Freitag, 16. Oktober 2026

Manifest der A.U.C. – Katholische Universitätsaktion

 „O A.U.C.“, Jahrgang I, Nr. 1, Oktober 1930

Zur Verteidigung der höchsten Interessen
der Kirche, der Zivilisation und des brasilianischen Vaterlandes.

Die „Ação Universitária Católica“ (Katholische Universitätsaktion) von São Paulo ist gegründet worden – eine Vereinigung, die sich die Bekräftigung, Verbreitung, praktische Umsetzung und Verteidigung katholischer Prinzipien zum Ziel gesetzt hat; dies nicht nur im Austausch unter Studierenden, sondern auch in deren Wirken gegenüber der Familie und dem Vaterland.

An die Studierenden im Allgemeinen und die katholischen Studierenden im Besonderen richtet sich dieses Manifest, das das Ziel der A.U.C. umfasst. Viele haben bereits eine Vorstellung von dieser großartigen Bewegung zur geistigen Erneuerung der brasilianischen Gesellschaft. Jene, die sie mit Sympathie aufgenommen haben, tragen gewiss die folgenden Worte – die wie ein Weckruf klingen – in ihrem Bewusstsein: Es ist ein entscheidender Augenblick. Doch auch jene, die ihr skeptisch, gleichgültig oder atheistisch mit der ihnen eigenen Kühle begegnet sind, wissen – vielleicht sogar besser als die Gläubigen –, dass es einen solchen entscheidenden Augenblick gibt: nämlich jenen Moment, in dem die Überzeugung des Menschen zwischen zwei Extremen schwankt – dem Irrtum und der Wahrheit. Genau in einem solchen Augenblick befindet sich unsere Zivilisation heute.

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Die katholische akademische Jugend bekennt sich in ihrer Gesamtheit zu den Dogmen der Heiligen Kirche

Ein Blick auf die Geschehnisse in Brasilien führt zu der unumstößlichen Erkenntnis, dass es nicht länger möglich ist, in einer Trennung von religiösem und bürgerlichem Bewusstsein zu leben – als ob sich Letzteres nicht von Ersterem inspirieren lassen müsste. Dies gilt ebenso für das Verhältnis zwischen akademischem und religiösem Bewusstsein, zwischen dem Bewusstsein des Lehrenden und dem des katholischen Gläubigen, sowie zwischen dem Bewusstsein der Regierenden und dem der Regierten, die zur Selbstführung berufen sind. Denn das gesamte gesellschaftliche Leben leidet unter den Übeln, die aus der Abkehr von jenen unvergänglichen Prinzipien resultieren – Prinzipien, die der Menschheit jene Leitlinien gaben, an denen sie sich bis heute orientiert. In Brasilien hat sich leider ein Übel ausgebreitet, da die übersteigerte Trennung von Kirche und Staat zu einem gefährlichen Vorurteil gegen den Katholizismus geworden ist.

Seit der Ausrufung der Republik wurde der Katholizismus aus dem Bewusstsein der Bürger und Regierenden verdrängt – eine Folge jenes verhängnisvollen Vorurteils, wonach ein guter Bürger nur derjenige sei, der im zersetzenden Laizismus geprägt wurde und diesen im öffentlichen Leben zu seinem Banner macht.

Hierin liegt die Ursache für die Auflösung der Charaktere und die Gefahr eines drohenden Zerfalls unserer geistigen Einheit – jenes entscheidenden Faktors für den nationalen Zusammenhalt.

Aus diesem erschlafften, konturlosen und bedrohlichen Umfeld erhebt sich heute die katholische akademische Jugend. Ihr katholisches Bewusstsein wurde durch die Enttäuschungen und beschämenden Kapitulationen geweckt, die sie in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens beobachten muss. Gestützt auf die zwanzig Jahrhunderte alte Autorität der römisch-katholischen Kirche, bekennt sie sich uneingeschränkt und ohne jeden Vorbehalt zu deren Dogmen. Sie erklärt, dass sie niemals einen anderen Weg als den des katholischen Glaubens einschlagen wird und dass sie sich mit entschlossenem Handeln jener Lehre und jenen Ansprüchen entgegenstellen wird, die die Kehrseite des Problems bilden, welches das Christentum beunruhigt und bedroht: der Bolschewismus und seine abgemilderten Formen.

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Entweder sind wir durch und durch katholisch, oder wir fungieren als Bindeglied zwischen Katholizismus und Bolschewismus

Angesichts dieser prekären Lage – wobei einerseits das Bewusstsein der gesamten zivilisierten Menschheit noch in Trägheit verharrt, während andererseits die tragischste Erfahrung einer ganzen Gemeinschaft vor Augen steht – gelangen wir zu der festen Überzeugung, dass es ein Übel gibt, das ganz und gar unser eigenes ist: ein Produkt der verbrecherischen Vernachlässigung unserer selbst durch uns selbst. Dieses Übel besteht in der Verdrängung – im Bereich des öffentlichen Lebens – der unerlässlichsten Glaubensbekundungen des Katholizismus, und zwar in all jenen Bereichen, in denen der Staat auf die Erziehung der neuen Generationen einwirkt. Da er gezwungen ist, den Anschein eines Organismus zu wahren, der vollkommen an unsere moralischen Gegebenheiten angepasst ist, hat sich der agnostische Staat zu einem Laboratorium für schädliche politisch-religiöse Heuchelei entwickelt.

Die A.U.C. beweist durch unmissverständliche Taten und feste Handlungsprinzipien, dass der Katholizismus über allen Parteien stehen muss – in deren wechselhafte Belange sie sich nicht einmischt. Gerade deshalb muss er jedoch der unumgängliche Maßstab für all jene sein, die bereit sind, in edlen Auseinandersetzungen für das Wohl der Gemeinschaft zu kämpfen. Wo immer also ein kollektives Organ tätig ist, dort muss auch das katholische Gewissen präsent sein – kompromisslos gegenüber jeglichem Paktieren mit dem Irrtum oder mit niederen Eigeninteressen. Unser besonderes Augenmerk gilt der Jugend, deren Indifferentismus wir den totalen Krieg erklären. Ebenso erklären wir den Krieg jenen, die sich durch Anmaßung oder geistige Willensschwäche auszeichnen; jenen, die sich zwar als Katholiken bezeichnen, aber Autoren wie Wilde, Anatole [France], Ibañez und viele andere – Wegbereiter des Anarchismus – zu ihrem Lebensprogramm machen. Wir kennen keinen Pessimismus und keine Scheu vor dem Opfer – jene Übel, die – neben egoistischen Sorgen – den wertvollen Anlagen so vieler junger Menschen mit katholischer Prägung und moralischen Reserven entgegenstehen. Diese Reserven dürfen nicht länger ungenutzt bleiben; denn entweder sind wir Katholiken im vollen Sinne, oder aber wir fungieren lediglich als Bindeglied zwischen dem Katholizismus und dem Bolschewismus.

Mit diesem Manifest beabsichtigt die A.U.C., die Lauwarmen auf das Klima idealistischer Illusionen aufmerksam zu machen, an dessen Aufrechterhaltung sie mitschuldig sind; die katholischen Studenten, die sich noch nicht zum Handeln entschließen konnten, dazu zu bewegen, nun endlich Stellung zu beziehen; und diejenigen, die bereits zum Kampf bereit sind, dazu aufzurufen, sich unverzüglich der A.U.C. anzuschließen – wofür die entsprechenden Verpflichtungserklärungen unterzeichnet werden müssen, die in Kürze an dieser Hochschule verteilt werden.

Wir stehen nicht allein. Wir stützen uns auf die Leitlinien, die unserer geistigen Bildung zugrunde liegen. Wir stehen auf der Seite jener Religion, gegen die sich die Irrtümer und der Hochmut des Menschen niemals durchsetzen konnten. Wir vertreten somit die höchsten Interessen der Zivilisation und des brasilianischen Vaterlandes.

Interessenten können sich an den jeweiligen Fakultäten an die folgenden Herren wenden: Adolpho de Mello Junior, Alberto Maricato, Archimedes Barros Pimentel, Clovis Siqueira, Guilherme Lyra, Henrique Chabassus, Luiz Lins de Vasconcellos, Svend Kok, Tasso de Moraes Junior und Telemaco van Langendonk (Polytechnische Fakultät); Angelo Simões de Arruda, Augusto de Souza Queiroz, Edgard Pinto de Souza, José Pedro Galvão de Sousa, Joaquim Paes de Barros Netto, Milton de Souza Meirelles, Roberto Caldas, Plinio Corrêa de Oliveira und Walter Torres (Juristische Fakultät); Arthur Wolf Netto, Altenfelder Silva, Hugo Ribeiro de Almeida, João Noel von Sonleitner, Oswaldo Pedroso, Paulo de Carvalho e Castro, Pedro Moncau Junior und Vasco Ferraz Costa (Medizinische Fakultät).

 

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