Gespräch mit Plinio Corrêa de Oliveira
am 10. August 1983
Die Sache verhält
sich so: Portugal war eine Nation mit einer ganz besonderen Berufung. Es
empfing – gemeinsam mit Spanien (Schwestervölker, die sich in der Vergangenheit
wohl weniger hätten bekriegen sollen, als sie es tatsächlich taten –
wohlgemerkt: es wurde von beiden Seiten weit mehr zugeschlagen, als nötig
gewesen wäre; eine Vorstellung davon dürften Sie von beiden Seiten her haben) –Portugal
bekam eine doppelte Gnade: erstens die Vertreibung der Mauren, um das
katholische Europa von den Mohammedanern zu säubern; zweitens den Ruhm der
Seefahrt und der Verbreitung des Namens Unseres Herrn Jesus Christus sowie des
Namens Mariens in all diesen neuen Welten, und darüber hinaus in Indien, China
und Japan. Sie wissen, wie viel unsere gemeinsamen portugiesischen Vorfahren in
dieser Hinsicht geleistet haben.
Dann gibt es noch
etwas, das in der Leistungsbilanz Portugals – des katholischen Portugals, denn
nur das katholische Portugal interessiert mich; das andere bedeutet mir nichts
– selten erwähnt wird. Natürlich: Das Einzige, was ich auf Erden wahrhaft liebe,
ist die katholische Kirche. Nationen und Menschen haben nur insoweit einen
Wert, als sie katholisch sind oder wieder katholisch werden können (...).
Doch ich sage es
noch einmal: Dem katholischen Portugal ist noch etwas anderes hoch anzurechnen
– und als Brasilianer freue ich mich, dies sagen zu können: Ein Land mit
geringer Bevölkerungszahl und kleinem Territorium, dem die Vorsehung die
Aufgabe anvertraute, eine riesige Nation wie diese (Brasilien) zu besiedeln –
das ist etwas Kolossales. Und doch ist Brasilien im Grunde von Nachkommen der
Portugiesen bevölkert. Es ist eine heldenhafte Anstrengung, ein wunderbares
Werk: „Gehet hin und vermehret euch, nehmt die ganze Erde in Besitz.“
Die „Bandeirantes“
aus São Paulo, die ankamen – ihr wisst schon: zu Fuß quer durch Südamerika, bis
sie sich sogar im Pazifischen Ozean ihre Hände waschen konnten –, waren
letztlich Portugiesen; denn sie waren Söhne oder Enkel von Portugiesen,
wenngleich in Brasilien geboren. Damals unterschied man nicht zwischen
Brasilianern und Portugiesen: Sie waren Portugiesen. Und all dem messe ich große
Bedeutung bei.
Doch vor allem
gilt: Portugal ist das Gefäß der brasilianischen Traditionen. Die Quintessenz
der brasilianischen Traditionen sind die portugiesisch-katholischen
Traditionen. Und unsere besten Traditionen aus alter Zeit sind jene, die uns
Portugal am nächsten bringen.
Daher ist es nur
recht und billig, dass Brasilien sich mit besonderer Freude über alles Gute
freut, das Portugal widerfährt; und unter allem Guten, das in Portugal
geschieht, gibt es nichts Kostbareres als die Unversehrtheit des Glaubens, wie
sie Unsere Liebe Frau in Fátima verheißen hat. Zu dieser Unversehrtheit des
Glaubens trägt der katholische Geist der TFP maßgeblich bei – oder kann
zumindest maßgeblich dazu beitragen.
Und der Gedanke,
dass durch das Bemühen hier auf dieser Seite des Ozeans die von der anderen
Seite empfangenen Traditionen gestärkt werden können... Es ist wie bei einem
Echo: Man ruft hier, der Ruf gelangt dorthin und verstärkt sich; er verliert
sich nicht durch das Widerhallen, sondern wächst an. So lassen wir auf beiden
Seiten des Atlantiks dieselbe Tradition widerhallen. Das gefällt mir.
Ich wünsche mir
also – und bitte Unsere Liebe Frau darum –, eine portugiesische TFP, tief
katholisch und ganz im Geiste des Seligen Nuno Álvares Pereira: ein Vorbild an
Heiligkeit sowie ein Vorbild des Ritters und Kriegers. Ihr solltet sein Leben
lesen, es gut kennen und Bilder von ihm in eurem Zentrum haben – kurzum: ihm
jede Form der Verehrung entgegenbringen. Hin und wieder dorthin zu gehen, wo er
begraben liegt, usw., um Gnaden für euch und für uns alle zu erlangen – das
empfehle ich sehr.
[beim Betrachten
eines Bildes] Ah, hier ist der selige Nuno Álvares Pereira! Ich kenne ihn – ich
setze nur kurz die Brille auf, um mich genau zu erinnern –, aber das ist das
berühmteste der Bilder: Es wurde kurz nach seinem Tod gemalt, nicht wahr? Genau
so ist es: heilig und zugleich ungestüm. Ein gewaltiges Schwert dort.
Eigentlich ist es eine Art Hellebarde, die er in der Hand hält, ein Mittelding
zum Schwert. Und seht nur seine selbstbewusste Haltung, das Bein so nach vorn
gestellt.
Doch in seinen
letzten Lebensjahren – nachdem der König ihn mit Gnaden, Ehrenbezeugungen usw.
überhäuft hatte – wurde er Laienbruder, ein „Geringster“ (Minderbruder), wenn
ich mich nicht irre, im Karmeliterorden oder bei den Franziskanern. (Bei den
Karmelitern.)
Bei den
Karmelitern. Und als „Minderbruder“, als einfacher Bruder, endete dieser Löwe.
Der Löwe hatte seine ruhmreiche Laufbahn hinter sich und endete aus Liebe zu
Unserer Lieben Frau wie ein Lamm.
(...) Wenn man
wissen will, wer das TFP-Mitglied ist, das sich tapfer gegen den äußeren Gegner
behauptet, so halte man Ausschau nach jenen, die Intern am umgänglichsten sind.
Wenn ihr wissen wollt, wer draußen ein Feigling ist, so sucht nach denen, die
sich Intern arrogant verhalten. Man täuscht sich da nicht. Wer draußen ein Löwe
ist, ist drinnen ein Lamm; wer drinnen den Löwen spielt, der kneift draußen vor
den Feinden und taugt keinen Pfifferling.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen