Mittwoch, 3. Juli 2024

Ein unverzichtbares Buch

Im sehr erbaulichen Leben des Heiligen Alphons Maria von Liguori, dem Gründer der lobenswerte Kongregation der Redemptoristen, wird berichtet, weil er bereits in fortgeschrittenem Alter nicht mehr in der Lage war, alle Lektüren persönlich durchzuführen, von einem Laienbruder die vorgelesene Seite eines Frömmigkeitswerkes über die Andacht zur Unserer Lieben Frau zuhörte. Der Heilige fragte seinen Bruder, welches Buch das sei, und der Vorleser teilte ihm mit, dass es die „Herrlichkeit Mariens“ sei. Er rief jubelnd aus: „Wie bin ich glücklich, dieses Buch geschrieben zu haben“ und zeigte weiterhin, wie glücklich diejenigen sind, die das Glück hatten auf irgendeiner Art zur größeren Ehre der heiligsten Maria mitgearbeitet zu haben.

Es ist dasselbe Gefühl, das jeden beleben muss, der die glückliche Idee hatte, das schöne Buch mit dem Titel „Ma Mère“ (Meine Mutter) zu übersetzen, das von einem anderen berühmten Redemptoristen, Pater Schryvers, einem polnischen Theologen mit weltweitem Ruf, geschrieben wurde.

     Die mit Liebe und Sorgfalt angefertigte Übersetzung, tadellos gedruckt unter der Schirmherrschaft des Verlags, der rechtzeitig in der Diözese Taubaté gegründet wurde, das auf Portugiesisch den Titel des Originals – „Minha Mãe“ – beibehielt, ist berufen viel Gutes in unserer Mitte zu bewirken. Tatsächlich behandelt er auf bewundernswerte fromme und gebildete Weise ein Thema von höchster Relevanz, dem die Umstände des gegenwärtigen Augenblicks, wenn möglich, eine wirklich brennende Aktualität verleihen.

(antiquarisch noch erhältlich)
     Mit seinem Werk wollte Schryvers vor allem das Wirken der Vorsehung Mariens im geistlichen und weltlichen Leben eines jeden von uns hervorheben. Die Frömmigkeit der wahren Kinder der Kirche begnügt sich nicht damit, zu wissen, dass Unsere Liebe Frau aufgrund der solidesten und unbestreitbarsten theologischen Argumente unsere Mutter ist. Unsere Frömmigkeit bewundert in der konkreten Ordnung der Tatsachen die grenzenlose Macht und die unermessliche Liebe, mit der diese Mutter das Leben eines jeden von uns lenkt, beim Thron Gottes um die besten Gnaden für ihre Kinder bittet, ihre Schritte in den manchmal kritischen Augenblicken des geistlichen Lebens leitet und von ihrem irdischen Weg, alle Leiden abwendet, die für die Heiligung nicht unabdingbar sind.

Daher erblühen rund um Unsere Liebe Frau endlose bewegende Tatsachen, die in Frömmigkeitsbüchern oder in Traditionen überliefert werden und die jeweils auf noch bewegendere Weise die Macht und Nachsicht der himmlischen Fürsprecherin der Sünder bezeugen. Um die Freigebigkeit der Belohnungen zu zeigen, mit der Sie sich für jede Gunst Ihrer Anhänger bedankt, hat Grignion von Montfort einen Ausdruck verwendet, der, wenn ich mich nicht irre, der populären französischen Sprache ihrer Zeit entnommen ist. Dieser Ausdruck sagt alles: „pour un oeuf Elle donne un boeuf“. Tatsächlich ist es derselbe Grignion, der zu Recht behauptet, dass die Liebe Unserer Lieben Frau für jedes ihrer Kinder, selbst für den sündigsten oder von den Menschen am meisten verachteten, die Summe der Liebe übersteigt, die alle Mütter auf der Welt für ihr einziges Kind haben.

Das große Verdienst von Schryvers‘ Buch besteht darin, dass es das von Grignion de Montfort sozusagen vervollständigt. Letzteres ist eine leidenschaftliche und höchst wissenschaftlich fundierte These, in der alle Vorzüge der Heiligsten Jungfrau unwiderlegbar nachgewiesen werden. Das Buch von Schryvers ist ein praktisches Handbuch, um Schritt für Schritt den Weg zu verfolgen, den Grignion mit seiner Lehre beleuchtet. Er nimmt uns an die Hand und führt uns behutsam auf dem Weg der marianischen Spiritualität. Keine Blume bleibt am Rande des Weges zurück, ohne dass er sie pflückt; kein Entzücken geht verloren, ohne dass er es bemerkt, und vor den Kreuzen selbst, die Maria nicht aus dem Weg ihrer Anhänger entfernt, verweilt er liebevoll, kindlich, ruhig, nicht wie ein verurteilter, der vor dem Galgen ihn vor Entsetzen zittern lässt, sondern wie der unerschrockene Krieger auf dem Schlachtfeld, oder besser noch wie unser Herr Jesus Christus, der mit Tränen der Liebe und mit brennenden Küssen der Zuneigung das Allerheiligste Kreuz empfing, durch das er endlich die Menschheit erlösen würde.

Wenn das Buch von Grignion de Montfort unseren Weg bewundernswert beleuchtet, lehrt uns das Buch von Schryvers, wie wir ihm mit unseren eigenen Schritten folgen können.

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Kein Katholik kann leugnen, dass Unsere Liebe Frau die Mittlerin aller Gnaden ist und deshalb ohne die Unterstützung ihrer Gebete niemand gerettet werden kann.

Daher hat jedes glaubenstreue, gelehrte und fromme Buch über die Muttergottes immer die höchste Relevanz für alle Dinge, die grundlegend unsere ewige Erlösung betreffen.

Ungeachtet dessen wage ich zu behaupten, dass das Buch von Pater Schryvers derzeit eine besondere Gelegenheit genießt.

Die Gärung eines Geistes, der sich zu sehr auf weltliche Dinge konzentriert, führt nicht selten dazu, dass einige Katholiken meinen, sie müssten in ihrem Apostolat die zweifellos strengen Anforderungen der katholischen Moral verbergen, die von Neulingen selbst nicht selten die Sicht auf bestimmte Lebensumstände, absolut heroische Opfer verlangt. Solche Geister sagen, dass die Erklärung von Pflichten bedeutet, Seelen zu verscheuchen. Es wäre besser, mit ihnen über Rechte als über Pflichten, über Erlaubnisse als über Pflichten, über Toleranzen als über Kämpfe zu reden. Auf diese Weise würden sie die katholische Lehre leichter akzeptieren.

Ohne zu analysieren, was an einer solchen Sichtweise alles falsch ist, möchte ich nur betonen, dass, anstatt den Katholizismus zu deformieren und die Strenge seiner göttlichen Moral aus den Augen aller zu entfernen, müsste er vollständig verkündet werden, so wie er ist, indem mit der Strenge der Pflicht, die sanften und tröstenden Wahrheiten gepredigt werden, die den Weg, den wir gehen müssen, nicht nur erträglich, sondern auch spannend machen.

Anstelle ständiger Rückzüge, absichtlicher Unbestimmtheit und Kompromisse, die definitiv an den verwerflichsten Laxismus (Lauheit, alles laufen lassen) grenzen, wäre es viel besser, Seelen mit der Verkündigung der Liebe Gottes zu den Menschen anzuziehen, die sich vor allem in den unbeschreiblich tröstenden Geheimnissen von Leben, Leiden und Tod Unseres Herrn Jesus Christus manifestieren, in der Definition der Liebe des Herzens Jesu und der unendlichen Gnaden, die Er uns schenkt, und in der Verehrung Unserer Lieben Frau.

Diese Wahrheiten sind es, die den strengen Weg mit Licht füllen, die uns nicht vom Weg des Guten abweichen lassen, sondern uns die Kraft geben, sie entschlossen zu beschreiten, und die uns gleichermaßen vom lutherischen Laxismus und vom ketzerischen Jansenismus fernhalten.

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Das Apostolat der Eroberung kann nicht ein Prozess des systematischen Rückzugs vom Geist der Welt sein, die Unterlassung unserer Pflichten, nicht einfach als List bezeichnet werden kann, und die „Tarnung“ des Katholizismus zum Ziel haben. Lasst uns mit heiligem Stolz die Kreuze, die Dornen und die Kämpfe zeigen, die sich auf dem Weg des wahren Katholiken befinden. Eine solche Haltung wird Neulinge nicht abschrecken, wenn wir ihnen diesen Weg zu zeigen wissen, der in Herrlichkeit erstrahlt durch den Glanz der Sonne der Seelen, die das Herz Jesu ist, der bei jedem Schritt durch das mütterliche Lächeln Mariens gemildert wird.

