Montag, 22. Juni 2015

Philosophisches Selbstbildnis I

Professor Plinio Corrêa de Oliveira


Als ich noch sehr jung war,
betrachtete ich hingerissen die Ruinen der Christenheit.
An sie hängte ich mein Herz.
Dem Künftigen kehrte ich den Rücken zu
und machte aus jener segensreichen Vergangenheit
meine Zukunft.
Mariä Himmelfahrt
-1981-

   Auf Bitten von P. Stanislas Ladusans SJ, der 1976 ein Lexikon des brasilianischen philosophischen Denkens vorbereitete, schrieb Professor Plinio Corrêa de Oliveira damals die erste Fassung seines philosophischen Selbstbildnisses. 1989 bat ihn P. Stanislas dann noch einmal, den Text zu aktualisieren. Als Prof. Oliveira schließlich gegen Ende 1994 dazu kam, dem Text die endgültige Fassung zu geben, war P. Stanislas gerade gestorben, und so blieb die Schrift unveröffentlicht.
Inzwischen sind acht Jahre vergangen, seit unser unvergesslicher Gründer am 3. Oktober 1995 das Zeitliche gesegnet hat. Aus Anlaß des 100jährigen Geburtstages von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira nehmen wir die Gelegenheit wahr, diese bisher unveröffentlichte Schrift der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, die die tiefe Spiritualität dieses wahren Kreuzritters des 20. Jahrhunderts und seine Hingabe an die Kirche offenbart.


Philosophisches Selbstbildnis

„Das Lächeln der Skeptiker hat nie vermocht,
den siegreichen Vormarsch der Gläubigen aufzuhalten“

   Ich bin überzeugter Thomist.(1) Der Bereich der Philosophie, der mich am meisten interessiert, ist die Philosophie der Geschichte. In ihr finden sich die beiden Beschäftigungen zusammen, denen ich mich mein ganzes Leben lang gewidmet habe: Studium und Aktion.
   Letztere habe ich auf dem eng umschriebenen Feld der Lehre und ihrer Verbreitung sowohl im Dialog als auch durch die Polemik ausgeübt. Mögen Begriff und Wort auch noch so anachronistisch anmuten, so tue ich diese Äußerung doch mit größter Genugtuung.
   Ein Essay, der das Wesentliche meines Denkens zusammenfasst, erklärt auch den Sinn meines ideologischen Wirkens: Es handelt sich um das Buch „Revolution und Gegenrevolution“.

(1) Anm. der Redaktion: Es ist verständlich, dass der bekannte katholische Denker sein philosophisches Selbstbildnis mit der Erklärung einleitet, er sei ein überzeugter Anhänger des hl. Thomas von Aquin.
Den Spuren seiner Vorgänger folgend in der Anerkennung des Aquinaten, erhob der heilige Papst Pius V. den hl. Thomas in den Rang eines Kirchenlehrers und erklärte seine Lehre als „wahrste Regel unseres Glaubens“.
Im Konzil von Trient verdiente die Summa theologica des Doctor Communis „die einzigartigste Ehre auf dem Altar neben der Bibel gelegt zu werden“.
Leo der XIII. benannte ihn den „Fürsten der Philosophen“ und der hl. Pius X. erklärte, die thomistische Lehre „ist vollkommen, unversehrt, unerschöpfliche Quelle für jede Art von Wissenschaft“.

Große geschichtliche Veränderungen haben ihren Ursprung in der Haltung des menschlichen Geistes gegenüber der Religion und der Philosophie

   Eine Voraussetzung dieses Essay geht davon aus, dass im Gegensatz zu dem, was so viele Philosophen und Sozialwissenschaftler behaupten, der Lauf der Historie nicht vorwiegend oder gar ausschließlich von den Zwängen der Materie auf den Menschen bestimmt wird. Ohne Zweifel beeinflussen sie das Tun des Menschen. Doch ihm ist es gegeben, ausgestattet mit einer vernünftigen und freien Seele, den Lauf und die Richtung der Geschichte zu bestimmen. Er wirkt, anders gesagt, mehr oder weniger einschneidend auf die Umstände, die er vorfindet, ein und wird von diesen auch selbst auf unterschiedliche Weise beeinflusst, und bestimmt so den Lauf der Ereignisse.
   Nun entfaltet sich das menschliche Handeln normalerweise in Abhängigkeit von den Auffassungen, die ein jeder von der Welt (Universum), von sich selbst und vom Leben hat. Das bedeutet, dass die Geschichte von religiösen und philosophischen Lehren beherrscht wird, und dass der dynamische Kern jener Faktoren, die die großen historischen Umwälzungen herbeiführen, sich in der Abfolge der vom menschlichen Geist eingenommenen Haltungen gegenüber Religion und Philosophie befindet.

Die christliche Zivilisation steht in völliger Übereinstimmung mit den ewigen Grundprinzipien des Naturrechts und des göttlichen Rechts

   Ich gehe nun zu einer weiteren Voraussetzung von Revolution und Gegenrevolution über. Eine katholische Geschichtsauffassung hat zu berücksichtigen, dass das Alte und das Neue Gesetz nicht nur die Vorschriften enthalten, nach denen der Mensch in der Nachfolge Christi seine Seele zu formen und sich so auf die Anschauung Gottes vorzubereiten hat, sondern auch die Grundregeln des menschlichen Verhaltens in Übereinstimmung mit der natürlichen Ordnung der Dinge.
   In dem Maße also, in dem der Mensch im Gnadenleben fortschreitet, schafft er auch durch die Ausübung der Tugend eine Kultur, eine politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung, in völliger Übereinstimmung mit den grundlegenden, unvergänglichen Prinzipien des Naturgesetzes und des göttlichen Gesetzes. Diese Kultur und Ordnung wird als christliche Zivilisation bezeichnet.
   Die rechte Anordnung der irdischen Dinge beschränkt sich natürlich nicht auf diese grundlegenden, unvergänglichen Prinzipien, denen auch viel Zufälliges, Vorübergehendes und Freies anhaftet. Die christliche Zivilisation schließt eine unermessliche Vielfalt von Aspekten und Nuancen ein. Das geht so weit, dass man in einem gewissen Sinne sogar von christlichen Zivilisationen und nicht nur von einer christlichen Zivilisation sprechen kann. Da jedoch die Grundprinzipien in allen christlichen Zivilisationen die gleichen sind, bildet die große Wirklichkeit, die sie alle einbezieht, eine machtvolle Einheit, die den Namen christliche Zivilisation schlechthin verdient. Die Einheit in der Vielfalt und die Vielfalt in der Einheit sind perfektionierende Elemente. Somit geht die christliche Zivilisation infolge der Vielfalt ihrer Verwirklichungen keineswegs ihrer Einheit verlustig, und man kann durchaus behaupten, dass es im tieferen Sinn des Wortes nur eine einzige christliche Zivilisation gibt. Dennoch ist sie in ihrer Einheit so wunderbar vielfältig, dass man sich die Freiheit nehmen darf, unter einem bestimmten Gesichtspunkt vom Vorhandensein verschiedener christlicher Zivilisationen zu sprechen.
   Nach dieser Klarstellung, die in analoger Weise auch für den Begriff der katholischen Kultur gilt, möchte ich klarstellen, dass ich die Begriffe christliche Zivilisation und christliche Kultur in ihrem höheren Sinn, das heißt, in dem ihrer Einheit benutzen werde.
   Ich erlaube mir hier, die oben genannten Behauptungen nicht mit einschlägigen Zitaten aus Texten des Heiligen Thomas oder des kirchlichen Lehramtes zu belegen, denn diese sind so zahlreich und außerdem all denen, die sich dieser Thematik ernsthaft widmen, durchaus bekannt, so dass ich mir diese lästige und zudem überflüssige Mühe sparen kann. Diese Bemerkung gilt auch für andere Betrachtungen, die noch im ersten Teil der vorliegenden Darstellung auftauchen werden.
   Unter den oben angeführten Voraussetzungen ist es nun leicht, die Rolle der Kirche und der christlichen Zivilisation in der Geschichte zu definieren.

