen erscheinen. Dort müssten in großem Maße Vertreter des Adels ihre Stimme erheben, denn bei diesen hemen handelt es sich um die vom Heiligen Vater so genannten nicht verhandelbaren Prinzipien. Prinzipien, die den Kern der christlichen Kultur ausmachen und an denen keiner rühren darf, sei er auch noch so demokratisch legitimiert.

Treue zu Christus und der Kirche

     Papst Pius XII. weiter sagt wörtlich: In all dem, was Dienst ist für den Nächsten, für die Gesellschaft, für die Kirche und für Gott, müßt Ihr immer die ersten sein.“

     Und damit geht er über und verlangt vom Adel die Führung der Gesellschaft, insbesondere heute, da wir feststellen, daß aus dem Volk eine namenlose, leicht  manipulierbare Masse geworden ist, die „zum Spielzeug der Leidenschaften oder Interessen ihrer Aufwiegler sowie der eigenen Illusion geworden ist. Hat die Geschichte vielleicht nicht nicht schon grausam  bewiesen, daß jede menschliche Gesellschaft, ohne religiöse Grundlage unweigerlich ihrer Auflösung entgegengeht oder im Terror endet?Euren Ahnen nacheifernd, müßt Ihr also vor dem Volk leuchten durch das Licht Eures Frömmigkeitslebens, durch den Glanz Euer unerschütterlichen Treue zu Christus und der Kirche.“

     Und es folgen ein leidenschaftlicher Aufruf zur Rettung der Familie und die Ermahnung zur Unerschütterlichkeit in der Überzeugung, daß einzig die Lehre der Kirche den gegenwärtigen Übeln wirksam abhelfen kann. Daraus folgt, daß der Adel alles daran setzen muß, der Kirche den Weg freizumachen, damit diese die Lehre verkünden kann.

     Spätestens hier müssen wir uns fragen: Stehen wir vor dem Volk? Geht von uns das Leuchten eines Frömmigkeitslebens aus? Sind wir wie Leuchttürme der Orientierung für unsere Völker, so wie der Heilige Vater es von uns verlangt? Verteidigen wir die Kirche gegen die Angriffe, denen sie immer häufiger ausgesetzt ist, in der Weise, daß sich auch andere ermutigt sehen, das gleiche zu tun? Gehen wir aktiv und öffentlich vernehmbar gegen demokratisch legitimierte Politik vor, die offen der Lehre der Kirche widerspricht?

     Diese Fragen kann sich jeder selbst beantworten. Doch wir müssen sie beantworten, in dem wir unserem Herrn dabei in die Augen schauen, der selbst, zwar in bescheiden Verhältnissen aufgewachsen, dennoch aus dem Hause David stammt. Er, und das mußte auch ich erst lernen, will unseren Einsatz, auch wenn unserer Väter uns vielleicht resigniert bedeuten, daß unsere Zeit vorbei sei.

     Wir sollen und müssen uns wieder allen in der Gesellschaft zuwenden, wir kennen unsere Wurzeln und in aller Demut müssen wir die Bürde auf uns nehmen und den Kampf austragen gegen die Feinde der Kirche, gegen die Feinde der Christlichen Kultur und Zivilisation, gegen die Gleichheitsfanatiker, für eine Gesellschaft, die den wahren Eckstein annimmt und auf ihm aufbaut.

     Dieses Buch hat den Anspruch, diese Verpflichtung den traditionellen Eliten nahezubringen und sie anzuspornen, sie auch bereitwillig zu übernehmen, das Kreuz auf sich zu nehmen und sich gegen den Zeitgeist für das Gemeinwohl einzusetzen. Das Volk kann sich nur durch die Annahme und das Leben der Christlichen Tugenden, die Beachtung der katholischen Lehre zu einer wahren Zivilisation, zu einer christlichen Zivilisation entwickeln.

     Schauen Sie bitte zum Schluß auf diese Graphik, die belegt, daß auch von Seiten des Volkes das Interesse am Adel immer noch hoch ist. Die Auswertung der Suche im Internet nach dem Begriff Habsburg liegt gleichauf mit der nach den letzten beiden Kanzlern. Die Tendenz der Suche nach den Begriffen Otto von Habsburg und Rudolf von Habsburg ist steigend.

     Es gibt also Hoffnung, doch sie erfordert unseren selbstlosen Einsatz.

     Danke.

Anmerkungen

(1)www.spiegel.de ›international› world
“A Hundred Little Napoleons: Is Anyone in Charge in Today's...”
23. Okt. 2008

(2) Ansprache an das Patriziat und den Adel von Rom, 1964, S. 73

 

Der Vortrag wurde entnommen aus der im Nachhinein veröffentlichten Broschüre:

Vorträge gehalten bei der Präsentation des Buches

Der Adel...

von Plinio Corrêa de Oliveira

am 30. Oktober 2008

im Palais Coburg in Wien

© TFP - Österreichische Gesellschaft zum Schutze von Tradition, Familie und Privateigentum, Wien

Nachdruck dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

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