Freitag, 10. Oktober 2025

Die Universalität und Relevanz der Mission von Plinio Corrêa de Oliveiras

Juan Miguel Montes

Korrespondent von Catolicismo in Rom

Brasilien wurde von der göttlichen Vorsehung mit einem riesigen Territorium und unermesslichem Reichtum begnadet. Ich sage das nicht aus Nationalismus, denn ich bin Chilene. In Gottes Plänen für dieses riesige Land lag zweifellos auch die Absicht, sein Volk mit moralischen und spirituellen Gaben auszustatten, die mit dieser geophysikalischen Erhabenheit im Einklang stehen.

In diesem von der Vorsehung bestimmten und gigantischen Rahmen ragt die ebenso gigantische Figur Plinio Corrêa de Oliveiras hervor. Er wurde geboren, gedieh und kämpfte vor allem in seinem Heimatland Brasilien, wo er vor fast 30 Jahren starb. Sein Denken und Wirken beschränkten sich jedoch nicht auf Brasilien. Sie reichen über Brasilien hinaus und haben universelle Relevanz erlangt. Dr. Plinio wünschte, dass auf seinem Grabstein auf dem Friedhof Consolação in São Paulo, wo er ruht, die Worte „Vir Catholicus“ (Katholischer Mann) eingraviert würden, denn es gab für ihn keine größere Ehre, als ein Sohn der katholischen Kirche zu sein. Etymologisch bedeutet „catholicus“ aber auch „universell“, was diesen Wunsch noch bedeutungsvoller macht.

In Italien: Das Denken von Plinio Corrêa de Oliveira

Ich werde versuchen, diese Aussage anhand von Beispielen zu belegen, die mich persönlich während meiner Zeit in Rom berührt haben. Ich lebe seit vier Jahrzehnten in Europa. Die Alte Welt ist nach wie vor das Zentrum des kulturellen Lebens der Welt, und ich kann Ihnen versichern, dass die Figur von Plinio Corrêa de Oliveira mit wachsender Kraft in die europäische Kulturlandschaft hineinragt. Kürzlich wurden wir – als in Italien lebende Schüler Dr. Plinios – zu unserer Überraschung auf ein Buch mit dem Titel „Il Pensiero Controrivoluzionario“ (Gegenrevolu-tionäres Denken) aufmerksam, das von einem jungen Gelehrten, Diego Panetta, verfasst wurde. Er widmet dem Denken und Werk Plinio Corrêa de Oliveiras ausführliche und lobende Seiten. Von der Existenz dieses jungen Gelehrten wussten wir nichts. Dieses Buch ergänzt die bereits in Italien existierende umfangreiche Bibliographie renommierter Intellektu-eller, die Dr. Plinios Werk kommentiert und verbreitet haben.

Zusammenfassend möchte ich nur einige Italiener nennen: Prof. Roberto de Mattei, der ihm zwei Biografien widmete; Giovanni Cantoni und Massimo Introvigne, die ihm nach seinem Tod 1995 ebenfalls Bücher widmeten. Der berühmte Theologe und Intellektuelle Pater Gianni Baget Bozzo zögerte nicht, in einer der größten Zeitungen Italiens zu erklären, dass die bestehende katholische gegenrevolutionäre Schule auf das Denken von Plinio Corrêa de Oliveira zurückzuführen sei.

Einige Beispiele im kirchlichen Bereich

Der renommierte Kirchenrechtler Pater Anastasio Gutiérrez, langjähriger Dekan der Fakultät für Kirchenrecht an der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom, bezieht sich auf Dr. Plinios wichtigstes Buch mit folgenden Worten: „‚Revolution und Gegenrevolution‘ ist ein meisterhaftes Werk, dessen Lehren verbreitet werden müssen, bis sie das Gewissen all derer durchdringen, die sich als wahrhaft katholisch betrachten […]. Seine Analyse des revolutionären Prozesses ist beeindruckend und aufschlussreich […]. Ich würde sagen, es ist ein prophetisches Werk im besten Sinne. Sein Inhalt sollte in den höheren Zentren der Kirche gelehrt werden.“

Kardinal Alfons Stickler, langjähriger Rektor der Salesianer-Universität Rom und später Präfekt der Vatikanischen Bibliothek, bezog sich seinerseits wie folgt auf den bedeutenden brasilianischen Führer: „Mit der Kohärenz seines Lebens als authentischer Katholik bietet uns Plinio Corrêa de Oliveira eine Bestätigung für die Fruchtbarkeit der Kirche [...]. Der Dienst an der Kirche erfordert nicht nur doktrinäre Rechtschaffenheit, sondern auch einen Geist des Opfers und der Buße, der der Schwere des Augenblicks angemessen ist. Und Plinio Corrêa de Oliveira bietet uns mit seinem Leben und Werk ein klares Beispiel dafür.“

Der Kardinalerzbischof von Guayaquil, Bernardino Echeverría [Bild], schrieb anlässlich des Todes von Dr. Plinio: „Plinio Corrêa de Oliveira widmete während seines langen und fruchtbaren Lebens all seine Energie dem unerschrockenen Kampf gegen den Prozess der revolutionären Säkularisierung mit dem Ziel, die weltliche Ordnung aus der Perspektive des Reiches Christi, des Reiches Mariens, zu rechris-tianisieren [...]. Wenn wir uns an seine klare War-nung und den wahren Umbruch erinnern, der die Kirche erschütterte, können wir nur ausrufen: Ach, wäre diese Stimme doch gehört worden!“

Starke Reaktion gegen den revolutionären Prozess

Zu seiner Zeit, in Brasilien, auf dem amerikanischen Kontinent, weltweit und innerhalb der Kirche selbst, wurde Plinio Corrêa de Oliveiras Stimme nicht ausreichend gehört. Doch mit der Hilfe der göttlichen Gnade kehrt sich dies demnächst um. Ich persönlich glaube, dass dieser Einfluss noch stark zunehmen wird, aus einem Grund, den ich in Kürze erläutern werde.

Warum? – In seinem bahnbrechenden Werk „Revolution und Ge-genrevolution“ analysiert Dr. Plinio die entchristianisierende Revolution als einen Prozess. Hätte es keinen Prozess gegeben, keinen Fortschritt von Stufe zu Stufe, hätte sich die Revolution nicht so etablieren können, wie sie es über die Jahrhunderte getan hat. Ihr prozessiver Charakter dient dazu, ihre Täuschungen zu verbergen. Da die Revolution das Werk des „Vaters der Lüge“ ist – wie der Evangelist Johannes Satan nennt –, kann sie nur durch die Verschleierung ihrer eigentlichen Ziele voranschreiten und sich festigen. Und dafür ist ein schrittweiser Prozess notwendig.

Ohne einen Prozess wäre es unmöglich gewesen, die öffentliche Meinung, im weitesten Sinne christlich, dazu zu bringen, Ideen wie die heutigen zu akzeptieren: Abtreibung, Sterbehilfe, LGBT-Rechte usw. In seiner Kritik am revolutionären Prozess demonstriert Dr. Plinio den Grundsatz des heiligen Thomas: „Was klein ist am Anfang, ist immens an seinem Ende.“ Mit anderen Worten: Es ist wie ein kleiner Bach, der hoch in den Bergen entspringt und groß wird, wenn er die Ebene erreicht und ins Meer mündet.

Und hier liegt der erste Grund, warum Dr. Plinios Werk heute von einer wachsenden Zahl katholischer Gläubiger besser verstanden wird. Je näher der revolutionäre Fluss seiner Mündung kommt und den ganzen Schlamm auf seinem Weg wegschwemmt, desto sichtbarer wird er. Er ist nicht länger der Strom, der sich zwischen den Bergen versteckt.

So erkennen wir, dass immer mehr Menschen in den katastrophalen Ereignissen, die uns umgeben, die Existenz eines globalen Netzwerks erkennen, dass diese Ereignisse artikuliert und fördert; dass es sich um eine überwältigende Kraft handelt, wie die des Flusses, der seine Mündung erreicht, nachdem er all unsere Prinzipien und Werte beseitigt hat. Die Vorstellung einer riesigen antichristlichen Verschwörung gegen die Kirche, gegen das Christentum, gegen die Familie, gegen das menschliche Leben und gegen die natürliche Ordnung der Dinge nimmt in ihren Köpfen mit größerer Klarheit Gestalt an. Wir werden uns der Realität des Phänomens nicht nur in seinen gegenwärtigen Auswirkungen bewusst, sondern erkennen auch deutlicher, dass die trüben Gewässer von heute aus den trüben Gewässern von gestern stammen und dass es möglich ist, den Prozess bis zu seinen Ursprüngen vor mehreren Jahrhunderten zu rekonstruieren, wenn wir der Strömung dieses mächtigen Flusses folgen.

