Montag, 8. August 2022

Die Revolution von Mai 1968

 Mai 1968, ein entscheidender Schritt,

die Welt von heute zu destrukturieren

 

Auszüge aus dem Essay Revolution und Gegenrevolution

von Plinio Corrêa de Oliveira

 

Durch die Studentenrebellion an der Sorbonne im Mai 1968 kamen zahlreiche sozialistische und marxistische Autoren zur Erkenntnis, dass eine bestimmte Form der Revolution nötig sei, die den Weg für politische und sozioökonomische Veränderungen durch Beeinflussung des täglichen Lebens, der Sitten, der Geisteshaltungen und der Lebensweise bereitet. Diese Art der revolutionären psychologischen Kriegsführung ist als Kulturrevolution bekannt.

Nach Meinung dieser Autoren könnte nur diese überwiegend psychologische und tendenzielle Revolution die Mentalität eines Volkes insofern verändern, dass die Utopie des Egalitarismus realisiert werden könnte. Ohne diese geistige Veränderung hätte eine strukturelle Veränderung keinen Bestand.

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Wie denn? – Man fragt sich unversehens, ob die von den Strukturalisten unserer Tage erträumte Stammesgesellschaft nicht eine Antwort auf diese Frage weiß. Der Strukturalismus sieht im Stammesleben eine illusorische Synthese zwischen höchster individueller Freiheit und allgemein akzeptiertem Kollektivismus, in der letzterer die Freiheit schließlich verschlingen wird. Nach den Ideen des Kollektivismus verschmelzen die verschiedenen „Ich" oder Einzelpersonen mit ihrem Verstand, ihrem Willen und ihrem Gefühl, also auch mit den ihnen eigenen und unter einander in Konflikt stehenden Daseinsweisen, um sich in der Einheit des Stammes aufzulösen, die eine einheitliche Art des Denkens und Wollens sowie ein gemeinsames Daseinsgefühl hervorbringen wird.

Der Weg zu diesem „tribalen (stammesgleichen) Zustand“ führt wohlgemerkt über die Auslöschung der überkommenen, individuell ausgerichteten Normen des Denkens, Wollens und Fühlens, die nach und nach einer immer kollektiveren Form des Denkens, Entscheidens und Fühlens weichen müssen. Der Wandel wird sich demnach vor allem auf diesem Gebiet abspielen.


Das „wilde Denken“
von Claude Levi Strauss
Auf welche Weise? – Im Stamm wird der Zusammenhalt unter seinen Mitgliedern vor allem von einem gemeinsamen Denken und Fühlen garantiert, aus dem sich gemeinsame Gewohnheiten und ein gemeinsames Wollen ergeben. Die Vernunft des einzelnen verkümmert auf kaum mehr als nichts, das heißt eben nur auf jene ursprünglichsten, elementarsten Regungen beschränkt, die ihr atrophischer Zustand erlaubt. Ein „wildes Denken“ (1), das eben nicht denkt, sondern sich nur dem Konkreten zuzuwenden vermag. Das ist der Preis des kollektivistischen Aufgehens im Stamm. Dem Schamanen fällt die Aufgabe zu, dieses kollektive Seelenleben auf mystischer Ebene am Leben zu erhalten. Dies geschieht durch totemistische Kulthandlungen, die sowohl voll verworrener „Botschaften“ sind, als auch „reich" an Irrlichtern aus der Welt der Transpsychologie und der Parapsychologie. Der Erwerb dieser scheinbaren „Reichtümer" soll der Ausgleich sein für die Verkümmerung der Vernunft.

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Die Abneigung gegen jede Art von intellektueller Anstrengung, vor allem gegen Abstraktionen, Theorienbildung und doktrinäres Denken, kann endlich doch nur zu einer Übersteigerung der Sinne und der Einbildungskraft führen, zur „Kultur der Bilder“, vor der Paul VI. die Menschheit warnen zu müssen glaubte (2).

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Wenn sich zahllose Fakten in einer Weise aneinanderreihen lassen, dass Möglichkeiten wie die der bevorstehenden Geburt der IV. Revolution plausibel erscheinen, was bleibt da dem Gegenrevolutionär zu tun?

In der Perspektive von „Revolution und Gegenrevolution“ hat er vor allem die Bedeutung der „Revolution der Tendenzen“ innerhalb des Entstehungsprozesses der IV. Revolution aufmerksam zu machen und in der aus ihr hervorgehenden Welt zu betonen. Er muss bereit sein, zu kämpfen, um die Menschen auf die immer deutlicher werdende führende Rolle dieser Tendenzen aufmerksam zu machen, die im Grunde die rechte menschliche Ordnung untergraben. Des Weiteren muss er auch auf der tendenziellen Ebene alle legitimen und angebrachten Mittel dafür einsetzen, um diese Revolution in den Tendenzen zu bekämpfen. Er muss auch die neuen Schritte des revolutionären Prozesses im Auge behalten, analysieren und voraussehen, um der höchsten Form der tendenziellen Revolution – wie etwa der revolutionären psychologischen Kriegsführung, welche die heraufziehende IV. Revolution bedeutet – so früh wie möglich alle nur denkbaren Hindernisse in den Weg zu stellen.

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In diesem Chaos wird nur eines unverändert bleiben: Das weiter oben zitierte Gebet in meinem Herzen und auf meinen Lippen, bei dem mich auch all die begleiten, die die Dinge wie ich sehen und verstehen: „Ad te levavi oculos meos, qui habitas in coelis. Ecce sicut oculi servorum in manibus dominorum suorum, sicut oculi ancillæ in manibus dominæ suæ; ita oculi nostri ad Dominam Matrem nostram donec misereatur nostri“(3).

Es ist dies das beständige Vertrauen der niederknienden katholischen Seele, die stark bleibt inmitten der ringsum sich ereignenden Umwälzungen.

Es ist die Stärke jener, die mitten im Sturm zeigen, dass ihre Seele mehr Kraft hat als dieser, und nicht aufhören, aus tiefstem Herzen zu bekennen: „ Credo in Unam, Sanctam, Catholicam et Apostolicam Ecclesiam“, das heißt, ich glaube an die Heilige, Katholische, Apostolische, Römische Kirche, gegen die nach dem Versprechen, das einst Petrus gemacht wurde, die Pforten der Hölle niemals siegen werden.

 

(1) vgl. Claude Levi-Strauss, La pensée sauvage (Das „wilde Denken“), Plon, Paris 1969.

(2) „Wir wissen sehr wohl, dass der Mensch angesichts der Wortflut in unserer Zeit oft des Hörens müde wird und, schlimmer noch, dem Wort gegenüber abstumpft. Wir kennen auch die Gedanken zahlreicher Psychologen und Soziologen, die behaupten, der moderne Mensch habe die Zivilisation des Wortes, die nun unwirksam lind, überflüssig geworden sei, hinter sich gelassen und lebe nun in einer Zivilisation des Bildes“ (vgl. Paul VI. Apostolisches Schreiben Evangelii nuntiandi, 8. Dezember 1975. Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, 2. Herausgeber: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Bonn, S. 30).

(3) „Meine Augen erhebe ich zu Dir, der Du wohnst in den Himmelshöhn. Sieh, wie die Augen der Knechte hin zur hand ihrer Herren gehn, wie die Augen der Magd zu ihrer Herrin Hand, so gehn unsre Augen hin zum Herrn, unserm Gott, bis Er sich unser erbarmt“. (Psalm 122 oder 123, 1-2)

 

Aus Plinio Corrêa de Oliveira, „Revolution und Gegenrevolution“ Gesellschaft TFP, Frankfurt am Main, 2013.

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Mittwoch, 3. August 2022

Zur Reise des Papstes Franziskus nach Kanada

 

Wie die Kanada-Reise von Papst Franziskus
das traditionelle katholische Konzept der Missionen untergräbt

John Horvat II

     Die Reise von Papst Franziskus nach Kanada stellt die Missionsarbeit bei den Indianern als ein Instrument der europäischen Unterdrückung und der Vernichtung der indigenen Stammeskulturen dar.

     Jahrzehntelang haben progressistische Katholiken versucht, den Begriff der katholischen Missionen zu ändern, insbesondere unter den primitiveren Völkern. Die Reise von Papst Franziskus nach Kanada unterstreicht daher die Dominanz dieser Strömung, die die Missionierung der Indianer als Instrument der europäischen Unterdrückung und der Vernichtung der Stammeskulturen darstellt.

     Bewaffnet mit den Vorstellungen von Rousseaus „edlem Wilden“ und den Irrtümern der Befreiungstheologie behauptet dieser fortschrittliche Flügel der Kirche sogar, dass die Stammesvölker keiner Evangelisierung bedurften und den Westen lehren könnten, wie man im Einklang mit der Natur lebt.

     Eine solche Umschreibung der Geschichte entstellt das traditionelle katholische Konzept der Missionen. Sie verunglimpft die heldenhafte Arbeit von Heiligen und Missionaren, die in ihrem Durst nach Seelen große Entbehrungen auf sich genommen haben. Ebenso ignoriert sie viele grausame Bräuche, Zustände und Aberglauben, die die heidnischen Kulturen verkrüppelten und unsägliches Leid über diese Völker brachten.

     Prof. Plinio Corrêa de Oliveira prangert dieses Manöver zur Zerstörung des Missionsgedankens in seinem prophetischen Buch (1977) „Indigener Tribalismus: Das Kommunistisch-Missionarische Ideal für Brasilien im 20. Jahrhundert“. Heute finden sich die Anhänger dieser heterodoxen Theorie unter den Pachamama verehrenden Anhängern der amazonischen „Spiritualität“ und allen Mutter-Erde (aka Gaia) Verehrern unter den Indianern in ganz Amerika.

Das traditionelle Konzept der Missionen

     Die Verpflichtung zur Evangelisierung ergab sich aus dem Missionsbefehl, als Christus sagte: „Darum gehet hin und macht alle Völker zu meinen Jünger indem ihr sie taufet auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und sie lehrt, alles zu halten, was ich euch aufgetragen habe (Mt 28,18-20). Christus hat den Aposteln nicht befohlen, den Völkern ihre jüdische Kultur aufzuzwingen. Vielmehr forderte er die Apostel auf, die universellen Wahrheiten des Evangeliums zu lehren, damit diejenigen, die die „Gute Nachricht“ hören und glauben, Zugang zum ewigen Leben haben.

     Aufgrund der Erbsünde kann die gefallene Menschheit in die schlimmste Verderbtheit fallen. Diejenigen, die die Welt evangelisierten, fanden sie in Sünde, Laster und Aberglauben versunken. Es gab kein Volk auf der Erde, das nicht unter barbarischen Praktiken, ständigen Kriegen, Hungersnöten, Hexerei, Sklaverei und Unreinheit litt.

     Mission kommt vom lateinischen Wort „missio“, das von „mitto“ abgeleitet ist, was „ich sende“ bedeutet. Der Missionar wurde also von Christus durch die Kirche „gesandt“, um diese armen Seelen aus der Sklaverei des Teufels zu befreien. Es war kein jüdisches, römisches oder später europäisches Projekt, das die heidnische Landschaft veränderte. Die primitiven Barbaren, die Europa in der Antike besetzten, waren ebenso grausam und wild wie die Stämme, die später in Amerika zu finden waren. Beide mussten evangelisiert werden.

     Diese Missionstätigkeit war daher oft störend, wie man an den frühen christlichen Heiligen sehen kann, die Götzenbilder umstürzten, heilige Eichenwälder abholzten oder Menschenopfer, Kindermord und Kannibalismus verboten. Doch Gott segnete diese Bemühungen, und viele Völker, die das Elend ihrer Lage erkannten, gaben ihre Irrwege auf und baten die Missionare, sie aufzuklären. In der Folge bekehrten sich ganze Völker zum Glauben. Wo immer die Kirche hinkam, bewahrte sie das Gute in der Kultur und beseitigte das Böse, wobei sie stets eine authentische christliche Kultur aufbaute.

Ziel der katholischen Mission

     Das Modell der katholischen Mission, das sich im Laufe von zwanzig Jahrhunderten entwickelt hat, war also immer sehr klar definiert. Das Ziel der Missionare war die Rettung der Seelen, damit sie die Glückseligkeit des Himmels empfangen und damit Gott in alle Ewigkeit die Ehre geben können.

     Prof. Corrêa de Oliveira erklärt: „Die Kirche lehrt, dass der normale Weg zur Rettung eines Menschen darin besteht, sich taufen zu lassen, zu glauben und die Lehre und das Gesetz Jesu Christi zu bekennen.“ Er besteht auch darin, das Gesetz Gottes zu befolgen.

     Diese Beschreibung ist allen vertraut, die das Leben von Heiligen und Missionaren gelesen haben und wissen, wie sie Entbehrungen und Martyrium erlitten haben, um Seelen zum Glauben zu führen.

Die zeitlichen Auswirkungen der Mission

     Wenn auch das Endziel der Missionsarbeit die ewige Erlösung der in der Finsternis der Sünde versunkenen Seelen ist, so hatten die Missionen auch den zusätzlichen Nutzen, das irdische Leben der neuen Christen zu verbessern, da sie lernten, Gott und den Nächsten zu lieben.

     Prof. Corrêa de Oliveira wagt es die traditionelle Position der Kirche darzulegen: „Christianisierung und Zivilisierung sind also korrelative Begriffe. Es ist unmöglich, ernsthaft zu christianisieren, ohne zu zivilisieren. Ebenso und umgekehrt ist es unmöglich, zu entchristlichen, ohne Unordnung zu stiften, zu verrohen und eine Rückkehr zur Barbarei zu erzwingen“.

     Mit dem Evangelium und der Anwendung der Zehn Gebote herrscht eine christliche Ordnung, und die Gesellschaft entwickelt sich weiter materiell, intellektuell und kulturell. Der Aberglaube und die barbarischen Bräuche, die die heidnischen Völker versklavten, quälen sie nicht mehr und lassen sie nicht mehr in unglücklicher Stagnation verharren.

Die indianische Evangelisierung

     Die Evangelisierung der Indigenen unterschied sich von der Bekehrung der Barbaren nach dem Untergang des Römischen Reiches. Die letztgenannten Völker bekehrten sich zum Glauben und bildeten katholische Nationen, in denen die Kirche die gesamte Kultur ohne zersetzende Elemente von außen beeinflussen konnte.

     Die späteren indianischen Evangelisierungen wurden jedoch durch den Kontakt mit dekadenten und modernen neuheidnischen Entdeckern behindert, die einen zersetzenden Einfluss auf die bekehrten Völker ausübten. Protestantische Mächte und schlechte Katholiken machten die segensreiche Arbeit der katholischen Missionen oft zunichte. Die Ideen der Aufklärung verdunkelten das Bewusstsein für die Wahrheit noch weiter. Durch diese Einflüsse waren die Indianer vielen Ungerechtigkeiten ausgesetzt, die angeprangert werden mussten. Die Arbeit der Missionare wurde dadurch erschwert, dass sie neben dem Aberglauben der heidnischen Religionen auch gegen diese korrupten westlichen Elemente ankämpfen mussten.

     Dennoch kam der Einfluss der Kirche den Indianern zugute, indem sie ihnen den Weg zum ewigen Heil eröffnete. Ganze Stämme wurden bekehrt und getauft. Diese Völker kamen oft materiell voran und genossen die Vorteile des Fortschritts. Wo immer die Kirche hinkam, linderte sie die Leiden, bildete die Jugend aus und bewahrte die einheimischen Sprachen. Heute beruft sich die Kirche mit Freude auf die Namen indianischer Heiliger aus diesen Völkern, wie die Heilige Kateri Tekakwitha, der Heilige Juan Diego und der Heilige Martin de Porres. Unsere Liebe Frau von Guadalupe kam nach Mexiko und bewirkte die Bekehrung von Millionen von einheimischen Menschen.

Der moderne postkommunistische Missionar lehnt die Evangelisierung ab

     Prof. Corrêa de Oliveira beschreibt in seinem Buch, wie „moderne“ Missionare die Missionstradition ablehnen und die indianischen Völker als „die wahren Evangelisierer der Welt“ ansehen. Sie haben den Auftrag Christi abgelehnt, zu allen Völkern zu gehen und sie zu lehren und ihnen die Taufe als Mittel zur Erlösung anzubieten. Tatsächlich prahlte Pater Corrado Dalmolego, ein italienischer Consolata-Priester, der die Catrimani-Mission in Brasilien leitet, dass seine Mission seit über dreiundfünfzig Jahren niemanden mehr getauft habe!


     Einige Anhänger dieser neuen „Kirche mit amazonischen Antlitz“ versuchen, die Praktiken des Götzendienstes (Pachamama), der Nacktheit und der Unmoral wieder einzuführen, denen ihre Vorfahren versklavt waren. Von den Indianern wird oft ein gemeinschaftlicher Lebensstil ohne Privateigentum erwartet, der sie in bittere Armut stürzt.

     Das neomissionarische Narrativ passt gut zu den Ideen der Befreiungstheologie, die alles in einen Klassenkampf von Unterdrückern und Unterdrückten verwandelt. Es vergöttert ein primitives, marxistisches, utopisches Ideal, das in der indianischen Kultur nie existiert hat, aber als utopisches Modell für den Westen dargestellt wird.

     Die Reise von Papst Franziskus nach Kanada bietet die Gelegenheit, dieses subversive Narrativ mehr durch Bilder als durch Worte zu fördern. Damit soll nicht gesagt werden, dass es keine Ungerechtigkeiten gegeben hat. Der Schwerpunkt der Kritik liegt jedoch auf Begriffen, die Revolution und Ressentiments begünstigen. Das traditionelle Konzept der erlösenden Rolle der Mission wurde zugunsten einer soziologischen und linken Perspektive aufgegeben, die sowohl den amerikanischen Ureinwohnern als auch den Nordamerikanern jeglicher ethnischer Zugehörigkeit großen Schaden zufügt.

