Montag, 17. Mai 2021

„Credo in unam sanctam, catholicam et apostolicam Ecclesiam“

 

Cathedra Petri

Credo in unam sanctam, catholicam et apostolicam Ecclesiam. Es waren bestimmt diese Worte des Credos, die im Herzen von Plinio Corrêa de Oliveira im Verlaufe des 20. Jahrhunderts, das er fast von Anfang bis Ende durchlebt hat, den stärksten Widerhall weckten. Er selbst erinnert sich, dass es stets die Liebe zur Kirche und zum Papsttum war, die ihm in seinem Kampf zur Verteidigung der christlichen Zivilisation als Inspiration diente und die seit den fernen Jahren seiner Kindheit nie aufgehört hat zu wachsen.

„Ich erinnere mich noch sehr gut an die Katechismusstunden, in denen mir das Papsttum erklärt wurde, seine göttliche Einsetzung, seine Macht, seine Aufgabe. Bewunderung, Andacht und Begeisterung erfüllten mein kindliches Herz (ich war damals neun Jahre alt): Hier hatte ich mein Ideal gefunden, dem ich mich ein Leben lang widmen wollte. Seither ist dieses Ideal nur noch größer und größer geworden. Und ich bitte die heilige Jungfrau, es bis zu meinem letzten Atemzug immer noch weiter in mir wachsen zu lassen. Meine letzte Liebestat soll eine Liebestat für das Papsttum sein. So werde ich im Frieden der Erwählten sterben, vereint mit Maria, meiner Mutter, und durch sie mit Jesus, meinem Gott, meinem König und herzensguten Erlöser.“[1]

In unserer durch eine weit verbreitete Kälte und Lieblosigkeit gegenüber den kirchlichen Institutionen geprägten Zeit, fällt es schwer, den tiefen Sinn dieser Worte zu verstehen. Sie wurden zu Beginn der 70er Jahre geschrieben, als die Krise der Kirche ihrem Höhepunkt zuzustreben schien.

Im Nachwort zu Revolution und Gegenrevolution stellte der Verfasser fest, dass zur Zeit des Erscheinens der ersten Auflage dieses Werkes im Jahre 1959 die Kirche noch als eine große geistige Kraft im Kampf gegen den Kommunismus angesehen wurde. In den darauf folgenden Jahren würde Plinio Corrêa de Oliveira nach dem Konzil schreiben, hat sich der entscheidende Mittelpunkt des Kampfes zwischen Revolution und Gegenrevolution dann von der zeitlichen in den Schoß der geistlichen Gesellschaft verlagert und „nun standen sich in der heiligen Kirche auf der einen Seite Progressisten, Kryptokommunisten und Prokommunisten und auf der anderen Seite Antiprogressisten und Antikommunisten entgegen.“[2]

Denen, die wissen wollten, warum denn ausgerechnet die unter den Gläubigen kursierenden Irrtümer zu bekämpfen seien, wo es doch außerhalb der katholischen Kreise so viele andere gibt, antwortete Plinio Corrêa de Oliveira bereits in den 50er Jahren:

„Wenn der Feind gegen die Mauern der Festung anstürmt, müssen alle zusammenhalten. Wenn er aber bereits in die Festung eingedrungen ist, reicht es nicht extra muros zu kämpfen. Der Kampf muss auch intra muros ausgetragen werden.“[3]



[1] Plinio Corrêa de Oliveira, „A perfeita alegria“, in Folha de S. Paulo, 12. Juli 1970.
[2] Plinio Corrêa de Oliveira, Revolução e Contra-Revolução, a.a.O., S. 68.
[3] Plinio Corrêa de Oliveira, „Razôes e contra-razões em torno de um tema efervescente“, in Catolicismo Nr. 71 (November 1956); ders., „Indulgentes para com o erro, severos para com a Igreja“, in Catolicismo Nr. 72 (Dezember 1956); ders., „Não trabalha pela concórdia senão quem luta contra o erro“, in Catolicismo Nr. 73 (Januar 1957); Cunha Alvarenga (José de Azeredo Santos), „Infiltrações comunistas em ambientes católicos“, in Catolicismo Nr. 61 (Januar 1956). In diesem Sinne sind auch drei Artikel über den Modernismus zu lesen, die in den Nrn. 81, 82, 83 (Sept.-Okt.-Dez. 1957) unter den Titeln „O cinqüentenário da Pascendi“; „Por orgulho repelem toda sujeição“ und „Revivem nos modernistas o espírito e os métodos do Jansenismo“ veröffentlicht wurden.


Aus “Der Kreuzritter des 20. Jahrhunderts: Plinio Correa de Oliveira” von Roberto de Mattei, TFP und DVCK e.V., Frankfurt, 2004. Ss 229f.




Sonntag, 16. Mai 2021

Kirche und Gegenrevolution - I


Die Revolution ist aus einem Ausbruch ungezügelter Leidenschaften hervorgegangen und führt nach und nach zur Zerstörung der weltlichen Gesellschaft, zur völligen Umkehrung der sittlichen Ordnung und zur Leugnung Gottes. Das Hauptziel der Revolution aber ist die Kirche, der mystische Leib Christi, die unfehlbare Lehrmeisterin der Wahrheit, Beschützerin des Naturrechts und damit zugleich die letzte Stütze auch der weltlichen Ordnung.

Unter diesen Voraussetzungen gilt es nun, die Beziehung der Gegenrevolution zu dieser göttlichen Institution Kirche zu untersuchen, deren Vernichtung die Revolution anstrebt.

1. Der Stellenwert und die Reichweite der Kirche gehen weit über die Revolution und die Gegenrevolution hinaus

Die Revolution und die Gegenrevolution sind zwar überaus wichtige Episoden in der Geschichte der Kirche, denn in ihnen kommt das Drama von Apostasie und Bekehrung des Abendlandes zum Ausdruck. Aber letztendlich sind auch sie bloße Episoden.

Die Sendung der Kirche ist keineswegs auf das Abendland beschränkt und lässt sich zeitlich gesehen auch nicht auf die Dauer des Revolutionsprozesses einengen. „Alios ego vidi ventos; alias prospexi animo procellas“ („Ich habe schon andere Winde erlebt, anderen Stürmen die Stirn geboten“) – könnte die Kirche stolz und gelassen inmitten der heutigen Stürme ausrufen, denn sie hat schon in anderen Ländern mit Gegnern anderer Herkunft den Kampf bestanden.22 Bis zum Ende der Zeiten wird sie sicherlich noch ganz anderen Feinden als denen von heute entgegentreten.

Die Aufgabe der Kirche ist es, die unmittelbare geistige Autorität und die mittelbare weltliche Autorität zur Rettung der Seelen auszuüben. Die Revolution aber ist ein Hindernis, das sich ihr bei der Ausübung ihrer Sendung in den Weg gestellt hat. Der Kampf gegen dieses konkrete Hindernis – unter vielen anderen – ist für die Kirche lediglich ein der Dimension des Hindernisses angepasstes Mittel, ein wichtiges Mittel zwar, aber eben nur ein Mittel.

Auch wenn es also die Revolution gar nicht gäbe, würde die Kirche trotzdem all ihre Kraft daran setzen, die Seelen zu retten.

Um die Lage der Kirche gegenüber der Revolution und der Gegenrevolution deutlicher zu machen, können wir sie mit der eines Landes im Kriegszustand vergleichen.

Als Hannibal vor den Toren Roms stand, mussten alle Kräfte der Republik gegen ihn aufgeboten werden. Es ging in diesem Augenblick um eine lebenswichtige Reaktion gegen den übermächtigen, fast schon siegreichen Gegner. War Rom dann nichts weiter, als eine Reaktion gegen Hannibal? Wer würde sich zu einer solchen Behauptung versteigen?

Genauso absurd wäre die Vorstellung, die Kirche sei nur Gegenrevolution.

Die Aufgabe der Gegenrevolution besteht übrigens nicht darin, die Braut Christi zu retten. Gestützt auf das Versprechen ihres Gründers braucht die Kirche nicht die Hilfe der Menschen, um zu überleben. Umgekehrt ist es die Kirche, die der Gegenrevolution ihre Lebenskraft schenkt, ohne die sie undurchführbar, ja nicht einmal vorstellbar wäre.

Die Gegenrevolution kann dazu beitragen, dass sowohl eine große Anzahl von Seelen vor der Revolution gerettet wird, als auch Katastrophen abgewendet werden, welche die weltliche Ordnung bedrohen. Dazu aber muss sich die Gegenrevolution auf die Kirche stützen und ihr demütig dienen, anstatt sich hochmütig als ihre Retterin vorzukommen.

Anmerkung

22 Cicero, Familiares, 12,25.5.


Quelle: Plinio Corrêa de Oliveira: „Revolution und Gegenrevolution“ TFP Deutschland. Frankfurt am Main, 2013. S. 135f.