Kurz gesagt: Heute offenbart sich der schlammige Fluss der antichristlichen Revolution in all seiner Größe und Abscheulichkeit und versteckt sich nicht mehr in Mäandern und Verstecken. Er wird für katholische Gläubige und Menschen, die die natürliche Ordnung der Dinge grundsätzlich respektieren, zunehmend abstoßend. Auf diese Weise wird auch das Bild, das das 1959 erschienene Buch „Revolution und Gegenrevolution“ zeichnet, immer verständlicher und relevanter.

Die Bilder versinnbildlichen
die drei Revolutionen:
Proptestantische, Kommunistische
und Französiche Revolutionen
Die Aktualität der Thesen von Revolution und Gegenrevolution

Doch in den Jahren, als Dr. Plinio unter uns lebte, war die Welt noch vom Optimismus hypnotisiert. Fortschritte in Wissenschaft, Technologie, Medizin usw. ließen uns glauben, die Geschichte bewege sich auf eine zunehmend bessere Situation zu, in der Armut, Krankheit und vielleicht sogar der Tod überwunden würden. In einem solchen Kontext war es nicht leicht, die optimistische und sorglose Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass die stürmischen Gewässer des ausgehenden Mittelalters uns in den riesigen, sumpfigen Schlund gezogen hätten, den wir heute in all seiner Hässlichkeit sehen.

Wir haben also zwei Faktoren, die aufeinandertreffen. Einerseits kann die antichristliche Revolution, wenn sie einen endgültigen Sieg über das Christentum erringen will, ihre radikalsten Ziele nicht länger verschleiern; sie muss zwangsläufig ihre Maske fallen lassen. Andererseits hat der öffentliche Optimismus, der auf der Ideologie des ewigen und unumkehrbaren Fortschritts beruht, angesichts der Katastrophen, die sich in verschiedenen Bereichen um uns herum auftürmen, stark abgenommen, es sei denn, es kommt zu einer radikalen Kurskorrektur. Beide Faktoren im aktuellen Panorama – die unvermeidliche Selbstentlarvung der Revolution und die allmähliche Augenöffnung eines vernünftigen Teils der öffentlichen Meinung – belegen die absolute Richtigkeit des Werks „Revolution und Gegenrevolution“ und rücken diese Vision in den Mittelpunkt der zeitgenössischen Szene.

Wir können sicher sein, dass, genau wie die Bösartigkeit der revolutionären Angriffe weiter zunehmen wird, in diametral entgegengesetzter Richtung das Verständnis für die Notwendigkeit gegenrevolutionärer Maßnahmen in vernünftigen Teilen der öffentlichen Meinung wachsen wird.

Die im Buch „Zur Verteidigung der Katholischen Aktion“ ver-kündeten Enthüllungen

Beobachten wir, wie diese umfassende Vision von Plinio Corrêa de Oliveira allmählich in den Mittelpunkt rückte. 1943 – sech-zehn Jahre vor dem Verfassen von „Revolution und Gegenrevolution“ – veröffentlichte er sein erstes Buch „Zur Verteidigung der Katholi-schen Aktion“ und startete seine erste große Kampagne, in der er das Eindringen revolutionärer Ideen in die Kirche anprangerte. Jahre später wurde dieses Buch vom Heiligen Stuhl offiziell gelobt, doch damals kam die Denunziation den Autor teuer zu stehen, da er in katholischen Kreisen praktisch von seinem gesamten Apostolat ausgeschlossen wurde.

Jahrzehnte später, als Dr. Plinio mit mir über römische Themen sprach, machte er mir klar, wie das, was in „Zur Verteidigung der Katholischen Aktion“ geschrieben stand – alles basierend auf den Fakten und Lehren der Neomodernisten – die Krise der Kirche, die sich in den 1960er Jahren, während und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, viel deutlicher manifestierte, um mindestens 20 Jahre vorwegnahm.

Selbst sehr verdienstvolle Geistliche und sehr scharfsinnige Laien begannen das Ausmaß interkirchlicher revolutionärer Tendenzen und Ideen erst zu verstehen, als sie in den 1960er Jahren die aufsehenerregenden Tatsachen bemerkten, die Papst Paul VI. dazu veranlassten, von der „Selbstzerstörung“ der Kirche und dem „Rauch Satans“ zu sprechen, der in ihr Inneres eingedrungen sei.

Man kann nicht anders, als mit Kardinal Echeverría zu wiederholen: „Ach, wenn diese Stimme doch nur gehört worden wäre!“ Wie lässt sich die Genauigkeit von Plinio Corrêa de Oliveiras Vorhersagen, abgesehen von der Hilfe übernatürlicher Gnade, erklären? Der Grund dafür liegt im Wesentlichen darin, dass er den revolutionären Prozess zeitlebens zum Gegenstand systematischer Studien und Beobachtungen machte. Er erkannte sehr früh, dass dieser Prozess der Entchristlichung der Welt nicht voranschreiten könnte, wenn die Kirche sich ihm weiterhin widersetzte, und dass daher der einzige Weg für den Erfolg der Revolution darin bestand, dieses Hindernis zu beseitigen.

Wie? Die Revolution hatte erkannt, dass es unmöglich war, die Kirche durch äußere Feinde zu zerstören. Es war notwendig, sie durch innere Aktionen zu unterwandern und zu entstellen. Darüber hinaus wollte die Revolution das Ansehen der Kirche selbst in ihren Dienst stellen.

Alle Krisenelemente, die heute in der Kirche existieren und Gegenstand so vieler fundierter Studien sind – Glaubenskrise, doktrinäre Heterodoxie, entsakralisierte Liturgie, weltliche und sozialisierende Seelsorge und andere – sind Folgen des immensen Einflusses der Revolution auf die Kirche, der in dem Buch „Zur Verteidigung der Katholischen Aktion“ angeprangert wurde.

Von da an ist Dr. Plinios Geschichte geprägt von Vorhersagen, die sich nicht nur hinsichtlich der Selbstzerstörung der Kirche, sondern auch hinsichtlich der Selbstzerstörung des westlichen Christentums bewahrheiteten – beides interaktive Phänomene. Sein Wissen über den Verlauf des revolutionären Prozesses ante factum beruht nicht auf Wahrsagekünsten oder mystischen Offenbarungen, sondern auf jener äußerst ernsthaften Analyse, die ihn alle Tricks der Revolution auf dem Weg zu ihrem gnostischen Ziel durchschauen ließ.

Strassenaktion im Zentrum von São Paulo

Die Verhinderung des endgültigen Sieges des kommunistischen Systems

Aus Zeitgründen und aufgrund der Beschränkungen dieses Artikels ist es unmöglich, die Häufigkeit aufzuzählen, mit der Dr. Plinio revolutionäre Manöver vorhersah. Ich beschränke mich auf einige Beispiele.

Durch die Tatsache, dass er eine starke Reaktion auf den Kommunismus in Brasilien und Lateinamerika auslöste, zitiere ich ein Gespräch, das ich nach den Ereignissen, die zum Fall der Berliner Mauer und zur Auflösung der Sowjetunion führten, mit einer prominenten Persönlichkeit des Heiligen Stuhls führte. Diese Person, die wir als fortschrittlich einstufen können und die Gegnerin der von Plinio Corrêa de Oliveira in Brasilien gegründeten Organisation TFP (Tradition, Familie und Eigentum) war, sagte mir fast wörtlich:

„Die Sowjetunion hatte alles in der Hand, um den Kalten Krieg zu gewinnen, und stand kurz davor. Hätte sie in jenen Jahren Lateinamerika erobert, wäre das gesamte geopolitische Gleichgewicht zu ihren Gunsten ausgeschlagen. Um jedoch Lateinamerika, den katholischen Kontinent par excellence, zu erobern, musste der Kommunismus die Gunst der Kirche gewinnen. Und in diesem Kontext entstand die Aktion der TFP, die dieses Manöver verhinderte.“

Mein Gesprächspartner hatte Recht. Das lässt sich beweisen. 1984 verurteilte der Heilige Stuhl die „Theologie der Befreiung“, eine Bewegung, die die kommunistische Unterwanderung der Kirche begünstigte. Es war sicherlich eine sehr lobenswerte Intervention. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass Dr. Plinio bereits 1968 – also 16 Jahre vor der Verurteilung durch den Heiligen Stuhl, als der Begriff „Befreiungstheologie“ noch nicht einmal existierte – eine Kampagne gestartet hatte, bei der zwei Millionen Unterschriften gegen die kommunistische Unterwanderung der Kirche gesammelt und Papst Paul VI. übergeben wurden.

Und in diesen 16 Jahren – in denen der 1943 mit dem Buch „Zur Verteidigung der Katholischen Aktion“ gestartete Aufruf immer wieder aufs Neue bekräftigt wurde – hat die TFP unzählige redaktionelle Aktivitäten und Straßenkampagnen unternommen, um diese Gefahr abzuwehren, allesamt unter der direkten Leitung von Plinio Corrêa de Oliveira. Ich erwähne hier nur die Widerstandserklärung gegen die Entspannungspolitik des Vatikans gegenüber kommunistischen Regimen im April 1974. Im konkreten Fall Brasiliens sind es die verschiedenen Denunziationsaktionen der kirchlichen Basisgemeinden, der operativen Arme der „Befreiungstheologie“ und der Arbeiterpartei (PT), die nach dem Tod von Plinio Corrêa de Oliveira im Oktober 1995 so viel Unheil über Brasilien brachten.

Persönliche Heiligkeit, Denker, Gründer und Anführer von Bewegungen

Noch einmal sollte man sich an die Worte von Kardinal Echeverría erinnern: „Ach, wenn diese Stimme doch nur gehört worden wäre!“

An dieser Stelle möchte ich eine Frage und eine Beobachtung stellen. Inwieweit verdankt die heute in Brasilien florierende konservative Bewegung Dr. Plinios Wirken? Je länger er in den Hintergrund tritt, desto stärker verstärkt seine – oft implizite – „Präsenz“ im Geschehen den öffentlichen Widerstand gegen die Revolution.

Das Phänomen ist nicht auf Brasilien beschränkt. Es ist global. Viele Menschen weltweit erkennen heute die Bedeutung von Plinio Corrêa de Oliveira an, wie etwa der ehemalige Präsident der Vatikanbank (IOR),

Sagt: „Eine Begegnung mit
Prof. Plinio verändert das
Leben eines Menschen.“
Prof. Ettore Gotti Tedeschi, der unmissverständlich feststellt: „Eine Begegnung mit Prof. Plinio verändert das Leben eines Menschen.“ Oder das Zeugnis von Prof. Massimo de Leonardis, ehemaliger Dekan der Politikwissenschaft an der Katholischen Universität Mailand, der kürzlich ebenso kategorisch feststellte: Plinio Corrêa de Oliveira ist eine außergewöhnliche Persönlichkeit im Katholizismus unserer Zeit. Er war ein Denker von großer theologischer Kultur, ein politischer Führer, ein Universitäts-professor, ein Publizist und ein Schriftstel-ler. Es ist schwierig, besonders in diesem Jahrhundert, herausragende Gaben persönlicher Heiligkeit, eines Denkens, eines Gründers und eines Führers von Bürgerbewegungen in ein und derselben Person zu finden.“ Dies sind einige Zeugnisse von Freunden von Plinio Corrêa de Oliveira, aber ihre Relevanz wird auch von der Gegenseite bestätigt, die sein Werk zwar manchmal wütend angreift, aber dessen vollen Wert anerkennt.

Anprangerung der Geburt einer vierten Revolution

Dr. Plinio erlebte den wichtigsten Teil seines Kampfes in der Auseinandersetzung mit jener Phase der Revolution, die der Kommunismus ist. Er wusste jedoch, dass das ultimative Ziel der Revolution weit über den sowjetischen Superstaat hinausging und dass sie letztlich darauf abzielte, jedes Überbleibsel der Zivilisation zu zerstören und einen Zustand zu etablieren, der noch radikaler war als der sowjetische Kommunismus.

Der Fall der Berliner Mauer ereignete sich 1989 und das Ende der Sowjetunion zwei Jahre später, 1991. Er verurteilte jedoch ausdrücklich den Beginn dieser neuen postsowjetischen Phase, die Dr. Plinio als die Vierte Revolution, in einer 1977 verfassten Ergänzung zu seinem Werk Revolution und Gegenrevolution. Mit anderen Worten, lange bevor diese Ereignisse stattfanden.

Worin besteht die Vierte Revolution laut dem Autor? Die vorherigen großen Revolutionen (die Protestantische, die Französische und die Kommunistische) hatten immense Veränderungen in religiösen und gesellschaftspolitischen Strukturen bewirkt. Diesmal sollte es eine Revolution „in interiore homine“ sein: einen radikalen Wandel in der Mentalität jedes einzelnen Menschen, der den Weg für das ebnet, was manche Soziologen und Philosophen als Posthumanität bezeichnen.

Von der Hippie- und Anarchismusbewegungen, die in den 1960er Jahren Gestalt annahmen, schloss Dr. Plinio, dass wir vor dem Aufkommen dieses neuen posthumanen Stadiums stehen, das wir heute im Libertarismus und völligen moralischen Relativismus, in der Ausbreitung der freien Liebe, Drogen, Abtreibung und in immer mehr Ländern sogar Euthanasie triumphieren sehen; ohne auch nur die Unschuld von Kindern durch die Durchsetzung der LGBT-Ideologie zu verschonen.



Indigener Tribalismus vorgestellt als Lebensmodell

Angesichts der zunehmenden revolutionären Infiltration katholischer Kreise seit den 1960er Jahren konnte Dr. Plinio nicht anders, als den immensen soziokulturellen Wandel, den die Vierte Revolution in den 1960er Jahren mit sich brachte, in der Kirche tiefgreifende Resonanz zu finden. Im selben Jahr (1977), in dem er über die beginnende Vierte Revolution in der Gesellschaft schrieb, prangerte er in einem seiner prophetischsten und treffendsten Bücher an, wie diese Revolution in die Kirche eindrang: „Indigener Tribalismus – Das kommunistich-missionarische Ideal für Brasilien im 21. Jahrhundert“.

In diesem Werk zeigte Dr. Plinio, wie prominente Bischöfe und Theologen die Dschungelindianer und ihren primitiven Zustand als Lebensmodell darstellten und sie als die wahren „Evangelisatoren der Welt“ betrachteten. Die vermeintliche Einfachheit und Naivität ihres Lebens wurde von diesen Männern der Kirche als Beispiel für zivilisierte Gesellschaften dargestellt...

Es war für den einfachen Mann dieser Zeit wirklich schwer zu akzeptieren, dass die Gesellschaft des technologischen Fortschritts diesen Modellen folgen könnten. Doch Jahre später, angesichts des enormen Drucks auf die öffentliche Meinung, dass der zivilisierte Mensch, insbesondere der westliche, angeblich die Ressourcen des Planeten zerstört, sehen wir, dass dieses primitive und tribalistische Modell zunehmend vertreten wird, insbesondere von progressiven Mitgliedern der katholischen Kirche.

Amazonas-Synode, „Mutter Erde“ und Pachamama

So kamen wir ins Jahr 2019, als Papst Franziskus im Rahmen einer feierlichen Synode im Vatikan die Amazonas-Stämme als Beispiele für „gutes Leben“ vorschlug, insbesondere, wenn man bedenkt, dass dieses „gute Leben“ darin besteht, die „Mutter Erde“ nicht zu schädigen – ein zunehmend zentrales Ziel der Umweltschützer.

"Pachamama-Kult" in den Gäten des Vatikans
in Anwesenheit von Papst Franziskus

Tatsächlich diente diese prophe-tische Vorhersage von Dr. Plinio dem Institut Plinio Corrêa de Oliveira und anderen Anhängern des bedeuten-den katholischen Führers als Aus-gangspunkt für die Verurteilung der Bedeutung der Amazonas-Synode, insbesondere aufgrund ihres ver-meintlich heidnischen Kults der Mut-ter Erde. Die sogenannte „Mutter Erde“ in Form eines Götzenbildes namens Pachamama wurde während der Synode in Rom im Petersdom selbst verehrt.

