Samstag, 9. Juni 2018

Das durchbohrte Herz Jesu

  

Das Schöne an diesem Kreuz ist, dass es eines der tragischsten, dramatischsten Aspekte des Leidens Unseres Herrn Jesus Christus hervorhebt: das aus seinen Wunden fließende Blut. In den Wunden kommt das lebendige Fleisch sehr realistisch zum Vorschein, ebenso das Blut, das daraus den Körper hinab fließt. Um das noch besser zu veranschaulichen, wählte der Künstler kleine Rubinsteine, die die Tropfen des Blutes darstellen und durch ihren Glanz den Eindruck des noch frischen fließenden Blutes geben.
Auch die Seitenwunde, die ein römischer Soldat mit einer Lanze öffnete und das Heiligste Herz traf und aus der dann die letzten Tropfen von Wasser und Blut aus dem Leichnam Jesu flossen. Dies war das Zeichen seines Todes, dass das Opfer vollbracht war, dass das Leben ganz hingegeben war, dass sein Wesen vollständig zerstört war. So ist es auch in der heiligen Kommunion: Jesus gegenwärtig im verwandelten Brot und Wein mit seinem Leib und Blut, Seele und Gottheit wird vollständig konsumiert (zerstört) nachdem wir ihn empfangen haben.
Unser Herr setzte das eucharistische Opfer unter den zwei Gestalten, Brot und Wein, ein zum Gedächtnis an sein Leiden und Tod, wo am Ende beide, Leib und Blut, völlig getrennt waren. Sein ganzes kostbares Blut vergoss Er, um uns zu erlösen; die Eucharistie setzte Er sein, damit wir uns versammeln und durch die Einnahme der Kommunion, an dieser Erlösung teilhaftig werden. Durch seine unsagbaren Schmerzen und seinen schmählichen Tod, der gezeichnet wurde durch die völlige Trennung von Fleisch und Blut (bis zum letzten Tropfen verblutet), durch diese komplette Zerstörung wollte Er und erlösen.
Und es gibt noch einen schmerzlicheren Aspekt, den wir betrachten wollen, bezüglich seines heiligen Herzens. In der Heiligen Schrift versinnbildlichte das Herz die Seele des Menschen, seine Wünsche, seinen Willen. In den Psalmen findet man zuhauf diese symbolischen Deutungen des Herzens. Es ist auch gewissermaßen das Symbol des Lebens. Es ist das Symbol der Zuneigung und der Liebe. Doch Jesus wollte, dass es möglich sei und tatsächlich geschehen sollte, dass jemand käme und an seinem schon so geschundenen Leib diese letzte Wunde mit einem Lanzenstoß aufriss und sein Herz verwundete.
Diese Verwundung des Herzens zeigt sich als die Vollendung den Leidensweges Unseres Herrn. Wenn es auch so aussieht, dass die Lanze in sein Herz hineingestoßen wurde, um sich zu versichern, dass Er schon Tod sei, und sein Leib vom Kreuz abgenommen werden konnte, so zeigt sie doch eine letzte Tat der Rohheit. Dermaßen waren die Henker bestimmt ihn zu töten, dass sie im Zweifelsfall eine Verwundung durchführten, die ihnen dann die Gewissheit gab, dass Er nun wirklich tot ist. So groß war die Entschlossenheit ihn zu vernichten. Daher war es nicht nur ein Gnadenstoß und eine Tat der Versicherung, sondern auch der Niederträchtigkeit.
So verstehen wir auch die Gegensätzlichkeit des Geschehens. Das Heiligste Herz Jesu, das während seines irdischen Lebens die Menschen mit einer unendlichen Liebe und auf so gegensätzlichen Weg geliebt hat, dass Er bis aufs äußerste ging. Er selber hatte gesagt, eine größere Liebe hat niemand als die, dass er sein Leben hingibt für seine Freunde. Und gerade das tat er für seine Freunde, und diese Freunde sind ein jeder von uns. Er wollte es zulassen, dass dieses sein mit Barmherzigkeit und Güte überfülltes Herz durchstochen werden sollte. Durchstochen von Menschenhand, von Händen, die ihn töten wollten, falls er noch nicht tot wäre. Doch der letzte Punkt der Barmherzigkeit war gerade dieser: Man sagt, dass der Soldat, der die Lanze in sein Herz stieß, halbwegs blind war. Von dem Blut und Wasser, die aus der Seite des Herrn flossen fielen einige Tropfen auf seine Augen und er wurde wunderartig von der Blindheit geheilt. Hier sehen wir auf der einen Seite eine grausame Tat, die von Unserem Herrn erwidert wird durch eine Tat der Güte und der Vergebung. Sie beinhaltet ein Versprechen des Herzen Jesu: alle, die ihm Vertrauen, die auf seine Barmherzigkeit vertrauen, die auf seine Güte vertrauen, dürfen darauf hoffen, dass ihnen vergeben wird, dass sie die notwendigen Gnaden für ihr eigenes Heil erhalten, selbst nach den schlimmsten Sünden, wenn sie ergeben zu Ihm zurückkehren, wenn sie demütig zu Ihm zurückkehren und um Verzeihung bitten. Das heißt, Unser Herr Jesus Christus verlässt uns nie.
Wir können uns den Schmerz der Muttergottes und der heiligen Frauen in diesen letzten Augenblicken vorstellen: als die ganze Zerstörung beendet schien, das nichts mehr zu machen sei, schauten sie hinauf zu Jesus am Kreuz und merken, dass sich jemand nähert und an diesem geschundenen Körper noch eine letzte Grausamkeit verübt, indem er eine Lanze in die heilige Brust bohrt. Doch gleich vernehmen sie die letzte Vergebung. Nehmen wir an, der Soldat ruft in seiner Freude laut aus: Ich kann sehen!
Hier können wir uns den letzten großen Schmerz der Muttergottes vorstellen, indem sie sieht, wie das Heiligste Herz verwundet wird. Ein wenig später legt man den hochheiligen Leichnam ihres Sohnes auf ihren Schoß und sie betrachtet unter Schmerzen aber anbetend den geschundenen Leib und besonders die Wunde an der Brustseite. Wir dürfen annehmen, dass Maria und alle umstehenden irgendwelche Erleuchtungen hatten bezüglich der Andacht zum verwundeten Heiligsten Herzen Jesu, zumal der Heiland mit der Heilung der Blindheit des Soldaten den ersten Beweis seiner Auferstehung gab. Denn selbst als besiegter und gebrochener wirkte er im Tod noch ein Wunder, das niemand je bewirken könnte.
Das heißt, er behielt weiterhin seine vollständige Macht und Lebenskraft mit einer Beharrlichkeit gegen alles, was man ihm schlimmes angetan hatte; nichts wurde in ihm zerstört. Und deshalb sind die letzten Ereignisse schon ein erstes Vorzeichen der Auferstehung.
In der Herz-Jesu Litanei gibt es eine Anrufung, die m.E. eine der schönsten ist: Cor Jesu, lancea perforatum, miserere nobis! Herz Jesu, mit der Lanze durchbohrt, erbarme dich unser! Und wenn man an das von einer Lanze durchbohrte Herz Jesu denkt, denkt man an das Unbefleckte Herz Mariens ebenfalls durchbohrt von dem Schmerzensschwert, das der hl. Prophet Simeon im Tempel vorausgesagt hatte. Beide Herzen sind zusammenhängend. Es sind zwei Herzen voll des Leidens und der Schmerzen.
Deshalb sagen wir auch diese Anrufung als Stoßgebet und Gruß zu dem Kreuz, wenn wir in die Eingangshalle unten eintreten: „Cor Jesu, lancea perforatum, miserere nobis“. In diesem Moment erinnern wir uns auch daran, dass Maria in geistiger Weise unter allen Kreuzen der Welt steht mit all ihren Fürsprachen und Bitten. Bitten wir sie, dass sie unsere Nöte mit einbeziehe.

Möge das durch die Lanze durchbohrte Herz Jesu sich unser erbarmen, um uns die Heiligkeit und dieses hochgradige geistliche Leben zu erlangen, die zur Berufung unseres Lebens gehören. Möge uns Maria die Gabe verleihen, gegen alle Feinde des Allerheiligsten Herzen Jesu und ihres Unbefleckten Herzen mit aller Kraft energisch und furchterregend entgegenzutreten.

Vortrag am  12.2.65

Das hier mehrmals abgebildete Kruzifix befindet sich im Hauptsitz der Brasilianischen TFP in São Paulo.

Freitag, 8. Juni 2018

Gebet zum Heiligsten Herzen Jesu

      


Aufschauend zum gekreuzigten Heiland und die vom römischen Hauptmann aufgerissene Seitenwunde betrachtend, bitten wir ihn durch die Anrufung aus der Herz-Jesu-Litanei:
Cor Jesu lancea perforatum, miserere nobis!“ Herz Jesu, von einer Lanze durchbohrt, erbarme dich unser! So weit hast Du Dein erbarmen mir gegenüber getragen, dass Du wolltest, trotzdem Du schon gestorben warst, dass Dein Herz von der Lanze durchbohrt werde und der letzte Rest an Wasser und Blut Deines kostbaren Körpers aus Liebe zu mir auch noch herausfließen sollte, damit ich diesen kostbaren Schatz, den Du mir geschenkt, verwerfe. 
Jeden Tag der Karwoche möchte ich jeden Schritt Deines Leidenwegs mit der Bitte betrachten: „Anima Christi, sanctifica me“, Seele Christi, heilige mich! Es gibt nicht heiligeres als die Seele Christi… Möge sie mich berühren und bewirken, dass ich heilig werde. Nichts anderes will ich!
„Corpus Christi, salva me!“ „Leib Christi, rette mich!“ … „Blut Christi, tränke mich!“ „Wasser der Seite Christi, wasche mich!“ … und wasche mich! „Leiden Christi, stärke mich!“ Blicke auf mein Elend, auf meine Trägheit, auf meine Unzulänglichkeiten. Stärke mich auch im Kampf gegen Deine Feinde. „O guter Jesus, erhöre mich“ auf die Fürbitten Mariens! „Birg in Deinen Wunden mich“,  zum Schutz vor dem gerechten Zorn des Ewigen Vaters. „Von Dir lass nimmer scheiden mich!“ „In meiner Todesstunde rufe mich, zu Dir zu kommen heiße mich, mit Deinen Heiligen zu loben Dich in Deinem Reiche ewiglich. Amen!“

Dienstag, 5. Juni 2018

Herz-Jesu-Verehrung

Plinio Correa de Oliveira 


Eingriff des Herzen Jesu in die Geschichte


Wir finden die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu am Beginn aller größeren und kleineren, bekannten oder weniger bekannten gegenrevolutionären Bewegungen, die im 17. Jahrhundert erschienen sind, zu der Zeit, in der die hl. Margareta Maria Alacoque die himmlischen Offenbarungen dieser Andacht erhielt. Sie erhielt den Auftrag, im Namen des Heiligsten Herzen Jesu dem König Ludwig XIV. zu sagen, er möge Frankreich dem Heiligsten Herzen Jesu weihen und im Wappen seines Königreiches das Bild des Herzen Jesu einzufügen.


Sie versprach dem König, wenn er die Feinde der Kirche bekämpfen würde, würde ihm das Herz Jesu beistehen und sein Königtum zu großem Ruhm führen... (Vgl. Marguerite-Marie Alacoque, Vie et oeuvres, Saint Paul, Paris-Fribourg, 1990, t. II, pp. 335-337, 343-344, 435-436).
Das Heiligste Herz Jesu erwartete von Ludwig XIV. eine Umkehr seiner politischen Orientierung und dass er sich an die Spitze der Gegenrevolution stellen sollte. Würde er dies tun, würde seine Herrschaft großen Ruhm und Frankreich als katholisches Reich seinen Höhepunkt erreichen. Damit hätte sich die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu über die ganze Welt verbreitet; in Frankreich hätte es dann auch ein günstiges Klima für die Predigten des hl. Ludwig von Montfort gegeben, die sich ebenfalls über die Welt verbreitet hätten – der hl. Ludwig lebte zur Zeit Ludwigs XIV. – und es hätte auch die Französische Revolution verhindert werden können. Wäre Ludwig XIV. dem Wunsche des Herzen Jesu nachgekommen, wäre die Revolution noch aufzuhalten gewesen und die schreckliche Fratze den sie mit der Französischen Revolution annahm, hätte verhindert werden können.


Deshalb hat diese Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu seit ihrem Anfang einen tiefen und deutlichen gegenrevolutionären Sinn.


Prof. Fernando Furquim de Almeida (brasilianischer Historiker und Vize-Präsident der brasilianischen TFP), der sich eingehend mit diesem Thema befasst hat, hebt hervor, dass die verschiedenen gegenrevolutionären Bewegungen, die sich im 18. und 19. Jahrhundert gebildet haben, im Zusammenhang mit der Verbreitung der Herz Jesu Verehrung stehen. Die französischen royalistischen Widerstandskämpfer gegen Napoleon, die "Chouans" in der Vendée, trugen als Abzeichen auf ihren Fahnen das Herz Jesu. Die Herz Jesu Verehrung wurde immer von den Guten verkündet, begeisterten die Guten und war für sie stets ein Grund des Mutes und der Stärke. Von den Bösen wurde sie immer gehasst.


Einwände gegen die Herz-Jesu-Verehrung


Was sagen die Böswilligen gegen die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu?
Zunächst etwas, was sie als entscheidendes Argument vorführen: „Warum das Herz Jesu anbeten? Könnte man auch nicht eine fromme Andacht der heiligen Hände Jesu einrichten? Der heiligen Augen Jesu? Man könnte doch den ganzen Leib Jesu auseinandernehmen und jeden Körperteil verehren: die Ohren, die die Bitten der Menschen hören, den Mund, der zu den Menschen sprach, die Hände, die gesegnet haben (dass sie auch die Händler im Tempel gezüchtigt haben, wird nicht erwähnt…). Wäre es also nicht angebracht diese Teilverehrungen einzuführen?“


„Außerdem“, sagen sie, „ist es eine sentimentale Verehrung. Das Herz ist das Symbol des Gefühls und führt hin zur Gefühlsduselei. Als solche hat sie überhaupt keinen theologischen Inhalt und darf also nicht geübt werden.“


Dem entgegen stellen wir fest, dass der Heilige Stuhl diese Andacht des Öfteren durch feierliche, inhaltsvolle und wunderbare päpstliche Dokumente empfohlen hat (s. z.B. die Enzyklika „Inescrutabile divinae Sapientiae“ von Pius VI. 1775). Ebenfalls wurde diese Andacht mit vielen Ablässen versehen, wie die Haltung der neun ersten Freitage, die vom Herzen Jesu selbst gewollt wurde und die Sühnekommunion für die Sünden und Beleidigungen, die gegen das Heiligste Herz Jesu begangen werden. Die Kirche versah die von ihr eingerichteten Herz-Jesu-Bruderschaften und -Erzbruderschaften mit vielen Ablässen. Sie bestätigte und förderte den Bau von Kirchen, Altäre, Bilder und Statuen zu Ehren des Heiligsten Herzen Jesu. Diese Andacht wurde im Übermaß von der Kirche gutgeheißen, so dass sie unser vollständiges Vertrauen haben kann.


Der Einwand, man könne ja dann auch alle Teile des heiligen Leibes Jesu verehren, ist vollkommen sinnlos. Man kann natürlich im Privaten die heiligen Hände Jesu verehren, wir können und sollen Ihn auch in Seinen so ausdrucksvollen, königlichen, lehreichen und rettenden Augen anbeten. Wir brauchen ja nur an die Bekehrung des Petrus denken, wozu nur ein Blick des leidenden Jesus genügte.


Doch die Kirche in ihrer Weisheit weiß, dass das Erhabene leicht ins Lächerliche führen kann: Für pöbelhafte Mentalitäten wäre es ein leichtes, so auseinandergenommene Teilandachten, die auf die menschlichen Gefühle in der Tat anstößig wirken, zu verhöhnen. Doch im Grunde steht solchen Andachten nichts entgegen, wenn sie in angemessener Weise geübt werden.


Man erzählt, z.B., von den Steinen auf dem Kreuzweg, die Fußabdrucke Jesu zeigen. Seine göttlichen Füße anbeten, als die, die über die Erde wanderten um zu lehren, die sich mit Staub bedeckten, um zu lehren und zu heilen, das Böse zu bekämpfen; diese Füße anbeten, die ihm dienten, das Kreuz zu tragen und sich mit dem Blut unseres Heils befleckten, die durch Nägel bei der Kreuzigung durchbohrt wurden…, dies ist alles wahr, richtig und notwendig.


Es ist sogar eine schöne Weise Jesus anzubeten, indem wir uns den Gesinnungen und Betrachtungen der Muttergottes anschließen, als Sie nach der Kreuzabnahme den toten Leichnam Ihres Sohnes auf Ihrem Schoß hielt. Sie betrachtete jeden Teil dieses gemarterten Leibes mit Schmerz, mit dem tiefsten Begriff der Liebe, der Andacht, der Ehrfurcht, der Zärtlichkeit. Sie sah alle Teile und betete sie an wahrscheinlich in der Erwägung der Bedeutung des Leidens eines jeden Teiles. Sie ermaß auch die Beleidigung Seiner Gottheit, die die Geißelung an all Seinen Gliedern bedeutete. Sie übte also diese Andacht aus.


Es ist also sozusagen nur eine Frage der Zweck- und Verhältnismäßigkeit, sowie vom Sinn für Äußerlichkeiten, die die Kirche davon abhält, eine Verehrung der einzelnen Teile des Leibes Jesu zu fördern.


Gegenstand der Herz-Jesu-Verehrung


Was ist eigentlich die Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu? Es ist die Verehrung eines Organs Unseres Herren, dass da ist, das Herz. Doch in der Heiligen Schrift hat das Herz nicht die sentimentale Bedeutung, die ihm gegen Ende des 18. Jahrhunderts und ganz bestimmt im Laufe des l9. Jahrhunderts angehaftet wurde. Das Herz drückt im religiösen Sinn nicht nur Gefühle aus. Wenn es in der Heiligen Schrift heißt: „Richte mein Herz darauf hin, allein deinen Namen zu fürchten!“ (Ps 86,11); oder: „Deinen Vorschriften neige mein Herz zu, doch nicht der Habgier!“ (Ps 119,36); oder: „Mein Herz richte sich ganz nach deinen Gesetzen: dann werde ich nicht zuschanden.“ (Ps 119,80); oder: „Mein Herz ist bereit, die Gesetze zu erfüllen bis ans Ende und ewig.“ (Ps 119,112), bedeutet das Herz den menschlichen Willen, einen Vorsatz, ja eigentlich die Heiligkeit des Menschen. Im Evangelium lesen wir auch über die Muttergottes: „Maria aber, bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“ (Lk 2,19). Das Herz steht hier nicht als Gefühlsherd, sondern als Sitz des Selenlebens, wo Sie alles bewahrte. Das Herz ist Symbol für den Willen des Menschen, sein dynamisches Element, das alle von den Sinnen erfassten Dinge betrachtet und erwägt und entsprechend reagiert und wiederum nach außen wirkt. Das Heiligste Herz Jesu ist dies in Unserem Herren. Daher und in diesem Sinn wird das Heiligste Herz Jesu angebetet.


In diesem Zusammenhang steht auch die bedeutungsvolle Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens: es ist ein Schrein, in dem wir das Heiligste Herz Jesu wiederfinden.


Dieser Andacht versprach Unser Herr einen Strom von Gnaden. Das markanteste Versprechen bezieht sich auf die Übung der neun ersten Freitage, in dem Jesus denen zusichert, dass sie nicht sterben werden, ohne vorher die Gnade der Vergebung und der Reue erhalten zu haben, wenn sie die neun Freitage einmal durchgeführt haben. Das heißt nicht mit Sicherheit sofort in den Himmel zu kommen, oder, dass sie ihren Tod vorahnen werden. Jedoch, dass sie in der Stunde des Todes eine so große Gnade erhalten werden, sodass man alle Hoffnungen auf das Heil ihrer Seele haben darf.


So versteht man welch großes Anliegen es der Kirche ist, dass diese Andacht bekannt, geschätzt und mit Vernunft geübt wird, denn eine rein gefühlsmäßige Andacht macht keinen Sinn. Eine aufrechte und ernstzunehmende Andacht will auch ihre Grundlage kennenlernen und verstehen. Sie will geliebt werden auf Grund ihrer Daseinsberechtigung. So urteilen ernsthafte Seelen über Frömmigkeitsübungen. Also, darüber nachdenken, unsere Seele zum Herzen Jesu richten, das die Quelle der angebrachten Gnaden ist, für unsere Zeit der unaufhaltsamen Revolution, für schwierigere Zeiten, die noch kommen werden, und bitten, dass durch das reinigende Blut und Wasser, das aus ihm floss, uns wasche. Das wären erhabene Gedanken, die wir an jedem Freitag und vor allem am Karfreitag hegen sollten.



Wir kennen den Fall des römischen Hauptmannes, der mit einer Lanze das Heiligste Herz Jesu durchbohrt hat. Als er diese Gewalttat gegen diesen heiligen Schrein verübte, flossen aus ihm Wasser und Blut, von denen einige Spritzer auf seine Augen fielen. Er, der fast blind war, fühlte sich sofort geheilt, er konnte wieder sehen. Für uns ist dieses Wunder äußerst beredsam. Das heißt, wer das Heiligste Herz Jesu verehrt, darf eine ebensolche Gnade bitten, nicht um das körperliche Augenlicht wieder zu erhalten, das wir, Gott sei Dank, besitzen, sondern um unsere innere Blindheit zu heilen, damit wir das Gute und das Böse in uns und um uns erkennen; damit wir die Seelen unseres Nächsten erkennen, um ihm Gutes zu tun und ihm zu helfen. In all unseren Nöten dürfen und sollen wir das Herz Jesu anrufen, dass es mit einer Gnade, so wie dem römischen Hauptmann, die Blindheit unserer Seele heilt, denn wir sind geistig mit viel Blindheit geschlagen.


Bitten wir dem Heiligsten Herzen Jesu durch die Vermittlung des Unbefleckten Herzens Mariens – denn nur durch diese erlangen wir die Heilung unserer vielfältigen Blindheit – und wir werden auf dem Weg sein, eine große Gnade zu bekommen.


(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 4. März 1965. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)

Sonntag, 3. Juni 2018

Hl. Chlothilde – 3. Juni



Obwohl sie eine Tochter der burgundischen Könige war, hatte Chlothilde eine sehr traurige Kindheit. Gundobald, ihr ehrgeiziger Onkel, ermordete Chlothildes Eltern, zwei ihrer Brüder, sperrte ihre ältere Schwester in ein Kloster, nahm Chlothilde, ein Mädchen von außergewöhnlicher Schönheit, mit sich. Obwohl sie nun in einer arianischen Umgebung lebte, hatte Chlothilde das Glück, eine katholische Erzieherin zu bekommen, die sie in der wahren Religion erzog. Je mehr Abneigung sie über die Anwesenheit des Mörders ihrer Eltern fühlte, desto mehr gab sie sich Gott und ihrer göttlichen Mutter hin.
Vergeblich bemühte sie sich der Welt unerkannt zu bleiben; ihre seltene Schönheit, und noch mehr die außerordentlichen Herzens- und Geisteseigenschaften erweckten die Aufmerksamkeit in ganz Burgund, das sich rühmte, eine solch tugendhafte Prinzessin zu besitzen.
Als Chlodwig I., König der Franken, um ihre Hand bat, gab sie erst nach vielem Gebet ihre Zustimmung, doch unter der Bedingung, dass der König, der noch ein Heide war, ihr die Übung der christlichen Religion erlaubte. Chlodwig gab sein Ehrenwort, die Religion Chlothildes zu respektieren, und so heirateten sie im Jahr 492.
Chlothildes einziger Wunsch war, den König und das Volk zum Katholizismus zu bekehren. Auf den Einfluss des guten Beispiels vertrauend, errichtete die Königin im Palast eine kostbar ausgestattete Kapelle und ließ dort Gottesdienste auf großartigster Weise feiern. Persönlich, von strenger Pünktlichkeit in der Erfüllung ihrer religiösen Aufgaben, führte sie ein Leben von beispielloser Buße und Wohltätigkeit. Auf diese Weise gelang es ihr nicht nur unter den mehr oder weniger der Religion feindlich eingestellten Personen geliebt und respektiert zu werden, sondern sie erreichte auch, dass der König die Vorurteile gegenüber der Religion ablegte und glücklich war, eine so tugendhafte Gemahlin zu haben.
Chlothilde ließ keine Gelegenheit aus, ihrem Mann die Schönheit der Religion Christi zu zeigen. Sie betete unaufhörlich zur göttlichen Barmherzigkeit, dass sie Mitleid mit dem König und dem Volk von Frankreich habe und ihnen die Gnade der Bekehrung gewähre. Chlodwig war den Bitten seiner Frau nicht unzugänglich, aber er wagte es nicht, den Aberglauben des Heidentums aufzugeben, weil er das Unbehagen seiner Untertanen fürchtete. Dennoch stimmte er zu, dass das erste Kind mit aller Feierlichkeit getauft werden sollte.
Gott gefiel es jedoch, seine treue Dienerin harten Prüfungen zu unterwerfen. Der erste Sohn starb wenige Tage nachdem er getauft wurde. Der Schmerz des Königs war unbeschreiblich, und sein Herz erfüllte ihn mit einem Groll gegen seine Frau, gegen die er die schwersten Anschuldigungen erhob. „Ich sehe im Tod meines Sohnes den Zorn der Götter, die auf die christliche Taufe zornig geworden sind.“ Chlothilde antwortete sanft: „Nicht weniger Grund habe ich den Tod meines Kindes zu betrauern; aber ich danke Gott, dass er sich würdigte, mir einen Sohn zu geben, um ihn sofort in sein Reich aufzunehmen.“ Was für eine schöne Antwort, würdig einer christlichen Mutter!
Chlothilde opfert ihr Kind Gott auf
Chlothilde ließ sich nicht entmutigen und fuhr fort, Chlodwigs Geist vorzubereiten, um die Gnade des Christentums zu erhalten. Als sie das zweite Kind zur Welt brachte, erlangte sie die Zustimmung des Königs für die Taufe des Kindes. Es ergab sich jedoch, dass dieses zweite Kind nach dem Empfang des Sakraments ebenfalls schwer krank wurde. Für Chlodwig gab es keinen Zweifel mehr, dass das christliche Sakrament die Ursache für den Tod des ersten und die Krankheit des zweiten Kindes war. Vor Schmerzen verblendet, brach er in Blasphemien aus und warf seiner Frau die schwersten Beleidigungen zu. Chlothilde erlitt alles in Schweigen, aber ihre Liebe zu Gott und das Vertrauen in die göttliche Vorsehung blieben unerschütterlich. In der Absicht die Beleidigungen und Blasphemien ihres Gemahls gegen die Religion zu sühnen, nahm sie das kranke Kind in die Arme und kniete vor dem Kruzifix. Sie opferte dem Herrn die Unschuld ihres Sohnes, für die Bekehrung seines Vaters auf. Gott belohnte diese Demut und Nächstenliebe mit der augenblicklichen Heilung des Kindes.
Chlodwigs Freude und Erstaunen, seinen Sohn gesund und munter zu sehen, waren unbeschreiblich. Die Größe und Macht des Gottes der Christen lobend, versprach er, den christlichen Glauben anzunehmen, ein Versprechen, dessen Erfüllung er später aus tausend Gründen immer wieder verzögerte.
In dieser Zwischenzeit kam der Krieg gegen die Alemannen. Als er sich von seiner Frau verabschiedete, sagte sie zu ihm: „Vertraue nicht deinen Göttern, die überhaupt keine Macht haben, sondern vertraue auf Gott, den Allmächtigen, Er wird dir den Sieg über deine Feinde geben. Denk an diese Worte, wenn du dich in Gefahr befindest.“
Die Schlacht von Zülpich
In Zülpich fand eine blutige Schlacht statt, und der Sieg hing auf der Seite der Alemannen. In den Reihen von Chlodwigs Armeen herrschte bereits ein Zustand der Unordnung, und er selbst war in Gefahr, gefangen genommen zu werden. In dieser höchst beängstigenden Lage erinnerte sich Chlodwig an die Worte seiner Frau, die sie ihm beim Abschied gesagt hatte, und mit zum Himmel erhobenen Augen und Händen, betete er: „O Gott der Chlothilde! Wenn Du mich von dieser Gefahr befreist und mir den Sieg gewährst, werde ich an Dich glauben und Deine Religion wird in mein Königreich eingeführt werden.“ Sofort hat sich die Lage verändert. Eine unerklärliche Panik ergriff die Feinde, die nun komplett besiegt wurden. Unbeschreiblich war der Jubel der Franken und des Königs, der die Macht des Christen-Gottes so offensichtlich erfahren hatte.

Die Taufe Chlodwigs
Diesmal hielt Chlodwig sein Wort. Vom hl. Remigius in der christlichen Lehre unterrichtet, wurde er 496 in Reims von demselben heiligen Bischof getauft, und mit ihm erhielten 3000 Franken das gleiche Sakrament. Die Straßen der Stadt waren festlich geschmückt, und die Kathedrale war feierlich hergerichtet. „Ist das das Himmelreich, heiliger Vater?“, fragte der König, als er die Schwelle der Kathedrale überquerte. Als der Bischof ihm von Christi Tod am Kreuz berichtete, antwortete Chlodwig: „Wenn ich mit meinen Franken dort gewesen wäre, wäre ihm das nicht passiert.“ Als Chlodwig am Taufbecken ankam, empfing der hl. Remigius ihn mit diesen Worten: „Neige dein Haupt, hochmütiger Sigamber, und bete an, was du bis heute verfolgt und verfolge, was du bisher verehrt hast.“ Die Überlieferung sagt, dass bei der Taufe Chlodwigs alle Anwesenden eine schneeweiße Taube mit einem Fläschchen heiligen Öls und einen Engel mit einem reich bestickten Banner vom Himmel herab kommen gesehen haben. Die Ampulle existierte bis zur Zeit der Revolution, als sie zerbrochen wurde. Die Lilie ist seitdem Wappen der Könige von Frankreich, sie ist ein altes keltisches Symbol und steht für Fruchtbarkeit.
Wenn auch zum Christentum bekehrt, unternahm Chlodwig weiterhin Eroberungen, und gab viele Beweise seines barbarischen Charakters und wilder Natur. Er starb im Alter von 70 Jahren. Chlothilde hatte viele tiefe Sorgen um ihre Söhne, die brudermörderische Kriege führten. Sie starb 545 und ihr Leichnam befindet sich in der Kirche Sainte Geneviève in Paris.

Übersetzung aus dem Portugiesischen in Legionário, vom 1. Juni 1947, Nr. 775, S. 5-6

Bild: https://www.heiligenlexikon.de/Grundlagen/Gemeinfreiheit.html

Samstag, 2. Juni 2018

Betrachtung und Bittgebet am Fest der hl. Klothilde





Am 3. Juni feiert die Kirche das Fest der hl. Klothilde, welche, sagt die Liturgie, durch ihre frommen Gebete die Bekehrung der Franken vorbereitet und erleichtert hat. Die Bekehrung Chlodwigs und seinen fränkischen Kriegern war eine der wichtigsten Ereignisse der Kirchengeschichte und der christlichen Zivilisation. Es war der Ausgangspunkt aller Triumphe des Katholizismus im Mittelalter. Dieses Ereignis wurde von der Vorsehung durch eine Zusammenführung von Heiligen vorbereitet, in denen besonders die hl. Klothilde, der hl. Remigius, Bischof von Reims, und der hl. Gaston, Bischof von Arras hervorgetreten sind.
"Beuge dein Haupt, Sigamber, verbrenne, was du angebetet und
bete an, was du verbrannt hast
Werke wie diese sind fast zwangsläufig Werke von Heiligen. Was die Atombombe für die weltlichen Mächte ist, ist Heiligkeit für die Kirche: die große Waffe, die die Berge bewegt, das Firmament umwandelt und die Achse der Erde verschiebt.
Die Re-Christianisierung des heutigen Frankreich könnte für die Welt der Wendepunkt für ein neues Mittelalter sein. Bitten wir die Muttergottes und die Schutzheiligen der französischen Nation leidenschaftlich darum, dieses Wunder zur Ehre Gottes und zur Erhöhung der Heiligen Kirche zu wirken. Ein ernsthaft katholisches Frankreich, ohne Kompromisse, ohne Zugeständnisse, ohne Reste des Liberalismus, Jansenismus oder Gallikanismus, ein Frankreich nach den Wünschen eines Louis Veuillot, kann das Antlitz der Erde noch erneuern.

Freie Übersetzung aus Legionário, 1. Juni 1947, Nr. 775 S. 1
Originaltitel: „Meditação e prece na festa de Santa Clotilde“


Bild hl. Klothilde: https://www.pinterest.de/pin/80150068341888456/

Bild Taufe Chlodwigs:: https://www.akg-images.de/archive/Taufe-des-Frankenkonigs-Chlodwig-2UMDHU2FTZMJ.html

Bild Paris: Yann Caradec from Paris, France - La Tour Eiffel vue de la Tour Saint-Jacques

Das Heiligste Herz Jesu: Hoffnung in einer hoffnungslosen Welt



Plinio Corrêa de Oliveira

Wenn es eine Epoche gibt, in der die Hoffnung einzig und allein auf das Herz Jesu liegt, dann ist dies die unsere. Die durch die Menschen begangenen Übel lassen sich kaum überbieten. Um nur einige davon zu nennen, braucht man nur auf die Gotteslästerungen und die Zerstörung der Familie durch Abtreibung, Ehescheidung, Euthanasie, Pornographie, Homoehe und so weiter hinzuweisen.
Papst Pius XI. sagte einmal, dass die heutige Welt derart moralisch verdorben ist, dass sie schnell in ein noch tieferes geistiges Elend abstürzen könnte als jenes, das in der Zeit der Geburt Unseres Herrn herrschte.
In Anbetracht der heutzutage unaufhörlich begangenen Sünden, taucht natürlich die Idee der göttlichen Bestrafung auf. Wenn wir diese sündhafte Welt ansehen, die unter der Last von Tausenden Krisen und Bedrängnissen leidet und nichtsdestotrotz reuelos ist. Wenn wir den furchtbaren Fortschritt des die ganze Welt umfassenden Neuheidentums ins Auge fas­sen und wenn wir, andererseits, die Unent­schlossenheit, die Blindheit und die Unei­nigkeit der sogenannten Guten sehen, erfüllt uns das selbstverständlich vor den düsteren katastrophalen Perspektiven, welche die heutige Generation bedrohen, mit großer Sorge.
Die Vorstellung, dass so viele Verbrechen keine Bestrafung verdienen, dass eine so breite Apostasie Ergebnis irgendwelches intellektuellen Irr­tums sei, entspringt eher einer liberalen Mentalität.
Die Wirklichkeit ist eine ganz andere, denn Gott verlässt Seine Geschöpfe nie. Ganz im Gegenteil. Er gibt ihnen die notwendigen Gnaden, damit sie den richtigen Weg ein­schlagen. Wenn sie einen anderen Weg neh­men, dann sind sie selbst schuld daran.
Dies ist das düstere Bild der heutigen Welt: einerseits haben wir eine sündhafte Zivili­sation, andererseits hebt der Schöpfer die göttliche Geißel und schwingt sie.
Gibt es nichts mehr für die Menschheit als Feuer und Schwefel? Weil wir im Anfang des neuen Millenniums sind, können wir auf eine Zukunft außer der Geißel hoffen, die durch die Heiligen Schriften für die Ver­stocktheit der letzten Tage vorausgesagt ist? Wenn Gott nur allein gemäß Seiner Gerechtigkeit handeln würde, dann gibt es keinen Zweifel, was uns erwartet.
Dennoch, da Gott nicht nur gerecht sondern auch barmherzig ist, sind die Tore der Erlösung für uns noch nicht geschlossen worden. Ein Volk, das in seiner Gottlosigkeit beharrt, hat jeden Grund, die Strenge Gottes zu erwarten. Jedoch will Er, der unendlich barmherzig ist, den Tod die­ser sündigen Generation nicht, sondern dass sie sich bekehre und am leben bleibe (Ezech18,23). Seine Gnade verfolgt also alle Menschen und lädt sie ein, ihre schlech­ten Wege zu verlassen und zur Herde des Guten Hirten zurückzukehren.
Wenn eine reuelose Menschheit jeden Grund hat, jede Katastrophe zu fürchten, hat eine reuige Menschheit jeden Grund, jede Gnade zu erwarten. Tatsächlich, damit die Barmherzigkeit Gottes auf den zerknirschten Sünder wirken kann, braucht seine Reue nicht den ganzen Weg gegangen sein. Selbst wenn er in den Tiefen der Grube sich befindet, wenn er sich aufrichtig und ernsthaft Gott zuwendet, wird er sofort Hilfe erfahren, denn Gott ignoriert auch den Sünder nie.
Der Heilige Geist sagt in der Heiligen Schrift: „Vergisst eine Frau ihren Säugling, eine Mutter den Sohn ihres Schoßes? Mögen selbst diese vergessen, ich aber verges­se dich nicht“ (Is 49,15). Das heißt, sogar in solchen äußersten Fällen, wo eine Mutter aufgibt, Gott tut es nicht. Die Barmherzigkeit Gottes nützt dem Sünder, auch wenn die göttliche Gerechtigkeit ihn auf dem Weg zum Bösen erfasst. Der moder­ne Mensch darf diese zwei grundle­genden Konzepte der Gerechtigkeit und der Barmherzigkeit Gottes nicht aus dem Auge verlieren: Gerechtig­keit, damit wir nicht wagen anzuneh­men, dass wir uns ohne Verdienste retten können; Barmherzigkeit, dass wir an die Rettung unserer Seele nicht verzweifeln, sobald wir die Sün­den bereuen und von neuem anfan­gen.

Gott ist Liebe. Deswegen ruft die bloße Erwähnung des heiligsten Namens Jesu Liebe herbei. Es ist die unendliche, grenzenlose Liebe, die die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit dazu brachte, Mensch zu werden. Es ist die Liebe, die in der völligen Erniedrigung eines Gottes, der zu uns als ein armes, in einem Stall geborenes Kind, ausgedrückt ist.
Es ist die Liebe, erwiesen in jenen dreißig Jahren des verborgenen Lebens in der Demut einer strengsten Armut; erwiesen in den drei harten Jahren der Evan­gelisierung, als der Menschensohn Landstraßen bereiste, Berge bestieg, Täler, Flüs­se und Seen durchquerte, Städte und Dörfer besuchte, durch Wüsten und kleine Ortschaften ging, mit Reichen und Armen redete, Liebe verstreuend und oft Undankbarkeit erntend. Es ist die Liebe, ausgedrückt im Letzten Abendmahl bei der Fußwaschung der Apostel, und die Einsetzung der heiligen Eucharistie. Es ist die Liebe, die ihn antrieb Judas, nach dem verräterischen Kus­s, als Freund anzusprechen;  auch dem herzzerreißenden Blick auf Petrus strömte unendliche Liebe aus. Liebe auch gegenüber den Beleidigungen, die er geduldig und sanftmü­tig erlitt und dem Leiden bis zum letzten Tropfen seines Blutes.


Es ist die Liebe, die den sterbenden Schächer ver­zeiht und ihm ermöglichte, den Himmel zu „stehlen“. Schließlich ist es die Liebe, die im Geschenk einer himmli­schen Mutter an eine elende Menschheit ausgedrückt ist! Jede dieser Episoden wurde von den Gelehrten sorgfältig studiert, durch Künstler wunderbar ausgedrückt, von Heiligen fromm betrachtet und vor allem unvergleichlich in der Gottesliturgie gefeiert. In ihr drückt die Kirche besonders die unendliche Liebe Unseres Herrn gegenüber den Menschen aus. Da sein Herz das Symbol der Liebe ist, feiert die Kirche die Liebe, wenn sie sein Herz verehrt.

Freitag, 1. Juni 2018

Muttergottes vom Heiligsten Herzen


Diesen Beitrag möchte ich schreiben, aus dem Wunsch heraus, die Königin des Himmels mit dieser wunderschönen Anrufung zu ehren.
Wenn es eine Epoche gibt, deren Hoffnung in Anbetracht des vorhandenen Elends einzig und allein auf das Herz Jesu liegt, dann ist es die unsere.
Papst Plus XI. schreibt in einer seiner Enzykliken, dass die heutige Welt derart moralisch verdorben ist, dass sie schnell in ein noch tieferes geistiges Elend abstürzen könnte als jenes, das in der Zeit der Geburt Unseres Herrn herrschte.
Mit anderen Worten, die Irrtümer, die sich im Laufe der vorausgegangenen Jahrhunderte angehäuft haben, der Wahnsinn der Reformation, die teuflischen Verwegenheiten der Aufklärung, die hemmungslosen Ausschweifungen der Sitten, die Verbrechen der Französischen Revolution, die Apostasie der deutschen Philosophen, alles dies schuf ein Umfeld weltweiter Verderbnis, die in den Unruhen, den Katastrophen, der Widersetzlichkeit, der zügellosen Begehrlichkeit in diesem 20. Jahrhundert ihren Höhepunkt erreichte. Dermaßen tief ist der Abgrund des Bösen, in dem wir gefallen sind, dass Pius XI. befürchtete, die unendlichen Verdienste  der Erlösung, die Unser Herr Jesus Christus der Welt brachte, würden für die Mehrheit der Menschen aufgehoben.
Die Ansicht so vieler Vergehen lässt natürlich den Gedanken einer Bestrafung Gottes aufkommen, Denn, wenn wir diese sündige Welt betrachten, die unter der Folter von Tausenden von Krisen und Angstgefühlen seufzt und trotzdem keine Bußfertigkeit zeigt; wenn wir den erschreckenden Fortschritt des Neuheidentums erwägen, der sich auf der Vorstufe der Machtergreifung befindet, um über die ganze Menschheit zu regieren; wenn wir den Kleinmut, den Leichtsinn, die Uneinigkeit derer feststellen, die noch nicht auf die Seite des Bösen übergetreten sind, erschrickt unser Geist in der Vorausahnung der Katastrophen, die die verstockte Gottlosigkeit dieser Generation über sich herabruft.
Die Annahme, dass so viele Verbrechen keine Bestrafung verdienen und dass ein solcher Abfall der Massen nur ein Ergebnis irgendwelches intellektuellen Irrtums sei, ohne dass die Menschheit sich schwer versündigt hätte, entspringt eher einer liberalen Mentalität. Die Realität ist eine ganz andere: Gott distanziert sich von Seinen Geschöpfen und wenn diese sich fern von Ihm befinden, so ist das ihnen anzurechnen und nicht Gott.
Das düstere Bild, was sich der heutigen Welt stellt, ist einerseits eine ungerechte und sündige Zivilisation und andererseits der Schöpfer, der die Geißel der göttlichen Züchtigung schwingt.
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Gibt es also für die Menschheit heute keinen anderen Ausklang, als in einer Sintflut von Schlamm und Feuer zu verschwinden? Könnte man nicht für sie auf eine andere Zukunft hoffen, als ein schmählicher Untergang, bei dem die Unbußfertigkeit mit den schlimmsten Geißeln bestraft wird, wie sie in der Heiligen Schrift als Zeichen des Weltendes vorausgesagt sind?
Wenn Gott ausschließlich seine Gerechtigkeit walten lassen würde, wäre es so ohne Zweifel. Wir wissen selbst nicht, ob die Menschheit überhaupt bis ins 20. Jahrhundert gekommen wäre. Da Gott aber nicht nur gerecht ist, sondern auch barmherzig, haben sich die Pforten des Heils für uns noch nicht geschlossen. Eine Menschheit, die in ihrer Boshaftigkeit verharrt, muss alles von der Strenge Gottes erwarten. Doch Gott, der unendlich Barmherzig ist, will nicht den Tod dieser sündigen Menschheit, sondern, dass sie sich bekehre und lebe. Deshalb sucht Seine Gnade beharrlich alle Menschen, damit sie ihre bösartigen Wege verlassen und zurück zur Herde des Guten Hirten kommen.
Wenn es keine Katastrophen gibt, die eine unbußfertige Menschheit nicht befürchten soll, so gibt es auch keine Barmherzigkeit, die eine reuige Menschheit nicht erwarten kann. Dafür ist es nicht nötig, dass die Reue ihr wiederherstellendes Werk vollende. Es reicht dem Sünder, auch wenn sich noch in der Tiefe des Abgrundes befindet, dass er sich Gott zuwendet mit einem noch so geringen Wunsch wirksamer, ernsthafter und tiefer Reue, um sofort Seine Hilfe zu erwirken, denn Gott hat ihn nie vergessen. So sagt es der Heilige Geist in der Heiligen Schrift: „Wenn mich auch Vater und Muter verlassen, der Herr nimmt mich auf“ (Ps 27,10). Auch im extremsten Fall wenn das Böse den Höhepunkt erreicht und selbst die mütterliche Nachsicht am Ende ist, Gott gibt nicht auf. Die Barmherzigkeit Gottes wirkt sich auch dann aus, wenn die göttliche Gerechtigkeit den Sünder auf seinem Weg der Boshaftigkeit mit Tausend Schlägen trifft.
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Diese beiden wesentlichen Bilder der göttlichen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit müssen immer wieder vor die Augen des heutigen Menschen gestellt werden. Das Bild der Gerechtigkeit, damit er nicht die verwegene Vorstellung hegt, ohne Verdienste das Heil zu erlangen. Das der Barmherzigkeit, damit nicht an seinem Heil verzweifle, sofern er sich zu bessern vornimmt. Wenn die derzeitigen Kriege so deutlich auf die Gerechtigkeit Gottes hinweisen, was kann besser sein, um dieses Bild zu vervollständigen als die Sonne der Gerechtigkeit, die da ist das Heiligste Herz Jesu?
Gott ist die Liebe. Deshalb erweckt die bloße Ankündigung des Heiligsten Namens Jesu in uns die Vorstellung der Liebe. Unermessliche und unendliche Liebe, die die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit dazu brachte Mensch zu werden. Es ist der Ausdruck der Liebe durch die unverständliche Demütigung eines Gottes, der sich den Menschen offenbart als ein kleines armseliges Kind, das in einem Stall geboren wird. Es ist die Liebe, die aus den dreißig Jahren eines verborgenen Lebens durchschimmert, und ebenso aus der Demut einer strengen Armut und unaufhörlichen Anstrengungen der drei Jahre der
Evangelisierung, in denen der Menschensohn Straßen und Wege beschritt, Berge, Flüsse, Seen und Wüsten durchquerte, Städte und Dörfer besuchte, zu Reichen und Armen sprach, überall Liebe aussäte und meistens nur Undankbarkeit erntete. Welch eine Liebe erwies Er den Seinen beim höchsten Mahl, dem die edelmütige Fußwaschung vorausging und gekrönt wurde mit der Einrichtung der Eucharistie! Die Liebe, mit der Er den Judaskuss erwiderte, Petrus anblickte, nachdem dieser Ihn geleugnet hatte, die Schmähungen geduldig und sanftmütig über sich ergehen ließ, die Leiden ertrug bis zum vollständigen Schwinden der Kräfte, dem Schächer vergab und ihm das Paradies versprach, das große Geschenk einer Mutter, das Er dieser elendigen Menschheit gab. Jedes dieser Begebnisse wurde gewissenhaft von den Weisen studiert, von den Heiligen mit Frömmigkeit betrachtet, von Künstlern wunderbar dargestellt und vor allem unvergleichlich in der Liturgie der Kirche gefeiert. Um über das Heiligste Herz Jesu zu sprechen, gibt es nur eins: Jedes dieser Ereignisse entsprechend zu wiederholen.
Die Heilige Kirche will mit der Verehrung des Heiligsten Herzen nichts weiter als den besonderen Lobpreis der unendlichen Liebe erweisen, die Unser Herr Jesus Christus den Menschen entgegenbrachte. Das Herz ist das Symbol der Liebe. Wenn die Kirche das Herz Jesu verehrt, feiert sie die Liebe.
So unterschiedlich und schön die Anrufungen auch sind, mit denen die Heilige Kirche sich auf die Muttergottes bezieht, so werden wir in keiner eine Beziehung zwischen Ihr und der Liebe Gottes vermissen. Diese Anrufungen ehren entweder eine Gabe Gottes, zu der Maria vollkommen treu war, oder eine besondere Macht, die Sie bei Ihrem göttlichen Sohn besitzt. Was beweisen aber die erhaltenen Gaben, als einen besonderen Liebeserweis des Schöpfers zum Geschöpf? Was beweist die Macht, die Maria bei Gott besitzt, als genau diese gleiche Liebe? Deshalb kann Maria zugleich bezeichnet werden als „der Spiegel der Gerechtigkeit“ und „die allmächtig Bittende“. Spiegel der Gerechtigkeit, weil Gott Sie dermaßen liebte, dass Sie in sich alle Vollkommenheiten, die ein Geschöpf besitzen kann und gerade deshalb in keinem sich so vollkommen widerspiegelt als in Ihr. Sie ist die allmächtig Bittende, weil es keine Gnade gibt, die wir nicht durch Sie erhalten und es keine Gnade gibt, die Sie nicht für uns erreichen kann.
Die Anrufung also der Muttergottes unter dem Titel des Heiligsten Herzen ist eine wunderbare Zusammenfassung aller Anrufungen, ein Gedenken an die reinste und schönste Ausstrahlung der göttlichen Mutterschaft, und alle Saiten der Liebe zugleich harmonisch zum schwingen zu bringen, wenn wir sie einzeln in der Lauretanischen Litanei oder im Salve Regina anschlagen.
Doch gibt es eine Anrufung, an die ich hier besonders erinnern möchte. Es ist die der „Fürsprecherin der Sünder“. Gott ist Richter, und so groß Seine Barmherzigkeit auch sein mag, kann Er nicht umhin, Seine Aufgabe als Richter zu vollziehen. Maria hingegen ist NUR Fürsprecherin. Jedermann weiß, dass ein Anwalt ausschließlich die Aufgabe hat, den Angeklagten zu verteidigen. Indem wir also sagen, Maria vom Heiligsten Herzen sei unsere Anwältin, bedeutet das, dass wir im Himmel eine allmächtige Fürsprecherin haben, in dessen Hände sich der Schlüssel eines unendlichen Meeres der Barmherzigkeit befindet.
Was gibt es also besseres, als dieser sündigen Menschheit zu zeigen, dass, wenn sie nicht über die Gerechtigkeit Gottes unterrichtet wird, wird sie mehr und mehr der Sünde verfallen; spricht man über sie, verzweifeln sie an ihrem Heil? Zeigen wir ihr die Gerechtigkeit: Dies ist eine Pflicht, deren Unterlassung die traurigsten Früchte getragen hat. Neben der Gerechtigkeit, die nur die Unbußfertigen verletzt, vergessen wir aber nie die Barmherzigkeit, die dem ernsthaft reuigen Sünder Hilfe leistet, die Sünde zu verlassen und das Heil zu erlangen.

(Übersetzung aus Legionário, Nr. 410, 21. Juli 1940)