Dienstag, 14. Juli 2020

Die christliche Vollkommenheit

von Plinio Correa de Oliveira
Das Evangelium deutet uns das Ideal der Vollkommenheit an: «Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist» (Matth. 5, 48). Diesen Rat zu verwirklichen, lehrt uns am besten unser Herr Jesus Christus selber, der uns diesen Auftrag erteilt hat. Und in der Tat ist Jesus Christus, das absolute Ebenbild der Vollkommenheit unseres himmlischen Vaters, für uns das höchste Vorbild, das wir nachahmen müssen. Unser Herr, seine Tugenden, seine Lehren, seine Werke sind das vollendete Ideal der Vollkommenheit, dem der Mensch nachstreben muss.
Die Regeln zur Erlangung dieser Vollkommenheit finden sich im Gesetze Gottes, das, niedergelegt im Alten Testament, von Jesus Christus bestätigt und erfüllt worden ist: «Ich bin nicht gekommen, das Gesetz und die Propheten aufzuheben, sondern um sie zu erfüllen» (Matth. 5, 17); ferner in den Weisungen Jesu an seine Jünger und in den evangelischen Räten. Und damit der Mensch nicht dem Irrtum verfalle, in der Auslegung der Gebote und Räte, hat unser Herr Jesus Christus eine unfehlbare Kirche gegründet, die den göttlichen Beistand besitzt, um in Sachen der Glaubens- und Sittenlehre nicht zu irren. Die Treue zum kirchlichen Lehramt ist demnach die Art und Weise, wie alle Menschen das Ideal der Vollkommenheit, das ist unseren Herrn Jesus Christus, erkennen und ihr Leben nach diesem Ideal gestalten können.
Das haben die Heiligen getan. Indem sie auf heroische Weise die Tugenden übten, welche die Kirche lehrt, leisteten sie Christus und dem himmlischen Vater vollkommene Nachfolge. Die Wahrheit, dass die Heiligen höchste moralische Vollkommenheit erreicht haben, wurde sogar von den Feinden der heiligen Kirche, wenn Wut und Bosheit sie nicht verblendeten, anerkannt und verkündigt; vom hl. Ludwig, König von Frankreich, schrieb zum Beispiel Voltaire: «Es ist dem Menschen nicht möglich, die Tugend noch weiter zu führen». Dasselbe könnte man von allen Heiligen sagen.
Gott ist der Urheber unserer Natur und folglich auch aller Fähigkeiten und Vorzüge, die in ihr angelegt sind. Was in uns nicht von Gott kommt, sind unsere Fehler: Folgen und Früchte der Erbsünde und der persönlichen Sünden.
Die 10 Gebote Gottes können nicht gegen die Natur gerichtet sein, die ja auch von Gott erschaffen wurde; denn in Anbetracht dessen, dass Gott vollkommen ist, kann es keinen Widerspruch in seinen Werken geben. Deshalb tragen uns die 10 Gebote ein Handeln auf, das uns auch von unserer eigenen Vernunft als unserer Natur gemäß empfohlen wird wie zum Beispiel Vater und Mutter ehren; und andererseits werden uns Taten verboten, die wir vernünftigerweise als gegen die natürliche Ordnung gerichtet ansehen müssen, zum Beispiel die Lüge.
Auf dieser Übereinstimmung beruht die innere Vollkommenheit des Gesetzes als Ausdruck der natürlichen Ordnung wie auch die persönlich erworbene Vollkommenheit dessen, der dieses Gesetz befolgt. Alle Handlungen des Menschen sind gut (nach dem Gesetz), sofern sie seiner Natur gemäß sind.
Als Folge der Erbsünde neigt der Mensch dazu, gegen seine Natur zu handeln. So ist er in Bezug auf seinen Verstand dem Irrtum, hinsichtlich des Willens dem Bösen unterworfen. Diese Neigung ist so stark, dass es ohne die Hilfe der Gnade dem Menschen nicht möglich ist, den Vorschriften der natürlichen Ordnung in seinem Denken und Tun nachzukommen. Gott hat die Richtlinien dieser Ordnung auf dem Berge Sinai geoffenbart; im Neuen Bund stiftete er eine Kirche, welche die Menschen schützen soll gegen Trugschluss und Sünde; durch die Einsetzung der Sakramente sowie der anderen Mittel der Frömmigkeit, die dazu bestimmt sind, sie in der Gnade zu befestigen, beugte er der Schwachheit der Menschen vor.
Die Gnade ist eine übernatürliche Hilfe zur Kräftigung des Menschen an Verstand und Willen, damit ihm das Leben der Vollkommenheit möglich werde. Gott verweigert niemanden seine Gnade. Deshalb ist die Vollkommenheit für alle erreichbar.
Kann ein Ungläubiger die Gebote Gottes erkennen und erfüllen? Erhält er die Gnaden dazu von Gott? Hier muss man unterscheiden. Grundsätzlich erhalten alle Menschen, die mit der katholischen Kirche in Kontakt kommen, genügend Gnaden, um zu erkennen, dass sie die wahre Kirche ist, auch dazu, in sie einzutreten und die Gebote beobachten zu können. Wenn daher jemand freiwillig sich von dieser Kirche fernhält, sei es, dass er ihr untreu wird und sie verlässt oder dass er die Gnade der Bekehrung verweigert, die ja der Ausgangspunkt aller anderen Gnaden ist, schließt er für sich die Pforte des Heiles. Wenn es aber jemand nicht vergönnt ist, die heilige Kirche kennen zu lernen, weil er zum Beispiel als Heide in einem Land wohnt, das noch nicht den Besuch der Missionare erhalten hat, so bekommt er doch genügend Gnade, um die Gebote Gottes wenigstens in ihren wesentlichen Grundzügen zu erkennen und sie beobachten zu können (Röm. 2, 14-15); denn Gott enthält keinem Menschen die Mittel zur Rettung vor.
Doch muss man bedenken, dass, wenn die Treue gegenüber dem Gesetz Gottes Opfer, ja manchmal heroische Opfer verlangt, und zwar selbst von Katholiken, die im Schoße der Kirche leben, eingetaucht in eine Überfülle von Gnaden und anderen Mitteln der Heiligung, die Schwierigkeit, das Gute zu verwirklichen, noch viel größer ist für diejenigen, die außerhalb der Kirche und dieser Überfülle leben. Daher erklärt es sich, dass Heiden, welche die Gebote Gottes erfüllen, so selten sind.

Übersetzt ins Deutsche aus dem Portugiesischen "A Cruzada do século XX" („Der Kreuzzug des 20. Jahrhunderts“) in Catolicismo, Januar 1951

© Nachdruck der deutschen Fassung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Freitag, 10. Juli 2020

Plinio Corrêa de Oliveira und das Reich Mariens





Eine Rezension des Buches: „Plinio Corrêa de Oliveira: Prophet des Reiches Mariens” von Prof. Roberto de Mattei
Norman Fulkerson
So wie viele Menschen mit Durchblick und Weitsicht werden einige Heilige und Propheten erst nach ihrem Tod hoch geschätzt. Dies ist der Fall bei Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, dessen Leben das turbulente 20. Jahrhundert umfasste. In seinen frühen Jahren erreichte er den Höhepunkt seines Einflusses auf politischer, sozialer und religiöser Ebene in Brasilien. Wegen seiner grundfesten katholischen Ansichten wurde er von den großen Medien und dem liberalen Establishment für den Rest seines außergewöhnlichen Lebens ignoriert. Dieses Schweigen wurde nur gebrochen, als seine Feinde zu Verleumdungen griffen, die sich nicht nur gegen seine Person richteten, sondern auch gegen die Organisation, die er gründete, die Brasilianische Gesellschaft zur Verteidigung von Tradition, Familie und Eigentum (TFP).
Prof. Plinio (wie er von seinen Anhängern — wie in Brasilien üblich — genannt wurde) übt jedoch weiterhin einen enormen Einfluss auf unsere moderne Welt aus. Er widersetzte sich nicht nur den Irrtümern seiner Zeit, sondern gründete vor allem eine einzigartige Denkschule, die seine Arbeit bis in unsere Tage fortsetzt. Dieses Erbe wird durch die kürzlich erschienene englische Ausgabe des Buches „Plinio Corrêa de Oliveira: Prophet des Reiches Marias“ des italienischen Gelehrten und Historikers Prof. Roberto de Mattei hervorgehoben.
Der Begriff „Prophet“ im Titel des Buches könnte etwas rätselhaft erscheinen. Die meisten Menschen verstehen einen Propheten als jemanden, der lediglich die Zukunft voraussagt. Doch ein weiteres und eher wichtigeres Merkmal der Propheten war jedoch die Fähigkeit, den Willen Gottes in der Geschichte zu erkennen und die Menschheit in die Richtung diese Willens zu führen. „Er kündigt eine Bestrafung an“, erklärt Prof. de Mattei, „nicht unbedingt durch göttliche Offenbarung, sondern weil er versteht, wie bestimmte menschliche Verhaltensweisen unweigerlich zu göttlicher Bestrafung führen.“ Genau diese prophetische Unterscheidung praktizierte Prof. Plinio zeitlebens.

Er definierte den großen Feind unserer Zeit als die Revolution, einen langen historischen Prozess der Zerstörung des Christentums, den er in dem Buch „Revolution und Gegenrevolution“ meisterhaft erklärt. Prof. de Mattei verglich dieses Buch mit dem „Gottesstaat“ des hl. Augustinus. Während letzteres eine „Meditation über den Untergang des Römischen Reiches“ war, kann ersteres „als Meditation über den Untergang der christlichen Zivilisation“ angesehen werden.
Da sich die Menschheit dieser Revolution nicht widersetzte, sagte Prof. Plinio eine bevorstehende göttliche Züchtigung und schließlich den großartigen Sieg Unserer Lieben Frau voraus. In Anlehnung an den großen hl. Ludwig Grignion von Montfort nannte er diese Ära des Friedens das Reich Mariens. Tatsächlich entwickelte Prof. Plinio diese Perspektive, bevor er von der Botschaft Unserer Lieben Frau von Fatima erfuhr, die vom Triumph Ihres Unbefleckten Herzens sprach. So demonstriert Prof. de Mattei dem Leser die prophetischen Einsichten seines Themas.
Prof. Plinios tiefgründige Gedanken kommen aus einem intellektuellen Leben, das nicht einfach eine Ansammlung von Lehren war, die durch Bücher gewonnen wurden. Seine Weisheit ergab sich auch aus einem Vergleich seiner ständigen Reflexionen mit dem, was er in allen Bereichen um sich herum sah. Er hat jedoch nie behauptet, ein Monopol auf diese Methode zu haben.
„Ich behaupte“, sagte er, „dass wir mit Abstand unser eigenes bestes Buch sind. Wir sind nicht [nur ein] Buch; jeder von uns ist eine Bibliothek, die immens mehr enthält als die uns bekannten Bibliotheken. Niemals hat jemand alles geschrieben, was in den Köpfen einer Person existieren kann.“
Diese Art zu leben und zu denken war das Ergebnis der Tugend der Ruhe, über die Prof. Plinio häufig referierte. Seine ruhige Veranlagung erleichterte ihm das Erkennen des Wahren, Guten und Schönen. Dies wiederum ermöglichte ihm, das Gegenteil zu erkennen und abzulehnen. Meistens bedeutete diese Ablehnung ein tiefes Verständnis der revolutionären Irrtümer, die in ihren „verschleierten und embryonalen Formen“ verborgen waren.
Prof. de Mattei veranschaulicht diese Wahrnehmung des Irrtums mit dem Ausdruck der „weißen Häresie“. Prof. Plinio prägte diesen Begriff, um eine Häresie nicht im eigentlichen Sinne des Wortes zu beschreiben, sondern eine sentimentale, romantische Idee der katholischen Religion, in der „Tugend als etwas dem Heldentum Fremdes aufgefasst wird“. Dieser Begriff ist in den zahlreichen Darstellungen von Heiligen leicht zu erkennen als sanfte, rosige Individuen mit schwachem Willen und wenig Leiden.
Die historische Verkörperung dieses unheldenhaften Geistes war Monsignore Jacques-André Emery, der während der Zeit der Französischen Revolution lebte. Prof. Plinio bemerkte, dass dieser Geistliche oft mit aufrechten, treu katholischen Adligen inhaftiert war. Viele von ihnen standen heldenhaft der Guillotine gegenüber und starben als Märtyrer, weil sie sich weigerten, den „liberté-égalité“-Eid zu unterschreiben, zu dem dieser „heilige“ Priester ihnen geraten hatte. Prof. Plinio nannte diese Tendenz zum Kompromiss mit dem Bösen die „Denkweise der weißen Häresie“, die „eine Mentalität der Versöhnung und der Zugeständnisse verbreitet, die dazu neigt, die Kirche der Welt unterzuordnen“. Emery überlebte den blutigen Terror und seine pazifistische „Häresie“ diente dazu, diejenigen einzuschläfern, die sonst bereit gewesen wären, gegen den Fortschritt der Revolution zu kämpfen.
Das Gegenteil dieser entstellten Version des Katholizismus war das, was der mittelalterliche Ritter praktizierte, vor allem jene, die die Ritterorden dieser Zeit bildeten. Diese Rittermönche stellten den idealen Menschentyp dar, weil sie sich nach dem Vorbild unseres Herrn Jesus Christus formten. Ihre männliche Frömmigkeit zog Prof. Plinio an, da sie im Gegensatz zu der in der heutigen Welt vorherrschenden Feminisierung der Religion stand.
Prof. de Mattei erklärt, wie diese Ritter die plinianische Spiritualität verkörperten, die sowohl kämpferisch als auch ritterlich war. Die Mischung aus Militanz und Höflichkeit scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein. Es könnte besser verstanden werden, wenn man den schönen Brauch dieser männlichen Krieger bei der heiligen Messe während der Lektüre des Evangeliums betrachtet. Voller katholischer Inbrunst zogen sie ihre Schwerter und hielten sie bis zum Ende der heiligen Lesung hoch. Diese tapfere Haltung bedeutete: „Wenn das Evangelium verteidigt werden muss, hier sind wir!“
Wie ein Ritter der alten Zeit widmete sich Prof. Plinio mit der gleichen Bereitschaft dem Kampf für die Verteidigung der katholischen Kirche und der christlichen Zivilisation. Prof. Plinios ritterliche Lebensweise und sein unnachgiebiger Widerstand gegen die Irrtümer der Revolution führten am meisten zu seiner Ablehnung durch diejenigen, die es vorzogen, ständig Zugeständnisse zu machen. So sorgten die angesehenen Schiedsrichter des 20. Jahrhunderts dafür, dass er nie ins Rampenlicht geriet.
Leider starb er am 3. Oktober 1995, ohne die von ihm so sehr ersehnte Errichtung des Reiches Mariens zu erleben. Trotzdem akzeptierte er den Willen Unserer Lieben Frau und verließ friedlich diese Erde, weil er die Gewissheit hatte, dass sie eines Tages triumphieren würde.
Seine Verehrung zur hl. Jeanne d’Arc spiegelte seine Hoffnungen für die Zukunft wider. Angesichts der offensichtlichen Niederlage glaubte sie weiterhin an die Mission, die sie von himmlischen Stimmen erhielt. Prof. Plinio ermutigte seine Anhänger, die Hoffnung auf den Sieg der Gegenrevolution nicht zu verlieren. Er erinnerte sich oft an die Worte der sterbenden Jungfrau von Orleans: „Die Stimmen haben nicht gelogen, die Stimmen haben nicht gelogen!“
„Plinio Corrêa de Oliveira: Der Prophet des Reiches Mariens“ ist eine sehr wichtige Lektüre für diejenigen, die ein Vorbild suchen, um der Revolution in ihrem jeweiligen Leben entgegenzutreten und durch die turbulenten Gewässer unseres einundzwanzigsten Jahrhunderts zu navigieren. Noch wichtiger ist, dass dieses Buch unbezahlbare Grundsätze liefert für diejenigen, die Anhänger dieser gegenrevolutionären intellektuellen und spirituellen Schule sein möchten.


Quelle des englischen Originals am 31. Juli 2019:
https://www.returntoorder.org/2019/08/he-denounced-error-and-confided-in-our-ladys-triumph/
Deutsch: https://der-adel.info/2020/01/30/er-vertraute-auf-den-triumph-der-muttergottes/
und
https://der-adel.info/2020/02/13/eine-rezension-des-buches-teil-ii/
© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe gestattet.
In signierten Artikeln veröffentlichte Meinungen und Konzepte liegen in der alleinigen Verantwortung der Autoren.



Mittwoch, 8. Juli 2020

Die Kirche und die christliche Kultur


von Plinio Correa de Oliveira
Es wäre eine arge Täuschung zu meinen, die Erziehungsarbeit der Kirche sei nur individuell und auf die Heranbildung christlicher Persönlichkeiten gerichtet, nicht aber auf Völker, Zivilisationen und Kulturen.
In Wirklichkeit hat Gott den Menschen als soziales Wesen geschaffen und ihn dazu bestimmt, in Gemeinschaft mit anderen an der gegenseitigen Heiligung zu arbeiten. Deshalb machte er ihn auch beeinflussbar. Wir spüren alle durch den Geselligkeitstrieb in uns die Neigung, unsere Ideen in gewissem Masse anderen mitzuteilen und Anregungen von ihnen zu bekommen. Das gilt für die Beziehungen von Mensch wie für die vom einzelnen zur Gesellschaft. Die Umwelt, die Gesetze und Institutionen, in denen wir leben, üben ihren Einfluss auf uns aus, haben eine pädagogische Wirkung auf uns.
Diesem Milieu und seiner Denkweise, die den Manschen durchdringt wie durch Osmose und wie durch die Haut, sich notfalls völlig zu entziehen, ist das Werk einer hohen und schwierigen Tugend. Die ersten Christen sind so dadurch, daß sie ihre katholische Überzeugung trotz der heidnischen Umgebung, in der sie lebten, vollständig bewahrten, nicht weniger zu bewundern als in dem Moment, wo sie den wilden Tieren im Kolosseum gegenübertraten.
So bilden die Kultur und Zivilisation eines Volkes wichtige Mittel, um auf die innere Haltung der Menschen Einfluss zu nehmen. Sind die Lebens - und Gesellschaftsform heidnisch, so tragen sie bei zum Zusammenbruch der Seelen, sie dienen zu ihrer Rettung, wenn sie katholisch sind.
Die Kirche kann also nicht uninteressiert daran sein, eine christliche Kultur hervorzubringen und sich damit begnügen, nur individuell Seelen zu betreuen.
Dennoch ist auch dies sehr wichtig, denn jede Seele ist durch die Einwirkung der Kirche, der sie bereitwillig Folge leistet, ein Licht oder ein Samenkorn dieser Kultur, deren Verbreitung und Förderung sie aktiv und energisch dient. Die Tugend leuchtet nicht nur selbst, sondern entzündet ihr Licht auch in anderen Menschen. Sie wirkt ansteckend, breitet sich aus und tendiert zu ihrer eigenen Umwandlung von der vorbildlichen Haltung des einzelnen über die Gesittung der Gesellschaft zu einer von katholischem Geist getragenen Kultur und Zivilisation.
Wie wir sehen, ist es eine Eigenheit der Kirche, eine christliche Lebens- und Gesellschaftsform hervorzubringen. Sie will ihre Früchte in einer sozialen Atmosphäre austeilen, die ganz und gar katholisch ist. Der Katholik muss nach einer katholischen Kultur streben, wie ein Mensch, in verschlossenem Keller sich nach Luft und Sonne sehnt und der gefangene Vogel nach freier Bewegung im Himmelsraum verlangt.
Das ist unser Endziel, unser großes Ideal. Wir gehen einer katholischen Kultur entgegen, die aus dem Materialismus der heutigen Welt erstehen kann, wie aus der Übersättigung und Zerfall der römischen Welt die mittelalterliche Kultur hervorging. Wir schreiten der Eroberung dieses Ideals entgegen mit Mut und Ausdauer, entschlossen, allen Hindernissen entgegenzutreten, sie alle zu besiegen, so wie die Kreuzritter nach Jerusalem gezogen sind. Denn wenn unsere Vorfahren zu sterben wussten, um das Grab Christi zu erobern, wie wollen nicht wir, Kinder der Kirche wie sie, kämpfen und sterben, um das zu restaurieren, was unendlich mehr wert ist als das kostbare heilige Grab des Heilandes, nämlich seine Herrschaft über die Seelen und Gesellschaften, die er geschaffen und errettet hat, damit sie ihn ewig lieben?

Übersetzt ins Deutsche aus dem Portugiesischen "A Cruzada do século XX" („Der Kreuzzug des 20. Jahrhunderts“) in Catolicismo, Januar 1951
© Nachdruck der deutschen Fassung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Montag, 22. Juni 2020

In der katholischen Kirche wiederholt sich die Passion unseres Herrn



Trotz der Krise in der Kirche wird sie heute etwas Ähnliches
wie die Auferstehung Jesu Christi erleben

Paulo Roberto Campos
Wie wir es wissen und daran glauben, ist die Heilige Kirche unsterblich, aber sie erlebt derzeit eine Passion — sie wird gemartert und erfährt sozusagen einen neuen „Karfreitag“, in dem versucht wird, sie zu verurteilen und zu kreuzigen.
Wie unser Herr Jesus Christus wird die katholische Kirche von unzähligen ihrer eigenen Kinder verfolgt, gehasst und verlassen, von denen viele sogar hohe Positionen in ihrer Hierarchie einnehmen. So scheint die Kirche oft unter dem schweren Stein eines Grabes bestattet zu sein.
Wahre Gläubige verlassen sich jedoch fest auf das Versprechen unseres Erlösers an den heiligen Petrus: „Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18), und deshalb wird etwas Ähnliches wie die Auferstehung des göttlichen Erlösers geschehen. Sie mag gekreuzigt werden, aber eines Tages wird sie herrlich triumphieren!
Angesichts dieser Situation fühlen wir Katholiken, die auch unter den gegenwärtigen Umständen in den bittersten und scheinbar hoffnungslosesten Situationen die volle Treue bewahren wollen, uns verpflichtet, für die Kirche und das Christentum das zu tun, was die Kreuzfahrer einst getan haben, um das Heilige Grab unseres Herrn Jesus Christus zu befreien.
Folgender Text — entnommen aus einem historischen Artikel von Plinio Corrêa de Oliveira, der in der Zeitschrift Catolicismo (Januar / 1951) veröffentlicht wurde — stellt ein wahres Programm für alle echten Katholiken dar und ermutigt uns, den Übeln zu widerstehen, die uns derzeit großen Kummer bereiten.

Die Eroberung Jesrusalems
„Im Mittelalter vergossen die Kreuzfahrer ihr Blut, um das Grab unseres Herrn Jesus Christus aus den Händen der Ungläubigen zu befreien und ein christliches Königreich im Heiligen Land zu errichten. […] Doch was ist das Reich Christi, das höchste Ideal der Katholiken? […]
Die eigentliche Aufgabe der Kirche ist es, eine christliche Kultur und Zivilisation hervorzubringen. Sie soll alle ihre Früchte in einer vollständig katholischen sozialen Atmosphäre produzieren. Der Katholik muss eine katholische Zivilisation anstreben, so wie der in einem Verlies eingesperrte Mensch nach frischer Luft verlangt und der eingesperrte Vogel sich danach sehnt, die unendlichen Räume des Himmels wiederzugewinnen.
Und das ist unser Ziel, unser großes Ideal. Wir bewegen uns in Richtung der katholischen Zivilisation, die heute aus den Trümmern der Welt geboren werden kann, genauso wie aus den Trümmern der römischen Welt die mittelalterliche Zivilisation hervorgegangen ist. Wir bewegen uns auf die Verwirklichung dieses Ideals zu, mit Mut und Ausdauer, mit der Entschlossenheit, alle Hindernisse zu überwinden, mit denen die Kreuzfahrer nach Jerusalem marschierten. Denn wenn unsere Ältesten zu sterben wussten, um das Grab Christi wiederzugewinnen, wie können wir dann nicht, Kinder der Kirche wie sie, kämpfen und sterben, um etwas wiederherzustellen, das unendlich mehr wert ist als das kostbarste Grab des Erlösers, d.h. seine Herrschaft über die Seelen und Gesellschaften, die er geschaffen und gerettet hat, um ihn ewig zu dienen und zu lieben?“


Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
http://www.abim.inf.br/na-igreja-catolica-repete-se-a-paixao-de-nosso-senhor/
vom 12. April 2020

