Montag, 12. Oktober 2026

Über die Größe der Berufung Portugals

 Gespräch mit Plinio Corrêa de Oliveira
am 10. August 1983

Die Sache verhält sich so: Portugal war eine Nation mit einer ganz besonderen Berufung. Es empfing – gemeinsam mit Spanien (Schwestervölker, die sich in der Vergangenheit wohl weniger hätten bekriegen sollen, als sie es tatsächlich taten – wohlgemerkt: es wurde von beiden Seiten weit mehr zugeschlagen, als nötig gewesen wäre; eine Vorstellung davon dürften Sie von beiden Seiten her haben) –Portugal bekam eine doppelte Gnade: erstens die Vertreibung der Mauren, um das katholische Europa von den Mohammedanern zu säubern; zweitens den Ruhm der Seefahrt und der Verbreitung des Namens Unseres Herrn Jesus Christus sowie des Namens Mariens in all diesen neuen Welten, und darüber hinaus in Indien, China und Japan. Sie wissen, wie viel unsere gemeinsamen portugiesischen Vorfahren in dieser Hinsicht geleistet haben.

Dann gibt es noch etwas, das in der Leistungsbilanz Portugals – des katholischen Portugals, denn nur das katholische Portugal interessiert mich; das andere bedeutet mir nichts – selten erwähnt wird. Natürlich: Das Einzige, was ich auf Erden wahrhaft liebe, ist die katholische Kirche. Nationen und Menschen haben nur insoweit einen Wert, als sie katholisch sind oder wieder katholisch werden können (...).

Doch ich sage es noch einmal: Dem katholischen Portugal ist noch etwas anderes hoch anzurechnen – und als Brasilianer freue ich mich, dies sagen zu können: Ein Land mit geringer Bevölkerungszahl und kleinem Territorium, dem die Vorsehung die Aufgabe anvertraute, eine riesige Nation wie diese (Brasilien) zu besiedeln – das ist etwas Kolossales. Und doch ist Brasilien im Grunde von Nachkommen der Portugiesen bevölkert. Es ist eine heldenhafte Anstrengung, ein wunderbares Werk: „Gehet hin und vermehret euch, nehmt die ganze Erde in Besitz.“

Die „Bandeirantes“ aus São Paulo, die ankamen – ihr wisst schon: zu Fuß quer durch Südamerika, bis sie sich sogar im Pazifischen Ozean ihre Hände waschen konnten –, waren letztlich Portugiesen; denn sie waren Söhne oder Enkel von Portugiesen, wenngleich in Brasilien geboren. Damals unterschied man nicht zwischen Brasilianern und Portugiesen: Sie waren Portugiesen. Und all dem messe ich große Bedeutung bei.

Doch vor allem gilt: Portugal ist das Gefäß der brasilianischen Traditionen. Die Quintessenz der brasilianischen Traditionen sind die portugiesisch-katholischen Traditionen. Und unsere besten Traditionen aus alter Zeit sind jene, die uns Portugal am nächsten bringen.

Daher ist es nur recht und billig, dass Brasilien sich mit besonderer Freude über alles Gute freut, das Portugal widerfährt; und unter allem Guten, das in Portugal geschieht, gibt es nichts Kostbareres als die Unversehrtheit des Glaubens, wie sie Unsere Liebe Frau in Fátima verheißen hat. Zu dieser Unversehrtheit des Glaubens trägt der katholische Geist der TFP maßgeblich bei – oder kann zumindest maßgeblich dazu beitragen.

Und der Gedanke, dass durch das Bemühen hier auf dieser Seite des Ozeans die von der anderen Seite empfangenen Traditionen gestärkt werden können... Es ist wie bei einem Echo: Man ruft hier, der Ruf gelangt dorthin und verstärkt sich; er verliert sich nicht durch das Widerhallen, sondern wächst an. So lassen wir auf beiden Seiten des Atlantiks dieselbe Tradition widerhallen. Das gefällt mir.

Seliger Nuno Álvares Pereira

Ich wünsche mir also – und bitte Unsere Liebe Frau darum –, eine portugiesische TFP, tief katholisch und ganz im Geiste des Seligen Nuno Álvares Pereira: ein Vorbild an Heiligkeit sowie ein Vorbild des Ritters und Kriegers. Ihr solltet sein Leben lesen, es gut kennen und Bilder von ihm in eurem Zentrum haben – kurzum: ihm jede Form der Verehrung entgegenbringen. Hin und wieder dorthin zu gehen, wo er begraben liegt, usw., um Gnaden für euch und für uns alle zu erlangen – das empfehle ich sehr.

[beim Betrachten eines Bildes] Ah, hier ist der selige Nuno Álvares Pereira! Ich kenne ihn – ich setze nur kurz die Brille auf, um mich genau zu erinnern –, aber das ist das berühmteste der Bilder: Es wurde kurz nach seinem Tod gemalt, nicht wahr? Genau so ist es: heilig und zugleich ungestüm. Ein gewaltiges Schwert dort. Eigentlich ist es eine Art Hellebarde, die er in der Hand hält, ein Mittelding zum Schwert. Und seht nur seine selbstbewusste Haltung, das Bein so nach vorn gestellt.

Doch in seinen letzten Lebensjahren – nachdem der König ihn mit Gnaden, Ehrenbezeugungen usw. überhäuft hatte – wurde er Laienbruder, ein „Geringster“ (Minderbruder), wenn ich mich nicht irre, im Karmeliterorden oder bei den Franziskanern. (Bei den Karmelitern.)

Bei den Karmelitern. Und als „Minderbruder“, als einfacher Bruder, endete dieser Löwe. Der Löwe hatte seine ruhmreiche Laufbahn hinter sich und endete aus Liebe zu Unserer Lieben Frau wie ein Lamm.

(...) Wenn man wissen will, wer das TFP-Mitglied ist, das sich tapfer gegen den äußeren Gegner behauptet, so halte man Ausschau nach jenen, die Intern am umgänglichsten sind. Wenn ihr wissen wollt, wer draußen ein Feigling ist, so sucht nach denen, die sich Intern arrogant verhalten. Man täuscht sich da nicht. Wer draußen ein Löwe ist, ist drinnen ein Lamm; wer drinnen den Löwen spielt, der kneift draußen vor den Feinden und taugt keinen Pfifferling.


*     *     * 

Keine Kommentare: