Dienstag, 17. Juni 2014

Maria an die hl. Brigitta

Die Muttergottes spricht über das Heiligste Herz Jesu
Plinio Corrêa de Oliveira 
Ich möchte hier die Worte der Muttergottes an die hl. Brigitta über das Heiligste Herz Jesu kommentieren.
„Das Herz meines Sohnes ist überaus lieblich wie Honig und gar rein wie die allerreinste Quelle, aus welcher alles, was tugendhaft und gut ist, hervorgeht. Er ist auch der Süßeste. Denn was ist für einen vernünftigen Menschen süßer, als die Liebe meines Sohnes bei der Schöpfung und Erlösung, bei seinen Arbeiten, Lehren, in seiner Freundlichkeit und in seiner Geduld zu betrachten? Seine Liebe ist nicht vorüberfließend wie das Wasser, sondern anhaltend dauerhaft, weil seine Liebe bis auf den letzten Augenblick bei den Menschen bleibt, so dass, wenn der Sünder schon an der Pforte des Verderbens stünde, aber noch von dort, mit dem Willen, sich zu bessern, zu ihm riefe, er demselben entrissen werden würde. Zum Herzen Gottes zu gelangen, sind ferner zwei Wege. Der erste ist die Demut einer wahren Reue, und diese führt den Menschen in das Herz Gottes und in die geistliche Unterredung ein; der zweite Weg ist die Betrachtung des Leidens meines Sohnes, welche die Härte aus dem Herzen des Menschen hinwegzieht, und ihn fröhlich zum Herzen Gottes den Lauf nehmen lässt.“
Diese Botschaft enthält etliche Lehren.
Die erste, die ich hervorheben möchte ist diese: Das Heiligste Herz Jesu enthält alles was tugendhaft und gut ist im Universum; es enthält es nicht nur sondern es entspringt aus ihm, als seine Quelle.
Was bedeutet diese Behauptung? Sie ist so poetisch, dass man zunächst meint, sie hätte keinen definierbaren Sinn. Wir sind nämlich an soviel leere Poesie gewohnt, dass wir davon ausgehen, dass alles was poetisch ist, keinen Sinn hat.
Doch es ist hier drinnen ein sehr tiefer Sinn, und der ist folgender: Wir sollen Unseren Herrn Jesus Christus als Gott-Mensch betrachten; in Ihm den Menschen und Gott unterscheiden. Wenn wir Ihn als Gott wahrnehmen, ist es klar, dass die vorhandenen Schönheiten und die Herrlichkeiten des Universums von Ihm ausgegangen sind, denn Er ist der Schöpfer und alles wurde nach Seinem Bild und Ähnlichkeit, zu Seinem Ruhm erschaffen. So ist alles Gute und Lobenswerte in der Schöpfung unter allen Umständen ein Abbild Gottes, es ist Gott ähnlich.
Wenn wir Unseren Herrn Jesus Christus als Mensch betrachten, wird das Verständnis dieser beschriebenen Tatsache etwas schwieriger, so dass es angebracht ist, es ein wenig ausführlicher zu erklären.
Jesus als Mensch ist wahrhaftig Mensch. Er hat einen menschlichen Körper und eine menschliche Seele. Zugleich ist Er intim verbunden mit der zweiten Person der göttlichen Dreifaltigkeit. Das bedeutet, es gibt in Jesus nur eine Person mit zwei Naturen.
In seiner menschlichen Natur ist Jesus der königliche Herrscher der Schöpfung in dem Sinn, da Er Mensch ist, ist er der vollkommenste Mensch, den es je gegeben hat und geben wird, und das nicht nur im moralischen Sinn, sondern auch als menschlicher Typus, Er ist das Urbild des Menschen.
Dem menschlichen Geschlecht ist es nicht gegeben, eine Person hervorzubringen, die Unserem Herrn gleichen könnte. Er ist der Gipfel des Menschengeschlechts in seinem Verstand, da Er alle möglichen Formen und Stufen des Verstandes besitzt, die der Geist des Menschen besitzen kann. Er Besitzt die vortrefflichsten Eigenschaften, die der menschliche Wille in der Lage ist zu besitzen. Er besitzt alle möglichen Formen und Arten des menschlichen Gefühles. Sei ehrwürdiger Körper besitzt alle Wahrnehmungsfähigkeiten, mit denen ein menschlicher Körper ausgestattet werden kann. Sein Antlitz hat alle Vollkommenheiten, die ein menschliches Antlitz nur haben kann. Sein Blick hat alle Schönheiten, die ein menschlicher Blick nur haben kann. Er ist wahrhaftig der Gipfel der sichtbaren Schöpfung, weil der Mensch der Höhepunkt der Schöpfung ist und Er als vollendeter Mensch über der Menschheit steht. Da Er der wahrhaftige Monarch der Menschheit ist, ist Er der wahre Monarch der Schöpfung. Die ganze Schöpfung spiegelt die Vortrefflichkeiten des Menschen wider, aber vor allem des Menschen schlechthin, Jesus Christus in seiner Menschlichkeit.
Ein Beispiel zum besseren Verständnis: Wir sagen, zum Beispiel, eine Person hat einen Verstand, der dem Flug eines Adlers gleicht. In Wahrheit ist es aber umgekehrt: Der Flug des Adlers gleicht den Bewegungen des Verstands des Menschen. Das ist kein Wortspiel. Denn wenn eine Ähnlichkeit zwischen etwas Größerem und etwas Kleinerem besteht, ist der Kleinere in der Tat dem Größeren ähnlich und nicht der Größere dem Kleineren.
Nehmen wir, zum Beispiel, die Königin von England und eine Schneiderin, die der Königin sehr ähnlich sieht. Wir werden niemals sagen, die Königin und die Schneiderin sind sich sehr ähnlich, aber schon, die Schneiderin sieht der Königin ähnlich. Das Kleine sieht dem Großen ähnlich und nicht umgekehrt.
Wenn also die ganze Schöpfung Ähnlichkeiten mit den guten Eigenschaften des Menschen aufweist oder auch mit seinen Fehlern – denn auch das hat Gott so eingerichtet –, so ist es auch wahr, dass alles Schöne der Schöpfung Unserem Herrn Jesus Christus ähnlich ist. In Seiner Menschlichkeit konzentrieren sich in einem unvorstellbaren hohen Grad alle Schönheiten der Schöpfung.
Im obigen angeführten Text wird gesagt, dass alles, was tugendhaft und gut ist, aus Ihm hervorgeht. Doch Christus wurde als Mensch geschaffen, als diese Tugenden und Schönheiten schon existierten. Wie können sie also aus Ihm hervorgehen?
Dies hat einen genauen Sinn: Alle minderen Dinge wurden erschaffen, um die Höheren hervorzuheben. Das Höhere ist die Endursache des Niederen. So sagt man, dass die Pflanzen zum Nutzen der Tiere erschaffen wurden und nicht die Tiere zum Nutzen der Pflanzen. Das Tier ist also nicht die Ursache der Pflanze, sondern die Pflanze ist zum Zweck der Nahrung des Tieres erschaffen worden. Die Philosophie nennt das die Endursache.
Unser Herr Jesus Christus ist als Mensch die Endursache der ganzen Schöpfung, das heißt, alles wurde erschaffen zum Dienste und Nutzen dieses vollkommenen Menschen, den Gott erschaffen würde. So geht sozusagen alles von Ihm aus, selbst das, was vor Ihm da war.
Das hilft uns die fast unendliche Weite und Breite der Vollkommenheiten Unseres Herrn zu verstehen. Wenn wir also groß und vollkommen sein wollen, können wir das nur erreichen indem wir Jesus in allem nachahmen. Es gibt keinen anderen Weg. Er hat ja gesagt: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!“
Das war eine kleine philosophische Betrachtung über die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu, bzw. seiner heiligsten Menschheit, in hypostatischer Union mit der zweiten Person der göttlichen Dreifaltigkeit. Es war keine gewöhnliche Betrachtung einer Gefühlsfrömmigkeit, die sich damit begnügt, süßliche Gefühle in Bewegung zu setzen und Tränen der Rührung zu vergießen. Unsere Frömmigkeit muss auf Vernunft und Verstand ruhen, um die Tiefen der göttlichen Geheimnisse zu erforschen, zu finden und zu lieben und dann die praktischen Konsequenzen ziehen. Nur das ist gottgefällig.

(Vortrag am 22. Mai 1969)


Dienstag, 10. Juni 2014

Die Homosexuelle Revolution

Wenn die revolutionäre Bewegung zugunsten der Homosexualität so weit kommt, eine ausreichende Zahl an Anhängern zu haben, um wirkliches Gewicht auf die öffentliche Meinung zu erlangen; wenn die Masse jener über ein bestimmtes Maß anwachsen wird, die sich zwar nicht an die Seite der Homosexuellen stellen, aber nicht über die Begünstigung der Homosexualität empören, und aufgrund von liberalen Vorurteilen nicht wollen, daß diese unterdrückt wird, könnten die Promotoren der homosexuellen Revolution versuchen, den Papst Schach Matt zu setzen, indem sie sagen:
„Der Block aus Homosexuellen und Toleranten hat inzwischen in den USA eine Stärke gewonnen: Hätten Sie, Heiliger Vater, den Mut, die Homosexualität zu verurteilen, wohl wissend, daß dieser Block Ihnen nicht folgen und sich daher von der Kirche lösen könnte? Wie viele würden in diesem Fall treu bleiben? Und zudem, Heiliger Vater, wissen Sie, daß es inzwischen organisierte homosexuelle Bewegungen auf der ganzen Welt gibt und daß die Zahl der Toleranten überall wächst. Was wären die Auswirkungen dieses Schismas auf die Katholiken in anderen Ländern?”

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Montag, 9. Juni 2014

Tränen, wunderbare Mahnung!

 
Am 21. Juli 1972 veröffentlichte die „Folha de São Paulo“ ein Foto aus New Orleans, auf der eine Statue Unserer Lieben Frau von Fatima Tränen vergoss. Das dokumentarische Foto erweckte lebhaftes Interesse in der Öffentlichkeit von São Paulo. Deshalb nehme ich an, dass einige Informationen und berechtigte Fragen zu diesem Thema, die sich viele Menschen wahrscheinlich stellen, nützlich sein werden.
Ich kenne keine bessere Quelle für dieses Anliegen als einen Artikel, der den typisch amerikanischen Titel trägt: „Die Tränen benetzten meinen Finger“. Der Autor ist P. Elmo Romagosa. Sein Artikel erschien am 20. Juli 1972 im „Clarion Herald“, einer Wochenzeitung aus New Orleans, die in elf Pfarreien des Staates Louisiana vertrieben wird.
Die Vorgeschichte des Ereignisses ist allgemein bekannt. Im Jahr 1917 erlebten die portugiesischen Hirtenkinder Lucia, Jacinta und Francisco mehrere Erscheinungen Unserer Lieben Frau in Fatima. Die Authentizität dieser Erscheinungen wurde durch verschiedene übernatürliche Zeichen und ein Sonnenwunder bestätigt, das von einer großen Menschenmenge, die zugegen war, erlebt und bezeugt wurde, als die Jungfrau sich offenbarte...
Ohne in Einzelheiten einzugehen, sei hier kurz gesagt, dass Unsere Liebe Frau den Hirtenkindern den Auftrag gab, der Welt mitzuteilen, dass Sie über die Gewissenlosigkeit und Verderbtheit der Menschen sehr betrübt sei. Sollten sich diese nicht bessern, werde eine schreckliche Strafe über die Menschheit kommen, mehrere Nationen würden vernichtet werden. Russland werde überall seine Irrtümer verbreiten. Der Heilige Vater werde viel zu leiden haben.
Die Strafe würde nur dann abgewendet, wenn sich die Menschen bekehren, Russland und die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht würden und am ersten Samstag eines jeden Monats (mindestens fünf aufeinanderfolgende Monate) die Sühnekommunion gehalten würde.
Nun fragt man sich natürlich, ob die Menschen diesen Bitten nachgekommen sind.
Papst Pius XII. hat 1942 die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht. Schwester Lucia behauptet, dass diesem Akt gewisse von Unserer Lieben Frau geforderte Merkmale fehlten. Ich will hier nicht näher auf diese komplexe Frage eingehen, sondern lediglich festhalten, dass es für strittig gehalten wird, ob diese zweite Bitte der Mutter Gottes tatsächlich erfüllt wurde.
Was die erste Bitte, nämlich die Bekehrung der Menschheit angeht, liegt es auf der Hand, dass sie nicht erfüllt worden ist. Deshalb halte ich es für überflüssig, diese Tatsache im einzelnen darzulegen ...
Da Unsere Liebe Frau die Erfüllung Ihrer Bitten als Voraussetzung verlangt hat, um die von ihr angekündigten Strafen von der Menschheit abzuwenden, ergibt sich die logische Folge, dass der rächende und reinigende Zorn Gottes über die Menschheit kommen wird bevor wir die Bekehrung der Menschheit und die Errichtung des Reiches Mariens erleben werden.
Von den drei Seherkindern von Fatima lebt heute nur noch Lucia als Karmelitin in Coimbra. Unter ihrer Anleitung hat ein Künstler zwei Statuen aus Holz geschnitzt, die so gut wie möglich die Gesichtszüge Unserer Lieben Frau bei den Erscheinungen in Fatima wiedergeben sollen. Die beiden Pilgerstatuen sind von Priestern und Laien überallhin auf der Welt gebracht worden. Eine davon hat neulich auch New Orleans erreicht und dort Tränen vergossen.
P. Romagosa, der Verfasser des von mir erwähnten Berichts, hatte über P. Joseph Breault M.A.P., dem die Betreuung der Statue anvertraut war, von dem Tränenereignis erfahren; es widerstrebte ihm jedoch, das Wunder anzuerkennen. Er bat deshalb den anderen Priester, ihm Bescheid zu geben, wenn das Phänomen sich wiederholen würde.
Als nun P. Breault am 17. Juli in den Augen der Statue eine Feuchtigkeit bemerkte, rief er P. Romagosa an. Dieser kam um 21.30 Uhr mit Fotografen und Journalisten. Tatsächlich stellten sie in den Augen der Statue eine gewisse Feuchtigkeit fest und fotografierten das Ereignis. P. Romagosa fuhr schließlich mit dem Finger über die feuchte Oberfläche und fing einen Tropfen der Feuchtigkeit auf, der ebenfalls fotografiert wurde. Nach P. Breault war dies bereits das 13. Mal, dass er Tränen an der Statue sah.
Um 6.15 Uhr des folgenden Morgens rief P. Breault erneut bei P. Romagosa an, um ihm mitzuteilen, dass die Statue seit 4.00 Uhr morgens weine. Kurz darauf war P. Ramagosa zur Stelle und sah „eine große Menge Flüssigkeit in den Augen der Statue und einen großen Tropfen an der Nasenspitze derselben“. Es war dieser zierlich hängende Tropfen, den die von der Presse veröffentlichte Fotografie den Lesern zeigte.
P. Romagosa fügt hinzu, dass er „die Bewegung der Flüssigkeit“ beobachten konnte, „während sie langsam aus dem unteren Augenlid hervortrat“.
Er wollte jedoch alle Zweifel beseitigen. Da er gesehen hatte, dass die Statue eine Krone auf dem Haupt trug, die durch einen Metallstift im Kopf der Statue befestigt war, kam ihm der Gedanke, dass in die Öffnung, in der der Stift steckte, vielleicht eine gewisse Flüssigkeitsmenge eingeführt worden sein könnte, die dann zu den Augen gelaufen wäre.
Als die Tränen aufgehört hatten zu fließen, nahm P. Romagosa die Krone vom Haupt der Statue: Der metallene Stift war vollkommen trocken. Dann führte er in die Öffnung einen Draht ein, der mit einem Spezialpapier umgeben war, das unbedingt jede Flüssigkeit aufgesogen hätte, die sich dort etwa befunden hätte. Das Papier kam jedoch völlig trocken heraus.
Noch nicht zufrieden mit diesem Versuch, schüttete er nun eine gewisse Menge Flüssigkeit in die Öffnung, doch die Augen blieben völlig trocken. P. Romagosa  drehte nun die Statue Kopfüber, und die ganze in die Öffnung geschüttete Flüssigkeit lief normal wieder heraus. Damit war bewiesen, dass von der Öffnung am Kopf, übrigens der einzigen an der Statue, keine Flüssigkeitsführung zu den Augen möglich war.
Da kniete P. Romagosa nieder, denn jetzt glaubte auch er.
*    *    *
Die geheimnisvollen Tränen zeigen uns eine über die heutige Welt weinende Jungfrau von Fatima, wie einst unser Herr Jesus Christus über Jerusalem geweint hat. Es sind Tränen liebevollster Zuneigung, Tränen tiefsten Schmerzes in Voraussicht der kommenden Strafe.
Und sie wird noch über die Menschen des 20. Jahrhunderts hereinbrechen, wenn sie nicht von Gewissenlosigkeit und Verderbtheit Abstand nehmen. Vor allem, wenn sie nicht gegen die Selbstzerstörung der Kirche angehen, gegen diesen Rauch Satans, der nach den Worten Papst Pauls VI. in den heiligen Raum eingedrungen ist.
Noch ist es also Zeit, die Strafe abzuwenden, lieber Leser, liebe Leserin.
Mancher wird nun sagen, dass dies aber keine, zu einem geruhsamen Sonntag passende Betrachtung sei. Aber, ist es nicht vorzuziehen, frage ich meinerseits, heute diesen Artikel über die sanfte Offenbarung der prophetischen Traurigkeit unserer Mutter zu lesen, als die Tage tragischer Bitternis zu  ertragen, die über uns kommen werden, wenn wir uns nicht bessern?
Wenn diese Tage kommen, bin ich sicher, dass es  wenigstens ein besonderes Erbarmen für jene Menschen geben wird, die in ihrem persönlichen Leben die wunderbare Warnung Mariens ernst genommen haben.
Damit meinen Leserinnen und Lesern diese Barmherzigkeit zuteil werden kann, biete ich ihnen diesen Artikel an.


Dieser Artikel von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira wurde am 6. August 1972 in der Tageszeitung „Folha de São Paulo“ veröffentlicht. Im September desselben Jahres wurde er auch in der brasilianischen Zeitschrift „Catolicismo“ Nr. 261, sowie in zahlreichen anderen brasilianischen und ausländischen Zeitungen wiedergegeben.

Samstag, 31. Mai 2014

Das Kostbare Blut Christi

Betrachtung über das Fest des kostbaren Blutes Christi

Plinio Corrêa de Oliveira

Ich muss gestehen, dass unter den Festen, mit denen man Unseren Herren Jesus Christus ehrt, vielleicht keines so sehr meinen Geist anspricht und mich so sehr oder so tief beeindruckt wie das Fest des kostbaren Blutes. Dieses Fest beeindruckt mich und ich habe eine sehr große persönliche Neigung zur Verehrung des kostbaren Blutes.
Der Grund dafür liegt im Folgenden: Wir sollten einmal klar erwägen, was das Blut ist und was vergossenes Blut bedeutet, um recht zu verstehen, was das Blutvergießen Christi für uns bedeutet.
Wir wissen alle, dass das Blut Teil unseres Körpers und damit Bestandteil unserer Person ist. Deshalb schulden wir dem Blute Christi alle Anbetung, die wir Christus selbst schulden.
Das Blut ist Teil unserer Person, es befindet sich in unserem Organismus als in seinem naturgegebenen Ort. Deshalb ist jeder Bluterguss, alles was das Fließen des Blutes aus unserem Organismus verursacht, etwas Verhängnisvolles. Es gibt zum Beispiel Krankheiten, die sich durch Blutverlust bemerkbar machen. Das  bedeutet, dass etwas im Organismus nicht in Ordnung ist, und uns ein heftiges Alarmzeichen sendet, um anzuzeigen, dass die Zustände im Organismus nicht Normal sind.
Vergossenes Blut weist nicht nur auf Krankheiten hin, sondern zeugt auch, durch den Gewaltzustand, dass es sich außerhalb des Körpers befindet, von Kampf und Verbrechen. Schwerlich wird man von vergossenem Blut sprechen können, ohne an das von Kain vergossene Blut Abels erinnert zu werden, das nach den Worten der Heiligen Schrift um Rache zu Gott emporschrie. Die Vorstellung von vergossenem Blut, von verbrecherisch vergossenem Blut, von auf dem Boden fließendem Blut, von eigentlich in einen Organismus gehörendem Blut, das aus diesem herausgerissen wurde und damit ein Wesen zutiefst verwundet hat, erscheint uns als etwas Ungerechtes, Gewaltsames, Frevelhaftes, als eine überaus heftige Störung der Ordnung, und schreit daher zu Gott nach einer Wiederherstellung der Ordnung. 
Wenn wir nun an das unendlich kostbare Blut Unseres Herrn Jesus Christus denken, an dieses im Leib Unserer Lieben Frau erzeugte Blut, an das Blut, das aus diesem Leib strömt, den es nie hätte verlassen dürfen, an dieses Blut, das wie alles im Leib Jesu in hypostatischer Union mit Gott verbunden war und das gewissermaßen als Symbol seiner ganzen Würde aus seinem heiligen Organismus heraustritt — etwa so wie der Wein, der aus der Traube quillt, den Saft dieser Traube und damit das, was sie an wertvollstem besitzt, darstellt — an dieses Blut, das das Blut Davids, das Blut der Jungfrau Maria, das Blut des Gottmenschen ist, und das nun im Verlauf einer ganzen Reihe unsagbarer, gottesmörderischer Gewaltanwendungen bei der Geißelung, bei der Dornenkrönung, beim Kreuztragen, bei Qualen aller Art, und — schlimmer noch — bei seiner Seelenqual, als er im Ölgarten den Todeskampf zu erleiden begann und aus seinem ganzen Körper Blut austrat, sich auf die Erde ergoss und damit von der himmelschreienden Schmach zeugte, die dem Gottmenschen angetan wurde; dann erkennen wir, wie weit die menschliche Bosheit gehen kann, wie groß das Geheimnis der Schlechtigkeit ist, wie weit die Duldsamkeit Gottes geht; es soll uns daran erinnern und verstehen lassen, was es mit der gefallenen menschlichen Natur auf sich hat, vor allem, wenn sie von der Sünde und dem Teufel geleitet wird, und wozu sie fähig ist, da sie vor nichts zurückscheut und sich bis zum schrecklichen Ende treiben lässt.
Gegenüber dem Bösen gilt es also, höchst misstrauisch zu sein. Darum die Mahnung: „Wachet und betet!“ Man muss sich stets misstrauisch verhalten, denn das Böse ist zu allem fähig; es kann die schlimmsten Schandtaten begehen, weshalb man bei ihm auf alles gefasst sein muss. Darum darf man ihm gegenüber auch alle vorbeugende Gewalt anwenden, die das Gesetz Gottes und der Menschen zulässt. Alles, was uns aber angesichts des Bösen einschläfert, was uns in einen dümmlichen Optimismus verfallen lässt, was uns den Widerstand auf später hinausschieben lässt, ist nichts anderes als ein wahres Verbrechen, denn sogar so weit vermochte das Böse zu gehen und hat damit bewiesen, dass es zu allem fähig ist. Das Böse strebt nach jeder Art von Bosheit und ist in der Lage, bis in die tiefsten Tiefen der Ordnung des Bösen vorzudringen.
Diese Art von Betrachtung passt nicht zu unserer gutmütigen, naiv friedfertigen Wesensart, denn diese möchte lieber paktieren und über Trennendes hinwegsehen. Doch angesichts des kostbaren Blutes müssen wir bedenken, wie weit die Revolution gehen kann. Die Revolution schreckt vor nichts zurück. Das Leiden Unseres Herrn war ja schließlich schon ein Ausdruck der Revolution und zwar der schlimmsten von allen, denn es war die Revolution, die sich gegen den Gottmenschen selbst erhoben hat. 