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Aus dem Portugiesischen „Um livro indispensavel“ in „O Legionário“, vom 18. Februar 1940

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Diese deutsche Fassung erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

SANGUIS CHRISTI, INEBRIA NOS

 

Wir haben in unserem letzten Artikel die enge Verbindung der ersten beiden vom neuen Erzbischof von São Paulo geäußerten Wünsche, der katechetischen Unterweisung und des eucharistischen Lebens des Volkes, mit den ersten beiden Bitten des „Anima Christi“ behandelt.

Ein weiterer Wunsch, den Dom Carlos Carmelo de Vasconcelos Mota sehr deutlich zum Ausdruck brachte, ist, dass São Paulo viele Priester haben soll. Nichts Gerechteres. Der Priester ist notwendig, um die Sakramente zu verwalten, die Gläubigen zu unterrichten und den Bischof bei der Leitung der Kirche zu unterstützen. Ohne die Sakramente, die Lehre und die Regierung der Kirche wird das gesamte System der Erlösung der Seelen gestürzt. Daher ist der Priester unverzichtbar für das „unum necessarium“, das die Erlangung ewiger Glückseligkeit und die Verwirklichung der Herrlichkeit Gottes in seinen Geschöpfen darstellt. Darüber hinaus gibt es ohne den Priester keine wahre Zivilisation. Der große Papst Pius X. schrieb, dass die einzige Zivilisation, die diesen Namen wirklich verdient, ist die katholische. Die anderen Zivilisationen, die griechische, die römische, die hinduistische, sind Skizzen, großartige Skizzen, wenn wir so wollen, aber letztendlich nur Skizzen, bloße Skizzen einer Zivilisation. Tatsächlich entsteht jede Zivilisation aus der Exzellenz menschlicher Qualitäten. Nun erreicht der Mensch die auf dieser Erde mögliche Fülle moralischer Vollkommenheit nur mit Hilfe der Sakramente, des Lehramtes und der Leitung der Kirche. Daher gibt es ohne den Priester keine vollständige, wahre Zivilisation.

Deshalb erfordern alle heiligsten Interessen der Kirche und des Vaterlandes eine reiche Blüte von Priestern in unserem Land.

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Aber das Priesterleben besteht, obwohl es voller übernatürlicher Tröstungen ist, ausschließlich aus Kreuzen. In einigen Priesterhäusern habe ich ein Bild gesehen, die einen jungen Priester darstellt, der während der Messe die heilige Hostie darbringt. Der Erlöser, dessen Figur ungenau erscheint, umschließt gleichzeitig die Stirn des jungen Leviten mit einer Dornenkrone. Der Reim lautet: „Priester und Opfer“. Ich kenne kein besseres Symbol als das, was das Priesterleben im Wesentlichen ausmacht.

Wie können wir in den jungen Generationen unserer Zeit, die von allen Seiten von den Verführungen der heidnischen Welt angezogen werden, die Liebe zum Opferleben entfachen, das dem Priester eigen ist? Wie können wir sie unempfindlich gegenüber den Rufen der menschlichen Klugheit machen, die ihnen rät, wie vor einem Gespenst aus diesem Leben der Abtötung fliehen und mit aller Begeisterung die Freuden des weltlichen Lebens genießen?

Weltliche Geister lehnen junge Leute, die im Seminar eintreten, als verrückt ab. Und es braucht wirklich den heiligen Wahnsinn des Kreuzes, die männliche und übernatürliche Liebe zum Leiden, damit ein junger Mann der Welt entsagt und in den Priesterstand eintritt. Diesen heiligen Wahnsinn erwerben Christen erst im eucharistischen Leben. Es ist der göttliche Rausch des Blutes Christi, des Weins, der Jungfrauen und Priester hervorbringt. Es ist dieser Rausch, den wir zu wecken versuchen, damit die Berufungen in unserem Land zahlreich, lebendig und fruchtbar seien. Wenn wir lesen, was sich Dom Carlos Carmelo de Vasconcelos Mota in Bezug auf Berufungen wünscht, und im Einklang mit seinem Herzen vibrieren, kann der Ausruf, der aus unserer Brust aufsteigt, nicht umhin: „Blut Christi, tränke die neuen Generationen von São Paulo.“

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Das Volk versteht bis zu einem gewissen Grad die Notwendigkeit eines zahlreichen Klerus. Es ist nicht so üblich, jemanden zu finden, der die Notwendigkeit eines heiligen Klerus versteht.

Es gibt jedoch die gesamte Lehre der Kirche, die gesamte christliche Hagiographie, die zeigt, dass die Wirksamkeit des priesterlichen Handelns viel mehr von der Qualität als von der Quantität der Priester abhängt.

Aus diesem Grund spricht Dom Carlos Carmelo de Vasconcelos Mota akribisch über die Priesterausbildung. Man hat den Eindruck, dass ihm alles, was mit Seminaren zu tun hat, leidenschaftlich am Herzen liegt und dass er keine Ressourcen oder Opfer erübrigen kann, um künftigen Leviten die Ausbildung zu ermöglichen, die sie haben sollten.

Worin besteht diese Schulung? Die breite Öffentlichkeit ignoriert es. Im langweiligen und bescheidenen Leben des Seminaristen sieht sie nur zwei Aspekte: die Entführung der Welt und die Spezialisierung auf religiöse Angelegenheiten. So wichtig diese Aspekte auch sind, sie erschöpfen bei weitem nicht die gesamte Realität. Ein berühmter französischer Priester wurde einmal gefragt, was er während seiner Zeit am Priesterseminar getan habe. Es ist ganz einfach, antwortete er, wir waren zu zweit, ich habe einen aus dem Fenster geworfen und der andere blieb. Wer wird diese Sprache heute verstehen können? Wir alle werden als Folge der Erbsünde mit tiefgreifenden moralischen Mängeln geboren. Es gab einen Schriftsteller, der sagte, dass jede neue Generation eine Invasion von Barbaren in die Welt sei. Diese Mängel sind so tief in unserer Persönlichkeit verankert, dass es die schmerzhafteste aller Mühen ist, sie zu beseitigen. Unser Herr verwendet einen äußerst energischen Ausdruck, um unsere Anhaftung an Fehler zu kennzeichnen: Er vergleicht sie mit Organen unseres eigenen Körpers und sagt aus diesem Grund, dass wir das Auge ausreißen und den Fuß abhauen müssen, die uns zur Sünde geführt haben. Mit anderen Worten: Einen Fehler zu tilgen ist so schwer, wie einen Fuß abzuhauen oder ein Auge auszustechen! Das ganze geistliche Leben geschieht durch die energische Beseitigung unserer Mängel und die Entwicklung unserer guten Eigenschaften nach dem göttlichen Vorbild unseres Herrn Jesus Christus. Das Leben im Seminar ist gerade dazu bestimmt, die entscheidenden und unheilbaren Messerstöße in die Fehler, mit denen wir geboren sind, zum Ausdruck zu bringen. Es ist ein energischer Kampf gegen alles, was Unvollkommenheit bedeuten könnte. Es gelte, „diese schlechten Tendenzen aus dem Fenster zu werfen“. Und diejenigen, die Erfahrung mit dieser Aufgabe haben, wissen, dass es (in der Folge) nichts auf der Welt gibt, das so herrlich, noch so hart, noch so göttlich ist.

Ich verspüre Begeisterung, eine Glut glühender Bewunderung für die jungen Menschen, die ich durch die Stadt gehen sehe, gekleidet in schwarze Priestergewänder, die einen deutlichen Kontrast zu der Jugendlichkeit ihrer Gesichtszüge bilden, junge Menschen, die mit eiligem Schritt und der Aktentasche in der Hand, nach ein paar Monaten Urlaub, zum Seminarkurs zurückkehren. Die Welt versteht die Schönheit Ihres Lebens nicht. Aber wer aus eigener Erfahrung weiß, wie schwer es ist, mit seinen eigenen Fehlern zu kämpfen, kann nicht umhin, von der Selbstlosigkeit dieser jungen Männer begeistert zu sein, die ins Priesterseminar gehen, um sich unter den Einfluss des Heiligen Geistes zu stellen, um mit Hilfe der Gnade ihre durch die Erbsünde deformierte Persönlichkeit mutig dem Vorbild des Priesters anzupassen, der Christus, unser Herr, ist.

Und wie wichtig ist es für die Kirche, für das Christentum, dass sie diese Aufgabe gut erfüllen. Ach, wenn diejenigen, die das Leben der Völker kennen, die Geheimnisse der Gnade richtig zu schätzen wüssten, würden sie verstehen, dass sich die Schicksale von Nationen oft in Seminaren abspielen, und dass es vor allem ein heiliger Klerus ist, ein Klerus, der von allen Makeln befreit, mit denen der Mensch geboren wurde, der die spirituelle Größe der Menschen entstehen lässt.

Der Heilige Vater Pius XI. richtete eine großartige Ansprache an die Fastenprediger Roms, die LEGIONÁRIO kürzlich veröffentlicht hat. In dieser Ansprache zeigt der Stellvertreter Christi die Tiefen des moralischen Verfalls, in den die heutige Welt geraten ist. Wenn wir diese arme Menschheit betrachten, die so von der Sünde befleckt ist, was sollten wir anders anflehen als: „aqua lateris Christi, lava nos“? Wenn das Wasser von der Seite Christi uns nicht wäscht, was wird uns dann waschen? Und welche anderen Hände würden die heutige Welt mit Wasser von der Seite Christi waschen, wenn nicht vor allem die Hände des Priesters, die sich in den strengen und glücklichen Zeiten des Priesterseminars eifrig und ausgiebig in dieser einzigartigen Quelle waschen ließen, aus der alle Reinheit entspringt?

 

 

Aus dem Portugiesischen „SANGUIS CHRISTI, INEBRIA ME“ in „O Legionário“, vom 15. Oktober 1944

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Diese deutsche Fassung erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

Dienstag, 2. Juli 2024

ANIMA CHRISTI, SANCTIFICA NOS

Vielleicht gibt es unter all den vom menschlichen Geist verfassten Gebeten kein einziges, das das „Anima Christi“ übertrifft. In köstlicher Intimität, in vertrauensvollem und zärtlichem Respekt, in klarer Bedeutung und herrlichem Substanzreichtum kenne ich nur das „Salve Regina“ und das „Memorare“, das seinesgleichen sucht. Das „Anima Christi“ besteht aus zwölf Bitten, die wir in zwei sehr unterschiedliche Teile unterteilen können. In den ersten sieben betrachtet der gläubige Christ den Leib und die Seele unseres Herrn Jesus Christus und kommt ihm so nahe, dass man den Eindruck hat, die Wärme des göttlichen Körpers zu spüren und unsere reuigen Lippen wirklich und wahrhaftig die süßesten Wunden des Erlösers zu berühren. Wenn ich mir den heiligen Franziskus von Assisi in der berühmten Vision vorstelle, in der ihn der Gekreuzigte umarmte, stelle ich mir vor, wie er in Ekstase nacheinander die ersten sieben Bitten des Anima Christi stammelt und nicht müde wird, sie die ganze Zeit über zu wiederholen wie das Gebet die Herrlichkeit und Süße der göttlichen Umarmung dauerte. Im zweiten Teil des Gebets steht die Seele schon nicht mehr da und umarmt den Erlöser. Die Ekstase hat aufgehört, und der Gläubige steht am Fuße des Kreuzes und drückt in göttlicher Demut seine letzten und sehnlichsten Wünsche aus, wie Maria, nachdem die engelhafte Heimsuchung vorüber war.

Nun ist es sehr wichtig zu beachten, dass das Programm unseres neuen Erzbischofs aus genau sieben „Punkten“ besteht, ebenso wie die sieben innigsten und intimsten Bitten des „Anima Christi“. Und zwischen jedem Punkt und jedem Flehen lässt sich leicht eine wunderbare Analogie herstellen.

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Der erste Punkt des Programms ist „die Verbreitung und Verteidigung des Glaubens und der Moral des Evangeliums durch Katechese“. Die erste Bitte ist „Anima Christi sanctifica nos“.

Die Seele Christi! Wo können wir sie besser kennen lernen, als im Heiligen Evangelium? Jedes Wort, jede Szene. Jede Geste der heiligen Bücher enthält für uns eine Offenbarung der heiligsten Seele unseres Herrn Jesus Christus. Jener Seele, die die absolute Vollkommenheit der menschlichen Seele ist und in hypostatischer Verbindung mit der Zweiten Person der Heiligsten Dreifaltigkeit einen unendlichen Abgrund der Weisheit und Heiligkeit darstellt, und das vollkommene und höchste Beispiel für das Ideal unserer Heiligung ist. Die Seele Christi! Jene unendlich edle und große Seele, die Himmel und Erde in einem unaufhörlichen Wunsch umfasste, die Menschen zur Ehre Gottes zu heiligen. Jene gesegnete Seele einer edlen, keuschen und zarten Liebe, einer glühenden und diskreten Liebe, mild bis zur äußersten Zärtlichkeit und stark wie Bronze, jene Seele, die die göttliche Sonne unserer Seelen ist, die Seele unserer Seelen selbst , jene Seele würde es sich nicht erlauben, uns nach der Himmelfahrt zu verlassen. Er würde nie sein Versprechen verraten, weiterhin unter uns zu leben. Und aus diesem Grund ist sie immer unter uns gegenwärtig. Wirklich gegenwärtig im eucharistischen Geheimnis, in dem wir Christus mit seinem Leib und Blut, seiner Seele und seiner Göttlichkeit empfangen. Sie ist auch durch die Heilige Katholische Kirche gegenwärtig, deren Lehre die wahre Bedeutung der Heiligen Evangelien enthält und daher der göttlich getreue Spiegel der Seele Christi selbst ist.

Wenn wir die Seele Christi anbeten wollen, lasst uns die katholische Lehre lieben. Wenn wir glauben, was die Kirche glaubt, denken, wie sie denkt, fühlen, wie sie fühlt, ist es in gewissem Sinne die Seele Christi selbst, die in unsere Seele hinabsteigt und sie heiligt, so wie die Sonne selbst ins Wasser hinabsteigt, wenn sie es mit ihren Strahlen berührt und es erleuchtet.

Aber wie können wir an das glauben, was wir nicht kennen? Wie ist es möglich, unsere Seele mit all den Schätzen zu bereichern, die in Dogmen enthalten sind, die wir nicht kennen? Wie ist es möglich, dass wir eine Moral praktizieren, deren Grundsätze wir nicht wissen?

Durch den Religionsunterricht, den er durch katechetische Studien erworben und während seines gesamten Lebens weiterentwickelt hat, kann der Gläubige seine Seele wirklich der Seele Christi anpassen und in der ganzen Wahrheit seines Herzens den bewundernswerten Ausruf beten: „Anima Christi, sanctificame“.

Und als Dom Carlos Carmelo de Vasconcelos Mota den katechetischen Unterricht als ersten Punkt seines Programms aufnahm, kam seine Handlung einem wahren Gebet gleich: „Anima Christi, sanctifica populum meum“.

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Es gibt keine mögliche Heiligung für den Gläubigen, der die Wahrheit seines Glaubens verkennt. Aber diese Kenntnis der Wahrheit allein reicht nicht aus. Ohne das sakramentale Leben können die Gläubigen nicht gerettet werden. In den Tiefen unseres Seins liegen die bitteren Früchte der Erbsünde. Intellektuelle Schatten aller Art, Laster, Mängel aller Art haben in uns Wurzeln geschlagen. Und jedes Mal, wenn wir ehrlich über unsere Pflichten nachdenken, ohne Verstümmelungen oder Verminderungen, gibt es etwas, das in uns schreien würde: „durus est hic sermo“, hart sind diese Worte. Wie oft fällt der arme Mensch unter der Last der Pflicht in Ohnmacht und versucht, dem Joch der Moral zu entkommen? Es gibt keinen Menschen, der ohne die übernatürliche Hilfe der Gnade dauerhaft alle Gebote befolgen kann. Daher ist es notwendig, dass die Unterweisung im Laufe des Lebens vervollständigt wird und dass erkannte Wahrheiten in die Tat umgesetzt werden. Und dafür gibt es nur einen wahren Weg, nämlich das Innenleben. Das innere Leben, ja, und das bedeutet die sorgfältige Pflege aller Tugenden, den erklärten, methodischen Kampf ohne Aufschub gegen alle Mängel. Dieses Ideal erreicht man nicht ohne sakramentales Leben. Durch Gebete und Sakramente erhält der Mensch die nötige Kraft, um die Tugend zu praktizieren. Der Empfang der Sakramente, der „würdige“ Empfang – dieses Wort kommt im erzbischöflichen Text an prominenter Stelle vor – ist der Weg zum Leben. Und unmerklich wenden sich unsere Gedanken den Worten des Evangeliums zu: „Wer dieses Brot nicht isst, wer diesen Wein nicht trinkt, wird das ewige Leben nicht haben.“

Daher enthält der zweite Punkt des Programms unseres Erzbischofs einen sehr wichtigen eucharistischen Gedanken. Im Geiste mit ihm vereint, bitten wir das Allerheiligste Sakrament um die Erfüllung seiner Wünsche. Und mit welchen Worten? Gibt es bessere Worte als diese: „Corpus Christi, salva nos“?

 

 

Aus dem Portugiesischen „Anima Christi, sanctifica nos“ in „O Legionário“, vom 8. Oktober 1944

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Diese deutsche Fassung erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com


Montag, 1. Juli 2024

Die Kirche und die Republik *)


 Plinio Corrêa de Oliveira

Mit wahrer Begeisterung habe ich die schwierige Aufgabe angenommen, die Grundsätze des Heiligen Stuhls in einem komplexen und heiklen Problem zu verteidigen, das die ehrwürdige Stirn der letzten Päpste, die den Thron des Heiligen Petrus bestiegen haben, mit der Dornenkrone des Leidens geschmückt hat.