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Samstag, 15. Mai 2021

Die päpstliche Unfehlbarkeit

 

Kommentare von Plinio Corrêa de Oliveira

 Seit er im Katechismus darauf aufmerksam wurde, ist Plinio Corrêa de Oliveira ein begeisterter Verfechter des Dogmas der päpstlichen Unfehlbarkeit. Wir bringen hier die Transkription von zwei Gesprächen, in denen der bekannte brasilianische Katholikenführer erzählt, wie eine solche Begeisterung in ihm entstand.

Meine Begeisterung für die päpstliche Unfehlbarkeit

Schon im Alter von 4-5 Jahren besaß ich eine gewisse Vorstellung davon, dass die Kirche ein Lehramt hat. Aber eine genaue Vorstellung von seiner Unfehlbarkeit hatte ich noch nicht. Ich hatte wohl aber eine gewisse sehr starke, lebendige Erfahrung, was Kohärenz ist und was Inkohärenz ist. Folgerichtigkeiten haben mir immer sehr gut gefallen, wie ein schönes Lied. So wie ein musikalisch veranlagter Mensch sich daran erfreut, ein schönes Lied zu hören, genoss ich die Musikalität der Logik, wenn ich eine gute Argumentation hörte. Es gibt keine schönere Musikalität als die der Logik! Es ist eine Art inneres Ohr, das sich an der Musikalität der Logik erfreut.

Trotz dieser angeborenen Vorliebe für Logik überfiel mich eine gewisse Unsicherheit, wenn ich versuchte, mir eine eigene Meinung zu bilden. Manchmal wurde mir klar, dass ich falsch lag. Ein anderes Mal war ich im Zweifel, ob ich mich nicht schon beim Nachdenken geirrt hatte. Zu anderen Zeiten dachte ich, ich hätte eine triumphale Gewissheit erlangt, nur um dann festzustellen, dass dem nicht so war. Daher fühlte ich mich unsicher.

Als ich im Katechismusunterricht von der päpstlichen Unfehlbarkeit hörte, war ich davon sehr beeindruckt. Ich dachte: „Das ist genau das, was ich brauche! Ich wurde geboren, um die Unfehlbarkeit zu bewundern! Wenn es keine Unfehlbarkeit gäbe, würde ich verrückt werden, ja ich würde nicht einmal leben wollen!“

Wenn ich mich nur nach meinen Gedanken orientieren würde, würde ich sicher an den Felsen zerschellen. Diesen Glauben kann mir niemand nehmen. Ich sage mehr. Ich glaube, dass Prinzipienfestigkeit nur diejenigen besitzen können, die ihre Gedanken an einem unfehlbaren Prinzip verankern, das von dem unfehlbaren Vertreter des unfehlbaren Gottes gelehrt wird.

Die Misere der menschlichen Beschaffenheit ist dermaßen, dass ich in vielen Fällen sogar die Gründe für eine bestimmte Lehre der Kirche nicht verstehen kann. Aufgrund eines moralischen oder intellektuellen Mangels meinerseits bin ich manchmal nicht in der Lage, die Gründe für eine bestimmte von der Kirche gelehrte Doktrin zu verstehen.

Jemand könnte einfach sagen: „Es ist Gottes Kirche, also hat sie Recht. Schluss, aus!“. In Ordnung, ich gehorche, aber ich würde es gerne besser verstehen. Was ist die kriteriologische Grundlage, nach der ich mich der Kirche unterordnen sollte? Meiner Meinung nach ist es diese:

Es ist unmöglich, dass eine Ansammlung von Menschen, alle fehlbar, während zweitausend Jahren voller Wechselfälle, es geschafft haben, die gleiche Lehre zu lehren, neue Schlussfolgerungen zu ziehen und eine Festung von Gewissheiten zu bauen, ohne ein wirkliches Wunder. Ich selbst habe diese Festung mit großer Sorgfalt untersucht, in jeder Hinsicht, und bin immer zu dem Schluss gekommen, dass es ein Wunderwerk ist, klar, deutlich, immer richtig. Menschliches Genie bringt dies nicht hervor. Wenn das ein Wunder ist, dann gibt es Gott.

Es ist unmöglich, sich dieser Schlussfolgerung zu entziehen. (1)


Päpstliche Unfehlbarkeit: der höchste Ausdruck der Autorität

Ich bin stolz darauf, der klerikalste aller Menschen zu sein, und ich fühle mich geehrt, von den Yale-Studenten qualifiziert worden zu sein, als „zur Rechten Karls des Großen“ zu stehen.

Karl der Große war ein großer Herrscher. Was ich an ihm jedoch am meisten bewundere, ist nicht so sehr das großartige kaiserliche Werk, das er vollbracht hat, sondern ein gewisser Geisteszustand von höchster Heiligkeit, das Ergebnis einer Gemeinschaft mit der göttlichen Gnade, die jeder seiner Handlungen einen transzendentalen Charakter verlieh, ohne Vergleich mit allem, was in dieser Sache gedacht oder getan wurde. Diese Imprägnierung mit dem Übernatürlichen gab ihm eine Sicht der Dinge, die ihm kein Genie geben konnte.

Diese Transzendenz in der Vision Karls des Großen verlieh auch seinem Handeln eine große Wirkungskraft. Alle seine Unternehmungen waren erfolgreich, natürlich mit viel Leiden, mit viel Schmerz und auch mit einigen Rückschlägen. Sein Leben war voller Opfer und Leiden, aber er trug sein Werk bis zum Unvorstellbaren. Er legte den Grundstein für das Heilige Reich und den Feudalismus, d.h. für die mittelalterliche christliche Zivilisation.

Woher kommt das alles? Offensichtlich aus dem Wirken der Gnade, die die heilige katholische Kirche als ihre Urquelle hat. Der Ausdruck ist nicht korrekt, aber für die Menschen ist die Kirche eine Art Mutterboden der Gnade, sie ist der Mystische Leib Christi. Diejenigen, die Teil davon sind, erhalten göttliche Gnaden, solange sie mit diesem Leib verbunden bleiben. Der Hintergrund des Geistes Karls des Großen, das Fundament seines ganzen Epos ist der Geist der Kirche, es ist die Kirche selbst.

Ich sehe in Karl dem Großen eine Art Ultra-Quintessenz des Geistes der Kirche, wie er den Laien gegeben wurde. Karl der Große ist der katholische Laie schlechthin, er ist das Vorbild schlechthin für den katholischen Laien. Ich sehe in seiner Seele eine Art Quelle, von der alles ausgeht, diese Quelle ist der Geist der Kirche. Wenn es die Kirche nicht gäbe, hätte Karl der Große nichts davon.

Und in der Kirche ist der Klerus das Herz. Wenn die Kirche alle Laien verlieren würde, aber weiterhin Kleriker hätte, wäre sie noch am Leben. Wenn absurderweise der priesterliche Cörpus ausstürbe, würde die Kirche sterben. Unser Herr Jesus Christus ist mit dem priesterlichen Stand eine solche Verbindung eingegangen, dass, wenn diese aufhören würde zu existieren, die Kirche sterben würde. Die apostolische Sukzession, die Sakramente, das Lehramt würden enden. Die päpstliche Unfehlbarkeit würde enden, und damit auch die Möglichkeit einer sozialen Ordnung.

Es gibt keine mögliche Ordnung unter den Menschen, wenn es keine Ordnung in den Beziehungen zwischen ihnen gibt, von Seele zu Seele. Und das setzt eine innere Ordnung in den Seelen voraus. Wenn es keine Ordnung in den Seelen gibt, wird eine soziale Ordnung unmöglich. Nun, Ordnung in Seelen kann es nur geben, wenn es eine Autorität über Seelen gibt. Diese Autorität muss notwendigerweise universell sein, weil der Bereich der Seelen universell ist. Diese Autorität muss dann unfehlbar sein, sonst wäre sie keine Autorität. Damit es eine wahre Ordnung unter den Menschen gibt, muss es also eine päpstliche Unfehlbarkeit geben.

Die höchste Autorität unter den Menschen, von der alles abhängt, sowohl im geistlichen als auch im weltlichen Bereich, ist also die päpstliche Unfehlbarkeit. Indem er seine Kirche mit einer solchen Autorität ausstattete, tat unser Herr Jesus Christus das vollkommenste Werk, das er in Sachen Autorität tun konnte. In gewisser Weise – verstehen Sie, was ich meine - ist die päpstliche Unfehlbarkeit schöner als die göttliche Schauung. Im Himmel gehorchen die Engel Gott, weil sie ihn direkt sehen. Sie brauchen keinen unfehlbaren Engel, der ihnen die Wahrheit beibringt.

In mancher Hinsicht ist es schöner, dass es für die Menschen eine unfehlbare Person gibt. Es ist etwas, das die Idee der Autorität auf eine solche Höhe bringt, dass sie die ganze Menschheit würdigt.

Ich frage mich, ob ohne Erbsünde die päpstliche Unfehlbarkeit notwendig wäre. Wenn es nicht so wäre, könnten wir sagen: O felix culpa! Die göttliche Barmherzigkeit hätte der Menschheit etwas viel Erhabeneres geschenkt. Denn es ist eine noch nie dagewesene Ehre für die Menschheit, dass ein Mensch das Charisma der Unfehlbarkeit erhält. (2)

(1) Aus einer Sitzung für Mitglieder und Mitarbeiter der brasilianischen TFP, 9. Juli 1974.

(2) Aus einem Gespräch vom 17. Mai 1980.

 

Aus dem Italienischen mit Hilfe von Deepl.com in

https://circolopliniocorreadeoliveira.blogspot.com/2019/01/linfallibilita-pontificia.html#more

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„Die päpstliche Unfehlbarkeit“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

Samstag, 8. Mai 2021

Mexiko 1928 - Obregon wird Nachfolger von Calles

 

In dieser Ausgabe des Legionário (29. Juni 1928) wurde gemeldet, dass der Bischof von Quaretaro verhaftet wurde, wegen Aufstand gegen die Regierung und die Gesetze derselben nicht zu befolgen. Weiteren 20 Geistlichen wurde gedroht aus gleichen Gründen zu Gefängnisstrafen verurteilt zu werden.

*    *    *

Ebda. Auf S. 8

Einziger Kandidat zur Nachfolge von Diktator Calles
 verkündet sein Regierungsprogram
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In seinem jüngsten Manifest unterstützt Obregón, der Nachfolger der derzeitigen Regierung Mexikos, das Vorgehen von Calles und verspricht, sie fortzusetzen.

- So wird den mexikanischen Katholiken die Krone des Martyriums noch ein paar Jahre länger erhalten bleiben.

MEXIKO - General Obregón, der einzige Kandidat für die Präsidentschaft der Republik Mexiko, als Nachfolger von Plutarco Calles, hat soeben in Guanajato sein politisches Manifest veröffentlicht, in dem er seine künftige Politik folgendermaßen definiert: „Mexiko hat drei gewaltige Feinde, von denen es sich befreien muss: Alkohol, Glücksspiel und die Katholiken.

Wenn er von den Katholiken spricht, zeigt er denselben Fehler, oder die Absichten von Calles: die Katholiken verteidigen ihre Freiheit, sie üben kein Recht aus, sie greifen die Regierung an, die ihnen das verbietet.

Ist Obregón also eine Fortsetzung der verbrecherischen Politik des jetzigen Tyrannen? Lasst uns Gott bitten, dass Sein Reich komme. Die Kirche wird über alle Despoten triumphieren.


Hinweis: Obregón wurde (1928) wiedergewählt aber noch vor der Übernahme des Amtes, von einem „cristero“ in einem Restaurant erschossen.

Bild: Hinrichtung des cristeros José de León Toral, der Obregón erschossen hat. 


Anmerkung: 1928 war Dr. Plinio Corrêa de Oliveira noch nicht im „Legionário“ tätig, erst im Oktober dieses Jahres trat er in die Marianische Kongregation der Pfarrei Sta. Cäcilia in São Paulo ein, die den Legionário seit 1927 als Zweiwochenzeitung herausgab. Da die hier wiedergegebenen Artikel ganz im Sinne in der von Dr. Plinio später als Gegenrevolution beschriebene Idee stehen, nehmen wir sie in diesem ihm gewidmeten Blog auf.

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google Übersetzer von „Der Nachfolger von Calles“ in Legionário vom 29. Juni 1928, S. 2

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„Obregon wird Nachfolger von Calles“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

 

Freitag, 7. Mai 2021

Pius X., Modell der Entschiedenheit

3. JUNI 1951

SELIGSPRECHUNG PIUS' X.

Eine dramatische Episode aus seinem Leben: „Die schlimmsten Feinde der Kirche schmieden ihre verderblichen Pläne nicht außerhalb, sondern in ihrem Innern, - es ist sozusagen in ihren eigenen Adern und Eingeweiden, in denen sich die Gefahr befindet.

( Enzyklika „Pascendi“ ) 


Plinio Corrêa de Oliveira (zugeschrieben)

Mit der Seligsprechung Pius' X. will die Kirche bekräftigen, dass dieser Papst zu Lebzeiten in heldenhaftem Maße die göttlichen Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe sowie die Kardinaltugenden der Gerechtigkeit, der Klugheit, der Tapferkeit und der Mäßigung geübt hat und dass er deshalb im Himmel die entsprechende Herrlichkeit genießt. Damit erlaubt die Kirche, dass er an bestimmten Orten öffentlich verehrt werden darf.

Diese Verkündigung hat als unmittelbaren und ausdrücklichen Gegenstand die Person von Papst Pius X. selbst. Implizit geht es aber in gewisser Weise um eine Würdigung seiner Art, die Kirche zu leiten. Denn wenn der Papst in den Kardinaltugenden heldenhaft war, so deshalb, weil er sich bei der Leitung der höchsten geistlichen Interessen der Christenheit weder ungerecht, noch unklug, noch schwach, noch unmäßig zeigte. Im Gegenteil, er zeichnete sich durch die Ausübung dieser Tugenden aus, nicht nur als Privatmann, sondern auch als Papst. Und sein Handeln, sowohl als Mensch als auch als Papst, kann und sollte uns als ein nachahmenswertes Modell vorgeschlagen werden.

Es ist daher sehr angebracht, das Verhalten des heiligen Papstes in einer absolut denkwürdigen Episode im Leben der Kirche in unserem Jahrhundert zu analysieren und daraus wertvolle Lehren für unsere Heiligung zu ziehen.


Eine brennende Frage

Die Kirche befindet sich heute in einer der dramatischsten Phasen ihrer Geschichte. Ihre Feinde waren noch nie so mächtig, so radikal, so militant. Erinnern wir uns zunächst an die sowjetische Welt, die sich von Indochina bis nach Deutschland erstreckt und damit ein Reich bildet, das größer ist als das von Alexander oder Karl dem Großen. Es ist sinnlos, die Augen vor der Realität zu verschließen: Diese „Welt“ bildet die größte atheistische Zyste, die es je auf Erden gab. Innerhalb der Grenzen, die der Eiserne Vorhang umschreibt, sterben Kardinäle, Erzbischöfe, Priester, Missionare, Schwestern und einfache Gläubige in Gefängnissen, Konzentrationslagern und anderen Gefängnissen, die vielleicht besser getarnt, aber nicht weniger grausam sind. Ein Achtel der katholischen Weltbevölkerung ist somit einer direkt und offiziell atheistischen Regierung unterworfen, deren offizielle und erklärte Absicht es ist, die Religion auszulöschen. Und diese riesige kommunistische Zyste bildet nur den Kopf der Krake. Ihre Tentakel reichen bis in die Nachbarregionen, nach Indonesien, Indien, Persien, das unglückliche Österreich, Westdeutschland, und sind in aktive Verästelungen aufgeteilt, die wie in einem Netzwerk ganz Westeuropa, Nord- und Südamerika und einen großen Teil Afrikas einbeziehen. In den Universitäten, in den Parlamenten, in der Presse, im Kino, im Radio, in den Gewerkschaften - die Verzweigungen dieses Netzwerks vervielfältigen sich ständig. Der Feind steht nicht „vor den Toren“. Er ist in unseren eigenen Eingeweiden installiert.

Und wenn es nur dieser eine wäre! Angesichts des Umfangs an massiven Lehren des Kommunismus, seiner eisernen Organisation, ist nichts flüssiger, inkonsistenter, weniger organisch als das Amalgam von Prinzipien, Institutionen und Völkern, das gewöhnlich als antikommunistisch betrachtet wird.

Das extreme Gegenteil des Kommunismus ist der Katholizismus. Und so stellt alles, was zur Schwächung des Einflusses des Katholizismus beiträgt, eine wertvolle - wenn auch manchmal unbeabsichtigte - Zusammenarbeit mit der kommunistischen Expansion dar. Und die westliche Gesellschaft wird von allerlei Ungeziefer zerfressen, das so für den Sieg des Gegners arbeitet. Die unmoralische Literatur und Veranstaltungen, die die Widerstandskräfte der christlichen Familie verunsichern; die sozialistische Propaganda, die unter dem Vorwand der sozialen Gerechtigkeit in Wirklichkeit die Armen gegen die Reichen aufhetzt, das Prinzip der Autorität untergräbt und den Geist der Revolution sät; die höheren oder sekundären Bildungsstätten, die das Universum als ein großes Ganzes lehrt, das in sich selbst die Kräfte seiner gigantischen und unendlichen Evolution enthält, ein Ganzes, das von keinem persönlichen Gott geschaffen wurde und in dem der Mensch nicht zu einem übernatürlichen, außerirdischen und ewigen Glück tendiert; all dies verletzt die christliche Zivilisation in ihrer Seele, die die katholische Kirche ist, und bereitet das Feld für das Aufkommen des Kommunismus.

Wenn man also die Kräfte, die gegen die Kirche arbeiten, in ihrer Gesamtheit betrachtet, in einer immensen Offensive, manchmal gewaltsam, manchmal subtil, manchmal versüßt (das ist z.B. bei den Sozialisten so oft der Fall), in der der Gegner mit jeder Waffe, vom Schießpulver bis zum Zucker, Positionen erobert, was sollte die katholische Haltung sein?

Mit anderen Worten, was soll man tun: sich der Welle stellen oder versuchen, auf ihr mitzugleiten?

Verschiedene Aspekte des Themas

Wie würde man der Welle begegnen? Indem man sehr deutlich den Unterschied zwischen dem Geist der Kirche und den tausend und einer Manifestationen des neuheidnischen Geistes unserer Tage hervorhebt, von den brutalen Manifestationen des russischen Kommunismus bis zu den sanftesten Schmeicheleien der versöhnlichen Flügel des Sozialismus, Protestantismus oder Liberalismus: auf die wirksamste Weise gegen den neuheidnischen Geist und für die Lehre der Kirche zu argumentieren, die sich in ihrer Gesamtheit, in der Kühnheit ihres Adels, in der nackten und manchmal tragischen Erhabenheit ihrer Strenge zeigt; den Seelen zeigen, dass sie nicht in der Mitte zwischen zwei ideologischen Positionen stehen können; alles Mögliche tun und sogar das Unmögliche versuchen, um sie in die Kirche Jesu Christi zu bringen.

Wie würde man sich auf der Welle mitgleiten lassen? Indem man es vermeidet, offen mit irgendetwas nicht einverstanden zu sein: Menschen, Fakten, Doktrinen. Versuchen überall das Gute, das in allem ist, zu loben (denn selbst der Teufel, in der tiefsten Hölle, total schlecht vom moralischen Standpunkt aus, hat dennoch einen Punkt, in dem er gelobt werden kann: es ist die Tatsache, dass er ein Geschöpf Gottes ist). Den Katholizismus so vollständig wie möglich, an den Geschmack des Jahrhunderts anzupassen: Träumen von der Abschaffung des Priesterkleidung und des kirchlichen Zölibats, sich sehnen nach der Aufhebung der rein kontemplativen Orden, sich wünschen dass die Wahl des Papstes nicht mehr vom Kardinalskollegium durchgeführt wird, sondern vom römischen Volk; die Beteiligung der Gläubigen an der liturgischen Feier befürworten, mehr als zu irgendeiner anderen Zeit im Leben der Kirche; die Einführung sehr einfacher liturgischer Gewänder oder sogar die Erlaubnis für Priester in Arbeits-„Blaumänner“ zu zelebrieren, befürworten; unverblümte Unterstützung des Kampfes gegen alle Unterschiede von Reichtum und Vermögen oder der sozialen Klassen, usw., usw., usw. In Lehrfragen besteht das Gleiten auf der Welle darin, die katholische Lehre so nah wie möglich an den Irrtümern der Person, mit der wir uns unterhalten, darzustellen. Wenn er Pantheist ist, sollten wir über den Mystischen Leib so sprechen, dass er, ohne unsere Lehre klar zu leugnen, darin ein wenig pantheistisches „Salz“ spürt. Wenn er ein Sozialist ist, lasst uns energischer als er gegen alle Unterschiede der sozialen Klasse brüllen. Wenn er Protestant ist, sollten wir in seiner Gegenwart die Grenzen des Lehramtes der Kirche so weit wie möglich einschränken.

Zwei Lebenssysteme

Ohne dem Thema vorzugreifen, wollen wir hier einen grundlegenden Punkt in Erinnerung rufen. Es ist, dass es mit einem ganz heiklen Problem des Charakters und des geistigen Temperaments zusammenhängt.

Wenn jemand ein Freund der Logik, der Klarheit, der Offenheit ist; wenn er sich für die katholische Lehre begeistert und es ihn schmerzt, die Straflosigkeit des Irrtums zu sehen; wenn er idealistisch ist und deshalb bereit ist, für die Bejahung der Prinzipien, zu denen er sich bekennt, zu kämpfen und zu leiden, wird er die Taktik der Konfrontation mit der Welle befürworten.

Wenn im Gegenteil jemand am „Komplex“ (die Leser werden den barbarischen Ausdruck verzeihen) der Schüchternheit leidet; wenn er sich seiner Meinungen nicht absolut sicher ist und nicht den Mut hat, sie zu behaupten; wenn es ihn nicht schmerzt oder stört, dass andere das Laster oder den Irrtum verherrlichen und propagieren; wenn er vor allem ein Freund des sozialen Ansehens ist und sich gern als freundlich, modern, verständnisvoll, aufgeklärt ausgibt; wenn er schließlich die Ruhe liebt und zu allem Schweigen bereit ist, um in keine Streitereien und Diskussionen einzugehen, dann wird er ein Parteigänger des „Vorbeiziehenlassens der Welle“, oder sich von ihr treiben lassen und eine Politik der „vorsichtigen“ und weitgehenden „Anpassung“ betreiben.

Zusammenfassend lässt sich sagen: es gibt Katholiken, die dem Gegner mit dem flammenden Schwert des Erzengels Michael entgegentreten; andere hingegen meinen, es besser zu machen, wenn sie den Gebrauch des Regenschirms eines Chamberlain empfehlen.....

Erweiterung des Horizonts

Dieses Problem ist nicht neu. Und es stellt sich auch nicht nur auf religiösem Feld. Denn dieser Unterschied in Charakter und Temperament wirkt sich auf alle Bereiche des menschlichen Handelns aus. Angesichts des Protestantismus verkörperte Philipp II. von Spanien die Haltung derer, die sich der Gefahr stellen, und in der Tat, wenn der Protestantismus Europa nicht eroberte, war es - zumindest menschlich gesehen - diesem großen König zu verdanken. Ludwig XVI. hingegen suchte sich der Revolution anzupassen. Auch Nikolaus II. Sie waren Vorläufer von Chamberlain... der seinerseits Anhänger hatte und immer haben wird.

Während des Pontifikats Pius' X.

Letztlich ist die Frage, wie man sieht, sehr alt. In der Tat ist sie sogar älter als Philipp II. Sie reicht bis in die Anfänge der Menschheit zurück. Von Zeit zu Zeit, also in dem, was die Franzosen treffend „les tournants de l'Histoire“ (Wendepunkten der Geschichte) nennen, taucht sie auf.

Zur Zeit Pius' X. hatte die damalige Offensive gegen die Kirche noch nicht ihren heutigen Höhepunkt erreicht, aber sie war bereits offen in ihrer Entwicklung. Nicht alle religiösen Probleme der damaligen Zeit waren so gelagert wie heute. Aber zumindest in den groben Zügen könnte die Situation so gesehen werden, wie wir sie heute sehen. Es gab bereits eine starke kommunistische Bewegung, der Sozialismus verbreitete sich im ganzen Westen, die Verderbnis der Sitten war bereits tief eingedrungen, sogar in „christlichen“ Familien, der Geist der Rebellion war bereits überall verbreitet. Materialismus, Pantheismus und Evolutionismus waren bereits an der Tagesordnung.

Aus diesem Grund hatten sich die beiden Temperamente auch unter den Katholiken bereits voll ausgeprägt. Einige sprachen sich für den Kampf aus. Andere sprachen sich für eine Anpassung aus. Diese versuchten, den Katholizismus zu „modernisieren“.

Die „Modernisten“

Es waren die sogenannten „modernistischen“ Katholiken. Sie bildeten eine „Bewegung“, die eine Doktrin, eine Strategie, klar definierte Ziele, ein Netzwerk von Institutionen zu ihren Diensten und eine ganze Galerie von großen Männern hatte, die sie führten. Wie jede „Bewegung“, die etwas auf sich hält, hatten auch die Modernisten ihre „Tabus“.

Die Doktrin

Die modernistische Doktrin bestand letztlich aus einer langen Reihe von Strategemen (Geschicklichkeiten) und Kunstgriffen, die darauf abzielten, den Katholizismus an die religiösen Vorstellungen der Zeit anzupassen.

Wie gesagt, übernahmen diese Vorstellungen die Idee eines unpersönlichen Gottes, der in allen Kräften des Universums latent vorhanden ist und der sich letztlich mit der „Natur“ identifizierte. Dieser im Kosmos verankerte Gott lenkte alle Kräfte in Richtung eines unendlichen Fortschritts, in dem der Kosmos selbst und insbesondere das Menschengeschlecht sich vervollkommnen würden. Vorhanden in allen Wesen wie Wasser in einem Schwamm oder Tinte in einem Löschblatt, ist dieser unpersönliche Gott auch im Menschen „eingebettet“. Eine Kraft, die in uns innere Empfindungen, Sehnsüchte von mehr oder weniger vagem religiösem Charakter erzeugt. Jeder versucht, diese Sehnsüchte zu befriedigen, indem er eine Religion schmiedet, die zu ihm passt, oder indem er eine der verschiedenen bereits bekannten Religionen wählt. Dies vorausgeschickt, sind alle bestehenden oder noch zu entstehenden Religionen gleichermaßen legitim, insofern sie ihre Aufgabe erfüllen, und die religiösen Bestrebungen der Menschen, die sie hervorgebracht haben, befriedigen. Nach dieser Auffassung ist es vollkommen gleichgültig, ob die Dogmen dieser oder jener Religion wahr sind. In Wirklichkeit sind alle Dogmen falsch, Produkte des menschlichen Geistes, der sie zu seiner eigenen Befriedigung erdacht hat. Sie sind für Erwachsene mehr oder weniger das, was Märchen für Kinder sind. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, hat der Katholizismus zwei Aspekte. Einerseits einen sehr guten: als eine Religion, die von einer großen Anzahl von Menschen zur Befriedigung ihrer religiösen Bedürfnisse hervorgebracht wurde. Auf der anderen, eine sehr schlechte Seite: solange man wollte, das unsere Dogmen wirklich wahr sind, weil wir es so behaupten, sind sie jedoch genauso offensichtlich falsch wie die jeder anderen Religion. Und dann kam eine ganze Erklärung von Einwänden gegen die katholische Lehre: die Göttlichkeit Jesu Christi wurde geleugnet, die Existenz des Übernatürlichen, die Existenz eines persönlichen Gottes, die Wahrhaftigkeit der in den Heiligen Büchern erzählten Tatsachen, usw., usw. Würde man einen Weisen dieser Schule fragen, ob er ein Feind des Katholizismus sei, so würde er es verneinen, dass er es aber vollkommen lächerlich fände, in ihm eine objektiv wahre Religion zu sehen. Seine Dogmen sind falsch, sie sind wandelbar, in der Tat waren sie etwas zu Beginn des Christentums und wurden etwas anderem im Laufe der Zeit.

Was taten die Modernisten angesichts dieser Tatsachen? Anstatt die neue Lehre zu entlarven und zu zeigen, dass sie letztlich alle Religionen, auch die katholische, verleugnete, haben sie sie geduldet:

a) - einige, „gemäßigtere“, beschränkten sich darauf, den gottlosen Schriftstellern in „sekundären“ Punkten beizustimmen, d.h. die Echtheit ehrwürdiger Reliquien und hagiographischer Tatsachen zu leugnen, die bisher als unanfechtbar galten; verfängliche Auslegungen der Heiligen Schrift anzunehmen, die dazu neigten, diesem oder jenem Thema eine „vernünftigere“ Bedeutung zu geben; plädierten für eine Anpassung der gesamten Kirchenordnung an die Sitten und Gebräuche des zwanzigsten Jahrhunderts;

b) - andere, gewagtere, deuteten die Möglichkeit an, das Dogma selbst in Punkten zu reformieren, die als „weniger wichtig“ angesehen wurden, mit der Behauptung, dass einige von ihnen den Fortschritt der Wissenschaften begleiten sollten. Sie forderten auch die „Reform“ bestimmter moralischer Punkte, wie z.B. die Unauflöslichkeit der Ehe, die sie für offensichtlich anachronistisch hielten;

e) - andere schließlich, die für ihre Dreistigkeit keine Grenzen mehr kannten, präsentierten in ihren Büchern in verschleierter Sprache die ganze Lehre der gottlosen Schriftsteller.

Die „Bewegung“

Der „katholische“ Modernismus verbreitete sich in den kirchlichen Kreisen Europas und Amerikas mit der Geschmeidigkeit und Schnelligkeit eines Ölflecks. Als Pius X. den päpstlichen Thron bestieg, stellte diese ideologische Bewegung bereits eine Macht dar, die auf die Mitarbeit von Universitätsprofessoren, Schriftstellern, Journalisten, Aktivisten, gesellschaftlichen Persönlichkeiten aller Art zählte.

Gab es ein Direktorium, das all diese Bemühungen leitete? Es ist schwierig, diese Frage zu beantworten, aber es ist sicher, dass viele Dinge passiert sind, als ob dieses Direktorium existierte. So pflegten die Modernisten aller Länder eine enge Korrespondenz untereinander, lobten sich gegenseitig mit Inbrunst und arbeiteten eng für das gleiche Ziel zusammen... alles mit einer solchen Präzision, einer solchen Harmonie, einer solchen Beschwörung aller für das gemeinsame Ziel, dass man wirklich in bestimmten Momenten den Eindruck hatte, dass in so viel Arbeit etwas Koordiniertes steckte.

Die Strategie

Dieser Eindruck drängte sich jedem auf, der die modernistische Strategie aufmerksam beobachtete:

a) - zunächst haben sie dies und jenes geheim gehalten. Um besser „die Fährte zu verwischen“, vermieden sie früher eine systematische und logische Darstellung ihrer Lehre. Sie schienen sogar untereinander in dem einen oder anderen Punkt uneinig zu sein. Es bedurfte einer sehr reifen Analyse, um zu erkennen, dass diese Diskrepanzen entweder völlig zufällig waren oder gar nicht existierten; und dass inmitten dieses scheinbaren Durcheinanders eine perfekte Einheit des Denkens bestand;

b) - auf der anderen Seite, äußerten die mehr gewagten, nicht vollständig ihre Gedanken. Sie sprachen durch Metaphern und Umschreibungen. Eine Art Einweihung war notwendig, um zu einer vollständigen Kenntnis ihrer Denkweise zu gelangen;

c) - Um jeglicher päpstlichen Verurteilung zu entgehen, veröffentlichten sie Bücher mit den Namen angeblicher Autoren, was es einem gleichen Autor erlaubte, mehrere Masken zu tragen und die Leichtgläubigen leichter zu täuschen;

d) - schließlich, wenn sie aufgefordert wurden, sich zu erklären, widerriefen sie sich mit aller Leichtigkeit, um später, in einem anderen Werk, den gleichen Irrtum wieder zu predigen.

Es ist schmerzlich, zu sagen, aber diese Strategie wurde nicht nur von Laien, sondern sogar von Priestern verfolgt, so dass der modernistische Fanatismus die Gewissen ausgelöscht hat.

e) - wenn jemand ihre Doktrinen angriff, führten sie einen „totalen Krieg“ gegen ihn, der von der Widerlegung der Doktrinen bis zu einer Kampagne persönlicher Diffamierung reichte. Und wenn sie lehrmäßig oder persönlich nichts zu beanstanden hatten, organisierten sie eine Kampagne des Schweigens gegen den Angreifer. Den so „Bestraften“ wurden alle Tribünen, alle Zeitungsredaktionen, die Türen aller Zeitschriften und sogar vieler religiöser Vereinigungen verschlossen. Es war Ächtung.

Die Ziele

Die Ziele der Bewegung waren klar. Es ging darum, die Kirche von innen heraus zu verändern. Es handelte sich um eine Entwicklung, die sanft, ohne Schocks und Lärm, durchgeführt werden sollte, die aber letztlich die größte aller Umgestaltungen sein sollte, die die Kirche in ihrer zwanzigfachen säkularen Geschichte erlebt hat. Dazu war es unerlässlich, dass die Modernisten im katholischen Umfeld blieben; dass sie katholische Lehrstühle, Kanzeln, Zeitungen und Zeitschriften besetzten; dass sie immer im Namen der katholischen Meinung sprächen. In unserer Zeit würde man dies eine fünfte Kolonne nennen. Aber zur Zeit Pius' X. gab es diesen Ausdruck noch nicht. Auffällig ist der Fall eines modernistischen Priesters, dessen Buch verurteilt wurde. Er wurde gefragt, ob er sich empöre und die Soutane ablegen würde oder seinen Ideen abschwöre. Er lächelte und wies darauf hin, dass er weder das eine noch das andere tun würde, und antwortete: „Ich werde mir eine neue Soutane kaufen“.

Die Position von Pius' X.

Was würde der Papst tun? Würde er vor dem Modernismus die Augen schließen? Viele Gründe schienen für diese Taktik zu sprechen:

a) - Einige der modernistischen Führer waren intelligent, fähig zu intensivster apostolischer Tätigkeit, von unzweifelhafter Redlichkeit des Lebens. Es wäre äußerst schmerzhaft, Menschen zu schlagen, die eine solch hohe Wertschätzung verdienen;

b) – Nach dem Schlag würde man nicht Gefahr laufen, sie zum Abfall zu verleiten? Wenn man bedenkt, dass unter den potentiellen Abtrünnigen nicht wenige Priester, auch Ordensleute wären, wäre das nicht ein beachtlicher Skandal in den Augen der Gläubigen?

c) – Würde es sich lohnen, die Katholiken in einer Zeit der Kämpfe zu spalten?

d) - Der Papst ist ein Vater der Barmherzigkeit. Wirkt es sich gut auf sein Amt aus, wenn er mit Strenge gegen eine Strömung vorgeht, in deren Reihen sich möglicherweise viele wohlmeinende Menschen befinden?