Die Völker können den Status einer vollkommenen Zivilisation nur erreichen, wenn sie der Gnade und dem Glauben entsprechen

   Es ist richtig, dass wenngleich der Mensch mit Gewissheit und ohne Irrtum in den göttlichen Dingen das erkennen kann, was dem menschlichen Verstand an sich nicht unzugänglich ist, (2) so ist es ihm jedoch infolge der Erbsünde nicht möglich das Gesetz Gottes dauerhaft einzuhalten. Dies ist ihm nur möglich durch die Gnade. Um den Menschen darüber hinaus gegen seine eigene Bosheit und Schwäche zu schützen, versah Jesus Christus seine Kirche mit einem unfehlbaren Lehramt, damit es nicht nur die Wahrheiten des Glaubens, sondern auch die zur Erlösung notwendigen moralischen Wahrheiten irrtumsfrei lehre.

(2) Vgl. Denzinger-Schoenmetzer, 33. Aufl., Nr. 3005.

   Es ist der Glaube, der den Menschen veranlasst, sich dem Lehramt anzuvertrauen. Ohne den Glauben wäre der Mensch nie in der Lage, die Gebote Gottes dauerhaft und in vollem Umfange zu halten.
   Daraus ergibt sich, dass die Völker die vollkommene, das heißt die christliche Zivilisation nur in dem Maße erreichen können, in dem sie dem Anspruch der Gnade und des Glaubens entsprechen; das schließt aber auch die rückhaltslose Anerkennung der katholischen als der einzig wahren Kirche und der Unfehlbarkeit des kirchlichen Lehramtes mit ein.
   Die tiefgründigste und zentralste Schlüsselfrage der Geschichte besteht demnach darin, dass die Menschen den katholischen Glauben kennen lernen, bekennen und praktizieren.
   Natürlich will ich damit nicht leugnen, dass es auch hervorragende nichtchristliche Zivilisationen gegeben hat. Sie alle aber wurden durch diese oder jene Züge entstellt, die auf schockierende Weise mit dem von ihnen auf anderen Gebieten erreichten hohen Niveau in Widerspruch standen. Man braucht ja nur an die weite Verbreitung der Sklaverei zu erinnern oder an die Erniedrigung, der die Frau vor Jesus Christus ausgesetzt war. Keine andere Zivilisation hat je die der christlichen Zivilisation eigene, alles überragende Vollkommenheit erreicht.
   Ich will auch keineswegs die Tatsache leugnen, dass die Zivilisation auch in einer vorwiegend schismatischen bzw. häretischen Bevölkerung wichtige Züge christlicher Tradition bewahren kann. Die ganze Fülle der christlichen Tradition kann sich jedoch allein aus der katholischen Kirche entfalten und nur in katholischen Völkern vollständig erhalten bleiben.


„Es gab eine Zeit, wo die Weisheitslehre des Evangeliums die Staaten leitete...“

   Nun wird man jedoch fragen, wann es diese vollkommene christliche Zivilisation in der Geschichte tatsächlich gegeben habe. Ist die Vollkommenheit in diesem Leben überhaupt erreichbar?
   Die Antwort auf diese Frage wird manchen Leser schockieren und ärgern. Ich muss aber dennoch behaupten, dass es eine Zeit gegeben hat, in der ein Großteil der Menschheit dieses Vollkommenheitsideal kannte und eifrig und aufrichtig danach strebte. Dank dieses Strebens in den Seelen nahmen die Grundzüge der Zivilisation derart christliche Formen an, wie es die Umstände einer sich aus der Barbarei erhebenden Welt zuließen. Ich spreche vom Mittelalter, von dem Papst Leo XIII. trotz einer oder anderer Mängel folgende beredte Worte schrieb: „Es gab eine Zeit, wo die Weisheitslehre des Evangeliums die Staaten leitete. Gesetze, Einrichtungen, Volkssitten, alle Ordnungen und Beziehungen des Staatslebens waren in dieser Zeit von christlicher Klugheit und göttlicher Kraft durchdrungen. Da war der Religion Jesu Christi in der Öffentlichkeit jene Auszeichnung gesichert, wie sie ihr gebührt; da blühte sie überall unter dem wohlwollenden Schutz der rechtmäßigen Obrigkeiten und Regenten, da waren Kirche und Reich in glücklicher Eintracht und durch gegenseitige Freundesdienste miteinander verbunden. Diese Staatsordnung trug über alles Erwarten reiche Früchte, die noch nicht vergessen sind. Hierfür gibt es unzählige Zeugnisse aus der Geschichte, welche durch keine Arglist der Feinde verfälscht oder verdunkelt werden können.“(3)

(3) Enzyklika Immortale Dei vom 1. November 1885.

   Diese Sichtweise über das Ausmaß des kirchlichen Einflusses im Mittelalter finden wir auch in dem folgenden Text Papst Pauls VI. über die Rolle des Papsttums im mittelalterlichen Italien: „Wir vergessen keineswegs die Jahrhunderte, in denen das Papsttum die  Geschichte [Italiens] mitgestaltete, seine Grenzen verteidigte, sein kulturelles und geistiges Erbe bewahrte, ganze Generationen in Zivilisation, Sitte, moralischer und sozialer Tugend erzog und sein römisches Bewusstsein und seine besten Söhne mit dem eigenen universalen Auftrag [des Papsttums] verband.“(4)

(4) Ansprache an den Präsidenten der Italienischen Republik, 11. Januar 1964. Insegnamenti di Paolo VI, Tipografia Poliglotta Vaticana, Bd. II, S. 69.

   So ist die christliche Zivilisation also keine Utopie. Sie ist etwas Realisierbares, und das in einer bestimmten Epoche effektiv  blühte. Etwas, schließlich, das gewissermaßen das Mittelalter überlebte, so dass Papst Pius X. schreiben konnte: „Nein, es ist nicht mehr nötig, eine Zivilisation zu ersinnen, noch auch einen neuen Staat in den Wolken zu bauen. Es hat sie gegeben und es gibt sie: es sind die christliche Zivilisation und der katholische Staat. Es kann sich nur noch darum handeln, ihn unablässig gegen die immer wieder neu ausbrechenden Angriffe einer falschen Utopie, der Revolution und der Gottlosigkeit auf seine natürlichen und göttlichen Grundlagen zu stellen und ihn darin zu stärken und zu festigen.“(5) Die christliche Zivilisation hat also nachhaltige, bis in unsere Tage lebendige Spuren hinterlassen.

(5) Apostolisches Schreiben „Notre Charge Apostolique“ vom 25. August 1910, in Doctrina Pontificia, Bd. II, S. 408. B.A.C., Madrid, 1958..



Fortsetzung folgt

Mittwoch, 3. Juni 2015

Die Freude, die der Teufel verspricht, die gibt er nicht


Die nebenstehende Szene wurde nach einem Gewitter auf der Insel Ischia aufgenommen. Die Natur zeigt sich wieder von ihrer heiteren Seite. Eine schon betagte Bäuerin geht mit ihren Kindern oder vielleicht ihren Enkeln den Hang hinauf. Der Weg ist nicht asphaltiert, an den Seiten gibt es keine Kinos, keine Bars, keine Schaufenster und keine blinkende Leuchtreklame. In dieser Gruppe träumt niemand von einem Cadillac, nicht einmal von einer Lambretta. Sie laufen alle barfuss und tragen die Kleidung armer Leute.