Es geht um die Herstellung der Beziehungen, zwischen der Kirche und dem Staat in einem echten republikanischen Regime.

Der Katholizismus ist mit den verschiedenen Regierungsformen vereinbar, ob monarchisch, aristokratisch oder demokratisch

Nach der traditionellen Lehre der Kirche, die der Heilige Stuhl unablässig verkündet, ist der Katholizismus mit allen Regierungsformen vereinbar, ob monarchisch, aristokratisch oder demokratisch.

Es fehlt jedoch nicht an orientierungslosen Katholiken, die behaupten, nur die Monarchie sei mit dem Katholizismus vereinbar. Und auf der anderen Seite gab es auch schon diejenigen, die argumentierten, dass nur die Demokratie in die legitimen katholischen Prinzipien passen könne!

Wir sehen also, dass die Kirche mit diesen beiden falschen Lehren vom erhabenen Thron ihrer übernatürlichen Mission entrissen und in politische Kämpfe hineingezogen würde, in denen ausschließlich menschliche Interessen aufeinanderprallen.

Als ob das nicht schon genug wäre, traten Gegner der Kirche auf, die ihr vorwarfen, ein bloßes politisches Instrument in den Händen der sogenannten reaktionären Klassen zu sein, und sie sowohl in ihren Prinzipien als auch in ihrem konkreten Handeln die Kirche für unvereinbar mit dem echten republikanischen Regime hielten.

Die Absicht, die einer solchen Verleumdung zugrunde lag, war offensichtlich: Angesichts der Bindung der Bevölkerung an die republikanische Regierungsform würde die öffentliche Meinung, wenn sie die Kirche als Gegner der Demokratie betrachten würde, mit Sicherheit jegliche religiösen Prinzipien aufgeben.

Diese Verleumdung, die, wie wir sehen werden, in Frankreich durch die brillante Politik Leos XIII. zunichte gemacht wurde, wird immer noch von den spanischen Freimaurern in ihrer Verfolgung gegen die ehrwürdigen Söhne des hl. Ignatius benutzt. Und jetzt, wo das katholische Gewissen Brasiliens, endlich aus seinem kriminellen Schlaf erwacht, beginnt es, von den Behörden den Respekt zu fordern, der seinen Grundrechten gebührt, ist es auch hier immer wieder die Freimaurerei, die dies im Kongress für Gedankenfreiheit, der gerade in Rio Grande do Sul stattfindet, die gleichen Unwahrheiten zu unterstellen versucht, die in charakteristisch für ihre verschlingelte und amoralische Politik sind, aus denen hervorgeht, dass es im Wesen des republikanischen Regimes liegt, sich im absolutesten offiziellen Agnostizismus zu verschließen. Es ist daher nicht überflüssig, an die Grundprinzipien zu erinnern, nach denen die Kirche die Frage der Regierungsformen entscheidet, stets der Unwissenheit oder Böswilligkeit ihrer Gegner überlegen.

Im Mittelalter lebten die verschiedenen Regierungsformen im Schatten der Kirche

Als im 16. Jahrhundert der unheilvolle Taifun des Protestantismus im katholischen Europa ausbrach, war die politische Organisation aller Völker in ihren allgemeinen Merkmalen nach christlichen Grundsätzen gestaltet.

Es gab alle möglichen Regierungsformen, die sogar eine viel größere Vielfalt aufwiesen als heute, was vom politischen Genie mittelalterlicher Staatsmänner zeugt. Tatsächlich muss die Regierungsform Ausdruck der für jedes Land spezifischen Interessen sein und innerhalb der im Naturrecht festgelegten Regeln formuliert werden. Und dieses Konzept reicht aus, um den Fehler moderner Staatsmänner zu demonstrieren, die jegliche kommerziellen Produkte importieren. Wir hatten also die Absurdität einer nach Brasilien verpflanzten nordamerikanischen Verfassung. Und nach sehr zuverlässigen Informationen, die ich hatte – eine charakteristische Tatsache – dachten tschechoslowakische Behörden darüber nach, die brasilianische Verfassung in ihr Heimatland zu übertragen. Als gäbe es zwischen den Vereinigten Staaten, der Tschechoslowakei und Brasilien auch nur die geringste Spur von Ähnlichkeit in den Entwicklungsprinzipien der Nationalitäten sowie im Temperament und Charakter der jeweiligen Völker!

Im Mittelalter gab es Erbmonarchien wie Frankreich, Spanien und Russland. Es gab auch Wahlmonarchien wie den Kirchenstaat, Polen und das Deutsche Heilige Römische Reich, von dem die ungerechte und böswillige Feder Voltaires sagte, es sei weder heilig noch Kaiserreich, noch römisch noch deutsch.

Neben diesen Monarchien gab es auch Republiken, die sich nach demokratischen Grundsätzen regierten, wie die flämischen Städte, oder aristokratische Republiken, wie das Venedig der Dogen.

Und um einen Zusammenhang zwischen solch unterschiedlichen Formen herzustellen, wurde im damaligen öffentlichen Recht ein einziges konstantes Merkmal festgestellt: der offizielle Anspruch, die christlichen Prinzipien der politisch-gesellschaftlichen Organisation zumindest in der Theorie zu respektieren.

Alle Regierungsformen lebten daher im Schatten der Kirche, wurden von ihr gebilligt und bildeten sich oft langsam unter dem belebenden Atem der kirchlichen Autoritäten selbst heraus.

Die Lehre des Heiligen Thomas von Aquin über Regierungsformen

Der heilige Thomas von Aquin, der maßgeblichste Vertreter des mittelalterlichen Denkens, rechtfertigte diese Tatsachensituation mit der Lehre und hinterließ uns die folgenden Grundsätze, die auch heute noch von der Kirche vertreten werden.

Der von Natur aus gesellige Mensch wurde von Gott mit solchen Eigenschaften geschaffen, dass sein Leben in der Gesellschaft nur durch die Existenz einer öffentlichen Macht möglich wird, die die individuellen Aktivitäten zum Wohle der Allgemeinheit regelt und koordiniert.

Daraus folgt, dass die Autorität im Staat durch Anordnung des göttlichen Willens existiert und dass der Gehorsam gegenüber der öffentlichen Autorität indirekt Gehorsam gegenüber Gott selbst bedeutet. Darin und nur darin liegen nach katholischer Lehre der Ursprung und der göttliche Charakter der Autorität.

Die Auswahl der Individuen, denen Autoritätsfunktionen übertragen werden sollen, kann jedoch gleichgültig durch erbliche Übertragung oder durch Wahl erfolgen.

Und die der Autorität innewohnenden Funktionen können in den Händen einer einzelnen Person angesammelt werden, wie in Monarchien; einer Klasse, wie in Aristokratien; oder in der gesamten Gemeinschaft verteilt werden, wie in Demokratien.

Daher liegt der göttliche Charakter der Autorität in der Autorität selbst, unabhängig von der Art der Übertragung und Ausübung.

Mit einem Wort, die monarchische Autorität ist göttlich, ebenso wie die demokratische oder aristokratische Autorität.

Da andererseits Monarchie, Aristokratie und Demokratie jeweils eigene Vorteile haben, dienen sie alle ihrem Zweck, nämlich dem Gemeinwohl. Sie alle sind daher legitim.

Dies waren die Grundsätze, die der ruhige und leuchtende Geist des Heiligen Thomas im Mittelalter vertrat. Und diese Prinzipien stießen auf Zustimmung, sei es bei Verfassern von Abhandlungen und Lehren oder bei Staatsmännern, die sie in der erstaunlichen Vielfalt von Regierungsformen umsetzten, die wir gerade kommentiert haben.

Tatsachen von unbestreitbarer Bekanntheit beweisen daher die traditionelle Neutralität der Kirche gegenüber den verschiedenen Regierungsformen.

Als die Könige sich in Götter verwandeln wollten, betrachteten sich die Menschen als Könige

Als der protestantische Taifun ausbrach, der mit einer zunehmenden Zentralisierung der alten feudalen Monarchien zusammentraf, begannen neue politische Lehren zu kursieren, die von den Prinzipien der Kirche abstrahierten, wenn sie diese nicht offen bekämpften.

Was den Untergang der mittelalterlichen Welt weitgehend kennzeichnete, war in der religiösen Ordnung der Rückgang des Einflusses der Kirche mit dem Ausbruch der Reformation und in der Zivilordnung die Absorption der Aristokratien zugunsten des königlichen Absolutismus.

Absolutismus und Protestantismus, die gleichzeitig aus verwandten Ereignissen und Irrtümern entstanden, konnten von da an nicht umhin, auf dem Gebiet der Lehre gegenseitige und wirksame Unterstützung gegen die Kirche und die Aristokratie zu leisten, die die stärksten Stützen der christlichen Aspekte der mittelalterlichen Organisation darstellten.

So begannen mit dem ungesunden Atem der vom Protestantismus inspirierten Autoren Lehren zu keimen, die die wirkliche Macht aus der legitimen Position verdrängten, in die der hl. Thomas sie gestellt hatte, sich eine direkte und sehr persönliche Übertragung Gottes an den Souverän vorzustellen, der somit vor Gott, und nur vor Gott, für seine Taten verantwortlich wurde. Eine solche Übertragung bedeutete praktisch eine Entfremdung der göttlichen Macht zugunsten der Monarchen und befreite sie von der Überwachung der Kirche und den Zügeln, die die Aristokratie ihrer Allmacht auferlegte.

Um dies zu beweisen, reicht es, zusätzlich zu all den Schwärmereien Ludwigs XIV. zu erwähnen, dass der unglückliche Monarch erklärte, Könige seien kleine Götter – wörtlich –, die die Vorsehung auf Throne setzte, um sie zu repräsentieren.

Das Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten. Als Könige sich in Götter verwandeln wollten, wollten die Menschen Könige werden. Das Gleichgewicht der politischen Organisation war praktisch zerstört. Und dieses Gleichgewicht begann – eine bemerkenswerte Tatsache – in der religiösen Ordnung zu brechen, was einmal mehr beweist, dass der religiöse Frieden die wahre und einzige Grundlage allen sozialen Friedens ist.

Die Kirche fördert das perfekte Gleichgewicht zwischen den Rechten des Einzelnen und denen der Gesellschaft

Eines der Merkmale der katholischen Soziologie, das die Kirche so weit wie möglich in die mittelalterliche Organisation integrieren wollte, ist das perfekte Gleichgewicht, das sie zwischen den Rechten des Einzelnen und den Rechten der Gesellschaft erreicht. Diese zum Wohle des Einzelnen geschaffene Gesellschaft findet ihre ganze Daseinsberechtigung in diesem Einzelnen. Von dieser Doktrin weit entfernt ist eine seltsame Mystik des Staates, die darauf abzielt, kollektives Glück auf den Trümmern des individuellen Glücks aufzubauen. Und andererseits ist von dieser Lehre weit entfernt ein ungerechter und absurder Liberalismus, der den Frieden und die soziale Ordnung auf dem Willen, d.h., der freien Entfaltung der Laune des Einzelnen zu gründen beabsichtete.

Mit dem Absolutismus wurde das Gleichgewicht der katholischen Soziologie gebrochen, und zwei Strömungen wurden extrem und akzentuierten sich zunehmend in ihren jeweiligen Ausrichtungen. Einerseits wuchs die Allmacht des Staates, die damals in der königlichen Allmacht zum Ausdruck kam, und andererseits entstand ein anarchischer Liberalismus, der aus Rousseaus Lehren resultierte. Und das Merkwürdige ist, dass solche Lehren, die offensichtlich durch eine enge Verknüpfung miteinander verbunden waren, heraufbeschworen wurden, um den Untergang der monarchischen Organisation wirksamer herbeizuführen.

Mit dem Ausbruch der Französischen Revolution siegten solche Orientierungen gleichzeitig, und dieser Triumph führte zu der gegenwärtigen widersprüchlichen Vorstellung von gesellschaftlicher Organisation: einerseits ein allmächtiger Staat, dessen despotisches Handeln weder Grenzen noch Schranken kennt, und andererseits, ein Volk, das dank der Lockerung aller repressiven Maßnahmen gegen die Akteure, die die religiöse, politische und soziale Ordnung zerstören, praktisch einer fast-Anarchie verfallen ist.

Bevor sich solche Irrtümer, wie wir gesehen haben, aufgrund der protestantischen und irrigen Lehre von der königlichen Allmacht anhäuften, mangelte es den Völkern und Königen nicht an den Einwänden der Kirche, die sie zur Stimme des gesunden Menschenverstandes und der Vernunft riefen. So sagte Vieira in seinem Werk „Die Kunst des Stehlens“, das dem König D. João IV. selbst gewidmet ist (Kapitel L): „Und wenn jemand glaubt, dass Könige nur von Gott und nicht vom Volk Macht erhalten, soll er wissen, dass dies der Fehler ist, mit dem England verloren ging und der Ketzerei Tür und Tor öffnete, mit der der König sich zum Papst ernannte, indem er annahm, dass er die Macht unmittelbar von Gott erhielt, wie die Päpste.“ Bossuet seinerseits sagte, nachdem er Argumente für die Legitimität der Republik vorgebracht hatte: „Les formes de gouvernement ont été mêlées en diverses sortes, et ont composée divers États mixtes. Nous voyons en quelques endroits de l’Escriture Sainte, l’autorité résider dans une communauté“. (Die Regierungsformen wurden gemischt aus verschiedenen Arten und haben verschiedenen Mischstaaten hervorgebracht. Wir sehen in irgendeiner Stelle der Heiligen Schrift, dass die Autorität in der Gemeinschaft ihren Sitz hat) (zitiert von L. Derôme, im Vorwort zu Machiavellis Buch „Le Prince“, Hrsg. Garnier, S. XXX). Auch Fénélon (in Essay sur le Gouvernement Civil, Kap. X.) sagte über den göttlichen und unantastbaren Charakter der Autorität: ”Ce que nous venons d’avancer ne se borne point à la royauté toute seule, comme si nous étions des idolâtres. La conspiration de Catilina contre le Sénat romain n’était pas moins criminelle que celle de Cromwell contre le roi d’Angleterre” (Was wir gerade vorgebracht haben, beschränkt sich nicht nur auf das Königtum, als wären wir Götzendiener. Catilinas Verschwörung gegen den römischen Senat war nicht weniger kriminell als Cromwells gegen den König von England).

Selbst auf dem Höhepunkt des Absolutismus hörte die Kirche nicht auf, in den Palästen der Könige ihre Doktrin zu bekräftigen, die den königlichen Absolutismus einschränkte, und man könnte sogar sagen, dass sie zu dieser Zeit fast die einzige Organisation war, die sich wirklich gegen die absolute Macht der Monarchen auflehnte, da sie die Einzige sein würde, die sich später gegen die tausendmal schlimmere Tyrannei des ungebremsten Mob erheben würde.

Die intellektuelle Krise, auch in katholischen Kreisen, die auf die Französische Revolution folgte

Nachdem die Prinzipien der Französischen Revolution in Frankreich siegreich waren, breitete sich der wahnhafte und satanische Republikanismus (De Maistre, Du Pape, Vorrede) der Sansculotte und Ça-ira wie ein verzehrendes Feuer in fast allen westlichen Ländern aus.

Und nur dank der Neutralität der Kirche in solchen Angelegenheiten und dem religiösen Charakter des gegenwärtigen Treffens übergehe ich mit Stillschweigen die beklagenswerte konkrete Wirkung, die die an sich legitimen Prinzipien der Republik in den letzten zwei Jahrhunderten hervorgerufen haben.

Das gewaltige Chaos an Ideen, das nach der Revolution entstand, und die absolut unvorhergesehenen Bedingungen, unter denen sich die Welt präsentierte, machten die Anwendung katholischer Prinzipien auf die tatsächlichen Situationen, die sich abzeichneten, sehr heikel und manchmal peinlich. Rund um die Kirche haben menschliche Leidenschaften ein weites Netz von Verleumdungen und Missverständnisse gesponnen. Und dieses Netzwerk wurde so dicht, dass die väterliche Hand der Päpste, die es nicht durch Überredung und Freundlichkeit entwirren konnte, musste es wie Alexanders gordischen Knoten durchschlagen, mit Exkommunikationen und Strafen.

Es würde zu lang führen, die intellektuelle Krise, die die französischen Katholiken durchlebten, unter Bezugnahme auf das Problem der Regierungsformen hier aufzuzeichnen. Um es zusammenzufassen: Während einige Katholiken sich den extravagantesten Versuchen hingaben, den Katholizismus mit dem Sozialismus und dem Kommunismus selbst zu versöhnen, hielten andere, alarmiert über das schändliche und antiklerikale Vorgehen der Französischen Republik, an der Monarchie fest, und waren im Begriff zu erklären, dass die Kirche nur die monarchische Regierungsform als legitim anerkennen sollte!

Die Kirche, Trägerin ewiger Prinzipien, konnte ihre traditionelle Neutralität unter keinen Umständen aufgeben. Sie beriet, ermahnte, indoktrinierte ohne nennenswerte Ergebnisse. Daher eine doppelte Folge von Krisen, die zeitlich voneinander entfernt, sich aber durch ihre Bedeutung eng miteinander verbinden. Erstens die Verurteilung von Lamennais und dann des Sillon, der die Kirche zwingen wollte, nur die Legitimität der Demokratie anzuerkennen. Und später die Exkommunikation der Action Française, die der Kirche die Verurteilung der republikanischen Form aufzwingen wollte.

Diese Tatsachen belegen voll und ganz die unflexible Unabhängigkeit des Heiligen Stuhls und seine strikte und unparteiische Neutralität. Jedoch die Freimaurerlogen, die ewigen Ausbeuter von Lügen und Täuschungen, erklärten, dass die Kirche der Feind des republikanischen Regimes sei und dass dieses Regime wiederum notwendigerweise Säkularismus, wenn nicht sogar Staatsatheismus bedeute.

Wir haben gesehen, wie solche Aussagen von den Tatsachen verurteilt wurden, die heute von französischen Antiklerikalen selbst zurückgewiesen werden. Dies hinderte die spanische Freimaurerei leider nicht daran, immer wieder dieselben Verleumdungen gegen die heroische Gesellschaft Jesu zu wiederholen. Und es hinderte auch den in Rio Grande do Sul tagenden Kongress für Gewissensfreiheit nicht daran, eine heimtückische Erklärung auf brasilianischem Boden zu erneuern, die nur im Schatten der Unwissenheit überleben kann!

Um zu funktionieren, erfordert die Demokratie eine viel tiefere Anwendung katholischer Prinzipien

Die erste Frage wurde geklärt. Die Kirche ist mit der Republik nicht unvereinbar. Ist die Republik, oder vielmehr die Demokratie, mit der Kirche unvereinbar?

Was die Organisation betrifft, offensichtlich nicht. Nichts hindert ein Land, in dem das allgemeine Wahlrecht praktiziert wird und Freiheit und Gleichheit innerhalb ihrer gerechten Grenzen akzeptiert werden, daran, an Gott zu glauben, ihn als den Schöpfer und Herrn der Nation anzuerkennen und ihre unantastbaren Rechte zu respektieren. Ein brillantes Beispiel dafür ist die Argentinische Republik, wo die Kirche mit dem Staat vereint ist und die Rechte Gottes respektiert werden, ohne die geringste Abweichung von republikanischen Prinzipien!

Ich beschränke mich nicht auf diese Beobachtung, sondern bekräftige auch, dass die Demokratie nach der Meinung des Heiligen Thomas von Aquin und der katholischen Schriftsteller, die Leo XIII. scheint zu befürworten, an sich eine legitime Regierungsform ist, jedoch minder als die anderen (Hl. Thomas, Summa 103, 3, De Regimine Principum 1, 2, 3, 5 und andere, zitiert in Rev. Phil and Letters, Jahr XV, S. 70-72). Dies bedeutet nicht, dass die Demokratie unter bestimmten konkreten Umständen nicht vorzuziehen wäre. An sich jedoch ist sie minderwertiger.

Und meiner Meinung nach kann diese Minderwertigkeit nur durch eine viel tiefere Anwendung katholischer Prinzipien behoben werden als in Monarchien und Aristokratien.

Die Demokratie legt die öffentliche Macht in die Hände des Volkes. Damit verlangt es von allen Bürgern neben individuellen und privaten Tugenden auch eine große Summe politischer Tugenden. Selbstlosigkeit, Desinteresse, Treue zu den angenommenen Grundsätzen usw. sind unerlässlich für die ordnungsgemäße Ausführung der Bürger ihrer politischen Aufgaben. Es ist jedoch unbestreitbar, dass die sicherste Garantie für Moral in der ernsthaften religiösen Bildung der Nation liegt.

In einer Monarchie würde es ausreichen, wenn die königliche Macht christlich wäre, um den Gefahren des Staates zumindest vorübergehend vorzubeugen. In einer Aristokratie würde es ausreichen, wenn die herrschenden Klassen christianisiert wären. In einer Demokratie ist die Christianisierung aller Klassen notwendig. Daraus folgt, dass der Demokratie und in der wahren demokratischen Republik der religiöse Geist fehlt, je mehr sie die Anwendung liberaler Prinzipien verallgemeinern.

Tatsächlich verfügen die Massen über viel weniger Einsicht, Kultur und Festigkeit als Aristokratien oder Monarchien. Daher ist es notwendig, dass sie über ein ausreichend hohes Maß an moralischen Tugenden verfügen, um den Mangel an intellektuellen Qualitäten auszugleichen.

Andererseits wird die moralische Verantwortung des Volkes für das Schicksal der Nation in der Demokratie im Gegensatz zu dem, was in Aristokratien und Monarchien passieren kann, nicht von strafrechtlichen oder zivilrechtlichen Sanktionen begleitet. Wie der sehr liberale Bryce anmerkt (La République Americaine, l. III, Kap. LXXXV), ist die Wahlverantwortung, die auf eine Vielzahl von Wählern aufgeteilt ist, jedem Einzelnen die Vorstellung von der Ohnmacht seiner individuellen Stimme vermittelt. Daher folgt die Illusion, dass jeder, der nach seinen Interessen und Beziehungen und nicht nach den Bedürfnissen des Landes wählt, eine Handlung begeht, die wenig oder gar nicht schädlich und verwerflich ist.

Wenn man diese Illusion verallgemeinert, wird die Gefahr klar, die nur mit einer tiefen religiösen Bildung vermieden werden kann.

Dies, meine Herren, sind die Schlussfolgerungen, zu denen eine nüchterne Analyse unweigerlich führt.

Die Republik muss den Säkularismus aufgeben, der uns unglücklich gemacht hat

Angesichts dessen, was ich dargelegt habe, frage ich: Wie kann eine Republik ohne solide und tiefgreifende religiöse Unterweisung konzipiert werden? Wie können wir uns eine Republik vorstellen, die den Kult ihrer Bürger nicht offiziell macht, um den moralischen Kräften, die sie zum Leben braucht, mehr Einfluss und Prestige zu verleihen, ohne in Demagogie zu verfallen? Wie können wir uns eine Republik vorstellen, die nicht versucht, ihren Soldaten ernsthaften Religionsunterricht zu geben, damit der Disziplingedanke in der Armee nicht durch eine missbräuchliche Ausweitung liberaler Prinzipien geschwächt wird?

Dies zeigt deutlich, dass die brasilianische Republik, wenn sie nicht in Demagogie verfallen will – eine Gefahr, die größer ist, als wir vermuten – und die Zukunft des Landes endgültig gefährden würde, eine weitgehend katholische Politik verfolgen und den enormen Säkularismus, der uns bis heute unzufrieden gemacht hat, ein für alle Mal aufgeben muss.

* * *

*) Rede gehalten auf dem II. Kongress des Centro Dom Vital am 12. Februar 1932 in São Paulo

 

 

Aus dem Portugiesischen „A Igreja e a República“ in “A Ordem”, Nr. 25, von März 1932, S. 182-188

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Diese deutsche Fassung erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

Mittwoch, 26. Juni 2024

Christlicher Ruhm und weltlicher Ruhm

 

Legionário Nr. 801, 14.12.1947

Heute präsentieren wir unseren Lesern den ersten Teil der Enzyklika Mediator Dei, von uns direkt aus dem „Osservatore Romano“ übersetzt und der freundlicherweise von einem Freund dieses Blattes, der in der Ewigen Stadt wohnt, zugeschickt.

Damit wollten wir auf das brennende Interesse reagieren, das in allen religiösen Kreisen Brasiliens durch die Nachricht geweckt wurde, dass der Papst einen an die ganze Welt gerichteten Brief veröffentlicht hatte, in dem er sich mit der Heiligen Liturgie befasste und die Fehler des Liturgizismus verurteilte. Dieses Interesse war so groß, dass man sagen kann, dass es in unserer Religionsgeschichte nur wenige päpstliche Dokumente gab, deren Text hier mit gleicher Spannung erwartet wurde.

Stellen wir zunächst fest, wie lobenswert dieses Gefühl ist. Ein Volk, in dessen Mitte religiöse Themen so viel Schwingung erwecken können, ist ein Volk, das weder dem Glauben noch den geistigen Dingen gegenüber tot ist. Ein Volk, das mit solcher Spannung auf das Wort des römischen Papstes wartet, ist ein Volk, das den endgültigen Wert aller Verlautbarungen des Stuhls des heiligen Petrus kennt und anerkennt. Dieses Interesse ist daher würdig und tröstlich, und es liegt an der katholischen Presse, darauf zu reagieren, indem sie der Enzyklika und den darin angesprochenen Themen größte Aufmerksamkeit und Publizität schenkt.

Die Bedeutung dieser Öffentlichkeitsarbeit liegt auf der Hand. Wenn die Enzyklika Mediator Dei das große und bemerkenswerte Interesse geweckt hat, auf das wir gerade angespielt haben, dann deshalb, weil die darin behandelten Themen in den letzten zehn Jahren das katholische Brasilien mit Sorge und zugleich mit Begeisterung verfolgt wurden. Es ist nicht nötig, hier daran zu erinnern, was jeder weiß: Laien von höchster Bedeutung in der katholischen Bewegung in Brasilien, berühmte Priester, selbst die ernsthaftesten kirchlichen Obrigkeiten haben weder um Applaus für die liturgische Erneuerungsbewegung gefeilscht, die unter uns stattfand, noch Verbargen sie ihre Befürchtungen angesichts der ungewöhnlichen Tendenzen, die diese Bewegung einnahm. Wir wissen, dass der klare und wachsame Geist des verstorbenen Kardinals Leme den Ernst dieser Situation gut verstand und wie sehr sie seine letzten Tage verbitterte. Die Angelegenheit erregte auch die Aufmerksamkeit des Ehrwürdigen Episkopats von São Paulo, der ein Rundschreiben darüber in der REB (Brasilianische Kirchen-Zeitung) veröffentlichte. Der berühmte Pater J. M. Penido wies in seinem Buch über den mystischen Leib Christi auch – ohne die geringste kontroverse Absicht – auf die schwerwiegenden Lehrfehler von Autoren hin, deren Bücher zu diesem Thema unter uns weit verbreitet und einige sogar ins Portugiesische übersetzt wurden. Die Kirchenkammer von Rio de Janeiro hielt es für notwendig, ebenfalls zu dieser Angelegenheit Stellung zu nehmen, was sie durch eine Mitteilung an diejenigen tat, die das private Gebet verneinten oder herabsetzten: genau einer der Fehler, auf die die Enzyklika Mediator Dei hinweist und verurteilt. Und da wir die Reaktion der kirchlichen Autoritäten erwähnt haben, können wir nicht umhin, in diesen Zeilen einen bewegenden Hinweis auf das fruchtbare und bewundernswerte Apostolat aufzunehmen, das in diesem Sinne von einem Bischof, – damals noch einfacher Priester -, dem Hochwürdigsten Herrn Dom Geraldo von Proença Sigaud, S.V.D., entwickelt wurde. Es wäre ebenso unfair, hier das ausgezeichnete Buch des Priesters aus Bahia, Pater F. de Salles Brasil, nicht zu erwähnen, das sich mit einigen Aspekten des Themas befasst.

Wir halten es für angebracht und sogar für unerlässlich, an diese hervorragenden Zeugnisse zu erinnern, dass die liturgische Frage unter uns konkret existierte. Tatsächlich sind Kontroversen an dieser Stelle überflüssig. Nachdem Petrus gesprochen hat, bleibt nur noch eines zu tun: Seine Lehre in jeder Hinsicht aufzunehmen und zu verbreiten. Um genau dieses Ziel zu erreichen, ist es wichtig, dass nichts ausgelassen wird, was den Brasilianern ein Gefühl geben kann, wie wichtig die Enzyklika für die lebendigen aktuellen Ereignisse ist. Sie müssen klar und ohne den geringsten Zweifel verstehen, dass der Brief des Stellvertreters Christi den Problemen entspricht, die unter uns bestehen, und nicht nur in einem fernen und sagenumwobenen Bessarabien oder in einem kalten und fernen Norwegen. Wenn wir wirklich unter dem Übel leiden, auf das der Papst hinweist, müssen wir es kennen und gut im Gedächtnis behalten, damit wir die päpstlichen Lehren mit der Sorgfalt aufnehmen können, mit der ein Kranker die seiner Krankheit entsprechende Medizin anwendet, nicht auf die Krankheit eines anderen. Andernfalls würden wir zwangsläufig zu der Überzeugung kommen, dass wir daran arbeiten, die Wirkung der Worte des Papstes abzuschwächen, und dabei die ganz besondere Bedeutung dieser heute äußerst notwendigen apostolischen Anstrengung außer Acht lassen, die darin besteht, die Mediator Dei in allen Ecken und Winkeln unseres riesigen Landes zu verbreiten. Es gibt viele Enzykliken und viele sind ihre Lehren. Es lohnt sich, sie alle zu verbreiten, aber die Dringlichsten und die, die am engsten mit unserer nationalen Realität verbunden sind, müssen offensichtlich und zwangsläufig am weitesten verbreitet werden. Bedecken wir die Erinnerung, wie sehr das katholische Brasilien unter der liturgischen Frage gelitten, gekämpft und geblutet hat, und wir werden ipso facto dazu beitragen, dass sich der Kranke weniger dazu verpflichtet fühlt, seine Medikamente einzunehmen.

* * *

Dies ist die unausweichliche Regel der menschlichen Psychologie. Wir müssen sie in Anspruch nehmen, andernfalls widersprechen wir den offensichtlichen Zielen des Heiligen Vaters.

Wir bestehen auf dieser Angelegenheit, weil wir befürchten, dass uns bei dieser Gelegenheit ein Ausbruch des berühmten „Eigenstolz“ angreifen wird.

Wir müssen die Wahrheit mehr als alles andere lieben, mehr als den Ruhm und erst recht mehr als alle „Gloriolen“. Es ist Gloriole, es ist falscher Patriotismus, es ist Eigenstolz, mit dem zu prahlen, was wir nicht haben. Stimmt es, dass es in Brasilien nie zu religiösen Fehlern gekommen ist? Ohne unseren allgegenwärtigen Liberalismus zu vergessen, den Einfluss, den der Jansenismus hier hatte, und den Regalismus, gegen den Dom Vital fast allein kämpfte, erinnern wir uns an den traurigen Makel der (schismatischen) „Brasilianischen Katholischen Kirche“, dann müssen wir verstehen, dass die Fehler, die in andren Ländern entstanden sind, hier erklärbare Auswirkungen hatten und noch haben. In diesem Fall steht der Liturgizismus. Wir sind nicht unfehlbar, und wenn sich die Fehler der Liturgizismus in Ländern mit einer viel größeren religiösen Kultur verbreiten konnten, was Wunder, dass er sich auch in unserem Land verbreitete? Wenn schließlich billiger Patriotismus ein Recht ist, kann jedes Land seinen eigenen haben. Und wenn jedes Land die Schwäche hat zu behaupten, dass der Liturgizismus nur im Nachbarland existierte, wird dieser Irrtum, der aus einer Bewegung hervorgegangen ist, wie der Papst ausdrücklich sagte, die im In- und Ausland sich verbreitet hatte, dann wird er am Ende nirgendwo existiert haben und scheinbar ein bloßes Gespenst zu sein, das aus dem Geist des Papstes geboren wurde!

Als die Lehren von Jansenius verurteilt wurden, sagten seine Anhänger, dass die vom Heiligen Stuhl angeprangerten Irrtümer weder vom traurig berühmten Bischof von Ypern noch von seiner Schule unterstützt wurden. Das patriotische Gehabe könnte uns zu einem fast identischen Ergebnis führen.

Die Ausgeglichenheit besteht also darin, die Wahrheit nicht zu leugnen. Wir haben diese Fehler gemacht und wir werden gemeinsam gegen sie arbeiten. Arbeiten diejenigen gegen sie, die sich nie zu ihnen bekannten. Arbeiten diejenigen mit ganz besonderem und ausgeprägtem Enthusiasmus gegen sie, die zuvor möglicherweise in ihre Tentakel gefallen sind: Damit werden sie die Aufrichtigkeit ihrer Änderung und die Kraft ihrer Buße beweisen. Die Buße ist auch in der Kirche Gottes ein wahrer Ruhm. Selig, tausendmal selig sind diejenigen, die dadurch zu den Höhen eines Cyprianus oder eines Augustinus aufsteigen.

 

 

Aus dem Portugiesischen übersetzt mit Hilfe von Google Übersetzer von „Glória cristã e gloriola mundana“ in “Legionário” vom 14. Dezember 1947.

Diese deutsche Fassung „Christlicher Ruhm und weltlicher Ruhm“ erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

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Montag, 24. Juni 2024

Sühne leisten bedeutet, Empörung zeigen aber auch beten

Dornenkrönung

Heute, am 16. April, ist das Fest der heiligen Jungfrau Maria Bernadette Soubirous [die Seherin von Lourdes].

Ich habe eine Frage, die mir vor Monaten gestellt wurde und die sehr gut geeignet ist, hier in der Kapelle behandelt zu werden.

Die Frage ist folgende: „Dr. Plinio, Sie haben uns mehrmals gesagt, dass wir als Katholiken und insbesondere als Ultramontane die Pflicht haben, die Heilige Kirche in ihrem Schmerzen zu begleiten, zu spüren und zu lindern. Aber wir fanden es sehr schwierig, dies in die Tat umzusetzen. Könnten Sie sagen, was wir tun sollten, um uns in unserer alltäglichen Routine, im alltäglichen Leben und in Zeiten größter Leistungen der TFP, der Passion der Kirche und der Schmerzen des Unbefleckten Herzens Mariens bewusst zu werden?“

Die Frage ist sehr gut, weil sie einerseits den Wunsch zum Ausdruck bringt, der von mir gegebenen Empfehlung effektiv zu folgen. Andererseits bringt es auch realistisch die Schwierigkeiten zum Ausdruck, die dem Geist der neuen Generation innewohnen, wenn es darum geht, die gegebenen lehrmäßigen Ratschläge in die Tat umzusetzen. Es ist also sehr an der Zeit, das Problem wirklich anzugehen.

Damit wir den Rat, den ich geben werde, verstehen, müssen wir uns vor Augen halten, was er enthält, was der Kern des Ratschlags ist. Was Unsere Liebe Frau bei diesen Gelegenheiten von uns möchte, ist eine innere Gesinnung. Sie möchte einen inneren Akt der Seele, durch den unsere Seele wirklich Empörung und Trauer empfindet über die Wiederholung der Passion unseres Herrn Jesus Christus unter dem gegenwärtigen Zustand der Heiligen Katholischen Kirche. Und sie möchte zusätzlich zu diesem Akt der inneren Liebe ein Wort, einen äußeren Akt, der manchmal diese innere Gesinnung zum Ausdruck bringt.

Daher ist es zunächst notwendig, in meiner Seele Empörung über die Passion zu empfinden, unter der die Heilige Katholische Kirche leidet. Und zweitens ist es notwendig, von Zeit zu Zeit ein Gebet zu sprechen, etwas, das dies auf einfühlsame Weise zum Ausdruck bringt.

Wie macht man das nun? Damit wir diese Art des Sühnegeistes erlangen, müssen wir uns vor dem Grundsatz von Revolution und Gegenrevolution stellen, dass die Revolution eine einzige Bewegung ist und dass alle Gottlosigkeit, dass alle Beleidigungen, die heute gegen die Heilige Kirche und Unsere Liebe Frau begangen werden, nichts als tausend Tentakel der ein und derselben Hydra sind, die tausend Lästerungen aus ein und desselben Mundes kommen, die tausend Äußerungen derselben Monstrosität und dass diese Absicht der Mächte des Bösen darin besteht, die Ordnung auf der Welt zu ändern und eine Ordnung der Dinge einzuführen, die im Widerspruch zu der in den Geboten des Gesetzes Gottes enthaltenen Ordnung steht und die Heilige Katholische Kirche zu entstellen und sie schließlich zu zerstören.

Wir müssen uns also vor Augen halten, dass alles, was passiert und was uns nicht gefällt, einem Plan gehorcht, der bei der Person, die es ausübt, vielleicht nicht bewusst ist, der aber bei den Autoren bewusst ist, die die Person aus der Ferne dazu gebracht haben, diese Sache zu praktizieren.

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wir haben zum Beispiel von FKK (Nudismus) an den Stränden von Santos, Guarujá, Rio de Janeiro, Recife und anderen Orten gehört. Es ist klar, dass dieser Nudismus an sich eine Beleidigung der Muttergottes ist, aber es ist mehr als nur eine Beleidigung für die Muttergottes: Er besteht darin, dass die Menschen aufgrund von Propaganda dort sind, sie sind auf einen Einfluss der Umwelt und dieser Umgebung zurückzuführen, die aus anderen Leuten besteht, die nicht erscheinen und die aber die Anführer der Revolution sind; Personen, die die Unmoral an diesen Badestränden einsetzten wollen, mit dem Ziel, die öffentliche Moral aufzulösen, die Familie aufzulösen, die Gesellschaft zu stürzen, so dass diese Menschen, ohne es zu merken, einen Plan in die Tat umsetzen, der noch schlimmer ist als das, was sie in diesem Moment tun. Ihr Handeln wird eine Reihe von Konsequenzen haben, die ihnen nur unklar bewusst sind. Aber diese Konsequenzen werden wahrscheinlich die Gesellschaft umstürzen.

Das gilt auch für die moderne Kunst. Jedes Gebäude der modernen Kunst bekräftigt Prinzipien, die im Widerspruch zur ästhetischen Ordnung des Universums stehen und als solche dazu dienen, den Geist von innen nach außen zu kehren, sodass man das Werk Gottes nicht richtig erkennen und lieben kann. Die vielen modernen Künstler sind sich dessen nicht bewusst; aber sie führen einen schrecklichen Plan aus, der nichts anderes ist als ein Teil des FKK-Plans, der nichts anderes als ein Teil dieses Übels ist, schlimmer als alle Übel, von denen wir wissen, dass sie schließlich aus demselben Übel stammen und aus derselben Verschwörung resultieren, und diese Verschwörung hat auf der ganzen Welt die gleiche Absicht, und ich kann sagen, sie besteht darin, die christliche Zivilisation durch ihr Gegenteil zu ersetzen; sie verformen die katholische Kirche von innen heraus und versuchen schließlich, sie zu zerstören. Natürlich wird das nie geschehen, denn die Kirche ist unsterblich, aber man will sie zumindest so weit wie möglich dem Verschwinden nahe bringen.

Nun, und als Ultramontane bin davon sehr überzeugt: in jeder Sünde, die ich sehe, habe ich eine Empörung, ein Tadel in mir, eine Verurteilung, die aus folgendem hervor kommt: Erstens, weil dies an sich eine Sünde ist, Nudismus ist eine Sünde, moderne Kunst ist eine schlechte Sache usw. Aber zweitens, weil diese Sünden Teil eines Plans sind, der schlimmer ist als jede einzelne Sünde und der der Plan der Revolution ist; und wenn ich das sehe, wenn ich sehe, wie die Bösen handeln, mit Intelligenz, mit Weisheit; wie im Gegenteil die Guten weich sind, wie es in den Reihen der Guten Verrat gibt und so oft hochrangige Verräter; und deshalb zensiere ich die Sache.

Was ist nun Zensur? Mir ist klar, dass das eine sehr schlechte Sache ist, weil es die Herrlichkeit Gottes untergräbt. Zweitens, deshalb empöre ich mich. Es muss keine nervöse Empörung sein. Es reicht aus, eine mentale, innere Empörung zu sein: „Wie schrecklich das ist, ich verurteile es, ich bin im tiefstem meiner Seele damit nicht einverstanden, ich bringe meine Empörung Gott dar. Nimm an, meine Herrin, meine Mutter, o Gott, durch Unsere Liebe Frau, meine Mittlerin, nimm meinen Zorn, meine Empörung, meinen Vorwurf, meine Meinungsverschiedenheit an.“ Dies ist ein völlig ausreichender Akt der Sühne. Und genau das wollen wir: Wenn ein Mitglied der Gruppe eine Sünde sieht, hasst er diese Sünde, er hasst die Revolution, von der diese Sünde ein Tentakel ist. Und opfert diese Abscheu der Muttergottes aus.

Einige von Ihnen könnten vielleicht sagen: „Aber Dr. Plinio, das ist ein Akt der Wut, und Wiedergutmachung ist kein Akt der Wut, es ist ein Akt der Liebe.“ Ich sage: Diese Wut ist Liebe. Stellen Sie sich vor, ein Typ kommt hierher und sagt mir viele Beleidigungen. Ich sitze hier und Sie, dort. Er kommt hierher und sagt mir eine Menge Beleidigungen; und hier im Raum sind – ich weiß nicht, ob ich das richtig ausrechne –, sagen wir mal, 50 Leute. Angenommen, diese Leute beginnen: „Oh, Dr. Plinio, wie sehr wir Sie mögen! Sie sind jemand, der in unseren Herzen ist!“ Und sie fangen an zu weinen: „Wie Schade, sie haben Dr. Plinio beleidigt!“ Einer aber steht auf und verpasst dem Typ einen Fußtritt und schreit: „raus hier!“ Wer liebt mehr? Natürlich der den Beleidiger mit Fußtritten rausgeschmissen hat. Alles andere ist Jammerei...

Eines kann ich verstehen: Wenn einer nicht in der Lage ist, ihn mit Fußtritten rauszuschmeißen und ihm die Wahrheit nicht sagen kann, soll er weinen, aber weinen wie ein Mann, weinen vor Wut, ein Weinen der Empörung: Was nötig ist, ist, seine Gedanken nach oben zu lenken, völlig empört zu sein: Tatsächlich leide ich. Dann werde ich mich empören gegen die Ursache dieses Leidens. Dann wird dieser Akt der Empörung zu einem Akt der Sühne.

Jemand könnte einwenden: „Gibt es da nicht auch Raum für einen direkten Akt der Liebe?“ Es passt perfekt und ist eine hervorragende Ergänzung zur Empörung. Aber Liebe ohne Empörung ist nutzlos. Eine Empörung ohne Liebe gibt es nicht. Jede Empörung bringt Liebe. Sprechen wir also der Einfachheit halber über einen Akt der Empörung, und das reicht.

Nun, ich habe nicht viel Hoffnung, dass meine Erklärung wirklich nützlich sein wird, denn meine liebe neue Generation hat viele Qualitäten, aber es erfordert ein wenig Mühe, bestimmte theoretisch-praktische Dinge zu verstehen. Aber ich hoffe, dass meine Ausführungen ein weiterer Schritt hin zu weiteren Fragen sein werden und wir dann von Frage zu Frage zu einer vollständigen Klärung des Themas gelangen, das uns so sehr beschäftigt. Und das ist es, was dann als fromme Bemerkung für heute Abend gesagt worden ist.

 

Gespräch am Abend des 16. April 1966

 

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