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Donnerstag, 18. Juni 2020

Die Weihe an die Muttergottes

Plinio Corrêa de Oliveira

Ich schreibe am Vorabend unserer großen Konzentration auf dem Domplatz. Man braucht jedoch kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass zweifellos der Höhepunkt dieses Abends mit so vielen und so intensiven religiösen Emotionen sein wird, wenn die Erzdiözese São Paulo durch die Stimme ihres Erzbischofs dem Unbefleckten Herzen Mariens geweiht wird.
Ich behalten mich für unsere nächste Ausgabe einen vollständigen Bericht über alles vor, was in dieser großen Manifestation geschehen wird, und möchte vorab ein paar Worte darüber sagen, wie die Kirche Handlungen wie diese Weihe betrachtet.
* * *
Bis 1789 kannte die Welt die als Staatsagnostizismus bezeichnete Aberration nicht. Bei den heidnischen Völkern wie bei den Christen war es eine nicht umstrittene Überzeugung, dass alle Veranstaltungen des öffentlichen Lebens einen religiösen Charakter haben sollten. In den großen Monarchien, in den aristokratischen oder bürgerlichen Republiken wurden alle wichtigen Ereignisse des bürgerlichen Lebens auf religiöse Weise gefeiert: Investitur der Staatsoberhäupter, Feier der Nationalhelden, Verherrlichung von durch Waffen bemerkenswerten errungenen Siegen, Ausdruck großer nationaler Trauer, alles wurde mit religiösen Zeremonien gefeiert, wie Weihen, Danksagungs- oder Requiemmessen, das Te Deum usw. Wie man sieht, waren diese Handlungen nicht ausschließlich symbolisch oder allegorisch. Obwohl sie auch dazu dienten, nationales Lob, Freude oder Trauer offiziell auszudrücken, hatten sie auch einen sehr realen Inhalt, denn es war der religiöse Akt, durch den die nationale Gemeinschaft als solche dem Schöpfer ihre Freuden und Schmerzen, ihren Ruhm und ihre Heimsuchungen übertrug, indem sie sich offiziell versammelte, zu Füßen des dreimal Heiligen Gottes, Ihn anbetete, dankte, sühnte oder um Gnade bat.
Mit der Französischen Revolution begannen öffentliche Handlungen mit rein laienhaftem Charakter. Diese Handlungen versuchten, die öffentlichen religiösen Manifestationen des Ancien régime zu ersetzen – ein Ersatz der nicht selten affenartig war, wie die Anbetung einer halbnackten Schauspielerin, die die Göttin der Vernunft darstellte. Da diese Manifestationen ihres religiösen Inhalts gewaltsam beraubt wurden, reduzierten sie sich nun auf den Zustand hohler Formeln, und hatten so keinen anderen Wert als den einer kalten Allegorie.
In diesen 150 Jahren des Laizismus hat sich die Zusammensetzung der bürgerlichen Allegorien zweifellos weiterentwickelt, und nach und nach haben sich rührende Formeln wiedergefunden, Ausdruck großer literarischer oder szenischer Schönheit, die eine große Menge durchaus beeindrucken konnte. Aber von all dem bleibt am Ende immer der Eindruck von Allegorien, die nur eine flüchtige und unfassbare Figur der Realität sind, Allegorien, die sich kurz nach der Zeremonie in Nichts auflösen, und vergehen, wie alles auf Erden vergeht.
* * *
Leider hatte die religiöse Unwissenheit der Massen dort wie in allem eine unheilvolle Wirkung. Weil sie einen rein allegorischen und konventionellen Inhalt in den laizistischen Manifestationen des Staates spürten, haben die Massen diesen Eindruck fälschlicherweise auf die Zeremonien der Kirche übertragen. Eine sehr gefährliche und leicht erkennbare Tendenz, die im konkreten Fall der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens eine schädliche Wirkung hat.


Um den Akt, mit dem die Demonstration morgen ihren Höhepunkt erreichen wird, vollständig zu verstehen, müssen wir zuerst jede Idee einer rein symbolischen und bildlichen Zeremonie aus dem Geist streichen. Die Weihe der Erzdiözese an die Muttergottes wird nicht nur ein begeisternder Ausdruck der marianischen Hingabe unseres Volkes sein. Sie wird auch nicht nur eine Haltung der kirchlichen Autorität, um die Masse mit einer größeren Andacht zur heiligsten Mutter Gottes zu imprägnieren. Diese Handlung hat etwas Reales, und das müssen wir wissen. Dieses „Quid“ des Realen ist so authentisch, so tiefgründig, so lebendig, dass selbst wenn die Weihe nicht auf den Stufen der Kathedrale, sondern in einer bescheidenen Kapelle stattfinden würde; selbst wenn sie nicht unter den Augen von Zehntausenden von Gläubigen stattfinden würde, sondern in irgendeiner Katakombenkammer; selbst wenn sie nicht in Gegenwart der Statue von Unserer Lieben Frau von Aparecida sich vollziehen würde, sondern vor einem bescheidenen und dunklen Bildchen, wird sie ihre vollständige Realität intakt beibehalten.
* * *
Wenn sich eine Erzdiözese Unserer Lieben Frau oder insbesondere ihrem Unbefleckten Herzen weiht, setzt ihre Handlung mehrere innere Dispositionen voraus, auf die wir uns konzentrieren wollen:
1. - formell auf alles verzichten, was mit der Heiligen Jungfrau unvereinbar ist, d.h. auf alle Sünden, alle Häresien, alle Nachlässigkeit bei der Ausübung der Religion;
2. – den Vorsatz, die Muttergottes auf ganz besondere Weise zu ehren, zu dienen und zu verherrlichen;
3. – und die Bitte, diese Gesinnung anzunehmen und mit ihrer besonderen Unterstützung die Person zu schützen, die sich ihr so weiht.
In der Weihe legen wir daher einen negativen Vorsatz: nichts gegen die zu tun, der wir uns weihen. Einen positiven Vorsatz: alles für sie zu tun. Es ist eine Bitte: Möge sie diese Gabe annehmen und uns ihrerseits mit ihrer besonderen Vormundschaft schützen.
Nichts davon ist symbolisch. Wenn ernsthaft gedacht, gewollt, durchgeführt, handelt es sich um eine Realität und einen transzendentalen ernstzunehmenden Akt. Diese Dinge können auch nicht ohne Reife und Klugheit vollzogen werden: Wenn man sie leichtfertig durchführt, würde man buchstäblich den Heiligen Namen Gottes missbrauchen.
Unsererseits ist die Weihe sehr ernst. Noch mehr ist sie es für Unsere Liebe Frau.
* * *
In der Tat versprach die Heilige Jungfrau den Hirtenkindern von Fatima die größten Gnaden als Ergebnis der Weihe an ihr Unbeflecktes Herz. Es ist sinnlos, auf der Wichtigkeit eines Versprechens derjenigen zu bestehen, die die Kirche die treueste Jungfrau nennt. Streng genommen ist dieses Versprechen, so tröstlich es auch sein mag, nicht unverzichtbar. Tatsächlich ist Unsere Liebe Frau eine Mutter. Welche eifrige Mutter würde abwesend und fahrlässig auf die Liebeserweise ihrer Kinder hören? Welche Mutter würde vor ihrer Familie, die sich versammelt hat, um ihr Ehre zu erweisen, gleichgültig ihre Gedanken abschweifen lassen und mit größter innerer Kälte all die Zuneigung abweisen, die ihre Kinder ihr bringen? Könnte der heiligsten Jungfrau Maria diese Weihe gleichgültig sein, wenn sie eine ganze Erzdiözese vor sich hat? Würde sie die Augen vor unseren Anliegen schließen und unsere Bitte ablehnen?
Offensichtlich niemals. Und so tiefgreifend die Vorzüglichkeit der Dispositionen der besten und heiligsten Völker ist, sich der Allerheiligsten Maria zu weihen, so wäre Ihre Entschlossenheit, unsere Weihe anzunehmen und zu erwidern noch tiefgreifender.
Daraus lässt sich ableiten, dass die Frucht der Weihe eine echte und besondere Verbindung zwischen dem Herzen Mariens und uns herstellt und dass diese Verbindung, die uns in eine privilegierte Stellung vor der Königin des Himmels bringt, in der geistlichen Ökonomie des Erzbistums einen segensreichen Einfluss haben wird.
* * *
Man könnte einwenden, wenn die Früchte dieser Weihe so stark von unseren inneren Dispositionen abhängig sind, welche Wirksamkeit können wir davon erwarten? Wer von uns vertraut sich so sehr, dass er sicher sein kann, dass seine Weihe gefallen gefunden hat?
Offensichtlich reicht ein fester gemeinsamer Vorsatz aus, damit die Weihe alle ihre Früchte trägt. Aber es gibt noch mehr. Und da berühren wir einen der neuralgischen Punkte der Frage. Solange die Weihe von demjenigen durchgeführt wird, der befugt ist, offiziell im Namen der Erzdiözese zu sprechen, hat sie eine unbestreitbare Wirksamkeit.
Nun, S. Exz., der Hochw. Erzbischof ist das Oberhaupt der spirituellen Herde von São Paulo und hat alle Befugnisse, im Namen des Erzbistums zu sprechen. Der von ihm als Erzbischof offiziell durchgeführte Weiheakt hat in den Augen der heiligsten Jungfrau Maria eine Wirksamkeit, die unsere Sünden nicht täuschen können.
Im Moment, wenn die offizielle Weiheformel von S. Exz. rezitiert wird, ist es sicher, dass sich etwas Objektives und Reales zugetragen wird: Unsere Liebe Frau nimmt die Weihe an und übernimmt die besondere Vormundschaft über das gesamte Erzbistum.
In dieser festen, einfachen, immens realen Wahrheit liegt eine so große Schönheit, dass es unnötig ist, ein Prophet zu sein, um vorherzusagen, dass der Moment der Weihe der schönste dieser großen Nacht sein wird.

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
O “Legionário” Nr. 675, 15.7.1945

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Mittwoch, 10. Juni 2020

Symbole des Adels der menschlichen Seele

Enrique Florido Bernils (Málaga, Espanha, 1873-1929)


Plinio Corrêa de Oliveira

Dieses Gemälde stellt ein Segelboot dar, die die Lagune von Venedig in Richtung offenes Meer verlässt.
Das Wasser schimmert in einer sehr frühen Morgenfarbe - einem leicht grünlichen Blau, das an einen Edelstein erinnert. Dahinter im Gegensatz zur morgendlichen Ruhe des Meeres vernimmt man eine Wolkenansammlung, die immer noch leuchtet, aber eine stürmische Fahrt für das Boot vorausahnt. Doch es scheint voller Ehrfurcht auf das Meer hin zu gleiten, und seine Besatzung ist sich der von den Wolken angekündigten Gefahr nicht bewusst. Die aufgeblasenen Segel scheinen die Hoffnung der Besatzung auf eine erfolgreiche Überfahrt und deren Freude am Reisen, an Veränderung, Gewinn und Risiko auszudrücken.
Die Szene repräsentiert tausend edle Aspekte der menschlichen Seele, die ich erläutern werde.
Eine davon ist die einer leichten und entschlossenen Mobilität dem Unbekannten entgegen, was Mut und Furchtlosigkeit symbolisiert.
Ein anderer Aspekt zeigt sich auf der Höhe des Zentralmastes — souverän in Bezug auf das Meer —, als ob er sagen würde: „Ich sehe dich von oben und du wirst mich nicht verschlingen!“
Noch ein anderer: Ein Anschein von Sehnsucht kennzeichnet die Szene. Die Karavelle segelt nicht hastig heraus. Sie scheint einen diskreten „Abschied“ vom Land zu zeigen, das zurückbleibt.
Und schließlich scheint die Gefahr eines Sturms im Hintergrund zu sagen: „Diejenigen, die segeln, sind in ihren Seelen entschlossen allen Risiken entgegenzutreten.“

Auszüge aus einer Konferenz von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira am 6. Oktober 1984. Ohne Überarbeitung durch den Autor.

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in

© Nachdruck dieser deutschen Fassung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Dienstag, 9. Juni 2020

Gottesrechte und Menschenrechte



Plinio Correa de Oliveira
Des öfteren haben wir bereits gezeigt, wie der Totalitarismus lange vor dem Erscheinen Hitlers und Stalins aus der Feder echt katholischer Schriftsteller und Denker vorhergesagt wurde, bereits als Folge der liberalen und revolutionären Prinzipien, die die geheime Macht durch „Vorschläge“ und Kraftstreiche von der Renaissance bis in unsere Tage der Menschheit aufgezwungen hat. Heute veröffentlichen wir in diesem Sinne einige sehr ausdrucksstarke Konzepte von Louis Veuillot die in seinem Buch „Le Parfum de Rome“ verstreut vorkommen. Es sind brennende Seiten, die mit dem Untertitel „römische Frage“ im intensivsten Kampf geschrieben wurden, als die Truppen Garibaldis den höchsten Angriff gegen die Päpstlichen Staaten noch nicht vollzogen hatten.
–oOo–
„Die Kontroverse gegen die päpstliche Regierung ist von niedrigem Niveau und beschämend für den Geist der Öffentlichkeit. Bemühen wir uns, es nicht auf dieses elende Niveau fallen zu lassen. Betrachten wir das Problem in seinem wahren Licht. Gewisse vernunftlose Typen wollen ein Werk Gottes, das notwendigste, was es auf der Welt gibt, zerstören. Rom ist das eigentliche Reich Jesu Christi, der Teil, den er auf Erden reserviert hat, um dort die Quelle des übernatürlichen Lebens zu errichten.
Es gab immer eine Partei auf der Welt, die dieses Gut ablehnte; eine so mächtige Partei, dass es manchmal scheint, sie sei von der ganzen Welt zusammengesetzt. Doch nach achtzehn Jahrhunderten hat die Kraft der Dinge unter den Menschen unbesiegbar das Recht auf Herrschaft und Wohnen bewahrt, das sich ehrt die Milde Christi zu beherbergen.
Die Kraft der Dinge, die Bedürfnisse der Menschheit! Wenn die Menschen die Geschichte der Kirche kennten, die die Geschichte des gegenwärtigen und lebendigen Gottes auf Erden ist; wenn diejenigen, die behaupten, die Freiheit zu lieben, diese Rechte Gottes aus der Nähe betrachten würden, genau wie die Kirche sie vorträgt und verteidigt, Rechte, denen ihre Blindheit die Rechte der Menschen entgegenhalten will, würden sie sehen, dass die Menschenrechte keine Existenz und Schutz hätten wenn nicht in den Rechten Gottes.
Menschenrechte, menschliche Freiheit, die unterschiedliche Existenz der Nationen, so viele andere Gedanken von Christus, die von seiner einen Kirche gewünscht und erfüllt werden. Vor Christus war der normale Zustand der Gesellschaften der der Sklaverei; das normale Recht, das Recht der Stärksten, um die Sklaverei aufzuerlegen; die normale Politik, Eroberung, zum Verkauf oder zur Tötung der Besiegten. „Humanum paucis vivit genus!“ (Das Leben der Menschheit wird von wenigen bestimmt!).
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„So wie der Name Eva, eine Erinnerung an das Verderben, in das Wort Ave, als Bezeichnung der Erlösung, umgewandelt wurde, so machte die Kirche aus Rom, die Macht, Liebe: „Mutans Romae nomen“ (Den Namen Roms verwandelt – Roma > amoR).
Wenn es eine Zeit gab, in der die allgemeine Intelligenz dem (römischen) Imperium moralische Stärke verlieh, wo ist da das Schlechte, ihr Menschen des Geistes, die ihr diese Zeit verurteilt?
Was war daran Übel, dass dieser König, eine Nation nicht verschlingen konnte? Das auch dieser König, kein Falschgeld herstellen konnte? Dass er auch seine Frau nicht verstoßen konnte? In was verletzt euch das?
Geistige Menschen, die ihr die moralische Stärke so gehasst habt, seid vorsichtig! Denn nun verhindert die moralische Kraft nicht länger die Annexion von Provinzen, das Brechen von Verträgen.
Es werden Zeiten kommen, in denen man den Wunsch hat, Königreiche zu annektieren und Verträge zu brechen. Wenn die moralische Kraft vollständig verschwindet, wird die rohe Gewalt vollständig herrschen.
Man kann nicht von moralischer Stärke gegenüber Cäsars Gesandten sprechen; die Gesandten Mazarinis werden sogar die Zeitungen abschaffen, selbst die Journalisten.
Denkt nach, ihr Menschen des Geistes. „Noch eine Weile wird das Licht bei euch sein; wandelt im Licht, solange ihr es habt, damit die Finsternis euch nicht überrascht. Denn die Nacht wird länger sein als in der Winterzeit!“
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„Europa und insbesondere Italien sind in Frieden, wenn das Papsttum in Frieden ist, frei, wenn das Papsttum frei ist. Ich weiß, was das Wort Freiheit heute bedeutet; aber wenn ich von Freiheit spreche, ist es mir erlaubt die christliche Freiheit zu verstehen, das Recht, nach dem Gesetz Gottes zu leben. Wenn Europa und Italien diese vollständige Freiheit nicht genossen haben, liegt die Schuld nicht bei den Päpsten. Seit dem Tag, an dem die Kirche in der Lage war, direkten Einfluss auf die Führung der Gesellschaften zu ergreifen, haben die Päpste nicht aufgehört, dasselbe Ziel zu verfolgen, nämlich der Individualität ihren vollen Wert zu verleihen, indem sie sie durch die Erkenntnis Gottes disziplinierten.
Nur wenige Fürsten vor und nach Karl dem Großen förderten diesen Plan. Skeptikern und Ungläubigen zufolge haben die Fürsten der Menschheit generell einen weiteren Vorteil geboten, den sie im Allgemeinen bevorzugt hat: — Sie schlugen den Menschen die Freigabe der inneren Regel vor und ließen sie ignorieren, dass die äußere Regel, die politische Bremse, je mehr sie unverzichtbarer wird, die Freiheit desto mehr belasten wird. Das war die Verführung des Cäsarismus, das war das Versprechen des Protestantismus, so ist das der Revolution; diese drei Dinge sind ein und dasselbe: ein Vorschlag Satans, der Feind des Menschen und Rivale Gottes“.
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„Ich habe gerade mehrere Werke über die sogenannte römische Frage gelesen. Es handelt sich um zu wissen, ob die Kirche von Jesus Christus ist und im Grunde, ob Jesus Christus Gott ist; und noch gründlicher, ob es einen Gott gibt. Denn die treibenden Prinzipien dieses Krieges gegen die weltliche Macht des Papstes sind die Häresie und der Zweifel und dahinter der Atheismus.
Ich habe das Für und Wider gelesen und fühle mich gedemütigt. Die Erniedrigung der Geister bringt diesen Streit auf ein Terrain, das sowohl das Gute als auch das Böse erniedrigt. Die Menschheit befindet sich derzeit auf dem Weg einer immensen Nachlässigkeit und eines Prozesses einer riesigen Verdummung. Ich habe Angst vor den Blitzen, die den Himmel durchkreuzen werden, um diese Nacht zu vertreiben.“
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„Wie es scheint, werden die letzten Apostel der freien Prüfung, Erben ihrer Eroberungen, dem menschlichen Geist gewaltige Betäubungsmittel verabreichen.
Das wird die Welt ohne den Papst sein, eine Situation, die mit der der Welt vor dem Papst vergleichbar ist, als ein Vertreter der stolzen römischen Gesellschaft, ein Flüchtling unter der Diktatur von Tiberius, mit Hochmut sagte: - Was ist die Wahrheit? und ohne auf eine Antwort zu warten, vergoss er das Blut des Gerechten. Heute mag diese Konsequenz extrem erscheinen. Es gibt immer noch viel christlichen Geist in den Völkern, auf den Kronen sind viele Reflexe der alten christlichen Königtümer. Wartet, bis dieser Rest unter dem Hauch der Komödianten sich verflüchtigt: - Die Verachtung der menschlichen Spezies wird den Zirkus wieder öffnen.“
So ist das Kommen des modernen Totalitarismus vorbereitet.  Veuillot, der unermüdliche Gegner des Grafen von Montalembert zeichnet dann das Porträt des modernen Omniarchen nach:
„Die Welt wurde geschaffen, um nur einen Gott zu haben. Dies ist die katholische Einheit: - „Ein Gott, ein Hirte, eine Herde“. Die Menschheit soll die Angelegenheit auf andere Weise behandeln. Nicht nur ein Gott; alle Götter im Gegenteil! Aber ein einziger König, der Omniarch, der die Harmonie, die Gleichheit und die Wollust zur Herrschaft bringen wird.
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Der Omniarch wird Hohepriester aller Religionen sein, ein Richter aller Fähigkeiten; er wird alle Diplome überreichen, alle Telegrafendrähte in seinen Händen bündeln, alle Briefe ausliefern, alle Bücher drucken ... Dieses Ideal wurde bereits skizziert: - Es war die alte Türkei.
Dort herrschte Harmonie unter dem Namen der Stille, und Gleichheit unter dem Namen der Sklaverei. Dort in den Harems wohnte die Wollust. Wir haben schöne Keime von all dem. Aber die Freiheit, wo werden wir sie hinlegen?“
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„Stellt ihr euch vor, was ein Mann tun kann, der die größte Menge an Maschinen zur Verfügung hat. Wie gut wird es tun, diesem Mann zu widerstehen! Wie leicht wird es sein, sich zu weigern, ihn anzubeten, wenn er an die nachsichtigen Schlingel glaubt, die ihm sagen, dass er Gott ist und verlangen muss, von ihnen angebetet zu werden!“
„Glauben ihr, dass es keine solchen Schlingel geben wird und sogar eine Menge davon? Ich sehe ihre schmutzige Aussaat überall. Sie wurde reichlich gestreut und wächst verhängnisvoll. Glaubt ihr, dass Sie keinen Einfluss haben werden? Ich sage, dass nur sie Einfluss haben werden.
„Ein Herr der Welt, der Gott nicht fürchtet, was wollt ihr, was er sein soll, als nur ein Verrückter, der sich davon überzeugen lässt, dass er Gott ist? Drei Jahrhunderte lang brachte der Besitz einiger Legionen, die immer unruhiger wurden, doch vor denen die universelle Niedrigkeit zitterte, die Gehirne der römischen Kaiser zum Platzen.
Nun wird der zukünftige Kaiser mit x mal mehr Legionen befehlen; und um eine noch tiefer gefallene Menschheit zu beherrschen, da sie von den Höhen des Christentums gefallen sein wird, er wird auch über die Maschine verfügen.
Die bewundernswerte Maschine, bewundernswert perfektioniert, größer, schneller, unsinkbar, den Tod auf ihren erweiterten Flanken tragend, tausendmal besser ausgerüstet; die Maschine, die niemals nein sagt, ausgestattet mit Maschinen, die immer ja sagen.
Könnt ihr euch vorstellen, dass dieser Mann nicht den Verstand verlieren wird? Und die progressiven Schlingel, die ihn schon jetzt beschnüffeln und ihm ekelige Hallelujas singen und dann im feurigen Morast schwärmen, der ihre Blicke erleuchten wird, glaubt ihr, dass sie ihn nicht davon überzeugen werden, Gott zu sein?!“
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Nachdem Veuillot die Herrschaft der Welt durch totalitäre Herrscher mit solch lebendigen Farben gemalt hat, hat er ein Wort der Hoffnung. Die Welt wird aus dieser Phase des Ekels und des Elends herauskommen.
Diese Befreiung wird jedoch nicht kommen, wie Modernisten und Halbliberale denken, wenn der Papst dem modernen Geist Zugeständnisse macht, weil sich die Kirche normalerweise nicht auf falsche Prinzipien stützt. Selbst weil „das Elend unserer Zeit die intellektuelle Schwächung der Katholiken ist, die es uns ermöglicht zu sagen, dass die Kirche bankrott gegangen ist, weil sie sich nicht dem modernen Geist überlassen hat. Welche katholische Wahrheit ist zum Irrtum geworden, und welcher Irrtum der Welt ist Wahrheit geworden?“
In der Rückkehr zu den von der Kirche gepredigten Wahrheiten befindet sich die Befreiung der Menschheit:
„Wir erwarten die Strafe, nicht den Tod. Alle Übertretungen werden gerächt, alle Undankbarkeit wird bestraft; die Welt, ihre Irrtümer auf ihren Schultern, in Schweiß, Blut und Tränen getaucht, wird durch dichte Finsternis schreiten, um Licht, Autorität und Freiheit flehend.
Und in dieser Prüfung, deren Stöhnen Gott bitten wird, den Kurs zu verkürzen, wird der Papst die Welt wiedergewinnen oder vielmehr die Welt Gott wiedererlangen. Dann wird sich die unerschöpfliche Fruchtbarkeit der Kirche manifestieren: — Aus ihren alten Wahrheiten werden neue Stärken und neue Wunder hervorgehen, und sie wird ihr Werk fortsetzen, nämlich Jesus Christus in den Besitz der ganzen Erde und die ganze Erde in den Besitz Jesu Christi zu bringen.“

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
Nova et Vetera
Legionário, 27. Februar 1944, Nr. 603, S. 5

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