... und Anführer der Wiederherstellung der Christenheit
Am zweiten Jahrestag des Todes von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira ist es an der Zeit, sich auf die Rolle zu konzentrieren, die sein Werk und das Beispiel seines Lebens als Leitfaden für die Bewältigung der Krise unserer Tage spielen, in dem Moment, in dem sie eine Schwere erreicht, die vor einigen Jahren nur wenige hätten vorhersagen können.
Sein Leben war eine kontinuierliche, befreite und wachsende Verwirklichung des Gebots, das der heilige Paulus den Katholiken aller Generationen „nolite conformari huic saeculo“ gegeben hatte, sich nicht der Welt anzupassen (Röm. 12, 2), das heißt, sich nicht von den Fehlern, Sünden und Tendenzen mitreißen zu lassen, die in jeder Epoche sozusagen den Punkt darstellen, durch den der Teufel sie am meisten beeinflusst und die Menschen von den Plänen Gottes entfernt.
Dies war eine umso
bewundernswerte Leistung, als in katholischen Kreisen lange Zeit die
gegensätzlichen Wünsche der Anpassung an die Welt vorherrschten, so dass es
leider, so kann man sagen, heute keine Verirrung mehr gibt, die nicht in einer
etwas abgeschwächten, vermeintlich katholischen Version vorliegt, die bei den
Gläubigen immensen Schaden anrichtet.
Das Hauptwerk von Prof.
Plinio Corrêa de Oliveira, „Revolution und Gegenrevolution“, das 1959
veröffentlicht wurde, wendet diesen Grundsatz des Apostels auf die heutige
Realität an, erklärt den Prozess, der die Geschichte der letzten Jahrhunderte
verfolgte, und gibt die Normen an, die befolgt werden müssen, damit der
katholische Geist die Gesellschaft vollständig durchdringt, anstatt dass der
Geist der Welt die Kirche und die Seelen verunreinigt und die wahre
Zivilisation zerstört.
Dieses Prinzip der
Nichtkonformität mit dem Jahrhundert hatte in verschiedenen Formulierungen in
vielen Situationen und Zeiten große Auswirkungen auf das Leben der Kirche und
trug umso mehr Früchte, je tiefer es in die Mentalität der Menschen eingeprägt war.
Als sie in ihn eindrangen, brachten sie großartige und erhabene Kulturen,
Errungenschaften und Heldentaten hervor, gerade weil der göttliche Einfluss in
irgendeiner Weise in ihnen vorhanden war. Mit anderen Worten: dass sich die
Kirche, sich nicht der Welt anpasste, führte dazu, dass sich diese der Kirche
anpasste.
Aus dieser Perspektive
waren die Lehren des hl. Agustinus in der „Stadt Gottes“
jahrhundertelang ein wahrer Leuchtturm, der kürzlich konvertierten – und
manchmal sogar neu gegründeten – Nationen bei den ersten Schritten des
Glaubens, den sie empfingen, und den Zivilisationen, die sie zu bilden
begannen, leitete. Nach diesen Lehren kämpfen die beiden Städte, die Stadt
Gottes und die Stadt der Welt, geleitet von der Liebe des Schöpfers bzw. von
der Liebe der Menschen zu sich selbst, gegeneinander. Dies sind die beiden
Pole, um die sich die Menschen versammeln, einer unter dem Banner Gottes und
der Führung der Kirche und der andere unter der Schirmherrschaft des Teufels.
Wie „Revolution und Gegenrevolution“
zeigt, durchdrang die Anwendung dieses Prinzips seit dem Untergang des
Römischen Reiches die Bevölkerung Europas mit christlichem Einfluss und
inspirierte Institutionen, Gesetze, Bräuche und Traditionen, die letztendlich
aus dem Gesetz Gottes hervorgingen.
So entstand die Christenheit,
eine Familie von Nationen, die im Lichte der Lehren der Heiligen Kirche
dachten, wollten und kämpften. Doch seit dem Niedergang des Mittelalters hat
der revolutionäre Prozess die Christenheit zersetzt und die Welt zu
aufeinanderfolgenden Höhepunkten von Neuheidentum, Amoralität, Egalitarismus
und Korruption geführt, sich auf den spirituellen und weltlichen Bereich
ausgewirkt und kirchliche Umgebungen oft ihrer Reaktionsfähigkeit beraubt.
Zu Beginn dieses
Jahrhunderts, als Prof. Plinio Correa de Oliveira seinen Kampf für die Kirche
und die Christenheit begann, griff die Gottlosigkeit die Katholiken heftig an,
da sie eine Folge des Liberalismus und Säkularismus darstellte, der seit der
Französischen Revolution weite Teile der Welt heimgesucht hatte. Die Menschheit
hatte mehr als ein Jahrhundert fast ununterbrochener Stürme, jedoch
unterschiedlicher Stärke, durchgemacht, die kurz darauf einerseits zu einer
Explosion des Hasses auf die christliche Zivilisation, den Kommunismus, und
andererseits zu einer feurigen und unerschrockenen katholischen Reaktion führen
würden.
Diese Angriffe hatten
vielen Gläubigen Angst gemacht, die mit Schüchternheit und Menschenfurcht zu
kämpfen hatten oder sich von den in der Welt vorherrschenden Trends verführen
ließen; das heißt, einige folgten dem Fehler, sich der Welt anzupassen,
manchmal völlig, indem sie sich von der Gottlosigkeit mitreißen ließen,
manchmal, ohne bis zu diesem Extrem zu gehen, in einer scheinbar katholischen,
aber mittelmäßigen Position zu zittern, was dazu beitrug, die Kirche als Ziel
ständiger Angriffe zu halten und viele feurige Seelen von ihr zu entfremden,
die diese Schüchternheit nicht verstand.
Allerdings den Lehren
und dem Beispiel des Hl. Papstes Pius X. folgend, der seinen Plan verkündet
hatte, alles in Unserem Herrn Jesus Christus zu erneuern, kam es zu einer
heftigen Reaktion seitens der Katholiken, die verstanden hatten, dass der
Göttliche Erlöser und die Kirche nicht nur die begeisterte Unterstützung der
Seelen, sondern auch der Gesellschaft verdienen, wobei spürbar ist, dass es
dafür entscheidend ist, dass diejenigen, die die unvergleichliche Gnade des
Glaubens empfangen haben, dies mit Unerschrockenheit verkünden, denn dies wird
die Feinde der Kirche zurückweichen lassen.
Diese kämpferische
Geisteshaltung hatte in Prof. Plínio Corrêa de Oliveira bereits in den ersten
Jahren seines öffentlichen Lebens ihren Hauptvertreter, der der lebhaften
Bewegung der Marianischen Kongregation einen beispiellosen Impuls gab, in
entscheidender Weise zur Entstehung des Katholischen Wählerbundes beitrug, der
für die Geschichte Brasiliens so große Bedeutung haben sollte, und den Eifer
der Massen entfachte, indem er zeigte, dass die Heilige Kirche eine kolossale
Macht war, nicht nur durch die Hilfe göttlicher Kraft, sondern auch durch den
feurigen Anschluss unzähliger Gläubiger. Mit einem Wort: Nach mehr als einem
Jahrhundert antikatholischer Offensive war die Kirche ungeschlagen und ihre
Feinde zermürbt.
Eine Reaktion gegen Glaubensgegner
und mittelmäßigen Katholiken
Der angesehene
katholische Führer beschrieb 1944, 17 Jahre nachdem er die Führung des „Legionário“
übernommen hatte, das Ideal, das ihn durch dieses Epos leitete, das so viel
dazu beigetragen hatte, den Schwung der brasilianischen katholischen Jugend
wiederherzustellen: „Wir befanden uns in der endgültigen Liquidierung des
liberalen Regimes. Durchdrungen von Skeptizismus, Latitudinarismus,
Materialismus, deformiert durch die niedrige und deprimierende Sprache der
Presse, durch den ausschweifenden Geist von Theater und Kino, durch die
Umgebung von krasser Trivialität, in der sich die Jugend entwickelte, strebten wir
alle nach einem höheren Ideal. Wir hatten keinen Zweifel über dieses
Ideal. Es war der Katholizismus, der die Fülle aller wahren und edlen Ideale
war. In der Atmosphäre, die wir einatmeten, trennten uns zwei Umstände von diesem
Ideal. Einerseits die offensichtlichen Feinde der Religion: die Freimaurer, die
Spiritisten, die Protestanten, die Atheisten. Andererseits, die Billiganbieter
des christlichen Geistes: die die halb-Katholiken, Vielbeter und… Vielsünder.