     Prof. Plinio Corrêa de Oliveira fordert, dass im Mittelpunkt „die Macht und Güte des Erlösers“, unseres Herrn Jesus Christus, stehen muss und nicht der Antichrist, der durch die moderne neuheidnische Stammeswelt repräsentiert wird. „Unser Herr Jesus Christus ist unendlich viel mächtiger als der Antichrist“. Mögen alle Völker an ihn glauben und sich taufen lassen, damit seine Bitte im Vaterunser erfüllt wird: „Zu uns komme Dein Reich, Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden.“

 

Aus dem Englischen Übersetzt mit DeepL-Übersetzer (kostenlose Version) von „How Pope Francis’ canadia treip undermines the traditional catholic concept o the missions“ in

https://www.tfp.org/how-pope-franciss-canadian-trip-undermines-the-traditional-catholic-concept-of-the-missions/?PKG=TFPE22253

vom 27. Juli 2022

Diese deutsche Fassung „Wie die Kanada-Reise von Papst Franziskus das traditionelle katholische Konzept der Missionen untergräbt” erschien erstmals in www.p-c-o.blogspot.com

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Bildnachweis: © Büro des Premierministers von Kanada aus dem oben genannten Artikel in www.tfp.org

Dienstag, 2. August 2022

Indigener Tribalismus - Teil III

Pachamama-Andacht
 in den Gärten des Vatikans


Plinio Corrêa de Oliveira

 Kapitel III –

„Angepasste“ Missionarische Stimmen

Gewiss möchte der Leser etwas über Texte erfahren, in denen missionarische Institutionen, Persönlichkeiten und Organe ihre Gedanken zu den in den vorhergehenden Kapiteln behandelten wichtigen Themen direkt zum Ausdruck bringen.

Aus dem umfangreichen zusammengestellten Material wurden im Folgenden 48 Texte ausgewählt und präsentiert, die aus 36 Dokumenten extrahiert wurden, deren Auflistung auf den letzten Seiten dieser Arbeit zu finden ist.

Diese Texte wurden nach dem jeweils hervorgehobenen Thema in Abschnitte eingeteilt. Da sich viele Texte mit mehr als einem Thema befassen und sich die Missionsautoren darüber hinaus häufig wiederholen, sollte es dem Leser nicht wundern, dass Themen, die bereits in einem Abschnitt behandelt wurden, in den folgenden Abschnitten wieder auftauchen.

Abschnitt I

Gütergemeinschaft

In den Themen dieses Abschnitts werden verschiedene Konzepte zu sozioökonomischen Fragen als wesentliche Elemente der kommunistischen Doktrin dargelegt und gepriesen: Verweigerung von Privateigentum, Eigeninitiative, Profit, Wohltätigkeit und so weiter.

Wenn die „aktualisierte“ Missiologie die Gütergemeinschaft in den kommunistischen Ländern lobte, würde sie zweifellos ärgerlicher Kritik und Widerlegung ausgesetzt.

Sie weicht daher dem gefährlichen Thema aus indem sie das Lebenssystem der Indianer loben. In dieser Hinsicht rühmen sie die dazugehörige Gütergemeinschaft des Systems und nutzt die Gelegenheit, Privateigentum in den zivilisierten Nationen des Westens zu verschmähen.

Man fragt sich, welche konkreten Auswirkungen dieses Vorgehen auf die „angepasste“ Missiologie haben wird? Denn aus ihren Texten geht eindeutig eine Tendenz zu pro-kommunistischer Doktrin hervor.

Tatsache ist jedoch, dass das strömende Lob der „angepassten“ Missiologie auf die in den indigenen Stämmen vorherrschende Gütergemeinschaft nicht einmal die Aufregung unter uns hervorgebracht hat, die die Apologie kommunistischer Gesellschaften jenseits des Eisernen Vorhangs hervorrufen würde.

1. „Die Indianer leben bereits die Seligpreisungen: Sie kennen kein Privateigentum, keinen Gewinn und keinen Wettbewerb.“

Beschlüsse der 1. Nationalversammlung der indigenen Pastoral:

„Die Indianer sind von diesem System, in dem wir leben, noch nicht korrumpiert. Die Kirche muss den Unterdrückten echte Hoffnung bringen. ‚Sie waren Brüder, sie hatten alles gemeinsam.‘ Dies entspricht den Anforderungen der Armen. Die Indianer leben bereits die Seligpreisungen. Sie kennen kein Privateigentum, keinen Gewinn und keine Wettbewerb. Sie haben ein im Wesentlichen gemeinschaftliches Leben in perfektem Gleichgewicht mit der Natur. Sie sind nicht schädlich, sie vergreifen sich nicht an der Ökologie. Leben in Harmonie. Indigene Gemeinschaften sind eine zukünftige Prophezeiung für diese neue Lebensweise, in der das Wichtigste der Mensch ist (Dok. 1, S. 7).

KOMMENTAR

„Die Indianer leben bereits die Seligpreisungen“. Der bestürzende Satz fordert eine Erklärung, die ihm sofort folgt: „Sie kennen kein Privateigentum, keinen Gewinn und keinen Wettbewerb.“ Das heißt, das Dokument widersetzt diese drei Elemente dem vollkommenen zeitlichen und geistigen Status des Menschen, den Unser Herr Jesus Christus in der Bergpredigt definiert hat.

Aber was ist eine menschliche Gesellschaft ohne Privateigentum, ohne Gewinn und ohne Wettbewerb, nichts anderes als eine kommunistische Gesellschaft?

Die Bischöfe, Priester, Ordensleute und Ordensfrauen, die an der 1. Nationalversammlung für indigene Pastoral teilnehmen, sehen den Sieg dieser tribalistischen Lebensweise als Lösung für menschliche Probleme voraus: Sie bekräftigen, dass indigene Gemeinschaften „eine zukünftige Prophezeiung für diese neue Lebensweise sind, in der das Wichtigste der Mensch ist.“

Eine andere Frage, auch wenn sie ein wenig am Rande des Themas liegt, stellt sich dennoch. Die Seligpreisungen wurden von unserem Herrn Jesus Christus als Inbegriff des Christentums gelehrt. Wenn die Indianer sie schon haben, wozu brauchen sie dann Missionare?

2. Lob für der Gütergemeinschaft im Stammessystem

    — Schmähung des Privateigentums

Artikel aus dem „CIMI Bulletin“ (Indigener Missionsrat) zum VIII. Studientreffen für indigene Pastoral:

„Es wurde festgestellt, dass die Völker der Kaingang, Guarani und Xokleng ein anderes Wertesystem haben als wir. Diese Völker haben im Laufe der Jahrhunderte den Mensch zum Hauptziel ihrer Existenz gemacht. Daher leben sie in einer Gemeinschaft und die Menschen erhalten eine permanente Schulung für die Verantwortung innerhalb der Gruppe. Der Wert der Erde ist im Wesentlichen an den Menschen gebunden, deshalb ist sie allgemeines Eigentum.

Der Indianer, als Besitzer dieses immensen Reichtums, das da ist in Brüderlichkeit zu leben und die Güter in einer Gesellschaft teilt, in der es keine Ausgegrenzten gibt, wird nun mit der zivilisierten Gesellschaft konfrontiert. In dieser ist Gewinn, die Anhäufung von Gütern, Eigentum das Zentrum des Universums, und nicht der Mensch. Diese Gesellschaft rechtfertigt aufgrund ihrer Merkmale die Ausbeutung einer großen Mehrheit durch eine Minderheit. Dieser ausgebeuteten Mehrheit gehören die indigenen Gruppen an. Da diese Gruppen sich nicht ergeben, ihre natürliche Lebensweise nicht aufgeben, werden sie von unserer Gesellschaft bevormundet, als „minderwertig“ betrachtet. Sie werden so qualifiziert, um sie wirtschaftlich besser auszubeuten. Damit sie weiterhin Teil der immensen Schicht der Ausgegrenzten bleiben und besser den Interessen dienlich seien, die nicht den Menschen, sondern den Gewinn zum Ziel haben“ (Dok. 2, S. 16-17).

KOMMENTAR

Ein Kommunist würde keine anderen Behauptungen machen:

a) Das Stammessystem wird als Ideal gepriesen, unter Außerachtlassung jeglichen Gottesbezugs (das „Hauptziel der Existenz“ ist „der Mensch“, sagt CIMI), und die kommunistische Note, auf die der Text verweist: in der Stammesgesellschaft werden die Güter geteilt und das Eigentum ist allgemein;

b) Im Gegenteil, wird die kapitalistische Gesellschaft als unmenschlich bezeichnet und dass sie den Gewinn, Anhäufung von Gütern, Eigentum als das „Zentrum des Universums“ hat. Sie besteht in der „Ausbeutung der immensen Mehrheit durch eine Minderheit“;

c) Die Aufnahme von Indianern in die Kategorie der „Minderweringen“ würde den schwärzesten kapitalistischen Vorhaben dienen.

3. Missachtung des Vaterlandes und Apologie des Kollektivismus der Stämme

Predigt von Dom Tomás Balduíno, Bischof von Goiás und Präsident von CIMI:

„Das Land ist für ihn [den Indianer], was für uns das Vaterland ist oder mehr als das (weil schließlich diese Geschichte von Vaterland...). Es ist Teil ihres Lebens, es ist die Verbindung der Gruppe mit ihrer Vergangenheit, ihren Vorfahren. [...].

„Nun, sie [die Indianer] leben ein anderes Leben. Sie leben ein Leben in Gemeinschaft mit der Natur. Sie leben ein Gemeinschaftsleben von gegenseitigem Respekt, sie leben eine perfekte Verteilung der Güter untereinander ohne Anhäufung. [...].

„Diese Wege [der Geschichte] werden nun geändert. Viele Dinge geschehen hier herum, trotz unseres Wirtschaftssystems, dieser Dampfwalze, die versucht, ihren letzten Angriff auf die Armen, die Ausgegrenzten, die Indianer zu vollziehen “(Dok. 3, S. 26-27).

KOMMENTAR

Verachtung oder Verleugnung des Heimatbegriffs ist ein wesentliches Element der kommunistischen Lehre.

Stammeseigentum ist nicht individuell, sondern kollektiv. Für Dom Tomás Balduino leben die Indianer „ein Leben in Gemeinschaft, in gegenseitigem Respekt, sie leben eine perfekte Verteilung der Güter untereinander, ohne sie anzusammeln“. Und das ist genau das Kompliment, das die kommunistische Propaganda von Russisch, Kubanisch oder jedem anderen Satellitenland machen würde.

4. Eine „neue Kirche“ kommunistischer Inspiration, in der Eigentum Häresie und Eigentümer Ketzer sind

Kommuniqué „Gottesvolk im Sertão“, das anlässlich der Einweihung der Kathedrale des Hl. Felix von Araguaia verteilt wurde, Prälatur von der D. Pedro Casaldáliga Bischof ist:

„Wir sind eine Privatkirche auf eigener Art und schon mit ein bisschen Geschichte. Wir sind die PRÄLATUR VON SANKT FELIX.

„Eine Kirche von Rückzugsfamilien. Eine Kirche, die sich für den Kampf und die Hoffnung der Indianer, Landbesetzer und Tagelöhner einsetzt.

„Eine kleine Kirche im Dienst, ohne Ehrenauszeichnungen und ohne Macht. Eine Kirche gegen den  Großgrundbesitz und gegen alle Sklaverei und daher von den Geld-, Land- und Politikeigentümern verfolgt. Eine Kirche, in die weder Haie noch Entdecker noch Volksverräter passen. Denn niemand ist ein Volk Gottes, wenn es die Kinder Gottes zermalmt; niemand ist Kirche Christi, wenn er nicht das Gebot Christi erfüllt “(Dok. 4, S. 711-712).

KOMMENTAR

Eine „neue Kirche“, geprägt nach kommunistischer Inspiration. Ihr Kampf ist nur für eine Klasse: die „Indianer, Hausbesetzer und Bauern“. Ihre „Hoffnung“ ist zu ihren Gunsten.

Außen vor bleiben die Großgrundbesitzer und diejenigen, die — gemäß dem Kommuniqué — leben, um andere zu versklaven, d. h. die Klasse der Großgrundbesitzer, „Eigentümer von Geld, Land und Politik“.

Kurz gesagt, eine Kirche, die sich in ein Instrument der sozialen Revolution verwandelt hat.

Wie sich herausstellt, ist das Privateigentum für diese „neue Kirche“ Häresie und der Eigentümer der Ketzer. Der Text macht deutlich, dass eine mögliche Verbreitung der „Neuen Kirche“ implizit eine Verbreitung des pro-kommunistischen Geistes ist.

Die Verurteilung des Großgrundbesitzes als in sich ungerecht findet sich bei allen kommunistischen Autoren. Im Gegenteil, die katholische Lehre hält es für im Wesentlichen gerecht: und ungerecht nur per Zufall, wenn großes Eigentum dem Gemeinwohl schadet. Pius XII. warnte zum Beispiel, nachdem er die Klasse der Kleinbauern in Italien gelobt hatte, dass „dies nicht bedeutet, den Nutzen und oft die Notwendigkeit größerer landwirtschaftlicher Betriebe zu leugnen“ (Rede vom 2. Juli 1951 vor dem Internationalen Kongreß am 1 die Probleme des ländlichen Lebens - Discorsi und Radiomessaggi, Bd. XIII, S. 199-200).

Die Behauptung, dass der Sünder, der „das Gebot Christi nicht erfüllt“, aus diesem Grund nicht mehr der Kirche angehört, ist gegen den Glauben und das kanonische Recht. Nur diejenigen, die eine einschlägige Häresie, einen Abfall vom Glauben oder ein Schisma begehen, verlassen die Kirche oder werden mit der Exkommunikation bestraft.

5. Privateigentum als Quelle allen Übels dargestellt

Aus der Geschichte des brasilianischen Arbeiters, abgedruckt im „Grito do Nordeste“ (Schrei des Nordostens), Mitteilungsblatt des Teams „Animation der Christen im ländlichen Raum“ der Erzdiözese Recife:

„[Unter den Indianern] waren alle gleich. Das Land, in dem sich der Stamm befand, gehörte allen Mitgliedern desselben Stammes.“

„Alle beteiligten sich gleichermaßen an der Arbeit und hatten die gleichen Rechte bei der Aufteilung des Arbeitsprodukts. Unter den Indianern gab es keine Armen und Reichen und keine sozialen Schichten. Alle waren einander gleich. Deshalb gab es keinen Diebstahl, kein Verbrechen, keine Prostitution. Das Elend und alle Probleme der „Zivilisation“, von denen wir sagen, dass sie seit der Erschaffung der Welt durch Gott existieren, sind bei den Eingeborenen nicht aufgetreten“ (Dok. 5, S. 8).

KOMMENTAR

Die klare Voraussetzung, von allem, was hier gesagt wird, ist, dass das Privateigentum die Quelle allen Übels ist.

Ein Kommunist könnte nicht radikaler sein.

Die Früchte der Arbeit werden nach dem kommunistischen Prinzip verteilt: „Von jedem nach seinen Fähigkeiten; für jeden nach seinen Bedürfnissen “(MARX, Kritik des Gotha-Programms, Editorial Progreso, Moskau, s. d., S. 15).

Die klassenlose Gesellschaft ist ein charakteristisches kommunistisches Ideal und widerspricht daher der katholischen Lehre. So schreibt Leo XIII: „Deshalb erkennt die Kirche, indem sie den Menschen predigt, dass sie alle Kinder desselben himmlischen Vaters sind, den Unterschied der Klassen als eine Bedingung der Vorsehung der menschlichen Gesellschaft an; aus diesem Grund lehrt sie, dass nur die gegenseitige Achtung von Rechten und Pflichten und die gegenseitige Nächstenliebe das Geheimnis des richtigen Gleichgewichts, des ehrlichen Wohlergehens, des wahren Friedens und des Wohlstands der Völker schaffen (Leo XIII., Ansprache vom 24. Januar 1903, Bonne Presse, Paris, Band VII, S. 169-170).

6. Kommunistische Vision der Nächstenliebe

Eine kleine Geschichte mit dem Titel Satoko - Maria vom Ameisendorf, erschienen im Missionsmagazin „Ohne Grenzen“:

„– Warum sagst du, dem Nächsten zu helfen sei Hochnmut? - entgegnete Satoko zutiefst verletzt durch diese Aussage.

„– Wenn es um das Helfen geht, ist der, der hilft, immer oben und der, dem geholfen wird, unten. Der Geholfene wird daher erniedrigt. Dies ist keine wahre Nächstenliebe. Wohltätigkeit macht alle gleich, auf gleichem Niveau, in der Freude und in der Trauer. Ihr Christen seid alle Pharisäer: ihr sagt, ihr wollt den Armen helfen, ihr wollt uns Zerlumpten helfen,  aber in der Praxis ist eure Hilfe nur Verachtung für uns.“

„Satoko war von dieser Offenbarung erschlagen. Sie wollte sich verteidigen, die Christen verteidigen, aber sie verstand die ganze Wahrheit, die in den Worten des Lehrers waren.

„– Vergib mir, Herr Lehrer, es war ganz meine Schuld“ (Dok. 6, S. 55-56).

KOMMENTAR

Wohltätigkeit, voraussetzend, dass einer auf legitimer Weise mehr hat als der andere, widerspricht der Gleichheit und verstößt gegen die Gerechtigkeit: eine typisch kommunistische These.

Abschnitt II

Stammesleben unter nicht dschungelartigen Bedingungen

Wie man sehen wird, ähneln die Aussagen der „aktualisierten“ Missionare über das Stammesleben der Indianer im brasilianischen Dschungel auffallend dem, was „angepasste“ katholische Schriftsteller und nicht-missionarische Linke sagen, die aber dem Studium eines hypothetischen Stammeslebens außerhalb des Dschungels zugetan sind.

7. Ich vermisse den Stammesprimitivismus unserer Indianer

Rose Marie Muraro, Koordinatorin der Sammlung „Gegenwart der Zukunft“, erschienen im Vozes-Verlag, von den Franziskanern von Petrópolis, in einem Buch, das im selben Verlag erschienen ist:

„Das Wissen über das Sexualverhalten des Urmenschen ist für immer verloren. Wir wissen es nur, indem wir das Sexual- und Familienleben der Stämme studieren, die heute noch in freier Wildbahn leben. Aus diesen Studien wissen wir, dass es sich bei dem Primitiven um einen Mann handelte, der ‚sexuell ungehemmt und intellektuell gehemmt‘ war, wie McLuhan es ausdrückte [...].

