Donnerstag, 7. Oktober 2021

Unbehagen und Wiederbelebung der konservativen Bewegung in Amerika

 Studie

Die Tradition der Vergessenheit entrissen
und die Rolle von Plinio Corrêa de Oliveira
bei der Bildung der internationalen religiösen Rechte

von Julio Loredo

In der revolutionären Mythologie schreitet der historische Prozess ständig „voran“, d. h. zu immer liberaleren, egalitäreren, toleranteren, weltlicheren, inklusiveren, kurz „moderneren“ Denk-, Fühl- und Lebensweisen. Mit anderen Worten, es geht immer Richtung links. Unerbittlich.

Von „Unbehagen“ zur „Wiederbelebung“

An der Wende der 1960er und 1970er Jahre schien dies eine unumstößliche Wahrheit zu sein. Während im kulturellen Bereich die Giftstoffe des Jahres 1968 die moralischen und psychologischen Grundlagen des Westens auflösten, schritt im gesellschaftspolitischen Bereich der Kommunismus unverdrossen voran. Die Vereinigten Staaten, de facto der Führer der nichtkommunistischen Welt, zogen sich vor allem nach der Vietnam-Katastrophe zurück. Das amerikanische Volk versank psychologisch in etwas, das Analysten als „Unbehagen“ benannten, und als Zeichen eines nicht fernen Todes gedeutet wurde. Dieses „Unbehagen“ verbreitete sich dann in der ganzen westlichen Welt.

Im kirchlichen Bereich feierten die Befürworter der so genannten Hermeneutik des Bruchs und der Diskontinuität, die das Zweite Vatikanische Konzil als die Geburt einer Neuen Kirche interpretierten, ihren Sieg. Stark blies in der Kirche der Wind der so genannten „Euphorie des Widerspruchs“. Überall triumphierte die progressive Linie. Traditionalismus wurde fast buchstäblich auf eine unbedeutende Minderheit reduziert.

1979 begann sich jedoch alles zu ändern.

Im Mai gewann Margaret Thatcher die Wahlen in Großbritannien und leitete damit eine konservative Wende ein, die innerhalb weniger Jahre den sozialistischen Apparat zerschlug, der das Land mehr als ein halbes Jahrhundert lang beherrscht hatte. Dann, im November 1980, gewann Ronald Reagan die US-Wahlen und führte die Conservative Movement an die Macht. Und auch hier wurde das Land von einer kopernikanischen Wende getroffen. „The Sixties are over! - Die Sechziger Jahre sind vorbei!“ war einer der am häufigsten wiederholten Slogans. Es war der Beginn der „Conservative Revival“, der konservativen Wiederbelebung, die sich dann über die ganze Welt ausbreitete und in vielen Ländern neue Rechte Regierungen mit deutlicher religiöser Inspiration hervorriefen.

Im kirchlichen Bereich markierte das Pontifikat von Johannes Paul II., wenn auch mit Licht und Schatten, gleichermaßen einen Wendepunkt, von dem das Motu proprio Ecclesia Dei (1988) das Beispiel gab, das erneut die Türen zur tridentinischen Liturgie öffnete. Überall begann der Traditionalismus zu wachsen, vor allem unter der Jugend. Es entstanden mehrere religiöse und kirchliche Institute mit einer konservativ-traditionalistischen Ausrichtung. Die Exzesse der progressiven Theologie wurden verurteilt. Dieser Wendepunkt wurde im Pontifikat von Benedikt XVI. noch verstärkt, beispielsweise mit dem Motu proprio Summorum Pontificum, das Situationen wie in der Kirche in Frankreich veränderte, in der fast die Hälfte der neugeweihten Priester dem traditionellen Ritus angehören.

Die „Conservative Revival“ wurde sowohl in ihren zeitlichen als auch in ihren religiösen Aspekten von vielen Intellektuellen sehr detailliert und gründlich studiert. Akademische Literatur ist zu diesem Thema reichlich vorhanden. Ein Punkt ist jedoch noch nicht ausreichend erforscht: die Rolle Brasiliens und konkret die von Professor Plinio Corrêa de Oliveira bei der Entstehung und Entwicklung dieser Reaktion.

Um diese Lücke zu füllen, hat Benjamin A. Cowan kürzlich das Buch „Moral Majorities across the Americas. Brazil, the United States and the Creation of the Religious Right” veröffentlicht. (University of North Carolina Press, 2021, 294 S.). Professor Cowan ist ein Harvard-Absolvent und Professor für Geschichte an der University of California in San Diego.

Seine Forschungsarbeit ist erheblich. Nicht weniger als 824 Fußnoten zeugen von der Fülle an Referenzen, mit denen der Autor sein Werk bereichern wollte. Die meisten Quellen sind unveröffentlicht: das persönliche Archiv von Msgr. Geraldo de Proença Sigaud; Berichte der brasilianischen Geheimdienste; die Paul Weyrich Papers der Manuskriptabteilung der Library of Congress; die Diözesanarchive São Paulo und Diamantina; das Archiv des brasilianischen Außenministeriums und viele mehr.

Wie bei jeder Arbeit der historischen Analyse wären einige Unterscheidungen zu treffen, insbesondere von Seiten von Personen wie mir, die an einigen der erwähnten Fakten teilgenommen haben oder mit denen, die daran teilnahmen, engen Kontakt hatten. Trotzdem handelt es sich um ein substanzielles Werk, das dazu bestimmt ist, die wissenschaftliche Forschung zu diesem Thema zu konditionieren. Es sollte daran erinnert werden, dass Professor Cowan ein Liberaler ist und sich daher in einer ideologischen Position befindet, die den untersuchten Realitäten entgegengesetzt ist. Er ist weit davon entfernt eine Lobschrift verfasst zu haben, es ist vielmehr eine Kritik, manchmal sogar eine sehr bissige.

Das Zweite Vatikanische Konzil

Das erste Kapitel ist dem Zweiten Vatikanischen Konzil gewidmet.

Prof. Plinio Correa de Oliveira (Mitte mit Hut)
 auf dem Weg zum Konzil auf dem Petersplatz 1962 


Trotz der umfangreichen Bibliographie, die inzwischen über das Konzil vorliegt, vertritt Cowan die Ansicht, dass die Wissenschaftler dem „entscheidenden Handeln einer geschlossenen Gruppe von Brasilianern, die während und nach dem Konzil daran arbeiteten, die Flut des Reformismus einzudämmen, noch nicht den gebührenden Stellenwert eingeräumt haben. (...) Die zentrale Rolle der Brasilianer [in der traditionalistischen Reaktion] wird gewöhnlich in den Schatten gestellt“ [1]. Übersehen werden zum Beispiel die Interventionen von Monsignore José Maurício da Rocha, Bischof von Bragança Paulista, „Monarchist, entschiedener Antimodernist, Antikommunist und Antiliberaler“. Besser bekannt, aber immer noch nicht gut erforscht, ist das Vorgehen von Msgr. Geraldo de Proença Sigaud, Erzbischof von Diamantina, und Msgr. Antonio de Castro Mayer, Bischof von Campos.

Erzbischof Geraldo P. Sigaud *
Diese „geschlossene Gruppe von Brasilianern“ wurde von den beiden letztgenannten Konzilsvätern gebildet, angeregt und unterstützt von den Mitgliedern der TFP, die zu diesem Anlass zwei Filialen in der Ewigen Stadt eröffnet hatten. Inspirator und treibende Kraft dieser Gruppe war zweifelsohne Professor Plinio Corrêa de Oliveira.

Trotz der Tatsache, dass diese Gruppe „eine wichtige und in gewissem Sinne bahnbrechende Rolle in der Politik des traditionalistischen Katholizismus auf nationaler und transnationaler Ebene während und nach dem Konzil spielte, werden Mayer, Sigaud und die sensationelle TFP in der Geschichtsschreibung über die Entstehung der erzkonservativen katholischen Reaktion in der ganzen Welt oft nicht erwähnt. (...) Die Forschung hat diesen brasilianischen Beitrag weitgehend ignoriert. (...) In diesem ersten Kapitel möchte ich diesen Aktivismus der konservativen Brasilianer während des Zweiten Vatikanischen Konzils als ein Element des Aufbaus und der Entwicklung eines transnationalen katholischen Traditionalismus skizzieren. (...) Die Brasilianer waren keineswegs die wichtigste - und bisher vernachlässigte - Kraft hinter dem konservativen Widerstand im Zweiten Vatikanum“ [2].

Cowan behauptet natürlich nicht, dass dies die einzige Komponente der traditionalistischen Reaktion während des Konzils war. Er argumentiert lediglich, dass dem bisher nicht die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Die antiprogressistische Tätigkeit von Plinio Corrêa de Oliveira, so Cowan, begann in den 1930er Jahren mit der Gründung der Gruppe des Legionario und setzte sich in den 1940er Jahren mit seiner Opposition gegen den Neomodernismus innerhalb der „Katholischen Aktion“ und in den 1950er Jahren mit der Gründung der Catolicismo-Bewegung fort. Zu Beginn der 1960er Jahre hatte Plinios antimodernistisches Werk „in Brasilien Widerhall gefunden [und] hatte auch [sogar] international bedeutende Auswirkungen, die dazu beitrugen, die globale katholische Reaktion gegen Modernisierung und Säkularisierung zu formen und zu unterstützen“ [3]. Als Dr. Plinio 1962 in Rom eintraf, hatte er also bereits sehr klare Vorstellungen und einen perfekt ausgearbeiteten Schlachtenplan, im Gegensatz zu so vielen anderen Konservativen, „die von der progressiven Wende des Konzils überrascht wurden“ [4]. In der Tat, erklärt Cowan „hat die TFP die Ausrichtung des Konzils vorweggenommen und begonnen, sich zu organisieren, bevor er begann“ [5]. In den Privatarchiven von Msgr. Sigaud finden sich Berichte über Treffen mit Plinio Corrêa de Oliveira, bei denen ein Plan ausgearbeitet wurde, um sich dem progressiven Angriff auf dem Konzil zu widersetzen, bevor er in die Ewige Stadt ging.

Bischof Antonio de Castro Mayer
     Dieser Plan ist in dem Votum enthalten, das Bischof Sigaud dem Konzil vorlegte, das aber von Plinio Corrêa de Oliveira inspiriert und vielleicht auch mitverfasst wurde: „Die Kirche muss weltweit den Kampf gegen die Revolution organisieren“ [6]. Dr. Plinios realistisch besorgte Sichtweise stand in scharfem Kontrast zu dem „Jubel“, den nicht wenige Konservative über die Einberufung des Konzils hegten, da sie darin eine Chance für eine „konservative Erneuerung“ sahen, während der brasilianische Leader befürchtete, dass es sich in ein Debakel verwandeln würde [7].

Während des Konzils versammelten sich die Traditionalisten im Coetus Internationalis Patrum. Aus den Archiven von Bischof Sigaud geht hervor, dass dieser bei der Gestaltung des Coetus eine zentrale Rolle spielte und dabei stets von Plinio Corrêa de Oliveira unterstützt wurde. Ihm gehören zum Beispiel die Manuskripte mit den „Entwürfen für die Struktur, die Sitzungen, die Veröffentlichungen, die Aktivitäten und die Finanzierung“ des Coetus. In einem Brief an den brasilianischen Außenminister, in dem er ihn um finanzielle Unterstützung bat, schrieb Sigaud: „Ich kann [in Rom] keine freiwilligen und zuverlässigen Mitarbeiter finden. Die brasilianischen Aktivisten hingegen arbeiten nur im Geist der Hingabe zu unserer Sache, mit großer Effizienz und Diskretion. (...) Sie sind Spezialisten, jeder in einem Aspekt des Konzils. (...) Das Rückgrat des Coetus war immer und muss auch weiterhin diesen brasilianischen Aktivisten anvertraut werden“ [8]. Cowan kommt zu dem Schluss, dass „der Aktivismus der TFP eine zentrale Rolle bei der Mobilisierung des konservativen Blocks gespielt hat“.

Msgr. Marcel Lefèbvre selbst bezeichnete die TFP als den „Leitungsausschuss“ des Coetus [9]. Eine Meinung, die der französische Historiker Henri Fesquet teilt. Abschließend stellt Cowan fest: „Wie wir gesehen haben, gehörten Marcel Lefèbvre und seine Anhänger zu denjenigen, die die Brasilianer als die Hauptakteure, ja sogar als Helden in diesem Bereich betrachteten“ [10].

Wir lassen ein langes Kapitel mit dem Titel „The beauty of hierarchies“ (Die Schönheit der Hierarchien) aus, in dem Cowan die Lehren erläutert, die der TFP zugrunde liegen. Interessant ist jedoch, wie Cowan zufolge, die TFP aus ihrer katholischen Vision nicht nur eine progressivfeindliche Vision im religiösen Bereich ableitet, sondern auch eine traditionalistische Konzeption der weltlichen Gesellschaft, die eng mit der ersteren verbunden ist. Daher ihre Kämpfe im politischen, sozialen, kulturellen, moralischen und religiösen Bereich. Interessant ist auch Cowans Beharren auf der „ästhetischen Dimension“ der von der TFP angestrebten Gegenrevolution.

Professor Cowan kommt zu dem Schluss: „Obwohl der katholische Traditionalismus der Bereich ist, in dem diese [TFP]-Aktivisten die direkteste und anerkannteste Wirkung hatten, erstreckt sich ihr Einfluss auch auf den weiteren Bereich des modernen religiösen Konservativismus. Darauf werde ich in den folgenden Kapiteln eingehen. (...) Der Aktivismus der TFP machte Brasilien zu einem wichtigen Schauplatz für die Entwicklung dieser besonderen Form des religiösen Konservativismus, die später innerhalb und außerhalb Brasiliens Widerhall finden sollte“.[11]

Schaffung der „Neuen Transnationalen Rechten“

Im vierten Kapitel will Cowan „die Rolle Brasiliens als Hauptkern des Netzwerks nachzeichnen, aus dem die transnationale Neue Rechte hervorging“ [12]. Es muss klargestellt werden, dass die „Neue Rechte“, auf die er sich bezieht, nichts mit der europäischen Nouvelle Droite und ihrer neuheidnischen Grundzügen zu tun hat. Die Grundlagen dieser Neuen Rechten, so Cowan, seien Antikommunismus, die Verteidigung moralischer Werte und der westlichen Kultur. Gerade die gemeinsame Abneigung gegen den Kommunismus - damals der schlimmste Feind der westlichen christlichen Zivilisation - veranlasste viele Gruppen und Bewegungen, ihre Bemühungen zu bündeln. Cowan zeigt, dass die TFP dabei eine wichtige Rolle spielte: „Brasilien wurde zu einem zentralen Ort für die Entstehung und Akkreditierung rechter Persönlichkeiten und Bewegungen, deren Bedeutung über die nationalen Grenzen hinausging“ [13].

Auf der Grundlage größtenteils unveröffentlichter Dokumente analysiert der Autor insbesondere die Beziehungen zwischen der TFP und der amerikanischen New Right. Um sie zu verstehen, müssen wir einen Schritt zurückgehen.

Ende der 1940er Jahre, mit der Veröffentlichung von Burke's Politics [14], begann sich in den Vereinigten Staaten das herauszubilden, was später als Conservative Movement [15] bezeichnet wurde. Nach einer Periode der Ausarbeitung von Doktrinen und einem verfrühten und daher erfolglosen Wahlversuch mit Barry Goldwater im Jahr 1964 landete diese Bewegung Ende der 1960er Jahre in Washington, wo sie Think Tanks wie die Heritage Foundation und Strukturen für politische Aktionen wie die Free Congress Foundation gründete. Paul Weyrich, ein katholischer Traditionalist österreichischer Herkunft, war das Herzstück dieser Bewegung. Diese Neue Rechte trug 1980 dazu bei, dass Ronald Reagan die Präsidentschaft erlangte, als der erste „konservative“ Präsident der USA. So begann eine tiefgreifende und kraftvolle Comservative Revival, konservative Wiederbelebung, die nicht nur die Politik, sondern auch die Kultur betraf [17].

Außer den politischen und kulturellen Aktionen begannen die Katholiken der Neuen Rechten (die in der Tat die vorherrschende Stimme waren) eine Kampagne gegen den Progressivismus innerhalb der Kirche. Zu diesem Zweck gründeten sie das Catholic Center, um „die linksgerichtete progressive Bewegung in der Kirche zu bekämpfen“ [18]. Aus dieser Schmiede kam zum Beispiel 1986 die erste Anprangerung der Homosexuellen-Lobbys [19]. Sowie mehrere Studien gegen die sogenannte Befreiungstheologie [20]. Es ist kein Zufall, dass es heute im Großraum Washington D.C. nicht weniger als fünfzehn Messen im alten römischen Ritus gibt. Es ist die große Welle des Conservative Revival.

Professor Plinio Corrêa de Oliveira, der auf Entwicklungen achtete, die auf eine potenziell gegenrevolutionäre Reaktion hindeuten könnten, misst dem Aufkommen dieser New Right große Bedeutung bei, und zwar sowohl im Hinblick auf ihre konkreten Aktionen als auch vor allem im Hinblick auf das, was sie für einen Wandel in der nordamerikanischen ideologischen Landschaft darstellt. Um die Beziehungen zu ihr zu intensivieren, verstärkte die amerikanische TFP ihre Präsenz in der Hauptstadt mit dem TFP Washington Bureau, dem Cowan breiten Raum widmet.

Im Juni 1981 wurde Plinio Corrêa de Oliveira in São Paulo von James Lucier, Berater des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des US-Senats, und Francis Bouchey, Vizepräsident des Interamerikanischen Sicherheitsrats, besucht, beide prominente Mitglieder der New Right. Dann, 1988, erhielt er Besuch von Führern der Neuen Rechten, darunter Paul Weyrich und Morton Blackwell. In seiner Rede vor den Mitgliedern und Mitarbeitern der brasilianischen TFP erklärte Weyrich: „Die Gespräche, die ich mit eurem Leiter [Plinio Corrêa de Oliveira] geführt habe, waren die außergewöhnlichsten in meiner gesamten politischen Laufbahn“ [21].

Cowan interessiert vor allem die Internationalisierung dieser Neuen Rechten. Deshalb widmet er mehrere Seiten der Geschichte des International Policy Forum, einer von Paul Weyrich konzipierten und von Morton Blackwell geleiteten Allianz konservativer Vereinigungen. „Der Aufbau einer transnationalen Neuen Rechten“, so Cowan, „erfolgte durch Organisationen, die speziell zu diesem Zweck geschaffen wurden. (...) Das International Policy Forum (IPF) war eine solche Organisation, vielleicht das paradigmatische Beispiel. (...) Das IPF hat relativ wenig wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhalten“ [22]. Das erste Treffen fand 1985 in Washington statt.

„Seit mehr als zwei Jahrhunderten haben die Intellektuellen und Aktivisten der Linken ihre internationalen Netzwerke aufgebaut, während die Konservativen ihre Mitstreiter in anderen Ländern überhaupt nicht kannten“, heißt es in einem IPF-Dokument [23]. Der Hinweis auf „mehr als zwei Jahrhunderte“ ist interessant und zeigt, dass die Mitglieder des IPF nicht ausschließlich antikommunistisch eingestellt waren, sondern eine umfassendere Vision des revolutionären Prozesses hatten.

Die Idee einer „transnationalen konservativen“ Bewegung war nicht neu. Die Gesellschaften zur Verteidigung von Tradition, Familie und Eigentum (TFP), die heute in zwanzig Ländern vertreten sind, bildeten bereits eine Art „Internationale der Gegenrevolution“. Auf Anregung von Plinio Corrêa de Oliveira und inspiriert durch das Beispiel der TFP gründete Paul Weyrich das IPF und lud die brasilianische Führungspersönlichkeit in den Verwaltungsrat ein: „Weyrich baute eine enge und fruchtbare Beziehung zur brasilianischen Gesellschaft zur Verteidigung der Familientradition und des Eigentums (TFP) auf, oder besser gesagt, zum transnationalen Netzwerk der TFP-Verbände“ [24]. Tatsächlich wurde der Leiter der New Right auf vielen seiner internationalen Reisen, auf denen er Kontakte zu konservativen/traditionalistischen Realitäten knüpfte, von TFP-Mitgliedern begleitet, die Weyrich „in das Netzwerk der lokalen Freunde einführten“.

All diese Bemühungen, so Cowan, „bildeten internationale Koalitionen zur Verteidigung des traditionellen Christentums“ [25]. Cowan kommt häufig auf die Idee der „Zentralität der TFP“ zurück: „Die TFP breitete sich geografisch aus und gründete Niederlassungen in der gesamten atlantischen Welt. Noch wichtiger ist, dass die TFP Beziehungen zu den meisten Bewegungen der New Right und zu extremistischen [sic] Bewegungen unterhielt und sich selbst in den Mittelpunkt der Bemühungen um eine internationale Zusammenarbeit stellte“ [26].

Auf diese Weise nahm das, was Cowan eine „transnationale Neue Rechte“ nennt, Gestalt an. Der kalifornische Professor bekräftigt: „Diese Vertreter der brasilianischen Rechten waren Pioniere bei der Schaffung von Netzwerken der Zusammenarbeit mit ähnlichen Realitäten im Norden, eine Zusammenarbeit, die den Grundstein für die Konstituierung einer Neuen Transnationalen Rechten legte“ [27]. Der Autor zählt dann die Grundideen dieser Neuen Rechten auf: „Nostalgie für die Vergangenheit, vorzugsweise das Mittelalter; übernatürliche Vision; Antikommunismus; Antimodernismus; Moralismus; Anti-Ökumene; Verteidigung der Hierarchien; Verteidigung des Privateigentums und des freien Unternehmertums“ [28]. Dem Autor zufolge war die TFP der Hauptakteur bei der Entwicklung dieses neokonservativen Kreuzzuges auf dem Kontinent und in der Welt“.

Es ist wichtig zu erwähnen, dass Cowan selbst zugibt, dass die TFP während dieser Verhandlungen immer ihre Identität als „militante Katholiken“ beibehielt, niemals Kompromisse einging und niemals verbarg, dass ihr Ziel die Gegenrevolution war, d.h. die Wiederherstellung der christlichen Zivilisation in ihrer Integrität.

Neben diesen Bemühungen, die New Right Galaxie zusammenzuführen, beschreibt Cowan, wenn auch nur kurz, die Bemühungen, Kontakt mit europäischen traditionalistischen Realitäten aufzunehmen, wie Alleanza Cattolica in Italien und Lecture et Tradition in Frankreich.

Abschließend äußert Benjamin Cowan die Hoffnung, dass die Rolle der TFP und von Professor Plinio Corrêa de Oliveira bei der Entstehung der antiprogressistischen Reaktion in der Welt von Fachleuten besser untersucht werden solte. Wir schließen unsererseits mit einer Wiederholung des oben Gesagten: Wie bei jeder historischen Analyse müssen einige Unterscheidungen getroffen werden, insbesondere von Personen wie mir, die an einigen der geschilderten Ereignisse teilgenommen haben oder in engem Kontakt mit denjenigen standen, die daran beteiligt waren. Trotzdem handelt es sich um ein umfangreiches Werk, das die akademische Forschung zu diesem Thema bestimmen wird.

Anmerkungen:

[1] Benjamin A. Cowan, Moral Majorities across the Americas. Brazil, the United States and the Creation of the Religious Right, University of North Carolina Press, 2021, S. 16-17.

[2] Ebd., S. 17-19.

[3] Ebd., S. 18.

[4] Ebd., S. 25.

[5] Ebd., S. 25

[6] Ebd., S. 230.

[7] Ebd., S. 234.

[8] Ebd., S. 23.

[9] Ebd., S. 24.

[10] Ebd., S. 59.

[11] Ebd., S. 59.

[12] Ebd., S. 137.

[13] Ebd., S. 137.

[14] Hoffman, Ross J. S., and Paul Levak (Eds.). Burke’s Politics: Selected Writings and Speeches of Edmund Burke on Reform, Revolution, and War. S. xxxvii, 536. New York: Alfred A. Knopf, 1949.

[15] Die Literatur über die Konservative Bewegung ist sehr umfangreich. Eine Zusammenfassung findet man in Modern Age, Bd. 26, Nr. 3-4, 1982.

[16] Cfr. Patriottismo, combattività e appetenza del soprannaturale. Intervista a Paul Weyrich, Tradizione Famiglia Proprietà, marzo 2002. https://www.atfp.it/rivista-tfp/2002/103-marzo-2002/733-intervista-a-paul-weyrich

[17] Tatsächlich stand die New Right viel weiter rechts als Reagan, dem sie vorwarf, zu wenig zu tun.

[18] Benjamin A. Cowan, Moral Majorities across the Americas, p. 146.

[19] Enrique T. Rueda, The Homosexual Network. Private Lives and Public Policy, Devin Adair, 1986.

[20] Enrique T. Rueda, The Marxist Character of Liberation Theology, The Catholic Center, 1986.

[21] Benjamin A. Cowan, Moral Majorities across the Americas, S. 151.

[22] Ebd., S. 144.

[23] Ebd., S. 146.

[24] Ebd., S. 151.

[25] Ebd., S. 152.

[26] Ebd., S. 153.

[27] Ebd., S. 60.

[28] Ebd., S. 154-155.

 

Quelle der italienischen Fassung: Duc in Altum – Aldo Maria Valli, 30 settembre 2021.

Vorlage für die Deutsche Übersetzung mit Deepl-Translator
https://www.atfp.it/notizie/306-analisi/2018-studio-il-riscatto-della-tradizione-e-il-ruolo-di-plinio-correa-de-oliveira-nella-creazione-della-destra-religiosa-internazionale

Eingesehen am 5.10.2021

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* Bild: Dom Geraldo Sigaud, arcebispo de Diamantina / Reprodução / Nirlando Beirão in https://aventurasnahistoria.uol.com.br/noticias/historia-hoje/historia-igreja-e-ditadura.phtml 


Dienstag, 7. September 2021

Gebet zum einhundertfünfzigjährigen Jubiläum

 

von Plinio Corrêa de Oliveira

Anm. d. Ü.: Am 7. September des Jahres 1972, feierte Brasilien 150 Jahre Unabhängigkeit von Portugal. Zu diesem Anlass verfasste Prof. Plinio Corrêa de Oliveira ein Gebet zum Dank, zur Vergebung und der Bitte an die von der Heiligen Kirche dem Land zugesprochene Königin, Unsere Liebe Frau von Aparecida.
Zum 7. September dieses Jahres 2021 wiederholte das Institut Plinio Corrêa de Oliveira die Veröffentlichung dieses Gebets, um den besonderen Schutz der Patronin Brasiliens in der gegenwärtigen turbulenten Zeit der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen zu erflehen.

 

O Liebe Frau von Aparecida.

Mit dem Näherrücken des Datums, an dem wir anderthalb Jahrhunderte Unabhängigkeit unsers Landes feiern, erheben sich unsere Seelen zu dir, Königin und Mutter Brasiliens.

Einhundertfünfzig Lebensjahre sind für ein Volk gleichbedeutend mit fünfzehn für einen Menschen: das heißt, der Übergang vom Kindesalter mit seiner Vitalität, seinen Unsicherheiten und seinen Hoffnungen zur Jugendzeit mit seinem Idealismus, seiner Kühnheit und seiner Leistungsfähigkeit.

An dieser Schwelle zwischen zwei historischen Epochen überschreiten wir auch einen weiteren Meilenstein. Denn wir treten in die Liste der Nationen ein, die aufgrund ihrer Bedeutung den Lauf der Gegenwart bestimmen und die Fäden in der Hand haben, mit denen die Zukunft der Völker gewoben wird.

Danksagung

In diesem hoffnungs- und ruhmreichen Moment kommen wir, oh Herrin, um Dir für die Wohltaten zu danken, die Du, immer hörende Mittlerin, uns vom allmächtigen Gott erhalten hast.

Wir danken Dir für das Land von kontinentaler Größe und für die Reichtümer, die Du darin angelegt hast.

Wir danken Dir für die Einheit des Volkes, dessen unterschiedliche Rassenzusammensetzung sich so gut [in diesem] großen ethnischen Strom portugiesischen Ursprungs einfügte – und dessen kulturelles Umfeld, inspiriert vom lateinischen Genie, die Beiträge der Bewohner aller Breitengrade so gut aufgenommen hat.

Wir danken Dir für den katholischen Glauben, mit dem wir seit dem gesegneten Moment der Ersten Heiligen Messe ausgezeichnet wurden.

Wir danken Dir für unsere Geschichte, die so heiter und harmonisch verlief, und aus viel mehr Kultur, Gebete und Arbeit bestand, als Meinungsverschiedenheiten und Kriege.

Wir danken Dir für unsere gerechten Kriege, die immer vom Nimbus des Sieges umstrahlt waren.

Wir danken Dir für unsere Gegenwärtige Zeit, die so voller Errungenschaften und Hoffnungen auf Größe ist.

Wir danken Dir für die Völker dieses Kontinents, die Du uns zu Nachbarn gegeben hast, die mit uns im Glauben und ethnisch, in der Tradition und in der Hoffnung in die Zukunft Seite an Seite mit uns in immer engerer Freundschaft den gleichen Weg des Aufstiegs und des Erfolgs gehen.

Wir danken Dir für unser friedliches und desinteressiertes Wesen, das uns dazu neigt zu verstehen, dass die erste Mission der Großen darin besteht, zu dienen, und dass unsere Größe, die sich herausbildet, uns nicht nur zu unserem eigenen sondern zum Wohle aller gegeben wurde.

Wir danken Dir, dass Du uns auf diese Stufe unserer Geschichte hast kommen lassen, in einer Zeit, in der Stürme um die Welt wehen, sich Probleme anhäufen und schreckliche Optionen auf Schritt und Tritt über Einzelpersonen und Völker lauern. Denn dies ist für uns die Zeit, der Welt zu dienen, indem wir die christliche Mission der jungen Nationen dieser Hemisphäre erfüllen, die berufen sind, in den Augen der Welt das wahre Licht erstrahlen zu lassen, das die Finsternis niemals auslöschen wird.

Ein Bittgebet

Unser Gebet, Liebe Frau, ist jedoch nicht das des stolzen und unredlichen Pharisäers, der an seine guten Eigenschaften erinnert, aber seine Fehler nicht wahrnimmt.

Wir haben gesündigt. In vielerlei Hinsicht ist unser heutiges Brasilien nicht das zutiefst christliche Land, von dem Nóbrega und Anchieta* geträumt haben. Im öffentlichen wie im Privaten Leben machen sich schreckliche Verwesungskeime bemerkbar, die alle klaren und wachsamen Geister in Sorge versetzen.

Für all dies, o Mutter, bitten wir um Verzeihung.

Und zusätzlich bitten wir Dich um Kraft. Denn ohne Deine Hilfe können weder die Schwachen ihre Schwächen überwinden, noch die Guten die Gewalt und die Intrigen der Bösen aufhalten.

Mit der Vergebung, o Mutter, bitten wir auch um Deinen Segen.

Wie sehr vertrauen wir ihm!

Wir wissen, dass der Segen der Mutter eine kostbare Bedingung dafür ist, dass das Gebet des Kindes erhört wird, seine Seele stark und großzügig, seine Arbeit ehrlich und fruchtbar, sein Zuhause rein und glücklich, seine Kämpfe edel und verdienstvoll, seine Schicksale ehrvoll machen und die Heimsuchungen würdig verlaufen.

Wie reich an diesen und allen anderen erdenklichen Gaben ist dein Segen, o Maria, Mutter der Mütter, Mutter aller Menschen, jungfräuliche Mutter des Gottmenschen!

Ja, o Maria, segne uns, erfülle uns mit Gnaden und gewähre uns vor allem die Gnade der Gnaden. Oh Mutter, vereinige dein Brasilien innig mit dir.

Liebe es immer mehr.

Mache, dass der großzügige Schutz, den Du uns gewährt hast, immer mütterlicher werde.

Gib, dass die Vergebung, die du uns immer gewährt hast, immer breiter und barmherziger werde.

Erweitere deine Freigebigkeit, was die Güter der Erde betrifft, aber vor allem erhöhe unsere Seele in der Sehnsucht nach den Gütern des Himmels.

Mache uns immer friedliebender und immer stärker im Kampf für den Friedensfürsten Jesus Christus, deinen Sohn und unseren Herrn.

Damit, immer bereit, alles zu verlassen, um ihm treu zu sein, die göttliche Verheißung des Hundertfachen auf dieser Erde und der ewigen Seligkeit in uns erfüllt wird.

*   *   *

O liebe Frau von Aparecida, Königin von Brasilien! Mit welchen Worten des Lobes und der Zuneigung darf ich Dich am Ende dieses Dank- und Bittgebets begrüßen? Wo sind sie zu finden, wenn nicht in den Heiligen Büchern selbst, da Du jedem menschlichen Lobpreis überlegen bist?

Von Dir rief das auserwählte Volk prophetisch Worte aus, die wir hier liebevoll wiederholen:

„Tu gloria Jerusalem,
     tu laeticia Israel,
     tu honorificentia populi nostro“.

Du bist der Ruhm Jerusalems, Du bist die Freude Israels, Du bist die Ehre dieses Volkes, das Dich liebt.