Die Amazonas-Synode bestätigte Dr. Plinios scharfsinnige Vision vom Verlauf der Ereignisse. 1977 schien die Verherrlichung des tribalistischen indigenen Ideals eine ideologische Extravaganz. Wenn jedoch der grüne Umweltschutz heute überall einen globalen Plan zur drastischen Verringerung der Wohlstandsproduktion vorschlägt, sehen wir, wie das damals Unglaubwürdige wie ein riesiges Schreckgespenst am Horizont auftaucht.

Das Dokument der Amazonas-Synode fordert offen die Demontage des westlichen Wirtschaftsmodells, das als „ökozid“ und „extraktivistisch“ verschrien ist, und schlägt unter anderem die Wiederbelebung der Kirchlichen Basisgemeinschaften vor, der Wiege eines Großteils der zunehmend unpopulären Arbeiterpartei (PT), die derzeit von der Kanzel aus eine Erneuerung anstrebt.

In Bezug auf den ideologischen Umweltschutz erkannte Dr. Plinio sofort die Bedeutung dieses Themas im Sinne der Schaffung einer neuen Denkweise, um die Zivilisation auf den Weg ihrer Dekonstruktion zu führen – wie es die revolutionärsten Philosophen formulierten.

Dr. Plinio widmete sich seiner Analyse auf der berühmten, von den Vereinten Nationen gesponserten internationalen Konferenz in Rio de Janeiro, bekannt als ECO-92. Er entsandte eine qualifizierte Delegation in die Hauptstadt Rio de Janeiro, um die Ereignisse Schritt für Schritt zu beobachten. Die TFP-Zeitschriften veröffentlichten mehrere Artikel über die damals erzielten Vereinbarungen und verdeutlichten der Öffentlichkeit, dass wir vor einem grundlegenden Wendepunkt in der Geschichte der Revolution standen: dem Übergang von der „roten“ (kommunistisch) zur „grünen“ (ökologischen) Revolution.

Dreißig Jahre später sprechen alle wichtigen internationalen Foren von einer globalen Neuordnung (einem „großen Neustart“great reset), die im Zuge der Coronavirus-Pandemie und der dadurch verursachten prekären Wirtschaftslage durchgeführt werden sollte. Dieser „große Neustart“ ist weitgehend von den Beschlüssen der ECO 92 in Rio de Janeiro inspiriert. Die vielleicht größte Neuerung im Vergleich zu dieser Zeit besteht darin, dass mit der Enzyklika Laudato Si die Umweltagenda auch für die Kirche zu einer Priorität wurde.

In Fortsetzung von Dr. Plinios Beitrag zur Umweltfrage vor 30 Jahren könnte ich nicht umhin die kürzlich erschienene Veröffentli-chung des Buches „Umweltpsychose“ von Prinz Dom Bertrand de Orleans e Bragança nicht unerwähnt lassen. Ich verzichte hier auf die unzähligen Kampagnen, Veröffentli-chungen und Konferenzen gegen den Vor-marsch der Linken in Brasilien und Lateina-merika, da ihre Themen den Lesern der Zeitschrift Catolicismo bereits bekannt sind.

Ich werde auch nicht näher darauf eingehen, wie Mitglieder der brasilianischen TFP die Flamme des Glaubens und der Hoffnung in den Straßen und Plätzen dieses riesigen Landes am Leben hielten, als der Kommunismus gefährlich lauerte. Ebenso wenig werde ich auf die epischen Karawanen junger TFP-Mitglieder eingehen, die jahrelang durch das ganze Land zogen und nie in ihre Heimatstädte zurückkehrten.

Die brillanten Kampagnen der TFP mit ihren roten Umhängen und Bannern mit dem heraldischen goldenen Löwen prägten das Bild großer und kleiner brasilianischer Städte und wurden von Dr. Plinios Schülern auf fünf Kontinenten nachgeahmt. Sie schufen ein Phänomen der Vermarktung von Ideen, das weder Brasilien noch Amerika noch Europa bis dahin gekannt hatten.

Selbst Gegner bestätigen die Wirksamkeit der TFP-Aktionen.

Übertreibe ich die obigen Aussagen?

Ich möchte nur zwei Gegner der TFP, daher unverdächtig, erwähnen,

die meine obigen Ausführungen bestätigen. 1969 schrieb der linke Journalist Oliveira Bastos in der Zeitung Tribuna da Imprensa:

„Die TFP war auf einer Gala. Ich muss gestehen, dass ich von weitem


einen angenehmen Eindruck hatte. Die Farbwahl der Uniformen und Banner zeugt zweifellos von gutem Geschmack. Ihre Bewegungen wirken wie ein Theater. Während ein junger Mann mit einem Megafon Parolen ruft, dreht ein anderer in perfekter heraldischer Manier die Flagge leicht. Andere rennen in perfekter choreografischer Harmonie auf Passanten zu und bieten ihnen eine Zeitung an.“

„Aus der Ferne beeindruckt die TFP durch ihre ästhetische Dimension, ihr Farbenspiel, die unsichtbare Präsenz eines ‚Metteur-en-scène‘.“ Wenn jede Tradition, jede Familie und jedes Eigentum auch nur ein Drittel der harmonischen Erscheinung dieser Gruppe hätte, wäre sogar ich, ein Mann der Linken, versucht, mir ein Banner zu schnappen und zur Verteidigung dieser Institutionen auf die Straße zu gehen [...]. Jeder möchte den Namen des ‚Registers‘ der Gruppe wissen, sowie den Designer, der diese Uniformen entworfen hat.“

Und die kommunistische Künstlerin Judith Malina, Leiterin des Living Theatre, analysiert in einem in O Estado de São Paulo (12. Juli 2018) veröffentlichten Artikel die ästhetische Wirkung der vom Genie Plinio Corrêa de Oliveira konzipierten Kampagnen:

Eines Morgens, sehr früh, erschallen Rufe vor dem Haus; ein Aufschrei der Militanz weckt uns und wir schauen aus dem Fenster. ‚Tradition! Familie! Eigentum!‘, rufen zehn junge Leute [...] mit einer roten Satinstola über den Schultern. Sie führen Straßentheater auf. Sie tragen ein sehr großes rotes Banner [...] mit der Würde der Banner, die die Kirche bei Prozessionen trägt. Der Erfinder dieser Stücke hat ein ausgeprägtes Gespür für Straßentheater. Innerhalb der starren Form lotet er alle Möglichkeiten aus: Klang, Farbe und Kleidung; Kontakt, Chor und Flaggen.“

Diese Marketingtechniken für gegenrevolutionäre Ideen fanden in Europa und Amerika Nachahmung, sodass die rote Fahne der TFP sogar auf dem Roten Platz in Moskau wehte [Foto nebenan], als die Flagge der Sowjetunion noch im angrenzenden Kremlpalast hing. Es war ein Krieg der Symbole, gewonnen durch die Flamme des Glaubens und des Mutes, die Dr. Plinio in Brasilien entzündet hatte.

Nach dem Tod von Prof. Plinio geht sein Kampf weiter.

Plinio Corrêa de Oliveira ist seit dem 3. Oktober 1995 nicht mehr unter uns. Doch wir fragten uns: Konnten seine Schüler die Schule der konterrevolutionären Militanz aufgeben, die er geschaffen und zu einer unbestreitbaren globalen Wirkung erhoben hatte? Konnten seine Schüler die Flamme des Glaubens und des Mutes auslöschen, die den Planeten von brasilianischem Boden aus erleuchtete?

Sicherlich nicht! Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Revolution seit seinem Tod ihre Offensive zur Zerstörung der Kirche und der von ihr inspirierten Zivilisation stark intensiviert hat. Betrachten wir nur, was gegen die natürliche Familie unternommen wird – die Familie, die Engels, Mitbegründer des Kommunismus zusammen mit Marx, als größtes Hindernis für die Durchsetzung der neuen kommunistischen Gesellschaft bezeichnete. Heute ist die Verteidigung der Familie das erbittertste Schlachtfeld im Kampf zwischen Revolution und Gegenrevolution.