Angesichts dieses vergossenen Blutes gilt es, auch auf die Barmherzigkeit Gottes hinzuweisen, die dieses Blut in unerhörtem Ausmaß vergossen wissen wollte. Das ganze Blut, das sich im Leib Unseres Herrn Jesus Christus befand, wurde vergossen, ganz so als sollte damit gezeigt werden, dass dieses Blut rückhaltlos bis zum letzten Tropfen hingegeben wurde. So unermesslich groß war der Wunsch Unseres Herrn, uns von der Sünde zu erlösen, dass kein einziger Tropfen zurückblieb. Und dabei hätte ein einziger Tropfen seines Blutes ausgereicht uns zu erlösen. Er aber wollte sein ganzes Blut hingeben. Sogar der letzte Rest, der noch in seinem Herzen verblieben war, ist durch den Lanzenstoß des Longinus zusammen mit Wasser herausgelaufen. Um uns zu erlösen, wollte er, dass nichts von seinem Blute zurückbliebe.
Dieses Übermaß an Blut, dieses Übermaß an Leiden, diese völlige Hingabe seiner selbst bis zum Äußersten erinnert an das Wort des Herrn: „Eine größere Liebe hat niemand als der, der sein Leben für seine Freunde hingibt.“ Am Fest des kostbaren Blutes steht uns sein kostbares Blut mit dieser Aussage vor Augen: „Niemand kann besser unser aller Freund sein, als der, der sein Leben für uns hingibt.“
Doch er hat noch mehr für uns getan, denn er hat nicht nur sein Leben für uns hingegeben, sondern wollte den ganzen Tod der Schläge, den ganzen Tod der Angst, den ganzen Tod eines jeden Bluttropfens erleiden, der aus seinem heiligen Leib trat. Deshalb war jeder Tropfen, der auf die Erde fiel, ein kleiner Tod, denn es ist ein Tropfen des Lebens, das entweicht. Er wollte all diese kleinen Tode durchmachen, um zu zeigen, bis zu welchem unendlichen Punkt seine Freundschaft zu uns reicht.
Darauf ist unser Vertrauen in seine Barmherzigkeit zurückzuführen. Wenn ihm so viel daran lag, uns zu erlösen, müssen wir auch einsehen, dass wir den Vater vertrauensvoll um Vergebung bitten dürfen, denn Christus hat uns ja mit diesem seinem Blut bedeckt und indem wir uns auf sein Blut berufen, können wir mit Vertrauen vor den ewigen Vater treten. Andererseits können wir uns aber auch ein Bild von dem schrecklichen Schicksal der Verdammten machen.
Um uns vor diesem ewigen Schicksal zu bewahren, hat sich der Herr so tief erniedrigt. Wie schrecklich muss das Böse gewesen sein, von dem er uns befreien wollte. So können wir an einem Tropfen des Blutes Unseres Herrn Jesus Christus ablesen, wie tief die Hölle sein muss.
Man kann sich auf dieses Thema nicht einlassen, ohne auch ein anderes anzusprechen. Denn jede Betrachtung über das Blut Christi erinnert einen notgedrungen an die Tränen Mariens, die zusammen mit dem Blute Jesu vergossen wurden. Nach dem Willen Unseres Herrn sollte Unsere Liebe Frau nicht einen einzigen Tropfen ihres Blutes vergießen. Denn, obwohl er alles mit sich selbst anstellen ließ, hat er doch nicht zugelassen, dass die Mächte des Bösen auch nur mit der Fingerspitze seine unbefleckte Mutter anrührten.
Sie hat also keine körperlichen Qualen zu erleiden brauchen und kein Blutstropfen von ihr ist der Menschheit zugute gekommen. Es hätte dies auch nicht die erlösende Kraft des unendlich kostbaren Blutes Christi, sondern wäre lediglich eine Art Ergänzung gewesen, denn die Erlösung sollte voll und ganz durch das Blut Unseres Herrn bewirkt werden. Und doch hat Unsere Liebe Frau eine Art Blut vergossen, nämlich ihre Tränen. Da man die Tränen als das Blut der Seele ansehen kann, und da wir wissen, dass Maria in ihrer Seele den ganzen Schmerz seines Todes erlitten hat, ist es uns unmöglich, an das Blut Christi zu denken, ohne gleichzeitig der Tränen Mariens zu gedenken, die sich mit seinem Blut vereinigt haben und die damit den ersten Tribut der Christenheit darstellten, mit dem Jesus sein Leiden durch das Leiden der Gläubigen ergänzt wissen wollte, damit die Seelen in großer Zahl das Heil fänden.
Schließlich gilt es auch, an die heilige Eucharistie zu denken. Das Blut Christi, das einst in den Straßen, auf den Plätzen, im Prätorium des Pontius Pilatus, auf dem Kalvarienberg vergossen wurde, ist ganz und gar in der heiligen Eucharistie zugegen. Und wie viele von uns werden das Blut Christi gestern, heute, morgen und an vielen anderen Tagen in sich aufgenommen haben! 
Wenn wir also den Leib und das Blut Unseres Herrn Jesus Christus empfangen, sollten wir uns daran erinnern, dass wir in uns dieses kostbare Blut, das für uns vergossen wurde, aufnehmen. In unserem Innern ist es wie das Blut Abels, das hier allerdings nicht nach Strafe für uns schreit, sondern Barmherzigkeit auf uns herabrufen soll. Daher sollen wir die Eucharistie voller Vertrauen und voller Freude empfangen, denn wir empfangen dabei ja das Blut Christi, das zum Himmel emporsteigt und dort für uns Fürbitte leistet.

Mittwoch, 21. Mai 2014

Jerusalem, Jerusalem!

Eine antiegalitäre Betrachtung des Universums zeigt uns, wie es wahrhaftig ein Königshof mit vielen unterschiedlichen Adeligen ist: einige sind adeliger, weil sie mehr Adel in ihrem Wesen haben und andere sind weniger adelig, weil sie weniger Adel in ihrem Wesen haben.
Jemand könnte mich bitten: „Aber geben Sie doch ein Beispiel“. Und ich gebe ein leichtes Beispiel: Der Pfau und die Henne.
Es gibt im Pfau einen offensichtlichen Adel: Im Rad, dass er aufschlägt, in der wunderbaren Schönheit seiner Federn, auch im schillernden blaugrünen Farbton seines Halses...
Im Pfau ist alles bewundernswert außer seinem Kopf, doch dieser bildet den kleinen und lebendigen Zentralpunkt, der dem Rest Bewegung und Leben gibt, soweit dies bei einem Wesen ohne Vernunft sein kann. Sein Gang ist der einer Königin. Seine Art ist adelig, ruhig, er fürchtet sich vor nichts; wenn er rennt, rennt er mit einer gewissen Würde; wenn er hält, ist er nicht atemlos.

Nun, die Henne ist eine Misere durch das Fehlen von Adel.
Lächerlich ist ihr Rennen, lächerlich ist ihr Gackern, sie rennt hysterisch; die abscheulichen Würmer, die sie auf dem Boden findet, werden mit Fresssucht geschluckt, ihre Freude ist die eines Vielfraßes.
Die Henne hat nur eine adelige Seite: es ist die Mutterliebe, mit der sie, selbst unter Lebensgefahr, jedes ihrer Küchlein verteidigt. Unter diesem Aspekt hat sich selbst der Erlöser mit der Henne verglichen, als Er sagte: „Jerusalem, Jerusalem, das du die Propheten tötest und die steinigst, die zu dir gesandt sind; wie oft wollte ich deine Kinder sammeln, wie die Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel sammelt, und ihr habt nicht gewollt“ (Lk 13,34).
Es ist richtig, dass der Pfau und die Henne irrationale Wesen sind. Deshalb besitzen sie keinen Adel im wirklichen Sinne des Wortes, im bildlichen Sinne aber doch.


Aus CATOLICISMO, August 1995

Die deutsche Fassung erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com ohne Revision des Autors

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Mittwoch, 13. November 2013

Die Abhandlung von der wahren Andacht zu Maria vom hl. Ludwig Maria Grignon von Montfort - VI. Teil



WESEN DER VOLLKOMMENEN ANDACHT ZUR HEILIGSTEN JUNGRAU
ODER
DIE VOLLKOMMENE WEIHE AN JESUS CHRISTUS

In diesem Kapitel erklärt der hl. Ludwig in was die vollkommene Andacht zu Maria  besteht. Bevor wir dies kommentieren, ist es angebracht einige Begriffe in Erinnerung zu rufen.


Der bedingungslose Sinn jeder wahren Andacht


Gewisse Taten bittet uns Gott sie zu vollbringen. Andere aber befiehlt er uns sie zu tun. So, z.B., befiehlt er uns die zehn Gebote zu befolgen. Doch die Praxis einiger Tugenden ist nicht dem Gehorsam oder der Pflicht unterworfen, sondern nur dem Rat oder dem Vorschlag. Er bittet lediglich darum, das wir sie praktizieren. Unsere vollkommene Weihe der Muttergottes oder an Gott – was ja dasselbe ist, denn die Weihe an sie wird ja nur vollzogen damit wir und ihm vollständiger weihen – bedeutet eine vollständige Hingabe unserer selbst. Sie beinhaltet also die Bereitschaft, in allen Dingen nicht nur das zu tun, was uns befohlen wird, sondern auch das, was nur empfohlen wird.

Sich weihen bedeutet sich hingeben, das ist alles. Der, der sich geweiht hat, behält nichts für sich zurück. Wenn er etwas für beansprucht, hat er sich nicht oder nur teilweise, unvollständig geweiht.

Wenn der hl. L von Weihe der Muttergottes spricht, versteht er nicht nur, dass wir alles geben sollen, was unser ist, sondern auch, allem zu ihren Gunsten und in ihren Händen entsagen, selbst das, was uns aufgetragen wurde nicht zu entsagen. Es geht nicht darum nur das zu opfern, was wir durch die Zehn Gebote verpflichtet sind, sondern allem zu entsagen, was einem Menschen möglich ist.

Der hl. L zeigt in dieser Weihemethode alles auf, was der Mensch der Muttergottes zur Verfügung stellen kann und empfiehlt es zu tun. Dies ist sehr wichtig für die vollkommene Andacht, denn es bedeutet sich ganz hingeben. Was nutzt es, wenn jemand einen Brief beendet mit "Dein ergebener Freund" und wir ihm später um einen Gefallen bitten, den er uns verweigert? Da geht es nur um eine reine Formel. Die Andacht bedeutet eine vollkommene Hingabe, eine totale Weihe.

Die wahre Andacht zur Muttergottes besteht nicht aus intensiven nervösen Schwingungen vor einem Bild, sondern einer ernsthaften, tiefen, dauerhaften und folgerichtigen Übergabe unsererselbst und alles was wir sind und haben in ihre Hände. (121 bis 126)

Hier tauchen zwei Probleme auf:

a) wie wird diese Hingabe vollzogen?

b) warum wird sie der Muttergottes gemacht und nicht direkt zu Jesus?

Im 4. Kapitel erklärt der hl. L auf welche Weise diese Hingabe vollführt wird: "Um Maria ganz geweiht zu sein, müssen wir ihr schenken: 1. unseren Leib mit allen seinen Sinne und Gliedern; 2. Unsere Seelen mit allen ihren Fähigkeiten; 3. unser Hab und Gut – was wir Vermögen nennen -, das gegenwärtige und das zukünftige; 4. unsere inneren und geistlichen Güter, nämlich unsere Verdienste, unsere Tugenden und unsere guten Werke in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Mit einem Wort: Alles, was wir in der Ordnung der Natur und der Gnade besitzen und besitzen werden, schenken wir Maria" (121)


Die Folgen der Weihe


Um zu verstehen, was dieser Schritt, den wir mit dieser Hingabe tun, bedeutet, und was der hl. L unter "Weihe" versteht, wollen wir sie in ihren Folgen analysieren.

"Unseren Leib mit allen seinen Sinnen und Gliedern" – Wenn wir der Muttergottes unseren Leib mit allen seinen Sinnen und Gliedern schenken, ist das erste, was wir in diesem Leib tun müssen, ihren Willen durchzuführen. Wir begreifen also sofort, dass wir unseren Leib nicht als ein Werkzeug der Sünde gebrauchen können.

Was man also als erstes von dem, der sich der Muttergottes weiht, bezüglich des Leibes verlangt, ist natürlich die Reinheit. Es wird überhaupt keinen Sinn haben, wenn wir sagen, unser Leib gehört ihr, wir aber gerade das Gegenteil tun, von dem, was sie von uns will. Es wäre, als wenn wir jemanden eine Münze geben und sie dann wieder abnehmen, um etwas für unseren eigenen Gebrauch zu kaufen. Das ist Diebstahl an dem, den wir beschenkt haben.

Das reicht jedoch nicht. Um unseren Leib ganz der Muttergottes zu schenken, müssen wir ihn so behandeln, wie sie es will. Das heißt, wir müssen ihn ganz in ihren Dienst stellen; ihn würdig behandeln und gebrauchen, als etwas, was wir ihr schon geschenkt haben, und unter ihrer besonderen Macht steht.
Außerdem, wer sich Maria mit dieser Weihe geschenkt hat, muss von gewissen Haltungen und Benehmen Abstand nehmen, die einem würdigen Gebrauch des eigenen Leibes widersprechen. Zum Beispiel, die Art sich zu präsentieren. Wir wissen, dass unser Leib die Folgen der Erbsünde in und an sich trägt. Das muss uns in uns das entsprechende Schamgefühl hervorrufen. Wir dürfen also nicht unseren Leib im nackten oder halbnackten Zustand zur Schau stellen. Es sind Haltungen, die nicht dem Respekt, dem wir uns selber entgegenbringen sollen und der Würde eines Leibes entsprechen, der der Muttergottes geschenkt wurde.
Wenn wir also unseren Leib Maria geschenkt haben, so muss er auch ein Werkzeug sein, das für sie im Sinne des Apostolats eingesetzt wird. Er muss bereit sein alle Erschöpfungen auf sich zu nehmen, die Gefahr von Krankheiten angesteckt zu werden, durch Geißelung zerrissen zu werden, wenn es notwendig ist. Er muss bereit sei alles notwendige anzunehmen, damit Maria gedient wird. Das ist in Wahrheit die Bedeutung, unseren Leib Maria zu schenken.
Mehr noch: Wenn wir in unsere Art uns zu kleiden, mehr oder weniger revolutionäre Kleidung tragen können, so müssen wir die tragen, die am nächsten übereinstimmt mit den Leitlinien der GR. Da unser Leib Maria gehört, würdigen wir sie, indem wir uns angemessen kleiden.
Dies sind folgerichtige Handlungsweisen der vollkommenen Hingabe der Königin der GR.

Im Lichte dieser Auffassung kann man die Größe und die Würde aller Opfer- und Heldentaten gut verstehen. Man versteht, was ein Kämpfer ist, der in den Kampf zieht mit der Bereitschaft zu sterben, weil der Körper, den er verliert, das Blut, das er vergießt, gehören ihm nicht mehr, da sie ja der Mutter Gottes in einem mutigen Weiheakt und einer großherzigen Hingabe übertragen wurden.
Dies ist die Art, auf der wir die vollkommene Weihe leben sollen: Bereit unser eigenes Leben zu entsagen, wenn es der Gottesmutter gefällt.
Die vollkommene Weihe unseres Leibes geht noch weiter. Wir müssen bereit sein, wenn es Maria so will, die Hässlichkeit der Schönheit vorzuziehen, die Krankheit der Gesundheit, die Verstümmelung der Unversehrtheit und sogar anzunehmen, dass Krankheit uns heimsucht, um für die katholische Kirche zu sühnen. Es ist klar, dass wir keine unklugen Opfer bringen sollen. Aber wir sollten diese seelische Bereitschaft schon hervorbringen. Unser Leib soll der hl. Jungfrau zur Verfügung stehen, und unsere Worte ihr gegenüber sollten die gleichen sein, die sie bei der Verkündigung sprach: "Ecce ancilla Domini, fiat mihi secundum verbum tuum" (Lc., I, 38). "Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort". Jedem von uns geschehe nach dem Wort Gottes. Was sie von uns will, sei von sofort an geopfert, von sofort an angenommen, in dem Maße der Kräfte, die sie uns dafür bereitstellt. Unser Leib wurde ihr geschenkt, ihr übergeben.

Wenn wir diese Weihe in dieser Tiefe leben, wird sie natürlich äußerst ernst und erhaben werden. Die Andacht des hl. Grignion ist an sich sehr ernst und erhaben. Niemand sollte seine Methode übernehmen, ohne über alle Konsequenzen, die sie mit sich bringt, nachzudenken. Und sie ist äußerst erhaben weil sie äußerst ernst ist. Was nicht sehr ernst ist, ist auch nicht bewundernswert.

"Unsere Seele mit allen ihren Fähigkeiten" – Zunächst muss gesagt werden, dass der Muttergottes unsere Seele schenken, bedeutet sie dem katholischen Glauben zu schenken. Unsere Seele wird in dem Maße Maria gehören, wie sie der Kirche und dem Papst gehört.


Doch das reicht nicht. Um Maria zu gehören, muss unsere Seele dieses innere Gleichgewicht besitzen, das den ihr wahrhaft geweihten Seelen eigen ist. Wir müssen immer daran denken, dass all das, was außerhalb der natürlichen Ordnung, Sünde ist, und alles, was mit ihre übereinstimmt, Tugend ist.

Also ist jeder Vorgang in unserer Intelligenz und jeder Willenskat oder Regung des Gefühls, die im Widerspruch zur natürlichen Ordnung stehen, eine Unvollkommenheit. Wir werden nur dann wahrhaftig Eigentum der Muttergottes sein, wenn in unserer Seele zwischen Intelligenz, Wille und Gefühl dieses wahre Gleichgewicht der wirklich tugendhaften Seelen herrscht.

"Unser Hab und Gut – was wir vermögen nennen – das gegenwärtige und das zukünftige" – Hier muss man unter Vermögen auch alles das mit einbeziehen, was es mit sich bringt: gesellschaftliches Ansehen, Beziehungen, Einflüsse, kurz, alle Vorteile dieser Welt.

Es ist nicht leicht, bei dieser Weihe des Vermögens an Maria die letzten Konsequenzen zu ziehen. Nichts ist betrügerischer und gefährlicher wie eine gewisse "Spendermentalität". Unsere Schwächen kommen mehr zum Vorschein wenn wir geben, als wenn wir empfangen. Bekommen ist einfach, Geben ist schwierig.

Haben wir Geld und weihen uns nach dem Sinn des hl. L der Muttergottes, müssen wir bedenken, dass es, soweit es unsere Standespflichten erlauben, Maria gehört. Jedesmal also wenn wir unser Geld für einen Guten Zweck des Apostolats ausgeben, tun wir, was wir versprochen haben und machen kein Geschenk. Dieses haben wir schon ein für allemal getan, wir lösen hier nur ein Versprechen ein.

Die "Mentalität des Spender" sagt das Gegenteil: "Dies ist von nun an dein. Doch merke: wäge das Geschenk ab, sei dankbar, beuge dich; wenn du das anrührst, denke daran, wie ich gütig bin; erwähne das ab und zu, mach einen kleine Hinweis, um mich zu trösten, denn, sollte ich dies nicht vernehmen, bin ich nicht geneigt, weiteres zu geben". Es gibt nichts schockierenderes! Es ist das Elend der "Spendergesinnung".

Vielmals sehen wir das bei Spendern einer Pfarrei. Wenn der Pfarrer nicht aufgeht in Dankeserweisen, den Spender nicht an seinem Geburtstag gratuliert, ihm nicht Festtagsgrüße schickt und ihm nicht zu fühlen gibt, dass er äußerst mildtätig gegen Gott ist – der eine Art Bettler ist, der ihm viel schuldet -, werden keine weiteren Wohltaten folgen.

So dürfen wir nicht sein gegenüber den Anliegen der Kirche. Noch viel weniger gegenüber der Wahrheit, die der Kern der Kirch ist. Wir müssen betrachten, wenn wir diese Weihe vollzogen haben, dass, was wir gegeben haben, uns nicht mehr gehört. Und wenn wir uns selbst mittels dieser Weihe Maria geschenkt haben, um so mehr übergaben wir ihr, was unser Eigen ist. Es wäre absurd zu sagen: "Mein Gott, meine Finger sind dein, die Ringe aber sind mein." Es ist also ein Entsagen, eine Weihe, die Übergabe des eigenen Sein mit all seinen Konsequenzen, die diese Schenkung enthält.