Doch wie strotzen sie von Gesundheit, wie überläuft ihre Seele von den schlichten und grundlegenden Freuden des ländlichen Lebens, die die tausendjährige Tradition christlicher Zucht sie so angenehm spüren lässt. Sie sind froh, weil sie gesund sind, weil die Luft frisch ist, weil das Land schön ist, weil sie im Kreise der Familie verwurzelt sind, wo echte Liebe herrscht ohne Gefühlsduselei sondern reich an Opfersinn und gegenseitiger Hingabe. In der Einfalt ihres Auftretens sammeln sie sich um die zentrale Figur in einer Haltung echter Verehrung. Und in dieser Verehrung, wie viel Lieblichkeit, wie viel Vertrauen!

Damit wollen wir aber nicht den Eindruck geben, dass wir die Güter, die uns die Zivilisation und Kultur ermöglichen, gering schätzen. Wir leben jedoch in einer Zeit, in der das Neuheidentum eine monströse Fehlleitung verursacht, so dass die Kultur und Zivilisation in den Menschen unersättliche Begierden und Strebertum erweckt, und die künstlichen Freuden und Genüsse den christlichen Sinn für Zucht und Opfer zerstören. Die freigesetzten Triebe vertreiben eine gewisse Seelenfrische, mit der man die gemäßigten Freuden eines dem Gebet, Pflichterfüllung und dem Familienleben gewidmetes täglichen Lebens genießen kann. Für die Opfer dieses Prozesses wird das Leben zu einem tragischen Rennen auf der Suche nach Gold oder einem frenetischen Fandango rund um die Gelüste des Fleisches.

Das Leben wurde uns nicht gegeben um glücklich zu sein, sondern zur Ehre Gottes. Es muss indessen festgestellt werden, dass selbst vom Standpunkt des weltlichen Glücks aus das Neuheidentum ein schlechtes Geschäft ist. Es herrscht nämlich mehr Freude in einer strengen und christlichen Gesellschaft, selbst unter schlichten Verhältnissen, als im trügerischen Pomp einer hochzivilisierten – vielleicht besser gesagt einer pseudo-zivilisierten – Gesellschaft, die ihr ganzes Glück und Freude in den Gelüsten der Sinnlichkeit oder im Blendwerk des Geldes sucht.
*   *   *
Hier ein Schnappschuss in der Rue Mouffetard in Paris. Mit zwei Flaschen im Arm geht ein Bub nach Hause. Er bringt den köstlichen Vorrat für zwei behagliche Tage: Samstag und Sonntag.

Welch bescheidene Behaglichkeit! Doch welch triumphale und überschäumende Freude. Wie kann so wenig jemandem so viel Freude bereiten? Der Junge kommt offensichtlich aus einem bescheidenen Milieu, in dem, selbst in Großstädten, nicht selten eine reine wenn auch beschwerliche Freude eines einfachen und arbeitsamen Lebens herrscht, weil es mittel- oder unmittelbar durchtränkt ist vom übernatürlichen und wohltuenden Einfluss des Glaubens. In solcher Situation sammeln sich Vorräte von Seelenfrieden, Lebenskraft und tugendhafter Energie an, die mit jedem kleinen zusätzlichen Geschenk ins Schwingen geraten und sich zufrieden geben. Zu Tisch einer solchen Familie reicht schon ein wenig mehr als üblich an Essen und Trinken, für eine große Freude.

Noch einmal sieht man, dass es nicht der Überfluss an Gold und viel weniger die übermäßige Zügellosigkeit ist, die dem Menschen das höchstmögliche Maß an Freude auf dieser Welt beschert. Im Gegenteil, der Mensch erreicht in der Abtötung, in der Genügsamkeit, in der ernsthaften und wirksamen Einordnung in ein normales aber auch des Öfteren schwieriges tägliches Leben diese tugendreiche Ausgeglichenheit, die ihm die Freuden am Leben gibt.
*  *  *
Doch nachdem die Menschheit Unseren Herrn Jesus Christus und seine Heilige Kirche verlassen hat, begannen all diese sittlichen Werte, die von dem Saft der Gnade leben, zu verfallen.

Wenn der Teufel dem Menschen etwas verspricht, ist es gerade das, was er ihm entziehen wird.

Und seit dem Abfall des Westens vom wahren Christentum im frühen 14. Jahrhundert verspricht der Teufel den Menschen eine Zivilisation, die durch die Technik den Reichtum und die Freuden der Wollust vermehren soll, um somit eine größere Lebensfreude zu erreichen.
*   *   *
Dermaßen war diese Lüge groß, dass die Kirche, durch den Mund Papst Pius XII. in der Weihnachtsbotschaft von 1957, Millionen Seelen vor der Verzweiflung schützen musste, die in den Krallen dieser Zivilisation gefangen gehalten wurden und denen man vorhielt, das Leben sei was Böses, das Universum ein Fehler und Gott ein Mythos.
(Bilder von Henri Cartier-Bresson)

Freie Übersetzung aus Catolicismo Nr. 89 - Mai 1958

Donnerstag, 30. April 2015

Das allerheiligste Altarsakrament

Besuch des Allerheiligsten Altarsakraments

GOTT hat uns in seiner unendlichen Barmherzigkeit viele Mittel der Heiligung bereitgestellt. Das wichtigste aber ist die Eucharistie. Durch alle anderen schenkt er uns seine Gnade, doch in der heiligen Kommunion schenkt er uns sich selbst. Die Kirche hat deshalb die Eucharistie stets mit aller Verehrung und Zuneigung umgeben und ihr die verschiedensten Kultformen gewidmet. So hat sie eucharistische Triduen, Wochen und Kongresse, Heilige Stunden, die Ewige Anbetung, Vigilien, Prozessionen, das Fronleichnamsfest, das Fest des Eucharistischen Herzens Jesu und viele weitere liturgische oder private Frömmigkeitsübungen eingeführt.

So hat die Kirche mit dem Ziel, unseren Herrn im Altarsakrament zu verehren, auch viele Besuche des Allerheiligsten sowohl an den Tagen feierlicher Ausstellung als auch an gewöhnlichen Tagen empfohlen. Als eifrige Gläubige, die in allem mit der Kirche fühlen wollen, dürfen wir uns dieser Empfehlung gegenüber nicht gleichgültig verhalten.

Die tiefe Bedeutung eines Besuchs des Allerheiligsten


Herausragende Persönlichkeiten werden in der Gesellschaft stets mit Bekundungen der Hochachtung und des Respekts behandelt. Es ist dies eine Sitte, die nicht mehr als recht und billig ist. Nehmen wir das Beispiel eines Staatschefs, in dessen Palast das Vorzimmer von Menschen wimmelt, die ihn zu sprechen suchen. Da hat ein jeder eine Bitte vorzutragen. Es geht um Nominierungen, Anträge, Bewilligungen usw. Wenn der Präsident in der Öffentlichkeit erscheint, blieben die Passanten stehen, um ihn zu sehen; eine Eskorte gibt seinem Wagen mit Sirenengeheul das Geleit; stets ist er von einem Gefolge begleitet. Auf Reisen wird erwartet ihn überall ein feierlicher Empfang mit Reden und Musikkapelle.
 