Nach Dr. Plinios Abwesenheit wurde die natürliche Familie mit allen Arten von Verbindungen gleichgesetzt, gleichgeschlechtlichen und transsexuellen: Linke Parteien propagierten offen die freie Liebe, manchmal sogar zugunsten von Pädophilie. Die Auflösung von Ehen wurde mit allen Mitteln erleichtert, Scheidungen sind zunehmend leichter zu erreichen. Die Praxis der Geburtenkontrolle mit moralisch unzulässigen Mitteln ist weit verbreitet; Abtreibung wurde vielerorts legalisiert, und in manchen Ländern kann sie bereits bis zum neunten Monat durchgeführt werden. Oben erwähnte ich die Korruption Minderjähriger durch die Vermittlung der LGBT-Ideologie.

Ist all dies den Erklärungen und Anprangerungen der Schüler Plinio Corrêa de Oliveiras würdig? Oder wäre es besser, die über Jahrzehnte hinweg tapfer gehissten Banner zurückzuziehen, um die Kräfte der Revolution nicht zu stören?

Ich kann hier nicht im Detail auf die Aktionen eingehen, die nach dem von Dr. Plínio entwickelten Modell durchgeführt wurden. Es gibt viele: in Brasilien, in den Vereinigten Staaten, in anderen lateinamerikanischen Ländern, in Europa.

Dazu gehört zum Beispiel das tägliche Epos des Instituts Plinio Corrêa de Oliveira, das mit Kühnheit und Mut auf den Straßen, im Internet, auf Konferenzen und mit Karawanen durch das ganze Land getragen wird, um die konservative Bewegung der brasilianischen öffentlichen Meinung zu stärken, die in jüngster Zeit ein gutes Beispiel für die ganze Welt gegeben hat.

Was können wir über die mutige nordamerikanische TFP sagen, die ihre Banner in Städten und Universitäten dieses für den Rest der Welt so wichtigen Landes zur Schau stellt und der konservativen Bewegung Mut macht?

Die Notwendigkeit, im „Zustand des Widerstands“ zu verharren

Abschließend noch ein Wort zum Handeln der Anhänger des Gründers der brasilianischen TFP im entscheidendsten aller Szenarien: dem der katholischen Kirche.

Ich habe bereits anhand eines Kommentars eines hochrangigen Vatikanbeamten die entscheidende Rolle der TFP in der Endphase des Kalten Krieges bei der Verhinderung des Abstiegs des lateinamerikanischen Kontinents in den Kommunismus erwähnt, ebenso wie die Bedeutung des Buches „Zur Verteidigung der Katholischen Aktion“ und die wiederholte Kritik an den Vorschlägen der katholischen Linken in den 1960er und 1970er Jahren: „Befreiungstheologie“, kirchliche Basisgemeinschaften (CEBs), indigener Tribalismus als Gesellschaftsmodell usw.

Viele dieser revolutionären Ideen werden auch heute noch gepredigt, und es ist schmerzlich, aber notwendig, dies vom höchsten Stuhl der Kirche aus anzuerkennen. Dr. Plinio und die TFPs hatten Papst Paul VI.

bereits in kindlicher Weise ihre Verwunderung über die Entspannungspo-litik des Heiligen Stuhls gegenüber kommunistischen Regimen zum Ausdruck gebracht – eine Politik, die den internationalen Kommunismus objektiv stärkte. Dr. Plinio und die TFPs erklärten damals, sich im Zustand des Widerstands zu befinden, gemäß dem Modell, das der heilige Paulus im Brief an die Galater lehrte und das von Heiligen und Theologen als nachahmenswertes Beispiel im historischen Fall der kindlichen Warnung an Petrus kommentiert wurde. (Bild rechts: Die Ausgabe von CATOLICISMO mit der Abhandlung der Widerstandser-klärung)

Haben die Ereignisse, die Dr. Plinio und seine Schüler 1974 zu diesem heiklen Schritt veranlassten, die Legitimität eines Widerstands gezeigt, der über die Lehren des Apostels Paulus hinausging?

Wenn Dr. Plinio, der energisch gegen die zivilrechtliche Scheidung kämpfte, die Einführung dessen miterleben würde, was renommierte Theologen und Kirchenrechtler heute als „katholische Scheidung“ bezeichnen, würde er sich dann nicht auch dem widersetzen, was seit Beginn des gegenwärtigen Pontifikats getan wurde, um Geschiedenen und Wiederverheirateten die heilige Kommunion zu ermöglichen? Ist dies nicht ein Fortschritt im Prozess der Relativierung der Unauflöslichkeit des Ehebundes? Es ist zweifellos Teil dieses Prozesses der moralischen Relativierung, der den oben erwähnten offensichtlichen Schaden verursacht hat. Daher ergriffen Dr. Plínios Schüler in Abstimmung mit zahlreichen ähnlichen Organisationen weltweit die Initiative und richteten eine Bitte an Papst Franziskus, um diesen bereits laufenden Prozess zu stoppen und die Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe sowie das Verbot des Empfangs der Eucharistie in außerehelichen Beziehungen nachdrücklich zu bekräftigen.

Eine Million Unterschriften wurden gesammelt, darunter die von über 200 Bischöfen, zahlreichen Kardinälen, Theologen, Kirchenrechtlern, Universitätsprofessoren und anderen. Obwohl dieser Bitte nicht entsprochen wurde, löste sie in der katholischen Öffentlichkeit eine gesunde Alarmstimmung aus. Zahlreiche Initiativen, insbesondere nach den beiden Synoden zur Familie und dem Schreiben Amoris Laetitia, wurden ins Leben gerufen. Um nur die wichtigste davon zu nennen: die „dubbia“ (Zweifel), die dem Papst von vier angesehenen Kardinälen vorgelegt wurden.

Es sind nicht nur theologische Neuerungen, die weltweit Reaktionen hervorgerufen haben. Es ist auch der eindeutig gesellschaftspolitische Charakter eines Pontifikats, das im Namen einer Art neuen ökologischen Glaubensbekenntnisses unzählige Pfarrer dazu veranlasst, das westliche sozioökonomische Modell zu verurteilen und umweltpolitische Varianten der „Befreiungstheologie“ zu fördern. Es genügt zu erwähnen, dass einer der Assistenten beim Entwurf der Enzyklika Laudato Si der ehemalige Priester Leonardo Boff war.

Die jüngste Enzyklika Fratelli Tutti hat die Bedeutung des Privateigentums zugunsten der Vergesellschaftung von Eigentumsformen heruntergespielt, trotz des durchschlagenden Scheiterns der Länder, die die sozialistische Formel angewandt haben. Führer sogenannter „sozialer Bewegungen“ wie der MST (Brasilien) wurden bei hochrangigen Treffen im Vatikan geehrt. Der Heilige Stuhl hat mit ihnen offizielle Erklärungen unterzeichnet, in denen „gemeinschaftliche Formen der Organisation von Arbeit, Land und Wohnen“ gefördert werden. Auch namhafte Abtreibungsbefürworter und Aktivisten für künstliche Empfängnisverhütung wurden zu mehreren Treffen im Vatikan eingeladen. Im Gegensatz zu den nicht verhandelbaren moralischen Prinzipien, die Papst Benedikt XVI. in den Vordergrund stellte, stehen im aktuellen Pontifikat der Umweltschutz, das Recht auf Einwanderung aus ärmeren in reichere Länder sowie eine allgemeine Umverteilung des Reichtums im Vordergrund.

Diese ganze Realität wurde in dem Buch „Der Paradigmenwechsel von Papst Franziskus“ des Wissenschaftlers José Antonio Ureta, Mitglied des Instituts Plinio Corrêa de Oliveira und Mitarbeiter der Zeitschrift Catolicismo, beschrieben.