Dieser letzte Punkt erforderte besondere Aufmerksamkeit. Pius X. war von einer engelhaften Güte. Keiner näherte sich ihm, ohne die Ausstrahlungen seiner Güte zu erfahren. Würde er mit einer Strenge handeln, die seinem Temperament so sehr zu widersprechen schien?

Die Lösung eines Heiligen

Mit väterlicher Güte ermahnte Pius X. zunächst privat die Hauptverantwortlichen, beriet sie, ermahnte sie, warnte sie. Angesichts der Nutzlosigkeit dieser Bemühungen begann er, öffentlich zu handeln, indem er sich mit einer Energie voller strenger Prognosen auf die Angelegenheit bezog. Am 3. Juli 1907 veröffentlichte die Heilige Römische und Universelle Inquisition das berühmte Dekret „Lamentabili“, in dem die wichtigsten modernistischen Doktrinen zusammengefasst waren, die alle von der Kirche verurteilt wurden. Doch das war noch nicht genug. Pius X. schlug dann den fulminanten Schlag mit der Enzyklika „Pascendi Dominici Gregis“ vom 8. September 1907, in der er mit einer Energie, die man herkulisch nennen könnte, wenn sie viel mehr als dass, nicht übernatürlich wäre, den Modernismus anprangerte und stigmatisierte.

In dieser Enzyklika entlarvt Pius X. ausführlich die gesamte modernistische Lehre, zeigt ihre Identität mit dem gottlosen Gedankengut, das im zwanzigsten Jahrhundert en vogue war, schildert die Ursprünge der Bewegung, ihre Taktik, die Perfidie ihrer Vorgehensweise, die Unaufrichtigkeit ihrer Handlungsprozesse und zeigt schließlich die Heilmittel für diese „Sturzflut sehr schwerer Irrtümer, die offen und im Geheimen anschwillt“.

Eine Reihe schwerster Exkommunikationen, die viele Führer der Bewegung aus den katholischen Reihen ausschlossen, führte schließlich dazu, dass das ganze System der modernistischen Verkrustung in den Reihen der Kirche zerschlagen wurde.

Die Aktualität des Beispiels

Beachten wir zunächst, wie Pius X. sich in eine Position stellte, die dem Lager derjenigen völlig entgegengesetzt ist, die meinen, es sei besser, sich vor dem Gegner zurückzuziehen und unter ihm hindurchzugehen, als sich ihm zu stellen. Dies ist das erste Beispiel, das wir sorgfältig betrachten sollten.

Auf der anderen Seite sollten wir beachten, wie Pius X. - eben jener Papst, dem die Menschen eine Güte nachsagten, die eher der eines Engels als der eines Menschen glich - es verstand, im Angesicht des Bösen von unbesiegbarer Energie zu sein. Die Güte schließt die Energie nicht aus, im Gegenteil, sie vervollständigt sie. Und gegen diejenigen, die hartnäckig im Bösen sind, muss man in dem Maße energisch sein, wie es nötig ist, um sie daran zu hindern, ihre Irrtümer zu verbreiten und die Guten in die Irre zu führen. So handelt der Gute Hirte gegenüber dem Wolf im Schafspelz...

Betrachten wir schließlich das Vertrauen von Pius X. in das Übernatürliche. Die Kraft der Kirche kommt nicht von Menschen, sondern von Gott. Bei der Erfüllung ihrer Mission hat sie weder Tyrannen noch Menschenmassen zu fürchten. Im Vertrauen auf Gott kann sie mit evangelischer Furchtlosigkeit vorgehen, denn der Sieg wird ihr gehören.

Diese Beispiele haben eine tiefgreifende Anwendung auf unser aller Leben. Wenn wir gegen die modernen Irrtümer ankämpfen müssen, mit denen die Umwelt, die wir alle frequentieren, gesättigt ist, werden wir wissen, dass es unsere Pflicht ist, zu reagieren und nicht, uns zurückzuziehen. Wenn ein falsches Ideal der Güte Feigheit angesichts triumphierender Gottlosigkeit suggeriert, werden wir wissen, dass die Güte nicht darin besteht, den Bösen zu erlauben, unsere Brüder nach Belieben zu dezimieren. Wenn es uns scheint, dass der Kampf zu ungleich ist, werden wir sogar mit verdoppelter Kraft weiterkämpfen, weil wir wissen, dass unser Sieg von Gott kommt und nicht von uns.

 

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Deepl-Übersetzer von „Pio X, modelo de energia“ in Catolicismo Nr. 6 – Juni 1951 – São Paulo, Brasilien.

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„Pius X., Modell der Entschiedenheit“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

Donnerstag, 6. Mai 2021

Ein wichtiger Mann

Hermann Rauschning

In letzter Zeit ist es schwierig, eine europäische Zeitschrift oder ein Magazin von einiger Bedeutung zu lesen, ohne Hinweise auf Rauschning zu finden. Der ehemalige Senatspräsident (Regierungschef) der Freien Stadt Danzig, Hermann Rauschning, hat einen lang erwarteten Band mit dem Titel „Die Revolution des Nihilismus“ veröffentlicht, der laut „Der Deutsche Weg“ den ersten Platz unter den Büchern über den Nationalsozialismus einnimmt. Derselbe Kritiker gesteht, dass ihn die 500 Seiten des Bandes zunächst erschreckten, dass er aber am Ende aufrichtig bedauerte, dass es nicht 1000 waren, die er lesen konnte.

Hermann Rauschning selbst hat soeben in der Zeitschrift „Maß und Wert“ des Oprecht-Hauses in Zürich eine Studie veröffentlicht, die allein schon vom Titel her für heftige Diskussionen sorgen wird: „Die tödliche Schwäche des Reiches“. Die stets gut orientierte Zeitung „Der Deutsche in Polen“ (vom 25.12.38) meint jedoch, dass der ehemalige nationalsozialistische Danziger Senatspräsident diese tödliche Schwäche des Reiches mit der Präzision eines Suchscheinwerfers beleuchtet hat, der, wenn er sein Objekt in der Dunkelheit der Nacht entdeckt, nicht mehr loslässt. „Dieses Deutschland — schreibt Rauschning — ist nicht das, was es zu sein scheint. Seine Stärke ist nur ein Schwindel, so wie alle Werte und Maximen, die es in Umlauf bringt. Dieses Deutschland ist nicht nur weit davon entfernt, das zu sein, was es zu sein scheint, sondern es ist genau das Gegenteil von dem, was es behauptet: Es ist unvorstellbar schwach.“

Soll man angesichts solch ungewöhnlicher Behauptungen zur Tagesordnung übergehen? Zweifellos sind Freunde und Feinde des Nationalsozialismus gleichermaßen daran interessiert zu erfahren, was an Rauschnings Behauptungen wahr ist; den großen und kleinen Mächten der internationalen Welt kann es nicht gleichgültig sein, ob Rauschning eine wirkliche Situation aufgedeckt oder ob er die Wahrheit bewusst oder unbewusst falsch dargestellt hat.

Preußische Tugenden

Es versteht sich von selbst, dass der ehemalige Präsident des Nazi-Senats von Danzig, Autor des inzwischen berühmten „Die Revolution des Nihilismus“, nicht so naiv ist, anzunehmen, dass die ganze Welt akzeptiert, was er sagt, nur weil er es sagt; nein, er tut das Gegenteil: er unterwirft Punkt für Punkt die schwerwiegendsten Probleme dem unbarmherzigen Licht des Suchscheinwerfers der Fakten und der Logik und überlässt es dem Leser, die Konsequenzen zu ziehen. So zerstört er zum Beispiel die süße Hoffnung von Millionen, die meinen, die Armee, der Stolz der Deutschen, sich noch nicht der Nazi-Ideologie angeschlossen hat, und immer noch treu die Tradition der sogenannten preußischen Tugenden aufrecht hält: „Die bewaffnete Kraft, die nicht in einem Kosmos fester, unveränderlicher Werte lebt, ist den Anforderungen der modernen Kriegsführung nicht gewachsen.“

Zweifellos ist der oberflächliche Betrachter mehr und mehr von der wachsenden, erschreckenden, scheinbar überwältigenden materiellen Aufrüstung beeindruckt, aber die Soldaten von 1914 wussten, was der Kosmos fester, unveränderlicher Werte wert war, der sie befähigte, vier Jahre lang einer überwältigenden Mehrheit gegenüberzustehen und „in einem erhabenen Opfergeist“ weiterzumachen. Dieser auf dem Christentum basierende Opfergeist wurde allmählich durch das Dogma von Rasse und Blut ersetzt, und „dort ist es, wo das (Nazi-)System — wie Rauschning sagt — seinen totalen geistigen und moralischen Bankrott offenbart.... Die Phrasen der verlogenen Begeisterung und der patriotischen Ekstase werden wie Spreu verfliegen und nur den selbstdenkenden Partisanen zurücklassen, der gelernt hat, richtig ist, was ihm nützlich ist.... Das Militär war bisher eine der mächtigsten traditionellen Mächte; es war mit Recht so ... es war zugleich christlich und national.“

Dieses schreckliche war! ... Es war einmal ... Es ist nicht mehr; und gerade im scheinbar mächtigsten Faktor Deutschlands offenbaren die fallenden Schleier „die tödliche Schwäche des Reiches.“

Der Bolschewismus im Bauch des Nationalsozialismus

„Der Deutsche in Polen“, der den Artikel von Dr. Rauschning studiert, beendet seine Ausführungen mit diesen markanten Worten: „Die von Dr. Rauschning aus der tödlichen Schwäche des Reichs gezogenen Konsequenzen bestätigen unsere Meinung, dass das deutsche Volk das Kommen des Bolschewismus nicht zu fürchten braucht, weil es ihn im Nationalsozialismus schon hat. Was einst eine reale Gefahr war, die proletarische Revolution, ein deutscher Bolschewismus, ist nun Realität. Wir sind voll darinnen, denn das Charakteristische ist nicht ein Hitler für den Nazismus und ein Stalin für den Bolschewismus, sondern die Tatsache, dass man in Moskau und in Berlin in der ausschließlichen Wertschätzung der Gewalt und des Herrschaftswillens das alleinige Regulativ des geschichtlichen Lebens sieht, und dass es so praktiziert werde; das ist es, was die Identität der Orientierung öffentlich macht.

„Es wird also nicht mehr als eine Illusion sein, zu glauben, dass das deutsche Volk, der Diktatur der S.A.- und S.S.-Milizionäre überdrüssig wird, um Hitler loszuwerden, und die Diktatur eines Proletariats à la Stalin dulden wird. Die Erfahrungen des deutschen Volkes mit Diktaturen lassen die Aussage zu, dass der Wille zur Rückkehr zur unverbrüchlichen Ordnung des Rechts keine Möglichkeit für diktatorische Träume lässt.“

Ein weiteres Zeugnis

In der gleichen Weihnachtsausgabe von „Der Deutsche in Polen“ ergänzt Luigi Sturzo diese Gedanken mit einer Studie unter dem Titel „Freiheit“, die von Anfang bis Ende packend ist: „Freiheit ist wie Luft: Wir merken sie nur, wenn sie uns fehlt. Wenn wir Luft haben, denken wir an unsere Tätigkeit, an das Studium, an die Arbeit, an das Vergnügen. Wenn uns die Luft ausgeht, wird alles zur Seite gelegt: Studium, Arbeit, sogar Vergnügen werden unmöglich. Zunächst einmal suchen wir Luft, ein wenig Luft, nur zum Atmen...“

„Der Unterschied zwischen Engländern, Franzosen, Schweizern, Belgiern, unter einem demokratischen Regime, — Deutschen oder Italienern unter einer totalitären Macht —, ist dieser: der Engländer besitzt die Freiheit und fühlt nicht, dass er sie braucht; — der Deutsche hat sie nicht und fühlt, dass sie ihm fehlt.... Wer kann Hitler oder Mussolini bremsen, wenn sie Juden und Christen verfolgen wollen?“ Sie lassen keine moralischen Grenzen zu, weil sie glauben, dass sie über jedem religiösen oder menschlichen Gesetz stehen, das ihnen nicht gefällt... Sie haben die Freiheit monopolisiert, weil sie sie mit der Macht verbunden haben.

„Nach Cicero ist die Freiheit eine Teilhabe an der Macht. So war das Parlament in England gegenüber Monarchen mit Tendenzen zum Absolutismus der Garant für die traditionellen Freiheiten. Weder alle Macht dem König, noch alle Macht dem Parlament; das eine wie das andere beschränkte die Freiheit der eigenen Funktionen....

„Das ist nicht alles. Das Volk, das seine Funktion hat, muss seine Freiheit haben. Wenn es sich selbst überschätzt, schadet es sich selbst, indem es die Freiheit verliert, die es früher genossen hat. Viele Engländer, die ihr System kritisieren, denken, dass es unter ihnen keine wirkliche Freiheit gibt, da der Kapitalismus — die City — einen entscheidenden Einfluss auf die Presse, die konservative Partei und die Regierung hat. Zum Teil stimmt es. Die Macht des Geldes war schon immer groß, gestern wie heute, im Mittelalter wie in der griechisch-römischen Antike. Es liegt an den Menschen mit Wissen und Gewissen, an der Kirche, am Bürgertum und an den Arbeitern, die Macht des Geldes in gerechten Grenzen zu halten und sich den Gefahren eines unverantwortlichen und maßlosen Kapitalismus entgegenzustellen...

„Die Freiheit muss Tag für Tag neu errungen werden, denn sie ist immer wieder durch feindliche Kräfte bedroht. So wie jeder von uns sein ganzes Leben lang darum kämpfen muss, kein Sklave des Lasters zu sein um die von Gott gegebene moralische Freiheit zu genießen, so müssen wir dasselbe in Bezug auf die politische und soziale Freiheit tun...

„Freiheit ist nicht nur für einige wenige Menschen, sie ist für alle da. Diese Tatsache an sich zieht natürliche und moralische Grenzen gegen jede Übertreibung der Freiheit, ob sie nun für Einen (Diktatur), für einige Wenige (Oligarchie des Kapitalismus oder Militarismus) oder für die Massen (Demagogie und Anarchie) gilt. Wahre Freiheit ist vor allem eine sittliche Ordnung; sie ist die Grundlage des Rechts; sie ist Disziplin und Ordnung; sie ist die unabdingbare Voraussetzung des Friedens, innerhalb der Nation und in den internationalen Beziehungen. Deshalb schrieb Kardinal Pacelli im Namen von Papst Pius XI. anlässlich der Sozialen Woche an die Katholiken Frankreichs: „Seien Sie nicht überrascht, dass die Kirche die einzige und größte Verteidigerin der Freiheit ist.“

Ein charakteristisches Ereignis

Nachdem wir Rauschning und Sturzo vorgestellt haben, ist es nicht unangebracht, eine Geschichte wiederzugeben, die in der gleichen Ausgabe von „Der Deutsche in Polen“ erzählt wird: In das Gymnasium einer großen Stadt in Schlesien, das früher katholisch war, tritt der Lehrer einer der oberen Stufen um 8 Uhr morgens in die Klasse ein. Die Schüler erheben sich und, wie es Brauch war, beteten sie gemeinsam. Kaum waren sie fertig, machte der Lehrer eine hässliche Bemerkung über das Gebet und sagte, dass man das in Deutschland bald nicht mehr machen würde.

Wie aufs Stichwort standen die Jungen, in guter Absicht, wieder auf und beteten laut alle Gebete, die sie kannten, so sehr der Lehrer auch versuchte, sie zu unterbrechen.

Mutige Jungs! Eine der Hoffnungen für die Zukunft!

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit DeepL/Translator (kostenlose Version) von „Um homem importante“ in Legionário Nr. 333 vom 29. Januar 1939, S. 1. São Paulo.

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„Ein wichtiger Mann“ erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

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Mittwoch, 5. Mai 2021

Der endlose Konflikt


Die katholische Kirche gegen jeglichen Irrtum

„Der endlose Konflikt“ ist der Titel eines Essays von Hilaire Belloc, bekannter englischer katholischer Schriftsteller, Freund des verstorbenen Chesterton, der in der Londoner Zeitschrift „The Universe“ veröffentlicht wurde. Belloc zeigt, dass alle Kontroversen unserer aufgewühlten Zeit im Grunde auf eine reduziert sind: den Konflikt zwischen der katholischen Kirche und ihren Feinden.

Der interessanteste Aspekt des gegenwärtigen Zeitalters ist dieser: Niemand erkennt die Natur des großen Kampfes, der in allen Nationen Europas und teilweise in Amerika und Asien geführt wird.

Hilaire Belloc 1910

Von allen Seiten wird man hören, dass es um einen Kampf geht zwischen dem Kommunismus und dem, was man konventionell „Faschismus“ benannt  hat. Diejenigen, die es nicht so genau nehmen, werden sagen, dass es ein Kampf ist zwischen einer traditionellen alten Welt und einer brandneuen Welt, die im Entstehen ist. Andere, mit einer engeren Sichtweise, nennen es „einen Kampf zwischen Rassen oder Nationen“, was nicht stimmt, denn es geht um eine universelle Bewegung; wieder andere glauben, dass wir nur einen Krieg zwischen Reich und Arm haben.

Alle diese Erklärungen für das, was vor sich geht, sind bis zu einem gewissen Grad unvollkommen, wenn nicht sogar ausgesprochen absurd. Was wir tatsächlich erleben, ist ein Konflikt zwischen der katholischen Kirche und ihren Feinden.

Wir gehen dem Chaos entgegen

Die meisten derjenigen, die diesen Kampf ernster und intelligenter beurteilen, erkennen diese Wahrheit sicher nicht — und doch ist sie die zentrale Wahrheit der ganzen Angelegenheit. Sie wird nicht erkannt, weil wir alle in der Regel mit indirekten Ergebnissen konfrontiert sind und die ersten Ursachen nicht wahrnehmen, da die Ursprünge aller Ereignisse mit sozialem Charakter im Hintergrund liegen und daher nicht leicht zu erkennen sind. Aber wenn wir nicht verstehen, dass der ganze moderne Konflikt sich um den Glauben dreht und ein weiteres Beispiel für den Kampf zwischen dem Glauben und der Welt ist, der durch die Jahrhunderte hindurch andauert, werden wir die Natur der Gefahr, die die ganze Welt umfasst, nicht verstehen. Denn die Bedrohung der modernen Welt besteht nicht in der Möglichkeit, in die Fänge dieser oder jener Theorie, dieser oder jener Rasse, dieser oder jener Philosophie zu geraten, sondern in der Gefahr, das zu verlieren, was unsere Zivilisation aufgebaut hat.

Was unsere Zivilisation aufgebaut hat, ist der Glaube, und wenn wir diese kreative Kraft verlieren, wird unsere Zivilisation mehr und mehr zerbröckeln. Wenn diese Kraft völlig verloren geht, wird unsere gesamte Zivilisation mit ihr verloren gehen: Wir werden auf das Chaos zusteuern.

Ein paar Fragen an Dr. Inge

Der englische Schriftsteller Dr. William Ralph Inge, ein anglikanischer Theologieprofessor in Cambridge, hat soeben einen außergewöhnlichen Satz geschrieben, der besagt, dass die Welt dem Untergang geweiht sein wird, wenn sie sich nicht wieder den Lehren unseres Herrn unterwirft. „Nichts“, sagte Dr. Inge, „kann uns retten als die Gesetze und Lehren Christi.“ Er ist ein sehr intelligenter Mensch, wie jeder weiß, und was fast genauso wichtig ist: Er ist ein äußerst gelehrter Mann. Er ist der Wahrheit sehr nahe gekommen, und in dem, was er gesagt hat, haben seine Worte sicherlich die Wahrheit ausgedrückt.

Aber Dr. Inge fügte nicht den einen ergänzenden Satz hinzu, der seinem Gedanken Sinnfülle hätte verleihen können. Er fügte nicht hinzu, dass nur eine Institution eine ungebrochene Tradition dieser göttlichen Lehre bewahrt hat, von der er mit Recht annimmt, dass sie die einzige und notwendigste Medizin für moderne Krankheiten ist. Und er es hat nicht gesagt, weil er das so nicht glaubt: Dr. Inge glaubt nicht, dass die katholische Kirche mit der Stimme Christi spricht, oder dass sie die einzige ist, die die ganze Tradition Christi in sich trägt. Doch Dr. Inge wäre, wie jeder andere Mensch auch, ratlos, wenn er sagen müsste, wer in der ganzen Welt diesen Titel für sich beanspruchen kann außer die Kirche, die nach ihrer eigenen Definition: die eine, katholische und apostolische ist.

Betrachten wir irgendeines der verschiedenen Hauptthemen, die die Menschen heute zum Krieg geführt haben, für diejenigen, die bereits kämpfen oder die im Begriff sind zu kämpfen. Geben wir diesen Themen die Form einer Frage: „Was ist die richtige Lehre über das Eigentum, die aus der Autorität Christi hervorgeht?“ Oder auch: „Was ist die richtige Lehre über die Ehe?“ Oder diese andere Frage: „Was ist die richtige Lehre über den Krieg?“ Auf diese und auf alle anderen Hauptfragen, die gestellt werden können, werden wir eine Antwort mit der Autorität der Kirche erhalten. Außerhalb der Kirche werden wir eine Vielzahl von widersprüchlichen Antworten bekommen. Niemand kann auf eine letzte Autorität hier oder dort verweisen, außer wir Katholiken, wenn wir auf das verweisen, was wir als heilsame Lebensphilosophie akzeptieren.

Die Antwort der Kirche

Darüber hinaus ist zu beachten, dass die Antwort, die die Kirche auf jede Hauptfrage gibt, die für die Führung der Menschheit unerlässlich ist, auf mehreren Prinzipien beruht, die ihr Halt geben und die Falschheit der Übertreibung und die Falschheit der Behandlung von universalen Angelegenheiten verhindern, als ob es sich um isolierte Fragen handelte. So behauptet die Kirche z. B. in Bezug auf das Eigentum das Recht auf Eigentum. Sie sagt nicht wie die Kommunisten: „Das Eigentum an den Produktionsmitteln ist unmoralisch“; aber sie behauptet, dass das Eigentum eine moralische Institution ist, egal ob es sich um Konsumgüter oder Produktionsmittel handelt. Die Kirche bekräftigt aber auch, dass jeder Mensch das Recht hat, nach menschlichen Normen zu leben; dass jeder Mensch das Recht auf das hat, was die Kirche nennt: „ das menschliche Brot“. Mehr noch: Die Menschenwürde muss unangetastet bleiben. Wenn wirtschaftlicher Druck so erdrückend wird, dass er zu einer Situation führt, die der amtierende Papst als „an Sklaverei grenzend“ bezeichnet hat, unmoralisch ist.

Mehr noch: Der Glaube setzt eine stabile soziale Organisation voraus; deshalb gewährt er keine uneingeschränkte, ungezügelte Kompetenz. Die Lehre der Kirche über das Eigentum beruht auf einem ganzen Netz von miteinander verbundenen Aussagen, die, wenn sie vollständig angewendet würden, in der Lage sind, eine stabile und glückliche Gesellschaft hervorzubringen.

Die Familie und der Staat

Nehmen wir einen anderen, analogen Punkt: Ist die einzelne Person für den Staat da oder der Staat für den Einzelnen? Der ganze Konflikt zwischen Despotismus und Freiheit dreht sich um diese Frage. Auch hier hat die Kirche eine ganz klare, aber mehrfache Antwort.

Der Staat existiert für die Familie, und der Staat existiert, um sowohl das physische als auch das geistige Leben des Einzelnen zu schützen und zu verbessern, und das geistige Leben vor allem. Aber der Staat hat das Recht, von seinen Bürgern den Einsatz zur Verteidigung gegen Aggression und Gehorsam gegenüber vernünftigen Gesetzen zu verlangen. Die zivile Autorität kommt von Gott, aber der Missbrauch dieser Autorität kommt nicht von Gott. Wenn diese Autorität in Konflikt mit Gottes Gesetz kommt, verliert sie jede Gültigkeit.

Niemals in ihrer langen Geschichte hat die Kirche eine Gesellschaft hervorgebracht oder inspiriert, die prinzipiell der Tyrannei unterworfen ist, noch hat sie eine Gesellschaft hervorgebracht, in der die Autorität der zivilen Magistrate (Obrigkeiten) geleugnet wird.

An der Wurzel all ihrer Politik und all ihrer sozialen Erziehung steht ihre klare Lehre über die Familie; aber die Familie wurde zum Heil des Individuums geschaffen.

Falsche Abhilfemaßnahmen

Die tragische Gefahr unserer Zeit liegt in den falschen Heilmitteln, denen eine wirksame Autorität fehlt, Heilmittel, die auf einem unzureichenden Prinzip beruhen, Heilmittel, die aus dem Extremismus abgeleitet sind, die vorschlagen, das tödliche Leiden, das uns plagt, zu heilen. Im industriellen Kapitalismus ist der Mensch das Opfer von Ungerechtigkeit. Deshalb rufen diejenigen, die mit dem Glauben in Konflikt stehen, aus: „Lasst uns das Privateigentum an den Produktionsmitteln abschaffen und die Ungerechtigkeit wird verschwinden!“ Und so wird es sicherlich sein, aber um den Preis, etwas Schlimmeres zu erleiden, das das Privateigentum ersetzen wird. Denn die einzig mögliche Alternative zum Eigentum als soziale Institution ist die Sklaverei.

Das Eheleben hat immer seine Tücken und ist manchmal wirklich tragischen, fast unerträglichen Prüfungen ausgesetzt. Diejenigen, die mit dem Glauben in Konflikt stehen, rufen aus: „Lasst uns die Ehe durch ein System einfacher Scheidungen abschaffen und die Übel, die aus der Ehe entstehen, werden verschwinden.“ Und das wird sicherlich so sein, aber anstelle der abgeschafften Ehe werden andere, viel schlimmere, absolut unmenschliche Übel auftreten; denn die Zelle oder Einheit des gesellschaftlichen Lebens wird zerstört, und das bedeutet, dass sehr bald die Gesellschaft selbst vernichtet wird.

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit DeepL/Translator (kostenlose Version) von „O verdadeiro conflito“ in Legionário Nr. 370 vom 15. Oktober 1939, S. 3. São Paulo.

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Der endlose Konflikt erschien erstmals in deutscher Sprache in www.p-c-o.blogspot.com

Hilaire Belloc portrait by T. & R. Annan & Sons, vintage bromide print, 1910 - Wikipedia