Unsere inneren und geistlichen Güter, nämlich unsere Verdienste, unsere Tugenden und unsere guten Werke – Dieser Verzicht ist unter Umständen noch schwieriger. Zunächst müssen wir bereit sein, das innere Gut unserer eigenen Seele zu veräußern, welches eines der wertvollsten inneren Güter ist. So wie es Augenblicke gibt, in denen wir das Leben unseres Körpers wohl empfinden, so empfinden wir auch manchmal die Regungen unserer Seele als angenehm. Wir müssen bereit sein, auf aller inneren Wonne und selbst auf geistliche Tröstungen zu verzichten, wenn es zum größeren Vorteil der Kirche und Bereicherung ihres kostbaren Schatzes ist.

Der hl. L empfiehlt uns, wir sollen sogar zu noch etwas höherem bereit sein. Nach der katholischen Lehre geschieht die Wiedergutmachung unserer Sünden, durch Anordnung der Vorsehung Gottes, teils in diesem Leben teils im Fegefeuer in Teilen, die nur Gott wirklich kennt. Doch eines wissen wir: für die Sünden, die wir begangen haben, wenn wir sie auch bereut haben und sie uns vergeben wurden, werden wir Sühne leisten müssen. Gott nimmt aber auch unsere guten Werke in Betracht, um einen Teil der verdienten Strafen zu entlassen.

Trotz gegenteiliger Meinung von liberalen Katholiken, sind diese Strafen im Allgemeinen furchtbar. Schon die Lasten dieses Lebens, der Verlust des Vermögens, die Schwierigkeiten in der Familie, Unglück, Unannehmlichkeiten jeder Art können Sühneleiden sein, für das vollbrachte Übel.

Im Fegefeuer ist das Leiden wegen unserer Sünden jedoch viel schlimmer. Die Kirchenlehre über das Fegefeuer ist etwas ganz anderes von dem, was wir gewohnt sind zu hören. Das Fegefeuer ist furchtbar. Es ist nicht ein frommer Streich Gottes auf dem Weg der Seele in den Himmel, wo es ein bisschen brennt und aus dem man halbwegs unverletzt herauskommt, so als wäre es nur ein wenig wärmer als ein normales Bad.

Heutzutage wird sogar angenommen, das Fegefeuer sei eher etwas symbolisches, ein Ort in dem die Seele sich missmutig langweilt, weil sie nicht in den Himmel darf, so wie jemand der schon lange auf einen Bus wartet. Da vergehen manchmal einige Jahre bis er kommt, aber die Verbrennung sind nicht schlimmer als ein Sonnenbrand.
Dies ist nicht, was die katholische Kirche lehrt. Wir wissen, dass es im Fegefeuer brennt und dass tatsächlich das Leiden dort furchtbar ist. Doch Gott in seiner Güte mindert im Allgemeinen die Leiden in dieser Welt und in der anderen.

Der hl. Ludwig empfiehlt uns, einen Akt zu vollbringen, der der feinste Faden der Hingabe ist, wo sie am herzzerreißendsten ist; einen Akt mit dem wir den Verdiensten unserer guten Werke entsagen. So setzen wir uns aus, die Strafen zu bekommen. Die wir für unsere Sünden verdienen. Wenn wir uns vornehmen eine Gewissenserforschung zu machen, werden wir sehen, wie viel Strafen uns bereit stehen. Nun, mit dieser Weihe geben wir unser Einverständnis, Maria möge unsere Verdienste gemäß der größeren Ehre, Intentionen und Interessen der Kirche anwenden. Wir verzichten sogar auf das, was unsere guten Taten an Sühnewert für uns selber und an Verdiensten vor den Augen Gottes haben könnten.

Dem, was wir nicht entsagen

Es gibt jedoch etwas, auf das wir nicht verzichten können: Es ist der Grad der Glorie, der uns im Himmel bereitsteht als Lohn für unsere Taten. Wir können nicht zugunsten anderer auf den Grad der Verherrlichung verzichten, der uns bereitsteht. Da würde die Gerechtigkeit Gottes eingreifen. Doch außer dieser Vorherbestimmung, können wir auf alles Weitere verzichten.

Doch ist, auf jeden Fall dieser Verzicht etwas Furchtbares. Denn, z.B., wer diese Erwägungen mit andächtigem Geist liest, kann Verdienste erreichen, die ihm das Leben müheloser machen. Doch als Sklave der Muttergottes, nützen ihm diese Verdienste nichts. Nachdem er diese Lektüre beendet hat, kann er eine Strafe erleiden, zur Sühne für die Sünden, die er begangen hat, denn die Verdienste der Lektüre wurden nicht ihm selbst angerechnet, sonder jemanden anders, den er gar nicht kennt. Als Sklave Mariens, schenkt er ihr sogar dies.

Wir verstehen, dass eine Rückversicherung für die Werke der Frömmigkeit, Ablässe usw. sehr nützlich sein kann.
Dieses Sklavenopfertum ist in der Tat sehr hart. Der hl. L spricht jedoch weiter vorne über die Großzügigkeit Mariens. Er überträgt dazu ein Sprichwort bretonischer Bauern auf die Güte der Muttergottes: "por un oef Elle donne un boef" – für ein Ei gibt Sie ein Ochs. Wenn wir ihr also alles bis aufs äußerste geben, welcher Lohn steht uns da bereit? Er ist unermesslich, denn es ist sicher, dass Sie sich nie an Freigebigkeit übertreffen lässt. Und wenn unsere Freigebigkeit von der Größe eines Berges ist, wird Ihre die Größe des Universums haben, neben der unsere Freigebigkeit nur ein Sandkorn ist.

Es gibt also jeglichen Grund, dies Weihe zu vollziehen: Gründer der Liebe und Gründe der Hoffnung. Denken wir an die Opfer die Kain und Abel Gott dargebracht haben. Das Opfer des Abel war ehrlich und deshalb Gott wohlgefallen. Das des Kain, da er unehrlich war, hat Gott abgelehnt. Wir sollten, im Rahmen unserer menschlichen Schwächen diese Weihe vollziehen, uns aufopfernd wie das Opfer des gerechten Abel. Nicht auf der Art des Kain sollen wir es tun, nur zur unserer eigenen Zufriedenheit. Die Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit dieser Weihe erlauben es nicht, sie in diesem Sinne zu vollziehen.

Der hl. Ludwig erinnert noch daran, dass es gewisse Personen gibt, für die wir aus Standespflicht beten müssen. Es ist klar, dass Maria das will, und wir könne es in aller Ruhe tun, ohne zu fürchten in Konflikt mit dem Geist der Weihe zu treten. Wenn wir unsere Verdienste in den Meinungen anderer aufopfern wollen, können wir Maria bitten, sie in diese Richtung zu verwenden, denn auf das Recht zu Bitten haben wir ja nicht verzichtet. Es wäre, wie wenn jemand uns eine Bibliothek schenken, und sofort um die Ausleihung eines Buches bitten würde. Wir haben Ihr alle unsere Verdienste geschenkt, und bitten Ihr sogleich etwas davon. Wird Sie sich weigern unsere Bitte anzuhören?

Samstag, 21. September 2013

Katholischer Journalismus



Zur Einführung seines Kommentars über die am 15. Mai 1956 veröffentlichte Enzyklika „Haurietis aquas“ von Pius XII. beschreibt Prof. Plinio Corrêa de Oliveira wie die wahre Einstellung eines katholischen Redakteurs gegenüber den Relativismus eines Nichtglaubenden sein sollte.