Angesichts dieses immensen „Paradigmenwechsels“ konnten die Schüler von Professor Plinio nicht schweigen. Doch wie sollten sie ihre Stimme erheben? Es konnte nur mit dem Geist und der Sprache des Meisters geschehen, der sich 1974 anlässlich seiner Widerstandserklärung gegen die Entspannungspolitik des Vatikans gegenüber den kommunistischen Regimen mit großer Loyalität an Papst Paul VI. wandte:

„Das Band des Gehorsams gegenüber dem Nachfolger Petri, das wir niemals brechen werden, dass wir aus tiefster Seele lieben, dem wir unsere größte Liebe schenken, dieses Band küssen wir in dem Augenblick, in dem wir, von Trauer erdrückt, unsere Position bekräftigen. Und auf unseren Knien, mit Ehrfurcht auf die Gestalt Seiner Heiligkeit Papst Paul VI. blickend, bekunden wir ihm unsere ganze Treue. In dieser kindlichen Geste sagen wir dem Hirten der Hirten: Unsere Seele gehört Euch, unser Leben gehört Euch. Befehle uns, was immer Sie wollen. Nur befehlen Sie uns nicht, die Arme vor dem angreifenden roten Wolf zu verschränken. Dem widersetzt sich unser Gewissen.“

„Die Menschen kämpfen, und Gott wird ihnen den Sieg schenken!“

Wir haben derzeit einen weiteren Papst auf dem Stuhl Petri. Obwohl der Wolf, der derzeit vorrückt, eher „grün“ als „rot“ ist, kann unser Widerstand nur derselbe sein, der im historischen Widerstandsmanifest von Plinio Corrêa de Oliveira zum Ausdruck kommt.

Dieses Widerstandsmodell ist ein Leuchtturm, der vielen, die den „Paradigmenwechsel“ in der Kirche und die Versuche, eine neue Weltordnung (oder Unordnung) in der weltlichen Gesellschaft zu schaffen, ratlos beobachten, eine gerechte und vernünftige Position vorgibt.

Der Denkschule von Plinio Corrêa de Oliveira treu zu bleiben bedeutet, seinen Kampf fortzusetzen, mit der Hoffnung, die in der Überzeugung von Gottes Eingreifen wurzelt. Die Position des Gründers der brasilianischen TFP lässt sich mit dem erhabenen Satz der Heiligen Johanna von Orléans zusammenfassen: „Die Menschen kämpfen, und Gott wird ihnen den Sieg schenken!“

Die Revolution kann nicht allein durch menschliches Handeln besiegt werden, ohne Gottes Eingreifen, ohne die Fürsprache der Allerseligsten Jungfrau Maria. Doch gerade zur Treue sind wir alle aufgerufen; sie zwingt Gott sozusagen, in die Ereignisse einzugreifen. Eine Treue, die natürlich, wie uns Dr. Plinio durch sein Beispiel lehrte, ohne den Primat des Gebets, des sakramentalen und geistlichen Lebens nicht aufrechterhalten werden kann, die aber auch in der Stunde des Kampfes nicht versagt.

Wir glauben, dass Dr. Plinio vom Himmel aus die gegenrevolutionären Aktionen segnet, die unter den schwierigen Umständen unserer Tage durchgeführt werden, bis die Zeiten der Revolution endgültig durch den in Fatima verheißenen Sieg des Unbefleckten Herzens Mariens eingelöst wird.

 


Die Revolution kann nicht allein durch menschliches Handeln besiegt werden, ohne Gottes Eingreifen, ohne die Fürsprache der Allerseligsten Jungfrau Maria. Doch gerade zu dieser Treue sind wir alle aufgerufen; sie zwingt Gott sozusagen, in die Ereignisse einzugreifen. Eine Treue, die natürlich, wie uns Dr. Plinio durch sein Beispiel lehrte, ohne den Vorrang des Gebets, des sakramentalen und geistlichen Lebens nicht aufrechterhalten werden kann, die aber in der Stunde des Kampfes nicht vernachlässigt wird.

 

 

 Aus dem Portugiesischen in Catolicismo von Oktober 2024.

„Die Universalität und Relevanz der MIssion von Plino Corrêa de Oliveira“ ist erstmals auf Deutsch erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

Nachdruck nur mit Angabe dieses Blogs.

 

 


Dienstag, 7. Oktober 2025

Winston Churchill, Plinio Corrêa de Oliveira und die Ursprünge des Zweiten Weltkriegs

 

Die Teinehmer der Münchener Konferenz am 29.-30.09.1939

Roberto de Mattei

In der Botschaft von Fatima vom 13. Juli 1917 sagte die Muttergottes: „Der Krieg wird bald zu Ende gehen; doch wenn die Menschen nicht aufhören, Gott zu beleidigen, wird während des Pontifikats von Pius XI. ein noch schlimmerer beginnen. Wenn ihr eine Nacht seht, die von einem unbekannten Licht erleuchtet wird, wisst, dass dies das große Zeichen Gottes ist, dass er die Welt für ihre Verbrechen durch Krieg, Hunger und Verfolgung der Kirche und des Heiligen Vaters bestrafen wird.“

Der Zweite Weltkrieg begann offiziell am 1. September 1939 mit dem deutschen Einmarsch in Polen. Innerhalb von zwei Tagen erklärten England und Frankreich Deutschland den Krieg, und so eskalierte der polnisch-deutsche Konflikt zu einem europäischen Krieg.

Zwei Jahre zuvor, in der Nacht des 25. Januar 1938, erleuchtete ein strahlendes Nordlicht den Himmel über Mittel- und Südeuropa, Nordafrika und bis nach Nordamerika und Kanada. Schwester Lucia, die sich damals im Institut der Heiligen Dorothea in Tuy, Spanien, aufhielt, schien dieses Nordlicht mit dem von Unserer Lieben Frau prophezeiten „großen Zeichen“ zu identifizieren: „Gott benutzte dies, um mir zu verstehen zu geben, dass seine Gerechtigkeit über die schuldigen Nationen hereinbrechen würde, und so begann ich, an den ersten Samstagen eindringlich um die Sühnekommunion und um die Weihe Russlands zu bitten“ (Documentos de Fátima, Porto 1976, S. 231).

1938 regierte Pius XI. über die Kirche, dessen Name den Hirtenkindern von Fatima 1917 unbekannt war. Er starb am 10. Februar 1939 und am 2. März desselben Jahres bestieg Pius XII. den Stuhl Petri. Der Botschaft von Fatima zufolge brach der Krieg nicht 1939 unter Pius XII. aus, sondern ein Jahr zuvor unter seinem Vorgänger. Da der Heiligen Jungfrau Maria kein Fehler zugeschrieben werden kann, veranlasst uns dieses offensichtliche historische Versehen, über die Ursprünge des Konflikts nachzudenken. Welches Ereignis zwischen den Nordlichtern im Januar 1938 und dem Tod Pius' XI. ein Jahr später könnte als Auslöser des Zweiten Weltkriegs identifiziert werden?

Das Jahr 1938 war geprägt von der englisch-französischen Appeasement-Politik gegenüber Hitlerdeutschland, das mit dem „Anschluss“ am 13. März Österreich dem Dritten Reich einverleibte. Das Hauptanliegen des britischen Premierministers Chamberlain war es, einen Krieg mit Deutschland zu vermeiden. Um eine Verschlechterung der internationalen Lage zu verhindern, fand vom 29. bis 30. September in München eine Konferenz der vier Westmächte – Frankreich, England, Deutschland und Italien – statt. An der Konferenz nahmen ihre jeweiligen politischen Führer teil: Edouard Daladier, Neville Chamberlain, Adolf Hitler und Benito Mussolini. Am Ende des Treffens akzeptierten England und Frankreich die deutsche Annexion Österreichs und gaben der Tschechoslowakei grünes Licht. Chamberlain kehrte triumphierend nach London zurück, in der Wahnvorstellung, durch die Unterstützung von Hitlers Expansionismus einen Krieg vermieden zu haben.


„Sie hatten die Wahl zwischen
der Schande und des Krieges zu wählen:
Sie haben sich für die Schande entschieden,
und Sie werden den Krieg haben.“

Doch Winston Churchill (1874–1965) sagte in seiner Rede vor dem Unterhaus am 5. Oktober:

„Wir haben eine totale und unentschuldbare Niederlage erlitten. […] Wir stehen vor einer Katastrophe ersten Ausmaßes. […] Alle Länder Mitteleuropas und des Donauraums werden nacheinander in das riesige System der Nazi-Politik aufgenommen. Und glauben Sie nicht, dass dies das Ende ist. Es ist erst der Anfang …“ (William L. Shirer, Geschichte des Dritten Reiches, Einaudi, Mailand 2014, S. 648).

Zu den scharfsinnigsten Beobachtern der internationalen Lage gehörte der Herausgeber der brasilianischen Zeitschrift „O Legionário“, Plinio Corrêa de Oliveira (1908–1995), der am 2. Oktober 1938 kommentierte:

Adolf Hitler (Mitte) und Nazi-Offiziere paradieren in Wien während der deutschen Besatzung Österreichs, 1938.