Menschen, die glaubten aber nicht praktizierten, Menschen die an diesem Dogma
glaubten, aber nicht an jenem; Menschen mit christlichem Etikett, die alle
Symptome der Bequemlichkeit, der Vernachlässigung, der Gleichgültigkeit des
weltlichen Geistes beibehielten. Katholiken schließlich, für die die Kirche
eine Last war, die sie ohne Begeisterung trugen, ein Ideal mit dem sie sich
selbst betrogen, eine Geisteshaltung, die sie auf aller Art und Weise
versuchten dem Zeitgeist anzupassen, damit sie auch einen üppigen und bequemen Platz
bekämen an der großen Festtafel Baltasars, die die letzten Jahre der liberalen
Demokratie waren.
„Protestanten,
Spiritisten, Freimaurer, zutiefst verachtete Katholiken der gegenwärtigen
Art. Sie wussten im Voraus, dass er der große Verlierer war, denn im richtigen
Moment würde er die Last des Katholizismus abwerfen, um so die Freude am Leben
zu retten. Unter diesen Menschen, die zwei Kerzen anzündeten, eine für Gott und
die andere für den Teufel, wurde Gottes Kerze schwächer, brannte nieder und flackerte.
Die Kerze des Dämons war neu, weiß, hart, ihre Flamme war fett und funkelnd. An
dem Tag, als Gottes Kerze begann, den Bürgern die Finger zu verbrennen,
zweifelten weder der Spiritist noch der Freimaurer noch der Protestant daran,
was der selbstgefällige Bürger mit dieser unbequemen Zündschnur anfangen würde.
Wir befanden uns in der letzten Dämmerung des Sonnenuntergangs der Christenheit.
„In der Reaktion, die
den Horizont klärte, gab es zwei implizite Reaktionen. Eine gegen die Gegner
des Glaubens, die aus der Härte der Schläge, die sie erhielten, lernen sollten,
dass ihnen das Feld nicht mehr vorbehaltlos offenstand, für ihre Unverschämtheit,
ihre Kühnheit, ihre zynische Verachtung des Katholizismus. Eine andere gegen
die Katholiken der halben Maßstäbe – „Café au lait-Katholiken“, hieß es damals
–, die mit dem Skandal ihrer Lauheit konfrontiert waren verbreitete überall die
Vorstellung, dass der Katholizismus vor Schwäche sterben würde“ (O Legionário Nr. 616,
28. V. 1944, „17 Jahre“)
Der Kampf gegen die
Feinde der Kirche war jedoch noch weit vom Sieg entfernt, denn da sie eine
Niederlage im offenen Kampf vorhersahen, begannen sie eine Doppeloffensive:
Einerseits förderten sie Bewegungen, die dem Nazi-Faschismus ähnelten, um
kämpferische Katholiken anzuziehen und abzulenken, und andererseits
korrodierten sie die Katholische Aktion mit Einflüssen, Ideen, Initiativen und
Tendenzen, die die modernistischen Fehler widerspiegelten, die der hl. Pius X.
als Synthese aller Häresien verurteilt hatte, und so die Grundlagen der Verteidigung
der Kirche gegen die Laster und Angriffe der Welt untergruben..
Gegen beide Irrtümer
führte Prof. Plinio Corrêa de Oliveira einen unaufhörlichen Kampf, sei es auf
den Seiten des Legionário oder im direkten Apostolat, indem er
Schlüsselpersonen aufklärte und polemisierte, wobei er immer zeigte, dass
Katholiken die Standarte des Glaubens mit all seinen natürlichen Konsequenzen
im weltlichen Bereich erheben sollten, ohne ihn zu verharmlosen und vor allem
ohne ihn gegen die von der Welt propagierten neuheidnischen Fahnen
einzutauschen.
Sein Werk „Em Defesa
da Ação Católica“ (Zur Verteidigung der Katholischen Aktion) –
veröffentlicht, um diese vor eingedrungenen Irrtümern zu bewahren und zu
verhindern, dass sie weiterhin zu einem Instrument der Entchristlichung
umgeformt wurde – war ein mutiger Warnruf. von dessen Auswirkungen sich der
Progressivismus bis heute nicht erholt hat; denn er hörte auf, ein Phänomen zu
sein, das den Katholizismus als Ganzes zu erfassen drohte, und wurde
stattdessen zu einem bloßen Problem der Sakristeien. Die Urheber dieser
Zersetzung rächten sich jedoch an dem Verfasser der Anklage durch
jahrzehntelanges Raunen und Gerede, ungeachtet der Ermutigung, die er von hohen
kirchlichen Würdenträgern und sogar vom Heiligen Stuhl erfahren hatte.
Würde auch nur eine
einzige der Wahrheiten, die die Heilige Kirche lehrt, verfälscht, so verlöre
sie ihre Identität.
Zugleich warnten seine
unermüdlichen Anklagen gegen die Irrtümer des Nationalsozialismus und
Faschismus – gerade als diese ihren Höhepunkt erreichten – Hirten und Gläubige
vor dieser Form der Verheidlichung und verhinderten, dass sie weiter um sich
griff und die katholische Weltmeinung zersetzte. Dass diese Warnungen in
katholischen Kreisen – sowohl in Brasilien als auch im Ausland – Gehör fanden,
führte für den Verfasser – wiederum aufgrund seines leidenschaftlichen
Eintretens für die Treue zur Kirche – zu einer zunehmenden Isolierung; dies
geschah gerade deshalb, weil bedeutende Prälaten eine Anpassung der Kirche an
das wünschten, was einige Jahrzehnte später als „Zeichen der Zeit“
bezeichnet werden sollte. Im Eintreten für eine integre und entschlossene
Verteidigung der katholischen Lehre schrieb er 1941 im „Legionário“: „Die
Kirche wird niemals diese Gabe verlieren, die Seelen anzuziehen. Sie zu
leugnen, hieße zu leugnen, dass Jesus Christus Gott ist oder dass die
Evangelien inspirierte Bücher sind. Sie zu leugnen, bedeutet folglich, die
Religion selbst zu leugnen. Doch besitzen alle diese Wahrheit, die doch alle
anerkennen, im gleichen Maße? Sehen alle sie mit gleicher Klarheit? Ziehen alle
daraus dieselben Schlussfolgerungen?
„In den düsteren Tagen,
die wir durchleben – da wir sehen, wie sich die (nazi-faschistische) Häresie
über ganz Europa ausbreitet und die ganze Welt bedroht –, wie viele Menschen
halten die Kirche für so gefährdet, dass sie zu Zugeständnissen in Glaubensfragen
gegenüber den gegenwärtigen Weltherrschern neigen? Heutzutage ist die
allgemeine Verheidnisierung der Sitten in alle Bereiche der Gesellschaft
eingedrungen und hat einen Abgrund geschaffen, der immer tiefer wird: einen
Abgrund zwischen dem Geist der Kirche und dem Zeitgeist. Angesichts dessen
raten ihr viele zu moralischen Zugeständnissen, um sie mit jener Gesellschaft
zu versöhnen, ohne deren Unterstützung man einen Zusammenbruch der Kirche in
der Welt befürchtet – einen Zusammenbruch, der, wäre er nicht der Tod,
zumindest einer lang anhaltenden Ohnmacht gleichkäme.
„(...) Was ist
eigentlich die katholische Lehre? Sie ist eine Gesamtheit von Wahrheiten. Würde
auch nur eine einzige dieser Wahrheiten verfälscht, wäre die katholische Lehre
nicht mehr sie selbst. Sie also anpassen, zurechtbiegen oder gefällig machen zu
wollen, bedeutet, darauf hinzuarbeiten, dass sie ihre Identität verliert – mit
anderen Worten: es ist der Versuch, sie zu töten. Es bedeutet zu glauben, das
Apostolat sei ohne diese Anpassung nicht möglich; es bedeutet zu glauben, die
Kirche könne nur siegen, indem sie stirbt!“ („Legionário“ Nr. 448, 13.
April 1941, „Nós também“ Auch wir).
Diejenigen, die starben,
waren offensichtlich die Irrtümer des Nationalsozialismus und Faschismus; sie
wurden postum von vielen ihrer einstigen Verbündeten angegriffen. Die Kirche
hingegen überstand diese Gefahren mühelos, gerade weil sie sich weder
einschüchtern noch beeinflussen ließ, als diese Ideologien scheinbar die
Oberhand hatten. Doch schon bald regte sich erneut die Versuchung, sich mit
Feinden einzulassen – diesmal mit anderen Irrtümern: dem Sozialismus und dem
Kommunismus, die nach Kriegsende eine beispiellose Machtfülle erlangten.
Tatsächlich gerieten die
kategorischen Verurteilungen des Kommunismus durch die Päpste im Laufe des
letzten halben Jahrhunderts zunehmend in Vergessenheit und wurden missachtet.