Zum Anlass des hundertsten Jahrestages der Einsetzung des liturgischen Festes des Heiligen Herzen Jesu veröffentlichte Papst Pius XII. die Enzyklika „Haurietis aquas“ (15. Mai 1956), über den wahren Sinn, Wichtigkeit und Aktualität dieser Andacht. Im Laufe seines Pontifikates veröffentlichte dieser Papst unzählige Dokumente, die große Aufmerksamkeit verdienen. Doch wir können sagen, dass ohne Zweifel diese Enzyklika in der Geschichte seines Pontifikates eines der leuchtendsten und wichtigsten Zeichen sein wird.
Wenn wir auch jedes päpstliche Lehrdokument mit Respekt und Freude aufnehmen, so bringen wir heute eine ausführliche Zusammenfassung dieses hervorragenden Dokumentes mit einem besonderen Gefühl des Wohlgefallens. Denn das Thema der Enzyklika befindet sich im Kern aller Probleme, die wir teils implizit, teils explizit des öfteren behandelt haben.
Eine Beobachtung, die die Lektüre unserer Zeitung (Catolicismo) nahelegt, ist, dass sie äußerst bemüht ist in der genauen und vollständigen Beachtung aller Gebote der katholischen Doktrin, sowie eine uneingeschränkte und gewissenhafte Zustimmung jedem Lehrakt der Heiligen Kirche entgegenbringt. Diese ständige Sorge um eine tiefbeständige Treue und Genauigkeit scheint vielen unklug oder gar unsympathisch. Sie meinen, dass die Pflicht zu Mitleid und Erbarmen, der Geist der Milde und der Gnade gegenüber den Ungläubigen, denen es so schwer fällt – gerade in unseren Tagen – den wahren Glauben anzunehmen, und gegenüber den Gläubigen, deren Beharrlichkeit immer größere Kämpfe erfordert, den katholischen Journalisten zu einer äußerst versöhnlichen Haltung verleiten sollte.
Statt den Irrtum und das Böse zu geißeln, sollte er eher über beide schweigen. Statt die Fahne der Vollkommenheit auszubreiten und die Leser auf die hohen, schwer zu erklimmenden aber betörenden Gipfeln der hohen Ideale hinzuweisen, sollten sie nur das notwendige zu ihrem Heil lehren. Dies würde sie zu Predigern einer minimalistischen Korrektheit machen, die nichts anderes ist als billige Mittelmäßigkeit. Wer sich die Aufgabe eines katholischen Redakteurs so vorstellt, wird unsere Haltung als kompromisslos, intolerant und unverständlich ansehen.
Wir sind die ersten, die es einsehen, dass diese Einwände, wenn sie nicht stimmen, sie jedoch viel Wahrheit enthalten. Auf den ersten Blick sticht hervor, dass die katholische Lehre sehr schwer zu praktizieren ist. Die Kirche hat wiederholt gelehrt, dass kein Gläubiger aus eigenen Kräften dauerhaft die Gesamtheit der Gebote befolgen kann. Daher scheint es vernünftig zu sein, jede Vollkommenheit in der Befolgung der Gebote als übertrieben anzusehen.
In Wahrheit findet sich die Lösung des Problems in einer anderen Gedankenordnung. Wenn es wahr ist, dass das Unvermögen der menschlichen Natur die Befolgung der Gebote dermaßen erschwert, dann müssen wir auch die unendliche Barmherzigkeit Gottes in Betracht ziehen. Nicht um damit zu folgern, dass Gott es mit der Sünde nicht so genau nimmt, Er, der die unendliche Vollkommenheit ist. Die Barmherzigkeit Gottes kann nicht darin bestehen, dass Er uns in unserem Verderben hilflos darben lässt, sondern darin uns daraus herauszuholen. Angesichts der Blinden, Aussätzigen, Lahmen, die Er auf seinen Wegen begegnete, beschränkte Er sich nicht auf ein Lächeln und weiterzugehen. Nein, Er heilte sie. Angesichts unserer Sünden will seine Barmherzigkeit uns von diesen liebevoll befreien und uns auf seine Schulter tragen. Was wir von der Barmherzigkeit Gottes erwarten, sind die notwendigen Hilfen, die uns befähigen, das Gesetz der Moral zu erfüllen. Dazu haben wir die Gnade, die uns durch die unendlichen Verdienste Jesu Christi erreicht wurde. Die Gnade befähigt unseren Verstand zum Glaubensakt. Sie verleiht unserem Willen eine solche Kraft, dass es ihm möglich wird, die Gebote zu befolgen. Die große Gabe Gottes für die Menschen – wir sagen es noch einmal – besteht nicht in der Gleichgültigkeit gegenüber unseren Fehlern, sie nicht zu tadeln und teilnahmslos uns in sie versinken zu lassen. Die große Gabe ist, uns die übernatürlichen Mittel zu geben, um die Sünde zu meiden und die Heiligkeit zu erlangen. Daher auch die große Verantwortung derer, die diese unschätzbare Gabe ablehnen.
Das ausdruckvollste Symbol dieser barmherzigen Liebe Gottes, der Menge seiner Vergebungen und der Beharrlichkeit mit der Er ständig die Menschen zur Reue auffordert, die notwendigen Gnaden zu erbitten, für die Übung der Tugenden, um durch das Gebet alle notwendigen Mittel zu erlangen zur Änderung seines Charakters, ist das Heiligste Herz Jesu. Im Heiligsten Herz Jesu also erhält jede echte Kompromisslosigkeit gegenüber dem Bösen ihre Norm und Erklärung. Für einen katholischen Journalisten besteht die Güte nicht darin, den Sünder im Glauben zu belassen, dass sein Seelenzustand zufriedenstellend ist. Dem Sünder muss das ganze Grauen seiner Bosheit klargemacht werden, damit er sich von ihr absagt. Er muss auf die Gipfel der Vollkommenheit hingewiesen werden, damit er sie zu erreichen wünscht. Denn alles ist ihm möglich, wenn er beharrlich um die Gnade Gottes bittet und mit dieser kooperiert. Auf diese tiefe und freudige Überzeugung, dass der Mensch mit der Gnade alles vermag, begründet sich die heilige Tugend der christlichen Kompromisslosigkeit. Jeder Akt der Barmherzigkeit ist eine große Gabe, beinhaltet aber auch eine große Verantwortung. Da der Mensch durch Gebet und durch die Treue zur Tugend die Gebote praktizieren kann und soll, gibt es offensichtlich für ihn keine Entschuldigung, wenn er in der Sünde verharrt. Pius XII. zeigt wie die Gnaden im Übermaß aus dem süßesten Herzen Jesu strömen. Gerade deshalb besteht die Formel für ein erfolgreiches Apostolat nicht im Verschweigen der im Menschen innewohnenden Bosheit, sondern in der Aufforderung sich an der göttlichen Quelle rein zu waschen, aus der die Ströme der Gnade entspringen. Dies ist die Aufgabe des katholischen Journalismus.
Nach der Veröffentlichung dieses monumentalen Dokumentes, das die Christenheit dem Heiligen Vater schuldig bleibt, fühlen sich unsere Herzen von dem aufmunternden Wunsch entbrannt, es möge mit der gleichen Tiefgründigkeit, mit der gleichen obersten Autorität, mit der ebenso tiefen Frömmigkeit dieser Enzyklika ein Dokument entstehen über den Kult zum Unbefleckten Herzen Mariens. Dies wäre eine harmonische und vollkommene Ergänzung des Briefes „Haurietis aquas“. 

(Aus „CATOLICISMO“ Nr. 68 - August 1956 - freie Übersetzung aus dem Portugiesischen)