„Nach der Entdeckung der Landwirtschaft ändert das Sexualleben seinen Aspekt völlig. Der erdgebundene Mensch muss arbeiten, um zu überleben (im Gegensatz zu den nomadischen Primitiven, die nur sporadisch arbeiteten, jagten oder fischten, um zu essen). Der harte Kampf ums Überleben führte zum Streit um die Landflächen, auf denen man pflanzen konnte. Diese mussten aufgeteilt werden, was zu den verschiedenen Eigentumsregimen führte, insbesondere zu Privateigentum, in dem das Land den stärksten gehörte, die es am besten erhalten konnten. Damit ist in der traditionellen Welt eine konkurrenzfähige Lebensweise geboren (das Primitive war nicht konkurrenzfähig, kämpfte nicht mit anderen Stämmen um Nahrung). [...]

„Auf individueller Ebene hat es eine neue Art von Moral hervorgebracht, die der Primitive nicht kannte: die Moral des Herren und des Sklaven. Einige, die Besitzer, genießen die Früchte der Arbeit anderer, der Sklaven oder der Diener. [...].

„Auf individueller Ebene wurde die Zeit, die für die Arbeit aufgewendet werden sollte, offensichtlich anderen Aktivitäten, einschließlich sexueller Aktivitäten, entnommen. So wurde mit dem Fortschritt der Zivilisation eine Unterdrückung des Sexuallebens auferlegt (unter den Urmenschen war es frei). Nach und nach erlangte diese Unterdrückung Regeln, immer strengere Moralkodizes. Mit der Zeit wurden diese Codes von religiösem Denken übernommen, was sie mit dem Versprechen eines glücklichen Lebens nach dem Tod erträglicher machte. Dies ermöglichte es dem Menschen, sowohl Herrschaft als auch Unterdrückung zu ertragen, ohne aufzubegehren“ (Dok. 7, S. 25-27).

KOMMENTAR

Der Text bringt den Archaismus in eine erstaunliche Verfeinerung, denn es lässt eine Sehnsucht nach einem hypothetischen goldenen Zeitalter vor dem der Landwirtschaft durchschimmern, das des Nomadentum.

Nach der Durchsetzung der Landwirtschaft hätte dies mehrere Konsequenzen gehabt. Die erste wäre die Errichtung des Privateigentums.

Beim Lesen wird klar, dass diese Konsequenzen eine wahre Kaskade des Unglücks bilden ... Und so wird die heutige Gesellschaft geboren.

Jeder hier geäußerte Gedanke muss logischerweise zu Begeisterung für die kommunistischen Aspekte führen, die auch die Neo-Missionare im Stammesprimitivismus unserer Indianer begrüßen.

8. Utopie, ja; aber als ein Ideal dem man ständig tendieren muss

Überlegungen zu einem in der Sammlung „Studien der CNBB“ (CNBB=Brasilianische Bischofskonferenz) veröffentlichten Aufsatz:

„Es wird auch interessant sein, die Aufmerksamkeit auf ein sehr anschauliches Beispiel zu lenken, das vorzugsweise in Skandinavien vorkam, obwohl es sehr spärlich und noch wenig erforscht ist: die Familien-Kommunen. Mehrere Familien, die sich dessen ausreichend bewusst waren, beschlossen, mehr oder weniger das Ideal des Gemeinschaftslebens zu verwirklichen. [...] Normalerweise wurde der Anfang in einem Haus gemacht, das groß genug war, um eine proportionale Anzahl von Familien (5 bis 10) aufzunehmen, in der Regel bestehend aus jungen Paaren aus dem intellektuellen Millieu.

„Anfangs wurde ein paar Gegenstände zum gemeinsam Gebrauch bestellt: Haus, Tisch, Auto usw. In einem höheren Stadium wurde auch das gesamte Gehalt gemeinsam benutzt, so dass jemand, der mehr verdiente, nicht das Recht hatte, mehr zu haben. Dann wurde auch eine gemeinsame Erziehung der Kinder versucht. Auf der höchsten Stufe, die selten versucht wurde und immer schnell scheiterte, wurde alles formell gemeinsam, einschließlich persönlicher Intimität, so dass die Unterscheidung zwischen den Paaren selbst verschwinden würde. Die Grundidee, die normalerweise vermittelt wird, ist, dass Kinder, die aus freien Bindungen geboren wurden, die gesamte Gruppe als ihre Väter und Mütter hatten, wobei die gesamte Gruppe die volle Verantwortung für die Bildung trägt. Den Kindern würde auch nicht gesagt, wer die jeweilige natürliche Mutter sei.

„Dies wirft eine Reihe von Problemen auf. Erstens sind wir der Meinung, dass eine Erfahrung dieser Art viel leichter lächerlich zu machen ist als nachzuahmen. Es ist Leichsinnig, hier nur eine sexuelle Aberration sehen zu wollen, obwohl es sie sehr gut geben kann [...]. Auf jedem Fall wäre die erste Frage, ob das Kind der Gruppe bereits als „neuer Mensch“ bezeichnet werden könnte, der von alten Menschen geboren wurde [...]. Eine genaue Beantwortung dieser Frage ist nicht möglich, da die Erfahrung bisher noch nie annähernd Wirkung gezeigt hat, zumal sie noch nicht lange genug anhält (die Dauer von 2-3 Jahren ist noch nicht erreicht). Die zweite Frage wäre, ob es möglich ist, die Neuheit dieses Menschen gegenüber der widrigen äußeren Umgebung zu bewahren.“ [...]

„Darüber hinaus sind die Eltern selbst ihren alten Problemen erlegen: Selbstsucht, Eifersucht, Ablehnung ..., da die Fähigkeit, die eigene Intimität jedem in der Gruppe ohne Unterschied preiszugeben, einen solchen Geist der Entsagung voraussetzt, der der persönlichen Verstümmelung nahe kommt.“ [...]

„In jedem Fall zerstört das ständige Versagen der Erfahrung nicht den kritischen Schwung und die gute Absicht. Ihr Wert liegt vor allem darin, dass versucht wird, die Gemeinschaft nicht nur als eine Form des Zusammenhalts unter den Mitgliedern zu leben, sondern auch als eine konkrete Form der menschlichen Assoziation.

„Wir abstrahieren hier von jedem ethischen Standpunkt aus, der nach verschiedenen Vorstellungen die skandinavische Erfahrung im Vorfeld abwehren könnte, da sie den grundlegendsten Werten der menschliche Persönlichkeit schadet. Das Beispiel behält jedoch seinen Wert, weil eine der radikalsten Formen der Vergemeinschaftung gewünscht wurde [...]. Es ist jedoch nicht Sache des Soziologen, die ethische Qualität solcher Ansätze zu diskutieren.

„[...] Die Kommune ist eine echte Utopie. Sie hört nicht auf, Menschen anzulocken, und sie ist in der Lage, ihnen beispiellosen Enthusiasmus zu verleihen. Es ist ein Sauerteig, den die Geschichte nicht verliert, sondern erneuert. Unter den Strapazen des täglichen Lebens, voller Probleme und Elend, gedeiht eine Bewegung von seltsamen Tiefen immer wieder und verliert sich in unrealistischen absoluten Hoffnungen: die Sehnsucht nach einer besseren Welt, nach menschlicheren Menschen, nach egalitäreren Gesellschaften; die Sehnsucht nach einem verlorenen Paradies, das vielleicht irgendwann in der Geschichte wiederhergestellt werden kann [...] “ (Dok. 8, S. 104-107).

KOMMENTAR

Die Bildung kleiner „kommunistischer Republiken“ in einem stark sozialisierten Staat wie der skandinavischen Halbinsel kann theoretisch schrittweise erfolgen. Auf diesen Stufen, den Erfolgen und Frustrationen, die sich dort ereignet haben, und den Hoffnungen, die noch bestehen, ist dieser Text sehr anschaulich: Der Versuch der "Gruppen" ist für eine echte Stammeserfahrung unter nicht wilden Bedingungen von Bedeutung.

Der Kommentar der von CNBB veröffentlichten Studie zeichnet sich durch einen Amoralismus aus, der die Sympathie wieder aufnimmt.

Am bemerkenswertesten ist jedoch die Art und Weise, wie der Autor dieser Studie eine Frage beantwortet, die in den Köpfen vieler Leser bereits sicher ist: Ist all diese Tribalisierung eine Utopie?

Ja, der Text antwortet, aber Utopismus ist Gesundheit für die Seele. Es ist sehr lobenswert, sich ständig und unermüdlich um ihn zu kümmern, ihn nie ganz zu erreichen, aber gleichzeitig immer näher zu ihm zu kommen.

Für den Menschen mit gesundem Menschenverstand - das muss man bedenken - ist nichts gefährlicher, als den Staat nicht zu seinem wahren und natürlichen Zweck zu führen, sondern zu einem zugegebenermaßen utopischen und daher unrealistischen und unerreichbaren Zweck.

In Kollektiven wie in Individuen kann eine gute Ordnung nur aus der Tendenz aller Parteien zum wahren Ende resultieren. Die Tendenz zur Utopie ist eine Hefe der Unordnung. Siegreich kann diese Tendenz nur scheitern.

Abschnitt III

Sexuelle Freiheit

9. Primitive Gesellschaften sind dem Ideal näher

Aus dem bereits zitierten Buch von Rose Marie Muraro:

„Die Welt der Herrschaft [die heutige Gesellschaft] verurteilt fast alles, was den Menschen glücklich machen oder Freude empfinden kann. Gutes Essen, gutes Trinken, Sex, Substanzen, die den Wahrnehmungsbereich erweitern können ... [...]

„Die überwiegende Mehrheit der primitiven Gesellschaften war jedoch ihrer Menschlichkeit mit ihren heiligen Tänzen, ihrer sexuellen Freiheit, ihren magischen Ritualen und ihrer emotionalen Integration in die Natur viel näher. Sie hatten also ein psychisches und physisches Gleichgewicht, das wir heute und erst heute wieder entdecken “ (Dok. 7. S. 57).

10. Lob der indianische Nacktheit, „global und natürlich“

Weiter aus demselben Buch von Rose Marie Muraro:

„In der primitiven Gesellschaft [...] ist Nacktheit eine Möglichkeit, sich an das Leben anzupassen, und nicht nur die Unwissenheit, Kleidung herzustellen. [...]

„Das Kind gewöhnt sich von Geburt an an die Nacktheit. Jeden Moment kommt es in Kontakt mit der globalen Nacktheit. [...]

„Die zivilisierte Welt ist eine Welt der Spaltungen, der Trennwände; von unserer Geburt an trennen uns Kleider von unserem Körper, genauso wie in der Kindheit die Wände der Schule Kinder unterschiedlichen Alters und sogar eines anderen Geschlechts trennen, wie die Wände von Büros, Ämtern und Fabriken Menschen verschiedener Klassen trennen.... [...].

„In der westlichen Gesellschaft geht es also bei den Unterschieden zwischen den Geschlechtern nur um Unterschiede in Kleidung, Rollen und Privilegien. Aber in einer Gesellschaft, in der der Unterschied zwischen den Geschlechtern auf physische Evidenz beruht, erkennt sich das Kind tiefgründig und unbewusst durch sein Geschlecht.“ [...].

„Erotische und heimliche Nacktheit ist immer noch die Frucht der Körperleugnung. Akzeptierte Nacktheit, global und natürlich, ebnet den Weg für die Akzeptanz von sich selbst und der Welt auf eine Weise, die wir immer noch nicht kennen “(Dok. 7, S. 62-63 und 66).

KOMMENTAR

Die von traditionellen Katecheten verurteilte Nacktheit der Indianer, wird auch von den Aggiornati durch eine rosige Brille gesehen. Und von dort aus gehen sie zu neuen Angriffen auf die gegenwärtige Zivilisation über.

Was ist mit der Schriftstelle, die als Folge der Erbsünde die Schande der Nacktheit zuschreibt? – „Nun waren beide, Adam und seine Frau, nackt; und schämten sich nicht“ (1. Mose 2:25) – vor der Sünde. Bald darauf schämten sie sich, weil sie nackt waren. Und Gott billigte diese Scham, denn er machte Kleider für sie (1. Mose 3:21).

Abschnitt IV

Idyllische und „evangelische“ Beschreibung
des indianischen Lebens

Die idyllische Beschreibung der indigenen Gesellschaften durch die Aggiornati-Missionare erinnert, obwohl sie sich dagegen wehren, an den Mythos des „guten Wilden“, an dem Rousseau Gefallen fand, von dem er schwärmte und das Frankreich des späten 18. Jahrhunderts in Brand setzte.

Mitten im dithyrambischen Lob des Stammeslebens zeigen diese Texte die Neigung zum Kommunismus sowie den Wunsch, in primitiven Gesellschaften die neue Welt zu inspirieren.

11. Ein Stammesparadies, in dem das Eigentum an den Produktionsmitteln kollektiv ist und es keine Autorität gibt

Y-Juca-Pirama – Der Indio: derjenige, der sterben muss, „Dringlichkeitsdokumente“, unterzeichnet von den Bischöfen von Cáceres (MT), D. Máximo Biennès; Viana (MA), D. Helio Campos; Marabá (PA), D. Estevão Cardoso de Avellar; São Felix (MT), D. Pedro Casaldáliga; Goiás Velho, D. Tomás Balduíno und Palmas (PR), D. Agostinho José Sartori und sechs weitere Missionare:

„Ohne die idyllische Vision von Rousseau anzunehmen, müssen wir dringend bestimmte Werte erkennen und veröffentlichen, die menschlicher und damit dem Evangelium entsprechender sind als unsere „zivilisierten“ und einen echten Widerspruch zu unserer Gesellschaft darstellen:“

„1. Indigene Völker haben im Allgemeinen ein Landnutzungssystem, das auf sozialer, nicht privater Grundlage beruht und mit allen biblischen Lehren nicht nur im Alten, sondern auch im Neuen Testament über den Besitz und die Nutzung von Land im Einklang steht. Land (DOM FRANZONI – „La Terra è di Dio“). Auf diese Weise wird die Möglichkeit der gegenseitigen Herrschaft über die jeweilige Ausbeutung von Produktionsmitteln im Keim erstickt. Antônio Cotrim Neto stellt fest, dass „mit der Ankunft der Weißen das Konzept des Privateigentums eingeführt wurde, was zu Konflikten im Dorf führte“ (ESTADO DE S. PAULO - 20. August 1972).

„2. Die ganze Produktion, das Ergebnis von Arbeit oder Ausbeutung des Reichtums der Natur und damit der gesamten Wirtschaft basiert auf den Bedürfnissen der Menschen, nicht auf Profit. Es wir produziert für den Lebensunterhalt und die Arbeit ist nicht für den Gewinn da. „Der Indianer sorgt sich weder mit der Anhäufung von Gütern, wie der Jesuit Adalberto Pereira lehrt, noch hat er den wirtschaftlichen Anreiz, Ansehen zu erlangen oder den sozialen Status zu erhöhen. Er kennt keinen wirtschaftlichen Wettbewerb oder ehrgeizige Einstellungen. Er lebt in einem gemeinschaftlichen System von Produktion und Konsum, mit einer Arbeitsteilung nach Geschlecht “ (ADALBERTO HOLANDA PEREIRA – „Fragen der Akkulturation“ in ESSA ONÇA – Univ. Fed. De Mato Grosso - 1973 § 18).

„3. Die soziale Organisation hat nur den Zweck, das Überleben und die Rechte aller zu garantieren, nicht die Privilegien einiger. Die Gemeinschaft hat Vorrang vor dem Einzelnen. Jeder kulturelle Ausdruck zielt darauf ab, dieses Gemeinschaftsgefühl zu feiern und zu vertiefen. Dies ist die Quelle des Friedens und der Harmonie, die die Sertanisten vermissen: „Unsere Brüder im Dschungel“, sagt Claudio Villas Boas, „ohne all diese technologische Raffinesse sind sie vollkommen und glücklich und führen ein ausgeglichenes und harmonisches Leben“ (ESTADO DE S. PAULO) - 29.04.1973). Francisco Meireles träumt: „Ich wünschte mir innigst, sie könnten in ihren Dörfern verbleiben und wir, die zivilisierten Menschen, anstatt ihnen unsere kulturellen Standards aufzudrängen, würden von den Indianern lernen, die nicht nur in der Stammesgruppe, sondern auch in der Natur selbst immer in Harmonie leben.“ (ESTADO DE S. PAULO - 26.06.1973).

„4. Der Bildungsprozess kennzeichnet sich durch die Ausübung der Freiheit. „Sie lernen, von der Kindheit frei zu sein – sagt Luiz Salgado Ribeiro –, weil ein Vater seinen Sohn niemals dazu verpflichtet, das zu tun, was er nicht will. Ein Vater schlägt niemals seinen Sohn, egal wie boshaft er ist. “ [...] „Der Indianer ist vor allem ein freier Mensch. Er ist für den Unterhalt seiner Familie auf niemanden angewiesen – er jagt und fischt selbst, während seine Frau sich um den kleinen, zum überleben gehaltenen Ackerbau kümmert – und dies gibt ihm die Voraussetzungen, niemandem einen Gefallen oder eine Verpflichtung zu schulden. Weder seinem Vater noch dem Häuptling des Stammes“ (A VOZ DO PARANÁ - 29.9. und 06.10.1973).

„5. Die Organisation der Macht ist nicht despotisch, sondern geteilt. „Der Chef ist also nicht der, der befehlt, sondern der Weise, der rät, was zu tun ist. Ob die Indianer seinem Rat folgen oder nicht, ist nicht das Problem des Chefs. Er ist nur ein beratender Anführer, kein Chef, der festlegt, was getan werden muss. Selbst im Falle eines Krieges kann der Boss niemals feststellen, dass alle Männer am Kampf teilnehmen. Dies bedeutet, dass Autorität unter ihnen in Wirklichkeit ein Dienst an der Gemeinschaft ist, keine Herrschaft. Natürlich gibt es unter diesen Bedingungen keinen Platz für Polizei- und Vollzugseinrichtungen.

„6. Indigene Völker leben im Einklang mit der Natur und ihren Phänomenen, im Gegensatz zu unserer Integration in die verschiedenen Verschmutzungen, Wracks verwüsteter Natur und ersetzt durch den Lebensraum, in dem wir leben. Indianer haben im Gegensatz zu Weißen immer in perfekter Harmonie mit der Natur gelebt, ohne dass es Fälle von Stämmen gab, die die Fauna oder Flora einer Region, in der sie leben, zerstört hätten. Dies ist die Position von Anthropologen und Experten des Indigenismus “(ESTADO DE S. PAULO - 03.05.1972).

„7. Die Entdeckung, Entwicklung und Erfahrung des Sexuallebens treten in den normalen Rhythmus des indischen Lebens ein, in einem Klima des Respekts, ohne die Merkmale eines Tabus oder Idols, die sich in unserer Gesellschaft manifestieren und so sehr beeinflussen.

„Diese Aufzählung von Werten soll nicht erschöpfend sein und sie werden auch nicht einheitlich verwirklicht, selbst weil jede indigene Gruppe ein Volk mit ihren besonderen Merkmalen darstellt, dessen größter Ausdruck die Sprache ist. Wir verkennen auch nicht, dass es auch beim indigenen Menschen Anzeichen des Schattens der Sünde gibt, die unter verschiedenen Formen des gemeinsamen Egoismus die vollständige Verwirklichung und authentische Integration dieser menschlichen Werte behindern“ (Dok. 9, S. 21/23).

KOMMENTAR

Die kommunistische Note fällt in diesem Text auf, der für sich selbst spricht.

Man beachte nur den Angriff gegen „private Ausbeutung von Produktionsmitteln“; gegen das Privateigentum, das verantwortlich gemacht wird für die Entstehung von „Konflikten im Dorf“; gegen den gerechten Wunsch, den sozialen Status zu verbessern usw. Bemerkenswert ist auch das Mitgefühl für die kollektivistischen und egalitären Aspekte, die die Autoren im Stammesregime sehen („das Kollektive setzt sich gegen das Individuelle durch“), wo es ihrer Meinung nach keine Form von Autorität gibt, nicht einmal die väterliche.

12. „Ohne ihre kollektiven religiösen und Stammes-Werte zu verlieren“

Interview von D. Tomás Balduíno, Präsident von CIMI, mit der Zeitung „Panorama“ von Londrina:

„Die Positionen von Dom Tomás sind jedoch nicht nur seine, sondern die des gesamten CIMI, der Anfang dieses Monats an einem Seminar mit Funai in Manaus teilgenommen hat [...].Bei dieser Gelegenheit wurde erneut die Meinung geäußert, dass die Missionen auch eine nachteilige Auswirkung auf die Indianer hatte; als sie versuchten, ihnen eine neue Religion und andere moralische Maßstäbe aufzuzwingen, die sich von ihren eigenen völlig unterschieden. Don Thomas:

„- Ich stimme dieser Meinung zu. Aber seit es das CIMI seit vier Jahren gibt, haben wir alle katholischen Missionen angewiesen, diese katechetische Funktion zu korrigieren und dabei die Organisation der Indianer zu respektieren. [...]

„Das Ideal wäre, dass sie mit unserer Zivilisation leben könnten, ohne jedoch ihre gemeinschaftlichen, religiösen und Stammeswerte zu verlieren; ohne das Recht zu verlieren, ihre Häuser zu bauen, weiter zu pflanzen, wie sie es immer getan haben; und ohne von der Unerschrockenheit der Konsumkultur verschlungen zu werden, in der vor allem private und finanzielle Interessen bestehen.“ [...]

„- Die Indianer marginalisieren sich, verlieren ihren Platz, das ist die Wahrheit. Diese Integration, die die Regierung beabsichtigt, wird sie nur zu Parias der Gesellschaft machen, was bedauerlich ist, da sie heute einen sozialen Status haben, der den verschiedenen Gruppierungen unserer Gesellschaft weit überlegen ist. Sie sind sich erfüllt, ihre Häuptlinge sind wahre Häuptlinge, aber mit dem Bewusstsein, dass sie Häuptlinge unterdrückter Völker sind. [...].

„Dies ist jedoch nicht das Schlimmste: Feindseliger ist die Gier. Was sie wirklich wollen, ist nicht, die Indianer auszurotten, sondern ihr Land um jeden Preis zu besetzen. Es hat sogar Versuche gegeben, Stämme zu vergiften. [...] Der tödliche Hass der Weißen war also erklärt. [...]

„Zum Zeitpunkt der Entdeckung Brasiliens waren es über 2 Millionen. Heute rechnen sie mit rund 100 Tausend oder 150 Tausend, obwohl letztere Zahl sehr optimistisch ist“ (Dok. 10).

13 „Von den Indianern haben wir nur zu lernen“

Aussagen von P. Egydio Schwade, Berater des CIMI:

„Unsere Zivilisation ist bankrott, zum Scheitern verurteilt und nicht die der Indianer.“ Mit diesen Worten kommentierte Pater Egydio Schwade, Berater des Indigenen Missionsrats (CIMI), gestern in São Paulo die Aussagen des Sertanisten Orlando Villas Boas, der gestern sagte, dass das Ende der indianschen Zivilisation unvermeidlich sei und der Indianer selbst sich dessen bewusst ist.

Pater Schwade sagte: „Wenn wir die Werte der indigenen Gesellschaft mit denen unserer sogenannten zivilisierten Gesellschaft konfrontieren, sehen wir, dass wir nur von ihnen zu lernen haben. Der unwiderrufliche Lauf der Geschichte zeigt an so vielen Beispielen, die sich bereits in der heutigen Welt abzeichnen, dass sich die menschlichen Gesellschaften für jene Werte öffnen, die immer die der Indianer waren, wie den Gemeinschaftsgeist, die Solidarität und den Respekt für den nächsten“.

Schwade meint: „Je mehr wir versuchen, die Identität der indigenen Völker physisch, kulturell und sogar ökologisch zu respektieren, zu verteidigen und zu bewahren, desto größer ist die Chance, uns selbst zu retten und uns selbst zu finden und die Entfremdung überwinden, in der der Lebensrhythmus unserer zivilisierten Gesellschaft uns hineintaucht.“

Der CIMI-Berater kommentierte: „Die ganze Welt hat sich zu Recht gegen die jüngste Verurteilung von fünf Männern zum Tode aufgelehnt. Mit viel mehr Recht sollte das nationale und weltweite Gewissen seine Stimme erheben gegen die Ausrottung unserer Indianer, die eine so würdige und heilige Geschichte haben, wie die heilige Geschichte des Volkes Gottes, das von Juden und Christen gewürdigt wird“ (Dok. 11).

KOMMENTAR

Der in diesem Dokument enthaltene Unsinn ist verblüffend. Zum Beispiel haben diejenigen, die in „unserer sogenannten zivilisierten Gesellschaft“ leben, von den Indianern nur zu lernen.

Das heißt, alles, was unter den Indianern ist, ist eine Lehre für die Zivilisierten. Ein Beispiel? „Gemeinschaftsgeist, Solidarität und Respekt des Nächsten“.

Dieses Thema zeigt die Bewunderung, die bestimmte „aktualisierte“ Missionare dem mehr oder weniger kommunistischen Charakter erweisen, den sie im Leben indigener Stämme sehen.

Nach diesem Lob solcher primitiven Gesellschaften und der Herabsetzung der heutigen Zivilisation verursacht die Behauptung, dass „die Geschichte unumkehrbar ist“ nur spöttisches Lachen.

Die Behauptung, die Geschichte der Indianer sei „so würdig und heilig wie die heilige Geschichte des Volkes Gottes“, wirft folgende Fragen auf: Was haben die Indianer dann davon, evangelisiert zu werden? Wofür gibt es Missionare?

14. Die Indianer sind Vorbilder für unsere Gesellschaft

Erklärungen von D. Fernando Gomes, Erzbischof von Goiânia:

„Indigene Gemeinschaften sollten wie Evangelisierer willkommen geheißen werden, damit sie zu Vorbildern unserer Gesellschaft werden können, die viel von ihnen zu lernen hat“, sagte Erzbischof Fernando Gomes de Oliveira von Goiânia gestern und eröffnete den Kurs „Perspektiven der Integration von Indianer in der nationalen Gemeinschaft“, organisiert vom indianischen Missionsrat (CIMI) und dem Institut für sozioökonomische Forschung der katholischen Universität von Goiás. […]

„Dom Fernando Gomes [...] sprach über die Bedeutung des Treffens, indem er seine Notwendigkeit für die Herausbildung einer besseren Vision der Kirche im Bereich der indigenen Völker unterstrich und betonte, dass ihre Gemeinschaften als Evangelisierer in dem Sinne empfangen werden sollten, dass sie Vorbilder für unsere Gesellschaft werden“ (Dok. 12).

KOMMENTAR

Wenn die kleinen „indigenen Gemeinschaften“ ein Modell für unsere Gesellschaft sein sollen, fragt man sich, wie dieses Modell von den heutigen zyklopischen Gesellschaften nachgeahmt werden kann, wenn nicht durch die Errichtung eines mehr oder weniger kommunistischen Regimes ... oder vielleicht ganz kommunistisch.

Zumindest, wenn man das durch „aktualisierte“ Missiologie präsentierte Bild der indigenen Gesellschaften als wahr anerkennt.

15. Die „angepasste“ Missiologie inspiriert eine radikale Veränderung unserer Gesellschaft

Aus dem von Bischöfen und Missionaren unterzeichnetem Dokument „Y-Juca-Pirama - Der Indianer: Derjenige, der sterben muss“:

„Wenn wir die mutige Demut hätten, von den Indianern zu lernen, würden wir vielleicht dazu gebracht, unsere individualistische Mentalität und die entsprechenden wirtschaftlichen, politischen, sozialen und religiösen Strukturen so zu verändern, dass wir anstelle der Herrschaft der einen über die anderen die Welt der Solidarität miteinander aufbauen könnten. Zusammenarbeit “(Dok. 9. S. 24).