„Frankreich und England konnten in Sachen Demütigung nicht weitergehen. Sie tranken den Kelch bis zum letzten Tropfen. Und als man ihnen verkündete, dass sie mit ein paar weiteren Tropfen Frieden erreichen könnten, weinten sie vor Freude.“

Das Jahr 1939, nach der deutschen Annexion des Sudetenlandes, begann mit einer überraschenden Vorhersage des brasilianischen Denkers, die in der ersten Ausgabe des „Legionário“ erschien:

„Während alle Schlachtfelder abgegrenzt werden, vollzieht sich ein immer deutlicherer Prozess: die doktrinäre Verschmelzung von Nationalsozialismus und Kommunismus. Unserer Meinung nach wird das Jahr 1939 den Abschluss dieser Verschmelzung erleben.“ Wenige Monate später, im August 1939, schlug die Verkündung des sogenannten Ribbentrop-Molotow-Pakts wie eine Bombe in der europäischen Öffentlichkeit ein. Der Nichtangriffspakt war zehn Jahre lang gültig und verpflichtete beide Vertragsparteien, von jedem „gegenseitigen“ Angriff abzusehen. Hinzu kam ein „Geheimprotokoll“, das Hitler den Weg für einen Angriff auf Polen ebnete, wodurch die UdSSR die Kontrolle über die drei baltischen Länder Finnland, Polen und Bessarabien (das heutige Moldawien) behielt.

Am 1. September 1939 marschierte die deutsche Armee in Polen ein. In seiner Internationalen Note vom 3. September kommentierte Plinio Corrêa de Oliveira das Ereignis mit folgenden Worten:

„Am 23. August wurde der Pakt zwischen dem sowjetischen Außenminister Wjatscheslaw Molotow und dem nationalsozialistischen Außenminister Joachim von Ribbentrop, der berühmte Molotow-Ribbentrop-Pakt, unterzeichnet.

„Alles deutet darauf hin, dass der Krieg nicht durch einen einfachen Nichtangriffspakt, sondern durch ein geheimes Abkommen zwischen Russland und dem Reich entschieden wurde, das wahrscheinlich die Teilung Polens vorsah.“

Am selben 3. September erklärten Großbritannien und Frankreich Deutschland den Krieg. Der Zweite Weltkrieg begann offiziell, den Plinio Corrêa de Oliveira in einem Artikel in „Legionário“ als den rätselhaftesten Krieg unseres Jahrhunderts bezeichnete (31. Dezember 1939). Das Rätsel wurde durch den Schleier der scheinbare Widersprüche, mit denen „die finsteren Mächte des Bösen“ ihre Manöver zur Zerstörung der Überreste der christlichen Zivilisation starteten.

Die ersten Monate des Konflikts sahen einen blitzartigen Vormarsch der deutsche Armee. Nach der Besetzung Polens rückte sie westwärts bis zur Atlantikküste vor. Am 10. Mai 1940, dem Tag, an dem Hitler die Offensive im Westen startete, trat Winston Churchill sein Amt als Premierminister des Vereinigten Königreichs an und sah sich der größten Bedrohung gegenüber, der Großbritannien je ausgesetzt war. Die Panzer der Wehrmacht befanden sich 25 Kilometer südlich von Dünkirchen, wo das gesamte britische Expeditionskorps und die meisten französischen Soldaten zwischen dem Meer und der deutschen Front gefangen waren. Frankreich stand am Rande des Zusammenbruchs, eine US-Intervention war nicht absehbar, und die Niederlage schien unmittelbar bevorzustehen.

In seiner Rede vor dem Parlament am 13. Mai 1940 versprach der neue Premierminister dem britischen Volk „Tränen, Opfer, Blut und Schweiß“ bis zum endgültigen Sieg und erklärte im Admiralty House:

„Sie fragen, was unsere Politik ist?“ Ich antworte: Es ist ein Krieg, der zu Wasser, zu Land und in der Luft geführt wird, mit all unserer Macht und mit all der Kraft, die Gott uns geben wird [...]. Das ist unsere Politik. Sie fragen, was unser Ziel ist? Ich kann mit einem Wort antworten: Es ist der Sieg, der Sieg um jeden Preis, der Sieg trotz Terror, der Sieg, wie lang und beschwerlich der Weg auch sein mag“ (M. Gilbert, Finest Hour. Winston S. Churchill, 1939–1941, Heinemann, London 1983, S. 333).

Ende Juni, nachdem er alle Verhandlungsvorschläge mit dem Feind abgelehnt hatte, sah sich Churchill mit der vom Führer entfesselten „Luftschlacht um England“ konfrontiert. Die Hartnäckigkeit des britischen Widerstands zwang Hitler, sein Projekt aufzugeben. Zu den Entscheidungen, die die Weltgeschichte im letzten Jahrhundert veränderten, zählt der britische Historiker Ian Kershaw Großbritanniens Entscheidung, im Frühjahr 1940 bis zum bitteren Ende zu kämpfen (Fatal Choices. The Decisions That Changed the World. 1940–1941, Bompiani, Mailand 2024, S. 13–68).

Winston Churchill, der der Kriegstreiberei beschuldigt wurde, erwies sich als realistischer und mutiger Staatsmann. Plinio Corrêa de Oliveira gilt heute als einer der profundesten Interpreten der historischen Ereignisse seiner Zeit. Anhand seiner Beispiele lässt sich feststellen, dass die Politik des Kompromisses mit dem Feind nie Kriege verhindern, sondern oft sogar provozieren konnte. Wer glaubt, Kriege durch die Erfüllung der Forderungen der Aggressoren vermeiden zu können, begeht nicht nur Unrecht, sondern auch einen schweren psychologischen und politischen Fehler. Die Münchner Konferenz, die den Zweiten Weltkrieg auslöste, ist in dieser Hinsicht eine immerwährende Lehre.

Plinio Corrêa de Oliveira,
damals Herausgeber der
Zeitung „Legionário“.


In einem leuchtenden Artikel aus den 1970er Jahren erinnerte Plinio Corrêa de Oliveira an das Ereignis wie folgt:

„München war nicht nur eine große Episode in der Geschichte dieses Jahrhunderts. Es ist ein symbolisches Ereignis in der Geschichte aller Zeiten. Wann immer es, zu jeder Zeit und an jedem Ort, zu einer diplomatischen Konfron-tation zwischen wahnhaften Kriegstreibern und wahnhaften Pazifisten kommt, werden die ersteren im Vorteil sein und die letzteren frustriert sein. Und wenn es einen klaren Menschen gibt, der diese Konfrontation und Frustration betrachtet, wird er die Chamberlains und Daladiers der Zukunft mit Churchills Worten zurechtweisen: „Ihr musstet zwischen Schande und Krieg wählen: Ihr habt die Schande gewählt, und ihr werdet den Krieg haben“ („Folha de S. Paulo“, 31. Januar 1971).


Quelle: Winston Churchill, Plinio Corrêa de Oliveira und die Ursprünge des Zweiten Weltkriegs – von Roberto de Mattei | Römische Korrespondenz (corrispondenzaromana.it)

Bild Oben:FONTE IMMAGINE: Wikimedia Commons (https://commons.wikimedia.org/) - ATTRIBUZIONE: Bundesarchiv, Bild 183-R69173 / CC-BY-SA 3.0

Montag, 6. Oktober 2025

DAS RITTERTUM IN DER SEELE VON PLINIO CORRÊA DE OLIVEIRA

 – III. Teil  -

Zusammenstellung von Texten über das Rittertum, entnommen aus mehreren Vorträgen von Dr. Plinio von Ende 1989 bis Mitte 1990


III - Aus dem Geist des Rittertums geht eine Schule der Vollkommenheit hervor

Der Geist des Rittertums ist vor allem eine Art des Menschseins.

Was genau ist das Rittertum? Ist es nur Mut im Kampf? Oder ist es noch etwas Anderes?

Der Geist des Rittertums ist vor allem eine Seinsart des Menschen, eine Mentalität des Menschen, die sich hauptsächlich im Kampf zeigt, aber nicht nur da, sondern im gesamten Leben des Menschen, in seiner gesamten Mentalität und in allem zeigt.