Viele Hirten glaubten, in dieser Ideologie ein vermeintliches Streben nach sozialer
Gerechtigkeit und dem Wohlergehen des Volkes zu erkennen; einige schlossen sich
sogar der „roten Sekte“ im Kampf gegen das Eigentumsrecht und andere
Grundprinzipien der traditionellen katholischen Lehre – sowohl im moralischen
als auch im sozioökonomischen Bereich – an.
Mehr noch: Innerhalb der
Kirche gewann die Tendenz zur Entspannung gegenüber kommunistischen Regimen an
Boden. Dabei unterließ man bisweilen die eigentlich gebotene Kritik am
Kollektivismus und an der religiösen Verfolgung durch die „roten Henker“, in der
Hoffnung, diese würden auf solche Gesten mit einer Mäßigung ihrer Angriffe auf
die Kirche reagieren. Dies war die sogenannte „Ostpolitik“ des Vatikans, die
den Katholiken nahelegte, ihren Widerstand gegen die kommunistische Offensive
aufzugeben.
Als diese Vorgänge im
Jahr 1974 eine Stetigkeit und ein Ausmaß annahmen, die einer Norm zu
entsprechen schienen, veröffentlichte Prof. Plinio Corrêa de Oliveira gemeinsam
mit allen TFP-Organisationen die „Erklärung des Widerstands“. Darin
wurde proklamiert, dass die Gläubigen – dem Beispiel des heiligen Paulus
folgend, der dem heiligen Petrus „ins Angesicht widerstand“ – gemäß der
traditionellen katholischen Lehre das Recht haben, ihren Standpunkt respektvoll
zu äußern.
Der Zusammenbruch des
Sowjetregimes anderthalb Jahrzehnte später bewies, wie schwach dieses Regime
war, wie heftig sich die betroffenen Bevölkerungen dagegen auflehnten und wie
ungerechtfertigt folglich das Entgegenkommen gegenüber dem roten Feind gewesen war.
Dies war ein erneuter Beweis für die Notwendigkeit, die oben zitierte, überaus
weise Weisung des heiligen Paulus auf das heutige Leben anzuwenden.
Auf dem Höhepunkt des
Verfalls, dem wir uns nähern – in einer Zeit, da man schwerwiegendsten
moralischen Verirrungen Freiheit und Schutz gewähren und die Heilige Kirche
daran hindern will, ihre Pflicht zur Verkündigung und Verteidigung ihrer Lehre
(das heißt des Willens Gottes) zu erfüllen; da der Irrtum der Wahrheit das
Recht auf Ausbreitung streitig macht und man der Sünde völlige Straffreiheit
gewähren will.
Trotz aller Verfolgungen
wird die Heilige Kirche triumphieren, denn sie ist göttlichen Ursprungs.
Es ist daher angebracht,
heute jene Worte zu wiederholen, die ein bedeutender katholischer Kämpfer vor
mehr als einem Jahrhundert niederschrieb – zu einer Zeit, als, genau wie heute,
fast nur Stimmen zu hören waren, die nach Anpassung und Kompromissbereitschaft
riefen:
„Als Unser Herr Jesus
Christus starb, versiegelten die Juden sein Grab und bewachten es mit Soldaten;
sie glaubten, alles sei nun zu Ende.
In ihrer Gottlosigkeit
leugneten sie, dass Unser Herr der Sohn Gottes sei, dass er imstande wäre, das
Grabgefängnis, in dem er lag, zu sprengen, und dass er vor allem die Kraft
besäße, vom Tod zum Leben überzugehen. Nun, all dies ist geschehen. Unser Herr
ist ohne jegliches menschliches Zutun auferstanden; unter Seiner Herrschaft
bewegte sich der schwere Grabstein leicht und rasch beiseite, wie eine Wolke.
Und Er ist auferstanden.
„Ebenso kann auch die
unsterbliche Kirche scheinbar verlassen, geschmäht und verfolgt werden. Sie mag
– dem Anschein nach besiegt – unter der Grabeslast schwerster Prüfungen liegen.
Doch sie birgt in sich eine innere, übernatürliche Kraft, die von Gott stammt
und ihr einen Sieg sichert, der umso glanzvoller ist, je unerwarteter und
vollkommener er ausfällt“ (Legionário, Nr. 660, 1. April 1945, „Ostern“).

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