KOMMENTAR

Horizontale Solidarität, außerhalb des Prinzips der Autorität, die in Stammesgesellschaften praktiziert wird, ist das Ideal, das uns die Indianer beibringen.

Dieser Egalitarismus, der die Gütergemeinschaft, das Fehlen sozialer Klassen usw. einbezieht, wenn er auf die großen modernen menschlichen Konzentrationen übertragen wird, führt zum Kommunismus.

Sogar die religiöse Struktur, die Jesus Christus heiligmäßig hierarchisch eingesetzt hat, muss sich unter die Dampfwalze der indigenen „Weisheit“ nivellieren lassen.

16. Die Mission des Indianers: „bewirken, dass die Zivilisierten die Zivilisation wieder finden“

Artikel von P. Antonio Iase S.J., Exekutivsekretär von CIMI

„Der Indianer hat eine Mission zu erfüllen: bewirken, dass die Zivilisierten die Zivilisation wieder finden. [...]

„Das Problem liegt nicht auf der Seite der Indianer, sondern in der gesamten Gesellschaft. Es ist nicht der Indianer, der durch ein von seiner Kultur und Geschichte entfremdetes Erziehungssystem konditioniert werden muss, sondern es ist die gesamte Gesellschaft, die bereit sein muss, den Indianer so zu akzeptieren, wie er ist; um die Welt des Indianers zu verstehen und zu respektieren und ihn nicht zu zwingen, in unsere Welt einzutreten“ [...] (Dok. 13, S. 20 und 22).


Abschnitt V

Evangelisierung ist nicht erforderlich

Das Konzept ist so hoch, dass für „aktualisierte“ Katecheten das Stammesleben es verdient, dass das Evangelium - und die daraus resultierende christliche Zivilisation - von ihnen in den Hintergrund gedrängt werden.

Symptome hierfür sind bereits in den Texten 11 bis 16 aufgetreten. Es ist jedoch möglich, in diesem Sinne mehrere andere Missionserklärungen als oder noch bedeutender zu präsentieren.

17. Da die Indianer in Gemeinschaftsregime leben, brauchen sie die Kirche nicht

Interview von D. Tomás Balduíno, Bischof von Goiás und Präsident von CIMI, zur Wochenzeitschrift „Opinião“:

„Heute entdeckt die Missionstätigkeit in der indigenen Kultur Werte des Evangeliums, so dass der Indianer nicht nur evangelisiert wird, sondern auch in der Lage ist, uns durch brüderliche Beziehungen untereinander, durch die Wertschätzung der Schwachen und des Kindes, durch Erziehung zur Freiheit, durch die Bindung zum Religiösen, zu evangelisieren. Die Welt der Indianer ist nicht in sich geschlossen, sondern öffnet sich einer Welt des Mysteriums, die den Stammesgruppen ein großes Gleichgewicht verleiht.“ [...]

„Die Evangelisierung ist in der Lage, die Gegenwart Christi in der Stammesgruppe zu entdecken, weil sie christlicher lebt als wir, mit unserer Taufe und religiöser Praxis. Ohne den Namen Christi zu bekennen, leben die Indianer viel mehr in der Fülle des Lebens, die Christus als gute Botschaft der Befreiung verkündet, als wir, die wir heidnisch untereinander leben“ (Dok. 14).

KOMMENTAR

Die Indianer, die in Gemeinschaftsregime leben, brauchen nichts. Nicht einmal von der Kirche, weil sie bereits die Fülle der evangelischen Erfahrung haben.

Unter der Annahme, dass die Dinge so sind, wie D. Thomas Balduino sie beschreibt, könnte man fragen, was die Katechese für eine  Sinn hat.

Wahrscheinlich wird die Katechese deshalb als rein auf eine irdische Aufgabe fokussiert dargestellt, nämlich die Erhaltung des Stammeslebens, wie der folgenden Text zeigt.

18. Die Hauptaufgabe der Kirche besteht nicht darin, die Indianer zur Religion Jesu Christi zu bekehren, sondern ihren Stammesstaat zu bewahren.

Pastoralplan der Bischöfe des Amazonas

„Die Bischöfe verteidigen die These, dass die Hauptaufgabe der Kirche nicht darin besteht, die Indianer zu katechisieren und zu bekehren, sondern ihre Werte zu garantieren und ihren kulturellen Prozess zu lenken, um Konflikte und Synkretismen zu vermeiden“ (Dok. 15).

19. „Aktualisierte“ Katechese: Die religiöse Botschaft, die der Indianer im Unterbewusstsein trägt, an die Oberfläche des Bewusstseins bringen

Interview von D. Tomás Balduíno, Bischof von Goiás und Präsident von CIMI, mit der Zeitung „Voz do Paraná“:

„Wir verstehen die Katechese nicht wie früher: die Weitergabe einer Lehre im Hinblick auf den Eintritt in eine bestimmte Zeit - Einweihung zum Gottesdienst, zur Taufe, zum Empfang der Sakramente usw. Wir verstehen Katechese heute als eine globale Art und Weise, in der der evangelisierende Aspekt vorherrscht, der sich mehr an der Wiederherstellung des Bildes Gottes im Menschen als an der Einbeziehung des Individuums innerhalb einer bestimmten Religion orientiert. Also anstatt Proselitismus für den Eintritt in eine Gruppe oder religiösen Bruderschaft zu machen, geht man zum Indianer und macht die Botschaft, die bereits in ihm ist, erlebbar und bewusst. Dies ist, wie ich sagte, „an der Seite sein“. Dem Indianer zu verstehen machen, dass er die Ankündigung und die Denunziation für diese Gesellschaft sein kann, die, obwohl sie behauptet, religiös, katholisch zu sein und ich weiß nicht was noch mehr, egoistisch, individualistisch, hedonistisch und gierig ist. Der Indianer ist nicht so: er gibt sein Leben für den anderen.“ (Dok.16, Sp. 638)

KOMMENTAR

In der „aktualisierten“ Katechese geht es viel mehr darum, die religiöse Botschaft, die bereits in seinem Unterbewusstsein enthalten ist, an die Oberfläche des indianische Bewusstsein zu bringen, als, ihm die frohe Botschaft zu lehren, die unser Herr Jesus Christus allen Völkern gebracht hat.

20. Evangelisierung ist zweitrangig für Missionare, die Anchietas Arbeit verachten

Bericht über das zweite CIMI-Nord-Regionaltreffen von Mato Grosso:

„Die aktuellen Missionare erkennen an, dass die gleichzeitige Arbeit der „Befriedung und Katechese“, die im Geiste von Anchieta entwickelt wurde, ohne die Notwendigkeit zu berücksichtigen, die indigene Kultur zu bewahren, auch dazu beiträgt, dem Indianer eine fatalistische Missachtung seiner kulturellen Werte enzuflößen [...].

„Die Teilnehmer des Diamantino-Treffens machten diese Wiederbelebung der Stammeswerte zu einer Grundvoraussetzung und verteidigten als ersten Schritt eine bessere Vorbereitung der Missionare. Sie bekräftigten, dass es im Integrationsprozess von entscheidender Bedeutung ist, die gesamte kulturelle Struktur der Gruppen zu respektieren und die Evangelisierung nur ein untergeordneter Teil dieses Prozesses sein darf“ (Dok. 17).

KOMMENTAR

Es versteht sich, dass die „aktualisierten“ Missionare die Arbeit des großen Anchieta vernachlässigen. Dieser machte die Katechese nicht „nur zum Nebensache“ seiner Mission.

21. Indigene Völker sind die wahren Evangelisten der Welt

Zeugnis von D. Tomás Balduíno, Bischof von Goiás und Präsident von CIMI:

„Die tiefe Überzeugung der mit der Kirche verbundenen Missionare ist, dass diese Völker (und ich denke zum Beispiel an indigene Völker) die wahren Evangelisierer der Welt sind. Wir Missionare kommen nicht als solche zu ihnen, die eine Lehre oder Evangelisierung bringen, die Christus uns gebracht und anvertraut hat und die wir mit zivilisierten und kultischen Riten bekleidet haben. Aber wir gehen zu ihnen und wissen, dass der Christus uns in ihrer Mitte vorausgegangen ist und dass dort die „Samen des Wortes“ sind. Wir sind davon überzeugt, dass sie das Evangelium der Glückseligkeit leben. Und deshalb müssen wir uns zu ihren Kulturen bekehren und wissend, dass die frohe Botschaft des Evangeliums sich in jedweder Kultur inkarniert. Und ausgehend von den am stärksten ausgegrenzten und unterdrückten wird sie zur Universalen Gute Nachricht mit dem Wert der Prophetie für alle Menschen“(Dok. 18, S. 16).


Aus dem Portugiesischen übersetzt mit Hilfe DeepL-Übersetzer (kostenlose Version) von „Tribalismo Indígena, ideal comuno-missionário para o Brasil no século XXI“, Editora Vera Cruz Ltda – São Paulo – SP. 7. Auflage – Juni de 1979, S. 45 bis 71.

Diese deutsche Fassung von „Indigerner Tribaöismur Teil III” erschien erstmals in  www.p-c-o.blogspot.com

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Teil I lesen Sie HIER

Teil II lesen Sie HIER

Den vollständigen Text des Buches im PDF-Format können Sie HIER lesen bzw. herunterladen: