„O A.U.C.“, Jahrgang I, Nr. 1, Oktober 1930
Zur Verteidigung der höchsten Interessen
der Kirche, der Zivilisation und des brasilianischen Vaterlandes.
Die „Ação Universitária Católica“
(Katholische Universitätsaktion) von São Paulo ist gegründet worden – eine
Vereinigung, die sich die Bekräftigung, Verbreitung, praktische Umsetzung und
Verteidigung katholischer Prinzipien zum Ziel gesetzt hat; dies nicht nur im
Austausch unter Studierenden, sondern auch in deren Wirken gegenüber der
Familie und dem Vaterland.
An die Studierenden im Allgemeinen und die
katholischen Studierenden im Besonderen richtet sich dieses Manifest, das das
Ziel der A.U.C. umfasst. Viele haben bereits eine Vorstellung von dieser
großartigen Bewegung zur geistigen Erneuerung der brasilianischen Gesellschaft.
Jene, die sie mit Sympathie aufgenommen haben, tragen gewiss die folgenden
Worte – die wie ein Weckruf klingen – in ihrem Bewusstsein: Es ist ein
entscheidender Augenblick. Doch auch jene, die ihr skeptisch, gleichgültig
oder atheistisch mit der ihnen eigenen Kühle begegnet sind, wissen – vielleicht
sogar besser als die Gläubigen –, dass es einen solchen entscheidenden
Augenblick gibt: nämlich jenen Moment, in dem die Überzeugung des Menschen
zwischen zwei Extremen schwankt – dem Irrtum und der Wahrheit. Genau in einem
solchen Augenblick befindet sich unsere Zivilisation heute.
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Die katholische akademische Jugend bekennt
sich in ihrer Gesamtheit zu den Dogmen der Heiligen Kirche
Ein Blick auf die Geschehnisse in
Brasilien führt zu der unumstößlichen Erkenntnis, dass es nicht länger möglich
ist, in einer Trennung von religiösem und bürgerlichem Bewusstsein zu leben –
als ob sich Letzteres nicht von Ersterem inspirieren lassen müsste. Dies gilt
ebenso für das Verhältnis zwischen akademischem und religiösem Bewusstsein,
zwischen dem Bewusstsein des Lehrenden und dem des katholischen Gläubigen,
sowie zwischen dem Bewusstsein der Regierenden und dem der Regierten, die zur
Selbstführung berufen sind. Denn das gesamte gesellschaftliche Leben leidet
unter den Übeln, die aus der Abkehr von jenen unvergänglichen Prinzipien
resultieren – Prinzipien, die der Menschheit jene Leitlinien gaben, an denen
sie sich bis heute orientiert. In Brasilien hat sich leider ein Übel
ausgebreitet, da die übersteigerte Trennung von Kirche und Staat zu einem
gefährlichen Vorurteil gegen den Katholizismus geworden ist.
Seit der Ausrufung der Republik wurde der
Katholizismus aus dem Bewusstsein der Bürger und Regierenden verdrängt – eine
Folge jenes verhängnisvollen Vorurteils, wonach ein guter Bürger nur derjenige
sei, der im zersetzenden Laizismus geprägt wurde und diesen im öffentlichen
Leben zu seinem Banner macht.
Hierin liegt die Ursache für die Auflösung
der Charaktere und die Gefahr eines drohenden Zerfalls unserer geistigen
Einheit – jenes entscheidenden Faktors für den nationalen Zusammenhalt.
Aus diesem erschlafften, konturlosen und
bedrohlichen Umfeld erhebt sich heute die katholische akademische Jugend. Ihr
katholisches Bewusstsein wurde durch die Enttäuschungen und beschämenden
Kapitulationen geweckt, die sie in allen Bereichen des gesellschaftlichen
Lebens beobachten muss. Gestützt auf die zwanzig Jahrhunderte alte Autorität
der römisch-katholischen Kirche, bekennt sie sich uneingeschränkt und ohne
jeden Vorbehalt zu deren Dogmen. Sie erklärt, dass sie niemals einen anderen
Weg als den des katholischen Glaubens einschlagen wird und dass sie sich mit
entschlossenem Handeln jener Lehre und jenen Ansprüchen entgegenstellen wird,
die die Kehrseite des Problems bilden, welches das Christentum beunruhigt und
bedroht: der Bolschewismus und seine abgemilderten Formen.
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Entweder sind wir durch und durch
katholisch, oder wir fungieren als Bindeglied zwischen Katholizismus und
Bolschewismus
Angesichts dieser prekären Lage – wobei
einerseits das Bewusstsein der gesamten zivilisierten Menschheit noch in
Trägheit verharrt, während andererseits die tragischste Erfahrung einer ganzen
Gemeinschaft vor Augen steht – gelangen wir zu der festen Überzeugung, dass es
ein Übel gibt, das ganz und gar unser eigenes ist: ein Produkt der
verbrecherischen Vernachlässigung unserer selbst durch uns selbst. Dieses Übel
besteht in der Verdrängung – im Bereich des öffentlichen Lebens – der
unerlässlichsten Glaubensbekundungen des Katholizismus, und zwar in all jenen
Bereichen, in denen der Staat auf die Erziehung der neuen Generationen
einwirkt. Da er gezwungen ist, den Anschein eines Organismus zu wahren, der
vollkommen an unsere moralischen Gegebenheiten angepasst ist, hat sich der
agnostische Staat zu einem Laboratorium für schädliche politisch-religiöse
Heuchelei entwickelt.
Die A.U.C. beweist durch
unmissverständliche Taten und feste Handlungsprinzipien, dass der Katholizismus
über allen Parteien stehen muss – in deren wechselhafte Belange sie sich
nicht einmischt. Gerade deshalb muss er jedoch der unumgängliche Maßstab
für all jene sein, die bereit sind, in edlen Auseinandersetzungen für das Wohl
der Gemeinschaft zu kämpfen. Wo immer also ein kollektives Organ tätig ist,
dort muss auch das katholische Gewissen präsent sein – kompromisslos gegenüber
jeglichem Paktieren mit dem Irrtum oder mit niederen Eigeninteressen. Unser
besonderes Augenmerk gilt der Jugend, deren Indifferentismus wir den totalen
Krieg erklären. Ebenso erklären wir den Krieg jenen, die sich durch Anmaßung
oder geistige Willensschwäche auszeichnen; jenen, die sich zwar als Katholiken
bezeichnen, aber Autoren wie Wilde, Anatole [France], Ibañez und viele andere –
Wegbereiter des Anarchismus – zu ihrem Lebensprogramm machen. Wir kennen keinen
Pessimismus und keine Scheu vor dem Opfer – jene Übel, die – neben egoistischen
Sorgen – den wertvollen Anlagen so vieler junger Menschen mit katholischer
Prägung und moralischen Reserven entgegenstehen. Diese Reserven dürfen nicht
länger ungenutzt bleiben; denn entweder sind wir Katholiken im vollen Sinne,
oder aber wir fungieren lediglich als Bindeglied zwischen dem Katholizismus und
dem Bolschewismus.
Mit diesem Manifest beabsichtigt die
A.U.C., die Lauwarmen auf das Klima idealistischer Illusionen aufmerksam zu
machen, an dessen Aufrechterhaltung sie mitschuldig sind; die katholischen
Studenten, die sich noch nicht zum Handeln entschließen konnten, dazu zu
bewegen, nun endlich Stellung zu beziehen; und diejenigen, die bereits zum
Kampf bereit sind, dazu aufzurufen, sich unverzüglich der A.U.C. anzuschließen
– wofür die entsprechenden Verpflichtungserklärungen unterzeichnet werden
müssen, die in Kürze an dieser Hochschule verteilt werden.
Wir stehen nicht allein. Wir stützen uns
auf die Leitlinien, die unserer geistigen Bildung zugrunde liegen. Wir stehen
auf der Seite jener Religion, gegen die sich die Irrtümer und der Hochmut des
Menschen niemals durchsetzen konnten. Wir vertreten somit die höchsten
Interessen der Zivilisation und des brasilianischen Vaterlandes.
Interessenten können sich an den
jeweiligen Fakultäten an die folgenden Herren wenden: Adolpho de Mello Junior,
Alberto Maricato, Archimedes Barros Pimentel, Clovis Siqueira, Guilherme Lyra,
Henrique Chabassus, Luiz Lins de Vasconcellos, Svend Kok, Tasso de Moraes
Junior und Telemaco van Langendonk (Polytechnische Fakultät); Angelo Simões de
Arruda, Augusto de Souza Queiroz, Edgard Pinto de Souza, José Pedro Galvão de
Sousa, Joaquim Paes de Barros Netto, Milton de Souza Meirelles, Roberto Caldas,
Plinio Corrêa de Oliveira und Walter Torres (Juristische Fakultät);
Arthur Wolf Netto, Altenfelder Silva, Hugo Ribeiro de Almeida, João Noel von
Sonleitner, Oswaldo Pedroso, Paulo de Carvalho e Castro, Pedro Moncau Junior
und Vasco Ferraz Costa (Medizinische Fakultät).
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