NOVA ET VETERA
Plinio Correa de Oliveira
Unser Herr sagt, dass jeder gebildeter Mensch, was das Himmelreich betrifft, „einem Hausherrn gleicht, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt“. Daher der Titel dieses Abschnitts, der heute in die Seiten des LEGIONARIO aufgenommen wurde. Es wird eine Chronik von Abschriften sein. Wir haben beschlossen, sie mit einem Kapitel aus dem alten und immer noch aktuellen Buch von Louis Veillot, „Le Parfum de Rome“ (Der Duft Roms), zu beginnen. Eine bescheidene Hommage einer ultramontanen Zeitung an den größten ultramontanen Laien aller Zeiten.
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In einem der Räume des Vatikans sah ich die Figur Karls des Großen: – Carolus
Magnus, Romanae Ecclesiae ensis clypeusque, Schwert und Schild der
römischen Kirche, der Kirche Jesu Christi! – Ich kann sagen, dass mir diese
Inschrift in einem Fresko in einer Ecke des Vatikans den Ruhm, die Herrlichkeit
verständlich macht.
Lasst uns noch einmal über Karl den Großen sprechen. In Rom ist er sehr
lebendig. Karls Beziehungen zu Papst Hadrian sind eine bezaubernde Episode der
Geschichte. Sie geben die Größe Karls des Großen treffend wieder, denn in ihr
erkennen wir seine Demut. Ein Held, ein Eroberer, ein demütiger Kaiser – das
übersteigt alle menschlichen Maßstäbe.
Napoleon I., eine imposante Erscheinung, wurde gern als der moderne Karl
der Große bezeichnet; er besaß ein ausgeprägtes Geltungsbedürfnis. Doch
erinnert er eher an Friedrich den Großen von Preußen.
Der Unterschied zwischen Karl dem Großen und Napoleon zeigt sich am
deutlichsten in ihrem Umgang mit dem Papsttum. Als Karl der Große vor den Toren
Roms ankam, nachdem er Petrus sein gesamtes Territorium zurückgegeben hatte,
bat er den Papst um Erlaubnis, die Stadt zu betreten. Die erste Porphyrplatte,
die sich im Kirchenschiff des Petersdoms, wurde, ist jene, auf der Karl der
Große am Eingang der Lateranbasilika kniete.
Der Vertrag von Tolentino ist nicht mit diesem ersten Auftritt
vergleichbar, und Napoleons Abstammung entspricht nicht der Karls des Großen.
Napoleons Briefe an Pius VII., so versöhnlich, so liebenswürdig, so
entwaffnend, sind in Wirklichkeit hart, ja sogar beleidigend und drohend. Die
Drohung blieb nicht unbeantwortet.
Die Heirat seines Bruders Hieronymus mit einer jungen Amerikanerin war ein
schrecklicher Vorfall. Napoleon forderte ihre Annullierung. Der Papst fand
keinen Weg, dies zu erreichen. Napoleon trennte und verheiratete anschließend
seinen Bruder erneut. Karl der Große, mit achtundzwanzig Jahren, hatte
geglaubt, er könne Hilmitrude rechtmäßig verstoßen und sich mit Hermengarde
vereinigen. Der Papst, Hüter der heiligen Gesetze, drängte ihn, seine Konkubine
zu verlassen und sich mit seiner Frau zu vereinen: – Karl der Große gehorchte.
Es ist immer schön, dem göttlichen Gesetz zu gehorchen, und am schönsten,
wenn man genug menschliche Kraft hat, ohne es zu leben. Darüber hinaus ist
diese Haltung sehr weise: – denn Gehorsam gegenüber dem Gesetz ersetzt den
Gehorsam gegenüber der Gewalt. Karl der Große besaß die Demut, dem Papst zu
gehorchen, aber nicht die Demut, den Sachsen zu gehorchen.
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Karl der Große war nicht nur frommer als Napoleon, aufgeklärter in seinem
Glauben und umfassender in seinen Ansichten und Werken; er war auch
unvergleichlich zivilisierter. Seine Briefe an den Papst zeugen von erlesener
Höflichkeit. Er selbst legte fest, welche Formalitäten seine Gesandten beim
Stellvertreter Jesu Christi zu verwenden hatten:
„Sie grüßen den Papst zunächst im Namen seines Sohnes, König Karl, und im
Namen seiner Tochter, der Königin, im Namen der Söhne und Töchter des Königs
und des gesamten Königshauses, im Namen der Priester, der Bischöfe, der Äbte
und der Ordensleute und schließlich im Namen des gesamten Volkes der Franken.“
„Die Gesandten werden Ihm sagen: ‚Der König empfindet es als Freude und
Segen, die Nachricht von Ihrer von Gott bewahrten Gesundheit und dem
Wohlergehen Ihres Volkes, populi vestri, erhalten zu haben.‘ Napoleon
schrieb an Pius VII.: ‚Eure Heiligkeit ist Souverän von Rom, aber ich bin ihr
Kaiser.‘ Er behauptete, diesen Titel von Karl dem Großen geerbt zu haben!
Was die Bitten betrifft, so bat Karl gewöhnlich um Gebete für sein Volk und
für sich selbst. Wir haben die Antwort, die einst seinen Gesandten gegeben
wurde:
‚An den hochverehrten Herrn, unseren Sohn und geistlichen Weggefährten
Karl, König der Franken und Langobarden, römischen Patrizier, Hadrian, Papst.‘“
„Eure königlichen Worte, die wir
hoch schätzen, haben uns den vollkommenen Wohlstand Eurer Hohen Macht, Eurer
Gemahlin, Eurer Kinder und Eurer treuesten Gläubigen, die auch die Unsrigen
sind, offenbart: – Wir danken dem Erlöser der Welt. Wir preisen Gott, wenn wir
die Siege sehen, die Er Euch gewährt hat, und wie Ihr grausame und feindliche
Völker zum wahren Glauben der katholischen Kirche geführt habt. Durch den
Schutz Gottes und das Wirken der Apostel Petrus und Paulus, seht, wie die
Häupter unterworfen, die Anführer unterworfen werden; göttliche Inspiration und
Eure Macht führen das gesamte sächsische Volk zu den heiligen Taufbecken.“
„Wir preisen daher immer mehr die göttliche Gnade, denn unter Deinem und
Unserem Reich werden heidnische Völker zur wahren Religion und zum vollkommenen
Glauben geführt und zugleich Dir untertan gemacht. Darin liegt die Stütze Eurer
Macht, die auf Gott gründet. Getreu den Verheißungen, die Ihr Eurenm
Beschützer, dem heiligen Petrus, und Uns gegeben habt, und sie mit reinem und
hingebungsvollem Herzen, mit Hilfe von oben, erfüllend, habt Ihr die tapfersten
dieser Völker unterworfen. Sie ergeben sich nun und unterwerfen sich Eurem Zepter.
So werdet Ihr ihnen zum Heil ihrer Seelen am Tag des Gerichts vor dem
Richterstuhl Christi würdige Opfer darbringen und unendliche Verdienste
erlangen.
„Zum Lohn dieser Werke, der Siege Eurer Beharrlichkeit, wünscht Ihr,
erhabener Herr, dass Wir Gott öffentlich danken und an ein oder zwei Feiertagen
feierliche Litaneien singen. Ein solcher Wunsch ist Uns vollkommen
wohlgefällig. Daher erteilen wir allen Ländern, die in Gemeinschaft mit Eurer
Mutter, der Römischen Kirche, stehen, einen apostolischen Befehl und ordnen an,
dass am Vorabend des Festes des seligen Johannes des Täufers, am Fest der
heiligen Märtyrer und am Vorabend des Festes des seligen Petrus unter dem
Schutz Gottes mit uns gebetet wird. Möge Eure Macht so den Befehl an alle
Länder in Übersee übermitteln, in denen es eine christliche Nation gibt, damit
diese dreitägigen Litaneien gefeiert werden. Wir legen diesen Zeitraum für die
fernen Christenheiten außerhalb Eurer Herrschaft fest.
„Was uns betrifft, so haben wir nicht nur beschlossen, diese Tage des
Gebets zu begehen, sondern gemäß unserer Gewohnheit, im ununterbrochenen Gebet
durch Eure Kraft, Lobgesänge auf den Erlöser der Welt zu verfassen, damit die
Völker, die durch Eure Kämpfe zum Glauben geführt wurden, durch Eure Macht für
immer im Glauben verbleiben und Gott Krankheiten und Seuchen von Euren und
Unseren Gebieten nehme; damit in Deinen und unseren Tagen die uns anvertrauten
Völker in Fülle, Freude und Wohlstand leben und Ihr selbst, König, Eure Königin
und Eure edlen Kinder, hier auf Erden lange regieren, ein ewiges Reich in den
himmlischen Gefilden erlangen. Und möge durch Eure mühevollen Kämpfe Eure
Mutter, die Heilige Kirche, immer höher erhoben werden!“
– oOo –
So korrespondierten der große König und der große Papst; und die Siege des
fränkischen Volkes waren ein Grund zum Dank für alle Christen auf Erden. Der
Papst ordnete an, dass für König Karl gebetet werden sollte, auch von Völkern,
die nicht unter seiner Herrschaft standen. Denn im Grunde war der Held der
Kirche der Befreier aller. Seine vom Herrn inspirierten Gesetze befreiten die
Leiber von der Last der Knechtschaft und die Seelen von der Last des Irrtums;
sein Schwert, das die Götzenbilder stürzte, beschützte aus der Ferne die
Völker, die ihm nicht angehörten.
– oOo –
Als der heilige Vater Hadrian in die Ewigkeit einging, wünschte König Karl,
seine Grabinschrift verfassen zu lassen. Er verfasste ein kurzes Gedicht, das
in Stein gemeißelt und in der Basilika des Apostelfürsten aufbewahrt wird.
Der prächtige Grabstein wurde nicht in den Krypten der wiederaufgebauten
Basilika zwischen den Trümmern des alten Gebäudes verborgen. Er befindet sich
im Vestibül, links, unweit des Hauptportals.
– oOo –
Man sagte, Karl der Große sei der vollkommene Gegensatz zu Nero gewesen.
Man könne sie in ihrer Person, ihrem Wirken, ihrem Leben und ihrem Tod
vergleichen; überall sei der Kontrast frappierend. Und das Reich Karls des
Großen bildet den vollkommenen Gegensatz zu all jener Ordnung von Tatsachen,
Ideen und Dingen, die man Cäsarismus nennt und die das Reich Neros prägte. Karl
der Große regierte für Gott; er war der Führer des christlichen Volkes und
widmete sich dessen Führung in Licht, Gerechtigkeit und Frieden. Für Gott
kämpfte, strafte, vergab, studierte, baute und tat er alles. Er war, wie er
sich selbst nannte, „König und Statthalter von Gottes Gnaden und durch die Gabe
seiner Barmherzigkeit, treuer Verteidiger der Kirche Gottes und ihr demütiger
Streiter“.
Sein Andenken blieb den Völkern ein Segen. Er wurde in der Aachener Basilika – seinem goldenen Haus – beigesetzt, die er hatte erbauen und sorgsam mit Reliquien von Heiligen ausstatten lassen. Pilger strömten aus allen Himmelsrichtungen voller Frömmigkeit dorthin, erfüllt von der Gnade, die Gott durch seine Fürsprache gewährt. Sein Fest wird in den meisten Diözesen Deutschlands seit dem Pontifikat Alexanders III. mit Zustimmung der Kirche als Fest des bedeutendsten Verkünders des Glaubens im Norden gefeiert. So belegen es die Breviere im liturgischen Jahrbuch des weisen Abtes von Solesmes.
Die Aachener Kirche singt an der Front seines ruhmreichen Grabmals: „Karl ist der tapfere Streiter Christi, der Anführer einer unbesiegbaren Schar.“
„Er reinigt das Land; sein Schwert vernichtet das Unkraut und schützt die
Ernte.
Seht den großen Kaiser, den guten Sämann eines guten Samens, den weisen
Bauern.
Er bekehrte die Ungläubigen, stürzte Tempel und Götter; seine Hand
zerschlug die Götzenbilder.
Er unterwarf die Stolzen, setzte die heiligen Gesetze durch; doch der
Gerechtigkeit gab er die Barmherzigkeit zur Seite.
O triumphierender König der Welt, du, der du mit Jesus Christus herrschst,
o Heiliger Vater, o Karl, bitte für uns;
damit wir, dein Volk, rein von aller Sünde, im Reich der Herrlichkeit
Bewohner des Himmels mit den Seligen werden!“
So wurde der Kaiser vom Papst eingesetzt, und nur der Papst konnte ihn
einsetzen. Wenn es keinen unabhängigen Papst mehr gibt, mag das Volk Christi
zwar noch Alexander, Cäsar und Attilas* sehen, aber nicht mehr Karl den Großen.
Und dies ist ein Punkt, der bei der Betrachtung der römischen Frage
berücksichtigt werden muss.
Aus dem
Portigiesischen in “Legionário” – Ano XVII – Num. 599 – 30. Januar 1944
Erstmals auf Deutsch in www.p-c-o.blogspot.com
veröffentlicht

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