Wenn man beispielsweise heute von einem Mann sagen möchten, dass er ein sehr vornehmes, sehr gehobenes Auftreten hat, kann man sagen, er sei ein perfekter Kavalier. Warum? Was hat eine vornehme, gehobene Behandlung mit einem Kavalier zu tun? Ein Mann, der sich in einem Salon sehr gut benimmt, gilt als Kavalier. Nun sieht aber ein Salon das Gegenteil eines Schlachtfelds aus. Was sollen wir über einen Mann sagen, der sich im Saal als vollkommener Kavalier benimmt? Warum sollten wir ihn als Ritter bezeichnen, wenn sein Platz auf dem Schlachtfeld ist?

Wenn man meint, ein Mann besitzt die einem Ritter eigene Frömmigkeit, wird dies als eine bestimmte Art der Frömmigkeit verstanden und nicht als eine andere bestimmte Art der Frömmigkeit. Was also ist der Geist des Rittertums? Wie definiert man ihn?

Der Geist des Rittertums: Sinn für die eigene Würde, kämpferische Liebe zur hierarchischen Ordnung und zur guten Ordnung der Dinge

Der Geist des Rittertums ist ein Geist der Logik, der Kohärenz und der Seelenstärke, durch den der Mensch eine genaue Vorstellung seiner Würde erhält. Von seiner Würde als Mensch und von seiner Würde als Katholik. Von seiner Würde, sofern er auf der Skala menschlicher Werte eine gewisse Stellung einnehmen darf, deren Respekt er einfordern muss.

Der wahre Geist des Rittertums besteht in der Liebe des Ritters zur hierarchischen Ordnung, diese Ordnung der Tapferkeit, der guten Anpassung der Dinge, und zwar in einer kämpferischen Art und Weise der Liebe. Er duldet daher keinerlei Verstöße gegen diese Ordnung und ist bereit, einzugreifen um die nötige Ordnung wiederherzustellen. Dies entspricht jedoch dem gesunden Menschenverstand und der klaren, rechten Auffassung der Dinge.

Nehmen wir zum Beispiel an, ein Adliger. Jemand respektiert ihn nicht, aber nur in einer Kleinigkeit. Er nimmt beispielsweise eine vorrangige Stellung ein, die ihm nicht zusteht. Was macht der Edelmann? Der Edelmann bemerkt dies und sagt dezent aber bestimmt etwas, in dem er klarstellt, dass dies nicht richtig ist und nicht wiederholt werden darf. Aber im Moment ist es nur ein Wort.

Der Ritter spielt nicht, und mit ihm spielt man nicht

Aus genau diesem Grund ist ein Mann ein Kavalier im Salon, wenn er sich freundlich, aber vornehm verhält und so deutlich macht, dass man mit ihm nicht spaßen kann. Der Ritter ist ernst, der Ritter ist nicht verspielt. Normalerweise ist er ernst und freundlich, aber er macht keine Witze und man macht keine Witze mit ihm. Und die Leute verstehen, dass man ihn respektieren muss. Er möchte weder mehr respektiert werden, als er wert ist, noch möchte er weniger respektiert werden, als er wert ist. Er behält diese Respektslinie genau im Auge und jeder Fuß, der sie überschreitet, hat seine Strafe ... Selbst wenn es sich um eine Dame handelt, wird er wissen, wie er sich vor ihr verneigen und dann etwas sagen muss ...

Nehmen wir an, zwei Ritter, die über eine politische Angelegenheit diskutieren. Sie sind unterschiedlicher Meinung. Beide achten sehr darauf, dass nicht nur jeder Recht hat, also die Wahrheit vertritt, sondern sie achten auch sehr darauf, ob der andere in der Diskussion nicht respektlos wird. Bei mangelndem Respekt weiß er im Gespräch sofort das richtige Wort zu sagen, das signalisiert: „Überschreite die Grenze nicht, denn sonst werden Sie mich an der Grenze treffen, und mit dem Schwert in der Hand bereit, die ,Tüpfelchen auf dem i‘ zu setzen. Überlegen Sie also genau, was Sie machen.“

* Respekt für das Heilige

Dieser Geist der Ritterlichkeit ist also ein erhabener Geist, der stets die Berücksichtigung der eigenen Würde im Auge zu behalten sucht, die Berücksichtigung der christlichen und katholischen Ordnung der Dinge, die respektiert werden muss, der aber gerade deshalb vor allem die Rechte Gottes berücksichtigt. Und er praktiziert die Religion ohne Furcht, er praktiziert sie nicht nur auf natürliche Weise, sondern er praktiziert darüber hinaus etwas, das seine Männlichkeit zeigt; und wenn irgendjemand daran denkt, sich darüber lustig zu machen oder darüber zu lachen, steckt er in Schwierigkeiten. Dies ist Teil des Geistes der Ritterlichkeit.

Mehr noch. Es geht höher. In diese Liebe zu Gott legt der Ritter eine genaue Erkenntnis darüber, was Gott in seiner Unendlichkeit, in seiner Herrlichkeit, in seiner Größe, in seiner Pracht, in seiner Güte, in seiner Barmherzigkeit ist; und aus diesem Grund empfindet er für Gott eine fromme und tiefe Bewunderung, einen frommen und tiefen Respekt, so dass er, selbst wenn er allein in seinem Zimmer ist und beispielsweise ein Bild bewegt, unwillkürlich den Rosenkranz fallen lässt oder irgendetwas, was so passieren kann, dies mit dem größten Respekt wieder richtig stellt.

* Tiefe der Seele und Liebe zur Erhabenheit: Eigenschaften, die den Mut des Ritters rechtfertigen

Dies alles sind jedoch Haltungen, die auf eine große Seelentiefe schließen lassen, denn die Seele muss sehr tief sein, um dies alles zu verstehen und so vorzugehen. Sehr tiefgründig bedeutet nicht unbedingt sehr intelligent, der Ritter ist nicht unbedingt ein Philosoph, aber er hat eine klare und tiefe Sicht der Dinge, durch die er erkennt, so ist es, dann ist die Konsequenz dies, die Konsequenz ist jenes. Er ist sehr logisch, sehr kohärent und sehr stark. Er hat keine Angst vor den Konsequenzen. Er zieht für sich und andere alle Konsequenzen, koste was es wolle und sei es wie es ist.

Und deshalb liebt der Ritter die Erhabenheit. Er denkt gern über die Dinge nach und betrachtet sie in ihrer höchsten Form. Er bevorzugt ernste, erhabene und edle Dinge gegenüber gewöhnlichen, unwichtigen und banalen Dingen. Und wenn er sich beispielsweise vor ein großes Denkmal stellt, versucht er, die Erhabenheit dieses Denkmals wahrzunehmen. Vor einem Kirchturm, sucht er die Erhabenheit dieses Turms. Vor eine mittelalterliche Rüstung gestellt, versucht er, die Erhabenheit dieser Rüstung zu sehen, denn seine ganze Seele ist auf Anbetung und damit auf den Geschmack für alles Gehobene, alles Erhabene und auf die Verachtung für alles Banale, alles Alltägliche und alles, was keine wirkliche Bedeutung hat, ausgerichtet. Dies sind einige Merkmale der Seele eines Ritters.

Diese Eigenschaften rechtfertigen seinen Mut. Denn ein Mensch hat nur den Mut, sein Leben zu opfern, - und manchmal geht es nicht darum, sein Leben zu opfern, sondern zum Beispiel, lebenslang behindert, ein Invalide zu sein. Den Mut dazu hat er nur schon im ersten Versuch, wenn er sich des hohen Ziels, für das er handelt, bewusst ist und zu einer kontinuierlichen und wirksamen Liebe zu diesem Ziel fähig ist. Wenn er das nicht hat, wird er im Kampf nicht mutig sein.


FORTSETZUNG FOLGT


 

Aus dem portugiesischen „Das Rittertum in der Seele von Plinio Corrêa de Oliveira“ aus verschiedenen Vorträgen über das Rittertum in den Jahren 1989 und 1990.

Widergabe der deutschen Übersetzung ist mit der Angabe dieses Blog erlaubt: www.p-c-o.blogspot.com

Erster Teil: 

https://p-c-o.blogspot.com/2025/02/das-rittertum-in-der-seele-von-plinio.html

Zweiter Teil:

https://www.blogger.com/blog/post/edit/preview/5270894083927469849/4475146232364241090