Dienstag, 19. Juni 2018

Die 12 Versprechungen des Heiligsten Herzen Jesu




Plinio Corrêa de Oliveira

Die Versprechen des Heiligsten Herzen Jesu, die der hl. Margareta Maria mitgeteilt wurden, sind folgende:
1. Die, welche dieses heilige Herz verehren, werden nie verloren gehen.
Das ist ein Versprechen von unendlichem Wert, weil es unser ewiges Leben betrifft. Wer diese Andacht praktiziert, wird nie verloren gehen.
2. Die lauen Seelen werden eifrig werden und die eifrigen werden auf dem Weg zur Vollkommenheit voranschreiten.
Ich gebe zu, dass der erste Teil dieses Versprechen ein größeres Wunder ist als der zweite. Denn, dass eine eifrige Seele die Vollkommenheit erreicht, hat man des Öfteren gesehen, selbst darum, weil man in der Regel nur die Vollkommenheit erreicht, wenn man eifrig ist. Aber, dass laue Seelen eifrig werden, ist viel schwieriger, als eine ägyptische Pyramide mit dem kleinen Finger zu verschieben. Die Lauheit ist wie im Schlamm festgefahren sein, ein solch trostloser, abscheulicher, trauriger Zustand, aus dem man nur durch ein Wunder herausgezogen werden kann. Und das ist das Versprechen des Heiligsten Herzen Jesu.

3. Den Aposteln des Heiligsten Herzens wird die Gabe verliehen, auch die verhärtesten Herzen zu rühren.
Welch ein herrliches Versprechen für eine Zeit voller amtlicher Apostolatseinrichtungen. Man spricht viel von erfolgreichem Apostolat. Wer aber besitzt diese Gabe, die verhärtesten Herzen zu rühren? Wie anders wären viele Angelegenheiten in der Welt, wenn es Seelen gäbe, die die verhärtesten Herzen bewegen könnten. Wie leicht wäre es durch diese Andacht und durch die Verehrung des Unbefleckten Herzen Mariens dies zu erreichen! Wenn wir so oft bedauern, dass unser Apostolat nicht so schnell läuft, wie wir es wünschen, müssen wir das der Tatsache zuschreiben, dass keine Verbundenheit zwischen uns und dem Herzen Jesu und Mariä besteht. Welch eine ideale Erfindung! Doch sie wurde von Anfang an verschmäht.
Erinnern wir uns an den Bischof von Pistoia, der letzte General der Gesellschaft Jesu bevor sie durch Papst Klemens XIV. aufgehoben wurde: Er ließ ein Selbstbildnis malen, das er im Nobelsalon seines Palastes aufhängte (das war im 18. Jahrhundert), auf dem er sich darstellte, beim Zerreißen eines Bildes des Heiligsten Herzen Jesu.
4. Alle Wohnungen, in welchen das Bild des Heiligsten Herzens aufgestellt und verehrt wird, werden mit einer Fülle von Segen bedacht.
Für die Spendung von Segen in Fülle, reicht es ein Bild des Herzens Jesu zu verehren.
5. Getrennte Familien werden wieder vereinigt und ihnen wird Frieden geschenkt. Er wird all denjenigen beistehen, die in Not sind und sich an Ihn mit Vertrauen wenden.
Was von den Familien gesagt wird, gilt natürlich weit mehr für Seelenfamilien, damit sie die Einheit erlangen. Nicht nur eine Einheit in der es keine Streitigkeiten gibt, sondern eine immer tiefere Einigkeit der Seelen.
6. Er, Jesus, wird die süße Salbung seiner brennenden Liebe über alle Gemeinden auszugießen, welche ihn verehren und sich unter seinen besonderen Schutz stellen werden: Er wird die Züchtigungen seiner göttlichen Gerechtigkeit entfernen, um sie wieder eifrig zu machen, wenn sie lau geworden sein sollten.
7. Im Übermaß der Barmherzigkeit seines Herzens verspricht der Herr, dass seine allmächtige Liebe all denen, welche neun Monate nacheinander am ersten Freitag kommunizieren, die Gnade der endlichen Bußfertigkeit gewähren wird; sie werden nicht in seiner Ungnade, noch ohne Sakramentenempfang sterben und sein Herz wird für sie eine sichere Zuflucht in dieser Stunde sein.
Wir sehen, es sind Versprechen, jedes einzelne wunderbarer als das andere. Es sind unfassliche Versprechen, die so leicht eingelöst werden können.
Zum Schluss noch ein Wort des Heiligsten Herzen Jesu an Sr. Josefa Menendez vom 8. Juni 1923:
„Öffne mir dein Herz und lass mich hinein, denn ich selbst werde dich reinigen. Lege alles ab, damit du nichts von deinen Wünschen, deinen Vorlieben, deinen Urteilen zurückhältst. Dann füge dich ganz dem Willen dessen, den du liebst. Lass mich mit dir tun, was ich will und nicht was du erwartest. Du musst in meinem Willen so weit kommen, dass mein Wille in dir, der Deine sei. Ich will die vollständige Unterwürfigkeit und die Vereinigung deines Willens mit meinem Willen und meinem Belieben. Du hast mir alle Rechte zu dem gegeben durch dein feierliches Gehorsamsgelübde. Wenn die Seelen verstehen würden, dass sie niemals so frei sein werden, wie wenn sie sich mir so ganz hingeben und dass ich nie mehr bereit bin ihre Wünsche zu erfüllen, als wenn sie meinen Willen tun.“
Wenn wir sozusagen Gott befehlen wollen, brauchen wir uns nur durch Ihn regieren lassen, das heißt, wenn wir seinen Willen tun, wird er auch unseren tun.
(Vortrag am 4. Juni 1964)


Montag, 18. Juni 2018

Die Botschaft der hl. Margareta Maria

„Tut, was Er euch sagt“.

Das Heiligste Herz Jesu an die hl. Margareta Maria Alacoque.
Plinio Corrêa de Oliveira


„Als ich mich eines Tages in der Fronleichnamsoktav vor dem Allerheiligsten Sakrament befand, empfing ich von meinem Gott überschwängliche Gnadenerweise Seiner Liebe und fühlte mich vom Verlangen ergriffen, Ihm etwas zu vergelten und Ihm Liebe für Liebe zu erweisen. Und Er sagte zu mir: „Du kannst mir keine größere Liebe erzeigen, als wenn du tust, was ich schon so oft von dir verlangt habe“.
Er enthüllte mir Sein göttliches Herz und fuhr fort: „Sieh da, dieses Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat, dass es nichts sparte, ja sogar sich erschöpfte und verzehrte, um ihnen seine Liebe zu bezeigen. Als Anerkennung erhalte ich von den meisten nur Undank durch ihre Unehrerbietigkeiten und ihre Sakrilegien, durch die Kälte und Verachtung, die sie mir in diesem Sakrament der Liebe entgegenbringen. Aber am schmerzlichsten ist es mir, dass auch Herzen, die Mir geweiht sind, es so behandeln.
Darum verlange Ich von dir, dass am ersten Freitag nach der Oktav des Fronleichnamsfestes ein eigenes Fest zur Verehrung meines Herzens begangen werde. An diesem Tage soll man die heilige Kommunion empfangen und ihm durch eine feierliche Abbitte Ehrenersatz leisten zur Sühne für die Unbilden, die es während der Aussetzung auf den Altären erfahren hat. Ich verspreche dir auch, dass mein Herz sich erweitern wird, um über jene, die ihm diese Ehre erwiesen oder andere dazu bestimmen, dass sie ihm erwiesen werde, die Wirkung seiner göttlichen Liebe im Überfluss zu ergießen.“
Jeder Satz dieser Botschaft ist ein echter Juwel. Um diese Worte angemessen zu verstehen, müssen wir uns erinnern, dass sie in einer Zeit gesprochen wurden, in der die Keime der Revolution schon tief in die Gesellschaft eingedrungen waren und die Welt, zu der Er gesprochen hatte, dieselbe war, die der hl. Ludwig von Montfort mit glühenden Worten beschrieben hat.
Man versteht also, dass es eine Menschheit war, die noch teilnahm an den Sakramenten der Kirche, die noch betete, aber doch sich in einer großen Krise der Undankbarkeit und der Lauheit befand. Um diese Situation der Undankbarkeit und Lauheit zu sühnen, sprach Jesus die Worte: „Sieh da, dieses Herz, das die Menschen so sehr geliebt hat, dass es nichts sparte, ja sogar sich erschöpfte und verzehrte, um ihnen seine Liebe zu bezeigen.“
Tatsächlich ersparte Unser Herr nichts, aber unternahm alles. Dieser Satz entspricht dem Sinn der Heilandsklagen am Karfreitag: „Mein Volk, was habe ich dir getan? Womit nur habe ich dich betrübt?“
Hier das gleiche: Alles habe ich für euch getan. Ich habe mich ausgegeben und ausgezehrt, um alles für euch zu tun. Doch erhalte ich von den meisten nur Undankbarkeit durch Verachtung, Lästerung und Kälte, die sie mir in diesem Sakrament der Liebe entgegenbringen. Es ist etwas fürchterliches, aber in der Eucharistie, die die höchste Äußerung der Liebe Unseres Herrn ist, dort selbst bekommt Er nichts als Kälte und Lästerung. Und das in jener Zeit, in der die Revolution schon weit fortgeschritten war.
„Aber am schmerzlichsten ist es mir, dass auch Herzen, die Mir geweiht sind, es so behandeln.“ Wir wissen schon, dass die geweihten Herzen diejenigen der Priester und Ordenleute sind, die sich mit Ihm besonders verbunden haben, und ihn deshalb am meisten verletzen. Miteinbeziehen können wir die Seelen, die Er zu einem besonderen Apostolat berufen hat, wenn auch ohne Gelübde sich ihm doch auf besonderer Art weihen sollten, aber doch vielmals in gleicher Weise mit Ihm vorgingen.
„Darum verlange Ich von dir, dass am ersten Freitag nach der Oktav des Fronleichnamsfestes ein eigenes Fest zur Verehrung meines Herzens begangen werde. An diesem Tage soll man die heilige Kommunion empfangen und ihm durch eine feierliche Abbitte Ehrenersatz leisten zur Sühne für die Unbilden, die es während der Aussetzung auf den Altären erfahren hat.“
Der eigentliche Zweck dieser Bitte ist: Da Er, in der Zeit in der Er auf den Altären ausgesetzt ist, viele Beleidigungen erleidet, wo Er doch nur erscheint, um Gutes zu tun, wir besondere Sühne leisten sollen für diese Beleidigungen. Die Belohnung, die Er uns gibt: „Ich verspreche dir auch, dass mein Herz sich erweitern wird, um über jene, die ihm diese Ehre erwiesen oder andere dazu bestimmen, dass sie ihm erwiesen werde, die Wirkung seiner göttlichen Liebe im Überfluss zu ergießen.“
Wenn wir also wollen, dass der Einfluss der Liebe Gottes, das heißt, dass die Gnade sich in uns entzünde, dass wir das Feuer der Liebe Gottes in uns spüren, wenn wir uns entmutigt fühlen, ohne Liebe für die Sache der Kirche, wenn wir im geistlichen Leben wachsen wollen, gibt es ein Versprechen: Wenn wir an den ersten Freitagen die Kommunion empfangen, werden wir die Einflüsse der Liebe Gottes in uns verspüren. Wenn wir uns sorgen, dass auch andere das Allerheiligste verehren, werden wir die liebenden Einflüsse des Heiligen Herzen Jesu in uns vermehren.
Wie kann das angemessen getan werden? Es überfällt uns ein Gefühl der Entmutigung, wenn wir daran denken, dies durchzuführen. Wie kann ich vor Unserem Herrn treten, etwas Ihm entsprechendes durchzuführen? Wer bin ich, um etwas Ihm angemessenes zu vollbringen? Das richtige ist, dieses durch die Vermittlung des Unbefleckten Herzen Mariens zu tun.
Der Muttergottes bitten, sich uns anzuschließen, sie solle der Kanal dieses Sühneaktes sein und ihn darbringen in unserem Namen. So werden wir ihm eine makellose Andacht zur Sühne darbringen.
Zusammenfassend: Opfern wir unsere Kommunion dem Heiligsten Herzen Jesu durch die Vermittlung des Unbefleckten Herzen Mariens, in der Meinung die Beleidigungen gegen das auf dem Altar ausgesetzte Allerheiligste Sakrament zu sühnen. Durch Maria die Gnade der Gottesliebe bitten, die unsere Seele erneuern wird. So können wir hiermit abschließen und der Muttergottes bitten, sie möge die letzten Gebete dieses Tages in der Meinung aufnehmen, jeden von uns für die morgige Kommunion gut vorzubereiten.
(Vortrag am 4. Juni 1964)

Muttergottes von der immerwährenden Hilfe




Unsere Liebe Frau von der immerwährenden Hilfe ist eines dieser Themen, über die es viel zu sagen gibt und gleichzeitig es wenig zu sagen gibt. Es gibt wenig zu dieser Anrufung zu sagen, denn was die Muttergottes von der immerwährenden Hilfe betrifft, so weiß ich doch, dass es eine Ikone der Ostkirche, auf einem goldenen Hintergrund, wie es für orientalische Gemälde typisch ist, mit etwas von einer Starre und Unbeweglichkeit, die das noch vom orientalischen Stil beeinflusste Gemälde charakterisiert, und eine Verehrung, die, wenn ich mich nicht irre, im Süden Italiens geboren wurde, wo genau der Einfluss der Ostkirche sehr groß war, sodass es bis heute auf der Insel Sizilien, eine oder zwei römisch-katholische Diözesen gibt des griechischen Ritus, als Folge des griechischen Einflusses auf der Insel Sizilien.
Diese Verehrung verbreitete sich in der ganzen Welt und wurde aus einer Reihe von historischen und konkreten Gründen zur besonderen Anrufung der Kongregation der Redemptoristen. Sie ist, wie wir wissen, Gegenstand der Verbreitung einer ungeheuren Anzahl von Gnaden innerhalb der Kirche, und mit unzähligen Begünstigungen, Schutzzuweisungen und Ablässen von der Kirche ausgestattet worden.
Wir wollen hier etwas über den Titel der Immerwährenden Hilfe sagen, mit dem die Gottesmutter in dieser Andacht verehrt werden wollte und die sich von den vielen anderen Titeln unterscheidet, unter denen sie verehrt wird.
Aber ich möchte zunächst einmal darauf hinweisen, dass dieser Titel mit anderen Formen übereinstimmt, mit anderen Aspekten und mit anderen Titeln, die dieselbe Idee hervorrufen. Zum Beispiel, Unsere Liebe Frau von der Immerwährenden Hilfe (perpétuo socorro) (*) und Unsere Liebe Frau Hilfe der Christen (auxiliadora) und Unserer Lieben Frau von Amparo (Schutz, Beistand): wer schützt, hilft, wer beisteht, schützt und hilft in gewisser Weise. Das heißt, diese Anrufungen, unterscheiden sich, weil sie an verschiedenen Orten aufgekommen sind, weil sie den Gläubigen in verschiedenen Anlässen und Umständen empfohlen worden sind, gedenken jedoch Mal die Hilfsbereitschaft der Muttergottes in den Ereignissen des täglichen Lebens, sei es in Angelegenheiten des geistlichen oder des weltlichen Lebens, oder in Ereignissen, die das Schicksal von Einzelpersonen, oder von Familien, Staaten, der Heiligen Kirche, Seelenfamilien betreffen, den Interessen der ultramontanen Sache oder die Sorge, die Häufigkeit, die Güte, die Nachsicht, mit der Sie eingreift, um denen zu helfen, die sie anrufen.
Dieser Begriff jedoch, der vielen Anrufungen gemein ist, hat in der Anrufung der Muttergottes von der Immerwährenden Hilfe ein eigenes Element. Es ist das Wort „immerwährende“. Bei Unserer Lieben Frau Hilfe der Christen, sagt man nicht Unsere Liebe Frau von der immerwährenden Hilfe der Christen, wie man auch nicht sagt Unsere Liebe Frau vom immerwährenden Schutz oder Beistand (Amparo). Deshalb ist das, was man in dieser Anrufung der Muttergottes besonders ehrt, nicht, dass Sie sehr oft mit großer Freigebigkeit und großer Zärtlichkeit den Menschen hilft, aber es ist die Tatsache, dass diese Hilfe dauerhaft, immerwährend ist. Die Dauerhaftigkeit dieser Hilfe ist worauf der Akzent dieser Anrufung gesetzt wird.
Warum aber die Dauerhaftigkeit dieser Hilfe? Denn wenn Hilfe etwas sehr wertvolles ist, besonders wenn sie von der Königin des Himmels und der Erde kommt, die alles kann, weil sie „die Allmächtig-Bittende“ genannt wurde — diejenige, die durch den Wert ihrer Bitten alles erreicht — wenn diese Hilfe der Muttergottes so wertvoll ist, so ist auf der anderen Seite das Schönste die Tatsache, dass sie immerwährend ist. Stellen wir uns einen Bettler vor, einen Elenden, einen Aussätzigen. Doch diese Person erhält zum Beispiel die Gnade einer Königin. Nehmen wir an, er ist ein Elender aus England, und Königin Elisabeth II. bemitleidet ihn und hilft ihm von Zeit zu Zeit. Wir mögen begeistert sein von der Herablassung der Königin, sich dem demütigsten und erbärmlichsten ihrer Untertanen zuzuwenden und von Zeit zu Zeit von der Höhe ihres Thrones etwas ihrem Untertan zukommen zu lassen. Wir können uns über ihre Gefälligkeit freuen, wir können uns freuen über das Glück dieses Untertanen, wenn ihm diese unerwartete und unverdiente Gnade zukommt, und wir können dann die Herrlichkeit der Königin singen.
Es bleibt aber immer die Frage: Eine solche freiwillige Hilfe, eine von einer solchen Freigebigkeit geleistete Hilfe für jemanden, der es nicht verdient, wird diese Hilfe nicht einmal aufhören? Wird es nicht zu einem Missbrauch dieser Hilfe kommen? Ein Zeitpunkt kommen, in dem der Beschenkte so vieles und derartiges getan hat, dass ihm nicht mehr geholfen wird? Das heißt, die Hilfe wird ständig von der Möglichkeit ihrer Einstellung überschattet. Wird nicht eine Zeit kommen, in der die Königin mit anderen Dingen beschäftigt, den Elenden vergessen wird? Wird nicht ein Moment kommen, in dem sie, erschöpft von so vielem Geben, sagt: — „Ich habe diesem Mann so viel gegeben und er hat nie seine Lebensweise zum besseren geändert. Ich werde jetzt aufhören zu geben!“? Wird es einen Moment geben, in dem die Königin sagt: „Schließlich habe ich viele, die mich um Hilfe bitten. Dem hier habe ich nun genug gegeben. Jetzt werde ich es jemand anderem geben!“?
Könnte es nicht zu einer Situation kommen, in der die Königin ihre Hilfe schicken will, erfährt aber, dass der Arme in einem Boot in den Meeren zwischen Schottland und dem Nordpol kreuzt, und sie entscheidet, ihm die Hilfe nicht zu senden, weil er sich an entferntem Ort befindet, und schon zuviel Falsches gemacht hat, sich sogar in diesen Entfernungen herumtreibt? „Wäre es vielleicht nicht möglich“, wird die Königin sagen, „einen Hubschrauber der königlichen Marine zu schicken, um diesen Mann zu holen, und ihn sicher in ein Haus unterzubringen?“ Und wenn dieser Mann zum Beispiel etwas gegen die Königin selbst getan hätte? Wenn er das Unglück hätte, sie anzukämpfen, wenn er zum Beispiel, die Königin verleumden würde? Würde die Königin nicht sagen, dass er die Maße überschritten hat und jetzt hat sie nichts mehr mit ihm zu tun? Das heißt, wir könnten über tausend Umstände nachdenken, in denen diese Unterstützung aufhören würde und wegen derer sich die Königin um diesen Elenden nicht mehr kümmern würde.
Genau so ist die Muttergottes uns gegenüber nicht. Die Ausdauer Ihrer Hilfe weist ausdrücklich auf das Gegenteil hin. Egal wie schlecht wir handeln, egal wie wir sie missbrauchen, egal wie unglaublich unsere Undankbarkeit ist, je größer das Risiko ist, je außergewöhnlicher das Wunder auch sein mag, um das wir bitten müssen, so extrem, so unwahrscheinlich es auch sein mag, um was wir bitten müssen, solange es nichts Schlechtes an sich ist, ist die Muttergottes die Mutter der immerwährenden Hilfe. Das heißt, die Mutter, die sich geehrt fühlt, immer anzuhören, immer zu Hilfe kommen, immer aufzunehmen, so dass es keine mögliche Gelegenheit gibt, in der wir zu ihr beten, nicht angehört und geholfen werden.
Natürlich behält sie sich vor, uns unter bestimmten Umständen, nicht zu gewähren, was wir verlangen. Aber nicht geben ist nur eine Art zu sagen, denn sie kann den Moment, in dem sie uns gewähren wird, um was wir bitten, hinauszögern, aber diese Verzögerung bedeutet, uns dann das Hundertfache von dem zu geben, um was wir gebeten haben. Selig sind diejenigen, bei denen die Muttergottes sich verspätet. Sie kommt mit vervielfachten Geschenken in ihren Händen. Es kann auch sein, dass die Muttergottes nicht die Gnade gibt, um die wir bitten, aber am Ende gibt sie andere Gnaden, die viel wertvoller sind als die, um die wir gebeten haben.

(*) Im Portugiesischen gibt es verschiedene Wörter um Hilfe zu bezeichnen: socorro (in Lebensgefahr), auxílio, ajuda (Hilfe), amparo (Schutz, Beistand)

Plinio Correa de Oliveira, Vortrag „Heiliger des Tages” im Jahr 1964 (der Tag ist in der Originalabschrift nicht angegeben).


Freie Übersetzung aus dem Portugiesischen. Der Originaltext ist die Abschrift einer Aufzeichnung, die vom Urheber nicht revidiert worden ist.