*   *   *

Die Aussicht auf das hundertfünfzigjährige Jubiläum hat dieses Gebet in mein brasilianisches Herz gelegt. Ich beschloss, die Veröffentlichung nicht zu verschieben.

 

Anm.: * Die Patres Manoel da Nóbrega SJ und José de Anchieta SJ waren die ersten großen portugiesischen Missionare, die die Urvölker Brasiliens zum katholischen Glauben führten und die Grundlage für die größte katholische Nation der Welt legten.

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in “Folha de S. Paulo” vom 16. Januar 1972: “Prece do sesquicentenário”.

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„Gebet zum einhundertfünfzigjährigen Jubiläum“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

Dienstag, 31. August 2021

„Du, der Du das Beispiel gekannt hast...“

 
Plinio Corrêa de Oliveira

      In der katholischen Welt gibt es niemanden, der nicht vom berühmten Marienheiligtum von Tschenstochau in Polen gehört hat.

      Aufgrund des kontinuierlichen Zustroms von Pilgern, den die unwirsche Kampagne der Atheisten nicht mindern kann, ist das Heiligtum meist so voll, dass die katholische Bevölkerung überlegt hat, in einem neuen Viertel der Stadt eine Kapelle zu bauen. Natürlich kann eine solche Initiative unter dem kommunistischen Regime nicht ohne Zustimmung der Behörden durchgeführt werden. Und obwohl die Bitte von 90% der Gläubigen unterstützt wurde, wurde sie von der Regierung ignoriert. Der örtliche Pfarrer, der sich auf der Höhe seines geistlichen Dienstes zeigte, improvisierte jedoch in einem Privathaus eine kleine Kapelle und ein Zentrum für den Katechismusunterricht.

      Diese Initiative von eher schüchternem Ausmaß entfesselte die Wut der Polizei, die das Haus durchsuchte und beschlagnahmte. Kurz darauf beschlossen die Behörden, es abzureißen, offensichtlich als Zeichen der Abscheu gegen den religiösen Zweck, für den es eingerichtet worden war.

      Unerschrocken bat der Pfarrer, ihm einen anderen Platz zur Verfügung zu stellen. Wie vorherzusehen war, wurde auch diese Bitte ignoriert. Einige Zeit später schickten die Behörden Traktoren, um das „verdammte“ Haus dem Boden gleich zu machen.

      Was aber war die Überraschung der Abrissverantwortlichen, als sie sahen, dass das ganze Gebäude voller Katholiken war, die mit dem Pfarrer an ihrer Spitze dort beteten. Entweder würde der Abriss mit dem anschließenden Tod aller Anwesenden erfolgen, oder man musste darauf verzichten. Eine nicht durchführbare Lösung war es, auf die Leerung des Gebäudes zu warten, um es dann niederzuwalzen, da die Katholiken Tag und Nacht darin blieben und um die Hilfe der Muttergottes baten.

      Angesichts so viel Glaubens und so viel Standhaftigkeit zogen sich die Traktoren zurück. Aus Angst, die öffentliche Meinung zu empören, wagten die Behörden nicht, das Verbrechen zu begehen.

      Außerdem hielten es die Kommunisten nach erbitterten Diskussionen mit dem Ortsbischof für sinnvoller, dem Pfarrer ein anderes Gebäude für seine Kapelle und sein Katechismuszentrum zu gewähren.

* * *

      Unter den vielen Kirchen – einige scheußliche –, die gegenwärtig gebaut werden, glaube ich, dass es keine so bedeutende gibt wie diese. Denn sie wurde bereits mit einer Episode geboren, die den höchsten Epochen des kirchlichen Lebens würdig war. Kompromissloser Mut bei der Verteidigung der Rechte des guten Volkes Jesu Christi zwang den kommunistischen Drachen seine Klauen einzuziehen.

      Die Tatsache würde sich für alle möglichen Würdigungen eignen, um ihre flammende Pracht zu steigern. Die Grenzen dieses Artikels lassen es nicht zu.

      Ich beschränke mich auf einen kurzen Kommentar, der aber den Vorteil hat, praktisch zu sein.

      Das mutige Verhalten des Pfarrers und seiner bewundernswerten Herde beweist, dass die einzige Politik, die funktioniert, darin besteht, keine Zugeständnisse zu machen. Wäre der Pfarrer der berühmten Maxime „nachgeben, um nicht zu verlieren“ gefolgt, wäre er zum Schweigen gebracht worden und seine Herde zerstreut.

      Er stellte sich dem Gegner, und dort steht nun seine Kapelle und sein katechetisches Zentrum.

      Episoden wie diese, dürfen nicht einfach nur bewundert werden. Es ist notwendig, sie nachzuahmen. Vor allem in einem Land wie unserem, wo das Gesetz die Freiheit der Kirche garantiert.

      Am Tag des Jüngsten Gerichts wird Gott uns fragen, welchen Gebrauch wir in unseren Kämpfen vom guten Beispiel dieses mutigen Pfarrers gemacht haben. Wir, die wir die Freiheit hatten, die ihm fehlte...

      Und die gleiche Frage wird uns die Geschichte im Voraus stellen, warum wir angesichts von Korruption und Gottlosigkeit nicht eine Kühnheit hatten, die mindestens derjenigen dieses Priesters gegenüber der Bedrohung durch kommunistische Traktoren entspricht.

      Dieser Reflexion fehlt weder Traurigkeit noch Bitterkeit. Ich registriere es jedoch hier mit der Absicht, schlummernde Energien zu erwecken und feige Taktiken scharf zu tadeln.

      Wenn ich es nicht täte, würde Gott am Tag des Gerichts mich fragen: Du, der du das edle Beispiel meines erhabenen Priesters kanntest, warum hast du es nicht verbreitet?

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in “Folha de S. Paulo” vom 20. Januar 1974: “Tu que conheceste o exemplo”.

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

„Du, der du das Beispiel kanntest…“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

Montag, 30. August 2021

„Die Vatikanische Ostpolitik begünstigt Moskau“

 

Plinio Corrêa de Oliveira

      Die Haltung der TFP zur Annäherungspolitik des Vatikans mit den Regierungen kommunistischer Länder weckt viel mehr Solidaritätsbekundungen, als ich es mir vorgestellt hatte. Und das ist völlig erklärbar, da unser Volk sowohl zutiefst katholisch als auch radikal antikommunistisch ist.

      Neben dem vollständig Erklärbaren gibt es jedoch das Paradoxe. Und das besteht darin, dass, wenn uns so viele zustimmen, sehr wenige ihre Stimme in der Öffentlichkeit erheben, um sich uns anzuschließen. Ich gehe nicht auf die Analyse der Ursachen dieses Paradoxons ein. Es existiert, und es muss berücksichtigt werden.

