Freitag, 12. Juni 2026

Unsere Liebe Frau, Hilfe der Christen

Plinio Correa de Oliveira
Heiliger des Tages – 21. Mai 1964

Heute ist das Fest des seligen Crispin von Vitello, Bekenner des Kapuzinerordens. Seine Reliquie wird in unserer Kapelle verehrt. Wir sind in der Novene zur Jungfrau Maria, Hilfe der Christen.

Der selige Crispin von Vitello ist einer der Schutzheiligen, deren Anwesenheit in unserer Kapelle wir unserem Prof. FFA verdanken und dem wir uns anempfehlen.


Die Novene zu Unserer Lieben Frau, Hilfe der Christen, wird fortgesetzt, und vielleicht ist es angebracht, noch etwas mehr über Unsere Liebe Frau als Hilfe der Christen zu sagen. Es ist folgendes:

Es wundert uns nicht selten, wenn die Hilfe Unserer Lieben Frau sich Zeit lässt, uns zu erreichen. Ich sprach beim letzten Mal über die Verehrung Unserer Lieben Frau, der Hilfe der Christen, dass es eine wahre Gnade ist, dass sie sich herablässt, mit manchen von uns Beziehungen zu knüpfen, die von kleinen Bitten, man könnte fast sagen kleinen Anliegen, mütterlicher Zuneigung usw. geprägt sind. Dass dies eine echte Gnade ist, die wir als sehr kostbar betrachten sollten.

Andererseits müssen wir aber auch erkennen, dass die Muttergottes, die uns zwar erhört, oft zögert, und zwar gerade bei den großen Gnaden, die sie will, dass wir sie inständig darum bitten sollen.

Im Allgemeinen schenkt Maria im Leben eines Menschen, der ihr sehr ergeben ist, nicht nur manche Gnaden sofort, sondern auch zwei, drei, vier oder fünf erst nach langer Zeit gewährt. Dies sind die Seelen, die sie am meisten liebt. Für sie legt sie inmitten eines Rosenkranzes leicht zu gewährender Gnaden einige sehr schwierige bereit. Und im Allgemeinen sind es die Gnaden, die sie am meisten liebt, die Gnaden spiritueller Natur. Manchmal handelt es sich um eine Gnade weltlicher Natur, deren Verzögerung eine spirituelle Bedeutung hat, doch im Allgemeinen sind es Gnaden spiritueller Natur.

Ich kannte den Fall einer Frau – ich kannte die Frau nicht persönlich, aber mir wurde von diesem Fall erzählt –, einer Protestantin, die zum katholischen Glauben konvertiert war. Sie hatte den großen Wunsch, eine Verehrerin der Gottesmutter zu sein. Sie las das Büchlein vom hl. Grignion von Montfort und war überzeugt, dass dies die wahre Bedingung sei, doch sie konnte keine Verehrung zur Muttergottes entwickeln, die nicht rein theoretisch war.

Zehn Jahre lang betete sie jeden Tag inständig um eine lebendige Verehrung zur Gottesmutter. Am Ende dieser zehn Jahre erlangte sie diese auf überragende Weise.

Das heißt, es gibt gewisse Rückgänge oder Verzögerungen in der Vorsehung der Gottesmutter als Hilfe der Christen, in denen sie durch Verzögerung mehr gibt als durch sofortiges Geben. Und dies liegt zum Teil daran, dass, wenn die Gottesmutter all unsere Bitten sofort erhören würde, würde die Erde sich in ein Paradies verwandeln und das Leid von ihr verschwinden.

Nun, eine der größten Gnaden, die uns die Muttergottes schenkt, sind die Kreuze, die Leiden. Und oft zögert sie, damit wir leiden und uns die Gnade und das Verdienst des Leidens zuteilwerden lassen.

Man muss auch hinzufügen, dass Sie manchmal zögert, um unseren Glauben zu prüfen, das heißt, um uns im Glauben und Vertrauen zu stärken; und dann schenkt sie uns diese Gnaden in überragender Weise.

Wenn hier in diesen Räumen eine Seele lange warten muss, um eine Gnade zu empfangen, sollte sie dies nicht als Ablehnung durch die Muttergottes verstehen, sondern als Versprechen, dass ihr viel gewährt wird, wenn sie darum bittet.

Und in dieser Novene zu Unserer Lieben Frau, Hilfe der Christen, die als Helferin großzügig ist und Gnaden spendet, sollten wir sie bitten, dass sie, so wie sie sich der Seelen im Fegefeuer erbarmt und deren Qualen verkürzt, sich, soweit es unserer Seele angemessen ist, auch herablässt, diese langen Wartezeiten zu verkürzen und uns zu geben, was wir uns wünschen, insbesondere für unser geistliches Leben.

Im Allgemeinen benötigt jedes geistliche Leben eine Gnade, die aus dem einen oder anderen Grund etwas ins Stocken gerät, und manchmal gibt es sogar ganze geistliche Leben, die in ihrer Gesamtheit „feststecken“.

Bitten wir also Unsere Liebe Frau um eine Gnade, die unser geistliches Leben wieder in Gang bringt.

Neulich sah ich ein Bild eines Sohnes der Finsternis, des US-Außenministers, der über die Unterentwicklung der lateinamerikanischen Länder sprach und sagte, es sei wie mit einem Flugzeug: Es genüge abzuheben, und dann trage es sich von selbst.

Es gibt Seelen in diesem Zustand; sie haben den nötigen Antrieb zum Aufbruch, um abzuheben, zu Fliegen, aber es fehlt ihnen die Fähigkeit dazu. Dieser Aufbruch zum Abheben ist eine Gnade, die es zu erlangen gilt. Bitten wir die Muttergottes am Fest Unserer Lieben Frau, Hilfe der Christen, um diesen Aufbruch zum Abhaben und nutzen wir diese Novene, um diese Gnade zu erlangen. Und so haben wir eine kurze Betrachtung über die Hilfe der Muttergottes.

 

 

Aus dem portugiesischen von „Nossa Senhora Auxiliadora“.

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Unsere Liebe Frau Hilfe der Christen“ ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

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