Gott hat uns in seiner unendlichen Barmherzigkeit
viele Mittel der Heiligung bereitgestellt.
Das wichtigste aber ist die Eucharistie.
Die Mächtigen dieser Erde werden alle mehr oder weniger so behandelt. Ist da ein reicher Mann? Auch sein Vorzimmer ist stets voll. Der eine bittet ihn um Spenden, der andere möchte ihn zu einem Empfang einladen, wieder andere suchen ihm nur zu schmeicheln. Ist da ein großer Unternehmer? Es werden sicher Stellengesuche an ihn herangetragen: man wirbt um seinen Einfluss. Ist da einer, der für sein Wissen berühmt ist? Man fragt ihn um Rat, sucht seine Freundschaft zu gewinnen.
Jesus haben wir im Sakrament stets lebendig in unserer Mitte und er ist bestimmt viel mächtiger als alle Politiker, reicher als jeder Machthaber, weiser als irgendein Schriftsteller oder Wissenschaftler. Wie wäre es da möglich, dass wir uns mehr Mühe um die
Großen dieser Welt machten als um ihn? Wer könnte es wagen zu bestreiten, dass es recht und billig ist, ihn stets mit Eifer und Hingabe aufzusuchen, um von ihm die geistlichen und materiellen Güter zu erbitten, deren wir bedürfen; um ihm unsere Versuchungen und Ängste zu unterbreiten, ihm für die erlangten Gaben zu danken, ihn unserer Liebe zu versichern und ihn anzubeten? Zur Samaritin hat der Herr einst gesagt „Wenn du um die Gabe Gottes wüsstest ... “ Dasselbe könnten wir auch zu uns selbst sagen. Wenn wir mit lebendigem, glühendem Glauben den kennen würden, der uns gegeben wurde, würden wir uns viel mehr Mühe geben, ihn häufig aufzusuchen und mit ihm zu sprechen.

Die Besuche sollten häufig sein


Soweit es unsere Lebensumstände erlauben, sollten wir das Allerheiligste mehrmals am Tag besuchen, brauchen wir doch die Gnade Gottes jeden Augenblick und zur Ausführung eines jeden Tugendaktes. Ist es dann nicht angebracht, dass wir diese Gnaden auch häufig erbitten, indem wir wiederholt den Freund aufsuchen, den wir unter uns haben?
Der häufige Besuch des Allerheiligsten hat den großen Vorteil, dass er uns die Ausübung bestimmter Praktiken erleichtert, die zu einem asketischen Leben gehören, wie etwa die Wachsamkeit des Herzens, die Gewissenserforschung und das Bewusstsein, in der Gegenwart Gottes zu leben. Diese Übungen verlangen von uns eine ständige, aufmerksame Beobachtung unseres eigenen Verhaltens. Nun ist es aber so, dass uns die Beschäftigungen des täglichen Lebens derart beanspruchen und bedrängen, dass wir zur Zerstreuung neigen und uns die asketischen Übungen daher besonders schwer fallen. Wenn wir aber die Möglichkeit haben, uns im Laufe des Tages einige Male zurückzuziehen und dem in der Eucharistie gegenwärtigen Herrn all das mitzuteilen, was uns auf der Seele liegt, wird es uns leichtfallen, unser Herz zu bewahren, unser Gewissen über einen bestimmten Punkt zu erforschen und stets im Bewusstsein seiner Gegenwart zu leben.
Lobenswert ist auch die Übung, Jesus im Allerheiligsten bei gewissen Gelegenheiten aufzusuchen, die uns ungelegen erscheinen. Wenn ein junger Mann zum Beispiel abends zu einem Treffen unterwegs ist und vom gewohnten Weg abweicht, um kurz eine Kirche zu besuchen, ist es leicht zu verstehen, wie angenehm diese Geste unserem Herrn sein muss, der die Menschen so sehr geliebt hat und auf so wenig Gegenliebe stößt. Wenn es uns manchmal nicht gelingt, unsere geistlichen Schwierigkeiten zu lösen, oder wenn die materiellen Probleme Überhand nehmen, liegt dann vielleicht nicht wenigstens ein Teil der Schuld an der Tatsache, dass wir versuchen, unser Tun und Lassen systematisch auf das zu beschränken, was uns leichter fällt und weniger Umstände macht? Uns selbst Opfer aufzuerlegen, ist ein heilsames Vorgehen, das die Seele stärkt und den Segen des Himmels auf uns herabruft.
Oft kann es auch vorkommen, dass es uns gleich ist, ob wir unsere gewohnten Gebete zu Hause verrichten oder in einer Kirche - so etwa den Rosenkranz, die Meditation, das marianische Offizium usw. In diesem Falle ist es zu empfehlen, dass wir die Kirche vorziehen. Jesus, der sich durch die Tränen der Witwe von Naim bewegen ließ und ihr das Leben ihres Sohnes zurückgab, lässt sich bestimmt auch leicht durch die bewegen, die stets seine Gesellschaft suchen. Sein Herz, das so sehr an der Gleichgültigkeit und Kälte der Menschen leidet, will uns stets bei sich haben. Auf ihn überträgt die Kirche das Schriftwort: „Ich suchte einen, der mich trösten könnte, habe aber keinen gefunden.“ Jesus selbst hat die schlafenden Apostel zurechtgewiesen: „Konntet ihr nicht eine Stunde mit mir wachen?“


Donnerstag, 19. März 2015

Die Eucharistie und das Apostolat in der modernen Welt

Während der Eucharistischen Woche des Bistums Campos im Jahr 1955 hielt Prof. Plinio Corrêa de Oliveira hierzu einen viel beachteten Vortrag, dessen Hauptgedanken wir hier vorstellen möchten.

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Die Eucharistie und das Apostolat in der modernen Welt

Es ist dies ein Thema, über das man eine ganze Reihe von Überlegungen anstellen kann. Die vier Begriffe, aus denen es sich zusammensetzt, sind zwar alle wichtig, doch unter dem Gesichtspunkt der Genauigkeit und Klarheit sind sie gleichzeitig äußerst ungleich.

Was verstehen wir denn unter „Welt“ und was sollen wir erst unter„moderner Welt“ verstehen?

Was ist die Welt?

Im Evangelium ist von der Welt die Rede. Unser Herr hat sich geweigert, für die Welt zu beten. Und doch haben die Apostel den Auftrag erhalten, alle Völker zu evangelisieren, und das heißt doch wohl, die ganze Welt evangelisieren. Was bedeutet eigentlich das Wort„Welt“?

Umgangssprachlich bezeichnet das Wort Welt den Erdball, auf dem wir leben. Sie bezeichnet einerseits die ganze Menschheit, aber auch eine bestimmte Gesellschaft zeitlichen Lebens, die sich in diesem Sinne von der Kirche unterscheidet. In einem anderen Sinne ist „Welt“ eine Art Reich der Finsternis und des Teufels. Es entspricht dies nicht eigentlich der zeitlichen Gesellschaft, sondern dem Bösen, dessen Fürst der Teufel ist, und deshalb sagen wir auch, dass der Teufel der Fürst dieser Welt ist.

Die verschiedenen Bedeutungen des Wortes „modern“

Modern. Was aber ist modern? In einem gewissen Wortsinn bedeutet„moderne Welt“ die Welt von heute im Gegensatz zur Welt von gestern. Es muss aber eingeräumt werden, dass die moderne Welt nicht allein aus modernen Dingen besteht, denn die ganze menschliche Vergangenheit ist ja auch Teil der modernen Welt. Gleichzeitig stoßen wir in der modernen Welt auf den Widerschein einer superneuen, superatomaren Ära, die sich am fernen Horizont in Richtung Zukunft abzeichnet. Und doch nehmen wir in der modernen Welt noch das Wetterleuchten der Vergangenheit mit den Anfängen unserer Zivilisation wahr, die in ihr immer noch glänzen, fortbestehen und weiterleben. Der gegenwärtige Augenblick, der moderne Augenblick, dieser Augenblick, in dem ich zu Ihnen spreche, setzt sich also aus sehr heterogenen Elementen zusammen, die von den Erfahrungen und den bleibenden Errungenschaften fernster Vergangenheit bis hin zu den Aussichten auf eine unsichere, ferne Zukunft reichen. So ist das Lebensbild eines Menschen in einem bestimmten Moment nicht nur das Bild, das er gerade vor Augen hat, sondern auch das Bild der Aussichten, Pläne und Prognosen, die er in seiner Seele trägt.

Die moderne Welt erscheint uns also als eine Welt voller widersprüchlicher, gegensätzlicher Aspekte. Da ist die Vergangenheit, aus der wir kommen und der gegenüber versucht wird, wie wir gleich sehen werden, einen Gegensatz zu dem Wort „modern“ zu bilden. Und doch ist uns so viel Glorreiches aus dieser Vergangenheit geblieben! Vor allem aber besitzen wir etwas, das mehr ist als Vergangenheit, mehr als Gegenwart, mehr als Zukunft, denn es ist göttlich. Es ist dies die heilige römisch-katholische apostolische Kirche.

Modernität der Kirche

Fast zweitausend Jahre alt, ist die Kirche die jüngste, blühendste, verheißungsvollste Institution der modernen Welt. Und in einer Zivilisation, die unter so vielen Aspekten zu zerfallen und sich auf ihren Untergang zuzubewegen scheint, gibt es nur ein Ding, das nicht vergeht, sondern vielmehr unbegrenzte Jugend verspricht – das ist die katholische Kirche. In diesem Sinn des Wortes „modern“, ist sie in allen Zeiten modern. Modern ist sie aus der göttlichen Seite Unseres Herrn Jesus Christus hervorgegangen. Und modern wird sie auch noch in den letzten Augenblicken der Menschheit sein, wenn hoch am Himmel der Menschensohn in all seiner Majestät erscheinen wird.

Eine andere Bedeutung von „modern“

Wenn wir uns aber die Bedeutung von „modern“ etwas genauer ansehen, werden wir feststellen, dass das Wort oft in einem anderen Sinne gebraucht wird, nämlich als das, was im Gegensatz zum Hergebrachten steht. Modern ist dann das, was gerade erst entstanden ist. In diesem Sinne hören Dinge jeden Augenblick auf, modern zu sein, und andere, moderne Dinge treten an ihre Stelle. Noch gestern, vorgestern, vor vierzehn Tagen hat man die Kinderlähmung auf eine bestimmte, moderne Weise behandelt, doch heute schon ist diese Behandlung überholt, weil man ein besseres, noch wirksameres Vorgehen entdeckt hat. Damit gehören nun alle vorherigen Behandlungsmethoden der Geschichte der Medizin an und bilden von dem Zeitpunkt an, als die neue Methode eingeführt wurde, eine abgestorbene Vergangenheit.

In diesem Sinn ist unsere Epoche so verrückt auf Neuheiten. Sie brüstet sich, modern zu sein und in der Umgebung einer Unmenge von Neuheiten zu leben, die es früher nicht gab und die ihr das Kennzeichen der Überlegenheit gegenüber der Vergangenheit verleihen.

Eine dritte Bedeutung des Wortes „modern“

Das Wort „modern“ besitzt aber noch einen differenzierteren, schwer zu durchschauenden Sinn, auf den es in unserer Analyse schließlich ankommt.

Man würde nicht behaupten, dass ein Land, in dem die Trennung von Kirche und Staat herrschte, mit der etwaigen Rückkehr zum System der Einheit von Kirche und Staat moderner geworden sei. Viele würden jedoch behaupten, dass ein Land, das von der Einheit zur Trennung von Kirche und Staat übergeht, moderner geworden sei. Niemand würde behaupten, dass der Übergang vom Scheidungsrecht zur Untrennbarkeit der Ehe einer Modernisierung gleichkomme. Doch viele meinen, dass die endliche Einführung des Scheidungsrechts anstelle der Untrennbarkeit eine Modernisierung sei. Man würde nicht sagen wollen, dass die Erhaltung von Eliten, die Wahrung eines hierarchischen Aufbaus der Gesellschaft, die Sorge um die Beibehaltung von Sitten und Gebräuchen, der Bestand von Institutionen, die die in jeder strukturierten Gesellschaft unentbehrliche hierarchische Ordnung festlegen, ein typisch modernes Anliegen sei. Man würde vielmehr einwenden, dass derlei Dinge zur Vergangenheit gehören und dass sich ein moderner Geist eher darum bemühe, gesellschaftliche und politische Barrieren abzubauen und die vollkommene Gleichheit anzustreben, die im Kommunismus ihre Verwirklichung finde, wo sogar wirtschaftliche Gleichheit herrsche.

„Modernität“ – die Seele der heutigen Welt

Nachdem wir so die verschiedenen Bedeutungen des Wortes „modern“beschrieben haben, können wir uns nun fragen, welche Rolle dieser Modernität innerhalb der heutigen Welt zukommt.

Und wir könnten sagen, dass die Geisteshaltung, die sich als modern bezeichnet, wenn sie auch nicht alles für sich eingenommen hat, so doch die große Antriebskraft ist, die hinter fast allen Ereignissen steckt, denn sie ist das Hauptmerkmal dieses Moments und die große Gefahr. Es wäre zwar sicher übertrieben, behaupten zu wollen, dass es in der heutigen Welt nichts als diese erbärmliche Modernität gebe, doch wäre es ebenso ein Zeichen von Blindheit und Wahnsinn, bestreiten zu wollen, dass diese erbärmliche Modernität das Kennzeichen und der Hauptzug dieser Epoche ist, in der wir leben.

Das Heil der modernen Welt

Gewiss stimmt es aber auch, dass es in der mehr und mehr von dieser Geisteshaltung beherrschten Welt einen gewissen Jemand gibt, die ewig und immer zugegen ist – es ist dies unser Herr Jesus Christus. Er ist in allen Tabernakeln dieser Welt gegenwärtig, in den goldenen Tabernakeln der Heiligtümer der Christenheit; in den ärmlichen Tabernakeln, den verborgenen Tabernakeln der Länder hinter dem Eisernen- und dem Bambusvorhang. Doch dieser Jemand, Unser Herr Jesus Christus, dessen Gegenwart nicht mit den Sinnen des Körpers wahrzunehmen ist, ist der große Apostel der heutigen Zeit. Und Er richtet sich stets an die Menschen, zwar in einer stummen, doch unendlich wirksamen Sprache, nämlich in der Sprache des Herrn, unseres Gottes. Er spricht zu ihnen fortwährend von der Notwendigkeit, ihr Leben auf Gott aufzubauen, seine Autorität anzuerkennen und sich aus ganzem Herzen zu Gott dem Herrn zu bekehren.

Früchte der heiligen Eucharistie

Und in dieser schrecklichen modernen Welt geschieht, was immer geschieht, wenn Gott herausgefordert wird: Gott vermehrt seine Wundertaten, und während die Frevelhaftigkeit ihrem Höhepunkt zusteuert, nehmen wir wunderbare Früchte der heiligen Eucharistie wahr, Früchte der Gnade, die dem Apostolat unvergleichliche Erfolge bescheren. Während sich die Menschen massenweise dem Vergnügen und dem Laster zuwenden, während sich die Menge dem Bösen gegenüber schweigend verhält und sich feige abwendet, nimmt überall die Zahl jener Seelen zu, die in ihrem Streben nach Vollkommenheit, nach uneingeschränkter Rechtgläubigkeit, nach völligem Gehorsam gegenüber der heiligen Kirche alles verlassen, auf alles verzichten und sich bereit zeigen, die Lehre der Kirche zu behaupten, aus Liebe zu dem in der heiligen Eucharistie gegenwärtigen Herrn Jesus Christus alles zu erleiden und zu besiegen.

Beispiele: Heilige Maria Goretti

In diesem Moment steigt in meiner Erinnerung die engelhafte Gestalt der heiligen Maria Goretti auf. In einer Zeit, in der sich ein neues Heidentum, das den ganzen Verfall der modernen Zivilisation zur Schau stellt, gibt dieses jungfräuliche Mädchen mit aller Entschiedenheit sein Leben hin, weil es nicht das verlieren will, das es mehr liebt als alles, mehr sogar als sein Leben: jene Jungfräulichkeit, die man als das wertvollste Geschenk des Lebens zu schätzen lernt, wenn man ein wirklich eucharistisches Herz besitzt. Die heilige Maria Goretti ist ein Höhepunkt. Ob dies wohl ein Einzelfall ist?

Das Marienkind aus Wien

Wie viele Heldentaten geschehen zur Zeit in den westlichen wie östlichen Ländern. Da gibt wes den Fall eines Mitglieds der Marianischen Kongregation in Wien, von dem ich erzählen hörte, dass er sich einer schmerzhaften Operation unterziehen musste: Seine Zunge musste amputiert werden. Kurz vor dem Eingriff macht er dem Arzt ein Zeichen, das andeutet, er wolle noch ein letztes Wort sagen, bevor ihm das Organ entnommen werde. Der Arzt stimmt zu und ein Moment der Stille und Ergriffenheit setzt ein im OP-Saal. Alle denken, der junge Mann wolle noch eine letzte Bitte äußern oder einige liebenswürdigen Worte an die Anwesenden richten, oder vielleicht eine letzte Klage von sich geben. In diesem Augenblick des Schweigens und der Besinnung, öffnet er seinen Mund und spricht mit großer Mühe ein wunderbares Wort aus: „Es lebe die Jungfrau Maria!“ Danach ging er ein in das Schweigen, das ihn alle Tage seines Leben nun begleiten würde. Seine Worte waren das Echo seiner Frömmigkeit, die ihn dazu führte den letzten Moment seiner Sprachfähigkeit zu nutzen, um die Muttergottes zu Preisen.
Der Jungfrau Maria, von so vielen vergessen, verleugnet und unterschätzt, wird durch eine einzige Geste dieser Art eine unvorstellbare Ehre erwiesen. Sie bringt auch in der modernen Welt Legionen solcher Seelen hervor.


Die Märtyrer des Tabernakels

In diesem Augenblick erinnere ich mich noch an einen anderen Fall, welcher sich hinter dem Eisernen Vorhang zugetragen hat und von dem die Zeitung Osservatore Romano berichtete. Die Kommunisten hatten in ein Dorf besetzt, in dem es eine katholische Kirche gab. Nun hatten die Buben des Dorfes gehört, dass die Kommunisten zu einer bestimmten Stunde in die Kirche eindringen wollten, um den Tabernakel aufzubrechen und die geweihten Hostien zu schänden. Es wurde Nacht und draußen hatte es geschneit. Das Mondlicht lag hell auf dem Schnee. Die Stunde des Überfalls auf die Kirche rückte immer näher. Würde der Herr wieder einmal allein auf dem Ölberg ausharren müssen? Nein. Drei Buben, die durch ein offenes Fenster in die Kirche gedrungen sind, wachen bereits stundenlang. Als die Kommunisten dann die Tür aufbrechen und vordringen, versucht einer der Buben umsonst, ihnen mit seinen kindlichen Händen den Weg zum Tabernakel zu versperren. Sie schlagen ihn nieder. Ein zweiter Junge versucht, die Kommunionbank zu verteidigen und wird ebenfalls ermordet. Der dritte Junge steigt auf den Altar, um den Tabernakel mit seiner eigenen Brust zu schützen. Doch die Barbaren töten diesen lebendigen Tabernakel, bevor sie den vergoldeten Tabernakel aufbrechen. Sie nehmen die geweihten Hostien heraus und schänden sie. Die Hölle jubelt, doch mehr noch jauchzt der Himmel ob des in der Kirche vergossenen Blutes der drei kleinen Märtyrer, das bestimmt nicht weniger Ruhm verdient als das der Märtyrer, die einst in der Arena des Kolosseums ihr Blut vergossen haben.

Der Kampf in der modernen Welt

Damit habe ich Ihnen ein Bild vom Wirken der Eucharistie in der modernen Welt vor Augen geführt. In dem Augenblick, in dem die Frevelhaftigkeit auf ihren Höhepunkt gelangt, erreichen auch Gnade und Barmherzigkeit ihren Höhepunkt. Der Stärke des Lasters und des Bösen setzt Gott die unbezwingliche Stärke des Guten entgegen. Die katholische Kirche wird über die moderne Welt triumphieren. Dieser Triumph wird gewiss aus dem gigantischen Aufeinanderprallen der geringen Kräfte des Guten und der ungeheuren Kräfte des Bösen hervorgehen. Doch vielleicht werden wir noch dieses Ereignis sehen, dass die Kirche einen der größten Siege aller Zeiten davontragen wird, und es wird dies der Sieg der heiligen Eucharistie sein, dieser Quelle der Gnaden, die durch die Vermittlung und Fürsprache unserer Lieben Frau für die Welt offensteht. Mit ihren an den eucharistischen Jesus gerichteten Bitten erwirkt uns die Gottesmutter die Gnaden, derer wir bedürfen.


Muttergottes, die Mittlerin

Diese Rolle der heiligen Eucharistie in der Modernen Welt veranlasst uns, unsere Gedanken zur Muttergottes zu erheben. Da von Triumph und Gnaden nicht sprechen kann ohne Sie zu erwähnen, denn Sie ist ja die notwendige Mittlerin zwischen Gott uns den Menschen, kann ich behaupten, dass eine der kostbarsten Gnaden, die die heilige Eucharistie der Welt schenkt, ist die Verehrung Mariens. Und diese in unserem Land des Heiligen Kreuzes so eigene und in ihm verwurzelte Marienfrömmigkeit wird unser Land, Brasilien, erretten.


Die Eucharistie hat im Apostolat zweifelsohne eine substantielle Bedeutung, denn in der Eucharistie begegnen wir dem Heiland selbst. Und durch die Kommunion empfangen wir Ihn, Er selbst kommt in unsere Herzen um uns zu heiligen und mit ihm eins zu werden. 
Quelle: „Anais da Semana Eucarística de Campos“, 
Rio de Janeiro,  17/24-04-1955, pp. 101 a 113 

Dienstag, 3. März 2015

DIE GEGENREVOLUTIONÄRE BEDEUTUNG DES WERKES ZWEIER HEILIGEN

Plinio Corrêa de Oliveira schrieb folgenden Artikel für die katholische spanische Zeitschrift

“Cristiandad” - Barcelona - Nov. 1958
Wer die Geschichte mit den Augen des Glaubens betrachtet und in ihrem Lauf die Eingriffe der Vorsehung zu Gunsten der Heiligen Kirche herauszufinden weiß, wird die beeindruckende Übereinstimmung und Harmonie zweier Heiligen bemerken: des hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort und der hl. Margareta Maria Alacoque.

Als sich die revolutionäre Krebsgeschwulst bildete

Beide lebten in Frankreich in einer höchst wichtigen Zeit der Weltgeschichte. Im tiefsten Grund der französischen Gesellschaft entwickelten sich weiterhin mit aller Kraft die Keime der ideologischen Bewegungen des 16. Jahrhunderts. Noch unauffällig verbreiteten sich wie ein unterirdischer reißender Wasserstrom die Tendenzen in Richtung Rationalismus, Laizismus und Liberalismus in den einflussreichsten Kreisen der Gesellschaft. Der langsame aber unerbittliche Untergang der Aristokratie und der Zünfte der Handwerker und Händler, und gleichzeitigem immer sichtbareren Aufstieg des Bürgertums, bereitete von Weitem schon die gesellschaftliche Form her, die die Revolution von 1789 hervorbringen würde.
Mit einem Wort, lange im Voraus aber seit ihrem Anfang mit einer Kraft ausgestattet, die sich bald als menschlich fast unaufhaltsam erweisen sollte, wuchs die Revolution wie ein Krebsgeschwür in den Eingeweiden eines noch gesunden Organismus.
Historische Prozesse wie dieser müssten vorzüglich in ihrem Keimstadium aufgehalten werden. Denn, wenn man seine Entwicklung zulässt, wird es immer schwerer sie abzuwürgen.

Der Eingriff der Vorsehung, um die Revolution zu vermeiden

So ist es wichtig hervorzuheben, dass genau in dem Moment, in dem eine Aktion zur Abwehr der Revolution am zweckmäßigsten und wirksamsten schien, die Vorsehung in Frankreich zwei Heilige mit einer eindeutigen und speziellen Aufgabe in diese Richtung hervorrief. Eine Aufgabe, die sich hauptsächlich und direkt an die „erstgeborene Tochter“ der Kirche richtete, aber indirekt der ganzen Welt zugute kommen würde. Denn einerseits hätte die Vernichtung „in ovo“ der revolutionären Keime in Frankreich die Katastrophen der Revolution für die ganze Welt verhindern können; andererseits würde ein hervorragender Sieg der Religion in einem führenden europäischen Land im 18. Jahrhundert unvorstellbare Auswirkungen in der religiösen und kulturellen Geschichte der Menschheit hervorbringen.
König Ludwig XIV. regierte von 1643 bis 1715. Die hl. Margareta Maria lebte von 1617 bis 1690. Der hl. Ludwig von Montfort wurde 1673 geboren und starb 1716. Wie man sieht, geschahen die Mission der heiligen Nonne im Orden der Schwestern der Heimsuchung, der das Herz Jesu seine Botschaft der Liebe offenbarte und die Predigten des großen Apostels, der die „wahre Andacht zur Heiligsten Jungfrau“ gelehrt hat in der gleichen Zeit der Regierung des Sonnenkönigs.

Der antirevolutionäre Sinn der Botschaft von Paray-le-Monial

Die Leser von „Cristiandad“ kennen sicher schon die Bitten, die Unser Herr über die hl. Margareta Ludwig XIV. zukommen ließ. Sie wissen, dass das Herz Jesu für Frankreich große Prüfungen voraussagte, aber auch versprach, sie verhindern zu können, wenn seine Bitten gehört werden würden. Sie wissen auch, da Ludwig XIV. den Bitten Unseres Herren nicht nachkommen wollte – vielleicht durch heute noch nicht bekannten Informationen und Machenschaften –, versprach Ludwig XVI. während seiner Gefangenschaft im Tempel, die Bitten Jesu zu erfüllen. Doch es war zu spät. Die Revolution ging ihren eingenommenen Kurs weiter, zu unser aller Unglück.
Wichtig ist aus diesen Fakten im Moment festzuhalten, dass vom Zentrum Frankreichs, von Paray-le-Monial aus, die Vorsehung im „Christlichsten Königreich“ einen Feuerherd der Frömmigkeit und ein Brennpunkt der sittlichen Erneuerung entzünden wollte, um die später eintretenden Katastrophen zu verhindern.
Im gleichen Sinn berief die Vorsehung im Westen Frankreichs eine weitere Bewegung.

Vorläufer und Patriarch der Gegenrevolution

So wie die hl. Margareta Maria, hatte auch der hl. Ludwig von Montfort keine Spur von persönlichen politischen Gedanken. Er sah für sein Vaterland und für die Kirche große Katastrophen voraus. Aber sein Blick richtete sich ausschließlich auf die tiefen Ebenen in denen sich diese Katastrophen vorbereiteten. Seine Schriften deuten eine religiöse und sittliche Krise von großem Ausmaß an, aus der, wie aus der Büchse der Pandora, jede Art von Übel hervortreten würde. Um diese Übel zu verhindern, sprach er seine flammenden Predigten, die von den Bauern des frommen Westens gierig gehört wurden. Es waren geistliche Lehren, die er in etlichen Werken zusammenfasste, von denen die „Abhandlung von der wahren Andacht zu Maria“, der „Rundbrief an die Freunde des Kreuzes“ und „Die Liebe zur ewigen Weisheit“ die wichtigsten waren.
Diese drei monumentalen – leider wenig bekannten – Werke gründlich analysiert, sind eine Widerlegung aller Irrlehren, aus denen das Monstrum der Französischen Revolution später geboren würde. Eine Revolution „sui generis“ (einzig in ihrer Art). Die Werke des hl. Ludwig hatten nicht vorrangig das Ziel die zweifelnden, sinnlichen, naturalistischen Geister zu überzeugen, dass sie im Irrtum waren. Seine wichtigste und größte Sorge war, die eifrigen und lauen Katholiken vor diesen Irrtümern zu warnen und zu bewahren. So bestand seine ganze Dialektik die Liebe zur Weisheit seinen Lesern einzuschärfen, um sie vor dem Laizismus oder der Lauheit zu schützen; die Liebe zum Kreuz den Menschen einzuschärfen, um sie gegen die Sinnlichkeit und die tosende Genusssucht einer unsittlichen und mondänen Epoche zu bewahren; und die Verehrung Mariens durch das „heilige Sklaventum“ den Menschen einzuschärfen, um sie vor den ständigen Arglisten eines echten verdeckten Kalvinismus, wie es der Jansenismus war, zu warnen.
In all seinen Werken ist die Dialektik die gleiche. Er zeigt mit Argumenten aus der Heiligen Schrift, der Tradition, der Kirchengeschichte und dem Leben der Heiligen, dass ein Katholik keinesfalls mit dem Zeitgeist paktieren darf, und dass jede Mittelstellung zwischen diesem Geist und dem Frömmigkeitsleben nichts weiter als ein gefährliches Blendwerk der Sinne oder des Teufels ist.

Maria in den Predigten des hl. Ludwig

In diesem gesamten System muss hervorgehoben werden, dass die Verehrung der Muttergottes, besonders als Königin des Weltalls, als Muter Gottes und der Menschen und als Mittlerin aller Gnaden eine absolut zentrale Rolle spielt. Durch diese Andacht kann der Gläubige die Weisheit und die Liebe zum Kreuz von Gott erhalten. Denn Maria ist das Mittel, durch das Jesus zu uns kam und durch das wir zu ihm gehen sollen. Je mehr wir mit Maria vereint sind, desto mehr werden wir mit Jesus vereint sein. Der Heilige Geist bildet Jesus in den marianischen Seelen, die intensiv, glühend und kindlich marianisch sind. Ohne Maria scheitern die größten Bemühungen zur persönlichen Heiligung. Mit ihr aber ist alles erreichbar, was unserer Schwachheit unerreichbar scheint, alle Wege werden frei, alle Türen öffnen sich, und unsere Kräfte, die wir aus dem Kanal der Gnaden schöpfen, vervielfältigen sich. Das wichtigste ist also, ein wahrer Verehrer Mariens zu sein.
Doch es gibt auch Fälschungen dieser Andacht. Der Heilige weist sie aus und warnt uns vor den Minimalisten und vor allem vor denen, die sich mit einer hohlen Andacht, die nur aus äußerlichen Formeln und Frömmigkeitsübungen besteht. Die vollkommene Andacht lehrt er uns: Sie besteht darin, dass wir Sklaven Mariens werden und ihr alle unsere geistlichen und zeitlichen Güter übergeben und alles für sie, mit ihr und in ihr tun.

Gegenrevolutionäre Früchte der Predigten des hl. Ludwig

Der hl. Ludwig war ein großer Verfolgter. Prälaten, Fürsten der Kirche, die Regierung bekämpften ihn heftig. Nur der Papst und einige wenige Bischöfe in Frankreich unterstützten ihn. In der Bretagne, im Poitou und Aunis konnte er frei predigen, was der Bevölkerung für Generationen zur Erhaltung des Glaubens zugute kam. Als während der Revolution die christliche Zivilisation Helden benötigte, um sie in Frankreich zu verteidigen, erhoben sie sich mehr oder weniger im ganzen „Christlichsten Reich“. Aber in einer gewissen Region griff das ganze Volk zu den Waffen und bauten eine massive, kompakte, ungestüme und unbeugsame Reaktion auf. Die „Chouans“, dessen Gedenken kein Katholik ohne eine tiefe und religiöse Ergriffenheit hervorrufen kann, waren die Enkel der Bauern, die vormals der hl. Ludwig in die wahre Andacht zu Maria eingeführt hatte. Wo der hl. Ludwig gepredigt hatte und angenommen wurde, bekam die gottlose und frevelhafte Revolution keine Chance, es bildete sich, im Gegenteil, ein Kreuzzug, eine Gegen-Revolution.
 
Die Bedeutung der hl. Margareta Maria und des hl. Ludwig von Montfort in der Gegenwart

Es ist unbedeutend nachzuforschen in welchem Maße die Bewegungen von Paray-le-Monial und der Vendée im 17. Jahrhundert sich gegenseitig kannten. Die Wichtigkeit beider beschränkte sich nicht auf jene Zeit. Als Kinder der Kirche in diesem tragischen 20. Jahrhundert können und müssen wir beide Bewegungen unter einer einzigen Perspektive sehen, und in dieser Einheit sie als einen  geistlichen Schatz betrachten.
Der wesentliche Zusammenhang ist heute so klar im Gewissen eines jeden Gläubigen, dass es garnicht nötig ist, speziell darauf hinzuweisen. Die Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu ist der kostbarste, äußerste, zärtlichste Liebeserweis Unseres Erlösers uns gegenüber. Der Weg um zum Herzen Jesu zu kommen, ist die Mittlerin aller Gnaden. Und so geht man zum Herzen Jesu durch das Herz Mariens. Diese Andacht zum Herzen Mariens, die der hl. Antonius Maria Claret so sehr ins Licht setzte, scheint dem hl. Ludwig nicht bekannt gewesen zu sein. Aber es ist der Verbindungspunkt zwischen der Botschaft von Paray-le-Monial und der Verkündigung des marianischen Apostels der Vendée. Ein Verbindungspunkt, der, nebenbei gesagt, sehr in der Botschaft von Fatima hervorgehoben wurde.
Doch außer diesen grundsätzlichen Banden gibt es noch andere.
Wir können sie in einem raschen Überblick gut verstehen, wenn wir überlegen, was heute Frankreich und die christliche Zivilisation und die Welt sein könnten, wenn beide Bewegungen, Paray-le-Monial und die Vendée, in den 17. und 18. Jahrhundert siegreich hervorgegangen wären. An Stelle der Revolution mit all ihren abscheulichen Folgen, die uns bis hin zum gegenwärtigen Schlund mitgerissen haben, hätten wir ein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens. „Opus justitiae pax“ liest man auf dem Wappen Pius XII. Ja, der Frieden Christi im Reiche Christi, von dem wir uns aber immer weiter entfernen.
So haben wir also die enorme Aktualität der Botschaft von Paray-le-Monial und das Werk des hl. Ludwig Maria hervorgehoben. Sie lehren uns, dass der Grund der Probleme, die die gegenwärtige Krise hervorgebracht hat, religiös und sittlich ist. Sie zeigen uns auch die übernatürlichen Mittel, durch die die weltweite Revolution unserer Tage, die die unverschämte und verderbliche Tochter der Französischen Revolution ist, erwürgt werden kann. Nur aus dem guten Gebrauch dieser Mittel können auf kultureller, sozialer und politischer Ebene die Reaktionen hervorkommen, um auf der Welt das Reich Christi durch das Reich Mariens vorzubereiten.

Plinio Corrêa de Oliveira

São Paulo, Oktober 1958


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Dienstag, 3. Februar 2015

Der Löwe im Wappen der TFP


Plinio Corrêa de Oliveira

Der heraldische Löwe der TFP verbindet auf angenehme Weise drei Eigenschaften: viel Kraft, Bewegung und viel Leichtigkeit.


Man hat nicht den Eindruck eines schwergewichtigen, fleischgierigen oder reißenden Löwen. Er weckt eher den Gedanken an Eleganz, Edelmut und Tapferkeit. Ein Löwe wie ein Kreuzritter.


Diese Eigenschaften ergeben den Charme des Löwen.
Ein weiteres Element ist die Haltung des Kopfes: stolz hält er ihn erhoben. Er blickt den Feind ins Angesicht und schreitet mit gespreizten Pranken zum Angriff. Der Schwanz bildet eine Art Siegesfähnlein, als wenn er künden wollte: „Nach dem Angriff kommt der Sieg“.

Das glänzende Rot des Hintergrunds spricht von der Fülle des Lebens, von Sieg.

Zu beachten ist auch die Taille: schlank, so dass die Brust sich aus der Taille erhebt fast wie ein Springbrunnen. Die Hinterfüße öffnen sich symmetrisch und sehr elegant.
Alles, was entzückt und begeistert besitzt einen großartigen Charme. Dies ist der großartige Charme des kampfbereiten Löwen der TFP.
  
Ohne Revision des Autors

Donnerstag, 22. Januar 2015

Wer wird siegen?

  
Wer wird in den heutigen Kampf zwischen Gutem und Bösem siegen? Die Wolken, die vor uns hängen, sind keinesfalls rosig. Aber wir sind durch eine unbesiegbare Gewissheit beseelt, dass die Kirche nicht untergehen wird — was offensichtlich ist, wenn man das göttliche Versprechen in Erwägung zieht —, sondern zu einen Triumph kommen wird, der noch größer sein wird als der Sieg der Christen bei Lepanto im 16. Jahrhundert.
Wie? Wann? Die Zukunft gehört Gott allein. Was aber sicher ist, ist die Tatsache, dass der Heilige Geist weiterhin bewundernswerte geistige Kräfte des Glaubens, der Reinheit, des Gehorsams und der Hingabe innerhalb der Kirche hervorruft. Mit der Hilfe der Heiligen Jungfrau Maria werden sie, bei geeigneter Gelegenheit den christlichen Namen mit Ruhm bedecken.  

Plinio Corrêa de Oliveira


Quelle: Allianz mit Maria – Heft Nr. 2 Juni/Juli 2013 – Hrsg.: DVCK e. V. – Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“