      Das Ergebnis der normalen wie auch der paradoxen Reaktion war, dass ich mich verpflichtet fühlte, immer wieder auf das Thema zurückzukommen. Einerseits, weil mich das Echo, das ich finde, dazu einlädt, andererseits und vor allem, weil fast nur ich spreche. Und so bin ich wieder hier in diesem Widerstand, den ich mit so viel Schmerz in meinem Herzen weiterführen muss.

* * *

      Heute biete ich dem Leser ein Zeugnis von erster Bedeutung zu diesem Thema. Ich bringe Auszüge aus einem Artikel über die Ostpolitik des Vatikans von einem angesehenen deutschen Katholiken. Es ist Dr. Bernhard Vogel, Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken und Kultusminister des Landes Rheinland-Pfalz (Beliner Morgenpost, 28.4.74). Der Artikel trägt den Titel „Die Ostpolitik des Vatikan begünstigt Moskau“.

      Ich übergebe nun an Dr. Vogel.

      »Die Tatsache ist nicht mehr zu übersehen: Die Ostpolitik des Vatikans ist ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Dem Fachmann wird immer klarer, dass es die Lage der Kirche in den kommunistischen Staaten nicht verbessert, sondern Moskaus Position im Spiel um Europa stärkt.

      Sehr aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang das allgemeine Kommuniqué über Casarolis Besuch in Polen. Darin heißt es, dass die Delegation des Heiligen Stuhls der polnischen Regierung ihre hohe Wertschätzung für ihren „konstruktiven Beitrag zur Normalisierung der Beziehungen in Europa und zum Frieden in der Welt“ zum Ausdruck brachte. Dies ist mehr als ein Gemeinplatz der diplomatischen Sprache. Man darf nicht vergessen, dass dieser Beifall einer Regierung zuteil wurde, deren Vertreter auf der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Helsinki auf Geheiß des kommunistischen Blocks die Forderung der westlichen Länder nach Meinungsfreiheit und Wahrung der Menschenrechte scharf kritisierten.

      Wenn in diesem Dokument immer noch steht, dass beide Seiten „ihr großes Interesse an der Konsolidierung des Entspannungsprozesses in der Welt“ bekräftigen und den Wunsch äußern, „dass dieser Prozess einen wirklich universellen Charakter annimmt“, bedeutet dies, eine Sprache aufzunehmen, die die spezifischen Inhalte und Ziele der kommunistischen Politik zum Ausdruck bringt.

      Diese Tatsache wird noch deutlicher in dem Teil des Kommuniqués, in dem die polnische Seite die Bemühungen des Heiligen Stuhls als unschätzbar bezeichnet, „die von gutem Willen durchdrungen sind, das friedliche Zusammenleben der Nationen und die Gerechtigkeit in den internationalen Beziehungen zu fördern“. Vergeblich würde man im gesamten Dokument nach so grundlegenden Prinzipien wie Freiheit und Menschenrechten suchen.

      Angesichts solcher Demonstrationen wie im „Fall Mindszenty“, der Ernennung von Bischöfen in der Tschechoslowakei und der aufgekommenen Gerüchte über die Verhandlungen zur Einrichtung einer Nuntiatur in Ost-Berlin kommt die Befürchtung auf, dass der Vatikan noch auf gewisse Lockerungen für die Kirche in den östlichen Staaten wartet, und im Gegenzug die sowjetischen Vorstellungen von der Normalisierung der Beziehungen in Europa akzeptiert und nicht ausreichend moralische und religiöse Positionen betont, auf die man nicht verzichten kann.

      Natürlich ist es nicht unsere Aufgabe, Verhandlungen und Verträge als solche zu verurteilen. Aber es ist notwendig, (...) jeden Anschein zu vermeiden, dass die Kirche sich einem System anpasst, das nach wie vor nur Unfreiheit, Ausbeutung und Unterdrückung kennt und den Kampf gegen die Religion als Uraufgabe sieht.«

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in “Folha de S. Paulo” vom 9. Juni 1974: “A Ostpolitik do Vaticano favorece Moscou”.

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

„Die Ostpolitik des Vatikans begünstigt Moskau“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

Donnerstag, 26. August 2021

Bewertung der spektakulären Wirkung der konservativ-religiösen Bewegungen



John Horvat II

18. August 2021

Eine der Schwierigkeiten, konservativ zu sein, besteht darin, dass die liberalen Medien gerne den Eindruck erwecken, dass unsere Aktionen in einem Vakuum stattfinden. Je liberaler die Medien, desto eindringlicher wird behauptet, konservatives Handeln sei wirkungslos. Folglich, je konservativer die Organisation, desto weniger ist günstige oder gar positive Berichterstattung vom Mainstream zu erwarten.

Dies galt insbesondere vor dem Aufkommen des Internet, als die Nachrichten von den großen Medien stärker kontrolliert wurden. Wenn wir unsere eigenen Geschichten schreiben, müssen wir uns daher mit der offiziellen Berichterstattung konfrontieren, die uns keine Bedeutung beimisst. Wenn wir auf unserer Rolle bei der Gestaltung der öffentlichen Politik beharren, riskieren wir, anmaßend zu erscheinen und keine offiziellen Beweise aus der Vergangenheit zu haben.

Eine andere Quelle erzählt unsere Geschichte

Das Buch „Moral Majorities across the Americas: Brazil, the United States, and the Creation of the Religious Right (University of North Carolina Press, 2021) ist eine geschichtliche Darstellung, die die Blockade durchbricht. Der liberale Autor Benjamin Cowan erzählt die Geschichte der religiösen Konservativen, die sich über zwei Kontinente ab den 1960er Jahren ausbreitete.

Da er nichts von unserer Perspektive teilt, erzählt er unsere Geschichte für uns. Er befreit uns von einem anmaßenden Versuch, unsere Geschichte selbst zu schreiben. Seine Darstellung enthält Fehler, Missverständnisse und Feindseligkeit gegenüber unserer Sache. Das Buch bestätigt jedoch unser Vorgehen im Laufe der Jahre, indem es die Wirksamkeit desselben dokumentiert. Es hilft uns, zu sehen, dass sich unsere Bemühungen gelohnt haben.

Das politisch und kulturell einflussreichste Phänomen unserer Zeit

Das war natürlich nicht seine Absicht. Ganz im Gegenteil. Seine Absicht ist eher zu warnen als zu informieren. Er spürt, wie stark der religiöse Konservatismus heute ist, und versucht, eine Antwort auf die Frage zu geben: Wie sind wir dazu gekommen?

So präsentiert der Assistenzprofessor für Geschichte an der Universität von California-San Diego eine der spektakulärsten politischen Geschichten des späten zwanzigsten Jahrhunderts. Es ist eine nicht erzählte Geschichte, die, wie der Autor zugibt, von der akademischen Welt ignoriert wird. Dennoch erkennt er die Bedeutung des „Aufbaus des heutigen transnationalen christlichen Konservatismus, der vielleicht das politisch und kulturell einflussreichste Phänomen unserer Zeit geworden ist“.

„Vor einem halben Jahrhundert war vieles von dem, was heute unbestritten als Konservativer Mainstream gilt, die Agenda einer reaktionären und fundamentalistischen Randgruppe“, so der Autor weiter. „Die brasilianischen Konservativen legten in Zusammenarbeit mit ihren Gleichgesinnten im Ausland den Grundstein für die Normalisierung dieser Agenda, durch die Aufnahme von Grundsätzen der heutigen religiösen Rechten.“

Aktionen während des Konzils

Der Autor beschreibt die entscheidende Rolle der Katholiken bei der Entstehung dieser „bedrohlichen“ Bewegung und liefert eine ausführliche Chronik der Aktionen der Gesellschaften zur Verteidigung von Tradition, Familie und Eigentum (TFP) und des brasilianischen TFP-Gründers Prof. Plinio Corrêa de Oliveira.

Er führt das Wiederaufleben der katholischen Konservativen auf den „Coetus“ (Coetus Internationalis Patrum AdÜ) zurück, eine Gruppe, die die TFP als Sammelbecken für konservative Ansichten organisierte, um das Zweite Vatikanische Konzil zu beeinflussen. Diese Bemühungen bildeten die Grundlage für ein Programm, das „Antikommunismus, Moralismus, Anti-Ökumene, Hierarchismus“ und eine „Affinität für das Übernatürliche Angesichts des festgestellten Säkularismus“ umfasste, so Cowan.

Diese antimodernistische Plattform sollte später Unterstützung und „Verbündete innerhalb und außerhalb Brasiliens sowie innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche“ finden.

Die New Right*-Bewegung gründet Netzwerke

Zwei Strategien veränderten den Verlauf der Debatte in den 1980er Jahren. Die erste war die Zusammenführung des wirtschaftlichen Liberalismus mit sozialen, kulturellen und religiösen konservativen Themen. Die zweite war die Bildung breiter Netzwerke von Konservativen, die sich im Kampf gegen den Kommunismus, die Unmoral und den Säkularismus vereinigen konnten, während sie in Fragen der Religion, nicht einer Meinung waren.

Wichtige Akteure in diesem Kampf waren die amerikanischen Aktivisten Paul Weyrich und Morton Blackwell, die die (amerikanische) New Right* Bewegung der Reagan-Ära bildeten. In Brasilien spielte die TFP eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung ähnlicher Netzwerke. Sie alle arbeiten immer noch zusammen, wie es linke Netzwerke schon seit Jahrzehnten tun. Prof. Cowan warnt, dass diese Fähigkeit zur „effektiven Formulierung von Strategien und Botschaften“ Liberale dazu bringen sollte, die Konservative Bewegung in unseren Tagen ernst zu nehmen.

Die detaillierte Auflistung der Namen, Orte und Umstände dieser Vernetzungsbemühungen zeigt, dass diese Aktionen nicht in einem Vakuum stattfanden. Einige Leute nahmen Kenntnis davon und ihre Wirkung und Bedeutung wahrgenommen.

„Spektakularisierter mittelalterlicher Pomp“

So erfreulich diese Anerkennung auch sein mag, eine letzte Bemerkung sollte diejenigen, die sich für unsere Sache einsetzen, ermutigen. Der Autor kritisiert die enorme Anziehungskraft der Botschaft der religiösen Rechten und zeigt sie doch auf.

Er führt diese Anziehungskraft auf unsere Fähigkeit zurück, „die Entmythifizierung oder Entmystifizierung“ der modernen Welt und „die Demontage alter Hierarchien“ anzusprechen. Die Konservativen nehmen „die Trauer über eine Welt ohne Geheimnisse“ wahr.

Natürlich sieht er diese Zustände als etwas Negatives an. Das Leben der Gnade, „Mystik und der alltägliche Sinn des Göttlichen“ sind Konzepte, die nicht in seine säkulare Denkweise passen. Daher neigt er dazu, sie als nostalgische Vorstellungen von einer mittelalterlichen sakralen Vergangenheit abzutun.

Dieser Glaube an eine Welt voller Geheimnisse und Wunder ist jedoch „der Kitt“, der die religiösen Konservativen  zusammenhält, die „eine Rückkehr zu mittelalterlichen kulturellen und religiösen Formen“ anstrebt. Der Autor gesteht also die enorme Anziehungskraft dieser spirituellen Dimension ein. Gleichzeitig macht er sich über die TFP lustig, weil sie in den 1960er Jahren „den mittelalterlichen Pomp spektakularisiert hat und danach durch extravagante Straßendemonstrationen berühmt wurde“.

Alternativen erforschen

Eine solch tiefgreifende Weltanschauung sollte nicht abgelehnt, sondern begrüßt werden. Die verfallende liberale Ordnung ist steril und deprimierend. Ihre Erzählungen, die einst Familien, Gemeinschaften und Nationen einten, haben in unserer postmodernen Einöde keinen Bestand mehr. Säkulare Erklärungen des Lebens berauben es seines Sinns und Zwecks. Die gegenwärtige Unordnung bietet wenig Hoffnung für die Zukunft.

Traditionelle Katholiken müssen sich also nicht für ihre Faszination für Geheimnis und Gnade entschuldigen. Das nachdrückliche Beharren von Prof. Cowan auf der Kraft dieser Konzepte dient dazu, sie als wahr und nicht als falsch zu erweisen. Eine gut strukturierte soziale Ordnung, die auf Rechtsstaatlichkeit, christlicher Nächstenliebe und einem Sinn für Wunder beruht, ist die gültige Alternative zu den trostlosen Fehlschlägen der Postmoderne.

Die Welt dürstet nach dem Göttlichen und sehnt sich nach Legenden und Mythen. Davon sind wir überzeugt. Dennoch ist es hilfreich, wenn andere es von jemandem hören, der unsere Geschichte erzählt — wenn auch aus der Sicht der anderen Seite.

 

Aus dem Englischen mit Hilfe von Google- und Deepl-Übersetzer in
https://www.tfp.org/evaluating-the-spectacular-impact-of-the-religious-right/ vom 18.08.2021
eingesehen am 24.08.2021.

*) Der Autor dieses Artikels sowie der genannte Buchautor analysieren konservativen Tendenzen aus amerikanischer Perspektive, in der die Bezeichnung „New Right“ nicht gleichzusetzen ist mit dem, was man in Deutschland als „Neue Rechte“ bezeichnet. Siehe hierzu: 
https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Rechte und
https://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/284268/was-die-neue-rechte-ist-und-was-nicht

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

„Bewertung der spektakulären Wirkung der konservativ-religiösen Bewegungen“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com