Freitag, 15. Juni 2018

Der Hass gegen das Herz Jesu während der französischen Revolution



Am Vorabend der Französischen Revolution verbreitete sich die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu über die ganze Welt. Die Offenbarung Jesu an die hl. Margareta Maria Alacoque, Theologen, die sich mit dem Thema befassten, machten diese Andacht überall bekannt.
Bischof Scipione de'Ricci
Im Gegenzug wurde diese Andacht von Feinden der Kirche sehr gehasst und bekämpft. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts, zum Beispiel, war Scipione de’ Ricci, der bekannte Bischof von Prato und Pistoia, Jansenist und ein aktiver Kämpfer gegen die Verehrung des Herzen Jesu. Im Empfangssaal seines Palastes hing ein großes Gemälde in dem er selbst dargestellt war, wie er ein Bild des Heiligsten Herzen Jesu zerreißt. Wenn ich mich nicht irre, gab es ebenfalls im Palast des Groß-Herzogs von Toskana (auch Erzherzog von Österreich) ein solches Gemälde.
Die Hauptstadt der Toskana ist Florenz. Man kann also ersehen wie der Hass der Feinde der Kirche sich gezielt gegen die Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu richtete. Und das ging so weit, dass es ihnen gelungen ist diese Andacht fast gänzlich zu unterdrücken.
Dieser Hass führte dazu, dass die Revolutionäre während der Französischen Revolution, als der blutrünstige und infame Marat ermordet wurde, sein Herz als „das heiligste Herz Marats“ öffentlich wie eine Replik des Heiligsten Herzen Jesu zur Verehrung brachten. Wenn die Revolution etwas Erhabenes lächerlich machen und zerstören will, greift sie zur schändlichen und sakrilegischen Nachäfferei – man sagt, die Freimaurerei sei die Äffin der Kirche, weil sie die frommen und heiligen Übungen der katholischen Kirche spöttisch übertreibend nachahmt.
Vergleichen wir – wenn es überhaupt ein Vergleich möglich ist – das Herz Jesu mit dem Herzen Marats: Das Herz Jesu ist der unendliche Abgrund aller Tugenden; das Herz Marats war ein begrenztes aber großes, ausgefülltes Sammelbecken allen menschlichen Unrats, Schmutzes und Boshaftigkeiten. Er war ein ekelhafter Typ, eine Hyäne. Der Kontrast zum Herzen Jesu hätte nicht krasser sein können.
Jean Paul Marat
Hören wir nun, wie die Verehrung zum Herzen Marats vor sich ging (aus „Weltgeschichte“ von Dr. J. B. Weiß, Bd. 17, S. 196, Buchdruckerei und Verlags-Buchhandlung Styria, 1895):
„Dann wurde die Leiche (in das Grab) versenkt, die Tränen strömten, und mit zerrissenem Herzen kehrte jeder in sein Haus zurück“.
Hier sehen wir eine billige Nachahmung der Abnahme Jesu vom Kreuz und seiner Grablegung. Danach gingen sie mit zerknirschtem Herzen nach Hause.
„In der Kirche der Cordeliers wurde eine Chapelle ardente für das in einer der schönsten Urnen des Kronschatzes aufbewahrte Herz Marats hergerichtet. Kerzen brannten hier zu Ehren des neuen Gottes, wie jetzt in der Kirche zu Ehren der heiligen Genoveva. Man pilgerte dahin. Litaneien wurden hier mit Marats Namen abgehalten, und man betete hier zu seinen Wunden und zu seinem Herzen.“
Da war wohl sicher die Herz-Jesu-Litanei, umgestaltet auf dem Namen Marats. Dieser litt an einer Art Aussatz, einer Hautkrankheit, die seinen Körper mit Wunden übersäte und starken Juckreiz verursachte. Er befand sich in einem Heilbad in der Badewanne, wo er gewöhnlich seinen Schreibarbeiten nachging, als er von Charlotte Corday mit einem Dolch ermordet wurde.
So verehrten die Menschen alle seine Wunden, nicht nur des Herzen sondern seines ganzen Körpers in Anspielung an die Wunden die den heiligsten Leib Jesu bedeckten.
„Beaulieu erzählt, er habe ein gedrucktes Gebet in den Händen gehabt, welches mit den Worten begann:  ,O Herz Jesu, o Herz Marat! O heiliges Herz Jesu, o heiliges Herz Marat!‘ Auf dem Carrouselplatze hatte man eine Pyramide, in welcher man seine Büste, seine Badewanne, sein Tintengeschirr, seine Lampe aufbewahrte, und stellte Tag und Nacht zu ihrem Schutze eine Schildwache auf. In der Festrede wurde gleiche Huldigung für das Herz Marats, wie für das Herz Jesu gefordert, aber geschlossen mit dem Satze: ,Jesus war ein Prophet, Marat ein Gott!‘ Die Jakobiner und Cordeliers wurden den Aposteln, die Kaufleute den Zöllnern, die Aristokraten den Pharisäern gleichgestellt, und Simone Evrard der Mutter Gottes: diese habe das Jesuskind nach Ägypten, jene aber Marat vor dem Schwerte des neuen Herodes-Lafayette gerettet. – Mercier erzählt: ,Auf allen öffentlichen Plätzen errichtete man ihm zu Ehren Tempel, Mausoleen, Triumphbögen.‘“
Das sind schamlose Seiten der Französischen Revolution, die vorsichtig vertuscht werden, damit sie niemand weiterzählt.
„Von Paris verbreitete sich dieser Wahnsinn durch Frankreich. Havre de Grace (heute Le Havre) will nicht mehr von der Gnade Gottes oder des Königs wissen – es legt sich den Namen ,Havre de Marat‘ bei. Der Montmartre ist lange genug nach dem Gotte Mars benannt worden – er heißt fürder der Montmarat. In allen Departements werden Knaben nach ihm getauft, entstehen also kleine Marätchen.
„In Straßburg wurde im uralten Dome Marats Büste aufgestellt und dabei eine Rede über seine Verdienste, über sein Märtyrertum gehalten, in welcher er nicht bloß mit Sokrates, sondern auch mit Christus verglichen war: ,Wie Jesus liebte Marat nur das Volk, und liebte nur es. Wie Jesus verabscheute Marat die Könige, die Adeligen, die Priester, die Reichen, die Schurken. Wie Jesus hörte er niemals auf, diese Pest der Gesellschaft zu bekämpfen, und wie Jesus führte er ein mäßiges und ärmliches Leben. Wie Jesus, war Marat äußerst gefühlvoll und menschlich, er hatte die erhabene Seele Rousseaus. Er trug in seinem Herzen alle Unglücklichen.‘“
Wir sehen welches Ausmaß die Gotteslästerung angenommen hatte, wie weit der Hass der Revolutionäre gekommen ist, indem sie den schlimmsten Verbrecher mit Jesus verglichen und nachahmten. Es erinnert an den Moment, wo das Volk die Befreiung des Mörders Barabas wählte und Jesus ans Kreuz wünschte. Doch glaube ich, dass Marat noch schlechter war als Barabas, denn dieser war noch lange nicht mit so vielen und schlimmen Verbrechen beladen wie Marat.
Machen wir einen kleinen Exkurs.
Wir halten das hier Beschriebene für ein fürchterliches Verbrechen, eine abscheuliche Sünde gegen das Heiligste Herz Jesu. Und wir haben guten Grund dazu. Aber haben wir schon darüber nachgedacht, welche Verbrechen und Sünden dieser Art gegen die Herzen Jesu und Maria die Welt noch vorbereitet? Welchen Gotteslästerungen werden wir noch ausgesetzt sein? Gibt es heute nicht moderne Propheten, die mit Nachäffereien verkünden, das sie Jesus Nachfolgen? Wie viel Schimpf, wie viel Sünde, wie viel Blasphemie werden wir noch wahrnehmen müssen in dem unaufhaltsamen Lauf der gegenwärtigen Zersetzung aller göttlichen Werte?
In dieser Hinsicht müssen wir Folgendes betrachten: Als das Heiligste Herz Jesu blutete, als es im Ölgarten und während der ganzen Passion gelitten hat, hatte es nicht nur diese Leiden im Sinn, sondern die Schmerzen, die ihm die Sünden der ganzen Menschheit bis zum Ende der Zeiten bereiteten. Wenn die gegenwärtigen Sünden fürchterlich sind, so hat das Herz Jesu den verursachten Schmerz dieser auch damals gelitten.
Man kann wohl sagen, dass die Sünden der Gegenwart schlimmer sind als alle Sünden, die nach dem Gottesmord begangen worden sind. Da gibt es kein Zweifel. Aber dann haben diese Sünden  des 20. und 21. Jahrhunderts dem Herzen Jesu mehr zugesetzt, als die des damaligen gewalttätigen Todeswegs.
Maria folgte den Leidensweg Ihres Sohnes aus der Nähe. Das Evangelium erzählt uns, im Rahmen der Ereignisse um die Geburt Jesu, dass „Maria behielt alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen“ (Lk 2,19). Dies tat sie ihr Leben lang und besonders in Verbindung mit den Ereignissen des Leidens und Sterbens ihres göttlichen Sohnes.
„Maria behielt alles und erwog es in ihrem Herzen“. Sie dachte an all diese Dinge, sie betrachtete sie, litt wegen alldem. Alle Sünden bereiteten auch ihr Schmerzen, auch die gegenwärtigen und in Vorahnung auch die Sünden der Zukunft.
Hier haben wir nun Anhaltspunkte für die Novene zur Vorbereitung auf das Fest des Unbefleckten Herzen Mariens. Mit diesen Gedanken können wir teilnehmen an der schmerzlichen Vorahnung der Muttergottes im Hinblick auf die Sünden unserer Zeit. So bereiten wir uns entsprechend auf das Fest vor.
Es ist hier nicht fehl am Platze daran zu erinnern, dass Maria, so viel sie auch gelitten hat, das Leid immer mit großem Vertrauen annahm. Sie wusste, dass am Ende der Sieg Unserm Herrn Jesus Christus gehören würde, und folglich auch ihr. Deshalb war dieses Leiden auch durchwebt mit Freude. Sie wusste, dass die heilige Kirche auch in unseren Tagen siegen würde. Sie wusste, dass ihr Sohn in den Himmel auffahren und sie ihm glorreich folgen würde, und dass die Herrlichkeit Gottes die Sünden aller Zeiten überwinden würde.
Auch wir sollen diese Zeiten mit Freude durchschreiten, in der Gewissheit, dass, je tiefer die Trauer auch sein wird, in der wir uns befinden werden, die Freude um so größer sein wird, wenn wir sehen, dass Mariens Schmerzen gesühnt worden sind, die Revolution zerschmettert wurde und das Reich Mariens eingeführt wird. Es wird die Erhöhung der Katholischen Kirche bedeuten, von den Engeln erhoben über alles in der Welt; sie wird mit größerer Schönheit glänzen, wie nie zuvor. Diese Mischung aus Freude, Trauer und Hoffnung soll uns immer begleiten.
(Vortrag am 14. August 1969)


Heiligstes Herz Jesu

Das Abbild der Gewissheit


von Plinio Corrêa de Oliveira

Was offenbart diese Herz Jesu Statue unseren Augen? Wenn der Betrachter von einer Gnade berührt wird, zeigt sie deutlich die Gewissheit, dass Unser Herr Jesus Christus Gott ist.


Unser Herr ist in dieser Figur so hervorragend dargestellt, so aufrecht; seine Büste und seine Haltung so männlich, so ernst; Eigenschaften eines jeden, der an alles mit Ernsthaftigkeit denkt, um die Wahrhaftigkeit der Dinge zu ergründen. Sie ist das eigentliche Abbild der Gewissheit. In ihrer Gesamtheit offenbart sie die Weite der großen Anschauungen des Universums und der ganzen Schöpfung.

Das Haar scheitelt den Kopf in zwei Teile, als ob es eine universale Symmetrie in der Welt hervorheben wollte, in der man alles unter zwei verschiedene aber doch zusammenhängende Aspekte sehen kann, die eine höhere Harmonie darstellen.

Das Haar fällt glatt und sanft auf die Schultern in einer vollkommenen, tadellosen, mühelosen Ordnung, eine einladende und freundliche Ordnung.

Der Blick, der sich dem Betrachter zuwendet, ist erfüllt von Überzeugungen und Betrachtungen, die eine kostbare Ansammlung von Gewissheiten gebildet haben, die sich mit weiteren Gewissheiten aus seinen Folgerungen verbinden.

Dies alles geschieht auf einer so hohen und außergewöhnlichen Ebene, sodass Er sich zugleich als wahrer König und wahrer Meister offenbart.

Der eigentliche König ist Er. Nicht weil Er die Gewohnheit hat zu befehlen, und auch nicht weil andere ihm ein Befehlsrecht zuerkennen, sondern durch sein eigenes Wesen selbst. Er ist König in seinem Wesen, unabhängig von dem, was andere denken oder nicht denken, wollen oder nicht wollen.
Er ist der König par excellence, der eine vollkommene, vollständige Lehre lehrt, anhand der man nichts weiter sagen kann als nur: „Ja, ich bete Dich an!“


(Auszug aus einem Vortrag von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira vom 14. März 1993. Ohne Revision des Autors.)

Dienstag, 12. Juni 2018

Die Herz-Jesu-Kirche in São Paulo

Die Rolle der Herz-Jesu-Kirche in São Paulo in der religiösen Bildung von Plinio Corrêa de Oliveira

 
Die Herz-Jesu Kirche von São Paulo
 im Stadtteil Campos Elíseos wurde erbaut
zwischen 1881 und 1885.
Sie wurde dem Orden der Salesianer übergeben.
         
In einer Zeit, in der Papst Leo XIII. die Gläubigen aufgerufen hatte, all ihre Hoffnung auf das Herz Jesu zu setzen und von ihm „die Erlösung zu erbitten und zu erwarten“, war es diese für die Gegenwart so ausschlaggebende Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu, die das Leben der Mutter von Plinio, Dona Lucília, bestimmte. 
Nicht weit vom Hause der Familie Ribeiro dos Santos, in dem auch die Familie Corrêa de Oliveira wohnte, stand eine dem Herzen Jesu geweihte Kirche. Dorthin führten die junge Mutter täglich ihre Schritte, und Plinio und seine Schwester Rosée begleiteten sie dabei. Hier, in dieser übernatürlichen Atmosphäre, wie sie früher in den Kirchen zu fenden war, bildeten sich beim Anblick der betenden Mutter in Plinios Geist jene besondere Anschauung von der Kirche, die ihn zutiefst geprägt hat. „Ich spürte“, erinnert er sich später, „dass die Quelle ihrer Wesensart in der durch die Muttergottes vermittelten Andacht zum Heiligsten Herzen Jesu lag.“ 
Dona Lucília ist ihrer Jugendandacht stets treu geblieben. Als ihr in den letzten Lebensjahren schließlich die Kraft zum Kirchgang zu fehlen begann, verbachte sie immer wieder bis spät in die Nacht lange Zeit im Gebet vor einer Alabasterstatue des Heiligsten Herzen Jesu, die im Hauptsalon der Wohnung inthronisiert worden war.

Quelle: „DER KREUZRITTER DES 20. JAHRHUNDERTS – Plinio Corrêa de Oliveira", Roberto de Mattei, TFP-Büro Deutschland e.V., Frankfurt am Main, 2004, Kap. I,5)



Das Mittelschiff


Der Hochaltar


Herz Jesu über dem Hochaltar


Wandgemälde über dem Hochaltar


Seitenaltar





In dieser Kirche befand sich eine schöne Muttergottesstatue der Anrufung Maria Hilfe der Christen. Anhand dieser Statue entwickelte Plinio eine tiefe Andacht zur Muttergottes Hilfe der Christen von Lepanto und des heiligen Rosenkranzes.







Seitenaltar mit der Darstellung der Unterweisung der Schriftgelehrten durch das Jesuskind im Tempel



Video des Pontifikalamtes in dieser Kirche anlässlich der Hundertjahrfeier des Geburtstages von Plinio Corrêa de Oliveira am 13. Dezember 2008. Die aufgestellten Standarten sind nicht von der brasilianischen TFP, sondern von TFPs aus de USA und Europa.


Sonntag, 10. Juni 2018

Das eucharistische Herz Jesu, die unendliche Barmherzigkeit


Plinio Corrêa de Oliveira

     
  Morgen ist das Fest des Eucharistischen Herzen Jesu und zugleich das Fest des hl. Barnabas,  Apostel, der gemeinsam mit dem hl. Paulus auch Apostel der Heiden genannt wird. Unsere Gedanken wollen wir auf das Fest des Eucharistischen Herzen Jesu richten.


    
Das Thema und die Verehrung dieser Anrufung verstehen wir als die Hinwendung des Heiligsten Herzen Jesu zu den Seelen in der Heiligen Eucharistie, oder die Eucharistie als das größte Wunder der Barmherzigkeit des Herzen Jesu. Wir werden einige praktische Erwägungen machen, die uns in unsere morgigen Kommunion behilflich sein können.
       Da wir morgen das Herz Jesu Fest feiern, sollten wir uns an das wichtige Prinzip erinnern, dass ein liturgisches Fest besondere Gnaden mit sich bringt, die mit dem gefeierten in Verbindung stehen. Wir alle werden also morgen besondere Gnaden empfangen, die aus dem Eucharistischen Herzen Jesu hervorgehen. Zugleich, da es sich um ein eucharistisches Fest handelt, sind diese Gnaden besonders reich in der heiligen Kommunion. Da wir die unschätzbare Freude haben, uns täglich dem Tisch des Herren nähern zu können, haben wir morgen Anlass mit besonderer Inbrunst die Kommunion zu empfangen.


„O Herr, ich bin würdig, dass Du eingehst unter mein Dach...“ 
       Wenn wir morgen die heilige Eucharistie empfangen, oder gar schon vorher bei der geistigen Vorbereitung, sollten wir uns vergewissern, dass der Gott, den wir in unsere Seele empfangen werden, ein Gott von unendlicher Barmherzigkeit ist, im strengsten Sinne des Wortes unendlich. Das heißt, Er ist von einer so immensen Nachgiebigkeit, dass Er immer bereit ist, zu verzeihen. Immer bereit den Sünder wieder zu erheben, sei es ein Sünder, der das überraschende Unglück hat, sich im Stande einer Todsünde zu befinden, oder einer, der im Stande lässlicher Sünden ist, oder in dermaßen großen Schwierigkeiten festgefahren ist, oder einem, der im Stande der Gnade ist, aber sich in einem Zustand der Undankbarkeit befindet, die sein Voranschreiten im geistigen Leben um Jahre verzögert.

       Wir sollen uns daran erinnern, das alle Zustände der Sünder in den verschiedenen Graden eine Ähnlichkeit haben, mit den Personen in den Evangelien, die Unser Herr geheilt hat. Die Heilungen waren echt, sie hatten aber auch eine symbolische Bedeutung: Sie wiesen auf Krankheiten der Seele hin und auf die Macht Unseres Herrn Seelen zu heilen. Sie weisen darauf hin, dass Jesus mit einem Wort, in einem Augenblick, die vollständige Heilung einer Seele bewirken kann, oder wenigsten im Innern der Seele ein Wort sprechen kann, das den Anfang einer vollständigen Heilung einleitet.


       Und so wie es Aussätzige gab, gibt es die, eine abscheuliche Sünde in sich tragen; so wie es die Lahmen gab, gibt es die, die auf den Wegen des geistigen Lebens ins stocken geraten sind und sich nicht fortbewegen;  es gab die Stummen, so gibt es die, die den Mund nicht öffnen, um mit Gott zu sprechen und ihre Schwierigkeiten darzulegen, auch nicht einem geistlichen Führer oder jemanden, der ihrer Seele helfen könnte; da waren die Tauben und hier gibt es die, die das Wort Gottes nicht hören und die auch die guten Ratschläge eines Freundes nicht annehmen wollen. So sind auch wir in einem dieser Zustände.

       Daher sollen wir dem unendlich barmherzigen Herzen Jesu in der heiligen Eucharistie die Worte sagen, die der Priester spricht, wenn er den Gläubigen die heilige Hostie zeigt: sed tantum dic verbo et sanabitur anima mea – aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Wir haben eigentlich keine Ahnung, welche Fruchtbarkeit ein Wort Jesu in unserer Seele besitzt. Manchmal bemühen wir uns Jahre hindurch, um einen Fehler loszuwerden oder eine Tugend zu erlangen, und scheitern immer wieder.


       Doch wenn wir uns daran erinnern würden, dass Maria von Jesus von einem Moment zum anderen uns ein einziges Wort erreichen kann und dass dieses Wort uns vollständig heilen, oder wenigstens der Ausgangspunkt unserer Heilung sein kann, dann würden wir verstehen, dass es möglich ist, im geistlichen Leben alle Hindernisse zu beseitigen und voranzuschreiten. Eine Möglichkeit, die wir uns in unserer geistigen Trägheit und Routinemäßigkeit in ihrer ganzen Weite und Wichtigkeit gar nicht vorstellen.

       Wir sollten uns morgen Unserem Herrn nähern und Ihm sagen, immer durch Maria, die ja die Mittlerin aller Gnaden ist, dass Er uns Sein Herz öffne, das Symbol Seiner Barmherzigkeit im Meisterwerk Seiner Liebe, der heiligen Eucharistie – da Er nun einmal dieses Fest eingerichtet hat, damit alle eingedenk dessen zu Ihm kommen  - dass wir in Demut, Gehorsam und Reue zu Ihm kommen und um Verzeihung unserer Sünden bitten. Wir bitten um die Tugend, durch die wir uns mit Ihm vereinigen können. Dies ist die Bitte, die die größte Form der Liebe beinhaltet, weil wir uns dadurch Ihm gleich werden wollen.



       Sagen wir Ihm, dass wir an diesem Tag um ein Wort bitten: Er möge uns nur ein Wort sagen, damit unsere Seele geheilt, gesund werde. Dieses Wort kann vielleicht morgen nicht kommen; es kann jetzt kommen, wie auch in einiger Zeit. Doch inständig und immer wieder müssen wir bitten, dass es komme, das ist beste für unser geistliches Leben. Je länger es dauert, desto fruchtbarer und gewissermaßen unwiderstehlicher kommt es.  In der Erwartung dieses Wortes sollen wir unser geistliches Leben führen. Durch Maria also sollten wir sagen: „Herr, ich bin nicht würdig, dass Du eingehst in mein Herz; aber ich empfange Dich mit Vertrauen; sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Es ist also ein Tag der Freude, des Vertrauens und großer Hoffnung.


       Vielleicht erhält jemand die Gnade, mehrmals täglich und alle Tage seines Lebens diesen Satz zu wiederholen: sed tantum dic verbo et sanabitur anima mea. Kommt dann die Stunde unseres Todes, werden wir das letzte Wort hören, das unserer Seele die Kraft gibt, den letzten notwendigen Schritt zu tun, um die vollkommene Heiligung zu erlangen. So werden wir in Frieden den Tod der Gerechten sterben, nachdem wir im Kampf auch das Leben der Gerechten gelebt haben.




(Dieser Text ist übernommen aus einem informellen Vortrag von Professor Plinio Corrêa de Oliveira, gehalten am 11. Juni 1964. Er wurde frei übersetzt und angepasst für die Veröffentlichung ohne eine Überarbeitung des Autors.)